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Full text of "Archiv für Buchgewerbe vol. 56 (1919)"

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INHALTSVERZEICHNIS 

DES ARCHIVS FÜR BUCHGEWERBE, 56. BAND, 1919 


Seite 

Autotypiedruck, Der. Von Eduard Kühnast . . 121 
Beheizung, Elektrische, für Setzmaschinen- 
Schmelzkessel und für Stereotypieöfen ... 43 

Bolschewismus und Graphik. Von Heimbert 


Leunig. 30 

Breitkopf & Härtel in zweimal hundert Jahren . 2, 70 
Buch, Das, als Werk des Buchdruckers. Von 

Friedrich Bauer.7, 61, 108, 134 

Buchbinderei, Die, im Weltkriege. Von Paul 

Volkmann. 16 

Bucheinbandes, Etwas über die Geschichte des. 

Von Paul Kersten. 37 

Buchgewerbliche Rundschau: 

Bargeldloser Zahlungsverkehr.130 

Berliner Buchgewerbesaal. 78 

Berliner Typographische Gesellschaft . . 76, 128, 164 

Bund deutscher Gebrauchsgraphiker. 78 

Deutscher Buchdruckerverein.164 

Deutscher Buchgewerbeverein.76, 101 

Drahtlose Telegraphie ohne Antenne.130 

Druckerei im Vatikan, Die.130 

Fachgewerbeschule der Innung Dresdner Buch¬ 
druckereibesitzer . 78 

Fachklassen für Buchdrucker der Gewerbeschule 

Mannheim.165 

Fachverband der Geschäftsbücher-Fabrikanten . . 166 

Graphischer Klub Stuttgart.165 

Graphische Vereinigung Offenbach a. M., Die . . 53 

Groteskschrift Koralle von Scheiter & Giesecke . 79 

Kalendermuster.166 

Kleukens-Presse zu Frankfurt a. M.166 

Lehrgänge der Leipziger Universität für Buch¬ 
gewerbe .166 

Prinzipalkurse an der Leipziger Akademie .... 166 

Schülerarbeiten der Fachklasse für Buchdrucker 
an der städtischen Handwerker- und Gewerbe¬ 
schule zu Zittau.129 

Titan und Breite Titan von Scheiter & Giesecke . 79 

Typographische Gesellschaft Frankfurt a. M. . 53, 77 

Typographische Gesellschaft Leipzig ... 52, 76, 129 

Typographische Gesellschaft München. 53 

Typographischer Klub Erfurt. 77 

Typographische Vereinigung Berlin. 52 

Typographische Vereinigung Bielefeld.128 

Typographische Vereinigung Hagen i.W.165 

Windisch-Kursiv von Gebr. Klingspor. 79 


Seite 


Buchhandel und Bugra-Messe. Von Kurt Loele 82 

Buchhändlermessen, Die Leipziger, der Ver¬ 
gangenheit. Von Julius R. Haarhaus .... 93 

Bugra-Herbstmesse, Die, 1919. Von Dr. Julius 

Zeitler.•.148 

Bugra-Messe und Papiermesse. VonErnstCollin 150 

Collin, Georg. Von Heinrich Inheim. 44 

Drucker, Alte, und Illustratoren im Leipziger 
Stadtgeschichtlichen Museum. Von Dr. Julius 

Zeitler.115 

Eszett, Das, und die deutsche Sprache. Von 

P. Eberhard. 41 

Facetten an Ätzungen. Von Emil Köditz ... 152 


Fischhaut zu Bucheinbänden. Von Franz Martini 19, 78 
Fortbildung, Berufliche, im Bildungsverband der 
Deutschen Buchdrucker. Von Bruno Dreßler 201 

Hupp, Otto. Von Rudolf Koch. 73 

Kunstgewerbe und Messe. Von Dr. R. Graul . 85 

Mitteilungen aus der buchgewerblichen 


Praxis: 

Allgemeines von Gleichstrom-Maschinen .... 52 

Druckfirma, Die. 162 

Durchreißen von Autotypien, Über das. 127 

Ein- und Ausfuhrbewilligung. 163 

Eszet-Kiste. 128 

Gasschlauch aus Papier. 52 

Hochdeutschen Schriften, Die, der Firma Johann 

Enschede en Zonen. 162 

Hölzl-Mediäval. 25 

Längstitel auf Bücherrücken. 25 

Notschrei, Ein, an die Chemigraphen. 162 

Prägepresse für Setzmaschinenmatrizen .... 51 

Ratschläge für Linotypesetzer. 51 

Satzbinder „Ich kann’s“. 75 

Spitzkolumne, Die. 127 

Vergrößerung des Postkartenformates. 163 

Verläufe an Netzätzungen. 75 

Vervielfältigungsverfahren, Ein neues. 51 

Vorwort, Das. 126 

Waschmittel. 25 

Zünden der Flammen von Setzmaschinen und Gas¬ 
öfen . 26 

Zur Behandlung deutscher Forderungen und Gut¬ 
haben im Auslande. 163 

Zusammenschluß des Berufsschulwesens, Der . 164 


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PRINCETON UNIVERS1TY 


















































Archiv für Buchgewerbe 


Seite 


Seite 

Mustermesse, Leipziger, und Bugra-Messe. Von 

Emst Collin. 87 

Nationalversammlungs-Marken, Die. Von Dr. 

Julius Zeitler. 122 

Normalschnittes mathematischer Zeichen, Über 
die Möglichkeit eines. Von Wilhelm Hellwig 65, 112 
Normierungsaufgaben im Buchgewerbe . 21,46, 125 
Postwertzeichen, Neue deutsche. Von Max 

Pellnitz. 68 

Qualität und Archiv für Buchgewerbe. Von 

Dr. Herbert Hauschild.171 

Reklame, Lage und Herstellungsbedingungen 
der, und Werbedruckerei. Von Dr. Kurt 

Säuberlich.175 

Scheiter & Giesecke, 100 Jahre. Von Professor 

Dr. Schramm. 58 

Schnitt an Rotationsmaschinen, Über gezackten 
und glatten. Von Dr. August König . . 31, 102, 141 
Schriftgießerei, Die, auf der Bugra-Messe in 

Leipzig. Von H. Schwarz. 91 

Schriftgießereien, Die Proben der. Von Heinrich 

Hoffmeister. 18 

Schriftgießereigewerbe, Die gegenwärtigen Ver¬ 
hältnisse im, Deutschlands. Von Heinrich 

Hoffmeister.191 

Schwarz, Heinrich. Von E. Wetzig.161 

Setzmaschine, Zur Geschichte der. Von Dr. P. 

Martell.153 

Spezialistentum und Betriebsleitung im graphi¬ 
schen Gewerbe. Von Professor Fritz Goetz 186 
Stempelschnittes, Über die Kunst des. Von 

Rudolf Koch .179 

Tätigkeitsbericht des Deutschen Museums für 


Buch und Schrift. Von Professor Dr. Schramm 213 
Technischen Sammlungen, Aus den, des Deut¬ 
schen Buchgewerbevereins. Von Max Fiedler 50 
Typographischen Gesellschaften, Ziele, Tätigkeit 
und Aufgaben der. Von Heinrich Schwarz . 205 
Wirtschaftliche Umschau. Von Dr. Alfred Heller 195 
Zeiten, Neue — neue Formen. Von Dr. Ludwig 

Volkmann. 81 

Zeitungsreklame und Entwürfe. Von Th. Zöllner 158 

Zeitschriften, Bücher und Eingänge: 

Album graphischer Kunst, Ein nationales .... 131 

Altfränkische Bilder 1919.167 

Baum, Albert, Deutschlands Errettung aus wirt¬ 
schaftlicher Not. 80 

Bott, Karl, Die neuzeitliche Organisation des Ge¬ 
schäftsbetriebes . 80 


Bovenschen, Dr. Albert, Wirtschaftsfragen der 

Gegenwart und Zukunft.167 

Dresdner Kalender. 28 

Dusel, Dr. Friedrich, Verdeutschungen.131 

Engel, Eduard, Sprich Deutsch. 80 

Engel-Hardt, R., Der goldene Schnitt.208 

Gaa, Josef, Druckproben. 54 

Gute Kunst fürs deutsche Haus. Von B.G.Teubner 167 

Gutenbergbild, Ein neues. 56 

Hannich, Rudolph, Werbe-Mappe.167 

Helbert, A., Der Kaufmann nach dem Weltkrieg . 80 

Jahrbuch 1916 bis 1918 der Lehr- und Versuchs¬ 
anstalt für Photographie, Chemigraphie, Licht¬ 
druck und Gravüre zu München. 27 

Kalender 1919. 27 

Köhler, W., Enzyklopädisches Wörterbuch ... 131 

Krigspenge Tidente. 56 

Kunst und Leben. 56 

Leos, Wilhelm, Buchbinder-Kalender 1919 . ... 55 

Messe und Qualität. 80 

Meyer, C. A. H., Die Buchführung im Druckgewerbe 55 
Mitteilungen des Verbandes der Buchbinderei¬ 
besitzer 1919. 55 

Mitteilungen des Verbandes Deutscher Kriegs¬ 
sammlungen E. V. 1919. 55 

Orchideengarten, Der. 55 

Ostwald, Wilhelm, Einführung in die Farbenlehre 

W. Ostwalds.209 

Ritter, Franz, Katalog der Ornamentstichsamm¬ 
lung des österreichischen Museums für Kunst 

und Industrie.211 

Schleswig-Holsteinischer Kunstkalender 1918/1919 28 

Schriftgießerei, Die, im Schattenbid. Von Gebr. 

Klingspor.130 

Schriftwart, Der. 80 

Schwalbe und Sieber, Die chemische Betriebskon¬ 
trolle der Zellstoff- und Papierstoffindustrie und 
andern Zellstoff verarbeitenden Industrien . . 210 

Seiffert, Otto, Freie Bahn dem Tüchtigen .... 80 

Stereotypeur, Der, Hausorgan des Kempewerkes 

in Nürnberg. 27 

Steuer, Die. 55 

Storm, Theodor, Erzählungen und Dichtungen. Von 

Fedor v. Zobeltitz.132 

Waldfriedhof, Der, des Jägerregiments 3 in den 

Karpathen.166 

Wasmuths Kunsthefte Nr. 1: Mumienporträt. Nr.2: 

Altdeutscher Totentanz.167 

Wasserzieher, E., Woher?. 28 

Weber, Albin, 25 Jahre Berliner Faktorenverein 

1894 bis 1919. 54 

Weidenmüller, Stoff und Geist in der Werbelehre 131 
Woitaske, Oskar, Schwierige Silbentrennung . . . 132 

Zeitungen als Sammelobjekt. 55 

Zeitungskunde. 56 


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Inhalts Verzeichnis 


der Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum, 2. Band, 1919 


Seite 

Bergsträsser, G.: Zur ältesten Geschichte der 

kufischen Sdirift. 49- 66 

Bodkwitz, Hans H.: Die periodische Geheimpresse 

im besetzten Belgien <1914 bis 1918). 14—18 

Bogeng, G. A. E.: Adreßbuch-Studien 110—114, 121 —128 
Bogeng, G. A. E.: Deutscher Prachtband des 

17. Jahrhunderts .115—116 

Coli in, Ernst: Das deutsche Künstlerplakat der 

Revolutionszeit. 84—89 

Erk es, Eduard: Das chinesische Haus im Deutschen 

Kulturmuseum zu Leipzig. 25—33 

Ficker, Johannes: Konfirmationsurkunde .... 128—131 
Ficker,Johannes: Das Zwingli-Gedächtniswerk 1919 39—42 

Fröhlich, Armin: Zur Geschichte der Druckerei 

des Kiewer Höhlenklosters. 33—39 

Gardthausen, Viktor: Protokoll.97—106 


Gardthausen, Viktor: Die alten Zahlzeichen . . 1—3 

Giesccke, Albert: Dürer als Kriegsbaumeister . . 140—144 
Meißinger, Karl August: Arminius Hasemanns 
Holzschnittwerk Himmel und Hölle auf der Land¬ 
straße . 131—139 

Mitteilungen aus dem Deutschen Kulturmuseum. 

20—23, 46-47, 67—69, 93-94, 117—119 
Mitteilungen des Deutschen Vereins für Buchwesen 

und Schrifttum. 70—71 

Möller, Georg: Die Buchschrift der alten Ägypter . 73—79 

Schering, A.: Brief-Autographe im Geschäftsarchiv 

von Breitkopf 'S) Härtel in Leipzig. 7—14 

Schultze, Ernst: Verbrannte Bücher • . 89—92, 107—110 

Vedder,H.: Buschmannzeichnungen. 4—6 

Voß, Hermann: Zum Tode Otto Richard Bosserts 18—19 

Wackernagel: Ein Holzschnittzyklus des Haus¬ 
buchmeisters? . 79—83 

Zeitler,Julius: Schweizerische Graphik. Ausstellung 

im Deutschen Buchgewerbehaus zu Leipzig . . . 43—44 

Beilagen 

Belgische Geheimpresse.Nach S. 16 

Abbildungen zum: Zwingli-Gedächtniswerk 1919. 

Nach S. 40 

Hieroglyphen-Denkmäler.Nach S. 76 


Seite 

Java-Kunst. Probe.Nach S. 68 

Holzschnitte des Hausbuchmeisters . • • Nach S. 82 

Protokoll zum Testament des Phoebammon. Vor S. 97 

Holzschnitte Arminius Hasemanns . . . Nach S. 132, 133 

Bücher» und Zeitschriftenschau 

Al man ach der Bücherstube. • . 23 

Aus Sachsens Sagenborn. 24 

Birt, Theodor: Aus dem Leben der Antike ... 23 

Cohnstaedt, Wilhelm: Presse und Volksbildung 48 

Domei, Georg: Gutenberg, die Erfindung des Typen¬ 
gusses und seine Frühdrucke. 145 

Ebhardt, Bodo: Die zehn Bücher der Architektur 
des Vitruv und ihre Herausgeber seit 1484 ... 48 

Frank, Sepp: Exlibris III. 24 

Gesamt-Inhaltsverzeichnis der ersten 50Bände 
des Archivs für Buchgewerbe 1864 bis 1913 . . . 120 

Goethe-Kalender. 1919. 48 

Gottschalk, Paul: Die Buchkunst Gutenbergs und 

SchöfFers. 145 

Hirschberg, Leopold: Erinnerungen eines Biblio¬ 
philen . 96 

Jochen, Max: Im deutschen Märchenwalde • ... 24 

La risch, Rudolf v.: Der Kajak und seine Arten . 120 

Ledig, Walter: Mücken und Tücken. 145 

Malerische Leipzig, Das. 47 

Meisterwerkein der Ermitage zu St. Petersburg, Die 24 

Neue Schweizer Kunstliteratur. 95 

Newe Testament Deutzsch, Das. 120 

Radt, Martin: Die Frühlingsmärchen. 24 

Rauthe, Oskar: Sende-Schreiben. 146 

Runge, Philipp Otto: Bilder und Bekenntnisse . . 47 

Schöne Bücher. 95 

Spyri, Johanna: Heidis Lehr- und Wanderjahre . 145 

Stätten der Bildung. Band 1. 119 

Storni: Immensee — Pole Poppenspäler. 145 

Sturm, Hans: Unser Hoffmann von Fallersleben . 72 

Waldmann, E.: Albrecht Dürers Handzeichnungen 47 

Weise, O.: Schrift- und Buchwesen in alter und 

neuer Zeit. 119 

Wiegendrucke und Handschriften. 120 


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FRIEDEh 

AUS ALEXANDER (SASCHA) SCHNEIDER, KRIEGERGESTALTEN UND TODESGEWALTEN 
VERLAG VON BREITKOPF & HÄRTEL IN LEIPZIG 


5EILAGE ZUM ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 


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DRUCK VON BREiTHOPF & hARTEL IN LEIPZIG 


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ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 
HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN 

56. BAND JANUAR • FEBRUAR HEFT 1/2 


| ZUM NEUEN JAHRGANG 

W enn das vorliegende Doppelheft, mit dem das Archiv für Buchgewerbe in seinen 56. Jahrgang 
eintritt, erscheint, werden wir hoffentlich in der Entwicklung des neuen deutschen Reiches um 
einen Schritt weitergekommen sein. Die Wahlen zur Nationalversammlung haben stattgefunden 
und damit ist der Grund gelegt zum Beginn einer neuen segensreichen Entwicklung. Auch das 
I gesamte Buchgewerbe hat unter der schweren Prüfung der Kriegsjahre außerordentlich zu leiden 
1 gehabt und sehnt sich nach dem Augenblick, wo unter geordneten Verhältnissen das Friedenswerk 
| wieder aufgenommen werden kann. Noch erschweren andauernd gesteigerte Löhne, die in keinem 
j Verhältnis zu den Erträgnissen stehen, die ruhige Arbeit und es wird noch längere Zeit brauchen, 

| bis alles wieder in normale Bahnen kommt, aber es zeigt sich doch hier und dort ein Wiederauf- 
j leben der gewerblichen Tätigkeit, das die Wunden, die der Krieg dem deutschen Buchgewerbe 
; geschlagen hat, hoffentlich bald heilen lassen wird. Das Archiv für Buchgewerbe tritt in die 
z neue Zeit äußerlich mit einem neuen Gewände ein, aber auch die neue Schriftleitung wird 
} bestrebt sein, durch vielseitige Anregung mit dazu beizutragen, den Unternehmergeist zu wecken. 

| DIE SCHRIFTLEITUNG DES ARCHIVS FÜR BUCHGEWERBE 

} KARL WEISSER j 

In den Deutschen Buchgewerbeverein wurden im Monat Dezember 1918 als Mitglieder aufgenommen: 

1. W. Eidemüller , i. Fa. Friedr. & Carl Hessel, Farben¬ 
fabrik, Leipzig-Volkmarsdorf. 

2. Hermann Fischer , Direktor der Missionsdruckerei 
G. m. b. H., Steyl, Post Kaldenkirchen (Rhld.). 

3. Herbert Kutschbach, i. Fa. Buchhandlung Düssel¬ 
dorfer Zeitung, Düsseldorf. 

4. Wilh. Langguth , Geschäftsbücherfabrik und Ver¬ 
lag, Eßlingen a. N. 

5. Carl Liesenbergy i. Fa. Pfälzische Verlagsanstalt, 

Neustadt a. d. H. 

6. Franz Lindner, Buch- und Steindruckerei, Ratibor. 

7. Max Madraschy i. Fa. Druckerei H. Madrasch, 

Soldin. 

8. Friedrich Manahrens f Direktor der Buchdruckerei 
Davos A.-G., Davos Platz. 

9. Otto Maresch , Direktor der Aktiebolaget E. T. 

Gleitsmann, Trelleborg. 

10. MaxMaetee,i.Fa.Buchdruckerei„DerHolzmarkt a , 

Berlin. 

11. J. Meincke, i. Fa. J. Meincke Verlag, Neuwied. 

12. GustavMuschiol, Buchdruckerei u.Verlag, Rybnik. 

Leipzig , den 31. Dezember 1918 

Die Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins 

Karl Weisser, Verwaltungsdirektor 


13. Dr. F. Poppe, Buch- und Kunstdruckerei, Leipzig. 

14. Curt Richard Porzigy i. Fa. Emil Porzig & Sohn, 
Taucha bei Leipzig. 

15. Reinhold Raaschy Buchdruckerei u. Verlag, Berlin. 

16. Gustav Scheibe, Kgl.Militär-Baumeister, Spandau. 

17. Carl Schulda jun ., i. Fa. F. Rollinger, Buch¬ 
druckerei, Wien. 

18. G. H. Toews, Direktor der Fa. K. & H. Greiser, 
Hofbuchdruckerei, Rastatt. 

19. Kgl. und Universitätsbibliothek, Königsberg i. Pr. 

Für das Jahr 1919 

1. Paul Hertz , i. Fa. Hertzs Bogtrykkeri, Kopenhagen. 

2. Dr. W. Reiß , i. Fa. Erich Reiß’ Verlag, Berlin. 

3. Alfred Reuß , i. Fa. Reuß & Itta, Buchdruckerei und 
Verlagsanstalt, Konstanz. 

4. Dr. Kurt Säuberlich , i. Fa. Dr. Kurt Säuberlich, 
Buchdruckerei, Leipzig. 

5. Felixv.Taschitzki, i. Fa. H.Lonsky,Buchdruckerei, 
Frankenstein i. Schl. 

6. Hans Zeder , Buchdruckerei und Verlag, Nürnberg. 


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Archiv für Buchgewerbe 



Breitkopf & Härtel in zweimal hundert Jahren (1719 bis 1919) 

Lebenslauf eines buchgewerblichen Großbetriebes 

Von E. WETZIG in Leipzig 


f erhebendes und beglückendes 

Gefühl ist es, den Tag miterleben zu 
l 7 9 2 ^iSÄ k ö nnen , den vergangene Generationen 
lieblich in ihre Seele malten und der 
nicht der Festtag nur weniger fröhlicher 
(4 Menschen sein soll. Freilich überschäu¬ 

mendes Glücksgefühl kann jetzt nach überstandenen 
schweren Kriegsjahren in uns nicht emporkommen; 
wir sind von den Freuden derVergangenheit losgelöst 
und haushälterischer geworden. Groß und beruhigend 
dabei ist der Gedanke, daß die Quellen der Freuden 
wieder fließen werden: Freundschaft, Geschmack, 
Wahrheit und Schönheit. Das Zunächstliegende ist 
das Selbstverständliche für uns. Es gilt, auf der Höhe 
des Weges angelangt, zurückblickend einmal die ge¬ 
gangene weite Strecke zu überschauen. Schöne und 
anregende Bilder bieten dem Auge sich dar, die 
nachstehenden Zeilen sollen sie uns näher bringen. 
Sie sind gleichzeitig ein herzlicher Ausdruck unsrer 
Empfindungen für die Jubilarin, deren reges und 
reines Gefühl für buchkünstlerische und typographi¬ 
sche Schönheit auf das Archiv für Buchgewerbe seit 
einer langen Reihe von Jahren den glücklichsten Ein¬ 
fluß hat. 

Unsrer in der Aufschrift gekennzeichneten Über¬ 
sicht, die sich auf die Forschungen des ältesten 
Mitinhabers der Firma stützt, stellen wir kurze Mit¬ 
teilungen aus der Vorgeschichte des Hauses voran, in 
denen dieTätigkeit derGeschäftsvorfahren des ersten 
Breitkopf wohlverdiente ehrende Erwähnung findet. 

Der buchgewerbliche Betrieb von Breitkopf & Härtel ist 
aus einer kleinen, schon 1542 im Leipziger Ratssteuerbuch 
erwähnten Buchdruckerei hervorgegangen, als deren Be¬ 
sitzer Heinrich Eichbuchler genannt ist. Sein Nachfolger 
wurde Johann Rambau , denn er verehelichte sich im Jahre 
1575 mit der noch in kleinen Verhältnissen lebenden Witwe 
Eichbuchlers. Rambaus Geschäft blühte rasch auf, es stand 
1576 unter den damals zugelassenen vier Druckereien an 


erster Stelle. Rambau druckte nicht nur Bücher, sondern 
fertigte auch mancherlei Gelegenheitsdrucke und hatte für 
die damalige Zeit einen ansehnlichen Schriftenbestand. 
Solche kleine Druckarbeiten sind in einem Sammelband 
noch vorhanden, es dürfte erwünscht sein, gelegentlich 
daraus einiges zu veröffentlichen, namentlich auch, da es 
allerlei mit schönen Schriften gefertigte Arbeiten aus der 
Blütezeit festlicher Gelegenheitsdrucke (Akzidenzen) sind. 
Sein Tod wird unterm 12. April 1579 gemeldet. Ein Jahr 
darauf schloß die Witwe eine neue Ehe mit dem „auch der 
Druckerei erfahrenen“ Georg Deffner. Die Chronik meldet 
von ihm nichts Besonderes, er verwaltete recht und schlecht 
den ihm zugefallenen stattlichen Besitz bis zu seinem 1587 
erfolgten Heimgange. Geschäftsnachfolger wurde noch im 
gleichen Jahre durch Einheirat der Buchdrucker Abraham 
Lamberg. Er arbeitete mit drei Pressen, erst 1612 wurde die 
Einrichtung durch eine vierte Presse vermehrt. Neben der 
Druckerei erwuchs unter schwierigen Verhältnissen aus 
kleinen Anfängen heraus ein Buchhandel. Lamberg starb 
1629. Sein verwitwetes Weib nahm Henning Köler und 
damit die in der Kriegszeit arg beschädigte Druckerei, den¬ 
noch gelang es ihm in der schweren Zeit des Dreißigjährigen 
Krieges,sich als Buchdrucker einen wohlverdienten Namen 
zu machen. Nach seinem 1656 erfolgten Ableben übertrug 
die Witwe die Leitung der Druckerei Johann Georg aus Eis¬ 
leben, der diese nach jahrelanger Führung als Faktor als 
eigenes Geschäft bekam, das im Jahre 1712 durch Kauf an 
Johann Kaspar Müller, Buchdrucker aus Aschersleben, über¬ 
ging. „Dieser Müller war ein scharfsinniger und geschickter 
Mann“, der „auch die nettesten und jetziger Zeit gangbar¬ 
sten Schriften gefertigt hat“ (Geßner). Er ist jung gestorben 
1717. Die Witwe führte das Geschäft in Gemeinschaft mit 
ihrem Faktor Nicolaus Spindler bis zu ihrer Wiederverehe¬ 
lichung mit einem Breitkopf im Jahre 1719. 

Die spätem Geschäftsnachfolger haben (nach Oskar von 
Hase), einerGepflogenheit der mit derVorgeschichte nicht 
vertrauten vorangehenden Generationen entsprechend, es 
bisher so gehalten, erst vom Auftreten des Breitkopfschen 
Namens in der übrigens ununterbrochen von Anbeginn 
gleichmäßig weitergeführten Geschäftsarbeit das Alter ihres 
Hauses zu rechnen. 


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Archiv für Buchgewerbe 



BERNHARD CHRISTOPH BREITKOPF 1767 glücklich vollendet wurde. Nach seinem am 26. März 
ist der Begründer der Firma. Er ist geboren am 2. März 1777 «folg«" herzlich bedauerten Ableben führte 
1695 als Sohn eines Schichtmeisters beim Bergamte in JOHANN GOTTLOB IMMANUEL BREITKOPF 

Clausthal, kam 1709 zum Buchdrucker G. Dunker in Goslar (j as weitverzweigte Geschäft allein. Ein edler Meister stand 

in die Lehre, wo er vier Jahre blieb, und siedelte 1714 nach auf diesem Platz; Ruhm und Ehre neben ihm. 

Leipzig über. Er verließ die Stadt im folgenden Jahre, kehrte Ein Abglanz fiel in unsre Zeit. Vergangene Jahre stei- 

jedoch schon 1719 dorthin zurück und heiratete im gleichen g en aus der Erinnerung empor. Unverwischt steht vor uns 
Jahre am 24. Januar „Herrn Johann Caspar Müller Vorneh- das Bild der Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik 
men Bürger und Buchdrucker, wo auch weitberühmten 1914 . Die bunte Schönheit eines prächtigen, fast schon 
Schriftschneiders und Schriftgießers in Leipzig Wittwe“. sommerlichen Tages liegt über das weite Ausstellungs- 
Der verhältnismäßig noch junge Breitkopf kam so in gelände gebreitet, auf dem das Johannisfest und die Ehrung 
den Besitz einer der ältesten Druckereien Leipzigs. Es der großen Toten des deutschen Buchgewerbes würdig ge- 
gelang ihm bald, durch Fleiß und Rechtschaffenheit, die feiert werden, ln der hochgebauten Säulenhalle hängen die 
kleine Druckerei zu gutem Ansehen zu bringen. Breitkopf lorbeergeschmückten Gedenktafeln. Eine trägt folgende 
fand dabei die Unterstützung einflußreicher, gelehrter Män- Worte mit goldenen Lettern auf schwarzem Grund: Johann 
ner, die mit hinreichenden Mitteln für ihn eintraten. Geßner Gottlob Immanuel Breitkopf, Buchdrucker, geb. am 23. No¬ 
sagt in seiner „so nötig als nützliche Buchdruckerkunst und vember 1719 in Leipzig, gest. am 29.Januar 1794 in Leipzig. - 
Schriftgießerey“: „Dieser Mann hat das Glück, vielen Ge- wir stehen und sinnen. Von unten herauf singt und klingt 
lehrten durch seinen Druck zu gefallen." So konnte er es es feierlich: 

1732 wagen, ein eigenes, geräumiges Geschäftshaus bauen Ehret eure deutschen Meister, 

zu lassen. Es erstand auf dem Grund des alten Gasthof Dann bahnt ihr gute Geister, 

zum Goldenen Bären. Die Druckerei wurde noch im selben Er ist das letzte, schwebende Ausklingen einer von hoher 
Jahr darin untergebracht und gleichzeitig das Geschäfts- Begeisterung für ideale Bestrebungen auf dem Gebiete 
Zeichen des Bären angenommen. Das Geschäft nahm von des Buchgewerbes getragenen unvergeßlichen festlichen 
nun an einen bedeutenden Aufschwung; ehemals unter 15 Handlung. 

das 13., stand es 1740 dem Range und der Gesellenzahl Wahrlich es lohnt sich, dem Wirken dieses trefflichen 
nach an dritter Stelle. „Seine Schriftgießerey hat sich eben und feinsinnigen Mannes nachzugehen, der als Jüngling 
so beliebt gemacht", heißt es bei Geßner. Beigefügt ist eine mit großer Liebe den Wissenschaften anhing und herzlich 
1739 datierte „Schrift-Probe, oder Kurzes Verzeichniß der- wenig Neigung für das väterliche Geschäft wie überhaupt 
jenigen Hebräisch- Griechisch- Lateinisch und Teutschen für geschäftliche Dinge zeigte. Dennoch erlernte er den 
Schriften, Welche in Herrn Bernhard Christoph Breitkopfs Buchdruckerberuf, 1736 ließ er sich als Geselle bei der 
Schriftgießerey allhier befindlich sind“. Dazu kam ein er- Buchdrucker-Innung einschreiben. Den geliebten Wissen- 
freulicher Bücherverlag, der durch die engen Beziehungen schäften blieb der junge Breitkopf dabei treu. Von 1737 
desVerlegers und Druckers zuJ.Ch. Gottsched ein besond- ab studierte er mit hingebendem Eifer an der Universität 
res Gesicht erhielt. Auch die ersten Anfänge des Musik- Leipzig alte und neue Sprachen, Philosophie und deutsche 
verlags liegen in Breitkopfs Zeit: essindVeröffentlichungen Sprache. Nach abgeschlossenem Studium und einer dar- 
von Joh. Seb. Bach. auf folgenden großen Reise durch Deutschland wandte er 

Am 2. Juni 1745 übergab Breitkopf seinem einzigen Sohne sich der Arbeit im väterlichen Geschäft zu. Diese Tätig¬ 
johann Gottlob Immanuel die Druckerei; sie hatte damals keit führte ihn bald zur rechten Würdigung des vorher 

fünf Pressen, wurde aber durch Hinzukauf von zwei Druk- verkannten Buchdruckerhandwerks, und mit feinem Schön- 
kereien bedeutend vergrößert. Bernhard Breitkopf blieb für heitssinn erkannte er rascher als seine Berufsgenossen, daß 
das Verlagsgeschäft unablässig tätig, das von 1762 ab mit das Gewerbe mehrKunstfleiß, technische und künstlerische 
der Buchdruckerei B. Chr. Breitkopf und Sohn zeichnete. Förderung, notwendig brauchte. Das Studium berühmter 
Noch als Siebzigjährigerließ er in Gemeinschaft mit seinem Druckwerke hervorragender deutscher und ausländischer 
Sohne der Druckerei im Goldenen Bären gegenüber ein Meister des 15. und 16. Jahrhunderts stärkte diese An¬ 
neues Geschäftshaus, den Silbernen Bären, errichten, der sicht und regte ihn zur Verbesserung der Drucktypen an. 

3 1* 





Archiv für Buchgewerbe 


Des Buches Schönheit ist das Produkt der Zusammen- 
Stimmung zwischen Material und Geist. In den Büchern 
des 18. Jahrhunderts steckt nicht viel davon, obgleich ihre 
höchst anmutige typographische Gliederung jetzt gern und 
auch mit schönem Erfolg nachgebildet wird, die Schrift je¬ 
doch ist baufällig und läßt, mit wenigen Ausnahmen, ihre 
vergangene glänzende Schönheit nicht ahnen. 

Der sechsundzwanzigjährige Breitkopf war bestrebt, die 
vom Vater übernommene Druckerei mit dem neuen Drucker¬ 
zeichen des Bären und Pallaskopf auf eine glänzende Höhe 
zu bringen. Er suchte dazu den Verkehr mit den Besten 
der Nation, Lessing und Winckelmann wandten sich ihm zu. 
Das Maß seiner eigenen Gelehrsamkeit und der Kreis 
seines geistigen Wirkens ist an der hinterlassenen Bücher¬ 
sammlung zu erkennen. Der vorliegende Versteigerungs¬ 
katalog in zwei Oktavbänden, datiert 1795 und 1799, ent¬ 
hält 19511 Nummern, 463 Bücher davon zählt die Abteilung 
Monumenta typographica. Bibliophile Kostbarkeiten sind 
dabei; schon ihre Namen lassen das Sammlerherz schneller 
schlagen. Der junge Goethe kam oft zu Besuch in das Breit- 
kopfsche Haus, er berichtet: „Von einer schönen Bibliothek, 
die sich meistens auf den Ursprung der Buchdruckerei und 
ihr Wachstum bezog, erlaubte er mir den Gebrauch, wo¬ 
durch ich mir in diesem Fache einige Kenntnisse erwarb.“ 

Dieser kluge Breitkopf fand neben seiner regen geschäft¬ 
lichen Tätigkeit noch Zeit, der handwerklichen Druckkunst 
in mancherlei Weise geistig zu nützen. Aus seiner Ver¬ 
ehrung für die Wissenschaften heraus entstand die „Kri¬ 
tische Geschichte der Buchdruckerkunst“, von der jedoch 
nur wenige Bogen gedruckt worden sind* Im Jahre 1779 er¬ 
schien ein andres Werkchen, betitelt: „Über dieGeschichte 
der Erfindung der Buchdruckerkunst“; gewissermaßen die 
Vorgeschichte dazu heißt „Versuch, den Ursprung der 
Spielkarten, die Einführung des Leinenpapiers, und den 
Anfang der Holzschneidekunst in Europa zu erforschen“; 
das Buch erschien in zwei Teilen 1784 und 1804. Für den 
Geschichtsforscher sind die Aufsätze „Nachricht von der 
Stempelschneiderey und Schriftgießerey“ (1778) und „Buch- 
druckerey und Buchhandel in Leipzig“ (1793) nicht un¬ 
wichtig. Die aus dem Studium seiner eigenen reichen 
Bücherschätze gewonnenen Kenntnisse legte er in seiner 
letzten Schrift „Über Bibliographie und Bibliophilie“ (1793) 
nieder, gleichzeitig anknüpfend an die Bestrebungen Dü¬ 
rers, Kobergers und Neudörfers, begeisternd als Bewahrer 
und Verfechter für den Fortbestand der Frakturschrift ein¬ 
zutreten, der er seine Zuneigung bis zum Lebensende treu 
bewahrte. Denn noch 1793, ein Jahr vor seinem Tode, er¬ 
schienen „Einige Deutsche Lieder für Lebensfreuden, Ver¬ 
such neuer Deutscher Schriften“, in denen Idee und tech¬ 
nische Ausführung auf gleicher, prächtiger Höhe stehen 
(siehe Beilage). Auch die zu den Palingenesien von Jean 
Paul (1798) benutzte Schrift (siehe Beilage), deren Original- 
Matrizen erhalten geblieben und erst vor wenigen Jahren 
wieder aufgefunden worden sind, hat Immanuel Breitkopf 
angeregt und gefördert. 

Seine Arbeitsjahre waren recht fruchtbringend. Die Zahl 
der Mitarbeiter wurde größer, sie betrug Ostern 1746 15 und 
stieg im folgenden Jahr auf 28 und 4 Kornuten. Immerhin, 
die harte Zeit des Siebenjährigen Krieges erschwerte das 
Vorwärtskommen sehr. Er klagt am 28. Januar 1760: „Die 
Buchdruckereien leiden am meisten im Kriege.“ 


Breitkopf wurde nach dem Urteil seiner Zeitgenossen 
der Wiederhersteller des guten Geschmacks in typogra¬ 
phischer Schönheit. Oben haben wir bereits sein gemein¬ 
nütziges Wirken und im besondern sein erfolgreiches Stre¬ 
ben, der Buchdruckerkunst zu dienen, geschildert. Der 
Wert der Einzelleistung wird ungeschmälert bestehen blei¬ 
ben. Eine hat seinen Ruhm besonders erhöht: es gelang 
ihm im Jahre 1754 teilbare und bewegliche Notentypen 
von so großer Verschiedenheit aber einfacher Art für den 
Notensatz herzustellen, daß sein Notendruck den vergan¬ 
gener Zeiten und bedeutender Meister an technischer Voll¬ 
endung weit übertraf. Diese glücklich gelungene Verbesse¬ 
rung, denn um eine solche handelt es sich bekanntlich, 
war so vollkommen, daß daran bis jetzt keine bemerkens¬ 
werte Änderung notwendig geworden ist. Daß diese Tat 
einem Leipziger Bürger zu danken ist, wird stets ein Blatt 
im Ruhmeskranze Leipziger Buchdrucker sein. Für Breit¬ 
kopf bedeutete dieser Erfolg die Möglichkeit, den Musika¬ 
lienhandel mit Typendruck - Musikalien vorteilhaft auf¬ 
nehmen zu können. Aus den Anfängen dieses Handels 
entstand das bedeutendste Musikhaus für die musikalische 
Welt Deutschlands. 

Breitkopfs Absicht, Landkarten mit typographischem 
Material herzustellen, ist in einigen nicht üblen Satzver¬ 
suchen stecken geblieben (siehe Seite 5). Die Ausnutzung 
der Idee scheiterte an der Satztechnik. Ebensowenig prak¬ 
tischen Erfolg hatte ein Probeschnitt chinesischer Lettern 
(1789). Auch die im Jahre 1779 in den Goldenen Bären 
übernommene Spielkartenfabrik brachte nicht den erhofften 
Nutzen. Breitkopf hat sich 1782 gern von ihr getrennt. 
Die daran angegliederte Buntpapierfabrik hingegen blieb 
noch einige Zeit sein Besitz, scheint auch lohnend beschäf¬ 
tigt gewesen zu sein. Einzelne Stücke daraus sind als „ächt“ 
für unsre Zeit und Arbeit erhalten geblieben. 

Wir ahmen übrigens jetzt gern und zärtlich nach, was 
unsre Altvorderen schafften, besonders in den Büchern. 
Aus Breitkopfs Zeit sind reizende Original-Zierstücke in 
Holz geschnitten uns überliefert worden; sie umfassen das 
späte Barock, das gesamte Rokoko und das aufblühende 
Empire (siehe auch die Beilage). Breitkopfs Zeitgenosse 
war der verdienstvolle Leipziger Akademiedirektor Adam 
Friedrich Oeser, der die bildende Kunst dem heimischen 
Buchhandel und Buchdruckgewerbe praktisch dienstbar 
machte. DieseErwähnung dürfte hierbei nicht ohne Reiz sein. 

Daß Breitkopf auch Verdienste um die Verbesserung des 
Letternmetalls hat, sei noch besonders erwähnt. In seiner 
Gießerei standen 12Öfen und 39 Leute. „Ich sage auch nicht 
zu viel, wenn ich behaupte, seine Offlein sey, trotz der der 
heiligen Propaganda in Rom, die vollständigste in der ganzen 
Welt“, urteilt ein Zeitgenosse. Wie für die Druckkunst, so 
war Breitkopf auch für den Buchhandel reformatorisch tätig 
unmittelbar neben Philipp Erasmus Reich. 

Am 19. August 1793 nahm Johann Gottlob Immanuel 
Breitkopf, durch sein hohes Alter genötigt, seinen Sohn 
Christoph Gottlob Breitkopf und seinen Schwiegersohn 
Christian Gottlieb Stopp als Gesellschafter in das Geschäft 
auf, das nun J. G. I. Breitkopf, Sohn und Comp, zeichnete 
Nur auf kurze Zeit hatte er sich damit die schwer drückende 
Geschäftslast etwas abgebürdet, den 28. Januar 1794 ent¬ 
floh die Seele dem Körper dieses hochgeachteten und 
verdienstvollen Mannes. 


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BREITKOPF 
& HÄRTEL 
LEIPZIG 


Oben: 

Einer der großen Setzersäle 
für Handsatz 
* 


Unten: 

Blick in den großen 
1880 Quadratmeter 
umfassenden 

Buchdruck-Maschinensaal 


BEILAGE 

ZU DEM AUFSATZ 


BREITKOPF & HÄRTEL 
IN ZWEIMAL HUNDERT 
JAHREN (1719 BIS 1919) 


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PRINCETON UNIVERSITY 




















































BREITKOPF 
& HÄRTEL 
LEIPZIG 


Oben: 

Einer der großen Setzersäle 
für Handsatz 
* 

Unten: 

Blick in den großen 
1880 Quadratmeter 
umfassenden 

Buchdruck-Maschinensaal 


BEILAGE 

ZU DEM AUFSATZ: 

BREITKOPF & HÄRTEL 
IN ZWEIMAL HUNDERT 
JAHREN (1719 BIS 1919) 

* 



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25 o r t c & e. 


er 55ormurf eines gothtfdjtn tfnfefjenS unfetfr 
beutfc^en ©rucffc^rtft/ imb, auf ber einen ©eite, b(e 
Empfehlungen, fofcfje mit ber ratefhifcf>en ©chrlftArt §U 
oertaufchen, ha&en auf ber anbern ©eite bie S2Bünfcf>e 
hervor gebracht, bie gothifchen, 3 Ö 9 e biefer ©chrift nur 
ju oer&effern, unb burd) ihre 93errunbung ber fateini* 
fdjen ©drift ^nficf)er ju machen. 

&a ber Jjauptrfjarafter bepber ©griffen barinncn 
Seffefjt, bafj bie J^auptflricbe ber iateinifcbeti ©drift 
furj, weit unb an ihren Enben runb, bie Jpauprfftidje 
ber beutfden ©cbrift aber fang, enge unb ifjve Enben 
gebroden finb: fo tonnen bie festem unmöglich fo fehr 
verrunbet werben, bafj ber -Öauptunterfdieb ntd)t ganj 
perfekten gebe, unb aus ber beutfden eine mehr latei* 
nifde als beutle ©cbtift würbe. 

Es mu§. alfo bas ttugemnerf 6ep btefer $eranber< 
ung ber beutfden ©drift baf^n gerietet fepn, bafj ber 
Jpauptcharafter ber ©drift, ber in betr gebrodenen 
Enben bev ©tridje Gefleht, jwat* Geschäften, bie üGri* 
gen Eigenheiten ber fateinifden ©drift aber fo ofef 
nadseah^et werben, bafj baburd btr grGfjte $heif bes 
bisherigen unangenehmen ©othEdtn <wS bem tfuge ge* 

Ti 2 fd>Afft # 

5(n t i c £ c f < r. 

p» ~. 

hatte mir vorgenommen, groben t>on 
neuen ©driften in iateinifden, griedifden 
unb beutfden Eharafteren be p i^iger affgc* 
meinen (Währung über bie &rucffdriften,, in 
eben fo vielen fleinen Werfen bem 9>ublifum 
vorjulegcn. 3d ntyitc jur Jateinifdcn bic 
Carmina beS Eatull, jur ©riedifdtn bic 
lieber beö tfnacreon, unb um im £>eutfdeft 
ein ähnlided Sföerf ju liefern: fo rollte id 
eine fleinc 2fn$ahl lieber/ bie in verfdicbcs 
nen 2flmanaden unb bergleiden ©ammlun* 
gen jerfheut finb. 3d hoffe, baß man mid 
bcöwegen feines Sladbrucfs befdulbigcn wer* 
be, ba bie 2fbft'dt bcS gegenwärtigen ©c* 
braud^ non jenem ganj unterfdieben iff. 

3Öad id in tfbfidt ber gewagten neuert 
beutfden ©driftart befpnberS ju fagen habe, 
iff in bem vorgefefeten 23orberidte weitlüufti* 
ger bemerft worben. J?ier wiff id nur bic 
Sffiürfung einer vollen ©eite ber neuen ©drift ; 
gegen bie alte bemerfen laflen, ba baS S&crf 
felbfl nur In abgebrodenen Seifen nad Jebcr 
93erSart befiele. 

— 

3 3 3n^aft. 

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fdjafft, unb i^tre 2(nfid)t bemfe(6cn gefÜIIget unb f&C 
&en 2efer Qfmädjlicfjec «erbe. * ‘ 

STOeine 93orgänget in biefer 2fE.firf>t bet SJerteflet« 
tmg bet bjutf^en ©driftart Ijaben »ieüeidjt biefe« nicf)t 
fo galt} 6c&erjigt, unb i&re «Proben (jaben baljet ben 
gennmfdjten 9>et)fad nicht erhalten tonnen. 

3d> roage et?, in biefem SBerfdjen meinen 23etfutf> 
barinncn bem ( J>uSItfum worjufegen, unb jugtecc^ ju 
bitten, fotzen au beurteilenj bet $abei foO mitfo am 
9 ene(>m fepn, ai« berSBenfatt; benn burcf)?abe( fömmt 
man bem ajoüfommenen nü^er, «1$ burd) fob. 

Um inbeffen einen richtigen S&egrif meiner norgc< 
nommenen Seränberung ^ernor ju bringen: f» habe (d) 
biefen 23otberi<f)t mit eben berfeiben ©djrift in i^rer 
alten ©e(lait abfe^en laffen; unb fcf> glaube, bafj «(ei* 
ieidjt auch faum elnSDJann vom «TOetier bie alteödjrift 
unter ber neuen erfennen biftfte. ®| f 9Jetfalbucb|Tabrtt 
aber ^abe id) beijbe^aiten, »eil beren 93 erinberung 
leidtt ju ftarf in bie©e(lait ber iblgen Jjanbförfft faden 
bnrfte, »eidje« es nldft t^un fod. 

Seipjig im $D?ouat 2fugu(l 1793 . 

3. ©. 3. IBrdftopf. 


%\ 

- *5 

5* 

2 (n 6ie Kofe. 

0)profjfitig einer ^h r ^ n ’ 5furoren^ # 
öber ob bid 2fmor fduf, 

O oernimm, Geweihte gforenö, 

Einc^ ^erjenS fetferi SHuf! 

©d^uß/ o$Hofe — — Iftein! berfag 1 e& 
deiner ©e^nfudt Bitten' nod! 

Sölume^, Äinber eines ^ageS, 

©lünjen frifd/ u n *> weifen bod- 

©anft errothenb, wie bu gfuheff, 

SSSirb ^Ph>iftnbe halb 'bid fd**- 
2fdl blühet, wie bu blüheft, 

Unb wie bu, wirb fte vergehn! 

<£a(f bu meinen iKuf vernommen, 
Oefneft beine Änofpe fdon ? 

©üfe Stofe, fep wilffommen! 
deiner fyaxxt ein füfer John. 

Sbie bid pflucfte, foff^ bid bruefen, 
^eine ^anb, an ihre SSrufb 
SÖifTe nur, baß bu fie fdmuefen, 

'Äber nidt verbergen mujjt* 



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XIX 


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3 xo e i 33 <i n b cb e tu 

ieipgig unb ©era, 
bei SB i l $ e ( m •$ c i n f i u *. 
1798 . 


Jlints nicht übel, Qltcr, baß ber 
Brief nicht mit Scbreibelettcrn gefegt 
toorben, fonbern mit DruPlettern. £s 
fmb aber neue, benen mein Xitel ]3a; 
lingeneßicn aueb gebührt. 3cb bin 
reebt frob/ baß icb micb bei biefer 0e; 
legenbeit reebt ärgern Pan über unfer 
lleberfeggen ber beutfeben Xppett in 
lateinifebe unb über mebr. BJenn man 
niebt bie beutfebe <f>anbfcbrift unb alle 
Qrcbioc unb alle .RatbsbibliofbePen 
unb bas ^'anßeinifcbe BibelwcrP unt; 
brucPr: fo ntus ber fortbauernbe Unt; 
gang mit ber alten Xornt bas Quge 
immer bei ber neuen um bas Uergnü; 
gen ber funtmarifeben Xaffuttg 
bringen, bie auf ben grünben beruht, 
aus welchen wir bas grieebifebe febtoer 
in lateinifeben £etfern, ober warum wir 


XX 

oft eine fcblecbte ^anbfebrift, aber 
nicht bereit einzelne Bucbßaben lefen 
Pönnen. Sobalb wir ber gotbifeben 
Schrift bie ^alsPraufen, bie Xrobbeln, 
bas SpiggenwerP, bie <finiPfe unb Bruch* 
bänber oerbieten: fo ßebt fie unge; 
mein febön mit gwei Beflanbtbeilen 
ba, erßlicl) mit einer geraben £i; 
nie wie bie römifebe, unb ban flat 
bes 3irPels ber legtern, mit einer ba l; 
ben £llip|e (zugleich bas Sinbilb 
unfers gefcbmaPs!). 3n ber <Keini; 
gung unb Ulieberbringung ber erflen 
febönern Xornt haben nun bie Herren 
BreitPopf unb ^ärtcl hier in meinen 
palingeneften unb in biefent Briefe 
bie erflen glüPlicben, obwohl bas Qugc 
ber gewobnbeit noch febonenben 13er; 
fuebe gemacht, oon benen fie gu wei; 


XXI 

fern unb ihrem 3bcale nähern über; 
geben wollen, wenn Du unb bas pu; 
bliPurn fie fo aufmunfertt wie icb. 

Durch biefes Qbglätten ber tppo; 
grapbifeben kungeln unb Xalten, wel; 
cbe unfern DruP wie (nach £aoater) bie 
pbpfiognomifcben bas beutfebe gefleht 
ausgeiebnen, wäcbfet mir glüPlicber 
QJeifc ein neues PubliPunt oon 350 
Jlfan gu, wooon ber groffere Xbeil 
bisher famt feinen JTiietb'.Regcnfentcn 
gur «Kecbten unb gur £inPen, auffer 
Xitel unb <Kegcnfionen wenig las — 
cs (inb bie Bucbbänblcr, bie nun, 
weil ber Xitel fie nicht befriebigf, in 
meinem Dpus blättern unb naebfebett, 
ob etwas baran fei, am DruP. — 

Die lateinifeben £ettcrn bruPlen mir 
oorbin eine Stelle Deines Briefes uor, 



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Archiv für Buchgewerbe 


Der Verstorbene hinterließ zwei in den Künsten und 
Wissenschaften wohlerfahrene Söhne: Bernhard Theodor 
und Christoph Gottlob, die auch mit des Vaters Berufs¬ 
arbeit vertraut waren. Letzterer stand an der Spitze des 
vom Vater übernommenen großen Werkes, seine Arbeits¬ 
kraft und Geschäftskenntnis reichten jedoch nicht zu, das 
blühende Geschäft zu verwalten oder gar der Weiterent¬ 
wicklung entgegenzuführen. Auf die Unterstützung seines 
Bruders konnte er nicht rechnen: dieser lebte in Peters¬ 
burg und führte neben der eigenen Druckerei die Direk¬ 
tion der Senatsdruckerei. Er nahm deshalb den ihm sehr 
empfohlenen Gottfried Christoph Härtel im November 1795 
in sein Geschäft auf. 

Ein gütiges Geschick fügte es, daß im gleichen Jahre 
noch unter dem letzten Breitkopf Friedrich Koenig, der Er- 


1796 wurde Härtel alleiniger Eigentümer der Handlung, 
Gießerei und Buchdruckerei mit den dazugehörigen Grund¬ 
stücken. Damit ging das altehrwürdige Geschäft in allen 
seinen Teilen von dem letzten Breitkopf an Härtel über. 
Und als Breitkopf am 7. April 1800 starb, stand Immanuels 
Lebenswerk neu gefestigt da. 

Härtels reges Streben galt dem Musikverlag, den er rasch 
zu großer Bedeutung und Ausdehnung führte, ohne den 
Buchhandel zu vernachlässigen. Auch den technischen 
Zweigen galt seine Aufmerksamkeit, so ist ihm u. a. die 
Einführung des Zinnplattenstichs für Musikalien und Stein¬ 
drucks zu danken. Als Härtel nach rastloser Tätigkeit am 
27. Juli 1827 zur ewigen Ruhe ging, lag ein reichgesegnetes 
Leben hinter ihm. Und nachklingen mag in unsre Zeit, was 
einer seiner Zeitgenossen in der Trauer über ihn schrieb: 



finder der Schnellpresse, in der Breitkopfschen Druckerei 
seine Lehrzeit beendete. 

GOTTFRIED CHRISTOPH HÄRTEL , 
geboren am 27. Januar 1763, war das zwölfte Kind des 
Bürgermeisters Dr. Christoph Härtel in Schneeberg. Seine 
hohen geistigen Anlagen und die Neigung zu den Wissen¬ 
schaften führten ihn dem Studium zu. Nach Abschluß 
der Studienjahre fand er in ehrenvollen Stellungen wohl 
Anerkennung aber nicht die befriedigende Unabhängigkeit. 
Diese schien ihm der Buchhandel zu bieten, er strebte des¬ 
halb mit klarer Absicht dem lockenden Ziele entgegen. 
Auf diesem Wege traf ihn der beglückende Antrag, in die 
Breitkopfsche Handlung einzutreten. Er nahm an. Er als 
auch Breitkopf hatten diesen Schritt nicht zu bereuen. Die 
Firma sollte abgeändert werden, sobald Härtel in die Innung 
aufgenommen sei. Gleichzeitig wurde Breitkopfs späteres 
gänzliches Ausscheiden berücksichtigt. Schon am22.August 


„Solange Deutschlands Literatur und Musik und die in seiner 
Mitte erblühte Buchdruckerkunst mit allen ihren Zweigen 
etwas gilt, wird auch der Name Härtel immer mit hoher 
Achtung neben dem von Breitkopf genannt werden. Was 
dieser gründete, hat er mit Einsicht erhalten, erweitert und 
mit neuen Zweigen bereichert!“ 

Zwei Söhne, Hermann Härtel, geboren am 27. April 1803, 
und Raymund Härtel, geboren am 9. Juni 1810, waren die 
Geschäftsnachfolger, letzterer trat bereits im Jahre 1832 
vor dem älteren Bruder in die Firma ein. Beide haben das 
ihnen anvertraute Geschäft durch 40 Jahre umsichtig und 
mit regen Eifer geleitet. 

RAYMUND HÄRTEL , 

ein begabterMusikliebhaber, suchte schon in jungen Jahren 
auf Reisen ins Ausland Beziehungen zu knüpfen, später 
widmete ersieh mit besonderem Erfolg der Buchdruckerei. 
Er war langjähriger Oberältester der Buchdrucker-Innung, 


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■**1 


Archiv für Buchgewerbe 


ferner Schatzmeister des von ihm 1869 in Mainz mitbegrün¬ 
deten Deutschen Buchdruckervereins, von 1851 bis 1880 
Schriftführer und Vorsitzender des Vereins der Buchhänd¬ 
ler in Leipzig, betätigte sich auch im Rate der Stadt Leipzig, 
aus dem er nach einer langjährigen Amtstätigkeit als Stadt- 
ältester schied. Er starb am 9. November 1888. 

Raymund Härtel führte den Schnellpressenbetrieb in 
seinem Geschäfte ein, die Hilfszweige förderte er derart, daß 
1867 die Geschäftsräume im liebgewonnenen und ehr¬ 
würdigen Stammhaus zum Goldenen Bären nicht mehr 
ausreichten und in ein neuerbautes Fabrikgebäude verlegt 
werden mußten. Buch- und Notendruckerei beschäftigten 
im Jahre 1875 etwa 400 Personen, 26 Schnellpressen und 
31 Handpressen, auch die Räume der Pianofortefabrik, die 
1871 ihren Betrieb einstellte, wurden benutzt. 

Nach Rücktritt des letzten Härtel kamen zunächst seine 
beiden Schwestern in den Besitz des Geschäfts, nach ihrem 
Heimgang im März 1884 und 1885 übernahmen deren 
Familienglieder Wilhelm Volkmann und der hochbetagte 
Jenaer Theolog Carl August von Hase ihren Anteil. Den 
Musikverlag führte seit Hermann Härtels Scheiden Dr. 
Oskar von Hase. 

Stadtrat Wilhelm Volkmann , geboren am 12. Juni 1837 in 
Leipzig, erhielt seine buchhändlerische Vorbildung in Halle. 
Sein Eintritt in das Druckhaus erfolgte im Herbst 1860. 
Nach erfolgreicher Tätigkeit wurde er Prokurist, Teilhaber 
und Mitbesitzerdes Geschäfts. Die Abteilung Buchdruckerei 
brachte er in treuer und rastloser Arbeit zu hoherLeistungs- 
fähigkeit. Sein Hinscheiden im Jahre 1896 war für viele ein 
schwerer Verlust; die Arbeiter beklagten einen um ihre 
Wohlfahrt treu besorgten, lieben Menschen, dem auch das 
Wohl seiner Geburtsstadt am Herzen lag. 

Sein geschäftliches Erbe übernahm nun sein Sohn Dr. Lud¬ 
wig Volkmann, der 1893 in das Geschäft eintrat und jetzt 
mit seinem Oheim Dr. Oskar von Hase den gewaltigen buch¬ 
gewerblichen Betrieb leitet. — Geheimer Hofrat 
DR . OSKAR VON HASE, 
geboren am 15.September 1846 injena, ist nach Beendigung 
seiner Buchhändler-Lehrzeit bei Adolph Marcus in Bonn 
am 26. April 1869 bei Breitkopf & Härtel zunächst als Ge¬ 
schäftsfreiwilliger eingetreten. Als Kriegsfreiwilliger im 
Kriege 1870/71 erwarb er sich das Eiserne Kreuz. Nach 
seiner Heimkehr hat er von 1873 an als Prokurist, nach 
Hermann Härtels Tode seit dem 2. September 1875 als Teil¬ 
haber vornehmlich dem blühenden Musikverlage mit seinen 
ausgedehnten Verzweigungen in rastlosem Tun die volle 
Arbeitskraft ausschöpfend gegeben. Daneben hat er in 
mannigfacher ehrenamtlicher Tätigkeit anregend und för¬ 
dernd für das Buchgewerbe gewirkt. — Geheimer Hofrat 
DR. LUDWIG VOLKMANN , 
geboren am 9. Januar 1870 in Leipzig, erlernte den Buch¬ 
handel bei Emil Strauß in Bonn, wo er sich gleichzeitig dem 
Studium der Naturwissenschaften widmete. Der Studien¬ 
aufenthalt in München, Leipzig und Italien führte ihn jedoch 
der Kunstwissenschaft zu. Im Jahre 1893 trat er bei Breit¬ 
kopf & Härtel ein, wurde Prokurist, 1896 Teilhaber und ein 
Jahrzehnt darauf Mitbesitzer der Firma. Durch die druck- 
gewerblichen Zweige des Hauses ging bald nach seinem Ein¬ 
tritt ein frischer, froher Zug, der Welkes und Abgestorbenes 
in Technik und Geschmack aufstöberte und davontrug. 


Als sein Oheim Dr. Oskar von Hase aus seinem Amt als 
ersterVorsteherdesDeutschen Buchgewerbevereins schied, 
wurde er am 2. Februar 1901 dessen Nachfolger. In rascher 
Folge hob er Bedeutung und Tätigkeit dieses Vereins, der 
durch die von ihm veranstaltete glänzende Internationale 
Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik 1914 seine Welt¬ 
geltung und Wertschätzung bewiesen hat. 

Die Druckkunst gedieh unter Dr. Volkmanns Leitung zu 
einem besondren blühenden Zweige, ebenso der bedeutende 
Kunstverlag. Mancherlei Veränderungen und Umwand¬ 
lungen im Gesamtbetriebe waren nötig, dringend ein Er¬ 
weiterungs-Neubau, der 1913 fertig wurde. „Randstaat“ ist 
der angrenzende große Shedbau, darin und in dem an¬ 
stoßenden Erdgeschoß des Neubaues stehen 49 Buchdruck¬ 
schnellpressen, modernste Chromotypiemaschinen und 
mehrere Zweitourenpressen sind dabei, fast alle haben 
elektrischen Einzelantrieb,13sind mit automatischen Bogen¬ 
anlegern ausgerüstet (siehe Beilage). 

Die Monotyp-Setzmaschinenanlage im alten Gebäude 
wurde wiederholt vergrößert. Ungeachtet dessen stehen 
über 200 Setzer in der Handsetzerei; der Schriftenbestand 
(mit alten und neuen schönen Künstlerschriften zur Pflege 
neuzeitlicher Buchkunst) beträgt etwa 400000 Kilogramm. 

Die Abteilung für Notendruck nimmt das erste und zweite 
Geschoß des Neubaues ein; sie wurde der neuen techni¬ 
schen Entwicklung entsprechend in wenigen Jahren gänzlich 
umgestaltet, und zwar handelte es sich dabei vor allem um 
den Übergang vom Steindruck zum Zink-Rotationsdruck. 
6 Rotationspressen in Doppelformat und 5 kleinere für ein¬ 
faches Format stehen neben 7 älteren Flachdruck-Schnell¬ 
pressen. Dadurch ist die Leistungsfähigkeit dieser Ab¬ 
teilung etwa um das Doppelte gesteigert. 

Die Buchbinderei in dem hellen und weiträumigen dritten 
Stock des Neubaues ist zu einem mit modernsten Hilfs¬ 
mitteln arbeitenden Großbetrieb geworden. 

Im Jahre 1913 beschäftigte die Firma durchschnittlich 
950 Personen; die Zahl der Jubilare betrug damals 87, und 
die Chronik verzeichnete insgesamt 209 Jubilare. 

Fast ausnahmslos ist nach fünfundzwanzigjähriger 
Geschäftstätigkeit dieser treuen Männer und ihres 
Schaffens ehrend gedacht worden. So will es ein alter 
schöner Brauch. Ein großer Augenblick des Lebens 
ist damit festgehalten. 

Möge auch der Jubiläums- und Festtag des alt¬ 
ehrwürdigen Hauses Breitkopf & Härtel in der alten 
Buchdruckerstadt Leipzig getragen sein von der 
Weihe eines solchen denkwürdigen Augenblicks. 

Zweihundert Geschäftsjahre gingen dahin, mit 
ihnen eines alten Druckhauses ruhmvolle Geschichte. 
Ein neues Zeitalter steigt auf. DasVergangene wird 
als kostbares Vermächtnis in der Erinnerung weiter¬ 
leben, und gelten werden auch für Breitkopf & Härtel 
in ernster, unermüdlicher Zukunftsarbeit eines unsers 
größten Dichters schöne Worte: 

Von des Lebens Gütern allen 
Ist der Ruhm das höchste doch; 

Wenn der Leib in Staub zerfallen, 

Lebt der große Name noch. 

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Das Buch als Werk des Buchdruckers 

Papier-, Satz- und Druckformat sowie Schrift und Satz in ihren gegenseitigen Beziehungen 

Von FRIEDRICH BAUER in Hamburg 


B is ein Buch fertig in die Hände des Lesers ge¬ 
langt, haben viele Köpfe und Hände sich be¬ 
mühen müssen, um der geistigen Arbeit des 
Verfassers die handgreifliche Gestalt zu geben. Viele 
Köpfe, viele Sinne. Wird das Werk nicht von einer 
erfahrenen kräftigen Hand mit Geschmack und Be¬ 
harrlichkeit vom Beginn bis zur Vollendung geleitet, 
dann ist es nur einem günstigen Zufalle zu verdanken, 
wenn es wohlgestaltet zu Ende kommt. 

In unsrer Zeit der Arbeitsteilung und der bis ins 
Kleinste zerlegten und selbständiggeführtenGeschäfts- 
zweige ist auch die Herstellung des Buches zur Auf¬ 
gabe vieler Einzelberufe geworden, die nicht immer 
in befriedigenderWeise Hand in Hand arbeiten. Mag 
der einzelne Berufszweig auf seine Weise noch so 
vollkommen schaffen: steht sein Anteil am Ganzen 
im Endergebnis, dem fertigen Buche, nicht im Ein¬ 
klänge mit den Leistungen der übrigen Mitarbeiter, 
so geht auch der Wert der Einzelleistung zum besten 
Teile wieder verloren. 

Das klingt und ist auch tatsächlich selbstverständ¬ 
lich; aber warum wird denn nicht darnach gehandelt? 
Die Mehrzahl unsrer heutigen Bücher hat in dieser 
oder jener, nicht selten auch in mehrfacher Beziehung 
ihre schwache Seite: das Papier paßt nicht zu der 
darauf gedruckten Schrift; die Satzgröße steht nicht 
im Einklang mit dem Papierformat, sie ist zu groß, 
zu klein, zu breit oder zu lang; der Satz ist im Ver¬ 
hältnis zur Schrift oder zu den Rändern zu weit oder 
zu eng durchschossen; der Druck ist auf dem einen 
Seitenpaar zu grau, auf dem nächsten zu fett, oft ist 
er auch zu frisch Umschlägen, so daß der Widerdruck 
den Schöndruck breitquetschen mußte; die Breite der 
Ränder ist vom Drucker so sinnlos verteilt, daß der 
beste Buchbinder das Format nicht retten konnte; die 
Bogen sind so nachlässig gefalzt, daß die Druckseiten 
nur in der Mitte jedes Bogens einander gegenüber¬ 
stehen, sonst aber im Buche auf und ab tanzen; und 
ging alles bis dahin gut, dann hat nicht selten der 
Buchbinder das Buch noch verschnitten, entweder 
zipflich oder indem er das vom Buchdrucker vielleicht 
sorgfältig abgewogene Format derart verdarb, daß der 
Fußsteg kleiner als der Kopfsteg wurde, oder es ist der 
Seitensteg zu schmal geworden oder zu breit geblieben; 
vom Masseneinband mit schlechter Heftung, mit zu 
schmalem oder schiefem Rücken ganz zu schweigen, 
denn selbst der Handeinband kann dem Bücherfreunde 
manche Enttäuschung bereiten. 

Es braucht aber nicht immer leichtfertige Arbeit 
oder Unverstand zu sein, wenn in der Hände langer 


Kette ein Glied versagt und dadurch das Endergebnis 
zum Scheitern bringt. Jede Hand kann von der besten 
Absicht geleitet ihre Aufgabe durchaus handwerks¬ 
gerecht erfüllen und es kommt doch nichts Rechtes 
zustande, weil nicht nach einem vorher sachverständig 
ausgearbeiteten und festgelegten, das Ganze umfas¬ 
senden Plane gearbeitet ist. Das Werk war — wie es 
das heutzutage leider immer ist — eilig und ist an 
verschiedenen Enden gleichzeitig angefaßt worden. 
Der Satz wird begonnen, bevor das Papier für die 
Auflage vorlag, und der Künstler, der den Umschlag 
oder die Einbanddecke zeichnete, kannte weder die 
genaue Papier- noch die Kolumnengröße, oder — 
was auch gar nicht selten vorkommt — er fühlte sich 
erhaben über solche „Nebensächlichkeiten“ und schuf 
unbekümmert darauf los. Die Druck- oder Präge¬ 
platten wurden bestellt, nach diesen die Einbanddecken 
im voraus angefertigt, und nach ihnen mußte dann 
das Buch beschnitten werden: wie es trifft! — So 
entsteht manches Buch, das außen prächtig, innen 
scheußlich ist. Man gehe an den Bücherschrank und 
überzeuge sich, daß unter zehn neuen Büchern kaum 
eins einer strengen Prüfung standhält. 

Das Buch ist durch Jahrhunderte das Erzeugnis 
eines Handwerks gewesen, das sich stolz eine Kunst 
nannte, wie es früher im alten Sinne des Wortes als 
„Können“ übrigens auch für andre Berufe üblich ge¬ 
wesen ist. Und wie in jedem alten Handwerk, so 
waren auch im Buchdruck gewisse, durch Überliefe¬ 
rung eingelebte Regeln im Gebrauche, für die man 
zwar keine festen, geschriebenen Formeln kannte, 
die aber von begabten Werkgenossen, die sie durch 
Anschauung und Übung erworben hatten, gewissen¬ 
haft, wenn auch nur gefühlsmäßig angewendet wurden. 
Solange das Buch noch handwerkmäßig und nicht als 
Fabrikware hergestellt ist, hat es auch den biedern 
Ausdruck des Handwerks gewahrt, und was der Buch¬ 
drucker in diesem Sinne in den Grenzen seiner Kunst 
Gutes geschaffen hatte, das wurde vom „Schwager“ 
Buchbinder im selben Geiste liebevoll nach alten 
Handwerksregeln vollendet. Auf diese Weise sind 
bis ins 19. Jahrhundert hinein jene Bücher entstanden, 
die wir noch heute mit besonderm Behagen in die 
Hand nehmen, weil ihnen trotz ihres schlichten Äußern 
eine ehrliche innere Standhaftigkeit eigen ist, die 
auch den Geschmack nur selten vermissen läßt. 

Wir wollen hier nun nicht eingehend untersuchen, 
aus welchen Gründen das Buch als Ganzes seit nahezu 
einem Jahrhundert zurückgegangen ist. Vielerlei 
Einflüsse sind dabei tätig gewesen, von denen das 


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Eindringen der Maschinen in den Betrieb der Buch¬ 
druckerei und Buchbinderei und die Herstellung immer 
größer werdender Massenauflagen aber wohl am 
folgenschwersten waren; auch die Papiermaschine 
hat ohne Zweifel dazu beigetragen, daß mancher gute 
alte Weg verlassen ist. Das Buch steht in dieser 
Hinsicht ja nicht allein da; wir können dieselbe Er¬ 
scheinung in allen Gewerben beobachten, in denen 
die Maschinen die Handarbeit in den Hintergrund 
drängten. Nichts aber wäre verkehrter, als nun die 
Maschinen anzuklagen, oder gar die Rückkehr zur 
Handarbeit zu befürworten. Die Setz- und Druck¬ 
maschinen, die Papiermaschine, die Heft- und andern 
Maschinen der Buchbinderei können die Handarbeit 
auf ihre eigene Weise zum Teil vollwertig, zum Teil 
annähernd und für viele Zwecke genügend ersetzen 
und dabei schneller und billiger arbeiten. Es kann 
und soll auch nicht die Ansicht vertreten werden, 
daß das Buch, wie es vor hundert Jahren und früher 
gewesen ist, vollkommen und keiner Entwicklung 
mehr fähig gewesen wäre, und ebensowenig soll be¬ 
stritten werden, daß es sich nicht auch im guten Sinne 
entwickelt hätte. Alles das kann gern zugegeben 
werden; aber trotzdem bleibt die Tatsache bestehen, 
daß das Buch als Ganzes und im allgemeinen schlechter 
geworden ist. Die Maschinen haben sich in vielen 
Fällen nicht den Anforderungen des guten Buches 
angepaßt, sondern das Buch mußte sich den Maschinen 
fügen, die die Handarbeit unvollkommen nachahmten 
und ihre guten Eigenschaften durch minderwertigen 
Ersatz verdrängten. Das „Gut-Genug“ ist dem Buche 
als Massenerzeugnis zum Verhängnis geworden. 

Seit der letzten Jahrhundertwende ist in Zeit¬ 
schriften und Büchern viel über Buchkunst geschrie¬ 
ben, aber es war immer nur von der Kunst im Buche 
die Rede. Das Buch selbst hat als kunstgewerbliches 
Erzeugnis dabei nicht viel gewonnen. Einzelne deutsche 
Verleger haben sich zwar mit schönen Erfolgen be¬ 
müht, wieder gute Bücher zu schaffen, die den alten 
Werken ebenbürtig sind und sogar eine gesunde Ent¬ 
wicklung erkennen lassen. Andre dagegen versuchten 
durch die Pflege belangloser Äußerlichkeiten zu blen¬ 
den: nachgeahmtes Büttenpapier, Buchschmuck und 
moderne Schriften waren die auffällig zur Schau ge¬ 
tragenen Kennzeichen dieser neuzeitlichen Buch¬ 
schöpfungen, die vom Wesen des guten Buches weit 
entfernt blieben. Die Mehrzahl der Bücher ist äußer¬ 
lich in den ausgetretenen Pfaden des Rückschrittes 
geblieben und innerlich durch die rücksichtslose Aus¬ 
nützung der Maschinenarbeit noch weiter zurück¬ 
gegangen. Die schwere Not der Kriegszeit mit ihrem 
Mangel an geschulten Arbeitskräften hat dann die 
Buchausstattung auf einen bedauerlichen Tiefstand 
gebracht, der befürchten läßt, daß auch die wenigen 
guten Anläufe fruchtlos verblühen könnten. 


Beim Wiederaufbau des deutschen Kulturlebens 
nach dem Kriege darf das Buch nicht vergessen wer¬ 
den. Wie man auf andern Gebieten schon jetzt vor¬ 
bereitend bestrebt ist, die anbrechende neue Zeit auf 
einer gesunden Grundlage aufzurichten und an die 
Stelle des Zerfallenen und Zugrundegegangenen Bes¬ 
seres zu setzen, ebenso muß auch die Buchausstat¬ 
tung ihre Untugenden hinter sich lassen und mit 
frischen Kräften ein neues Leben beginnen. Sie ist 
dabei in der glücklichen Lage, auf gesunden alten 
Grundmauern aufbauen zu können und auch an guten 
Baustoffen fehlt es nicht. Der Baumeister des Buches 
kann aus reicher Fülle das Beste wählen und auch 
den Künstler kann er für den Schmuck des Innern 
und Äußern zu Rate ziehen und helfen lassen. Voll¬ 
kommen gedeihen wird das Werk aber nur, wenn 
Meister und Werkleute ihre Aufgabe vom Grund auf 
bis zur Vollendung beherrschen, jener als Leiter des 
Ganzen, diese als ausführende Kräfte. 

Auf den folgenden Blättern soll nun versucht wer¬ 
den, alles das zusammenzufassen, was zum Gelingen 
eines guten Buches zu wissen und zu können nötig ist. 

I. Die Papiersorten und das Papierformat 

Unübersehbar waren die Papiersorten und die 
Papierformate geworden, die den Verlegern und den 
Buchdruckern seit einigen Jahrzehnten von den 
Papierfabriken und -großhändlern angeboten wurden. 
Die oft gelästerte Überfülle der Schriftgießer-Neu¬ 
heiten ist gegenüber den Neuheiten der Papierfabriken 
noch bescheiden zu nennen. Der unaufhörliche Ge¬ 
schmackswechsel und die Anforderungen, die die 
Entwicklung der Illustrationstechnik an die innere 
Beschaffenheit und das Äußere des Papiers stellten, 
und nicht zuletzt auch die nicht mehr ganz gesunde 
Sucht nach noch nicht dagewesenen Wirkungen: 
diese und noch manche andre Gründe hatten einen 
Wettkampf in der Papiererzeugung hervorgerufen, 
der das ganze Gebiet geradezu verwildern ließ. Zu 
den deutschen Papieren kamen noch ausländische, 
japanische und amerikanische besonders, zum Teil 
wirklich ausgezeichnete Erzeugnisse, deren sehr hohe 
Preise man gern bezahlte, wenn Ungewöhnliches ge¬ 
boten werden sollte. Die Schwierigkeit der Auswahl 
aus der Überfülle hat manchen Mißgriff verschuldet 
und die in verschwendrischer Ausstattung versandten 
Muster haben nicht selten dazu verleitet, deren blen¬ 
dende Wirkungen mit unzulänglichen und ungeeig¬ 
neten Mitteln und deshalb erfolglos nachzuahmen. 

Mit all dem Überfluß hat der Krieg bis auf den 
letzten Ladenhüter gründlich aufgeräumt. Nach dem 
Kriege wird man bescheidener sein und sein müssen. 
Wenn es an den Wiederaufbau unsers vom Kriege 
zerstörten Wirtschafts- und Geschäftslebens geht, 
dann werden die Aufgaben der Druckgewerbe zwar 


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nicht leichter sein als früher, aber sie können ihnen 
bedeutend erleichtert werden, wenn die Werkstoffe 
in verjüngter und vereinfachter Gestalt dargeboten 
werden. Der wichtigste Werkstoff für alle druckenden 
Gewerbe ist das Papier, denn es ist der eigentliche 
Träger der fertigen Arbeit, der es die greifbare Ge¬ 
stalt gibt. Die Erfahrungen, die der Papierverbraucher 
in der verflossenen Zeit in der Papierkunde gesammelt 
hat, dürfen nicht ungenützt bleiben und alte Fehler und 
Mängel müssen in der neuen Zeit vermieden werden. 
Wir werden mit weit geringerer Anzahl von Sorten 
und Formaten besser auskommen als mit beschwer¬ 
lichem Vielerlei und Überfluß. Die Papierfabriken 
sollten ihre Erzeugung beizeiten nach dem wirklichen 
Bedarf einstellen, nur Nötiges und Bewährtes wieder 
aufnehmen und dieses ergänzen und verbessern. 

Von Papiersorten kannte man in alten Zeiten nur 
Schreibpapier und Druckpapier, und ist jahrhunderte¬ 
lang damit recht gut ausgekommen. Auch in Zukunft 
werden bei der Herstellung des Papiers diese beiden 
Hauptgruppen auseinanderzuhalten sein. Da sich 
unsre Ausführungen aufs Buch beschränken, wollen 
wir uns hier auch nur mit dem Druckpapier befassen. 

Mit der Entwicklung der Papierfabrikation haben 
sich die Druckpapiersorten zu einer unübersehbaren 
Mannigfaltigkeit vermehrt, und auf seiten des Ver¬ 
brauchers ist es so weit gekommen, daß fast für jedes 
neue Buch, wenn es sich nicht gerade um das Glied 
einer Serie handelt, ein andres Papier ausgesucht 
wird. Es muß sehr bezweifelt werden, ob dies nötig 
und nützlich ist. Für jedes Buch kann und soll ein 
seiner Eigenart entsprechendes Papier Verwendung 
finden, aber es werden sich ohne Schaden für die 
Buchausstattung die Papiersorten auf eine weit ge¬ 
ringere Anzahl beschränken lassen, wenn in die Er¬ 
zeugung eine gewisse Ordnung eingeführt und wenn 
diese Ordnung auch beim Angebot eingehalten wird. 

Würde die Papiererzeugung für die Buchausstattung 
etwa nach der folgenden Übersicht, die an sich durch¬ 
aus nichts Neues bietet und hinsichtlich der Stoffe 
noch ergänzt werden kann, geordnet, und auch beim 
Angebot jede Sorte mit dem rechten Namen genannt, 
was bisher nur selten geschah, dann könnten viele 
Mißgriffe und nachträgliche Enttäuschungen ver¬ 
mieden werden. Es könnte dann seltener Vorkommen, 
daß die Auswahl aus Unkenntnis der Eigenschaften 
des Papiers nur nach dem bestechenden Äußern der 
Musterbogen und unter dem Einfluß einer geschickt 
gewählten klangvollen Namensbezeichnung erfolgt, 
was schon für manches gute Buch verhängnisvoll ge¬ 
worden ist, weil es sich erst, als es zu spät war, 
herausstellte, daß das gewählte Papier für den ge¬ 
gebenen Fall nicht hätte genommen werden dürfen. 

Nach ihrer Stoffzusammensetzung lassen sich fünf 
große Gruppen unterscheiden, denen sich eine sechste 


für Kunstdruckpapier anschließt. Innerhalb der Grup¬ 
pen unterscheiden sich die Sorten durch Stärke, Farbe, 
Leimung und Glätte. So ergibt sich das Folgende: 
Papiersorten nach ihrer Stoff Zusammensetzung: 

1. Holzpapier aus reinem Holzstoff, für Zeitungen und 
billige Broschüren; 

2 . Holzhaltige Papiere aus Zellstoff und Holzstoff, für 
wohlfeile Unterhaltungsliteratur, Jugendschriften, 
Schulbücher, Kataloge; 

3. Zellstoffpapier aus reinem Zellstoff, für bessere 
Unterhaltungsliteratur, Klassiker, technischeWerke 
und Zeitschriften; 

4. Holzfreies Papier aus Hadern und Zellstoff, für 
Bücher und Zeitschriften jeder Art, deren Inhalt 
einen dauernden Wert hat; 

5. ReinesHadernpapierausLeinenundBaumwolle,für 
wertvolle Bücher jeder Art, Liebhaberdrucke usw.; 

6 . Kunstdruckpapier in verschiedenenWertstufen und 
Tönungen, glatt und matt, für Bücher und Zeitschrif¬ 
ten sowie Bildertafeln mit feinen Tonätzungen. 

Papierstärke: dünn, normal und kräftig; sie wird be¬ 
rechnet für das Ries zu 1000 Bogen nach Kilogramm; 
Rollenpapier für das Quadratmeter nach Gramm. 
Farbe: naturfarbig ungebleicht und gebleicht; mit 
(weißer, gelblicher, grünlicher, bläulicher) Auf¬ 
färbung. 

Leimung: ungeleimt, halbgeleimt, geleimt. 

Glätte: glatt, gerippt; maschinenglatt, satiniert, hoch¬ 
satiniert. 

Zählung und Preisberechnung: Formatpapiere nach 
Ries zu 1000 Bogen, bei Sonderanfertigung auch 
nach Gewicht in Kilogramm; Rollenpapier nach 
Gewicht in Kilogramm. 

Im einzelnen wird sich diese Aufstellung ergänzen 
lassen, insbesondere wird die Stoffzusammensetzung 
durch Verwendung verschiedener Ersatzstoffe noch 
einige Zwischenstufen ergeben; die Stärke wird vom 
bekannten „Dünndruck“ bis zum „federleichten Dick¬ 
druck“ besonderen Wünschen bei Sonderanferti¬ 
gungen ausgiebigen Spielraum lassen, und auch in 
der Tönung kann dem Geschmacke noch reichlich 
Genüge getan werden. 

* * 

* 

Die äußere Gestalt des Buches ergibt sich aus dem 
Papierformat , und in der Regel ist die sich durch 
das mehrfache Falzen ganzer Bogen ergebende Größe 
des einzelnen Buchblattes für das Format des fertigen 
Buches maßgebend. Beim Beschneiden des gebun¬ 
denen Buches fällt zwar von dessen offenen Seiten 
noch je ein Streifen Papiers weg. Dieser Beschnitt 
wird jedoch selten ein gewisses Maß überschreiten; 
er wird um so geringer sein, je teurer das Papier ist, 
denn die beim Beschneiden abfallende Papiermenge 
hat den vollen Anschaffungswert, geht aber bis auf den 

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kaum nennenswerten Ertrag der Papierspäne verloren. 
DerFall ist also nur selten und meistens nur einNotfall, 
daß ein vorhandenes größeres Format durch reich¬ 
liches Beschneiden absichtlich verkleinert oder in 
seinen Größenverhältnissen stark verändert wird. 
Auf sehr kostbares Papier gedruckte Werke werden 
entweder überhaupt nicht beschnitten und auch mit 
unbeschnittenen Rändern eingebunden, oder es wird 
nur die Kopfseite wenig beschnitten, um sie mit Gold¬ 
schnitt zu versehen. Geheftete Bücher, deren nach¬ 
trägliches Einbinden wahrscheinlich ist, kommen 
unbeschnitten in den Handel. Billige Unterhaltungs¬ 
literatur, Gelegenheitsschriften, Kataloge und der¬ 
gleichen werden im gehefteten Zustande beschnitten, 
wobei vom Buchbinder oft mehr weggenommen wird 
als eigentlich nötig ist. Auf das Beschneiden der 
Bücher und seinen Einfluß auf das Format kommen 
wir übrigens später noch zurück. 

Seit alten Zeiten wird die Bogengröße vom Papier¬ 
macher festgelegt und der Käufer muß sich damit 
begnügen, aus den angebotenen Größen das ihm für 
seinen Bedarf am passendsten erscheinende Format 
auszuwählen; nur bei sehr großen Papieraufträgen, 
die einer besondern Anfertigung bedürfen, darf der 
Besteller auch das Format bestimmen. Solange das 
Papier in den Papiermühlen von der Hand aus der 
Bütte geschöpft wurde, konnte das Bogenformat ge¬ 
wisse Höchstmaße nicht überschreiten, aber auch 
über eine gewisse Mindestgröße ist man nur selten 
hinausgegangen. Viele Papiermühlen beschränkten 
sich überhaupt auf ganz wenige Formate und kleine 
Mühlen machten jahraus, jahrein dieselbe Bogengröße. 
So waren die Grenzen für Formatverschiedenheiten 
in früheren Zeiten ziemlich eng gezogen — und die 
Bücherverleger und -drucker sind sehr gut damit 
ausgekommen. Sie begnügten sich mit „Propatria“ 
für ein kleines Folio, Quart und Oktav, und wenn das 
Format größer ausfallen sollte, nahm man „Bienen¬ 
korb*, „Bischof“, „Löwen“, „Register“ usw.: diese 
und andere Namen, die in Bild oder Schrift als Wasser¬ 
zeichen in den Papierbogen standen, waren zum Teil 
zugleich Fabrik-, Sorten- und Formatzeichen. 

Einer weitern Ausdehnung des Papierformates 
stand auch die Größe des Fundamentes der alten 
Handpresse entgegen, die nicht mehr als zwei Folio, 
vier Quart- oder acht Oktavkolumnen auf einmal auf¬ 
nehmen konnte, und die eiserne Presse des 19. Jahr¬ 
hunderts war noch nicht viel größer. 

Mit der Einführung der Schnellpresse wuchsen die 
Formate, der Buchdrucker brauchte für die neue 
Maschine Formen und Papier von der doppelten und 
vierfachen Größe des Handpressenfundamentes. Die 
gleichzeitige Einführung der Papiermaschine kam den 
Bedürfnissen der Buchdrucker entgegen und das 
Papier konnte so groß und in allen Maßverhältnissen 


hergestellt werden wie es verlangt wurde. Damit 
war aber auch der willkürlichen Formatbestimmung 
volle Freiheit gegeben und neben den Formaten aus 
der alten Zeit erscheinen zahlreiche namenlose andre. 

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gewinnt als 
neues Glied zwischen Papiermacher und -Verbraucher 
der Papier-Großhandel eine besondere Bedeutung. 
Dieser läßt auf eigene Rechnung durch die Papier¬ 
fabriken von solchen Papiersorten, die viel und regel¬ 
mäßig gebraucht werden, große Mengen auf Vorrat 
anfertigen, um sie vom eigenen Lager in jedem be¬ 
liebigen Posten an Verleger und Buchdrucker zu 
verkaufen, die dabei den Vorteil einer bequemen 
Auswahl haben. Außerdem ist das gewählte Papier 
ohne Zeitverlust gebrauchsbereit erreichbar. 

Die Großhändler müssen sich für ihre Bestellungen 
bei den Fabriken auf bestimmte Formate beschränken, 
deren Auswahl zwar dem durchschnittlichen Bedarf 
entsprechen wird, im übrigen aber mehr oder weniger 
dem Zufall überlassen ist. Unter diesen Umständen 
entwickelte sich eine allgemeine Planlosigkeit in den 
Papierformaten, der die Fabrikanten und Händler 
durch eine am 13. Juni 1883 getroffene Vereinbarung 
zu steuern versuchten. Die damals aufgestellten 
12 Normalformate sollten die eigentlichen Lager¬ 
formate werden, aber über den guten Willen ist es 
nicht weit hinausgekommen. Neben den Normal¬ 
formaten sind immer noch viele Zwischenformate 
geführt, so daß statt der 12 Formate in den Mustern 
der Fabriken und Händler leicht die dreifache Anzahl 
als vorhanden festgestelU werden kann. 

In der folgenden Übersicht sind die Normalformate 
von 1883 und die diesen nahekommenden Neben¬ 
formate verzeichnet: 


Normal-Papierformate vom 13. Juni 1883: 

Nr. 

Ältere Bezeichnung 

Normalgröße 

cm 

Nebengrößen 

cm 

I 

Kanzlei, Reichsformat . 

33x42 

34x42 

II 

Propatria. 

34x43 

35x43 

III 

Groß Patria, Bienenkorb 

34x45 

37x45 

IV 

Bischof, Stab. 

38x48 

39x50 

V 

Klein Register, Löwen . 

40x50 

41x51 

VI 

Register. 

42x53 

42x54 

VII 

Klein Median. 

44x56 

45x56 

VIII 

Groß Median, Post . . . 

46x59 

45x58 

47x60 

49x62 

IX 

Klein Royal. 

48x64 

49x64 

49x66 

X 

Groß Royal, Lexikon . . 

50x65 

50x70 

50x76 

XI 

Super Royal. 

54x68 

54x70 

56x69 

XII 

Imperial. 

57x78 

55x76 


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Andere ältere Papierformate: 


Colombier. 60 x 90 cm 

Adler. 62 x 90 cm 

Affichen. 62 x 85, 63 x 86, 65 x 94 cm 

Groß Adler. 70 x 107 cm 

Atlas.83 x 118 cm 


Diese Vielheit der Papierformate wäre nun viel¬ 
leicht an sich noch kein Fehler, wenn sie nicht mit 
der noch großem Vielheit der Papiersorten zusammen¬ 
träfe. Da es aber ganz ausgeschlossen ist, jede Papier¬ 
sorte in jedem Format auf Vorrat anzufertigen und 
auf Lager zu nehmen, so kann aus den Sorten und 
Formaten für die Lagerhaltung nur eine auf mehr 
oder weniger zufälligen, vom Geschmack und von 
andern Rücksichten beeinflußter Schätzung be¬ 
ruhende Auswahl getroffen werden, die den Ver¬ 
braucher nur zu häufig in eine sehr unangenehme 
Zwangslage bringt. Nimmt der Verbraucher die 
Muster zur Hand, um für einen gegebenen Zweck 
ein geeignetes Papier auszusuchen, so wird er in 
acht von zehn Fällen die Erfahrung machen müssen, 
daß die gewählte Sorte gerade in dem gebrauchten 
Format nicht vorhanden ist, und geht er bei seiner 
Auswahl vom Format aus, so wird ebensohäufig 
gerade die gewünschte Sorte fehlen. Im erstem Fall 
ist der Verbraucher gezwungen, ein größeres Format 
zu nehmen, das durch starken Beschnitt Verlust 
bringt; im andern Falle muß er sich — der Not ge¬ 
horchend, nicht dem eignen Triebe — mit einer Sorte 
begnügen, die ihn an der vollkommenen Ausführung 
der Arbeit hindert, oder eine solche wählen, deren 
höherer Preis die Kostenrechnung über den Haufen 
wirft und meistens wieder zu Verlusten führt. 

Aus allen diesen Schwierigkeiten gibt es nur einen 
Ausweg: die Vereinfachung und durchdringende Ver¬ 
einheitlichung der Papierformate. 

Neue Normal-Papierformate. 

Die Notwendigkeit einer Vereinfachung der Papier¬ 
formate wird wohl kaum in Zweifel gezogen; Vor¬ 
schläge für ihre Durchführung sind auch bereits auf¬ 
getaucht; es bedarf also eigentlich nur noch eines 
kraftvollen Anfassens der Frage, um sie zur Lösung 
zu bringen. In Deutschland ist vor einigen Jahren 
durch die Werbeschriften der „Brücke“, einer 1911 
in München gegründeten Vereinigung zur „Organi- 
tation der geistigen Arbeit“, ein vielversprechender 
Anfang gemacht. Das Unternehmen kam leider wieder 
ins Stocken: der eigentliche Urheber des Gedankens 
undGründer der „Brücke“, K.W.Bührer,ist gestorben, 
und ihr namhaftester Förderer, Professor Wilhelm 
Ostwald, ist von der Leitung der „Brücke“ zurück¬ 
getreten. Die von der „Brücke“ befürwortete Neu- 
gestaltungderFormate hat jedoch schon vielen Anklang 


gefunden, und ihr guter Grundgedanke verdient es, 
weiter verfolgt und ausgestaltet zu werden. 

Ganz unabhängig von der „Brücke“ veröffentlichte 
fast zu gleicher Zeit 1 der deutsch-amerikanische Buch¬ 
drucker N. J. Werner in Chicago, der den deutschen 
Buchdruckern bereits dadurch bekannt geworden ist, 
daß er die Normal-Schriftlinien angeregt hat 2 , Vor¬ 
schläge zur Vereinfachung der Papierformate, die 
von dem gleichen Grundgedanken ausgehen, aber die 
ganze Frage ihrer praktischen Lösung wesentlich 
näher bringen als die Vorschläge der „Brücke“; was 
sich erweisen wird, wenn wir beide Anregungen ein¬ 
ander gegenüberstellen. 

Gemeinsam ist beiden Anregungen der Gedanke, 
bei allen Formaten (Folio, Quart, Oktav) das Verhält¬ 
nis der Länge zur Breite (Höhe zur Seite) gleich sein 
zu lassen. Während sich bisher Quart von Folio und 
Oktav schon auf den ersten Blick dadurch unter¬ 
scheidet, daß es diesen gegenüber kürzer und breiter 
ist (Quart rund 3: 4 bis 4:5, Folio und Oktav rund 
3:5), sollen diese äußerlichen Unterschiede nunmehr 
verschwinden und die uralten Formatbezeichnungen 
damit ihren Nebensinn verlieren. Es sind also beide 
Vorschläge darin einig: Länge und Breite (Seite und 
Höhe) der Formate sollen in einem solchen Verhältnis 
zueinander stehen, daß sich stets dasselbe geome¬ 
trische Verhältnis ergibt, wenn das Format auf die 
Hälfte geteilt oder wenn es verdoppelt wird. Der 
Charakter der Fläche soll also, unabhängig von der 
Formatgrö/te, stets der gleiche sein. 

Diese Forderung wird erfüllt, wenn die beiden 
Seiten der Formate sich verhalten, wie die Seite 
eines Quadrates zur Diagonale, oder mathematisch 
ausgedrückt wie 1 : V2. Da die Quadratwurzel aus 
2 = 1,414 beträgt, so ist das Verhältnis 1 :1,414, ab¬ 
gerundet 7:10 oder 17:24. 

Um ihren Gedanken in die Praxis zu übertragen, 
hatte die „Brücke“ in ihrer ersten Veröffentlichung 1911 
ein Welt-Grundformat mit dem Maße von 11,5:16,5 cm 
vorgeschlagen, eine Größe, die verdoppelt 16,5x23 cm 
sich der Mittelgröße des bisherigen Oktavformates 
nähert. Dies Grundformat war also gewissermaßen 
erfahrungsgemäß gefunden. Professor Ostwald hat 
dann, nachdem er die Führung der „Brücke“ über¬ 
nommen, dem Weltformat — wie er sich ausdrückt — 
eine wissenschaftliche Grundlage gegeben, indem er 
von der Seitenlinie und der Diagonale des Quadrat- 
Zentimeters ausging und damit durch die Steigerung 

1 In der Zeitschrift „The Printing Art“, Cambridge, Massa¬ 
chusetts, U. S. A., April und Mai 1911.— Werner hat die 
Sache aber schon einige Jahre früher, als noch niemand 
an die „Brücke“ dachte, mit Verf. besprochen. 

2 Werner hat sich 1905 im Archiv für Buchgewerbe, 
Band XL1I, Heft 5, selbst ausführlich darüber vernehmen 
lassen. 

11 2 * 


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PRINCETON UNIVERS1TY 










Normal-Papierformate 

der deutschen Papierfabriken 
vom 13. Juni 1883 


Normalformat I. Bogen: 33x42 cm, 8°-Blatt: 10,5x 16,5 cm 


Normalformat II. Bogen: 34x 43 cm, 8°-Blatt: 10,75x 17 cm 


Normalformat III. Bogen: 36 x 45 cm, 8°-Blatt: 11,25 x 18 cm 


Normalformat IV. Bogen: 38 x 48 cm, 8°-Blatt: 12x 19 cm 


Normalformat V. Bogen: 40 x 50 cm, 8°-Blatt: 12,5x20 cm 


Normalformat VI. Bogen: 42x53 cm, 8°-Blatt: 13,25x21 cm 


Normalformat VII. Bogen: 44 x 56 cm, 8°'Blatt: 14x22 cm 


Normalformat VIII. Bogen: 46x59 cm, 8°-Blatt: 14,75x23 cm 


Normalformat IX. Bogen: 48x64 cm, 8°*Blatt: 16x24 cm 


Normalformat X. Bogen: 50 x 65 cm, 8°-Blatt: 16,25 x 25 cm 


Normalformat XI. Bogen: 54 x 68 cm, 8°-Blatt: 17 x 27 cm 


Normalformat XII. Bogen: 57x78 cm, 8°-Blatt: 19,5x28,5 cm 



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PRINCETON UNliVERSITY 























Neue Normalformate 

nach Werners Vorschlag 
vom Jahre 1911 
















afr- -^= 

Archiv für Buchgewerbe 


des Verhältnisses von 1:1,414cm auf 1,414:2, 2:2,828 
usw. beim Buchformat aufdie Zahlen 11,3x16,16x22,6 
und 22,6x32 cm gekommen ist. 

Diese Zahlen sind i m Juli 1911 als Weltformate der 
„Brücke“ in der folgenden Tabelle bekanntgegeben: 


Weltformate der „Brücke“ von 1911 

Nr. 

Zentimeter 

Bestimmung 

I 

1 x 1,41 



II 

1,41 x 2 



III 

2 x 2,83 


Formate für Wertzeichen, 

IV 

2,83 x 4 


. Etiketten, Eintrittskarten, 

V 

4 x 5,66 


Exlibris usw. usw. 

VI 

5,66 x 8 



VII 

8 x 11,3 



VIII 

11,3 x 16 

Taschenformat 1 für alle mög- 

IX 

16 x 22,6 

Werkformat j llchen Zwecke 

X 

22,6 x 32 

1 

Formate für Atlanten, Kunst- 

XI 

32 x 45,3 


blätter, Innenplakate usw. 

XII 

45,3 x 64 



XIII 

64 x 90,5 


Formate für Landkarten, 

XIV 

90,5 x 128 


Maueranschläge, Fahr- 

XV 

128 x 181 


pläne usw. 

XVI 

181 x 256 




Weitere Reihen von schmalen Formaten erhält man 
durch zwei-, vier- und achtfaches Nebeneinanderreihen 
der Grundformate, z. B.: 

2 mal 1,41 x2 = 1,41 x 4 cm 
2 mal 1,41x4= 1,41 x 8cm 
2 mal 1,41 x8 = 1,41 x 16 cm usw. 

Diese Formate dienen für Etiketten, falzbare Druck¬ 
sachen, Leporelloalbums, schmale Plakate usw. 


Es wird kaum nötig sein, dem buchgewerblichen 
Fachmann zu erläutern, warum diesem Vorschläge 
kein nennenswerter oder doch nur ein einseitiger 
Erfolg beschieden war. Einen solchen gründlichen 
Bruch mit den bestehendenVerhältnissen zu erwarten, 
geht weit über das Ziel hinaus, denn es ist ausge¬ 
schlossen, daß sich das Buchformat von seiner bis¬ 
herigen Vielheit plötzlich auf drei Größen: Taschen¬ 
format, Oktav, Quart beschränken könnte. Die Verleger 
werden ebensowenig auf ihr Lexikonoktav wie auf 
das kleine Oktav der Romanliteratur verzichten wollen, 
und auch auf weitere zwischen den drei Weltformaten 
liegende Größen ist mancher Verleger unentrinnbar 
angewiesen. 

Die Einführung der Weltformate ist auch tatsäch¬ 
lich über bescheidene Anfänge bisher nicht hinaus¬ 
gekommen. In den engen Grenzen ihrer Verwend¬ 
barkeit haben sie sich freilich bewährt. Das Oktavformat 
hält eine unauffällige Mitte unter den geläufigen Buch¬ 
formaten ein und das Quartformat ist für Zeitschriften, 
Mappenwerke und dergleichen, besonders aber im 
Geschäftsleben für Briefbogen schon mehrfach ein¬ 


geführt. Es ist kaum zu bezweifeln, daß man sich 
leicht mit den neuen Größenverhältnissen der Breite 
zur Höhe abfindet. Unter den vielen alten Formaten 
fällt das neue Format überhaupt nicht auf, es fand 
deshalb seine Einführung auch keinen Widerspruch 
und ist in der neueren Literatur schon vielfach zur 
Verwendung gekommen. Wenn man sich aber vor¬ 
stellt, daß alle Oktavbücher in einer Größe erscheinen 
sollen, dann erhält die Frage ein andres Gesicht, und 
die Antwort wäre ein allgemeines „Ausgeschlossen!“. 

An eine derart grundstürzende Vereinfachung der 
Formate, wie sie die „Brücke“ vorschlug, hat Werner 
als erfahrener Fachmann nicht gedacht; ihm war es 
aus rein praktischen Gründen darum zu tun, das 
Vielerlei der Planoformate auf wenige Größen zu be¬ 
schränken und zu diesem Zwecke alle Formate auf 
ein Verhältnis der Länge zur Breite zu bringen. Die 
bereits oben erwähnte Zahl 1:1/2, die er auf 17 x24 
abrundete, bot ihm dazu die Handhabe. Während 
Ostwald sein Weltformat durch wiederholte Verdop¬ 
pelung der Größe 1 x 1,41 cm ermittelte, hat Werner 
kurzerhand die Zahl 17 x 24 cm als Ausgangspunkt für 
das Oktavformat angenommen und sie verdoppelt, ver¬ 
vierfacht und verachtfacht, um zur Große des Quart- 
und Folioblattes und des Planobogens zu gelangen. 

Die grundsätzliche Verschiedenheit beider Vor¬ 
schläge liegt nun darin, daß Ostwald es allzu gro߬ 
zügig bei jener einen Größe für Oktav, Quart und 
Folio bewenden läßt, während Werner zwischen das 
Format 17x24 cm und dessen Verdoppelung noch 
drei Stufen einlegt. Auf diese Weise kommt er zu 
vier Normalformaten , die nach seinem Vorschlag in 
der Bogengröße gleichzeitig die Einheitsgrößen für 
die Papieranfertigung und den Papierhandel werden 
sollen. Durch die Halbierung, Verdoppelung und 
Vervierfachung der vier Normal-Planoformate kann 
den praktischen Bedürfnissen nach größeren und 
kleineren Bogen ausreichend Genüge geleistet werden. 
Die Abstufung der Formate ist so vollkommen gleich¬ 
mäßig, daß sich eine lückenlose Stufenfolge ergibt: 
auf das größte der vier Normal formate folgt nach oben 
die Verdoppelung des kleinsten, auf das kleinste 
Normalformat nach unten die Hälfte des größten. 

Aus der nachstehenden Tabelle ist die Abstufung 
der Formate in Ziffern abzulesen. 

Der Buchdrucker wird je nach der Papiersorte mit 
den vier Grundformaten in Normal halb, Normal und 
Normal doppelt leicht auskommen. Der Fabrikant 
hat es überhaupt nur mit vier Formaten zu tun, die 
er in doppelter oder vierfacher Größe anfertigen und 
nach Bedarf zerteilen kann. Ebenso kann der Gro߬ 
händler mit denselben Bogengrößen auskommen, er 
kann zur schnelleren Bedienung seiner Abnehmer 
geeignete Sorten auch halbiert und geviertelt auf Lager 
nehmen. Durch Falzen auf Folio, Quart, Oktav und 


14 


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Original fram 

PRINCETON UNfVERSITY 




Archiv für Buchgewerbe 


Die neuen Normalformate, plano und gefalzt zu 2, 4, 8, 12 und 16 Blättern 


| Bezeichnung 

Plano 

Folio 

Quart 

Oktav 

Duodez lang 

Duodez kurz 

Sedez 


I 

31 

X 

44 

22 

x31 

15 Va x22 

11 X 15l/o 

73/4x14*/» 

1073x11 

77« X 11 

Normal 

II 

34 

X 

48 

24 

x 34 

17 x 24 

12 x 17 

87a x 16 

117a xl2 

87« x 12 

halb 

III 

37 

X 

52 

26 

x 37 

181/2*26 

13 x 181/2 

9'/ 4 x17 

127a x 13 

97* x 13 


IV 

40 1 / 2 

X 

57 

28V2X40V 2 

2OV4 x 28 1 /« 

14i/ 4 x20i/ 4 

10V«xl9 

137a x 147« 

107.x 147« 


I 

44 

X 

62 

31 

x44 

22 x31 

15i/ 2 x22 

11 x20 */» 

142/3X151/2 

11 xl57. 

Normal 

II 

48 

X 

68 

34 

x 48 

24 x34 

17 x 24 

12 x 22 2 /j 

16 x 17 

12 x 17 

III 

52 

X 

74 

37 

x52 

26 x 37 

18 1 / 2 x 26 

13 x247a 

171/3 x18i/ 2 

13 xl87 t 


iiv 

57 

X 

81 


28i/ 2 x 401/z 

2OV4 x281/ 2 

147« x 27 

19 x 2OV4 

147.x 207« 


[ I 

62 

X 

88 

44 

x 62 

31 x 44 

22 x31 

151/ 2 X291/ 3 

207a x 22 

151/2X22 

Normal 

1 II 

68 

X 

96 

48 

x 68 

34 x 48 

24 x 34 

17 x32 

227a x 24 

17 x24 

doppelt 

iii 

74 

x 104 

52 

x74 

37 x 52 

26 x37 

18i/ 2 x342/ 3 

24 7a x 26 

18i/a x 26 


l IV 

81 

x 114 

57 

x81 

40V 2 x57 

28i/ 2 x40i/ 2 

201/4x38 

27 X287s 

201/4x281/0 


Die Blattgrößen Duodez lang und kurz können in der ersten Gruppe nur aus Normal, in 
der zweiten nur aus Normal doppelt, in der dritten nur aus Normal vierfach gefalzt werden. 


Sedez erhält der Buchhändler aus den vier Grund¬ 
formaten für jedes Buch eine angemessene Größe, 
und auch für den Akzidenzdruck werden sich ohne 
Verlust alle nötigen Formate schneiden lassen. Lange 
schmale Formate einerseits und kurze breite, fast 
quadratische Formate anderseits lassen sich aus dem 
Normal-Planoformat durch entsprechendes Falzen 
auf Duodez (zwölf Blätter) bilden. Die Tabelle gibt 
über alle diese Möglichkeiten Auskunft. 

Um zu zeigen, wie sich die vorgeschlagenen neuen 
Normalformate zu den Normalformaten von 1883 ver¬ 
halten, sind hier auf Seite 12 und 13 auch die Um¬ 
risse der zwölf alten denjenigen gegenübergestellt, 
die durch Falzen der vier neuen Normalformate und 
aus deren Halbierung und Verdoppelung entstehen. 
Während bei den alten Formaten die Abweichungen 
von einem zum andern oft so gering sind, daß sie 
überhaupt überflüssig erscheinen, sehen wir bei den 
neuen Normalformaten eine solche regelmäßige Ab¬ 
stufung,wie sie dem tatsächlichen Bedürfnis entspricht. 
Denn ob ein Buchblatt einen halben Zentimeter breiter 
oder schmäler, länger oder kürzer ist, das bleibt sich 
doch wirklich gleich, ist jedenfalls nicht so wichtig, 
daß davon die Papierbestellung beeinflußt würde. 
Größere Unterschiede dagegen werden aus gewissen 
Gründen bei der Auswahl des Papieres schon häufiger 
den Ausschlag geben. 

Ob es nun besser sein wird, für die neuen Normal¬ 
formate vom Weltformat auszugehen oder die von 
Werner vorgeschlagenen Maße anzunehmen, das kann 
den zur Beurteilung und Entscheidung der Frage zu¬ 
ständigen Fachleuten überlassen werden. Die Tat¬ 
sache, daß das Weltformat bereits Anhänger gefunden 
hat, spricht vielleicht dafür, dieses zum Ausgang zu 
nehmen. Anderseits haben Werners Vorschläge den 
Vorzug,daß die MaßederPlanoformate und der meisten 


größeren Teilungen auf volle Zentimeter ausgehen, 
während das Weltformat und die diesem einzuschal¬ 
tenden Zwischenformate zum größten Teile mit Milli¬ 
metern rechnen müßten. Werners Normalformat I 
trifft übrigens in der Breite des Bogens und in der 
Höhe des 8°-Blattes mit dem Normalformat XII vom 
Jahre 1888 zusammen. 

Der einzige Einwand, der gegen eine derartige 
Neuordnung und gleichzeitige Gleichmachung der 
Buchformate erhoben werden kann, ist derjenige, daß 
der künstlerischen Betätigung bei der Buchausstat¬ 
tung unbequeme Schranken gezogen werden könnten. 
Das wird sich überwinden lassen. Schon jetzt muß 
und wird der Künstler, der für Bücher zeichnet, auf 
das Format Rücksicht nehmen, und wenn er sich nicht 
dazu verstehen kann, dann muß sich der Buchdrucker 
— nicht zum Vorteil des Werkes — damit abfinden. 
Das würde in Zukunft also nicht anders werden. Und 
liegt die Frage so, daß das Buchformat nach abge¬ 
schlossen vorhandenen künstlerischen Bestandteilen 
bestimmt werden muß, so wird sich aus den neuen 
Normalformaten stets eins herausfinden lassen, das 
sich durch geringes Beschneiden der Breite oder 
Höhe dem Bedarf anpassen läßt. Auch das ist bisher 
schon nötig gewesen und ist außerdem eine so seltene 
Ausnahme, daß es eine übertriebene Forderung wäre, 
wenn auf ihn bei der Aufstellung neuer Papierformate 
Rücksicht genommen werden müßte. Auf alle Fälle 
bleibt für den Verleger wie bisher so auch in Zukunft 
der Ausweg offen, für besondere Fälle sich das Papier 
in einer ihm passenden Größe anfertigen zu lassen. 

Die Gelegenheit, in die Papier- und Buchformate 
eine neue, den praktischen Bedürfnissen entspre¬ 
chende Ordnung zu bringen, ist kaum jemals so gün¬ 
stig gewesen wie zur gegenwärtigen Zeit. Möchte sie 
doch nicht verpaßt werden! (Fortsetzung folgt.) 


15 


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PRINCETON UNIVERS1TY 




























Archiv für Buchgewerbe 


Die Buchbinderei im Weltkriege 

Von PAUL VOLKMANN in Schöneberg-Berlin 


D er erste August 1914 ist herangekommen. Die 
Ereignisse überstürzen sich. Es ist mobil. 
Schon beim Öffnen der Morgenpost, welche 
Fülle von telegraphischen, schriftlichen und telepho¬ 
nischen Abbestellungen und Inhibierungen in Arbeit 
befindlicher Aufträge. Es ist eine unerhörte und un¬ 
würdige Panik ins Geschäftsleben hereingebrochen 
und zeugt von wenig Zutrauen zu unsern wirtschaft¬ 
lichen Kräften. Von verschiedenen Kunden wird 
disponiert, als stünden schon die Russen auf dem 
Tempelhofer Felde. Bei Erscheinungen, welche Re¬ 
klamezwecken dienen, und bei Katalogen mit Preis¬ 
verzeichnissen ist dieses Vorgehen noch verständlich, 
bei Jugendschriften und Belletristik war es durchaus 
unnötig. 

Der Betrieb kommt beinahe zum Stillstand. Die 
militärischen Einberufungen treffen ein. Beamte und 
Arbeiter rüsten sich zum Eintritt in die Armee. Wegen 
des plötzlich eintretenden Arbeitmangels erhalten 
eine Menge Arbeiter und Arbeiterinnen die Papiere. 
Ein kleines Häuflein bleibt am Werke, um noch 
die notwendigsten laufenden Arbeiten fertigzustellen. 
Die Lehrlinge, die Meister, das Dampfmaschinen¬ 
personal, Kutscher, Hausdiener und Fahrstuhlführer 
bleiben, soweit sie keine Einberufung erhalten haben, 
an ihren Posten. Die Fabrikleitung behält den Kopf 
oben. Der Betrieb läuft schwächer, aber er läuft. Das 
gesamte kaufmännische Personal hat mit den Entlas¬ 
sungen, Auszahlungen, Abmeldungen und mit dem 
Herausgeben der Legitimationspapiere unendliche 
Arbeit. Das Bargeld ist mit einem Ruck von der 
Bildfläche verschwunden. Von den Banken erhalten 
wir für die Lohnzahlungen nichts wie Papier — Papier 
— Papier. Wechselgeld ist in der ganzen Nachbar¬ 
schaft nicht mehr aufzutreiben. Kontorburschen, Lehr¬ 
burschen und Laufburschen sind andauernd und er¬ 
gebnislos unterwegs. Das gesamte Personal leert die 
Börsen und liefert den Inhalt an Wechselgeld an die 
Kasse ab. Den Arbeitern wird gruppenweise der Lohn 
ausgezahlt, und siehe da, es geht. Die Scharen der 
wartenden Arbeiter werden kleiner und kleiner und 
auch der letzte zieht befriedigt von dannen. Der Kas¬ 
sierer atmet auf und wirft Blicke um sich wie ein sieg¬ 
reicher Feldherr. 

Der Montag kommt heran. Es ist eine beängsti¬ 
gende Leere in den Arbeitsräumen, aber der Betrieb 
läuft ohne Stockung. Das überschüssige Personal 
der Kontore ist in die Fabrik verteilt und wird mit 
leichten Hilfsarbeiten beschäftigt. Die Meister und 
Vorarbeiter stehen in Reih und Glied und alles unter¬ 
zieht sich ohne Widerspruch der ungewohnten Arbeit. 
Das geht so einige Tage, dann stellen sich schon neue 


Aufträge ein. Instruktionsbücher und Landkarten 
werden gebraucht und nach den ersten Siegen in Bel¬ 
gien werden eine Menge Postkartensammelalben und 
Sammelmappen für Zeitschriften in Auftrag gegeben. 
Ferner Notizbücher zuTagebuchzwecken für die Leute 
an der Front und Etappe. Nach einem Zeitraum von 
sechs Wochen ist der Betrieb voll beschäftigt und 
sind mehr Aufträge zu bewältigen als in Friedens¬ 
zeiten. Es geht etwas schwerfälliger mit den minder¬ 
wertigen Arbeitskräften und die Meister können ein 
Liedlein singen. Allmählich werden frische Kräfte 
herangezogen, aber immer und immer wieder einbe¬ 
rufen. Jetzt trittPersonalmangel ein. In dem Betriebe 
sieht es bunt aus. Kriegsverletzte, beurlaubte Sol¬ 
daten der Ersatztruppenteile, Lehrlinge, alte Arbeiter 
und Mädchen über Mädchen. Alle finden Verwen¬ 
dung, sei es als Hausdienerinnen, als Fahrstuhlführe- 
rinnen usw. Die Damen der kaufmännischen Abtei¬ 
lungen finden sich plötzlich in Stellungen, die in ihren 
Anforderungen weit über ihren Erfahrungen stehen. 
Die Not der Zeit ist auch hier merkbar. Der Personal¬ 
mangel bleibt nicht der einzige schwierige Punkt. 
Nach Jahresfrist kommen die ersten Preissteigerun¬ 
gen des Materials. Kleister, Leim, Heftzwirn, Draht, 
Pappe sind die ersten Waren, welche mit den Preisen 
anziehen. In dem zweiten und dritten Kriegsjahr 
werden die Steigerungen sehr bemerkbar und durch 
ihren sprunghaften Charakter erschweren sie außer¬ 
ordentlich die Kalkulationen. Die Kalkulatoren kom¬ 
men nicht weg vom Telephon. Pappen wieder gestie¬ 
gen, Kaliko um 50 Prozent gestiegen, Karton leider 
nicht mehr vorhanden, wird auch nicht mehr angefer¬ 
tigt, so tönt es ihnen fort und fort aus dem Telephon 
entgegen. Diese Preiserhöhungen sind bis 1918 nicht 
zum Stillstand gekommen. Von M 7.50 pro Zentner 
sind die Pappen auf M 45-—50 pro Zentner und der 
Kaliko von 55 Pfennige pro Meter auf M 10.— gestie¬ 
gen. Leinenstoffe, Kaptal, Zeichenband, Schnuren 
sind selbst bei hohen Preisen schwer zu beschaffen. 
Dagegen öffnet sich ein neues Feld unsrer Tätigkeit: 
die Ersatzstoffe. 

Diese Neuheiten zu besprechen erfordert ein Ka¬ 
pitel für sich. Bei den vielfachen Interessen dafür 
kann ich heute dieses Thema nicht ganz umgehen, 
um so mehr, als auch nach dem Kriege eine größere 
Anzahl auf dem Markt bleiben wird. Die ungeheure 
Preissteigerung für Kaliko habe ich oben schon er¬ 
wähnt. Das schlimmste war, daß für große Aufträge 
genügende Mengen gleichmäßiger Ware nicht ge¬ 
liefert werden konnten. An Stelle des Kalikos sind, 
nach verschiedenenVersuchen, Leinenersatzstoffe aus 
Papier gefertigt worden, und zwar sind diese zähen, 


16 


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Original fro-m 

PRINCETON UNIVERS1TY 





Archiv für Buchgewerbe 


durchgefärbten und genarbten Papiere in großerVoll- 
endung zu haben. Ich persönlich halte z. B. den roten 
Überzug der Ullsteinbände für den besten Leinen- 
ersatzstoff, welcher zurzeit sich im Handel befindet. 
Die Kalikofabrikanten werden in den Friedenszeiten 
Mühe haben, das verlorene Terrain wieder zurück¬ 
zuerobern. Versuche, aus Papiergeweben kalikoartige 
Stoffe herzustellen, sind mit vieler Mühe gelungen, 
finden aber wegen der sehr hohen Preise nur wenig 
Eingang. 

Leder war ein schwieriger Artikel. Gleich am An¬ 
fang des Krieges trat die Beschlagnahme der guten 
Leder und Pergamente in Kraft. Das unangenehmste 
war, daß keinerlei Neuanfertigungen erfolgen konn¬ 
ten. Ab und zu brachte die Kriegsledergesellschaft 
Leder zum Verkauf. Es waren Leder, die, für Schuh¬ 
macherzwecke hergestellt, aus irgendwelchen Grün¬ 
den für diese Branche nicht verwendungsfähig waren. 
Diese Ware war, den Umständen angemessen, nicht 
teuer, kam aber für kleinere Buchbindereien infolge 
der eigentümlichen Verkaufsbedingungen nicht in 
Frage. Das sogenannte Kunstleder (Papierstoff) ist 
sehr schön anzusehen, war aber in der ersten Zeit 
seiner Anfertigung sehr hart und spröde und nur bei 
großen Sachen verwendbar. Die Fabrikanten haben 
sich aber den Wünschen der Besteller angepaßt und 
fertigen jetzt eine Ware, die dünner und geschmei¬ 
diger ist, so daß die Verarbeitungsmöglichkeiten größer 
geworden sind. Wir haben diesen Lederersatz zu be¬ 
stimmten Zwecken verarbeitet und gute Erfahrungen 
damit gemacht. 

Die Gaze wurde trotz der erhöhten Preise (Steige¬ 
rung von 30 Pfennigen pro Meter nach und nach auf 
M 5.— pro Meter) immer mehr gestreckt, d. h. weit¬ 
maschiger. Dann wurde sie mit Papier verwebt, dann 
ganz aus Papier gemacht. Hier war aller Anfang schwer 
und die Hersteller mußten andauernd darauf hinge¬ 
wiesen werden, die Gaze dünner und weicher zu ar¬ 
beiten. Da aber die Preise sehr hoch blieben, auch 
die Verarbeitung beim Anpappen zu wünschen übrig¬ 
ließ, so sind vielfach Streifen von festem, zähen Tauen¬ 
papier an ihrer Stelle verwendet worden und nur bei 
größeren und stärkeren Einbänden wurde zur echten 
Gaze gegriffen. 

Leim war nur in ganz unzureichenden Mengen zu 
beschaffen, so daß der Leimersatz als Retter in der 
Not erschien. Die ersten Sorten, welche auf den Markt 
geworfen wurden, waren nicht für die Anforderungen 
der Buchbinderei fabriziert. Meistens war, und ist 
noch heute der Grundstoff — die Sulfitablauge. Stö¬ 
rend waren: 1. die dunkle Farbe, 2. die geringere Kleb¬ 
kraft und 3. die großen Fässer, für deren Hantierung 
in den Buchbindereien das geübte Personal fehlte. 
Dem Klebstoffabrikanten bzw. Chemiker hat jeden¬ 
falls bei den ersten Versuchen der Bedarf für Post 


und Bahn als Richtschnur gedient Der entscheidende 
Punkt war für uns die Verwendungsmöglichkeit an den 
Anschmier- und Deckenmachmaschinen. Wochen¬ 
lange Versuche waren notwendig, die geeignetsten 
Fabrikate herauszusuchen und an der Hand unsrer 
fachmännischen Erfahrungen den Lieferanten auf die 
notwendigsten Bedingungen und Verbesserungen auf¬ 
merksam zu machen. Es ist ein Unterschied, ob Kleb¬ 
stoff für Handarbeiten oder z. B. für die Deckenmach¬ 
maschine gebraucht wird. Der Klebstoff weicht die 
Überzüge nicht so schnell wie der echte Leim. Bei 
den schnell aufeinanderfolgenden Arbeitsvorgängen 
vorgenannter Maschine ist dies aber notwendig, weil 
sonst die Einschläge wieder hochgehen. Es hielt 
schwer, allen maßgebenden Faktoren dieses klar zu 
machen. Heute ist diese Frage gelöst: es sind Kleb¬ 
stoffe (Leimersatzmittel) zu haben, die für bestimmte 
Arbeiten den Leim ersetzen und auch an den Decken¬ 
machmaschinen zur Zufriedenheit zu verwenden sind. 
Der heutige Preis beträgt bei Abnahme größerer Po¬ 
sten M 1.20—1.50 pro Kilo (ohne Bezugschein). 

Mit dem Ersatzkleister war die Not nicht so groß. 
Billige Ware mit Bezugschein ist überall zu haben. 
Wer aber gute Ware ohne Bezugschein kaufen muß, 
kann dieselbe nur zu hohen Preisen beziehen. 

Die Dextrinleime oder Dextrinkleister sind vorzüg¬ 
lich, unterliegen aber der Bezugsscheinpflicht und 
werden hoch angerechnet, das heißt ein Kilo Dextrin¬ 
leim oder -kleister wird gleich einem Kilo Kartoffel¬ 
mehl gerechnet. Die Grundlage der Verteilung der 
Bezugscheine der Klebstoffe ist bekanntlich ein Kilo 
Kartoffelmehl pro Monat pro Arbeiter. Unter diesem 
Verteilungsmodus ist der Verbrauch der Dextrinkleb¬ 
stoffe ausgeschlossen, wir würden dabei nur den zehn¬ 
ten Teil der Klebstoffe erhalten, den wir gebrauchen. 
Die einzige Ausnahme sind die für die Anklebemaschi¬ 
nen notwendigen Mengen, da andre Klebstoffe sich 
dazu nicht so gut eignen. 

Der Papierverbrauch ist in der Buchbinderei nicht 
so groß wie in der Buchdruckerei, darum ist der Pa¬ 
piermangel von uns nicht so schwer empfunden wor¬ 
den als vom Buchdrucker. Die Preissteigerung war 
aber sehr merkbar und ab und zu stockte die Zufuhr. 
Kartons für Umschläge, Schnellhefter usw. waren in 
den letzten zwei Jahren in großen gleichartigen Posten 
nicht zu beschaffen. Wir haben uns bei großen Auf¬ 
trägen geholfen, indem wir dünne Schranzpappen mit 
Papier kachierten. Für weitere Verarbeitung derar¬ 
tiger Kartons sind natürlich Nutmaschinen notwendig. 

Die Kohlenfrage scheint sich zur wichtigsten aus¬ 
zuwachsen. Nur mit Anwendung aller Sparfinessen 
und mit äußerster Energie ist es möglich, Heizmate¬ 
rial heranzuschaffen. Der Preis, welcher für Kohlen 
angelegt werden muß, ist ein dreifach höherer als 
der Friedenspreis und dabei ist die Heizkraft geringer. 

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Die Regelung der An- und Abfuhr und Instandhal¬ 
tung der Wagen, die Futterbeschaffung und Futter¬ 
kosten für die Pferde, die Anschaffung brauchbarer 
Pferde an Stelle der guten ausgehobenen Tiere und der 
andauerndeWechsel derKutscher, Mitfahrer und Haus¬ 
diener erschwerte die Expedition außerordentlich. 

Bei der herrschenden Teuerung ist es nicht ver¬ 
wunderlich, wenn die Arbeiter und Meister sich bald 
mit Lohnforderungen einstellten. Durch ihre fest¬ 
geschlossenen Organisationen haben sie Erhöhungen 
mit ziemlich kurzenVerhandlungen erreicht. Die tech¬ 
nischen und kaufmännischen Angestellten haben eine 
gleich glatte Erledigung ihrerWünsche nicht zu erzielen 
vermocht und sehen mit gemischten Gefühlen auf die 
verhältnismäßig höheren Einkommen der Arbeiter. 

Der Krieg ist jetzt zu Ende. Seine Folgen sind noch 
nicht zu übersehen. Was wir klar sehen, ist der Weg, 
den wir bisher zurückgelegt haben, und die einge¬ 
schlagene Richtung desselben. Das ist für die Buch¬ 
binderei eine weitere Zurückdrängung des Handwerks 
zugunsten der Großbuchbinderei, mit Ausnahme der 
kleinen und mittleren fabrikmäßigen Spezialbetriebe. 
Dies war schon vor dem Kriege der Fall, gewiß, aber 
der Krieg hat diese Entwicklung außerordentlich be¬ 
schleunigt. Die Hauptgründe sind folgende: 1. die 
großen geschlossenen und eiligen Kriegsaufträge, 
welche der Kleinunternehmer nicht ausführen konnte, 
weil eine Organisation zu den Vorarbeiten und zur 
Verteilung der Arbeiten an kleine Gruppen fehlte. 


2. Die leichtere Beschaffung der Materialien seitens 
der Großbuchbindereien und dasmit den sprunghaften 
Preiserhöhungen verbundene Risiko des Einkaufs. 

3. Die Schwierigkeit der Kalkulation, verschärft durch 
die Schwankungen der Materialienpreise. EineMenge 
der selbständigen kleinen Meisterwürden zum Kriegs¬ 
diensteingezogen und sie mußten, da sie keine Vertre¬ 
tungen beschaffen konnten, ihre Geschäfte schließen. 
Sie müssen nun, in ungünstiger Zeit, neu anfangen. 
Die Kunstbuchbinderei hat zu allen Zeiten ein volles 
Maß Idealismus und Berufsfreude erfordert. Von pe¬ 
kuniären Erfolgen hat man nie viel gemerkt, was um 
so mehr zu bedauern ist, als hier gediegene Kräfte, 
von hervorragenden Lehrern in zielbewußter Arbeit 
herangebildet, genügend vorhanden sind. 

Während ich diese Zeilen schreibe, ist der Acht- 
stunden-Arbeitstag zur Einführung gekommen und, 
da die Löhne dieselben geblieben sind wie bei der bis¬ 
herigen neun-, neuneinhalb- und zehnstündigen Ar¬ 
beitszeit, so bedeutet dieser Fortschritt eine weitere 
Steigerung der Herstellungskosten der Einbände. 
Hoffentlich ist damit der Höchststand der Preise er¬ 
reicht und treten von nun an stabilere Verhältnisse 
in unsrer Branche ein. Wir alle wollen unser Teil 
beitragen an dem Neubau unsrer Volkswirtschaft, 
Arbeiter und Beamte sowohl als Unternehmer, Ge¬ 
hilfen sowohl als Meister, und ich schließe mit dem 
alten Buchbinderspruch: 

„Urban mach den Leim warm.“ 


Die Proben der Schriftgießereien 

Von HEINR. HOFFMEISTER in Frankfurt a. M. 


I n der Fachwelt werden in letzter Zeit hier und da 
Äußerungen laut, die der Herausgabe der neuen 
Erzeugnisse der Schriftgießereien in einem ein¬ 
facheren Gewände das Wort reden. Daß die Schrift¬ 
proben im Laufe der letzten Jahrzehnte eine beson¬ 
ders luxuriöse Ausstattung erfahren haben, muß ohne 
weiteres zugegeben werden. Es ist aber unrichtig, 
anzunehmen, diese splendide Art der Vorführung 
neuen Materials sei etwas völlig Neues und aus dem 
Geist der neuen Kunstbewegung geboren. Die in 
den siebziger und achtziger Jahren des vorigen Jahr¬ 
hunderts von Scheiter & Giesecke herausgegebenen 
Typographischen Mitteilungen verfolgten den gleichen 
Zweck, der mit den Schriftproben unsrer Zeit erstrebt 
wird: das jeweilige Material in umfangreicheren und 
künstlerischen Ansprüchen genügenden Anwendun¬ 
gen zu zeigen. Sie erwiesen sich als Musterbeispiele 
einer geschmackvollen und technisch auf hoher Stufe 
stehenden Ausführung und unterschieden sich von 
den jetzt üblichen Proben nur dadurch, daß in ihnen 
mehrere Erzeugnisse Aufnahme fanden, während die 
Proben unsrer Zeit einer bestimmten Schrift gewidmet 


sind. Außerdem wurden auch kleine fachtechnische 
Aufsätze, wie sie für den Buchdrucker stets von 
Interesse sind, eingeflochten, so daß die Ausgaben 
nicht selten den Eindruck einer fachwissenschaft¬ 
lichen Zeitschrift machten. ÄhnlicheUnternehmungen 
wie diese „Mitteilungen“ folgten in den „Bunte Blät¬ 
ter“ von Genzsch & Heyse, „Der Schriftgießer“ von 
Julius Klinkhardt, „Typographische Neuigkeiten“ 
von Benj. Krebs Nachfolger usw. Allen diesen Zeit¬ 
schriften, wenn ich sie einmal so nennen darf, war 
die Absicht gemeinsam, das neu geschaffene Material 
an Schriften,Einfassungen, Schmuckstücken, Messing¬ 
erzeugnissen in reicheren und anspruchsvolleren An¬ 
wendungen zu zeigen, wie es im Rahmen der zu jener 
Zeit herausgegebenen Proben der Fall war. Die eigent¬ 
liche Triebfeder hierzu war aber wohl in dem Gefühl 
der Notwendigkeit zu suchen, in dieser Art der Vor¬ 
führung neuer Schöpfungen die Richtung festzulegen, 
in der sie in der Praxis verwendet werden möchten. 
Das ist aber nichts andres, als was, zum Teil wenig¬ 
stens, auch mit den Proben unsrer Zeit angestrebt 
wird. Der Künstler will darin im Verein mit der in 


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Betrachtkommenden Gießereidem Buchdrucker einen 
Leitfaden in die Hand geben, wie er sich die Ver¬ 
wendung seiner Schrift denkt. Zweifellos ist es inter¬ 
essant, von dem Urheber den Weg bezeichnet zu 
finden, der ihm bei seiner Schöpfung vorgeschwebt 
hat, und nur Übelwollende können bestreiten, daß wir 
nach dieserRichtung schon manchen wertvollen Finger¬ 
zeig erhalten haben, Anregungen, die zwar vielfach 
den Rahmen unsrer hergebrachten Anschauungen 
verlassen, aber in ihrer frischen Auffassung unserm 
in trockenen Formen steckengebliebenen Gewerbe 
neues Blut zugeführt haben. Es kommt hinzu, daß 
der Künstler auch über die satztechnische Behandlung 
der Schrift anders denkt wie eine große Anzahl Setzer, 
in dieser Beziehung sind durch seine Mitarbeit eben¬ 
falls neue Aussichten eröffnet worden. Die Künstler¬ 
schriften der Neuzeit sind überhaupt nicht so einfach 
zu setzen, wie die Charaktere der früheren Jahrzehnte; 
diese Entdeckung können wir täglich an den Druck¬ 
sachen machen, die uns zu Gesicht kommen. Sie er¬ 
fordern, wenn man ihnen gerecht werden, alles, was an 
Schönheit und möglicher Wirkung in ihnen steckt, 
herausholen will, ein eingehendes Studium. Wenn 
man nun die Fülle von Material bedenkt, die in den 
letzten Jahren auf den Buchdrucker hereingestürmt 
ist, so folgt ohne weiteres, daß der Setzer gar nicht 
imstande ist, sich in diesen Reichtum von Schriften, 
Einfassungen usw. so hineinzuleben, sich so in ihre 
Eigenart zu versenken, wie es notwendig wäre. Selbst 
wenn er ein geschultes Auge und ästhetisches Emp¬ 
finden dazu mitbrächte, müßte er bei der ihm im 
allgemeinen zur Verfügung stehenden Zeit an dieser 
Aufgabe scheitern. Ein Leitfaden, wie ihn die Gießerei 
in Gestalt der jetzt üblichen Schriftproben herausgibt, 
ist für den Buchdrucker deshalb ein Bedürfnis. Diese 
Proben erfüllen aber nur dann ihren Zweck, wenn 
in den Anwendungsbeispielen die Verhältnisse der 
Praxis in Betracht gezogen und wenigstens in großen 


Zügen die Möglichkeiten erschöpft sind, welche in 
das Gebietder jeweiligen Schrift fallen. Jede Charakter¬ 
schrift hat ihr Feld, für das sie besonders geeignet 
ist, und hierfür sollen die Satzbeispiele die Richtschnur 
bilden. Der Umfang einer Schriftprobe ergibt sich 
hiernach von selbst. Einzelne Gießereien (Klingspor, 
Stempel) sind sogar noch weiter gegangen und haben 
eine neue Schrift auch zu einem Privatdruck ver¬ 
wendet, um sie in ihrer Bedeutung für die Praxis noch 
eindringlicher, als es in einer Probe geschehen kann, 
vor Augen zu führen. 

Die Herstellung der Proben erfordert nicht nur 
sehr viel Zeit und Mühe, sondern auch einen erheb¬ 
lichen Kostenaufwand. Ob sich diese Vorbedingungen 
in jedem Falle gelohnt haben, kann hier unerörtert 
bleiben. Ein Erfolg darf ihnen aber unter allen Um¬ 
ständen zugeschrieben werden, das ist der bedeutende 
Einfluß, den sie auf die Satzkunst und auf die Buch¬ 
kunst im allgemeinen gehabt haben. Die Satzkunst 
steht in Deutschland heute auf einer Höhe, die bei 
gleichem Fortschreiten auf der betretenen Bahn das 
Beste für die Zukunft erwarten läßt, und auch die 
Buchkunst ist durch die Schriften und die Mitarbeit 
der Künstler in eine neue Blütezeit eingetreten. Das 
Verdienst an diesen Erfolgen darf neben den Schriften 
selbst den Proben der Gießereien zugeschrieben 
werden; sie haben durch ihre vielfach vorbildlichen 
Satzbeispiele sowie durch ihre ganze Ausstattung, 
sowohl was Satz, Farbengebung, Papier anbelangt, 
die Satzkunst in entscheidendstem Maße beeinflußt. 
Wenn das zugegeben wird, so ergibt sich die Frage 
von selbst: Ist die Kenntnis der Satzlehre heute 
schon so tief eingedrungen, daß auf die Führerrolle 
der Gießereien verzichtet werden kann? Diese Frage 
darf mit gutem Gewissen verneint werden. Deshalb 
ist der Wunsch berechtigt, daß an der Ausstattung 
der Schriftproben so lange nicht gerüttelt wird, bis 
sich die Voraussetzungen hierzu geändert haben. 


Fischhaut zu Bucheinbänden 

Von FRANZ MARTINI in Charlottenburg 


D er Mangel an Rohware in Deutschland hat in 
den letzten Jahren zu einer Reihe von Erfin¬ 
dungen geführt, welche mehr oder minder 
gute Ersatzstoffe schufen. Der weitaus größte Teil 
dieser Ersatzstoffe wird mit dem Aufhören jenen 
Mangels wieder vom Markte verschwinden. Es wur¬ 
den aber auch einige Stoffe zur Verarbeitung geeignet 
gefunden und je nach den Umständen von den be¬ 
treffenden Industrien in mehr oder minder großem 
Umfange aufgenommen, die keine Ersatzstoffe sind, 
sondern eine Bereicherung des betreffenden Marktes 


darstellen und sich nicht nur auf ihm behaupten 
wollen, sondern voraussichtlich ihren eigentlichen 
Siegeslauf antreten werden. Zu diesen letzteren 
gehört die Fischhaut und ihre Verwendung zum 
Bucheinband und zum Bezug von Galanteriewaren 
aller Art. 

„Den Zufall schickt die Vorsehung, zum Zwecke 
muß ihn der Mensch gestalten.“ Als Landsturmmann 
sah ich im August 1916 in Solos sur Sambre (Belgien) 
in der Küche Klippfische im Wasser liegen, deren 
Haut vor der Zubereitung abgezogen und fortgeworfen 

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wurde. Die Erfahrung und die Kenntnisse, die ich 
mir in langen Jahren bei der Firma Lüderitz & Bauer in 
Berlin als Sortimenter und Mustermacher angeeignet 
hatte, ließ mich diesen Abfall für nicht unbedingt 



Abbildung 1 

Fischhauteinband mit brauner Kalblederauflage 


wertlos halten. Nachdem 
ich die Häute geprüft hatte 
und ihre Haltbarkeit und 
Elastizität mich in Staunen 
versetzte, präparierte ich 
die Aasseite vorschrifts¬ 
mäßig, entfernte die Schup¬ 
pen und hatte das schönste 
Rohmaterial für Pergament 
in der Hand. Die Herstel¬ 
lung des Pergaments ging 
ohne Schwierigkeit von stat¬ 
ten, und ich konnte so¬ 
fort verschiedene Bücher 
für den militärischen Be¬ 
trieb mühelos binden. Als 
erstes Buch erhielt das 
Militär-Verordnungsblatt 
den neuen Einband, woran 
sich meine weiteren Ver¬ 
suche anschlossen. 

Die Elastizität des Fisch¬ 
haut-Pergaments, die der¬ 
jenigen der gebräuchlichen 


Kalbs- oder Schafpergamente überlegen ist, sowie seine 
Festigkeit, die jene der Konkurrenten ebenfalls erheb¬ 
lich zu übertreffen scheint, brachten mich auf den Ge¬ 
danken, es zur Herstellung schwieriger Einbände 



Abbildung 2. Halbfnmzband in Fischhaut gebunden mit 
Lederauflage und selbstangefertigtem Kleistermarmor 


zu verwenden. So gelang 
ein Halbfranzband mit er¬ 
habenen Bünden, wie ich es 
erwartet hatte, ausgezeich¬ 
net. Die Fischhaut schmiegte 
sich ohne Schwierigkeiten 
dem Buchkörper an, hinter¬ 
ließ keine Falten und löste 
sich nicht an den Bünden, 
wie es ein Kalb- oder Schaf¬ 
pergament stets tut. 

Nachdem Herr Kersten, 
der Inhaber der Kunst¬ 
schule für Buchbinderei, 
und Herr Geheimer Re¬ 
gierungsrat Professor Dr. 
Paalzow, der Direktor der 
Königlichen Bibliothek zu 
Berlin, den Wert meiner 
Erfindung anerkannten, 
sandte ich das Material an 
das Prüfungsamt in Lichter¬ 
felde zur Begutachtung und 
erhielt folgenden Bescheid: 



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Bei den ersteren sind in Rücksicht auf den Zweck der 
Schriften die Versalien stärker vertreten als bei den Brot¬ 
schriften. Es kann aber nun Vorkommen, daß von Titel¬ 
schriften in den kleineren Graden größere Mengen für 
fortlaufenden Text gebraucht werden, und in solchen Fällen 
ist es nicht angängig, nach Titelschrifteinteilung zu liefern, 
sondern nach Brotschrifteinteilung, weil sonst die Ver¬ 
salien viel zu reichlich vertreten wären. Aber von welcher 
Gewichtsmenge ab soll das geschehen? Darüber besteht 
keine Vereinbarung, und es müßte eine einheitliche Norm 
geschaffen werden, nach der sich alle Gießereien zu rich¬ 
ten hätten. Am zweckmäßigsten dürfte es sein, wenn diese 
Frage zunächst einmal von dem Arbeitsausschuß der Typo¬ 
graphischen Gesellschaft in Leipzig, der wir ja auch die 
Schaffung des deutschen Normalgießzettels zu verdanken 
haben, behandelt wird. Sie könnte dann mit fertigen Vor¬ 
schlägen an die Gießereien bzw. den Normenausschuß her¬ 
antreten. 

Bei den Brotschriften verhält es sich ebenso. Wo es sich 
um kleine Mengen handelt, die etwa einem Titelschriftsatze 
entsprechen, dürfte die Lieferung nach Titelschriftgie߬ 
zettel angebracht sein, nicht aber bei Mengen von mehreren 
Sätzen. Der Buchdrucker erhält sonst eine Menge über¬ 
flüssiger Versalien, mit denen er nichts anzufangen weiß. 

Die Satzgewichte an sich bedürfen auch einer eingehen¬ 
den Prüfung und teilweisen Abänderung. Sie weichen bei 
den verschiedenen Gießereien vielfach voneinander ab; 
auch gibt die eine Gießerei kleinere Teile eines Satzes 
ab, als die andre. Der Buchdrucker weiß nicht, woran 
er ist, und muß sich vor Aufgabe einer Bestellung erst 
in dieser Hinsicht durch eine Anfrage unterrichten. Wes¬ 
halb werden die Satzgewichte nicht einheitlich festgelegt 
und ebenso die kleinsten Mengen, die abgegeben werden 
können? 

Noch eine weitere Frage: Welchen Sinn soll es haben, 
daß ein sogenanntes „Minimum“ einer ganz englaufenden 
Schrift, z. B. einer engen mageren Egyptienne, das gleiche 
Gewicht hat wie das einer breiten fetten Grotesk oder brei¬ 
ten fetten Egyptienne? Dadurch sind in einem Minimum 
enger Schrift die Buchstaben x-mal mehr vertreten als bei 
einer breiten, ohne daß hierzu ein Bedürfnis vorliegt. Die 
engen Schriften werden niemals so häufig gebraucht wie 
Schriften von mittlerer Breite, und darum könnten diese 
Sätze im Gewicht auch wesentlich leichter ausfallen. Am 
zweckmäßigsten dürfte es sein, die Satzgewichte nicht 
unterschiedslos nach den Schriftgraden zu bestimmen, 
sondern nach der genau festzulegenden Anzahl von jedem 
einzelnen Buchstabenzeichen, wie sie in jedem Minimum 
enthalten sein soll. Hierbei könnte man drei Gruppen zu¬ 
grunde legen: enge, normale und breite Schriften. 

Die Neugestaltung der Satzgewichte auf dieser Grund¬ 
lage wäre eine dankbare Aufgabe, deren Lösung auch dem 
Normenausschuß im Verein mit dem Verein Deutscher 
Schriftgießereien gelingen dürfte. -d. 

II. Vereinheitlichung in der Buchbinderei. 

Technische und betriebliche Vereinheitlichung innerhalb 
der Buchbinderei, ob der handwerklichen oder der in¬ 
dustriellen, wird sich zum Teil nach den Bedürfnissen und 
Bestrebungen der verwandten Gewerbe zu richten oder mit 
diesen Hand in Hand zu gehen haben. Die Frage der Ver¬ 


einheitlichung des Buch- und Papierformats wird die 
Buchbinderei niemals selbständig entscheiden können, 
wenn sie auch vor der Entscheidung gehört werden muß. 
Es erübrigt sich also hierauf des näheren einzugehen. Nur 
gesagt möge werden, daß die Normalisierung des Formats, 
namentlich für die Massenbuchbinderei, große Vorteile 
haben kann. Es ist selbstverständlich, daß durch die Ver¬ 
einfachung der Buchgrößen und der Papierformate eine 
bessere Ausnutzung der verschiedensten Einbandmate¬ 
rialien erzielt werden kann. Die Hersteller dieser Mate¬ 
rialien würden sich im Laufe der Zeit den durch die Ver¬ 
einfachung der Formate bedingten Forderungen anpassen 
und so imstande sein, eine Ermäßigung ihrer Preise her¬ 
beizuführen. Weniger Formate bedeutet auch eine Erleich¬ 
terung der Maschinenarbeit, da die Maschinen dann nicht 
mehr auf so viele verschiedenartige Größen einzustellen 
sind. Da durch die Einstellung der Maschinen ein großer 
Teil der Arbeitszeit innerhalb der industriellen Buchbin¬ 
derei beansprucht wird, so würde die Vereinheitlichung der 
Formate eine Erhöhung der maschinenbuchbinderischen 
Leistungsfähigkeit im Gefolge haben. 

Es gibt aber eine große Reihe von Möglichkeiten der 
Vereinheitlichung, wie sie die Buchbinderei selbständig 
vornehmen kann. Die Absicht der folgenden Zeilen ist 
es nicht, Vorschriften zu machen. Es seien vielmehr nur 
diejenigen Punkte herausgehoben, die sich als noch be¬ 
stehende Uneinheitlichkeiten kennzeichnen lassen, um so 
der Fachwelt die Erwägung anheimzugeben, ob sie die 
Normalisierung einzuleiten gedenkt oder nicht. Denn bei 
allen Vereinheitlichungs-Bestrebungen darfnicht vergessen 
werden, daß auf den ersten Blick scheinende Uneinheitlich¬ 
keit oft ihre tiefen Gründe haben kann, und daß eine radi¬ 
kale Normalisierung, nur um ihrer selbst willen, mehr 
Schaden anrichten als Nutzen stiften kann. Soweit durch die 
Normalisierung ästhetische Fragen berührt werden, wird 
man nur mit der allergrößten Vorsicht zu Werke gehen dür¬ 
fen. Etwa die Einbandverzierung vereinheitlichen zu wollen, 
hieße sich wider den Geist des Kunstgewerbes versündigen. 

Normalisierung, wie sie heute verstanden wird, bedeutet 
durchaus nicht nur Vereinheitlichung von Maschinenteilen, 
Werkzeugen,Werkstoffen und Formaten; hierin lassen sich 
auch alle jene Bestrebungen zusammenfassen, die eine be¬ 
triebliche Vereinfachung durch die Aufstellung gewisser 
Regeln für den geschäftlichen Verkehr bezwecken. Für die 
Buchbinderei, als weiterverarbeitende Industrie, würden 
solche Regeln unzweifelhaft großen Wert haben und man¬ 
cherlei noch bestehende Mißstände beseitigen. Wäre es 
z. B. nicht gut, wenn mit der Buchdruckerschaft vereinbart 
werden könnte, wieviel Überschuß diese zu liefern hat? 
Auch die Bedingungen über die Lagerung von Bogen und 
Büchern bei den Großbuchbindereien würden, soweit mir 
bekannt ist, eine Regelung wohl vertragen können. 

Der handwerklichen Buchbinderei fehlt es heute noch 
an einem Einheitstarif. Die Bestrebungen, einen solchen 
Tarif zu schaffen, sind während des Krieges in ganz beson¬ 
ders lebhafter Weise laut geworden. Hier wird es sich ein¬ 
mal darum handeln müssen, für die ganze deutsche hand¬ 
werkliche Buchbinderei maßgebende Preise zu schaffen. 
Da aber die Arbeits- und Preisverhältnisse in den einzelnen 
Landesteilen und Städten oft recht verschieden sind, so 
wäre zu erwägen, ob man nicht nur einen Selbstkostentarif 


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aufstellt und die Höhe des Verdienstzuschlages zu bestim¬ 
men den einzelnen Innungen überläßt. Selbstverständlich 
müßten die Innungen dabei unter Kontrolle des Innungs¬ 
verbandes stehen. Da aber auch die Selbstkosten verschie¬ 
den sein werden, so müßte durch den Tarif die Möglichkeit 
gegeben werden, zu den Selbstkosten Zuschläge oder von 
ihnen Abzüge zu machen. (Daß ein derartigerTarif auch für die 
Großbuchbinderei von Nutzen wäre, bedarf keiner weiteren 
Ausführung.) Heute gibt es innerhalb der Buchbinderei 
mehrere Tarife, aber selbst wenn sich das Buchbinder¬ 
handwerk auf den von seinem Innungsverband aufgestellten 
einigen würde, hätten wir Buchbinder noch lange keinen 
Einheitstarif. Denn es bestehen noch in überaus großer 
Zahl die Tarife der öffentlichen Büchereien, die die Merk¬ 
würdigkeit haben, wesentlich billigere Preise zu enthalten, 
als sie in den Tarifen der Buchbinder verzeichnet sind. 
Die deutschen Buchbindermeister wissen schon längst, 
daß die öffentlichen Büchereien die größten Preisdrücker 
sind, und daß eine Gesundung des Buchbinderhandwerks 
nur dann herbeigeführt werden kann, wenn mit dem Un¬ 
wesen dieser Sondertarife aufgeräumt wird. — Aber selbst 
wenn die deutsche Buchbinderei einen Einheitspreistarif 
besäße, so würde diesem Tarif erst dann ein Wert zukom¬ 
men, wenn seine einzelnen technischen Angaben so klar 
und eindeutig gehalten sind, daß jeder Zweifel ausge¬ 
schlossen ist. Die Normalisierung der Einbandarten — 
nicht in dem Sinne, daß von jetzt ab nur gewisse Einband¬ 
arten auszuführen sind, sondern daß die grundlegenden 
Begriffe für die einzelnen Arten des Bucheinbandes fach¬ 
männisch festgelegt werden — ist nach meiner Ansicht 
eines der dringendsten Erfordernisse. Was ein Halb- und 
Ganzleinen-, ein Papp-, ein Halbfranz- und ein Ganzleder¬ 
band ist, weiß man natürlich; aber die Preise für diese 
Einbände können nur dann maßgebend sein, wenn die Ein¬ 
zelheiten ihrer Herstellung genau festliegen. In dem „Preis¬ 
verzeichnis für Buchbinderarbeiten“, aufgestellt vom Bund 
Deutscher Buchbinder-Innungen, heißt es z. B. bei „Einfach 
Halbfranzband“: „Gewöhnliches Vorsatz mit Leinenfalz, 
Bocklederrücken und-ecken, erhabene Bünde“. Hier fehlen 
Angaben über die Heftungsarten, über die Schnittverzie¬ 
rung und die Zahl der Bünde, während die Forderung des 
Leinenfalzes eine Beschränkung, und noch dazu eine ge¬ 
schmacklich nicht immer zu rechtfertigende, bedeutet. Bei 
„Deckenband“ wird gesagt: „Gewissenhafte Verarbeitung 
des Buchblockes, feines Vorsatz mit Leinenfalz“. Auch 
hier mache ich Einwendungen gegen die summarische Vor¬ 
schrift des Leinenfalzes und vermisse die Angabe über den 
Schnitt. Es sei dabei ausdrücklich betont, daß eine genaue 
Vorschrift über die einzelnen Einbandarten nicht etwa da¬ 
zu führen darf, nun sklavisch danach zu arbeiten. Wenn 
beim Halbfranzband z. B. Lederecken vorgeschrieben sind, 
so muß der Buchbinder natürlich die Freiheit haben, den 
Einband nicht mit Lederecken zu versehen und den Preis 
dann entsprechend billiger zu gestalten. Die Vorschrift 
selbst darf immer nur die Grundlage bilden, auf der es 
weiterzubauen gilt. Bei Rechtsstreitigkeiten wird sie 
sicherlich von außerordentlicher Wichtigkeit sein. 

Das Buchbinderhandwerk darf es für sich in Anspruch 
nehmen, schon vor einerReihe vonjahren denWert derNor- 
malisierung — auch ohne daß ihm dies Wort bekannt war — 
erkannt zu haben. Diese Normalisierungs-Bestrebungen 


richteten sich darauf, genaue Regeln für das Einbinden von 
Bibliotheksbüchern zu Enden und im Zusammenhang damit 
die für die Buchbinderei notwendige Beschaffenheit der 
Einbandstoffe zu untersuchen. Im Jahre 1905 veröffent¬ 
lichte die Londoner „Library Association“ den „Interim 
Report“ ihres aus einer großen Reihe bewährter Fachleute 
bestehenden „Book Production Committee“. Die Arbeiten 
des Komitees hatten sich über mehrere Jahre erstreckt, 
die Untersuchungen hatten jeden Teil und Arbeitsvorgang 
des Buches umfaßt (Druck, Illustration, Papier und Buch¬ 
einband, sowie bibliographische Einzelheiten über die An¬ 
ordnung des Buchinhalts). Das Komitee war sehr sorg¬ 
fältig zu Werke gegangen, hatte verschiedene Buchbinde¬ 
reien besucht und Buchbindereimaschinen-Fabriken sowie 
solche Unternehmungen, in denen die gesamte Buchher¬ 
stellung vorgenommen wurde. Der mir vorliegende Bericht 
des Komitees (London, Published by the Library Associa¬ 
tion, Caxton Hall Westminster SW. 1913) würde für die 
Arbeiten des Normenausschusses für das graphische Ge¬ 
werbe sicherlich eine sehr wertvolle Hilfe sein, schon 
wegen der sehr eingehenden werkstofflichen Angaben über 
Papier. Bei den Vorschriften über Einbinden unterschied 
das Komitee zwischen solchen, die zu empfehlen sind, und 
solchen, die zu verwerfen sind. In der zweiten Reihe steht 
u. a. das abwechselnde Heften, die Drahtheftung unter ge¬ 
wissen Bedingungen. Die tatsächlichen Vorschriften für 
den Masseneinband sind sehr umfangreich; es ist nicht 
möglich, im Rahmen dieser Ausführungen auf sie einzu¬ 
gehen; sie zeigen aber deutlich den Weg, den die deutsche 
Buchbinderei bei der Normalisierung zu beschreiten hat. 

Die Initiative der buchbinderischen Normalisierung in 
Deutschland hat der Verein Deutscher Bibliothekare er¬ 
griffen. Anknüpfend an die erwähnten englischen Unter¬ 
suchungen erstatteten Prof. Dr. Paalzow, Abteilungsdirektor 
der Berliner Bibliothek, und Prof. Dr. J. Loubier, Kustos 
an der Bibliothek des Berliner Kunstgewerbemuseums, auf 
der Versammlung deutscher Bibliothekare in Nürnberg 
am 19. Mai 1910 einen eingehenden Bericht und zogen, 
über die englischen Arbeiten hinausgehend, auch die Ein¬ 
bandstoffe und die Buchbindertechnik in größerem Maße 
in den Kreis ihrer Erörterungen. Die Folge dieser Berichte 
war die Einsetzung einer Kommission, die sich in mehre¬ 
ren Sitzungen mit dem Einbandleder, den Webstoffen, mit 
Pergament, Papier und der Buchbindertechnik beschäftigte. 
Die auf Grund dieser Beratungen vom Verein Deutscher 
Bibliothekare am 8. Juni 1911 beschlossenen „Vorschriften 
für Bibliothekseinbände“ wurden im „Zentralblatt für Bi¬ 
bliothekswesen“ (Jahrgang 28, Heft 7/8) veröffentlicht und 
liegen im Sonderdruck vor. Besonders eingehend hatte 
sich die Kommission mit dem Buchbinderleder beschäf¬ 
tigt, da es sich herausgestellt hatte, daß die modernen 
Buchbinderleder infolge ihrer Gerbung dem Verfall leicht 
ausgesetzt waren und wenig Lichtbeständigkeit aufwiesen. 
Als die einzigen geeigneten und unschädlichen Gerbstoffe 
wurden reiner Sumach, reine Eichenlohe und Galläpfel 
bezeichnet. Es hieß dann weiter: „Über die Dauerhaftigkeit 
aller nicht vegetabilisch gegerbten Leder, z. B. der chrom-, 
alaun- und fettgaren Leder fehlt noch die Erfahrung.“ Vor¬ 
schriften wurden ferner gemacht über die nicht zu dünne 
Zurichtung, das Bleichen und die Benennung der Leder. 
Die Arbeiten der Kommission auf diesem Gebiete haben 


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sich für die deutsche Lederfabrikation geradezu als bahn¬ 
brechend erwiesen. Da in ihr die bekanntesten Leder¬ 
fachleute saßen, so war die Gewähr dafür gegeben, daß die 
Vorschriften nicht über den Kopf der Fachleute hinweg 
aufgestellt wurden. Die deutschen Lederfabrikanten mach¬ 
ten sich vielmehr diese Vorschriften mit bemerkenswertem 
Eifer zu eigen, und eine Steigerung der Leistungsfähigkeit 
unserer Lederindustrie rührt von diesem Zeitpunkt her.— 
Inwieweit die sehr eingehenden Vorschriften über Web¬ 
stoffe in die Praxis umgesetzt worden sind, vermag ich im 
Augenblick nicht zu beurteilen. Wegen der Bezug- und 
Vorsatzpapiere, für die ebenfalls eine Reihe von werk- 
stofflichen Bedingungen aufgestellt wurde, ist mir bekannt, 
daß die Firma Wilh. Valentin , Berlin SW., vor einigen Jah¬ 
ren Normalpapiere nach diesen Vorschriften auf den Markt 
brachte. Diese Papiere waren sehr haltbar, wiesen ein 
marmoriertes Muster auf, das vor den in der Buchbinderei 
üblichen Marmorpapieren entschieden geschmackliche Vor¬ 
züge hatte. Die weiteren Vorschriften der Kommission er¬ 
streckten sich u. a. auf Leim, Kleister, Heftzwirn, Pappe 
und Buchbindertechnik. Die letzterwähnten Angaben kön¬ 
nen aber noch wesentlich ausgebaut werden. Auf jeden 
Fall wird auch die Arbeit dieser Kommission stets die 
Grundlage für alle buchbinderischen Normalisierungsbe¬ 
strebungen zu bilden haben. 

Uneinheitlichkeit herrscht noch immer bei den Benen¬ 
nungen der Buchbinderleder. Hier haben sich im Handel 
Phantasienamen herausgebildet, die geeignet sind, selbst 
den Fachmann über die Beschaffenheit des Leders zu täu¬ 
schen. Die Vorschrift der Kommission hatte hier gelautet: 
„Um dem Mißbrauch vorzubeugen, daß die Leder unter 
willkürlichen Bezeichnungen, wie Saffian, Bock-Saffian, 
Maroquin, Bockleder, Bastard usw. in den Handel kommen, 
ist auf jedes Fell aufzustempeln, ob es Rind-, Ziegen-, 
Schweins-, Kalb- oder Schafleder ist.“ Es würde zu weit 
führen, auf die Verwirrung einzugehen, die unter den Fach¬ 
leuten noch immer auf diesem Gebiete herrscht. Wer 
Näheres darüber erfahren will, sei auf die von Karl Ihm, 
Mainz, und Felix Frohnknecht, Leipzig, verfaßte Broschüre 
„Leder für Bucheinbände und seine Haltbarkeit“ verwiesen 
(Verlag des Allgemeinen Anzeigers für Buchbindereien, 
Stuttgart); diese Broschüre bildet überdies eine wichtige 
Ergänzung zu dem deutschen Kommissionsbericht. 

Der Normalisierung dringend bedürftig sind ferner die 
Schriften und Gravuren für die Vergoldepresse hinsichtlich 
ihrer Höhe. Um über diese Frage Klarheit zu erhalten, 
habe ich mich an den Inhaber der bekannten Magdeburger 
Gravieranstalt Dornemann & Co., Herrn Fritz Dornemann 
gewandt. Ich gebe seine Antwort hiermit im Wortlaut wie¬ 
der: 

„Eine einheitliche Höhe der Schriften und Gravuren für 
die Vergoldepresse gibt es bis jetzt nicht. Jedoch sind Be¬ 
strebungen für die Einführung einer solchen im Gange. 
Daß sich die deutschen Gravieranstalten und Messing¬ 
schriftgießereien endlich dazu aufraffen, eine Normalhöhe 
für ihre Erzeugnisse zu schaffen, daran haben alle die¬ 
jenigen Buchbindereien aus begreiflichen Gründen das 
größte Interesse, welche auf Preßvergoldung eingerichtet 
sind. 

Magdeburg, das von jeher in der Vergoldeschriftenfabri¬ 
kation tonangebend war, liefert seine Schriften und Gra¬ 


vuren für die Vergoldepresse auf 6,6 mm, seine Messing¬ 
schriften für Handvergoldung auf 26 mm Höhe. In Leipzig, 
Hamburg und Krefeld, welche Städte außer Magdeburg für 
die Herstellung von Preßvergoldeschriften und Gu߬ 
gravuren in Frage kommen, bewegt sich die Höhe zwischen 
6,6 bis 7 mm. 

Irgendwelche Schwierigkeiten, Preßschriften und Gra¬ 
vuren auf die niedrige Magdeburger Höhe zu liefern, be¬ 
stehen für die andern Gravieranstalten nicht, denn diese 
haben ja nur nötig, ihre Erzeugnisse ein wenig stärker, als 
es jetzt geschieht, abhobeln zu lassen und sie in Überein¬ 
stimmung mit der Magdeburger Höhe zu bringen, die ge¬ 
wissermaßen als die Normalhöhe anzusprechen ist.“ 

In diesem Zusammenhang sei ferner auf die nicht ein¬ 
heitliche Verwendung von Materialien für Handvergolde- 
schriften verwiesen. Diese werden zum Teil aus Messing, 
zum Teil aus Blei gefertigt. Bleischriften, die aber doch 
nicht mehr sein sollten als ein Notbehelf, werden lediglich 
aus Sparsamkeitsgründen von deutschen Buchbindern ge¬ 
braucht, im Ausland sind sie mit Recht verpönt. 

Die Normalisierung innerhalb der Buchbinderei muß — 
wie schon angedeutet wurde — natürlich ihre Grenzen 
haben. Wenn wir auch im Preistarif aus Gründen der 
Zweckmäßigkeit bestimmte Einbandvorschriften machen 
können, so bezweifle ich doch, ob sich überhaupt allgemein¬ 
gültige Einbandregeln finden lassen. Z. B. werden in der 
Buchbinderei die „echten“ Bünde, das sind die durch den 
Heftbindfaden erzeugten, neben den „unechten“, den aus 
Pappstreifen gebildeten, bei Halb- und Ganzlederbänden 
angewandt. Unechte Bünde sind gewiß nicht mehr als 
Nachahmung der echten, aber es wäre falsch, sie „wegzu¬ 
normalisieren“, da ihre Anwendung immer lediglich Ge¬ 
fühlssache bleiben wird. Eine stillschweigend anerkannte 
Regel war bisher, daß Halbleinen- und Halbfranzbände 
Ecken aus Leinen bzw. aus Leder erhielten. Neuerdings 
bevorzugen Bibliophilen den „eckenlosen“ Band. Gäbe es 
hier eine sozusagen amtliche Regel für die Ecken, so würde 
dadurch aller ästhetischer Fortschritt gehemmt. 

Zum Schluß möchte ich kurz eine mir besonders am 
Herzen liegende Angelegenheit Vorbringen. Die Heran¬ 
bildung eines tüchtigen Nachwuchses ist jetzt endlich als 
Lebensfrage des Handwerks erkannt worden. In der Buch¬ 
binderei wies die Lehrlingsausbildung bisher große Mängel 
auf. In den Großbuchbindereien wurde die handwerkliche 
Ausbildung vernachlässigt, in den buchbinderischen Spe¬ 
zialwerkstätten wurde der Lehrling einseitig ausgebildet; 
wo er wirklich sämtliche Arbeiten erlernen konnte, wurde 
er zu Handlangerdiensten mißbraucht. Die Lehrlingsaus¬ 
bildung müßte also vereinheitlicht werden, zunächst be¬ 
züglich der Dauer der Lehrzeit,sodann müßte ein Programm 
aufgestellt werden über das Mindestmaß und den Gang der 
Ausbildung. Ein solches normalisiertes Lehrlingsprogramm 
würde eine segensreiche Tat darstellen. E. Collin. 

* * 

* 

Wir würden uns freuen, wenn die hier gebrachten Mei¬ 
nungsäußerungen in der für die Zukunft so wichtige Frage 
der Normierung noch weitere Fachgenossen anregten, sich 
mit den Fragen zu beschäftigen, und uns ihre Ansichten 
zurVerfügung stellten,denenwirgerne unsre Spalten öffnen 
werden. Die Schriftleitung. 


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Archiv für Buchgewerbe 


Mitteilungen aus der buchgewerblichen Praxis 


Der Längstitel auf Bücherrücken. Der Papier-Zeitung 
entnehmen wir folgende Ausführungen über eine oft um¬ 
strittene Frage, die bei den bevorstehenden Normierungs¬ 
arbeiten ihre Erledigung zu finden verdiente: 

Ob der Rückentitel von unten nach oben oder umgekehrt 
laufen soll, wenn er, wie bei allen dünneren Büchern und 
Heften in eine Zeile zusammengefaßt werden muß, darüber 
streitet man in derFachpresse immerwiederhin und her. Die 
in Fluß befindliche Normung der industriellen Arbeit und Er¬ 
zeugnisse schaltet hoffentlich bald auch diesen Zweifel aus. 

Die Unsicherheit in dieser buchgewerblichen Frage ist 
wohlnurdadurch erklärlich, daß es einmal der Buchdrucker, 
das andre Mal der Buchbinder ist, der durch die Praxis vor 
die Entscheidung gestellt wird. Für den Buchdrucker ergibt 
sich die Lösung meist von selbst aus dem Innern des Buches 
heraus, wenn es hier galt, Tabellen oder Bilder von Quer¬ 
formatgrößen einzuordnen. Die Regel dafürist,solche Seiten 
oder Tafeln so zu stellen, daß sie im Buche rechts zu stehen 
kommen, weil das lesende Auge von links zu ihnen hinüber¬ 
gleitet, und daß sie von der Außenseite her lesbar sind, das 
heißt,daß ihrText oder ihreBeschriftung von unten nach oben 
läuft. Überdiese Stellung besteht wohl kein Zweifel,und auch 
die Buchbinder dürften Tafeln, Bilder, Karten usw., die in 
Querrichtung gedruckt sind, in dieser Stellung einhängen. 

Da nun auch Quertabellen Vorkommen, die über beide 
Buchseiten laufen, und da Doppelbilder usw. ebenso stehen 
müssen wie die nur seitengroßen Querbilder, so ist diese 
einmal gebotene Stellung im ganzen Buche durchzuführen. 
Auch wo Quersätze einmal linksseitig angeordnet werden 
müßten, sollte keine Ausnahme gemacht werden, und nicht 
noch als dritte Stellungsart die von oben nach unten laufende 
hinzukommen. Denn damit käme nurUnruhe in die Buchaus¬ 
stattung bzw. in die Betrachtung des Buches, weil diese dann 
nicht nurin üblicherweise von oben und ausnahmsweise von 
links aus, sondern auch noch von rechts aus zu geschehen 
hätte. Die frühere Regel: Querseiten müssen im Bundsteg 
Kopf gegen Kopf stehen, ist veraltet und durch das Vor¬ 
kommen von quergestellten Doppeltabellen durchlöchert. 

Heute führt man — namentlich auch in ausländischen 
Druckwerken — einheitlich die Stellung durch, wie sie sich 
besonders in allen Fahrplanbüchern, Kartenwerken usw. 
von selbst ergibt. Geschieht das aber, so hat sich danach 
auch die Rückentitelzeile zu richten; es kann doch wegen 
ihr allein keine Ausnahme gemacht werden. Dazu liegt 
um so weniger Veranlassung vor, als die Lesbarkeit der 
Längstitel auf Bücherrücken durchaus nicht gewinnt, wenn 
diese Zeilen von oben nach unten gerichtet laufen. 

Bücherstände (Regale und Schränke) wird man immer 
möglichst so stellen, daß das Licht wie beim Schreiben 
und Zeichnen von links auffällt. Will man sich nicht selbst 
im Lichte stehen, muß man zur Betrachtung von rechts 
herantreten, und so liest sich der von unten nach oben ge¬ 
stellte Rückentitel besser als ein umgekehrt gerichteter. 

Die Forderung nach einheitlicher Stellung aller von der 
üblichen Leserichtung abweichenden Zeilen ist von ge¬ 
schmacklicher wie praktischer und technischer Seite sehr 
berechtigt. Ausnahmen aber sind nur ausgeschlossen, 
wenn man sich auf die Buchdruckerformel einigt: „Bei 
Quersätzen Schriftsignatur nach rechts.“ Das ergibt in 


jedem Falle die Leserichtung von unten nach oben und 
schaltet alle Zweifel und Irrtümer aus, ob die Seite im 
Buche links oder rechts steht, ob der Quersatz nur der 
Teil einer Buchseite ist oder ob er über diese hinausgreift 
zum Doppel- oder Mehrfachformat. 

Gewiß, wer die Anbringung eines Rückentitels auf dem 
Bucheinband als eine Arbeit für sich betrachtet, für den 
mag es Gesichtspunkte geben, die für die Stellung von 
oben nach unten sprechen; da sich solche Stellung aber 
aus dem Innern des Buches heraus — wie hier nachge¬ 
wiesen — nicht entwickeln läßt, muß sie bei ihrer Normung 
notwendigerweise aufgegeben werden. G. Könitzer. 

Waschmittel. Von den mancherlei Ersatzstoffen, die die 
Kriegszeit hervorgebracht hat, haben sich nur ganz wenige 
so bewährt, daß sie auch in die Periode der Friedenswirt¬ 
schaft mit herübergenommen werden dürften. Die meisten 
Ersatzstoffe sind aus der Not der Zeit geborene unzuläng¬ 
liche Behelfsmittel, die mitunter unglaubliche Schwierig¬ 
keiten bereiten und die deshalb bald wieder verschwinden 
werden, wenn die alten, guten Rohstoffe zur Verarbeitung 
freigegeben sind. Eine Ausnahme hiervon macht dasWasch- 
mittel „Puranthin“, das praktisch vielfach erprobt und 
überall recht günstig beurteilt wurde. Es ist zum Formen-, 
Steine- und Walzenwaschen (Leder und Masse) wie über¬ 
haupt für Reinigungszwecke gut verwendbar, verdunstet 
restlos ohne zu verharzen und ist gesundheitlich einwand¬ 
frei. Es hat also die gleichen Eigenschaften wie das Ter¬ 
pentinöl bzw. das Terpentinöl, ist aber billiger wie diese, 
denn das Liter kostet nur M 1.05 ab Fabrik in Dresden. 
Dieser wohlfeile Preis in Verbindung mit den guten Eigen¬ 
schaften werden gewiß manchen Betrieb veranlassen, das 
„Puranthin“ auch weiter beizubehalten, das zurzeit durch 
die Materialbeschaffungsstelle für das graphische Gewerbe, 
Leipzig, Deutsches Buchgewerbehaus, bezogen werden 
kann. Verkaufsbedingungen sind ebenfalls dort erhältlich. 

Hölzl-Medläval nennt sich eine neue, von der Schrift¬ 
gießerei D. Stempel Aktiengesellschaft in Frankfurt a. M. 
herausgegebene Schrift, die nach Zeichnungen von Emil 
Hölzl, Lehrer an der Frankfurter Kunstgewerbeschule, ge¬ 
schnitten und während des Krieges endgültig fertiggestellt 
wurde. Hölzl hat seine künstlerische Ausbildung auf der 
Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in Leip¬ 
zig genossen, er wurde dann an die Frankfurter Schule für 
die Buchdrucker-Fachklassen berufen, wo er seit mehreren 
Jahren recht erfolgreich tätig ist. Die Druckarbeiten, welche 
bisher unter der Leitung Hölzls in Frankfurt entstanden 
sind, werden nur wenigen bekannt geworden sein. Aus ihnen 
spiegelt aber ein feines künstlerisches Verständnis, eine 
meisterliche Beherrschung vornehmer Satzkunst wieder, 
es sind Arbeiten, bei denen oft mit relativ einfachen Mitteln 
geradezu Musterleistungen erzielt worden sind. Dieser Satz¬ 
künstler tritt nun mit einer eigenen Schriftschöpfung vor 
die breite Öffentlichkeit, und es soll gern zugestanden wer¬ 
den, daß im großen und ganzen sein Werk gelungen ist. 
Hölzls Schrift ist eine Mediäval und auch wieder nicht. Zu¬ 
gunsten flüssiger Lesbarkeit und ruhiger Gesamtwirkung 
sind verschiedentlichKonzessionen gemacht worden, beson¬ 
ders bei den Buchstaben g, k, v,w, z, ß, die ausgesprochene 
Antiquaformen zeigen, also aus dem Mediävalcharakter 

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Archiv für Buchgewerbe 


herausfallen. Die gleichen Buchstaben sind aber auch 
in strenger, charakteristischer Form geschnitten worden, 
die Probe zeigt zwei nebeneinandergestellte Seiten, bei 
denen der gleiche Text mit diesen und jenen Typen gesetzt 
wurde und die deshalb eine interessante Vergleichs- und 
Beurteilungsmöglichkeit zulassen. Man wird sich unschwer 
für die Seite mit den Antiquaschnitten entscheiden, denn 
sie läßt sich flotter lesen als die Gegenseite, ihr Gesamt¬ 
bild ist wohl auch ruhiger. Der Grund, weshalb die Schrift¬ 
gießerei beide Arten der Buchstaben schnitt, wird vielleicht 
darin zu suchen sein, daß es z. B. bei wissenschaftlichen Ar¬ 
beiten eigensinnige Besteller geben mag, die eine strenge 
Mediäval verwendet sehen wollen. Dem Buchdrucker be¬ 
reiten aber solche Doppelschnitte nur Ärger und Verdruß. 
Trotz aller Ordnung gibt es Fische in den Kästen, zumal 
wenn so geringe Unterschiede wie beim b der vorliegenden 
Schrift in der Zeichnung dabei sind. 

Zu dieser gewöhnlichen Schrift gibt es noch einen kur¬ 
siven und halbfetten Schnitt, ferner einfache, verzierte und 
schraffierte Initialen. Bei der Halbfetten hat die Formen¬ 
schönheit der Schrift eingebüßt, während die Kursiv gut 
gelungen ist. Von den Initialen, die frei und originell ent¬ 
worfen wurden und die besonders gut zu dem vornehm und 
dekorativ wirkenden Versaliensatz stehen, sind die kursiven 
und schraffierten wohl am wirkungsvollsten und ergeben 
bei verständnisvoller Anwendung sehr hübsche Satzmuster. 


Schmuck und Vignetten vervollständigen die neue Schöp¬ 
fung, die unter so schwierigen Zeitverhältnissen geschaffen 
wurde und die das deutsche Buchgewerbe gewiß dankbar 
entgegennehmen wird. -r. 

Zünden der Flammen von Setzmaschinen und Gas¬ 
öfen. FürBetriebe mitGießmaschinen, Setzmaschinen usw., 
wo bei Beginn der Arbeitszeit das Metall in den Schmelz¬ 
kesseln schon flüssig sein soll, eignen sich die von der 
Deutschen Gaszünder-Fabrik, G. m. b. H., Elberfeld, kon¬ 
struierten automatischen Zünd-und Löschuhren. D.R.P. Es 
wird durch den Gebrauch dieser Uhren an Zeit gewonnen 
oder eine Arbeitskraft erspart, die schon bis zu einer Stunde 
vor Beginn der Arbeitszeit die Flammen unter dem Kessel 
anzündet. Der Apparat besteht im wesentlichen aus einem 
Uhrwerk mit zwei Zifferblättern. Er wird mit der Gasleitung 
in Verbindung gebracht. Unter dem Kessel brennt ständig 
ein kleines Flämmchen, welches das Gas zur eingestellten 
Anbrennzeit entzündet. Da das Gas Sonntags nicht brennen 
soll, ist eine Vorrichtung am Apparat vorhanden, die den 
Haupthahn nicht öffnet und erst am Montag zur gewünschten 
Zeit wieder in Funktion setzt. Die Uhr ist nur alle 14 Tage 
aufzuziehen. Der Uhrschlüssel dient gleichzeitig zum Ver¬ 
schließen des Uhrkästchens. Die Montage ist sehr einfach. 
Auch wenn an den Setzmaschinen länger gearbeitet werden 
soll, ist es durch einfache Handhabung möglich, ein vor¬ 
zeitiges Löschen der Gasflammen zu verhüten. Sk. 


Buchgewerbliche Rundschau 


* Ausstellung Schweizerischer Graphik. Der Deutsche 
Buchgewerbeverein beherbergt zurzeit in den Räumen 
des 3. Obergeschosses des Buchgewerbehauses eine Wan- 
deraustellung schweizerischer Graphik, auf der alle Zweige 
graphischen Schaffens vertreten sind. Unter dem Patro¬ 
nat des Basler Gewerbemuseums hatte sich ein Ausschuß 
schweizerischer Künstler gebildet, zur Veranstaltung von 
Ausstellungen im Ausland, um damit die ernste Pflicht der 
Neutralen zu erfüllen, während der schweren Wirren der 
augenblicklichen Zeiten die noch vorhandene künstlerische 
Verbindung zwischen den Kulturvölkern aufrecht zu erhal¬ 
ten. Die so zustande gekommene Ausstellung gibt einen 
glänzenden Überblick über den gegenwärtigen Stand der 
schweizerischen Graphik. Die Ausstellung wird noch bis 
Ende Februar geöffnet bleiben. Wir behalten uns vor, in 
einem besonderen Artikel auf die interessante Veranstal¬ 
tung zurückzukommen. Wr. 

4t Nach einem Berichte Wilhelm Diebenersauf derHaupt- 
versammlung des Börsenvereins Deutscher Buchhändler 
bestanden vor dem Kriege in Deutschland 5630 Fachzeit¬ 
schriften. Deren Zahl war bis dahin dauernd gestiegen: in 
den neunziger Jahren waren jährlich 122 neue Blätter er¬ 
schienen, im ersten Jahrzehnt unsers Jahrhunderts kamen 
durchschnittlich im Jahre 205 dazu, in den Jahren 1911 bis 
1913 je 232. Die technischen Zeitschriften stehen dabei 
obenan: seit 1890 sind 838 neue Blätter dieses Gesamt¬ 
gebietes erschienen. In dem gleichen Zeitabschnitt von 
23 Jahren haben die Blätter auf dem Gebiete des Handels 
und Verkehrs 461 Neuerscheinungen aufzuweisen, die 
Rechtswissenschaft 458, Theologie und Philosophie 435, 
Philologie und Pädagogik 383, Naturwissenschaften und 
Medizin 351. Die Zunahme der Unterhaltungs-, Frauen- 


und Jugendzeitschriften beträgt 340; Land- und Forstwirt¬ 
schaft weisen 309 neue Fachblätter auf, Kunst und Lite¬ 
ratur 181, ebenso viele Sport, und das Militär und die Marine 
stehen mit 28 neuen Zeitschriften am Ende der Liste. Mit 
diesem Reichtum an Fachblättern steht Deutschland an 
der Spitze aller Kulturstaaten. Aus kriegswirtschaftlichen 
Gründen sind allerdings auch Fachzeitschriften einge¬ 
gangen, und zwar 1503 dauernd, 1171 vorübergehend; 1319 
sind dagegen neu gegründet worden. Es erscheinen dem¬ 
nach 1355 Fachblätter weniger als vor dem Kriege. Das 
bedeutet eine Abnahme von etwa 25 Prozent. 

* Uvachromie, ein neues farbenphotographisches Verfah¬ 
ren, hauptsächlich bestimmt zur Herstellung farbiger Pro¬ 
jektionsbilder in natürlichen Farben, führte am 26. November 
1918 sein Erfinder, Dr. Arthur Traube in der Berliner 
„Urania“ vor. (Uva = dieTraube: in dem neuen Fachnamen 
steckt also jener des Erfinders; Dr. Traube ist weiteren 
Kreisen von der Technischen Hochschule her bekannt.) 
Die Lumifcresche Autochromplatte, die bis jetzt die Voll¬ 
endung in der Farbenphotographie darstellte, soll von der 
Uvachromplatte in jeder Beziehung übertroflfen werden. 
Zwar ist nach einem Bericht des Berliner Tageblattes die 
Herstellung von Bildern auf dem neuen Wege noch um¬ 
ständlich genug, da man auch bei ihr drei Negative (gelb, 
rot, blau) benötigt und die Entwicklung dann bei blaugrünem 
Licht vorzunehmen hat. Die Herstellung der Positive sei 
sodann nicht dem Ermessen des einzelnen überlassen, son¬ 
dern könne einstweilen nur von der „Uvachromgesellschaft“ 
vorgenommen werden, in deren Händen die „Ausbeutung“ 
der Erfindung liegt. Bis jetzt ist es nur möglich, unbewegte 
Gegenstände aufzunehmen; doch arbeitet der Erfinder an 
einer Kamera, deren komplizierter Bau auch die Wiedergabe 


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Archiv für Buchgewerbe 


bewegter Dinge zuläßt. — Ob durch die Uvachromplatte 
auch eine Verbesserung des Reproduktionsverfahrens und 
damit des Drei- und Vierfarbendrucks erzielt werden kann, 
ist aus dem Bericht nicht zu erkennen. P.-Ztg. 

* Todesfälle . Aus Frankenthal (Rheinpfalz) kommt die 
Nachricht von dem am 4.Januar nach längerem Leiden er¬ 
folgten Tode des ersten Direktors der Schnellpressenfabrik 
Frankenthal Albert & Cie. A.-G., dem Kgl. Bayr. Kommer¬ 
zienrat Jean Ganss im Alter von 66Jahren. Mit ihm verliert 
die Schnellpressenfabrik und die deutsche Maschinenindu¬ 
strie einen Mann, der nur schwer zu ersetzen sein wird. In 
35jähriger Wirksamkeit hat der Verstorbene seine ganze 
Arbeitskraft und sein hervorragendes Wissen in den Dienst 
der Schnellpressenfabrik gestellt und sie zu glänzender Ent¬ 
faltung und immer steigendem Weltrufe gebracht. Um die 
Entwicklung der modernen Illustrations-Schnellpresse hat 
sich der Verstorbene große unvergeßliche Verdienste er¬ 
worben. — Albert Gauthier-Villars f. Verspätet möchten 
wir noch den Tod eines französischen Berufsgenossen 
melden, der in der Verleger- und Buchdruckerwelt Frank¬ 
reichs eine hervorragende Rolle gespielt, aber auch über 
die Grenzen seines Vaterlandes hinaus einen Namen hatte. 
Albert Gauthier-Villars, seit 1898 alleiniger Direktor der 
Verlagsanstalt und Druckerei Gauthier-Villars in Paris, 
war als früherer Offizier gleich zu Beginn des Krieges 
mit ins Feld gezogen; Sommer 1918 fiel er als Hauptmann 
der Artillerie mitten in seiner Batterie. Als dem Verleger 
der Mitteilungen der Akademie der Wissenschaften hat 
ihm diese in einer Sitzung in dankbarer Anerkennung 
seiner Verdienste einen warmen Nachruf gewidmet. Neben 
der Arbeit für seine Druckerei und den Verlag hatte 
der Verstorbene auch seit Jahren in unermüdlichem 
Arbeitsdrang den beruflichen buchgewerblichen und buch- 
händlerischen Vereinen seine Kraft gewidmet. Mancher 
Teilnehmer des Verlegerkongresses in Leipzig im Jahre 
1901 wird sich noch der sympathischen Erscheinung 
Albert Gauthier-Villars’ erinnern. 


* Jubiläen. Die Verlagsbuchhandlung Georg Reimer be¬ 
ging am 1. Januar 1919 ihr lOOjähriges Bestehen. Georg 
Andreas Reimer, Sohn eines Kaufmannes in Greifswald, 
begann, nachdem erschon 1800 die BerlinerRealschulbuch- 
handlunginErbpachtübernommen und unter ihrbereits eine 
rege Verlagstätigkeit entwickelt hatte, am 1. Januar 1819 
unter seinem eigenen Namen als Verlagsbuchhandlung zu 
firmieren. Schon vorher hatte er Verlagsbeziehungen zu 
den namhaftesten Schriftstellern seinerzeit, wie Schleier¬ 
macher, Fichte,Tieck, Gebrüder Schlegel, Nietzsche, Gebrü¬ 
der Grimm, Humboldt und andern angeknüpft und baute 
dann den Verlag unter eigenem Namen durch Zukäufe aus 
andern Verlagsbuchhandlungen weiter aus. Immer war er 
darauf bedacht, ihn auf streng wissenschaftlicher Grund¬ 
lage zu halten. Nach ihm führte erst der Sohn und dann 
der Enkel dasGeschäft im hohen Sinne desGründers weiter. 
Aus der Hand des Enkels übernahm es 1897 Herr Dr. Walter 
deGruyter, derdazu berufenwar,dieFirmazu noch höherer 
Blüte zu bringen. Als gleichzeitiger Besitzer der Göschen- 
sehen Druckerei in Trebbin hat Herr Dr. de Gruyter 
auch von jeher für buchgewerbliche Fragen lebhaftestes 
Interesse gezeigt und der Deutsche Buchgewerbeverein 
verdankt ihm als Vorstandsmitglied manche wertvolle An¬ 
regung. Möge unter seiner Leitung auch in Zukunft der 
Firma eine so glänzende Entwicklung beschieden sein. — 
Der Reichs- und Staatsanzeiger konnte am 2. Januar auf ein 
hundertjähriges Bestehen zurückblicken. Am 2. Januar 1819 
erschien in Berlin die erste Nummer der durch eine Kabi¬ 
nettsorder des Königs Friedrich Wilhelm III. begründeten 
Allgemeinen Preußischen Staatszeitung. Nachdem die Zei¬ 
tung im Jahre 1843 die Bezeichnung Allgemeine Preußische 
Zeitung erhalten hatte, wurde ihr im Jahre 1851 die Bezeich¬ 
nung Königlich Preußischer Staatsanzeiger beigelegt. Nach 
Errichtung des Deutschen Reiches erschien das amtliche 
Blatt am 4. Mai 1871 zum ersten Male unter der Bezeich¬ 
nung DeutscherReichsanzeiger und Königlich Preußischer 
Staatsanzeiger. 


Zeitschriften, Bücher und Eingänge 


* Der Stereotypeur , Hausorgan des Kempewerkes in 
Nürnberg, Redaktion Hermann Kempe, Kriegsausgaben VI, 
IX und X, sowie XI. Von dieser bekannten Fachzeitschrift 
sind drei weitere Kriegsausgaben zum Versand gekommen, 
die sich der Hauptsache nach mit den vielen technischen 
und wirtschaftlichen Fragen befassen, wie sie der Einfluß 
des Krieges auf den Buchdruck und Tiefdruck, die Stereo¬ 
typie und die übrigen Reproduktionsverfahren aufgeworfen 
hat. Das letzte Heft, das zehnte während des Krieges, bringt 
eine Kriegspreisliste besonders wichtiger Erzeugnisse. 

* Jahrbuch 1916 bis 1918 der Lehr- und Versuchsanstalt 

für Photographie, Chemigraphie, Lichtdruck und Gravüre 
zu München. Das vorliegende Jahrbuch ist nach dem vom 
Königlich Bayerischen Staatsministerium des Innern für 
Kirchen- und Schulangelegenheiten mit Entschließung vom 
18. März 1914 den Vorständen der bayerischen Fachschulen 
bekanntgegebenen Grundsätzen bearbeitet. Es bildet einen 
Bestandteil des Handbuches des bayerischen Fachschul¬ 
wesens. Das etwa 85 Seiten umfassende Heft unterrichtet 
über alle Einzelheiten, die die oben erwähnte Anstalt be¬ 
treffen, in eingehendster Weise. -r-. 


* Kalender 1919. Die Papierknappheit und die Ein¬ 
schränkungs-Vorschriften für den Papierverbrauch haben 
sich in diesem Jahre für die Kalenderherstellung stark be¬ 
merkbar gemacht. Viele Firmen, die sonst ihren Freunden 
einen Abreißkalender auf denWeihnachtstisch gelegt haben, 
haben sich in diesem Jahre mit einem Wandkalender be¬ 
gnügt. Einen Abreißkalender mit wirkungsvoller Rückwand 
in fünffarbigem Offsetdruck hat die Spamersche Buch¬ 
druckerei hergestellt. Einen Wochenabreißkalender bietet 
die Kunstdruckerei Künstlerbund, Karlsruhe, mit einer 
geschmackvollen, in vier Farben ausgeführten Rückwand 
nach einer Zeichnung von Erwin Pfefferle. Der Monats¬ 
abreißkalender der FirmaOskarLaube in Dresden steht unter 
dem Zeichen des 25 jährigen Bestehens derFirma. Rückwand 
und Kalender sind in Schwarz-Weiß gehalten. Sie zeigen in 
kräftigerStrichmanier,von ornamentalem Beiwerk umgeben, 
die Tierkreise, nach einer Zeichnung des leider viel zu früh 
verstorbenen begabtenLeipzigerKünstlersErichHoffmeister. 
Zwischen den Monatsblättern wechseln Blätter mit Dresdner 
Darstellungen nach Federzeichnungen von Professor Fritz 
Beckert mit einer Geschichte der Firma Oskar Laube ab, 

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Archiv für Buchgewerbe 


aus der hervorgeht, in welch erfreulicherweise sich diese 
seit ihrem Bestehen entwickelt hat. Ihr Bestreben war, stets 
nur wirkliche Qualitätsarbeit zu liefern. 

Dann liegen uns effektvolle Wandkalender vor von den 
Firmen Dumont-Schauberg in Köln, Schlesische Druckerei- 
Genossenschaft in Breslau mit typographisch wirkungs¬ 
vollem Begleitschreiben, das wir unsern Lesern in Heft 11/12 
als Musterbeilage gezeigt haben, der Buchdruckerei und 
Verlagsanstalt G. Birk & Co. in München, die ein sehr ge- 
schmackvollhergestelltesNeujahrs*Glückwunschschreiben 
beifügt. Sehr wirkungsvoll ist auch der in drei Farben ge¬ 
druckte Wandkalender der Reichsdruckerei; das Kalen¬ 
darium umgibt eine in modernisiertem Gotisch gezeichnete 
ornamentale Umrandung, in die die Schrift verwoben ist. 

* Dresdner Kalender. Jahrbuch über das künstlerische, 
geistige und wirtschaftliche Leben in Dresden. Heraus¬ 
gegeben von Joh. Erich Gottschalch unter Mitwirkung von 
Professor Paul Schumann. Dresden 1919, Verlag von Oskar 
Laube. Die Ausstattung dieses schmucken Kalenders hat 
sich der Drucker-Verleger viel Mühe kosten lassen, und 
es ist ihm auch trotz erschwerender Umstände Erfreuliches 
gelungen. Zunächst fallen die jedem Monat beigegebenen 
ganzseitigen feinen Federzeichnungen von Professor Fritz 
Beckert auf, die künstlerische Darstellungen aus Dresden 
bieten, ausgeführt in flotter Strichmanier. Aus der Reihe 
der zahlreichen Bilder aufTafeln und im Text sei besonders 
erwähnt ein in Dreifarben-Druck ausgeführtes Porträt des 
verstorbenen Bildhauers Rob. Diez nach einem Ölgemälde 
Karl Bantzers. DerText bringt wertvolle Aufsätze auf künst¬ 
lerischem,kulturgeschichtlichem und literarischem Gebiet, 
die auch über Dresden hinaus viele Interessenten finden 
werden. Hoffentlich sind dem Unternehmen, das während 
der Kriegszeit nicht erschienen war, noch recht viele 
weitere Jahrgänge bescbieden. 

* Schleswig - Holsteinischer Kunstkalender 1918/1919. 
Herausgegeben von Dr. Ernst Sauermann. Hamburg, Verlag 
der Druckerei-Gesellschaft Hartung & Co. Eine prächtige 
Gabe wird hier allen Freunden des meerumschlungenen 
Landes geboten, dessen erster, kalendarischer Teil auch 
typographisch von besonderem Interesse ist. Jeder Monat, 
dessen Tage zweispaltig gesetzt sind, zeigt ein charakte¬ 
ristisches Landschaftsbild aus Schleswig-Holstein nach 
Federzeichnungen des Malers Johs.Holtz. Jedes derBilder 
ist von einem strengenOrnament in Strichmanier umrahmt, 
dessen Flächen bunt mit drei bis vier Farben grundiert 
sind. Durch diese farbige Umrandung ist eine originelle 
Wirkung erzielt worden, von der sich unsre Leser selbst 
überzeugen können durch die am Schlüsse des Heftes 
gegebene Probeseite. Der zweite Teil enthält wertvolle 
literarische Beiträge aus dem Gebiet der Schleswig-Hol¬ 
steinischen Literatur, Kunst und Kunstgeschichte mit 
vielem Bilderschmuck. Schön sind die Wiedergaben einiger 
Hörnschaps, jener reichgeschnitzten Schränke von quadra¬ 


tischer Grundfläche mit nur zwei beschnitzten Seiten, die 
im 17. und 18. Jahrhundert zur Brautausstattung in den 
Dithmarsischen Landen gehörten. Ein andrer Artikel be¬ 
richtet an der Hand vieler Abbildungen über das Können 
des 1917 verstorbenen holsteinischen Malers Carl Ludw. 
Jessen. Der dritte Teil des Kalenders gibt in einer Kunst- 
chronikBericht über dieLeistungen derMuseen,derKunst- 
und Handwerker-Schulen,dereinschlägigenVereine Schles¬ 
wig Holsteins usw. Der vierte Teil ist ein Bilderanhang mit 
Wiedergaben von Bildern von Carl Ludw.Jessen. Wr. 

* E. Wasserzieher , Woher? Etymologisches Wörterbuch 
der deutschen Sprache. Zweite vermehrte und verbesserte 
Auflage. Berlin, Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung. 
Preis in Halbleinen M 6.— Wir möchten unsern Lesern 
hier von einem Buche Kenntnis geben, das sowohl als 
Lehrbuch für alle buchgewerblichen Schulen, als auch als 
Handbuch für den Schreibtisch jedes einfachen Mannes, 
der Interesse für unsre deutsche Sprache hat, neben dem 
Duden stehen müßte. Eine ungeheure Fülle von Stoff ist 
hierübersichtlichzusammengestellt. Lehrer werden daraus 
für den Sprachunterricht guten Nutzen ziehen können. 
Für jedermann wird es ein sicheres Auskunftsbuch auf dem 
Gebiete der Herkunft unsrer deutschen Sprache sein. Man 
mag das Buch aufschlagen, wo man will, kaum jemals wird 
es die Antwort versagen. Was sonst nur umfangreiche ety¬ 
mologische Wörterbücher geboten haben, findet der Leser 
in Wasserziehers Buch auf knappem Raum untergebracht. 

* Die Beilagen zu Heft 1 /2. Die in diesem Heft enthaltenen 
Beilagen beziehen sich teils auf einzelne Aufsätze, wie die 
Ansichten aus dem technischen Betrieb der Firma Breitkopf 
& Härtel und die drei Blatt mitSchriftseiten und Buchschmuck 
aus älteren Verlagsveröffentlichungen derselben Firma, teils 
sind sie vomlnhaltunabhängigund als schöne Druckvorlagen 
bemerkenswert. An erster Stelle bringen wir ein Blatt aus 
dem Mappenwerk von Alexander (Sascha) Schneider, das in 
seinermonumentalen kraftvollenWirkungfürdas kommende 
erste Friedensjahr von guter Vorbedeutung sein soll. Eine 
gute Druckleistung, meist in Weiß-Fraktur, ist das Titelblatt 
zur Festschrift der Annoncenexpedition Rudolf Mosse, das 
in der Akzidenzdruckerei der Firma Rudolf Mosse in Berlin 
hergestellt ist. Zwei weitere Blätter zeigen Musterbeispiele 
für geschmackvolle Satzverteilung bei Verlagsprospekten. 
Lehrreich sind die beiden weiteren Beilagen mit Ankündi¬ 
gungen in Beispiel und Gegenbeispiel. Ein schönes Blatt, 
dieWiedergabe der Federzeichnung „Im Ausrüstungshafen“, 
stellen die Werkstätten und Druckerei für werbende Kunst 
Willi Roerts in Hannover zurVerfügung. Das Blatt entstammt 
der Werkbeschreibung für die Reederei Teklenborg, Geeste¬ 
münde,deren gesamte Herstellung einschließlich der Zeich¬ 
nungen von der Firma Roerts ausgeführt wird. Den Schluß 
bildet die schon oben erwähnte Beilage einer Probe des 
Schleswig-Holsteinischen Kunstkalenders der Druckerei- 
Gesellschaft Hartung & Co., Hamburg. 


Inhaltsverzeichnis 


Zum neuen Jahrgang. S.l.— Mitgliederaufnahme. S. 1.— 
Breitkopf & Härtel in zweimal hundert Jahren (1719 bis 1919). 
S.2. — Das Buch als Werk des Buchdruckers. S.7. — Die 
Buchbinderei im Weltkriege. S. 16. — Die Proben der 
Schriftgießereien. S. 18. — Fischhaut zu Bucheinbänden. 


S. 19. — Normierungsaufgaben im Buchgewerbe. S. 21. — 
Mitteilungen aus der buchgewerblichen Praxis. S. 25. — 
Buchgewerbliche Rundschau. S.26. — Zeitschriften,Bücher 
und Eingänge. S. 27. 

12 Beilagen. 


28 


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3 um l. Januar 1917 
gernidmet oon den ©efdjäftsfüljtern 




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ZEITOIßlFT 
DEUEJCF1EN VEREINE 

FÜR 

BUCH¥ESEN ü. SCHRIFTTUM 

Nr. 1/2 JANUAR • FEBRUAR 1919 


Die alten Zahlzeichen 1 


Von Universitätsprofessor Dr. V. 

enn heutzutage ein neubekehrter Volks- 
stamm die Schrift seiner Lehrer annimmt, 
so lernt er zu gleicher Zeit Buchstaben und 
Zahlen, die nicht mehr zu trennen sind,* obwohl ihre 
Entwicklungsgeschichte ursprünglich ganz verschieden 
war. 

Auch im Altertum kam es vor, daß Buchstaben und 
Zahlen eines Volkes aus derselben Quelle stammten. 
Mit Recht sagt Meister, Abhandlung der Sächsischen 
Gesellschaft der Wissenschaften 1909, 330, »daß die 
kyprischen Griechen ihr Ziffernsystem von den Phöni- 
ziern entlehnt, aber die Zeichen in manchen Punkten 
im Anschluß an den Charakter ihrer eigenen Schrift 
etwas anders stilisiert haben«. Wir müssen hier außer- 
dem allerdings noch die Möglichkeit ins Auge fassen, 
daß nicht die Kyprier von den Phöniziern, sondern die 
Phönizier von den Kypriern lernten, da die kyprische 
Silbenschrift bereits vor der phönizischen Buchstaben^ 
schrift existierte 2 und ebenso wahrscheinlich die Schrift 
der Eteokreter. 

Auf alle Fälle sind die phönizischen Zahlzeichen 
das Vorbild für die semitischen Völker, Palmyrener, 
Syrer usw. gewesen,- ebenso wie später die Völker 
Europas entweder griechische oder römische Schrift 
annahmen, das heißt sowohl Buchstaben wie Zahlen. 

Aber auf der andern Seite gibt es Beispiele genug, 
die dieser Regel widersprechen, weil die Buchstaben 
und Zahlen aus verschiedenen Quellen stammen. Die 
Zahlzeichen entwickeln sich viel früher aus dem Be¬ 
dürfnis des Marktverkehrs im täglichen Leben. 

1 Vergleiche Gundermann, Zahlzeichen. Gießen 1899 . Löffler, 
Ziffern und Ziffernsysteme. Leipzig 191 z. 

2 Siehe Zeitschrift für Buchwesen und Schrifttum 1 S. 1 . 


GARDTHAUSEN in Leipzig 

Die Phönizier erhielten ihre Buchstabenschrift von 
den Ägyptern <siehe Zeitschrift für Buchwesen und 
Schrifttum 1 S. 1. Vergleiche Pal. Soc. Orient. Series 7. 
74 Euting, Table), aber ihre Zahlen sind durchaus 
verschieden von den ägyptischen mit Ausnahme 
der ersten neun, die nichts beweisen. Von den phö- 
nizischen Buchstaben stammen wohl die indischen, 
während die indo-arabischen Zahlen einen andern 
Ursprung haben 1 . 

Ferner kann man als feststehend annehmen, daß 
die Griechen wohl ihre Buchstaben, aber nicht ihre 
Zahlen von den Phöniziern erhielten und ebenso, daß 
die italischen Stämme nur für Buchstabenschrift, nicht 
für die Zahlzeichen von den Griechen abhängig sind. 
Also bei drei der wichtigsten Völker, Phöniziern, Grie- 
chen und Römern sind die Zahlzeichen von der Buch- 
stabenschrift durchaus unabhängig,- und die Zahl- 
Zeichen sind die älteren. 

Ohne Frage hat sich schon aus praktischen Gründen 
die Zahlenschrift lange vor der Buchstabenschrift ent- 
wickelt und wurde daher, wenn sie sich günstig ent¬ 
wickelt hatte, beibehalten, auch wenn man die Buch¬ 
stabenschrift eines fremden Volkes annahm,- nur wenn 
die fremde Zahlenschrift besser war, wurde die ein¬ 
heimische aufgegeben. Die selbständigen Zahlzeichen, 
die sich also bei den wichtigsten Völkern des Altertums 
gehalten haben, müssen also sehr alt sein. Die Schrift 
der Zahlen ist von der Buchstabenschrift prinzipiell 
verschieden,- denn die Zahl soll nicht das Wort der 
Sache wiedergeben, sondern die Sache selbst, und wird 
daher von den verschiedensten Völkern verstanden, die 

1 Woepke F., Mein. s. 1. propagation des chiffres indiens: 
Joum. Asiat. VI, 1. 1863. 463. 

1 1 



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Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum 


das Zahlensystem kennen. A. v. Humboldt (Crelle's 
Journal für Mathematik 4, 216) nennt daher mit Recht 
die Zahlzeichen die einzigen Hieroglyphen, welche sich 
bei den Völkern des alten Kontinents erhalten haben. 
Dieses einfache und verständliche Strichsystem der 
niederen Zahlen ist so natürlich, daß es bei jedem 
Volke selbständig entstanden sein kann,- es darf daher 
niemals als Beweis der Abhängigkeit dienen/ in dieser 
Hinsicht kommen bloß die komplizierten Zeichen der 
höheren Werte in Betracht. — Eine vergleichende 
Tabelle zeigt, wie nahe, aber anderseits auch wie fern 
sich die verschiedenen Zahlensysteme stehen: 


ändert 1 11 111, dagegen bei dem vierten haben die vier 
Striche die Gestalt von X 1 erhalten. Es war bereits 
ein entschiedener Fortschritt, wenn man statt der fünf 
Striche ein einheitliches neues Zeichen einführte 2 , z. B. 
bei den Palmyrenern und Syrern/ das palmyrenische 
Zeichen y läßt sich auch bei den Assyrern nachweisen 
<CIS. II 17 siehe Lidzbarski, Nordsemit. Epigr. 198). 
Diese semitische Fünf hat nur äußerlich Ähnlichkeit 
mit der italischen V, der Hälfte von X. Kein Volk 
hat in dem Umfang den Grundsatz durchgeführt, den 
halben Wert durch Halbierung der Form auszudrücken, 
wie die Italiker bei V, L, D (siehe GRM. 1, 404). 


1 2 3 

4 

5 

6789 Striche, 


10 

20 

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Keile usw. 





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Phönizier, Kreter, 

Ägypter 

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Gruppen von neun bis zehn Strichen 1 sind natür* 
lieh schlecht zu übersehen. Um nicht jedesmal erst 
zählen zu müssen, so bildete man Unterabteilungen 
von zwei bis drei Einheiten, die durch Zwischenräume 
voneinander getrennt waren, wie z. B. 111111111 = 9, 
oder man verlängerte einzelne Striche der Übersicht* 
lichkeit wegen, wie z. B. Illll <5) und llllll <6>. 

Die einzelnen Striche werden gelegentlich, z. B. im 
Hieratischen durch Hilfslinien verbunden,- im Syrischen 
ist der eine Strich der Zwei länger und durch einen 
Bogen an den folgenden kleineren angeschlossen/ 
ebenso im Pehlavi 2 von mehr kursivem Charakter. 

In der aus dem Aramäischen abgeleiteten indischen 
KharosthUSchrift 3 sind die ersten drei Zeichen unver* 

1 Bis zu 15 Strichen siehe Lidzbarski, Nordsemit. Epigr. 
S. 198 . 

2 Grundriß der iranischen Philol. 1 , 249 . 

3 Siehe Bühler, Indische Paläographie 1896 S. 73 , vergleiche 
Tafel IX. 


Subtraktion, Addition, Multiplikation sind auch in 
andern Systemen der Zahlen gewöhnlich. 

Auf die ganz fremdartigen Zahlen der Griechen 
gehen wir hier nicht ein, es sind Zahlbuchstaben 3 / in 
alter Zeit verwendeten sie Striche nur bis zur Zahl 4, 
von da an aber die Anfangsbuchstaben der Zahl* 
worte. Später wurden die Striche auch für die niedem 
Zahlen abgeschafft und alle Werte durch Buchstaben 
bezeichnet. Dagegen muß das griechische Zahlen* 
System hier erwähnt werden, weil die Hellenen den 
Stellungswert und die Null gekannt haben. Daß sie 
den Stellungswert kannten und verwendeten, zeigt 
ihr Rechnungstisch/ aber auch die Null, das heißt ein 
Zeichen für eine nicht geschriebene Zahl, war ihnen 

1 X auch nabatäisch, siehe Lidzbarski, Nordsemit. Epigr. 199 . 

2 Ein besonderes Zeichen für fünf ist schon in einer aramäi¬ 
schen Inschrift vom Jahre 680 a. C. Gundermann, Zahlzeichen 
S. zo. 

3 Siehe meine Griechische Paläographie z 2 353 . 


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Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum 


bekannt 1 , dafür verwendeten sie schon früh I. »Der 
einfache Strich«, sagt Kirchhoff, Studien 4 62 A. 1, 
»dient in <IGA> 449 nicht als Buchstabe, sondern als 
Worttrennungszeichen«, richtiger wäre vielleicht als 
Füllungszeichen eines leer bleibenden Platzes. In der 
griechischen Schrift arabischer Zeit braucht man statt 
dessen »einen schrägen Doppelstrich, der das Fehlen 
einer Zahl bezeichnet, also gewissermaßen für Null 
steht« 2 . Die Null ist also älter als die indo-arabische 
Zahlenschrift. 

Die einzelnen Formen der Zahlzeichen sind natür^ 
lieh wesentlich bedingt durch das System der Zahlen. 
Am weitesten verbreitet war das Dezimalsystem, das 
gewöhnlich mit den zehn Fingern an beiden Händen 
in Verbindung gebracht wird. Wenn das richtig wäre, 
so müßte man erwarten, daß die Einer in zwei Grup^ 
pen zerfielen, von 1 bis 5 und von 6 bis io,- in Wirk** 
lichkeit reicht die eine Gruppe aber bis 4, und die 
zweite bis 9. Die Zahl der Finger ist für das populäre 
Rechnen von der größten Wichtigkeit, aber nicht für 
die Bildung der Zahlzeichen. Außerdem gab es ein 
Vicesimalsystem bei den Phöniziern (siehe die indU 
sehen Karosthizahlen) bei dem also 80 durch 4 x 20 
ausgedrückt wurde, und für die hohem Werte ein 
Sexagesimalsystem bei den Assyrern, das natürlich 
erst mit 60 begann 3 ,- für die niedern Werte verwen* 
dete man das Dezimalsystem. Die Griechen haben 
gelegentlich die Buchstaben zur Numerierung ver~ 
wendet oder, ebenso wie die Hebräer und Araber 
(der alten Zeit), zu Zahlenbuchstaben umgebildet/ von 
diesen Zahlzeichen sehen wir ab, da sie jünger sind 
als die Buchstabenschrift. Auch die indo-arabischen 
Zahlen, die schließlich alle andern verdrängt haben 4 , 
kommen für das Altertum nicht in Betracht. 

Die Zeit, wann Zahlzeichen sich bildeten, ist schwer 
zu bestimmen, und jedenfalls bei verschiedenen VöU 
kern verschieden. Daß die Zahlen nicht aus derselben 
Zeit stammen wie die Buchstaben, braucht nicht erst 
gesagt zu werden,- und wir verstehen kaum, wie 
Äschylus, Promethus 461, denselben Mann (Prome¬ 
theus) zum Erfinder der Zahlen- und Buchstaben^ 

1 Siehe meine Griechische Paläographie 2 2 374 , 80 . 

2 Siehe Grundzüge und Chrestomathie 1 <Wilcken) S. XLVI. 

3 Vergleiche Löffler, Die arithmetischen Kenntnisse der Baby¬ 
lonier und das Sexagesimalsystem: Arch. der Mathem. u. Phys. 
<7/19“/ «35- 

4 Siehe die Monographie von G. Hill, Oxford 1915 <mit 
64 Tafeln), vergleiche meine Griechische Paläographie 2 2 380 . 


Schrift machen konnte, während die griechische Mythos 
logie viel richtiger die Erfindung der Rechenkunst der 
Mnemosyne, die der Buchstabenschrift ihren Töchtern, 
den Musen, zuschreibt (Diodor. 5,67),- sonst hielt man 
wohl auch die Göttin der Weisheit für die Erfinderin 
der Zahlen, quia numerus Minervae inventum sit 
(Liv. 7, 3). 

»Es ist schon bemerkt worden,« sagt Mommsen 
RG. 1 4 207, »daß die Elemente alles Zählens und 
Messens nicht bloß über die Trennung des griechischen 
und lateinischen Stammes, sondern bis in die fernste 
Urzeit zurückreichen.« Ursprünglich pflegte man die 
Zahlen wie alle andern Worte mit Buchstaben voll 
auszuschreiben, und diese Sitte wird auch in spätrer 
Zeit bei monumentaler Ausführung noch beibehalten. 
Siegwart, Die Schreibung der Zahlen in Monumentum 
Ancyranum (Klio 3, 1903 548) hat daraufhin diese In^ 
Schrift des Augustus untersucht und gefunden, daß dort 
80 Zahlen in Buchstaben und nur acht in Zahlzeichen 
geschrieben sind,- die Ordinalzahlen werden stets in 
Buchstaben voll ausgeschrieben. Die Zahlzeichen sind 
also Abkürzungen, die für monumentale Ausführung 
nicht passen. 

Schon früh brauchte man namentlich für das Rechnen 
konventionelle Zahlzeichen, sie sind viel jünger, aber 
ebenfalls alt, jedenfalls viel älter als die Buchstaben^ 
Schrift. »Wenn z. B. ein Schütze jedesmal, wenn er 
sein Ziel getroffen hat, eine Kerbe schneidet, so zählt 
er nicht nur, sondern er schreibt zugleich eine Summe 
nach dem einfachsten und natürlichsten Zahlensystem« L 
Diese niedrigsten und einfachsten Zahlzeichen der 
Striche sind den Griechen und Römern gemeinsam 
und existierten wahrscheinlich bereits vor Beendigung 
der indogermanischen Wanderung. Wie rasch und 
wie weit das System sich bei den Indogermanen 
ausbildete, ist nicht zu sagen/ jedenfalls zunächst 
nicht weiter als Hunderttausend. Erst viel später 
lernten die Römer mit Hunderttausenden rechnen. 
Plin. n. h. 33,133 Non erat apud antiquos numerus ultra 
centum milia. 

Bei den alten Ägyptern sind die konventionellen 
Zeichen schon früher und viel weiter ausgebildet/ 
schon die Denkmäler der ersten Dynastie (spätestens 
3300 v. Chr.) rechnen mit Hunderttausenden 2 . 


1 Gardthauscn, Die römischen Zahl 2 eichen: Germanisch- 
Roman. Monatsschrift 1 , 401 . 

2 Vergleiche Sethe, Ziffernsystem der Ägypter S 2 A. 


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Busdimann^Petrefakten aus dem Namalande, aufzufassen als Betätigung des Kunsttriebcs 



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Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum 


Buschmannzeichnungen 

Von Missionar H. VEDDER in Gaub 


M it einem spitzen Stein, härter als das zu be* 
arbeitende Material, hat der Buschmann Fi* 
guren durch Anrauhen der Oberfläche her* 
gestellt, die seit langem die Aufmerksamkeit weiter 
Kreise auf sich gezogen haben. Es finden sich darge* 
stellt : Tiere, Fußspuren von jagdwild, runde Löcher 
von der Größe eines Hühnereies, und fast bei jedem 
einigermaßen ausgiebigen Fundort ein Menschenfuß. 
Über die Deu* 
tung gehen die 
Meinungen weit 
auseinander. 

Manche halten die 
Petrefakten für 
Spielerei, andre 
für die Betätigung 
des Kunsttriebes, 
andre sehen in 
denselben eine so= 
genannte Busch* 
mannschule, die 
sich aber noch 
nirgends als be* 
stehend hat nach* 
weisen lassen und 
man erklärt die 
Steinzeichnungen 
alsAnschauungs* 
material, an Hand 
dessen den Kin* 
dern und angehem 
den Jägern die 
Form der Fuß* 
spur eines Jagd* 
wildes klar ge* 
macht und einge* 
prägt wurde, da es 
dem Buschmann* 
jäger genügt, die 
Spur eines Wil* 
des zu entdecken, 
um seine in der 
Regel nicht ver* 
gebliche Jagd zu 
beginnen. 

Diese Erklä* 
rungen gründen 


sich jedoch sämtlich auf Kombinationen, die einen 
Faktor außer acht gelassen haben: nämlich die eigene 
Auffassung der Buschmänner selbst. 

Die Bilder sind folgendermaßen zu erklären: 

Da das ganze Gebiet der Buschmänner unter den 
einzelnen Stämmen und Familien aufgeteilt ist und 
jeder Jagdfrevel oder das Sammeln von Feldkost in 
einem fremden Gebiet mit dem Tode bestraft wird, so 

hat man durch 
Steinzeichnungen 
sich eine allen ver* 
ständliche Schrift 
geschaffen, die den 
Fremdling warnt 
und ihm anzeigt, 
daß das Gebiet, 
das er durchwan* 
dert, bereits im 
Besitz einer Fa* 
miliesich befindet. 

Tiere, in der 
Regel Großwild, 
bedeuten, daß man 
in dieser betref* 
fenden Gegend 
auf dieses darge* 
stellte Großwild 
besonders jagt. 

Fußspuren des 
Wildes zeigen an, 
welches Wild 
außerdem den Be= 
sitzern des Ortes 
von besonderem 
Wert ist. Es 
scheint, daß der 
glückliche Jäger 
die Gepflogenheit 
hatte, nach guter 
Jagd eine neue 
Spur anzuferti* 
gen, da es sonst 
rätselhaft bliebe, 
warum an ver* 
schiedenen Stellen 
voneinerWildart 
schier unzählige 



Elefant, mit Kreide umrissen, etwa 30 cm groß. Fundort: Die früher sehr elefantenreiche Missionsfarm 
Gaub bei Tsumeb, auf der noch in den achtziger Jahren ein deutscher Jäger an einem Tage acht Elefanten 
zur Stredce brachte 



Giraffe, etwa 40 cm groß. Nicht mit Kreide umrissen. Fundort: Franzfontein, westlich von Outjo 


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PRI NCEIQNJJNiy ERSITZ 

















Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum 


Spuren zu finden sind. Doch ist letztere Bemerkung 
nur Kombination. 

Die runden Vertiefungen stellen die Feldkost dar, 
Pflaumen, Knollen usw., die ebenfalls im Gebiet mit 
Beschlag belegt sind und die deswegen nicht von Frem- 
den berührt werden dürfen. Da das Einsammeln der 
Feldkost von Frauen und Kindern besorgt wird, so ist 
zugleich nach Anzahl der Löcher ohne weiteres erkenn¬ 
bar, wieviel Frauen und Kinder die Werft zählt. Die 
erwachsene Frau erhält ein größeres Loch als ein Kind. 

Ein Menschenfuß, der in der Regel auf größeren 
Tafeln nicht fehlt, 
zeigt durch die 
Anlage der Geh¬ 
richtung an, nach 
welcher Seite hin 
sich dasGebiet der 
Familie oder der 
Werft erstreckt. 

Die Zeichnun¬ 
gen sind durch¬ 
gängig an Fu߬ 
pfaden hergestellt, 
da ja der Wan¬ 
derer auf den¬ 
selben zu gehen 
hat, wenn er nicht 
als Wilderer oder 
Feldkostdieb er¬ 
griffen werden will. 

Die Anlage am 
Fußwege bietet 
zugleich die Ge¬ 
währ dafür, daß 
ein als Wilderer er¬ 
griffener Fremd¬ 
ling sich nicht mit 
Unwissenheit ent¬ 
schuldigen kann. 

Es kommen 
auch gelegentlich 
Zeichen vor<einige 
sind beigefügt), 
die lediglich als 
Betätigung des 

Kunsttriebes 
aufgefaßt werden 
können, da sie 
Gegenstände dar¬ 
stellen, die erst 


durch das Vordringen der weißen Rasse bekannt ge¬ 
worden sind, z. B. die Geige. Diese Petrefakten sind 
aber sofort als jüngeren Datums erkennbar. 

Über das Alter läßt sich nichts bestimmtes sagen. 
Die Verwitterungsspuren und die Tatsache, daß die 
Petrefakten in Gegenden Vorkommen, in denen seit 
Menschengedenken kein Buschmann mehr gewohnt hat 
und auch nicht wohnen kann, weil heute kein Wasser 
mehr in den Gegenden ist, lassen auf ein beträchtliches 
Alter schließen. 

Wir kommen später noch ausführlich darauf zurück. 

Anmerkung der 
Schriftleitung: 

Für die Inter¬ 
nationale Aus¬ 
stellung für Buch¬ 
gewerbe und 
Graphik, Leipzig 
1914 waren uns 
einegroßeAnzahl 
Photographien 
und Zeichnungen 
von Missionaren 
der verschieden¬ 
sten Stationen in 
Aussicht gestellt 
worden, die auch 
bereits für die 
»Bugra« unter¬ 
wegs waren, aber 
auf dem Dampfer 
»Dörfflinger« und 
andern abgefangen 
wurden. Als ein¬ 
ziges Manuskript 
mit Photographien 
ist das vorliegende 
eingelaufen, das 
zeigt, daß wir für 
die Vorstufen der 
Schrift noch man¬ 
ches wertvolle 
Material erwarten 
können, das uns 
sicherlich über kurz 
oderlang ein eini¬ 
germaßen klares 
Bild über das 
fragliche Problem 
geben wird. 



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PRINCETQN UNIVERSITL_ 















Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum 


Brief-Autographe im Geschäftsarchiv von Breitkopf r 6d Härtel in Leipzig 

Von Universitätsprofessor Dr. A. SCHERING in Leipzig 


E ins unsrer größten Musikverlagshäuser, Breit- 
köpf ® Härtel in Leipzig, feiert im Januar 
dieses Jahres das Jubiläum seines zweihundert¬ 
jährigen Bestehens. Welche Summe von Leistungen 
geistiger und technischer Art diese zweihundert Jahre 
ununterbrochener Tätigkeit im Dienste des deutschen 
Buch- und Musikalienhandels umfassen, steht in den 
stattlichen beiden Bänden der Gedenkschrift zu lesen, 
die der Älteste des Hauses, Dr. O. von Hase, mit der 
ganzen Frische und Unmittelbarkeit, die ein zum Teil 
Selbsterlebtes und Selbstgeschaffenes an die Hand zu 
geben pflegt, soeben vollendet hat. Als Beitrag zur deut¬ 
schen, insbesondere Leipziger Familiengeschichte so¬ 
wohl wie zur Geschichte des deutschen Buchwesens und 
Schrifttums sind sie nicht leicht zu unterschätzen. Dar¬ 
über hinaus aber bieten sie auch eine Fundgrube wich¬ 
tiger Feststellungen für den Musikhistoriker, der darauf 
ausgeht, die mancherlei Beziehungen der schaffenden 
Musiker zu Leipzig und seinem Jahrzehnte hindurch 
einzigen tonangebenden Verlagshause aufzudecken. 
In diesem Sinne mag hier ein bescheidener Hinweis 
auf jene einzigartige Quelle gestattet sein, die den 
Chronisten teilweise überhaupt erst in den Stand 
setzte, gewisse verwickelte Verhältnisse im richtigen 
Licht zu sehen: auf die im Geschäftsarchiv von Breit¬ 
kopf ® Härtel befindliche, in 30 Kästen pietätvoll auf¬ 
bewahrte und sorgfältig geordnete Korrespondenz des 
Verlags mit hervorragenden Männern der beiden letz¬ 
ten Jahrhunderte. 

Es handelt sich um einen Schatz von Briefauto¬ 
graphen, der, vom Jahre 1755 an bis in die Mitte der 
achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts gerechnet, die 
Zahl 2000 bei weitem übersteigt. Nicht ganz ein 
Zehntel davon entfällt auf Persönlichkeiten, die, ob¬ 
wohl fast alle der Kunst schöpferisch zugetan, der 
Musik und dem Musikleben ferner standen und den 
Verlagsinhabern nur mit vorübergehenden Anfragen 
oder in persönlichen oder wissenschaftlichen Ange¬ 
legenheiten näher treten. So etwa A. Feuerbach, die 
beiden Grimm, Wieland, Lessing, Voß, Mommsen, 
Friedr. Preller, Anzengruber usw. Fünf vertrauliche 
Briefe Goethes an Breitkopf und der einzige von 
Schiller <21. September 1797> sind heute leider nur mehr 
in Abschrift vorhanden. Alle übrigen Briefschreiber 
sind Komponisten, Musiker oder Musikgelehrte. 

Werden und Wachsen dieses als unveräußerliches 
Eigentum dem Hause verbleibenden Autographen¬ 


schatzes als Ergebnis jahrzehntelanger Geschäftskorre¬ 
spondenz schließt natürlich seine Beurteilung im Sinne 
einer herkömmlichen Autographensammlung aus. Ge¬ 
rade dadurch aber, daß hier, durch keinerlei Liebhaber¬ 
geschmack bestimmt, jegliche Form und Art schriftlicher 
Mitteilung so, wie der tägliche Verkehr es mit sich 
brachte, zwang- und wahllos zur Geltung kommt, er¬ 
hält diese Sammlung ihr eigenes, anziehendes Ge¬ 
präge. Sie gestattet, von den zahllosen rein persön¬ 
lichen und stofflichen Beziehungen abgesehen, überaus 
fesselnde Einblicke in das Wesen des brieflichen Ver¬ 
kehrs der Zeit und vermittelt diese Eindrücke um so 
vielfältiger, als der Charakter des oft nur auf nackte 
geschäftliche Auseinandersetzung gestellten Briefwech¬ 
sels nach innen wie außen die denkbar verschiedenste 
Farm der Mitteilung zuließ. Von der schlichten Hono¬ 
rarquittung auf dürftig zugeschnittenem Zettelchen 
über bescheidene, damals kaum mehr als zwei oder 
drei Klauseln enthaltende Verlagskontrakte hinweg 
bis zum hochstilisierten, Kunst- und Kulturfragen be¬ 
rührenden Meisterbrief sind alle Möglichkeiten ver¬ 
treten. 

Ebenso variabel ist der Ton, den die Verfasser 
anschlagen. Die hohe geistige Bildung und Menschen¬ 
kenntnis, die die Inhaber des Hauses von je auszeich¬ 
neten, trafen ja nicht nur von Anfang an eine feine 
Wahl der von ihnen begünstigten Autoren, sondern 
sorgten auch jederzeit dafür, daß alte Verbindungen 
nicht erkalteten, neue sofort mit allen Mitteln fest¬ 
gehalten wurden und, wo irgend es anging, das 
Trockene des geschäftlichen Verkehrs durch Wen¬ 
dungen ins Persönliche, Freundschaftliche, ja Vertrau¬ 
liche angenehm gestaltet wurde. Jeder Verleger, vor 
allem der, welcher mit dem leicht entzündbaren Na¬ 
turell der Künstler zu rechnen hat, weiß, welch un¬ 
geheurer geschäftlicher Wert in einer bestimmten und 
doch jederzeit vornehmen, entgegenkommenden Fas¬ 
sung seiner Briefe ruht, und kennt genug Fälle, in 
denen es des Aufgebots höchster Klugheit und Diplo¬ 
matie bedurfte, um eine Angelegenheit für beide Teile 
zum guten Ausgang zu bringen. Breitkopf® Härtel 
haben es, wie viele in der »Gedenkschrift« mitgeteil¬ 
ten Verlegerbriefe und der Gesamtton der Autoren¬ 
schreiben beweisen, an dieser Klugheit und feinen Be¬ 
urteilung der Künstlerseele nie fehlen lassen, selbst 
dort nicht, wo eine Angelegenheit ohne ihr Verschulden 
ins Peinliche geraten war. Ein Muster ist das Schreiben 


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des Verlags an den Redakteur der Allgem. Musikali« 
sehen Zeitung G.W. Fink, als dieser sich Parteilich« 
keit gegenüberMendelssohn hatte zu schulden kommen 
lassen. Dafür ist ihm aber auch ehrlicher Dank ge« 
zollt worden / wenigstens 
von denjenigen Künst- 

lern, deren Autographe f /D Z ' ^ 

hiervorliegen. Manier 

ergriff ohne Zögern die 

Verlegerhand so, wie 

sie dargeboten wurde; 

andre sind zunächst miß« fl ^ n ^ 

trauisch und zurückhal« y 4liort. 

tend, wieder andre über« ^ 

trieben höflich oder XjlA 

schmeichlerisch,noch andre ~ 

— es ist die bei weitem ^ Jit«// 

kleinste Gruppe - kurz, XJj X fc&J. 

sachlich, ironisch. & * // n 

Aber so weit man 

auch hineinblickt in die« y*~*+*f* f+A • 

sen ungeheuren Brief« /v ^ 

Vorrat: überall spiegelt > 

sich nicht nur der Glanz 

eines mächtigen, intelli« D ' f * 4h 

gent geleiteten Handels« p*** 

hauses, sondern auch v/i/ti* 

die hohe Achtung vor y*/**''• * 

dessen positiven techni« 4 

sehen Leistungen. Durch \juyCXn 

die Erfindung des Noten« 'Q • • 

drucks mit zerlegbaren frXrW 

beweglichen Lettern — / 

hatte sich Gottlob Im« 
manuel Breitkopf seit 
i 7 54 in steigendem Maße 
dieSympathien derdeut« 
sehen Komponisten er« 
obert. Zum mindesten 
in Mittel« und Nord« 
deutschland galt es als« 

bald als besondere Ehre, rjßJUi 4 « /^- r**. 
bei Breitkopfs gestochen I [7s? * 

oder gedruckt zu sein. 

Aus dieser Zeit der *** ir^ iw«, n«„n S 5 m fi.i 




ffajU 4 . « 

1 l 7 ' 7 . 


Brief Karl Heinr. Grauns an G. J. Breitkopf vom 13. Januar 1757 


folgten, und bis zur Gegenwart heran ist die Gattung 
des »Danksagebriefs« — einer der letzten innerhalb 
des vorhin abgegrenzten Zeitraums rührt von dem 
17jährigen Münchener Gymnasiasten Richard Strauß 

her — in zahlreichen 
mehr oder weniger lie« 
p _ benswürdig stilisierten 

^ Exemplaren vorhanden. 

Die weitaus am häufig« 
sten behandelten Fragen 
betreffen jedoch Bedin« 

CL *1/1 * 0 p gungen, Ausstattung, 

'filmt. +++ Korrektur und Vertrieb 

der zum Verlag gegebe« 

• nen Sachen. Hier auch 

nur das Wesentlichste 

YJ# - herausheben, hieße sich 

JJ fftX? ' 4 - in eine Gesdlidlte des 

JXZ, Xj Musikalien Verlags über- 
' ” - ' hau P l einlassen. Denn 

^ eS S’^t w °^ keinen in ^ er 

Cr J' „ Praxis vorkommenden 

Fall, der im Breitkopf« 
*7/* (~f • sehen Briefwechsel nicht 

0 • e • J?/ 7 ,n i r £ en d einer Form be« 

^ T’/Jv fx handelt wäre. Da führt 

^ .. einmal die Sorge des 

J£ Autors um die nötigen 

iAuv Subskribenten dieFeder, 

. ein andermal derWunsch 

A- jjtfni ''^ besonderemÄußern 

' 0 0 r V ' des Notenhertchens, ein 

drittesmal der Ärger 
_^ r über versäumte Korrek« 

turen, verspätet einge« 
troffenes Honorar, un« 
beantwortet gebliebene 
Anfragen, wider Er« 
warten hohe Porto« 
spesen usw. Da wird an« 
geboten und abgelehnt, 
/? s/ **v. vertröstet und zu über« 

* reden gesucht und — in 

* besonders heiklen An« 

Breitkopf vom n. Januar 1757 gelegenheiten • von 


TccrcZu^ -ä 

fy%h*Y* ‘ vttr ^ 




ersten großen Druck« 

erfolge stammt z. B. ein schöner Brief Karl Heinrich 
Grauns, des Berliner Kapellmeisters Friedrichs des 
Großen <13. Januar 1757), der in beredten Worten der 
Anerkennung gehalten isr. Weitere aus andern Federn 


beiden Seiten viel Form« 
lichkeit aufgewandt, um sich für alle Fälle die Tür zu 
späterer Anknüpfung offen zu halten. Manche Einzel« 
heit dieses Stoffgebiets erregt freilich heute nur mehr 
vorübergehendes, dem Autor und seinem berühmten 


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zu ihrer Individualität zu finden, 
die wir sie vorher nur als 

I blanke Rati onalisten oder 
höchst empfindsame Kin¬ 
der des Rokoko kannten, 
eine Welle warmen Le¬ 
bens, gesunder Natür¬ 
lichkeit entgegen: einmal, 
I indem wir aus der Hand¬ 
schrift einen viel weiche¬ 
ren, nachgiebigeren 
1 Charakter herauszulesen 
meinen <etwa bei Ph. Em. 
Bach, Kirnberger), ein 
andermal, indem uns 
' statt einer empfindsam 
scheinenden Natur ein 
9 sehr kräftiges Tempera¬ 
ment entgegentritt <z. B. 

| bei G. Benda, Hiller). 

Ausgesucht schöne, aus- 
1 geschriebene Hände, die 
von vornherein den Geist 
J ihrer Besitzer verraten, 
haben Theoretiker wie 
Marpurg und Forkel, 
während bloße Virtuosen 
wie Karl Stamitz ihre 
Ungewohntheit,mit einer 
andern als der Noten¬ 
feder umzugehen, nicht 
verbergen können. Den 
\ musikalisch interessier¬ 
ten Psychologen und 
Graphologen erwarten 
jedenfalls auch hier eine 
Reihe anziehender Auf¬ 
gaben. 

Mit 182 Briefen viel¬ 
seitigsten, keineswegs 
nur musikalischen In¬ 
halts an J. G. Immanuel 
Breitkopf steht Phil. Em. 
Bach als fleißigster Brief¬ 
schreiber nach Mendels¬ 
sohn <176), Reichardt 
<154) und Liszt <146) an 
der Spitze derKorrespon« 
denz. Neben ihm hält 
sich der Magdeburger 


Namen dargebrachtes Interesse,* andres dagegen hat einen neuen Weg 
Wert und Geltung als typischer, größere Zusammen- Es ist, als schlüge uns 
hänge belichtender Fall 
und gehört dann ebenso 
zur Verlagsgeschichte wie 
zur Biographie des be¬ 
treffenden Meisters. So 
etwa der Briefwechsel 
mit Phil. Em. Bach, mit 
Beethoven,Mendelssohn, 

Liszt und Wagner, deren 
Korrespondenz mit Breit- 
köpf ® Härtel sich über 
Jahrzehnte erstrecht. 

Daß bei alledem auch 
der Graphologe nicht zu 
kurz kommt, ist selbst¬ 
verständlich. Die Hand¬ 
schrift unsrer Klassiker 
und Romantiker ist frei¬ 
lich aus zahlreichen, in 
Biographien und Musik¬ 
geschichten eingestreuten 
Faksimiles allgemein be¬ 
kannt. Dennoch wird der 
Kenner zuweilen immer 
wieder überrascht. Etwa 
wenn er — um ein 
Beispiel zu nennen — 

Beethovens mit geradezu 
kindlicher Unbeholfen- 
heit hingekritzelte Auf¬ 
schrift eines Briefes wie 
den hier mitgeteilten an 
Breitkopf * 3 D Härtel er¬ 
blickt. Weitaus seltener 
trifft man auf dem Welt¬ 
märkte Autographe von 
Musikern des 18. Jahr¬ 
hunderts. Es liegt aber 
ein hoher Reiz darin, 
gerade auch bei diesen 
Persönlichkeiten, deren 
Werke einer längst über¬ 
holten Periode, deren ge¬ 
druckte Schriften einem 
steifen, unpersönlichen 
Zopfstil angehören, durch 
Vermittlung des Bildes 
ihrer Handschriftenzüge 


Aufschrift eines Briefes von Lv. Beethoven an Breitkopf'S) Härtel vom Februar 1811 


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Musikdirektor Rolle, der mit der Firma wegen des 
Verlags seiner ehemals weit verbreiteten Kirchen* 
musiken seit 1772 ununterbrochen in Verbindung 
stand, mit 135 zum Teil sehr aufschlußreichen Briefen 
auf ansehnlicher Höhe. In beträchtlichem Abstande 
folgen unter den Zeitgenossen der bekannte Theo* 
retiker der Fuge Marpurg mit 59, der Bachschüler 


der neueren bekennen. — Zu den größten Kostbar* 
keiten der Sammlung aus dem Zeitalter der Klassiker 
gehören die 53 Beethoven betreffenden Schriftstücke, 
von denen nur 4 nicht autograph, die übrigen zum Teil 
höchst umfangreiche Schreiben sind. Die meisten da* 
von hat A.Kalischer in seiner Ausgabe der Beethoven* 
sehen Briefe <1907) zum erstenmal veröffentlichen 


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Schluß eines Briefes C. M. von Webers an Breitkopf *30 Härtel vom 12. März 1805 


Kirnberger mit 35, der Bückeburger Bach mit 35, der 
Schweriner Kapellmeister Hertel mit 21 Schreiben, 
während Friedr. Reichardt mit der oben angegebenen 
Zahl seinem Rufe als höchst beweglicher, an allem in* 
teressierter und schaffensfreudiger Kopf alle Ehre 
macht. Seltenheiten ersten Ranges außerhalb der 
Museen und Autographensammlungen sind ferner die 
Briefe Telemanns, Matthesons, Grauns und Agricolas, 
deren Schreiber noch die vorfriderizianische Zeit er* 
lebt hatten, sich nun aber freudig zu den Fortschritten 


können. Es bedarf kaum der Versicherung, daß sie 
in ihrer Gesamtheit, und zwar nicht nur ihrem Inhalt, 
sondern auch ihrer graphischen Fixierung nach, einen 
unvergleichlichen Spiegel der Beethovenschen Person* 
lichkeit, seines vulkanischen Temperaments, seiner 
wechselnden Stimmungen, seines rastlos arbeitenden 
Geistes ausmachen. Eine Korrespondenz mit Mozart 
fehlt; nur Vater und Sohn Wolfgangs sind vertreten. 
Ihrer Seltenheit wegen von Wert — die geschäft* 
liehen Angelegenheiten des Meisters pflegte Freund 


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Griesinger zu übernehmen sind die kleinen Schrift* 
stücke Haydns, darunter die Quittung über das für die 
»Jahreszeiten« empfangene Honorar. 

Seit 1798 bildete die im Breitkopfschen Verlage er* 
scheinende »Allgemeine musikalische Zeitung« ein viel* 
fach einigendes neues Band zwischen Firma und Auto* 
ren. Ganze Gruppen von Briefen sind den Interessen 


kreises, während die bühnenbeherrschenden Favorit* 
komponisten des damaligen Europa: Rossini, Doni* 
zetti, Auber, Halevy entweder ganz fehlen oder nur 
spärlich <BelIini 2, Boieldieu i> vertreten sind. Denn 
auch jetzt ging die Firma aus ihrer Enthaltsamkeit 
gegenüber dem Opernverlag nicht heraus, sondern 
zog es vor, auf den Gebieten zu bleiben, denen sie 


Spu*— 


mery-, 














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£r-Us/L 


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Sdiluß eines Briefes Chopins an Breitkopf 'S) Härtel 


dieser von Rochlitz glänzend geleiteten Zeitung ge* 
widmet, an der mitzuarbeiten die besten unsrer 
schaffenden Musiker — mit Ausnahme des dem pro* 
fessionellenSchriftstellertum abholden Mendelssohn — 
sich nicht scheuten. Nunmehr schwillt die Korrespon* 
denz immer mehr an. Dem führenden Charakter der 
deutschen Romantik entspricht das Auftauchen immer 
neuer glänzender Namen: Weber, E.T. A. Hoffmann, 
Spohr, Marschner, Loewe, Moscheies, Mendelssohn, 
Schumann und ihres engeren oder weiteren Wirkungs* 


ihre Größe verdankte: der Symphonie*, Kammer* 
und Solomusik, und vor allem des von Anfang an 
von ihr vorbildlich gepflegten deutschen Liedes. Ge* 
rade dadurch erwarb sie sich das Zutrauen unzähliger 
kleiner Komponisten und aller, die gegen das Aus* 
ländertum auf der Bühne nicht aufkommen konnten. 
Von J. P. A. Schulz an über Zumsteeg, Zelter und 
Reichardt hinweg bis Franz, Brahms, Jensen haben 
die besten deutschen Liedkomponisten mit Breitkopf 
* 3 D Härtel Fühlung genommen. Daß die anbrechende 


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Neuromantik mit ihren ästhetisdien Fehden den Ver- 
lag vor manche Skrupel stellte und sein ehemals frisches 
Zugreifen in ein gewisses Hinhalten verwandelte, wer 
wollte das leugnen? Es war durchaus nicht leicht, in 
Leipzig als einem der Brennpunkte der neuen Bewe¬ 
gung den sicheren Blick zu bewahren. Aber auch 
hier werden alsbald Brücken geschlagen: Zuerst hin¬ 
über zu Liszt <1839), dann — nach zwei verfehlten 
Annäherungsversuchen des Leipziger Weinligschülers 


von 1831 — im Jahre 1843 zu Richard Wagner. Was 
beide in ihren Briefen an den Verlag niedergelegt 
haben, Wagner bis 1874, Liszt bis zu seinem Todes¬ 
jahr, gehört in die fesselndsten Kapitel der neueren 
deutschen Musikgeschichte, denn es ist aufs engste mit 
der Geschichte der größten schöpferischen Leistungen 
der Zeit verknüpft. Minder ausgiebig, was übrigens 
jeder Kenner des Meisters im voraus bestätigen wird, 
ist der Briefwechsel mit Joh. Brahms, dem die Natur 


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Brief des 17 jährigen Richard Wagner an Breitkopf 'iÜ Härtel vom 5. August 18 ji 

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die Gabe blendender rhetorischer Darstellung nach 
Wagners Art versagt hatte. Um so gewichtiger 
erscheint jedes einzelne Wort seiner 85 knappen, meist 
rein sachlich gehaltenen Schreiben, die dennoch nicht 
eines gewissen frischen, lebendigen Unterklangs ent* 
behren. Brahms' letzter Brief ist vom Jahre 1893 da* 
tiert. Er reicht also schon ins Bereich der jüngsten 
Generation, in eine Zeit, in der neue Namen erscheinen, 
deren Schriftwechsel aber noch nicht die Bedeutung 
klassischer Dokumente erlangt hat. 

Was eine Durchsicht der Briefe vom musikgeSchicht* 
liehen Standpunkt aus ergeben wird, ist — soweit nicht 
schon eine Veröffentlichung erfolgte — zurzeit noch 
nicht völlig zu übersehen. Die Ausbeute dürfte un¬ 
gleich sein und durchaus nicht immer im Verhältnis zur 
Quantität der gewechselten Schreiben stehen. Cha¬ 
rakter, Schreibfreudigkeit und Mitteilsamkeit spielen 
dabei eine Rolle. Aber soviel ist gewiß, daß die metho¬ 
dische Durcharbeitung eine Fülle von aufklärenden 
Notizen zur Chronologie der Werke, zur Lebens¬ 
und Zeitgeschichte und nicht an letzter Stelle auch zur 
Auffassung des Charakters der einzelnen Schreiber 
liefern wird. Einen erheblichen Teil dieser Arbeit, 
soweit sie in den Rahmen seines Unternehmens fiel, 
hat bereits Dr.O. von Hase in der erwähnten Gedenk¬ 
schrift geleistet. Was dort über die Beziehungen 
führender Meister von Beethoven bis Liszt zum Hause 
Breitkopf © Härtel gesagt ist, erschöpft das Thema 
wohl ein für allemal. Eine Aufgabe für die Zukunft 
wäre, dem Material im einzelnen nun auch von der 
spezifisch literargeschichtlichen Seite beizukommen, wie 
das Dr. Hermann von Hase mit Haydn und Phil. 
Emanuel Bach unternommen hat. Beethoven, Wagner 
und Liszt könnten, da ihr Briefwechsel schon zugäng¬ 
lich ist, unberücksichtigt bleiben. Dagegen verdienten 
eine Anzahl Meister zweiten und dritten Ranges, daß 
man ihren Spuren folge. 

Das Vorhandensein dieser wertvollen Breitkopf© 
Härtelschen Verlagskorrespondenz ist der Öffentlich¬ 
keit bisher nicht verborgen geblieben, und in liberaler 
Weise hat das Haus freundlich Anklopfenden jeder¬ 
zeit Einsicht gewährt. Über den wirklichen Bestand 
jedoch lagen Mitteilungen bisher nicht vor. Wenn da¬ 
mit jetzt ein Anfang gemacht wird, so verdankt das der 
Verfasser der Anregung und dem Entgegenkommen 
der Herren Dr.O. von Hase und Dr.L.Volkmann, 
die ihm die Schätze des Archivs in unbeschränkter 
Weise öffneten. Nicht ein ausführliches Verzeichnis 
der Briefe zum Zwecke wissenschaftlicher Benutzung 
soll gegeben werden — dafür würde diese Zeitschrift 

13 


nicht der rechte Platz sein —, sondern nur eine Art 
Bestandsaufnahme, mit der Absicht, einen orientieren¬ 
den Überblick zu schaffen. Aus diesem Grunde ist 
von jeder näheren Bezeichnung der Schriftstücke <Brief, 
Quittung, Kontrakt, in Abschrift) abgesehen und neben 
derZahl derselben nur derZeitraum angegeben worden, 
innerhalb dessen der Briefwechsel stattfand. 

Komponisten, Musiker und 
Musikschriftsteller 

Abt <1, 1869)/ Karl Ferd. Adam <1,1836)/ Friedr. 
Agricola <5, 1762)/ Joh. Lorenz Albrecht <1,1762)/ 
K. Phil. Em. Bach <182, 1765—89)/ Joh. Chr. Friedr. 
Bach <35, 1776—92)/ Wilh. Bach <1, 1804)/ L. v. 
Beethoven <53, 1802-23)/ Karl v. Beethoven <19, 
1802-10)/ Bellini <2, 1832—33)/ Georg Benda <24, 
1780—93)/ Friedr. Benda <10, 1789—1809)/ Karl 
Benda<2,1819)/ Berlioz<i, ohne Datum)/ Boieldieu 
<1,1811)/ Brahms <85, 1853—93)/ Campagnoli <32, 
1801—24); C. Cannabich <7,1799—1805); Cheru¬ 
bim <3, 1813—33)/ Chopin<5, 1839-44); Clementi 
<23, 1807 — 26)/ Czerny <31, 1833—42)/ Ferd. David 
(74, 1837—73)/ Dittersdorf [und Familie] <8, 1798 
bis 1804)/ Dotzauer<3, 1818—38)/ Dreyschock <1, 
ohne Datum),* Dussek <2, 1804)/ Field <4, 1810 bis 
33); Fiorillo <1, 1777)/ Forkel <39, 1778 — 1813)/ 
R. Franz <1, 1884)/ Niels-Gade <47, 1848—90)/ 
Herrn. Goetz <16,1867-74)/ C. H. Graun <1,1757)/ 
Hauptmann <74, 1853—66)/ Hauser <4, 1837—63),. 
Jos. Haydn <4, 1796 — 1801)/ Magdalena Haydn 
[Witwe Michaels] <4, 1809—11)/ Stephen Heller <1, 
1841)/ Henselt <2,1866)/J. W.Hertel <21,1755 —58); 
H. Herz <2, 1837-38)/ Ferd. Hiller <1, 1842)/ Joh. 
Ad. Hiller <1, 1791)/ Himmel <2, 1806—07)/ E. T. 
A. Hoffmann <20, 1812—15)/ Homilius <1, 1780), 
Hummel <25,1801-36)/ Ad. Jensen <12,1862—76)/ 
Joachim <1, ohne Datum)/ Chr. Kalkbrenner <12/ 
1780-1805)/ Friedr. Kalkbrenner <5, 1809—19)/ 
Kirnberger <35, 1777 — 83)/ K. Kreutzer <4, 1814 
bis 17)/ Kücken <1, 1869)/ Kuhlau <21, 1802-19)/ 
Frz.Lachner <1,1879)/ Lindpaintner<io, 1817 —52)/ 
Liszt <146, 1839—86)/ Lobe <2, 1816 — 19)/ Loewe 
<13,1820-41)/ Lortzing <29,1839—51)/ Fr. WMar* 
purg <59, 1755—62),- Marschner <45, 1813—60)/ 
A. B. Marx <2, 1819)/ J. Mattheson <6,1756—59)/ 
F. Mendelssohn <176, 1830—47)/ Methfesssel 
<7,1810—43>/Mey erbee r <6,1846—52),Molique<5, 
1833—37)/ Moscheies <4, 1841-53)/ Leop. Mozart 
<2,1778-82)/ W. A. Mozart <Sohn)<i5,1808 — 18)/ 
Naumann<4,1780—99)/ Neefe <1, i797>/Nicolai 


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<8, 1831—35)/ Pleyel <28, 1797 — 1810)/ PoIIedro <2, 
1811 — 12)/ Quantz <2,1763)/ Reichardt <154,1781 bis 
1814)/ Reissiger <1, 1841)/ Ferd. Ries <3, 1809—11)/ 
Righini <8, 1803 — 06)/ J. H. Rolle <135, 1756 — 86)/ 
B. Romberg <1, 1808)/ Rubinstein <1, 1879); F. W. 
Rust <1, 1762)/ Schicht <15, 1801 — 19, darunter zwei 
ohne Datum)/ AI Schmitt <4, 1814 — 19)/ Franz 
SchubertO, 1826 Abschrift)/Ferd. Schubert <2,1839) ,• 
J. A. P. Schulz <20, 1784 — 1800)/ Rob. Schumann 
<112, 1832—54); J. Schuster <8, 1784 — 1809); Sorge 
<10, 1762-76)/ Spohr <55, 1803—54)/ Spontini 
<5,1817-18)/ Karl Stamitz <5,1786-95)/ Steibelt 
<2,1808)/ Rieh. Strauß <9,1881)/ Telemann <2, 1755 
bis 59)/ Thalberg <18, 1837 — 63)/ Verdi <i, 1893)/ 
Vogler <2, 1801)/ Rob. Volkmann <8, 1853—56)/ 
Rieh. Wagner <142, 1831 — 74)/ Franz Anton von 
We b er [Vater] <38,1799—1806)/KarlM. von Weber 
<i, 1798 vom Vater geschrieben / 4, 1805 — 19 eigen- 
händig),- Baroneß Weber [Schwester Fr. Anton von 


Webers] <i, 1802)/ Weigl <5, 1809 — 11)/ Zelter 
<3, 1800—03)/ Zumsteeg <52, 179}—1802). 

Nicht-Musiker 

Anzengruber <38, 1882 — 89)/ J- A. Cramer <11, 
1769 — 88)/ Anselm v. Feuerbach <1, 1814)/ Jac. Fr. 
Fries (i, 1841)/ Gauß <6,1808 — 09)/ Gleim <2,1783 
bis 84)/ Goethe <5, 1782 — 1802 in Abschrift)/ Jak. 
Grimm <6,1816 — 19)/ Wilh. Grimm <7,1798 — 1812)/ 
Herbart <12, 1814-19)/ Herder (i, 1778)/ Iffland 
<3, 1807)/ Kotzebue <3, 1811 — 17)/ Lessing <4, 1779 
bis 81)/ Mommsen <1,1849)/ Müllner<2,1812—15); 
Niebuhr <6,1790-93)/ Fr. Preller [Vater] <3,1840 
bis 44)/ Preller [Sohn] <2,1874); Ri et sch ei <3,1846 
bis 60)/ Schelling <2, 1798—99)/ Schiller <1, 1797 
Abschrift),- Schnorr v.CaroIsfeld <1,1863),- Freiherr 
Chr. O. von Schönaich <8, 1769—80)/ Wilhelmine 
Schröder-Devrient <1,1849)/ Joh. H. Voss <3, 
1776—88)/ Wieland <i, 1786). 


Die periodische Geheimpresse im besetzten Belgien <1914 bis 1918) 

Von Dr. HANS H. BOCKWITZ, Direktorialassistent und Bibliothekar am Deutschen Kulturmuseum 


D ie künftigen Erforscher des belgischen Presse¬ 
wesens werden sich außer mit der während 
des Krieges im besetzten Gebiet erschienenen 
Presse und den von geflüchteten Belgiern außer Landes, 
zumeist in Holland, Frankreich und England fort¬ 
geführten oder neugegründeten Zeitungen und Zeit¬ 
schriften, der sogenannten Flüchtlingspresse 1 , noch mit 
einer dritten Kategorie belgischer Pressebetätigung zu 
befassen haben: der Geheimpresse, das heißt der¬ 
jenigen periodischen Literatur, die unter Umgehung der 
deutscherseits für alle Druckerzeugnisse eingeführten 
Präventivzensur im besetzten Belgien erschienen ist. 

Nachdem bei der Besetzung des Landes die belgi¬ 
schen Zeitungen entweder ihr Erscheinen eingestellt 
hatten oder ins Ausland geflüchtet waren, bediente 
man sich deutscherseits dreisprachiger Maueranschläge, 
um dem Publikum die neuesten Nachrichten zu über¬ 
mitteln, bis allmählich wenigstens einige der einheimi¬ 
schen Zeitungen wieder zu erscheinen begannen oder 
Neugründungen erfolgt waren. Da diese mit Ge¬ 
nehmigung der besetzenden Macht erscheinende Presse 
der Zensur unterworfen war, lag auf ihr von vorn¬ 
herein das Odium der Abhängigkeit und eine solche 
Presse konnte den an fast schrankenlose Preßfreiheit 
gewöhnten belgischen Patrioten naturgemäß nicht ge- 

1 Vergleiche Zeitschrift »Beifried« Jahrg.I, Heft 2 / II, Heft 10 , 
III, Heft 6. 


nügen. Die unterdrückte öffentliche Meinung suchte 
und fand bald ein Ventil in der unter Umgehung der 
Zensur hergestellten »presse clandestine«, die es im 
Laufe der Zeit, abgesehen von einer umfangreichen 
Broschüren- und Flugblattliteratur, auf über 20 perio¬ 
disch erscheinende Blätter größeren und kleineren For¬ 
mats und Umfangs gebracht hat, von denen einige 
ein ziemlich regelmäßiges Erscheinen bis zum Ende 
der Besetzung ermöglicht haben, während andre es 
nur auf wenige Nummern brachten. Diese geheime 
Presse ist der natürliche Gegner der erlaubten und, 
neben der Bekämpfung des verhaßten Eroberers, muß 
sie ihre Hauptaufgabe darin suchen, alles, was den 
Zensurstempel trägt, zu befehden und in Mißkredit 
zu bringen. 

Gewissermaßen eine Vorstufe der gedruckten 
waren die bald nach der Besetzung des Landes hand¬ 
schriftlich oder mit Schreibmaschine hergestellten und 
vervielfältigten periodischen Schriften, deren es etwa 
zwölf verschieden betitelte gegeben haben dürfte, und 
die, wie »Bruxelles secret« oder »L'Echo libre«, vor 
allem aus eingeschmuggelten Zeitungen der Entente, 
die im Lande verboten waren, Auszüge, Übersetzun¬ 
gen oder Abschriften ganzer Artikel brachten. 

Schon früh, etwa Anfang 1915, ging man indessen 
von dieser immerhin mühseligen Art der Herstellung 
ab und bediente sich seitdem des Druckes. 


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Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum 


In der Flüchtlingspresse, in der Presse der Entente 
und der Neutralen finden sich zahlreiche Artikel über 
das Wesen und Wirken der belgischen Geheimpresse. 
Häufig wurden ganze Artikel oder Auszüge daraus 
abgedruckt und kommentiert und keine Gelegenheit 
versäumt, auf diese Blätter als auf Zeugnisse des 
standhaften Mutes der Bevölkerung im besetzten 
Lande hinzuweisen. Verfasser von Propaganda^ 
büchern vergessen nicht, der »presse clandestine« ein 
Kapitel zu widmen, und eine vom belgischen Presse¬ 
bureau in Le Havre herausgegebene Korrespondenz, 
betitelt »Curiosites de guerre beiges«, sorgt in einer 
Sondernummer <Nr. 20 vom Dezember 1917 »Publi- 
cations clandestines en Belgique occupee«) in Wort 
und Bild dafür, daß der Presse neuer Stoff über das 
beliebte Thema zugeführt wird. 

Nur die deutsche Presse hat sich diesen für sie gewiß 
reizvollen Erscheinungen gegenüber schweigend ver¬ 
halten und damit ihren Lesern ein lehrreiches Kapitel 
zur Bewertung der Volksstimmung im besetzten Ge¬ 
biet unterschlagen müssen l . 

Die bisher erschienene Buchliteratur über die bel¬ 
gische Geheimpresse beschränkt sich auf eine zu 
Propagandazwecken verfaßte Schrift des 1915 ins 
Ausland geflüchteten belgischen Professors Jean Mas- 
sart, welcher in seinem Buche »La Presse clandestine 
dans la Belgique occupee« <Paris-Nancy 1917, XI + 
318 Seiten 8° mit Abbildungen) in der Hauptsache 
Auszüge aus ihm bekannt gewordenen Periodiken 
bringt und auf die Pressezustände im besetzten 
Gebiet überhaupt ausführlich eingeht. Zu erwähnen 
wäre noch die Erzählung »Die Spionin«, von Lisbeth 
Dill <Frau von Drigalski) 2 , worin mit dichterischer 
Freiheit die Geschichte der Entdeckung eines kleinen, 
früh eingegangenen, »LaVerite« betitelten Blättchens 
geschildert wird. 

Ein Versuch und eine Anregung soll es daher nur 
sein, wenn im folgenden auf die bekannteren Vertreter 
der belgischen Geheimpresse etwas näher eingegangen 
wird, da von bibliographischer Exaktheit zurzeit noch 
keine Rede sein kann. 

Von den in französischer Sprache erschienenen 
Geheimblättern ist »La libre Belgique«, Bulletin 
de propagande patriotique <Format 22 x 31 1 / 2 > im In- 
und Ausland am bekanntesten geworden. Gegründet 
am 1. Februar 1915, hat das Blatt bis zum letzten Tage 
der Okkupation ein fast regelmäßiges Erscheinen bei 

1 Nur ein» oder zweimal während des Krieges haben Berliner 
Blätter einige Andeutungen gebracht. 

2 Leipzig o. J. <1917) 152 Seiten. 8°. 


einer Auflage, die auf 10- bis 20000 Exemplare ge¬ 
schätzt wurde, ermöglicht und es bei vier- bis fünf¬ 
maligem Erscheinen im Monat auf rund 180 vierseitige 
Nummern gebracht. Das Blatt war häufig illustriert, 
brachte Beilagen und stellte Sonderdrucke her. Die 
ersten 30 Nummern sind überdies, den Inhalt von je 
zehn Nummern umfassend, in Buchform in drei Oktav¬ 
bändchen mit insgesamt 376 Seiten erschienen. Seine 
Hauptaufgabe erblickte das royalistisch gesinnte, na¬ 
tional belgische Blatt, das sich zahlreicher Geistlicher 
als Mitarbeiter erfreute, in der energischen Bekämpfung 
der Maßnahmen des Besetzers, in der heftigsten Oppo¬ 
sition gegen die Trennungsbestrebungen der Flamen 
und Wallonen und gegen die dieser Politik dienstbare 
Presse. Unablässig wurde dem Volke das Ausharren 
und standhafte Ertragen aller Leiden zur Pflicht ge¬ 
macht und keine Gelegenheit versäumt, in Bild und 
Wort den König, Kardinal Mercier, Bürgermeister 
Max und andre belgische Persönlichkeiten zu feiern, 
dagegen den Generalgouverneur, General Kluck, den 
Kaiser und andre mit Witz und Spott zu bedenken. 
Herrn von Bissing stellte man sich gerne als bei Tag 
und Nacht auf der Jagd nach der geheimen Druckerei 
befindlich vor, in der das Blatt gedruckt wurde. Die 
Nationalfeiertage <21. Juli) und andre Gedenktage 
gaben Anlaß zu Sondernummern, die dann auf der 
ersten Seite in den belgischen Farben leuchteten. 

Der Mangel an Zeitungen aus dem Lager der 
Entente gab den Anlaß zur Begründung einer Wochen- 
schrift, der »Revue hebdomadaire de la Presse 
frangaise«, später »Revue de la Presse« betitelt, die 
1918 im vierten Jahrgang in Brüssel bis in die letzten 
Okkupationstage hinein regelmäßig erschien und es 
auf etwa 160 sechzehnseitige Nummern (Format 
18 V2 X27 1 / ) gebracht haben dürfte. Die Zeitschrift 
legte weniger Wert auf Originalbeiträge, sondern gab 
Auszüge bzw. vollständige Abdrücke aus der ein¬ 
geschmuggelten Flüchtlingspresse und der Presse der 
Entente. Hin und wieder erschienen Sondernummern, 
so beispielsweise ein auf Kunstdruckpapier hergestelltes, 
mit Bildern des Königshauses geschmücktes Heft an¬ 
läßlich der Feier des Nationalfestes im Jahre 1916. 

Auf drei Serien, innerhalb deren die einzelnen 
Nummern allerdings ziemlich unregelmäßig aufein¬ 
ander folgen, brachte es die für dreiwöchentliches 
Erscheinen geplante, ebenfalls in Brüssel gedruckte 
»L'äme beige«, (Format 14 7 > * 22), deren erste Num¬ 
mer im November 1915 erschien. Die erste Serie ent¬ 
hält 10 Nummern, von denen Nummer 1 bis 9 (bis 
April 1916) je 16, die Nummer 10 (vom Dezember 1916) 


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^ —. . — 

Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum 


nur 8 Seiten enthält. Die zweite Serie, die am 22. Fe¬ 
bruar 1917 beginnt, umfaßt 39 achtseitige Nummern 
<mit Beilage) in vergrößertem Format <20 x 32), wäh¬ 
rend die dritte Serie, beginnend am 5. September 1918, 
mit jeweils 32 Seiten pro Heft wieder im Format der 
ersten Serie erschien und es nur auf wenige Nummern 
gebracht haben dürfte. Bildschmuck ist selten, aber es 
fehlen auch bei diesem Blatte der König, der Kardinal 
und der Bürgermeister Max nicht. In der Heftigkeit 
des Tons und der Haltung gegenüber der besetzenden 
Macht oder gegenüber Landsleuten, die sich mit ihr 
eingelassen haben, steht das Blatt der »Libre Belgique« 
nicht nach. 

Von der bereits erwähnten Publikation »La Ve r i t e«, 
Publication periodique non censuree sind von Mai 
bis Juni 1915 nicht mehr als sieben Nummern (Format 
10 V2 x 13 V ), anscheinend auch in Brüssel gedruckt, er¬ 
schienen. Die kleinen Heftchen in farbigem Umschlag 
führen einen erbitterten Kampf gegen den Besetzer, 
kritisieren scharf die amtlichen Veröffentlichungen über 
die Kriegslage und warnen die Bevölkerung, ihnen 
Glauben zu schenken. 

Ähnlichen Formats und Umfangs wie »La libre 
Belgique« erschien ziemlich unregelmäßig in Brüssel 
ein vierseitiges Blatt mit dem Titel »Patrie!«, Journal 
non censure, paraissant comme, oü et quand il peut 
(Format 21x34), das 1915 gegründet worden war. 
Es dürfte nur geringe Verbreitung gefunden haben 
und stammt wohl aus der Druckerei der »Libre Bel¬ 
gique«. Eine Anzahl Nummern bringt auf der ersten 
Seite verkleinerte Bilder des Zeichners Raemaeckers, 
die in einer zwölf Stück umfassenden Serie von Ein¬ 
blattdrucken (Format 22 7 a x 29) unter dem Titel »La 
Cravache« 1916 in Brüssel auftauchten und ohne 
weiteren Text nur die Bildunterschriften tragen. 

Von August bis November 1915 erschien — wahr¬ 
scheinlich in Brüssel gedruckt, »Le Beige«, Organe des 
vrais patriotes (Format 14 x 22) in Heftchen von acht 
bis zwölf Seiten. Wie es scheint, sind nicht mehr als 
sechs Nummern herausgekommen, die ziemlich selten 
geworden sind. Mit der Devise: 

Flamands, Wallons 

Ce ne sont lä que des prenoms: 

Beige est notre nom 
De Familie! 

bestimmt sich die Richtung des Blattes, das in der 
Heftigkeit desTones den vorgenannten nicht nachsteht. 

Von einem der Satire — natürlich auf Kosten der 
Deutschen — gewidmeten Blättchen, betitelt »Motus!«, 

10 


Journal des gens occupes (Format 1872 *2772) sind 
im April und Mai 1915 zwei Nummern erschienen. 
Inhaltlich bieten sie, außer einigen Wortspielen (Ber¬ 
liner Tasdeblag = tas de blagues), nicht viel von Be¬ 
deutung. 

In Gent ist kurzfristig ein vierseitiges Blatt »L'Anti- 
prussien« (Format 24x32) herausgekommen, dessen 
erste Nummer am 7. Juli 1916 ausgegeben wurde und 
die Devise »Liberte et Verite, Patience et Courage« 
trägt. Weitere Verbreitung dürfte das selten gewor¬ 
dene Blatt nicht gefunden haben. 

Eine in Brüssel erfolgte Gründung aus dem Jahre 
1918 ist »Le Flambeau« (Format 1272 x 1672), ein Blatt, 
das sich Revue beige des questions politiques nennt, 
und dessen 32 seitige Heftchen im August mit Num¬ 
mer 5 bereits 140 Seiten ausmachen. Der Inhalt der 
kleinen Zeitschrift rechtfertigt durchaus den gewählten 
Untertitel: Probleme wie das derTschecho-Slowaken, 
der Freiheit des Handels, Völkerrechtsfragen und ähn¬ 
liche Dinge werden — natürlich in deutschfeindlichem 
Sinne — aber auffallend sachlich erörtert. 

Die Wellen der russischen Revolution, die sich auch 
in den Kreisen belgischer Sozialisten fühlbar machten, 
ließen bereits im Januar 1918 die erste Nummer eines 
dreifach gefalzten Blättchens (Format 9 x 22) auf¬ 
tauchen, das sich »La Revolte«, Organe revolutionäre, 
nennt und seine sozialistischen Ziele »Par le peuple — 
pour le peuple« erreichen will. 

Eine redaktionelle Notiz in Nummer 1 besagt, daß 
die bisherigen Schwierigkeiten bei der Publikation der 
»Revolte« überwunden seien und stellt ein Erscheinen 
aller zwei bis drei Wochen in Aussicht. Es scheint 
indessen, daß mit dieser Vorbemerkung lediglich der 
Anschein erweckt werden sollte, als handele es sich 
um ein bereits eingeführtes Blatt. Inhalt, Druck und 
Aufmachung muten einigermaßen russisch an; ebenso 
das dem Bolschewismus gesungene Loblied in dem 
»Marat« gezeichneten Leitartikel »Voici la revolu- 
tion«, der in der hitzigen Forderung »Le socialisme 
ou la mort!« gipfelt. 

Ob mehr als zwei Nummern dieses belgischen Vor¬ 
kämpfers der sozialen Revolution erschienen sind, 
läßt sich nicht feststellen. Ausgeschlossen wäre auch 
nicht, daß wir es hier mit einer Publikation zu tun 
haben, die von einem in Holland befindlichen russi¬ 
schen Revolutionskomitee zum Vertrieb in Belgien 
hergestellt worden ist. 

Erwähnung finden mögen an dieser Stelle noch 
zwei geheime Publikationen, die sich von vornherein 
auf eine bestimmte Anzahl von Nummern festgelegt 


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PRINCETON UNIVER5ITY 





NUM&RO 83 DEUXIEME ANNfeE JUILLET 1916 

PRIX DU NUMERO — £lastique, de zero k l’infini (prifere aux revendeurs de ne pas dGpasser cette Hmite) 


LA LIBRE BELGIOUE 

J'al foi dans nos destinies; un Pays qui se döfend s’impose au Envers les personnes qui dominant par |la force militaire notre 

respect de tous : ce pays ne perit pat! Dieu sera avec nous crixirkcri? pays. ayons les £gards que commande l’intirfit g£n£ral. Rea- 

dans cette cause juste. rUNUtt pectons les riglements qu’elles nous imposent aussi longtemp« 

ALBERT, Rot des Beloes (4 aoflt 1914 ). tc i näwDiRO mic qu’ils ne portent attelnte ni k la Ilberti de nos consclences 

Xcceptons provisoireraent les sacrifices qui nous sont imposAs..- Lt ler rKVKICK WU) chritiennes ni k notre Dignitt Patriotique. 

et attendons patiemment Hieure de la reparation. A. MAX. Mor MERCIER- 


BULLETIN DE PROPAGANDE PATRIOTIQUE — REGULlfcREMENT IRRßGULIER 

NE SE SOUMETTANT A AUCUNE CENSURE 


ADRESSE TfcLfcQRAPHIQÜE 

KOMMANDANTUR - BRUXELLES 


BUREAUX ET ADMINISTRATION 
ne pouvant fetre un empiacement 
de tout repos, Hs sont installAs 
%ans une cave automobile 


ANNONCES : Les affaires Atant ntilles 
sous la domination allemande, nous avons 
supprimA la page d’annonces et con- 
seillons A nos clients de r^server leur 
argent pour des temps meilleurs. 



Beilage zur 


d^D^tftpch 


ns für Buchwesen und Schrifttum. 


Zu dem Aufsatz: Belgische*Geheimdrucke. 

PRINCETON UNIVERSITY 



















B»lrt»«.)an.1918 II B 

B* I ^ 

RtVOLTE 

Orijane rdrolutionnaire 

Pnr le Paupie _ /W <r 

Sfmlgri las anormal dlfficnlttt qua naus obomo rancuntri pamr U 
pubilratto* dt In «. Rioclta *. nou* »nana rhasu J pamvair fr* 
tncttreuHU annutrndtt uni porution plus rl[uhira. 

JJortnavant, U ■ Xloolu . fuartitrn n» moime lautes Int f/J ta¬ 
rnt! ms 11 plus touvant si letfnits taxigami. 

Anx eamarndas dt mnt mder s tfrunsamant ■ ä rtpnmdre U 

« Rinolt. ■ _ LA R&DACTIOV 

YDfCI LA. RfiVOLDTIOH! 

Avec une poussee irresisiible l'exeraple das bolche- 
vi*t« feit lache d'huile. 

l.eur Imniere fisni d’ebleoir les peuplas; le plue 
neu* lere la lita 

(Test avec un« reoonnaietanei iitaxprimable fct neue 
apprenont que la ddmocratie alltmando «’apprtte. 

De renselgnexuenls qui nou» parvienneot de mi- 
lieux bien informe*, il devlenl evidenl qne ce n'eel 
plus qu’unc queation de temps. 

D un inoment & Fanlr« le coup peul Alra un fait 
accompll. 

Precisons: Deux fitcleurs troublent eneore tepea- 
dant le* iiembreux, tres nomkreux imualeur» 

11 ne neue e»t pus penni* de divulgner le premier. 
quanl au sr.coad il regarde nolamineni I* populatioo 
Helge. 

Cesl avec sngoisse. en eitet. qne les cam&rades 
allemand» *« d«stnan«lei»l qge.le sc re 1 ’alniuHe de* 
peupfes cirangor» en ca» de »uiileveineHl. 

Nous nJTIrtnoo* icl saus dnunle de demenli, qne les 
revol'Jlionnaires beides soni tous preis h olTrli leur 
Ahle ponr le irlompbede la revelution eit Alfaioagae. 
Oui m4*m* Irui i»e! 

Le peep'e beide «ftllf r tni senk ermpathique. 

. Lta camareilra Aiiamands ne doivent done rien 
Hr.uudre d« c« eo e qut\b m&rehept hardlmtnl pour 
ta r** volle, nou» pre»*n» feugagotneui de les x aider 


£i «ei uees aecu ***>*Aifces vew an «aiueradae 
Helges el iiuhs lear disene 

Nutu saveos Ions avec quelle mmuUe les eatia 
rsdee aUeioande prepereni leur eoupPiubJ» com me U 
« 9 t oerlain que leur aouliseinent poerraii dlre le n 
gaal de rebrantemenl fdner*! de PEureupe. nous je- 
toiis le cri d’alertne a no* eamai-ades puur qu'lls e«- 
Uinnal de* •ujfurd'hni, par tous »e» mojrens qu'tif 
p«s*dilonl. uue action - publique eu claudcstrne s+- 
loa les neccsai.le« — pour rappeier au momle uotrr 
ideal revolulionnnire. pour enur lonner la voloole de* 
'nlmmte* qui venl er mettre en acllon el poer. de 
ccmiruiö erxorrl avec le» cauisinde* des autres peys, 
ohavser les plouloeralies el v pleCer le penple 

Que chaeua fasse d’urgenee «eo mm*« de con- 
ecieuce; qu'ii se TerliAe des eiemplee des lüttes pas- 
qees; qu’ii s’efforoe de faire des edeplee. 

S’il ue rÄusui pas ta premitre fois, q«‘il reeom- 
nience! 

QuMs so depdehent tous, car le Ump« presse. De- 
mein il.sera peul-4lre irop Urd 

Rappolei vous les parolcs de delresse de Gapone 
et de ecs »mit qui s'apercevaient tont 4 coup qu'ils 
auraient pu sauver u Russie sr seununenl leur» 
Uomsae« svaieot »te prepares ^ 

« El mainlenanl. disait II, neus moarroni quaud 
mime, el comme den Ucheal. * 

U • fallu dout.» aas pour rioarer c*lt« erreur 
Gardons-uoua d« pareille gaffei ici Perranr serait 
inöparabb 

Soysn« prtU 1 

Repaiidons oos idies nettemeol sans concession*. 
doonons uonlbnee aux tnmdes en neue mootraul 
sürs de no» principes. 

Nous tenimes soeialistes-revolntionnaires et neue 
en acceptons toutes les eonpnqttencet 

Anjourd'hui tont ce qui tend vor« le Soanliame 
(l ut eire saufe. Tout ce q/u te eontrarie doil 4li*e 
brise net! 

L'Enrope est au lonmaut de son hutoire- 
Neu* aursns tout au rlen. 

LE S 0 C 1 ALISME OTJ LA MORT' 

Choisisxez! MaraT. 

On nous munde de Cologne 

L*« eamaraitö« S«lg*» so ta udroot «itfivll* «*bi soi«p<« d« la 
tlusiioa «0 AlUensjrv« 

Eil« p«wi UNIUdUMB iliUuaM *M«l: 


h y i meis. l «Ui »«Jur 4«M«rrlt u ns eea^ptrsiiee 

4 berl 4 '«m Ho e ns noners'ix «iavir«s d« gaerr« Uik\Dli k Br«»f 
Rsttbpurg o\Hr* balg«, su q«sir« ««ubves d« o*a»lU tmrsno 
uiciU*. mal» m Itm d'«carte« I» 4lk|*f, I VUH fitondltel 
ganrreaa Ua «uir«e «avUM «Iw aalrw fort» 

Cala M paasall paralllawrat »am aossbr#».! ostnn ioUaanto 
d'obdiaaaiKS dw (roa^aa d'iafa»»i*rt«. 

Lei iroap«« «euaat d» Knui« unreal 1s ouatbta a« dSearroi 
fc»r «cqai d«v*it arrivar. arrtvs. dw maielau et des irospw la 
iBvjQreineiit gatrna le» Ouvn«ft (leex-oi «laieat d«jd activamcui 
travaillds j>ar de» (•aiuplrlet«. 

Die l«ra, le travwJ S*d*l »• Ml posr artirer et asureweut 
aoinel qmr totuka touUa lat tlnaua da In Utilll. car II mcral de« 
afti iere Midi Io« auwi ob (aaeita ccap <|wt cea<nenc« i »« tra 

d«lre par dw aaiotdw et dw dwertieaa. 

aidiiaUlratioa« aaaai aoat trda iarUanu allem lei par le 
aaavamaal. « pour rap|>«l«r un ajot d as gdadrsl; « auesiu frei« 
WathMgkoant aa pearra pin i’arrdtcr ». 

11 wt pesaibb faa 1« aoa*emeut ouvart s'afvdts aa iastaai 
aalt il wt cartaio ^a'*a aa »aora plue 1‘arrdtar et ^a^U raaaltrait 
bien vila dt aas candraa, el alare, ssaUiaar d wes t*U a> 
•ppaaaraat. 

Ka Ailetaagae, U rdaatioa Jane sw dentUrcs asriaa. 

11 (aut ^e*ü aa aeil da mdma parteat. 

Ptentui pwttiwn! LA. REVOLTE. 

OU SONT-ILS? 

Osf la queslion que nous posent les ro- 
pains depuis longlemps dejd. 

([LS, ce tont les militants syndicalistes 
et revolytionnaires.) 

Et que poueons-nous repondret 

Oü Ue sontT 

Les uns en Francs , en Angleterre, en 
Hollnnde,, . d Labri! 

Les aulres, obtervant anssi scrupuleasc- 
ment que tdcherncnl ta honieuse tr&re des 
purtis, pesent du euere, des palales; distri - 
buenl du pain, de la eoupe; appliquent des 
regtements ciussi iniqnes qu’autocratcs;con- 
trClent , cachetenL, engueutenl, les pelitt siu~ 
vant l’exemple des gros, preoccupes sui tout 
d’enlrcr toujaurs plns avant dans lc fromage 
et desireux que cel etat de cLoses change le 
moins vite possible. 

De la lutte des classes, plus un mol, et s 


PREMIERE ANNEE 


Le 

Flambeau 

REVUE BELGE 

DES 

QUESTIO NS POL1TIQUES 


75 Aoüt 1918 


• O M M AI R U • 


t 

Lautre Danger 

VoMCX, 

2. 

Null d’aodt 

TrurfeE 

3. 

Nos Alliis de l Europe Centrale Les 



Tchlco-Slovaques 

Saint George* 

4. 

Profils dtfaitistes. II 

Th£opmraste 

5. 

La Liberti du Commerce 

Vtouus 

6. 

Les Faits et les Geltet 

Epmore. ' 

7 

8 tin celles . 

SCINTILIA 


Nr 15. 


1916 


De Vrije Stern 

Belgisch orgaan voor de provincie Antwerpen 

Verschonende gedurende de Duitsche Bezetting 

Burerien en Rcdai nr . TeleyrjpTuwrh jire, 

HOTtL DF.R l'ATRIOTTEN Kommandantur-Aniwcrpen M^(-e 

Ht-jjijm-nsir.-iai «< I Mm < mH- y\ < V yi- 

AAN ONZE MEDEWERKERS 

Gansch dit ruunmer is gevuld mel bijdragen van medewerkers. /oo- 
dat ditmaal de redactie geene gelegenhcid had een regel le kunnen 
plaatsen. Wij verheugen ons over dien bijval. Enkel een klein verzoek 
dat onze medewerkers hunne artikels nie» te lang maken, ten emrte er 
zooveel mogelijk plaats te kunnen verleenen De Redadie 


Van de drie sonderbare Redders van Viaanderen. 

MIJN VLAANDREN QOVENAL ' 

Naar ’t allereerste punl der « activisten . leer. 

Dacht Borms, is alles goed als 'i Vlaandrens zege baat; 
Hij druktedusaan ’t hart den Duitschen onverlaai 
* Die zijne Moeder schond en sprak ik dank u zeer ' 


DE TWINTIGSTEEUWSCHE SNEYSSENS 

Op wien zal Sneyssens’ oog met recht algunslig turen '* 
Op doctor Jacob dia^ de reddervan zijn slam, 

Niel wachtte tor '»bevel van dienst le nemen kwam 
Om onvölprijsbre daad. zijn heldenpiek ie schüren ' 

* = Er uit trekken om geen soldaal le moeten worden 


PIJN IN *T HAAR ' 

Geen Asquilh al ie vaak mel - kaizenschmerz • gekweld. 

Behoeti le spreken als he' Vlaandrens toekomst gcldt. 

Du hoor' een held. die nooit van haarpijn heeli geweten 

Heer Luc van '• • Viaamsche Nieuws • of Raf Verhulst geheeien ' 


N« I 


LA VERITE 


PUBLICATlON PtRIODIQUE 
NON CENSURtE 



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Original frorn 

PRINCETON UNIVERSITY 








Februar! 1917. 


N* *. 


PAT RI E! 


DEVUAMSCHEW ACHTER 

Dü!» VaPERLAMT CHETHpnwt 
BlIJF IC* TOT INDEX Pool. 


Journal non nsure paraissanl c mme. uü el quai d il prui 

• famun mir lemme ne m o ow ,f sur 

• Its f.iTx-nt barhr.rr, et menlrius comme toujours - ce inn dit I* (toi 

• Cesl r epnl-tlle qnt raus • evrr ir 
mail parle n unr Lirgone 


SOS ILLUSTRATIOKS 

• Stdachon • 



Wtsl-ce pas qutjr jo/j mt faire aimer * 


La Coionie Allemande d’Anvers. 

Notre correspondxnt d'Anvers nous envoie I* suite de 
son Itude 

H. Albert, deuiikme psrtie 

Eh ! Mon Die«, out. deuxitme parlie. H. Albert von 
Bary. ci-dmnt de Bxry, chel de Ia Coionie Allemande 
4 An»erj. mlrite qu'on t'arrtte et qu'on Itudie en lui le 
pro io type du genre toul entier C'est-4-dire d'une part le 
bocb« restl bocbe. envoyl en Belgique pour le Service 
des renseignemenls, et d'autre pari le boche naturalisl 
beige, mau res« au Service de l'expansion commerciale 
«t industrielle allemande. L'origine et le caractdre de von 
Bary eipliqucnt, nous l'avons dit, cette dualjtd en lui. 
Elle s'est du reite exUfrionsde en ses ftls. dont l’un e«t 
odicier allemand en actlvild, et l’sutre naturalisd beige. 
Rssturez-vous. Smes sensibles, ce demier a'esl pss dans 
t’srmde des Allids 

Dar.s la prrmiire partie de cette Itude. i’ai expliqud les 
raiaons pour Inquelles la premikre des missions de Mon¬ 
sieur von Bary a dt< un lamentable fiasco. II nous reite 
a roa comment lui et lcv«utres membres de b «Coionie* 
oot su prendre eher nous bnt de place au soleil. 


Venu un des Premiers .i 4u.ee« apres >a 'ibAr»i>o«i 4e 
rEscaul. H. Albert lut assoc.c en 1892 aut *fli..r. 4W 
des meilleures maisons anvervjues Oua're assoe m. -•*• 
pital 2 ÖOO.OUO Fr».. pan de «on Bary Frs 100 OOO.p-n 
du capdal Beige 2. JOO.OOO Frs. En T880.U eapnat Beige 
dans l'aRairedtait deji reduil S Fis. I 800.000. n le ca 
pital allemand porll par i'enlrde dans la co«ibin*.so» de . 
b Oisconio Gesellschati 1 Fr« I.HOO.Oi«) van< .ompier 
lapart.de Bary' En 1900 le ^apitnl Beige e> «hjuit 4 
Frs. 1.400 000. le Capital allemand esi mome 4 Fr* 
3.6O0 000. donl 2.359.000 «pparti^wrnt 4 ta 'annlie de 
Bary (Fr$. 50.000 ton' dorm es au Baron IV «<•»i Mir- 
bnth. le gandre, pauvre «im doule. m» s ^c Kernen i ii- 
ird et apparentd dans les cerclea les plu» intimes de 
Flmpdrairice d'Allemagne. ou s'en sonvieni.l En 1907 
aug me nt,ition de capiial moyennant prdlivemen' sur les 
bdnefices En voici U rlparlinon. elleesi msfructivr 
50 actions 4 H. Albert. 

250 • a rdparlir enlre H Albert dt Bary, Geor¬ 

ge» de Bary. Mariano de Bary Albert de Bary ei William 

Le feste au» propndlairea d'aelions ordma res. soit • 

105 actions 4 H. Albert. 

12 1/2 • a Georges de Bary. Irere 
2 1/2« 4 Mariano de Bary. bis 

2 12« 4 von Mirboth. gendre 

2 1/2« 4 All. Havemth. adm ddl de la Banqu« 

d'Anver». 

32 1.2 * Ab DuconloGesellschall. 

462 1/2 au total 

Cakulei : il resle 

37 1/2 sur 506 pour le capitsTBebe. 

En 1910 mdmr peiile Operation. En 1912 mime petile 
Operation 

fl Sans b guerre cela aurait pu conlinuer 

Nous nous en voudrions si nous n'ajoutions pas qu'en 
1911 par earmple Frs. 935.000 onl eie dtstribue* en di- 
videndes et Frs. 939.900. nous disons 939.800 Francs en 
tanlümci. 

Toul ceci n'est pas un secret. II auffil d’ouvrir et de 
compulter les annexes au Momleur Beige. Chacun peut 
se livrer 4 ce patse lemps el laire pour nos diverses mai¬ 
sons allemande* ce perlt calcul. II arrivera dans lous les 
cas 4 des rdsulhls analogues. 

Toul cecim'eit pas non plus un reproche. H. Albert, je 
»ous prje de le croire. Vous nous avei assei souveni 
bisse enlendre dans 1'iiMimitl que le secret d'un paretl 
succis etsit bien simplt. De l’mtelligence et du travail. 
Cela eiptique tout. Cela suflii aussi dans votre pensde 4 
expliquer b dispsrition de maisons Beiges, et cela aulfil 
4 exphquer que dan» tous ces bureaux allemand* 4 An- 


~tsl an devoir pour toul patriole de faire clrcultr ce Journal aupr&s du plus grond rtombre possible de lecteur . 


Den rrrdr pm rtr<i rrnlr dm rrrdr Irr allen p'ljn willen, le lof en toddehol. vH) moerrn mrl mm grh/lmontier pmrtrululliehmd 
aaeranrdee hm rertl rn hm onreiht. de waarhmd ta dt {tagen; km enrttkl mom gnrvkrn 4t watr* ktrttthl worden de woorkmd 
regeritren • Ktam«>»i Unc n 


Wat de activisten niet weten of... vergeten. 

Dat Pruisen Dullschland in Augustus 1914, mel verbre¬ 
it mg van zijn eerewoord, ons vaderland ovcrrompcld heelt. 

Dat deze overrompeling gebeurd it op zoo wreede wijze, 
dat ze geheel de beschaaMe wereld met atgrijzen en ont- 
/etting vcrvulde. 

Dat de overweldiger getracht heelt ons te bezwadderen 
en te onteeren. oin hei mcdelijden, dat de wereld met ons 
had. le smooren. . - < - «y- 

Dal dir overweldiger ons nog lederen dag plündert en 
utizuigt zooats noott een beschaafd land door een ander 
geplunderd en uitgezogen is. _ ■ 

Dal dtezellde overweldiger. ons arm volk. dal liever ge- 
brrk lijdt dan zijn vadrrlandsch cergcvoel en plicht te ver 
/aktn. mel dutzrnden wegvuert paar het vijandelijk land, 
om ze als slaven te gebrntken. . . 

Dal er wraakroepende zonden zijn : misdaden, die om 
stral en herstrl roepen met eene slem zoo strrk dal ze in 
den hemel grhoord wordt 

Dat de onverbtddelijke eisch naar rechtshrrstel geheel 
goed kan samengaan mel het gebod der naastenlielde. 

Dal het bestaan van gendarmen en polille volstrekt met 
met Christus' lieldegcbod in sirijd is. 

Dat zij die roepen : • Onze Melde voor Viaanderen is 
grooler dan onze haat legen de Duilschers • trllelijk niets 
anders beweren dan dit : • Onze alkeer voor erikele 
schreeuwerige Wallonrsanten is grooler dan onze alkeer 
voor de landsvqanden • «*.»♦ ** 

Dat zij er v6ör «Jen oorlog noott aan gedacht hebben, in 
Berlijn, zelfs maar DIPLOMAT1EKEN steun te gaan bede- 
len voor de vervlaamsching van de Gentschc hoogeschool. 
en dal zij nu. IN DEN OORLOG. zeih den MILITAIREN 
neun vragen en mel gretigheid aanvaarden van een eerloo- 
zen vijand. . >»- 

Dal het laag en gemeen is. pressic le willen uitoelenen 
op de eigen landsregeering, mel behulp van den vijand. 

Dal een volk nooil groot wordt met läge middclen. 

Dal ZELFBEHEERSCHING de eigenschap it van een 
volwassen man, en van een volwissqp volk. 

Dal de aciivisten die zellbeheersching nie! bezelen heb 
ben, maar als een onmondlg volk gegrrpen htbben naar de 
schiltcrlng van het oogenblik. 

Dal zij daardoor het recht verbeurd hebben te mögen 
opireden als letders van een mondig volk. 

Dat het geroep van een paar onverantwoordelijke schrij 
velaars : « ln Belgiquesera latine ou ne sera pas, ■ ■ aprts 


la guerre il n’y aura plus de flamand ■ en7 ntet voldoende 
was om VUanderen in doodsgevaar le verklären, en hei 
vprwijt le mögen op zieh laden. to< zoogezegde redding 
van dal Vlaandcren. te heulen mel den vqand. 

Dat die z. g activisten het grvaar waarin Vlaanderen 
verkeerde van Fiankrijks zijde. opzellelijk overdnjven. en 
het veel grooler grvaar. waarin dalzeilde Vlaanderen dooi 
Duilschland geraahi was. even opzellelijk verkleinen, a 1 * 
zij het nn-i geheel rn al onikrnnen. 

Dal hlj. die op dit oogenblik, de Belgische staatsidee ver 
zwakl. beztg is den tak door le zagen waarop hij gezelen is 
Dat de Mete VI.A \MSCHE LEEUW • bedekt met bioeo 
en slijk • zieh met laat allikken door een hasterd arend 
met zijn jungen. Passtvim 


VERGCLIJKINGEN. 

Voor de duidelijkheid is dtkwijls niets beter dan een juis 
le vergelijsing. Zoo denkt er de • Erndrarht • ook ovei. en 
daarom geeit ai) er in ledere allevrring een hattdo/ijn. uit 
gewerkte ol maar even aongrduide. Wal daariegrn in te 
hrengen? Aantoonen dat die vcrgelijkingrn mankgaan'i 
Niets gekört de Erndrachl is u al voor. • Zekcr zeg» /e 
de vergelijking gaal mank — en inoet mank gaan ander« 
wäre het geen vergelqking meer • (Eend n' 17 ) Dal wart 
wcrkrlqk jammer! Maar zoudlgeniet /eggen dat de setmj 
ver bedorlt : hoe manker dal te gaal hoe beter de vergelq 
king is?! Tenminste als men sommige vetgrM|kingen Irrst, 
zou men waarlijk Seggen daLze met opzrt mank gemaakt 
zijn. zoo weinig punten van overeenkomst zijn ei tusschen 
de vergtleken zaken. Enkele voorberlden. 

Een man ligt in zee. • Niemand aan boord die hetpen kan 
ol durtt. Toch wel. Ein waagt lieh in een bool en bereiki 
den drenbehng. Deze is grred. Zijne hand herft hij maar uit 
te stekrn naar de boei die hem wordt toegeworper Maar 
hij erkent den man die hem ter hulp snelt Hel is zijn douds 
vijand die zijn huls vermelde, zijne havr roolde. zijnp 
vrouw rn kinderen vermoordde. Vol algrijzrn en haat wrndt 
hij he« hoold. sloot de bool die hem rrdding brrngi van 
zieh weg, verdwijni in de dirpte en verdrinkl... 

Eene tweede vergelijking. waar eene oude vrouw uil een 
brandend huis geted wordt, door den brandstichter zeit, en 
voor de voeten van den zoon gelegd wordt. die den reddet 
vioekrnd van zieh afstoot. is van het zrlfdr kaliber. • De 
grvaltrn. de teilen zijn verschillend — zegt de schrij ver — 
mair de WIJZE waarop en de REDEN waarom in die ver 
schillendr gevallrn gehandeld wordt zijn dezrllde. • Ja. da 
lieg! der Hase im Pletter, zeggen de motten, m. a. w. daar 
ligt de knoop I 


Elk atukje koper dat wyj den Dnitach bezorgen wordt een koget die ona broedera dooden aal. 


kmti , 


9 JUIN 1917 


N* 102 


N« 8. 


Mars 1916. 


Revue de la Presse 

Ancienne * Revue Hlbdomadaire de la Presse Francaise * 



= SOMMAIRE: .fr 

LEURS YEUX S OUVRENT. 

LES ALLEMANDS PEINTS PAR EUX-MEMES. 

LETTRE DE S. E. LE CARDINAL MERCIER AU GOUVERNEUR G£n£RAL. 

LETTRE DES SfcNATEURS ET D^PUTtS DE L ARROND1SSEMENT DE MONS 
* - AU PRINCE HERITIER RUPPRECHT DE BAVlERE. 

POUR L UNION DES BELGES ET LA RESTAURATION DE LA BELGIQUE : Une 
belle manilestation d’umon patnotiquc (XX f Stiele). — Contre les traitres(Le7Y/n/jj). 
La restauration des rlgions dl vastles {Le XX' Siecle ).' 

LA MORT DU GENERAL WIELEMANS (L Illustration, avec 4 clichls). 

NOS BRAVES (Le XX' Siide. avec un cltchl) 

LA VALEUR DE L ENTREE EN SCENE DES ETATS UNlS Au pays du super- 
latil. — De l'Amlrique et du Ttgre {Le Figaro). * 

LES EVENEMENTS DE RUSSIE • Les rlvclanons du glnlral roumain lllesco. — Guerre 
et Rlpublique. Jlncho. {Le Temps). 

LESATROCITES ALLEMANDES* DANS LES REGIONS üBEREES. (Le Figaro.) 

VARIA. - COURRIER DE BELGIQUE. 


L. 



Digitized by 


Go» 'gle 


. L’Ame Beige 

... L äme beige que les siicles ont petrit 
de loyaule ct d’biroisme et qui passera 
inviofie et immorteüe aux gtntrations 
- - futures. 


M. ADOLPHE MAX 

Bourgmeatre de Bruxellea 



Accrpton» proviaolrement les aacriflcea qui 
nous sont Imposds... et attendons pallem- 
ment l'heure de la rdparation. 


Original fro-m 

PRINCETON UNIVERSITY 











Composition de C Lafrousse 


Portrait extrait du Die Wochenschau 

Depuis un an dt\ä je te cherche nuit et jour. 
Petite abhorree. tu ra’6chappes toujours. 


Dessin de E. Papeur 


Go gle 


Original from 

PRINCETON UN!VE 


--'■r-y r\ v ' ' 




NUMERO 62 DEUXIEME ANNßE FEVRIER 1916 

PRIX DU NUMERO — elastique, de zero ä Tinfini (pnere aut revendeurs de ne pas depnsser cetic timite) 

LA LIBRE BELGIOUE 


J'ai Coi dans cos destinees un Pav* qui se dAfend sunpose au cespect pQ W[) 6 c Envers les personnes qui dominent par U io ree mibuure notre pars, 

detous ce pays ne p^rit pas! Dicu sera avec nous dans cette cause ayons les 6 gards que coinmandc 1 intArdt n^neraJ Resi>cctons les 

l“»*® ALBERT Roi oes Bblgbs 14 aoüt coi«) rfvDiDD c riglements qu’elles nous impusent aussi longtcrapi qu'ils nc portent 

LE I er r bVtvlEK [Ql 5 atteinte ni 4 la libert* de oos consciences clrAtiennes ni i ivotre 

lif? UPDPIDII 


ALBERT Roi des Beiges 14 aoüt sqüI 
Acceptons provisoirement les sacrifices qui oous «out imposAs... 
et attendons patiemment I heure de la rtpaxation. A MA_X 


DigniU Patriotique . 


M r MERCIER. 


CHAGRIN D’AMOUR 












































Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum 


hatten und daher genau genommen der periodischen 
Presse im eigentlichen Sinne nicht zugehören. Es sind 
dies die auf drei Nummern berechneten, den Drucke 
ort Le Havre aufweisenden »Lettres d'un provincial ou 
Les propos du conseillerEudoxe« (Format 10V2 * 15 1 /2) 
mit 15,16 bzw. 23 Seiten pro Nummer, die am 1. April, 
15. April und 22. Mai 1916 wohl in Brüssel gedruckt 
wurden und die »Cä et lä« betitelte Flugschrift (For* 
mat i5V 2 X2i>, deren zwei Nummern von je zwölf 
Seiten im September und Oktober 1917 in Brüssel 
herauskamen. 

Die »Lettres d'un provincial« behandeln durch drei 
Briefe hindurch ein juristisches Thema: die Auslegung 
des Art. 43 der Haager Konvention über die Gültige 
keit der vom Eroberer eines Landes erlassenen Ver¬ 
ordnungen als Gesetze und lassen einen Juristen als 
Verfasser vermuten, der in seinem Pascal gut Be* 
scheid weiß. 

In »Qä et lä« behandelt ein Kleriker in einer »Pour 
la liberte« betitelten Abhandlung, nicht ohne Seiten* 
hiebe auf die Freimaurer, Fragen wie die nach der 
Trennung von Kirche und Staat u. ä. In einem der 
Flamenfrage gewidmeten Artikel »Flamands et Wal* 
Ions« ist sich »Qä et lä« mit allen übrigen Geheim* 
blättern in der völligen Ablehnung des in Szene ge* 
setzten »Aktivismus« als einem * honteux mouvement«, 
das aufs äußerste zu bekämpfen sei, durchaus einig. 

Die kleineren Periodiken, wie »La Pensee libre« 
(Format 12^2 x 177s>, »Vers l'avenir« (Format 
22x28) mit der Devise: »La Belgique aux Beiges«, 
ferner »Varietes et actualites« (Format 14x22) und 
»L'Echo — de ce que les journaux censures n'osent 
ou ne peuvent pas dire« (Format 10V2 x 13V2X sämt* 
lieh aus den Jahren 1915/16 stammend und unregel* 
mäßig im Erscheinen, dürften bereits zu den schwer 
erreichbaren Seltenheiten gehören. 

Ähnlich steht es mit den in flämischer Sprache ab* 
gefaßten sogenannten »Bookjes van den Yser« (For* 
mat 10^2 x 1372), und mit »Onze Courant« (Format 
18x27), einem kleinen, anscheinend in Mecheln ge* 
druckten Blättchen. Recht selten dürfte auch ein vier* 
seitiges flämisches Kampfblatt sein, das den Titel »De 
vlaamsche Leeuw«, Vaderlandsch Propagandablad 
(Format 22 x 28) führt, das in Antwerpen gedruckte 
flämische Gegenstück zu der »Libre Belgique«, das 
als Sitz seiner Redaktion »Kommandantur, Brussel 
rechtover de Drukkerij van La libre Belgique« angibt. 
Etwa im Mai 1916 gegründet, dürfte das anscheinend 
wenig verbreitete Blatt nicht allzulange bestanden 
haben. 


□ ifitized by Gouole 


Wesentlich größeren Wirkungskreis hatten da* 
gegen zwei typisch flämische Publikationen, die Ende 
1915 zutage traten. In Antwerpen kam im Sep* 
tember 1915 die erste Nummer von »De vrije Stern«, 
Belgisch Orgaan voor de provincie Antwerpen 
(Format 1372 x 2^/2) heraus. Bis zum Beginn des 
Jahrgangs 1916 waren acht Nummern erschienen, 
Nummer neun beginnt den neuen Jahrgang. Die 
bis Nummer 21 sechszehnseitigen Heftchen wurden 
ab Nummer 22 wegen Papiermangels auf größeres 
Format (20 x 2672) gebracht und ihr Umfang auf acht 
Seiten reduziert. 

Etwas früher als »De vrije Stern« dürften die 
»Droogstoppel * Broschüren« 1 (Format 18x27) ihr 
Erscheinen begonnen haben. Als Redaktionsadresse 
wird »Janus Droogstoppel, Lauriergracht 37 Amster* 
dam« angegeben; der bzw. die Verfasser redigierten 
und druckten das Blatt indessen in Antwerpen. Etwa 
25 sechszehnseitige Nummern dürften vorliegen. 

Jüngeren Datums ist das im Januar 1917 mit 
Nummer 1 beginnende flämische Blatt »De vlaamsche 
Wächter« (Format 2P/2 X28), das vierseitig erschien 
und nicht allzulange bestanden haben dürfte. Mit 
dem Motto: 

»Den Vaderlant gethrouwe 
Blijf ick tot in den Doot« 

kennzeichnet es seine und zugleich der vorgenannten 
Blätter Richtung, die sämtlich nichts von der die Ein* 
heit des Landes störenden »Flamenpolitik« des Be* 
setzers wissen wollen. Sie stehen an Feindseligkeit 
den französisch*sprachigen Genossen durchaus nicht 
nach und erblicken ihre Hauptaufgabe darin, die flä* 
mischen Landsgenossen zu warnen, sich an die Ab* 
trünnigen anzuschließen. 

Die Gemütsveranlagung der Flamen, die Dinge 
ruhiger — deswegen aber nicht minder ernsthaft — 
hinzunehmen, wie sie auch in ihrer Geheimpresse 
zum Ausdruck kommt, möchte zu der irrigen Auf* 
fassung führen, die Tendenz der flämisch*sprachigen 
Geheimperiodika sei wesentlich verschieden von der 
der französisch*sprachigen. 

Es mag freilich zunächst ganz »gemütlich« klingen, 
wenn beispielsweise in De vrije Stern (1916 Nr. 20 
S. 14) ein »Aan de dütsche Vlamenforscher« gerich* 
tetes Gedicht beginnt: 

Ze schrijven over Belgie boeken vol 
maar alles klinkt zoö troosdoos leeg en hol, 

1 Droogstoppel = Figur aus dem flämischen Puppentheater. 

3 


Original from 

PRtNCETON UNIVERSITY 





Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum 


dat men, voorwaar, stilaan dürft twijflen aan 
den ernst van onzen »denkenden« Germaan . .. 
Aber es kann sich wohl niemand dem bittem Emst 
verschließen, der zum Schlüsse der Verse in der bar* 
sehen Aufforderung zum Ausdruck kommt: 

Zwijg over Viaanderen dat ge nie begrijpt: 
Geen duitsche bloesem 1 die in Viaanderen rijpt. 


Want van ons Volksziel 1 hebt ge geen belul 2 
en — heel uw kletsgepraat 3 Staat onder nul. 

Spätere Zeit mag, wenn es ihr beliebt, aus der Tat* 
sache der belgischen Geheimpresse als einem Schul¬ 
beispiel entnehmen, daß sich die öffentliche Meinung 
eines politisch regen Landes wohl kurze Frist, aber 
nicht auf die Dauer unterdrücken läßt. 


^m 14. Januar 1919 ist Otto R. Bossert, der be- 
/ \ kannte Leipziger Graphiker und Professor an 
A V.der Akademie für graphische Künste, einer 
schweren, hartnäckigen Lungenentzündung zum Opfer 
gefallen. 1874 in Heidelberg als Sohn eines Hand- 
werkers geboren, hat sich Bossert unter drückenden 
äußeren Umständen lange Zeit in hartem Ringen um 
Anerkennung wie um einen seinem innersten Wollen 
homogenen künstlerischen Stil abgemüht. Kostbare 
Jahre gingen in Karlsruhe <1889 bis 1895), Köln <1895 
bis 1896) und Leipzig mit reiner Brotarbeit unwieder¬ 
bringlich verloren. Zu dieser Zeit beschäftigte er sich 
abwechselnd als Zeichenlehrer, als Musterzeichner, 
Dekorationsmaler und Vorlagenzeichner für allerhand 
»Kunstanstalten«. Auch in Leipzig hat der einem ge¬ 
wissen geschäftlichen Unternehmungsgeist und einem 
vernünftigen Lebensgenuß keineswegs abgeneigte 
Künstler in verschiedenen Kunstzweigen und künst¬ 
lerischen Ausdrucksformen lange Zeit herumexperi¬ 
mentiert, um schließlich, nahezu ein Vierziger, zu einem 
selbsterarbeiteten, persönlichen Stil zu gelangen. 

Den entscheidenden Wendepunkt in Bosserts Ent¬ 
wicklung bedeutet das Jahr 1905. Der Leipziger Künst¬ 
lerverein schrieb damals auf Klingers Veranlassung 
eine Aktkonkurrenz aus, und aus dieser ging Bossert 
als Sieger hervor. Weitere Kreise wurden nun auf 
sein erstes Streben aufmerksam. Eine längere, für 
seine weitere künstlerische Entwicklung äußerst be¬ 
deutungsvolle Studienreise nach dem Süden ward unter¬ 
nommen, und nach der Rückkehr begann eine Tätigkeit 
als Lehrer an der Akademie, die bei Bosserts aus¬ 
gesprochenem Lehrtalent reiche Früchte getragen hat. 
Die Beschränkung auf das Graphische, die seine neue 
Stellung ihm auferlegte, hat ihm als Künstler keines¬ 
wegs zum Schaden gereicht. Sie war vielmehr indirekt 
ein Anlaß für ihn, sich ganz aufseine individuelle Be¬ 
gabung für einen tüchtigen, festen Kontur, klare Zeich¬ 


Zum Tode Otto Richard Bosserts 

Von Dr. HERMANN VOSS, Leiter der Städtischen Graphischen Sammlung in Leipzig 


nung und lineare Rhythmik zu konzentrieren. Obwohl 
er sich als Maler auch mit dem Impressionismus aus¬ 
einandergesetzt hat, lag sein Ideal im Grunde durch¬ 
aus nach der entgegengesetzten Seite. Alles sich im 
Helldunkel Auflösende, alles, was die Form und den 
tektonisch klar aufgebauten Raum verflüchtigt, wider¬ 
strebt seinem ausgesprochen süddeutsch-alemannischen 
Formensinn. Auch in der Bewegung sucht er nicht 
wie die Impressionisten das Momentane, gleichsam 
im Fluge Erhaschte, sondern das Typische, Monumen¬ 
tale, kraftvoll Rhythmische. Mit der Farbe, wie sie 
die deutsche Malerei gegen 1900 verstand, wußte er 
überhaupt kaum etwas anzufangen, während Cezanne, 
mit dem er sich 1911 in Paris näher beschäftigt hat, auf 
sein malerisches Sehen stark anregend wirken sollte. 

Einige interessante malerische Versuche abgerechnet, 
die einen ausgesprochen eigenwilligen, herben kolo¬ 
ristischen Sinn verraten, ist Bossert in erster Linie stets 
Graphiker geblieben. Vielleicht kann man behaupten, 
daß kaum einem der heutigen Generation die strengste, 
ursprünglichste aller graphischen Ausdrucksformen, der 
reine Kupferstich, so sehr entsprach wie ihm. Leider 
ist er erst gegen das Ende seines so unvermittelt und 
grausam abgeschnittenen Lebens zur vollen Erkenntnis 
dieser Tatsache gelangt. Seine ersten Bestrebungen 
galten der Radierung, der ja stets ein gewisses male¬ 
risches, formverschleierndes Moment innewohnt, und 
daneben dem Holzschnitt. In der letzteren Technik er¬ 
reichte er sehr bald eine persönliche Note. Zwar 
schien ihm ursprünglich — wie so manchen andern 
seiner Zeitgenossen — eine gewisse Derbheit und 
äußerlich dekorative Wirkung besonders holzschnitt¬ 
mäßig und daher erstrebenswert. Allein diese enge 
Auffassung ward bald überwunden. Bosserts Holz¬ 
schnitte aus seiner reifen Zeit weisen vielmehr einen 
vielgestaltigen und dabei gesetzmäßig durchgeglieder¬ 
ten Reichtum auf,- sie gemahnen mit ihrer glücklichen 

1 Volksseele. - Begriff. :l Gewäsch. 


Digitized fr, 


Google 


Original from 

PRINCETON UNiVERSITY 




Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum 


Schwarz-Weiß-Wirkung wie durch ihren klaren 
Reichtum an Form geradezu an die besten Zeiten 
des deutschen Holzschnittes. 

Spröder erwies sich Bossert die Radierung. Zu dieser 
an sich wesentlich differenzierteren und feineren Technik 
zog ihn naturgemäß derWunsch hin, sein abgetöntestes, 
innerstes Empfinden aussprechen zu können. Auch 
als Radierer beginnt er mit Blättern von einer nicht 
unbedingt erfreulichen dekorativen Haltung, Vorzugs* 
weise größeren Formaten, die er mit einer nicht ganz 
auf eigenem Boden erwachsenen technischen V irtuosität 
zu bewältigen sucht. Später experimentiert er in ver* 
schiedenen Manieren herum, ohne jemals das ihm klar 
vorschwebende Ziel voll zu erreichen. »Cyklon« wie 
die beiden Folgen »Meer« haben wohl in der Kom* 
Position und Formenbildung eine starke persönliche 
Haltung, in der Bewältigung der graphischen Mittel 
fehlt ihnen jedoch bei aller technischen Kultur jene 
zwingende Gewalt, die auf dem vollkommenen Ein* 
ldang des Individuums mit dem ihm dienenden Instru* 
ment beruht. 

Diesen Einklang vollkommen zu finden ist Bossert 
erst in seinen letzten Jahren gelungen, als er es in der 
Handhabung des Stichels zu einer solchen Sicherheit 
gebracht hatte, daß seine Stiche zu einem hemmungs* 


losen Ausdruck seiner künstlerischen Vision werden 
konnten. Sein letztes, nicht völlig vollendetes Werk 
»Land« wird als imposantes Denkmal dieser allzuspät 
gereiften und nun so vorzeitig geknickten Meisterschaft 
für seinen Schöpfer zeugen. Bossert, der mit dem 
Bauern und dem Landleben seinen künstlerischen Ge* 
sichtskreis eröffnet hatte und dann im Bannkreis der 
italienischen Natur und Kunst lange Zeit in dem nackten 
menschlichen Körper den Hauptinhalt seines Strebens 
erblickte, ist am Ende seines Schaffens wieder zu dem 
früheren Ideal zurückgekehrt. Mögen es auch in ent* 
scheidenderWeise künstlerische Notwendigkeiten sein, 
die hierbei mitgesprochen haben, in diesem Zurück* 
greifen auf die elementarste und notwendigste aller 
menschlichen Tätigkeiten liegt in jedem Falle ein 
tieferes menschliches Bekenntnis zur Ursprünglichkeit 
der Natur und des Volkes, dessen Sohn er war. Er 
benutzt nicht wie manche Früheren den Bauern, um 
»rührende« oder »trauliche« Milieustimmungen zu 
erreichen, sondern verherrlicht in ihm den Träger der 
einfachsten, der ewigen menschlichen Instinkte. Die 
edleEinfachheit undMonumentalität der künstlerischen 
Sprache, die er in diesen reifsten Schöpfungen erreicht 
hat, macht Otto Richard Bossert der deutschen Kunst 
unvergeßlich. 



O. R. Bossert: Pflügende Bauern 


19 


3 * 


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Original frn-m 

PRIWCETON UNIVERSUM 












Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum 


Mitteilungen aus dem Deutschen Kulturmuseum 


us Anlaß der zweihundertjährigen Jubelfeier des 
/ \ Hauses Breitkopf Härtel veranstaltete das 
JL Museum eine kleine Breitkopf*Ausstellung, 
wozu die Firma in dankenswerter Weise aus ihrem 
reichen Archiv eine Anzahl wertvoller Urkunden, 
Manuskripte und Drucke zur Verfügung stellte. Die 
Pergament*Urkunde des Geburtsbriefes Bernhard 
Christoph Breitkopfs vom 22. Juli 1719, die wohl zur 
Aufnahme in die Buchdruckerinnung gedient hat, er* 
öffnet die Reihe der ausgestellten Dokumente. Recht 
interessant sind die Einblicke, die durch Manuskripte 
und Drucke in die Baugeschichte des alten Geschäfts* 
hauses gewährt werden. Mancherlei Gedichte haben 
sich noch erhalten, darunter handschriftlich ein solches 
»bey Anschlagung des Crantzes auf dem Hinter*Gebäu 
des Goldenen Bären 10. Sept. 1732«. Unter den Aus* 
lagen sind beson* 
ders bemerkens* 
wert Gottscheds 
Verse »An Se. 

Wohledlen Hn. 

BemhardChristoph 
Breitkopf, im Jahre 
1736 Bey Vollfüh* 
rung seines schönen 
Baues«. Gottsched 
ist in der Ausstel* 
lung besondere 
Aufmerksamkeit 
geschenkt worden, 
da er mit dem ersten 
Breitkopf in engster 
Freundschaft ver* 
bunden war und 
lange im ersten 
Stock desGoldenen 
Bären wohnte. 

Viele seiner und 
seiner Frau Schrif* 
ten sind bei Breit* 
köpf gedruckt und 
verlegt worden. Bei 
dem Umfang der 
Firma schon in den 
ersten Jahrzehnten 
ihres Bestehens war Bernhard ehr 


a) Ausstellungen im Deutschen Kulturmuseum 



Bernhard Christoph Breitkopf 


es natürlich nicht möglich, bei der Enge des Raumes 
ein vollständiges Bild der verschiedenartigen Tätigkeit 
zu geben. So konnten nur die wichtigsten Erzeugnisse 
der Breitkopfschen Offizin aus der ersten Zeit aus* 
gelegt werden, darunter die »Acta eruditorum«. In« 
teressant ist es, bei den vielen ausliegenden Drucken 
auch das Signet der Firma im Laufe der Jahrzehnte 
zu verfolgen. Johann Gottlob Immanuel Breitkopf 
ist in der Ausstellung besonders gewürdigt. Seine 
Werke liegen alle aus, darunter der »Versuch, den 
UrsprungderSpielkarten, die Einführung des Leinen* 
papiers und den Anfang der Holzschneidekunst in 
Europa zu erforschen« vom Jahre 1784, »Über die 
Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst« 1779 
und »Über den Druck der geographischen Charten« 
1777. Was er für den Landkartensatz, für Tapeten* 

_druck, für denMush 

kalienhandel gewe« 
sen, zeigen nicht 
weniger als drei 
Vitrinen. Nicht nur 
Technik des Buch* 
und Musikalien* 
druckes, auch Ge* 
schichte und Kunst 
verdanken ihm vie* 
les. Kein Wunder, 
daß bei seinem 
Ableben »gerechte 
Klagen dem An* 
denken Johann 
Gottlob Immanuel 
Breitkopfgewidmet 
von dessen sämt* 
liehen Offizinen« 
am 2. Februar 1794 
im Drucke ausge* 
geben wurden. Die 
Wände schmücken 
Bilder der Breitkopf 
undvielerAutoren, 
Schriftsteller und 
Musiker, deren 
Werke bei Breit* 
köpf gedruckt und 
itoph Breitkopf verlegt wurden. Die 


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wichtigsten Werke liegen in den darunter befindlichen 
Vitrinen. Ein Haus von der Bedeutung Breitkopf 
® Härtels hätte eine ausführlichere Würdigung durch 
eine umfassende Ausstellung verdient/ die Ungunst 
der Zeiten hat sie verhindert/ die Museumsleitung hat 
aber diese kleine Zusammenstellung wenigstens als 


rischer und fortbildender Beziehung zu wirken, im 
Unterschied von so manchem großem Verlag, dem all 
diese Dinge, wenn auch nicht gleichgültig, so doch ver« 
hältnismäßig nebensächlich erscheinen. Der erste Band 
der » Gedenkschrift« läßt uns an Hand zahlreicher Doku« 
mente und Aktenstücke die Jahre 1542 bis 1827 oft bis 


sichtbares Zeichen des 
Dankes an die Firma, 
die das Museum so 
vielfach unterstützt 
hat, nicht unterlassen 
wollen. Wen die Ent« 
Wicklung des Hauses 
näher interessiert, der 
findet reichlich Ma« 
terial in der Gedenk« 
schrift Oskar von 
Hases, die jetzt in 
zwei umfangreichen 
Bänden abgeschlossen 
vorliegt und zeigt, daß 
auch die heutigen In« 
haber nicht nur Sinn 
für ihren eigenen Ver« 
lag, sondern audi für 
Entwicklung und 
Förderung des Buch« 
gewerbes überhaupt 
haben und wederZeit 
noch Geld schonen, 
um für die Buch« 
druckerkunst und die 
mit ihr zusammen« 
hängenden Gewerbe 
in technischer und 



ins einzelnste ver« 
folgen, der zweite, 
gerade zur Jubelfeier 
fertig gewordene 
Band <1828 bis 1918) 
führt uns mit vielen 
beachtenswerten und 
in vieler Beziehung 
wichtigen Angaben 
bis auf die Neuzeit. 
Wahrlich ein groß 
Stück Kulturarbeit, 
das aus diesen beiden 
mit viel Liebe ge« 
schriebenen Bänden 
spricht <Band 1 um« 
faßt254Seiten groß 8°, 
während Band 2 nicht 
weniger als 842 Seiten 
desselben Formates 
ausmacht), die trotz 
aller Ungunst der 
Zeitenmitten indieser 
Welt der Unkultur 
fertiggestellt wurden 
und beredtesZeugnis 
davon ablegen, was 
deutscher Geist und 
deutsche Arbeit ver« 


künstlerischer, histo« 


Johann Gottlob Immanuel Breitkopf 


mag. 


21 


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Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum 


10. Ausstellung Heinrich Jost, München. 

Der Raum für wechselnde Ausstellungen ist zurZeit 
Arbeiten des Müncheners Heinrich Jost gewidmet, über 
die ein besonderer Führer vorliegt. Nicht packende 
Illustrationen oder bilderreiche Plakate sind es, die uns 
hier anziehen,- strenge buchgewerbliche Arbeit im 
besten Sinne des Wortes, manchmal fast zu strenge, 
tritt uns bei allem entgegen, was Wände und Vitrinen 
zeigen. Jost ist ein Schüler von Renner und Preetorius 
und hat sich ganz nach der praktischen Seite des Buch** 
gewerbes entwickelt. Die Schrift ist seine Stärke,- sie 
richtig auf Buchumschlägen anzubringen ist ihm Herzens** 
sache, wie überhaupt Satzanordnung bei ihm liebevolle 
Beachtung bis ins einzelnste findet. Den Münchenern 
ist Jost längst kein Fremder mehr, hat er doch manche 
Inseratseite der »Münchener Neuesten Nachrichten« 
und so manchen Katalog und Prospekt entworfen, die 


zeigen, was man auch bei den alltäglichsten Drude* 
Sachen leisten kann, wenn man ihnen nur Auf* 
merksamkeit widmet. So ist er vielfach unbewußt als 
Geschmackbildner an die breitesten Massen des Volkes 
herangekommen, was ihm um so mehr als Verdienst 
anzurechnen ist, als es bekanntlich eine nicht immer 
einfache Sache ist, für Annoncen und Inserate den 
widerstreitendsten Wünschen der Besteller nicht nur 
gerecht zu werden, sondern auch die von ihnen auf* 
gegebenen Inserate einigermaßen zusammenstimmend 
anzuordnen und zu gruppieren. Neben kommerziellen 
Anzeigen liegt seine Hauptstärke im Zeichnen von 
Buchumschlägen, wozu er von vielen führenden Firmen 
des Buchhandels immer mehr und mehr herangezogen 
wird. Aber auch Exlibris und Signete haben in ihm 
einen Meister gefunden, der Wirkungsvolles zu 
schaffen vermag. 


b> Vermehrung der Sammlungen des Deutschen Kulturmuseums 


15. Schenkung von Herrn Sonntag jun., Leipzig 

Einen recht erfreulichen und sehr dankenswerten 
Zuwachs haben die Sammlungen des Deutschen Kul* 
turmuseums dadurch erhalten, daß der in Buchgewerbe* 
kreisen und bei Bücherfreunden als Kunstbuchbinder 
rühmlichst bekannte Herr Sonntag jun., Leipzig, dessen 
Werkstätte leider nicht mehr existiert, die von ihm 
angelegten Blattsammlungen geschenkweise dem 
Museum überwiesen hat. Diese Zuweisung ist um so 
wertvoller, als die Sammlungen aus der Praxis für die 
Praxis geschaffen wurden, so daß sie wirklich mitNutzen 
verwendet werden können. 

Die erste Abteilung umfaßt Abreibungen histo* 
rischer Einbände, die nicht, wie es sonst zumeist 
geschieht, mit Bleistift, sondern, wie in England üblich, 
mit Schusterwachs hergestellt sind und den großen Vor* 
teil haben, daß sie gegenüber Photographien oder auf 
Photographien beruhenden Reproduktionen in natür* 
lieber Größe vorhanden sind, daß auch der Buchrücken 
mit abgerieben und daß aus den Abreibungen die 
Goldwirkung mit zu ersehen ist, was selbst bei Nach* 
Zeichnungen nicht der Fall sein kann. Eine stattliche 
Reihe historischer Einbände liegt so in Abreibungen 
vor, insbesondere Abreibungen von den prächtigen 
Einbänden, die Carl Sonntag jun. in dem Katalog 21 
»Kostbare Bucheinbände des 15. bis 19. Jahrhunderts« 
von C. G. Boerner, Leipzig, beschrieben hat. Diesem 
Katalog hatte er seinerzeit eine Einleitung »Die goldene 
Zeit der Buchbindekunst« vorausgeschickt und ihn mit 
9farbigen und 43schwarzen Tafeln versehen. So ist nun 


das Deutsche Kulturmuseum nicht nur im Besitz dieses 
wertvollen Katalogs, sondern auch der mit viel Liebe 
und Verständnis angefertigten Abreibungen, die wert* 
volle Einblicke in die Technik der alten Buchbinder ge* 
währen, insbesondere dem Stempelschneider sehr er* 
wünscht sein werden. Neben den Abreibungen enthält 
diegeschenkteSammlungeinegroßeAnzahlvonPhoto* 
graphien undReproduktionen historischerEin* 
bände. Die letzteren stammen aus den verschieden* 
sten Katalogen über Bucheinbände, namentlich aus den 
wertvollen englischen Veröffentlichungen, aber auch 
aus französischen Werken und Verzeichnissen sowie 
aus der französischenBuchbinder*Zeitung»La reliure«. 

In ähnlicher Weise ist die zweite Abteilung ausge* 
baut, die historisierenden Einbände. Auch hier 
sind es zahlreiche wertvolle Abreibungen, die in ihrer 
Klarheit uns vollen Einblick in diese Gattung von 
Einbänden ermöglichen und zeigen, wie die Vorlage 
frei behandelt wurde. Die alten Buchbinder haben uns 
ja immer in Staunen versetzt durch ihre Kunst, in der 
sie es verstanden haben, mit wenigen vorhandenen 
Stempeln immer wieder neue höchst eindruckvolle Zu* 
sammenstellungen zu finden und scheinbar ganz Neues 
zu schaffen. Diese Tatsache kommt uns in den Ab* 
reibungen besonders zum Bewußtsein und hat für uns 
heute auch eine tiefe wirtschaftliche Bedeutung. Die 
Zeit zwingt uns zur Sparsamkeit mit allen Mitteln. 
Gute Schriften für Buchdrucker und Buchbinder, gute 
Einbandentwürfe und Vergolderornamente sind viel 
vor dem Kriege geschaffen worden. Jetzt wird es 


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—.===== = 

Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum 


darauf ankommen, mit ihnen hauszuhalten, nidit immer 
nadi Neuem zu verlangen. Das wird sowohl der 
deutschen Kultur, als auch der wirtschaftlichen Lage 
des Handwerks zugute kommen. 

Sehr reich ist die dritte Abteilung der überwiesenen 
Sammlung, die Skizzen und Entwürfe moderner 
Einbände umfaßt. Besonders wertvoll ist hierbei, 
daß vielfach der Entwurf, zu dem Entwurf die Werk¬ 
zeichnung und schließlich die Abreibung vom fertigen 
Einband vorhanden ist, so daß die einzelnen Stadien 
der Entwicklung vor uns liegen und Stempelschneider 
und Vergolder, die künftig im Museum diese Samm¬ 
lung studieren, ihre Freude daran haben werden. Der 
Zahl nach sind die Entwürfe der Sonntagschen Werk* 
statt besonders groß, was für das Museum von be- 
sonderer Bedeutung ist, weil damit ermöglicht wird, eine 
der bedeutendsten modernen deutschen Werkstätten 
der Kunstbuchbinderei in ihrer Entwicklung zu über* 
sehen. Photographien Sonntagscher Einbände sind eine 
sehr erwünschte Ergänzung der Abreibungen und Ent* 
würfe. Unter den Mitarbeitern tritt besonders der 
Tiemann-Schüler Wilhelm Scheffel mit vielen Arbeiten 
in der Sammlung hervor. Die Entwürfe sind meist 
farbig, zum Teil sind Varianten beigegeben, die wie¬ 
derum einen Blick in die Praxis ermöglichen. Von be¬ 
kannten Buchgewerbekünstlern enthält die Sammlung 
bemerkenswerte Entwürfe von Walter Tiemann, Hugo 
Steiner-Prag (besonders beachtenswert eine Glück¬ 
wunsch-Adresse), E.R.Weiß, Erich Grüner (ein Stück 
angeordnet mit historischen Stempeln) und andern. 


Nicht minder bemerkenswert ist die Abteilung 
Buchumschläge, Signete, Schriften usw. Die 
Buchumschläge stammen größtenteils aus derXDffizin 
von Poeschel ® Trepte, die Schriften von den Führern 
unter unsern deutschen Schriftkünstlern. Das Signet der 
Sonntagschen W erkstatt im Entwurf von Hugo Steiner- 
Prag sei hier besonders hervorgehoben. Es folgen Vor¬ 
lagen für jeden einzelnen Buchteil: Rücken, Deckel, 
Buckel, Schließen,- Monogramme und Signete. Von 
Künstlern, die vertreten sind, seien hier noch erwähnt 
Kleukens (Ernst-Ludwig-Presse), F. H. E. Schneidler, 
Ottomar Starke und Köster. Die Schülerin von Georg 
Schiller, Fräulein Lindemann, hat eine Anzahl kleiner 
Prägungen zur Sammlung beigesteuert. 

Daß uns auch Berichte und Zeitungsartikel, Kritiken 
und Besprechungen über die Werkstatt Carl Sonntag jun. 
sowie ihre musterhaften Geschäftsdrucksachen, wie 
Briefbogen, Zirkulare, Kataloge überlassen wurden, 
ist im Hinblick auf den gesamten Überblick sehr zu 
begrüßen. 

Eine reiche Fülle vorbildlichen Materials, das mit 
dieser Schenkung an unser Museum gekommen ist! 
Dem Schenker auch an dieser Stelle unsern herzlichsten 
Dank zu sagen, ist uns ein besonderes Bedürfnis. 
Schade nur, daß die Sonntagsche Sammlung alter Buch¬ 
binderstempel sich nicht mehr dabei befindet. Sie nennt 
heute der Insel-Verlag, bzw. dessen Inhaber Anton 
Kippenberg, sein eigen, der sie uns kürzlich mit berech¬ 
tigtem Stolze zeigte. Möchte auch sie einmal an unser 
Kulturmuseum kommen! 


Bücher- und Zeitschriftenschau 


Almanach der Bücherstube. Herausgeber Horst Stobbe. 
München 1918. Bücherstube am Siegestor, kl. 8°. 72 S. Preis 
M 1.40. Um das deutsche Buch wird es täglich besser/ in dieser 
düsteren Zeit wenigstens ein Lichtblick! Noch vor 10 bis 20 
Jahren wäre in Deutschland ein solcher Almanach, wie der der 
Bücherstube unmöglich gewesen. Wie hat sich alles gewandelt 
2ur Freude all derer, denen ein gutes Buch auch ein schönes 
Buch sein muß. Die Umschlag2eichnung des Almanachs stammt 
von Thomas Theodor Heine, der in bekannter Meisterschaft schon 
im äußeren Gewand dem Almanach sein Gepräge gibt. Das 
Signet der Bücherstube ist von J. H. Ehmcke einfach und sehr ge¬ 
schickt entworfen. Und der Inhalt des Buches — er ist so mannig¬ 
faltig und so genußreich in Text und Bildermaterial, daß ich den 
Almanach in die Hände jedes Bücherliebhabers wünsche. »Die 
verzauberten Bücher«, ein Märchen von Wilhelm Matthiessen 
gibt den Auftakt. Und nun folgen in bunter Reihe Prosa und 
Poesie und, was dem Almanach einen besonderen Reiz gibt, Illu¬ 
strationen aus verschiedenen Veröffentlichungen. Von den Auf¬ 
sätzen werden wohl allgemein begrüßt: »Zum Werke Alfred 
Kubins« von Rolf von Hoerschelmann, »Leonhard Frank« von 
Kurt Reinhardt, »Neuere Kunstbücher« von Wilhelm Hausen¬ 


stein (sehr dankenswerte Zusammenstellung der besten Kunst¬ 
literatur) und »Wege des Büchersammelns« von Heinrich Jost. 
Bildermaterial bekommen wir zu sehen von Robert Engels, 
Bruno Goldschmitt, Rolf von Hoerschelmann, Alfred Kubin, Max 
Unold, Rudolf Großmann, Emil Preetorius, Richard Seewald, 
Rene Beeh, Franz E. Hecht und Adolf Jutz. Aber auch der rein 
geschäftliche Teil des Almanachs ist dankenswert. Wo findet 
man so schnell und übersichtlich die neuesten schönen Bücher bei¬ 
sammen, wie in dem Verzeichnis »Bücher, die die Bücherstube 
empfiehlt!« Auch die deutschen »Pressen« (Bremer Presse,Cranach- 
Presse, Drugulin-Drucke, Einhorn-Presse, Emst Ludwig-Presse, 
Enschede-Drucke, 150-Drucke, Hyperion-Drucke, Janus-Presse, 
Rudolfinische Drucke, Rupprecht-Presse) sind mit ihren Erzeug¬ 
nissen aufgeführt. Schließlich sei noch erwähnt, daß die Bücherstube 
im Jahre 1919 »Eine kleine Bugra in Sonderausstellungen« veran¬ 
staltet, zu denen besondere Führer erscheinen sollen, auf die wir 
seinerzeit noch zu sprechen kommen. Am. 

Theodor Birt. Aus dem Leben der Antike. Leipzig 1918. 
Verlag von Quelle r £> Meyer. 8°. XI + 270 Seiten. M6.~. 
Theodor Birt ist uns auf dem Gebiet des antiken Buchwesens 
kein Fremder. Audi das vorliegende Buch zeigt, wie er sich 

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Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum 


eingehend nicht nur mit dem antiken Buch beschäftigt hat, sondern 
ihm immer wieder seine volle Aufmerksamkeit widmet. Zwei 
Abschnitte, »Der Mensch mit dem Buch« und »Verlagswesen im 
Altertum« verdienen unsere besondere Beachtung. Man spürt 
es: Der Verfasser kennt das Leben der Antike bis ins einzelne. 
In einem leicht faßlichen Stil (Anmerkungen hierzu sind am Schluß 
des Buches mit Literaturnachweisen gegeben und stören so den 
Text nicht) führt er uns mühelos mitten hinein. Der blinde Homer 
ohne Buch, das Schreibmaterial der ältesten Zeit, weitere Dichter 
ohne »Buch«, der Import der Papyrusrolle, Entstehung der Buch¬ 
literatur bei den Griechen, die Herstellung des Papieres und seine 
Haltbarkeit, der Umfang der Rollen, Buchteilungen und Aus¬ 
stattung sowie Bibliothek, bildliche Darstellungen von Schreiben¬ 
den und Lesenden, das Lesen als solches und der Leserkreis, das 
alles wird uns in leicht verständlicher Weise vorgeführt, und 
dann schließt sich das Verlagswesen an: Vervielfältigung der 
Bücher nach Diktat, Bücherpreise, Honorarfrage, Theaterstücke, 
Selbstverlag, Witzliteratur, Vertrieb der erhabenen Dichter¬ 
werke, Widmung, soziale Stellung des unbemittelten Autors. 
Eine Fülle von Fragen, die wir sonst mühsam in mehr oder 
minder umfangreichen wissenschaftlichen Werken zusammen¬ 
suchen müssen, ist hier leicht übersichtlich und faßlich zusammen¬ 
gestellt, wofür dem Verfasser jeder Bücherfreund Dank wissen 
wird. Am. 

Die Meisterwerke in der Ermitage zu St Petersburg. 
239 Kunstdrucke nach unmittelbaren Aufnahmen mit einleiten¬ 
dem Text von Nicolaus Baron Wrangel. Zweite Auflage durch¬ 
gesehen und ergänzt von Georg Korczewski. München 1918. 
Franz Hanfstaengl. 8°. XXXV Seiten Text und 239 Seiten Ab¬ 
bildungen. M 14.— Mitten im Kriege ist die zweite Auflage 
dieses so wichtigen Werkes erschienen und damit für kommende 
Zeiten ein Buch von geschichtlichem Wert geschaffen wor¬ 
den. Niemand weiß, wie es heute in der Ermitage aussieht. 
Gegenüber der ersten Auflage sind wenig Änderungen vor¬ 
genommen worden / so weit sie aber vorgenommen wurden, haben 
sie das Buch nur wertvoller gemacht und uns Deutschen näher 
gebracht. Die Reproduktionen der Bilder sind, wie es von Hanf¬ 
staengl nicht anders zu erwarten ist. hervorragend. Am. 

Aus Sachsens Sagenborn. Ein Heimatbuch. Der Jugend 
dargeboten vom Leipziger Lehrerverein. Titelzeichnung und 
Textbilder von Otto Ubbelohde. Leipzig 1918. Dürrscfae Buch¬ 
handlung. 8°. 144 Seiten. M 4. —. Es ist zweifellos ein Ver¬ 
dienst des Leipziger Lehrervereins, daß er eine Auswahl von 
sächsischen Sagen für unsere Jugend zusammengestellt hat. Wir 
wünschten, andere Landesteile würden folgen. Je mehr unsere 
heimischen Sagen schon der Jugend bekannt werden, desto besser. 
Sie werden sicherlich das Heimatgefühl stärken. Was uns aber 
nicht ganz an dem Buch befriedigt, das sind die Illustrationen, 
trotzdem sie laut Vorwort von dem »rühmlichst bekannten 
Künstler O. Ubbelohde, Dr. hon. causa« stammen. Auch die 
Illustrationen sollen das Heimatgefühl stärken und dem heimi¬ 
schen Leben und Treiben einst und jetzt an gepaßt sein. Hier 
hätte mehr geschehen können ! Gerade die Illustration vermittelt 


oft mehr wie viele Worte Heimatfreude und Heimatlust. Die 
Illustrationen Ubbelohdes wollen nicht richtig packen, sie atmen 
zu wenig Erdgeruch, sind nicht immer bodenständig genug, wenn 
sie auch technisch auf der Höhe sind. Trotzalledem: Das Buch 
ist für unsre Jugend nur zu begrüßen. Sicherlich sind für die 
Herausgabe nicht nur wir, sondern manche Eltern dem Leipziger 
Lehrerverein zu Danke verpflichtet. Am. 

Im deutschen Märchenwalde. Zwölf Märchen für deutsche 
Knaben und Mädchen von Max Jochen. Mit 4 farbigen Voll¬ 
bildern, 14 Abbildungen und Buchschmuck im Text von Franziska 
Schenkel. Leipzig 1919. Verlag der Dürrschen Buchhandlung. 
8°. 95 Seiten. M 3.75. Es sah lange nicht gut aus um unsere 
Jugendliteratur und noch gibt es mehr als genug Bücher »für 
deutsche Knaben und Mädchen«, die einen Tiefstand der Buch¬ 
kultur verraten, der recht bedauerlich ist. Doch es wird langsam 
besser. Ein Beweis dafür ist das vorliegende Märchenbuch mit 
seinen farbigen Bildern, die freilich künstlerisch nicht alle gleich 
hoch stehen. Die Illustration zur »Wunder-Buche« und die zum 
Märchen von der alten Eiche erinnern noch stark an die allzu 
häufigen Illustrationen unserer Jugendbücher/ mehr Phantasie 
und Kunst liegt aber in den kleineren Illustrationen,- freilich auch 
sie befriedigen nicht ganz. Zum Bücherillustrieren gehört eben 
mehr als man gemeinhin glaubt. Möchten doch die Verleger, die 
es angeht, sidis merken: Nicht bloß auf Text, sondern auch auf 
Buchschmuck und Buchillustration ist gerade für Jugendliteratur 
der größte Wert zu legen. Wer damit der Jugend dient, dient 
unserm ganzen Volk! Am. 

Sepp Frank Exlibris III. Mit einem Vorwort von Hans 
Ludwig Held. München 1918. Franz Hanfstaengl. M 50.—. 
Eine dritte Folge der Exlibris Sepp Franks liegt vor uns. Dem 
Exlibrissammler sind die ersten Mappen noch wohl im Gedächtnis, 
trotzdem geraume Zeit bis zum Erscheinen der dritten Mappe 
verstrich. Die Gestaltungskraft Franks war schon in den ersten 
Mappen deutlich und klar, jetzt liegt sie in einer Mannigfaltigkeit 
vor uns, die jeden Sammler und Freund des Exlibris bei jedes¬ 
maligem Besehen wieder und wieder gefangen hält. Sepp Frank 
zu würdigen, kann nicht Aufgabe einer kurzen Besprechung sein/ 
wir kommen auf ihn ausführlicher in einem besondern Aufsatz 
zurück. Am. 

Die Frühlingsmärchen von Martin Radt. Mit Bildern von 
KäteWilczynski. Leipzig, Rudolf Schick'SDCo. M5.50. 
Zu Martin Radtsecht märchenhaften, zumeist gemütvoll-grotesken 
Erfindungen fabuliert Käte Wilczynski mit der Zeichenfeder eine 
kecke lustige Begleitung. Sie besitzt ein gutes Talent, rasch eine 
der dichterischen Situation entsprechende Zeichnung hinzuwerfen, 
die lebendig aus einem (auf den ersten Blick) krausen Gewirr 
von Strichen herauswächst. Manche Gestalt erinnert von ferne 
an Busch, doch bleibt die übermütige Stricheltechnik im ganzen 
stark persönlich. In richtiger Märchenweise geben sich Figuren 
aus den verschiedensten Zeitaltern, bis auf den heutigen Schutz¬ 
mann, in den Bildern ein Stelldichein. Freilich wird nach meiner 
Ansicht im allgemeinen der Erwachsene an diesem Spiel eine leb¬ 
haftere Freude als die Jugend haben. F. Schulze. 


Inhaltsverzeichnis 

Die alten Zahlzeichen. S.i. — Buschmannzeichnungen. S.4. — Belgien (1914 — 1918). S. 14 — Zum Tode Otto Richard Bosserts. 
Brief-Autographe im Geschäftsarchiv von Breitkopf 'S) Härtel S. 18. — Mitteilungen aus dem Deutschen Kulturmuseum. S.20.— 
in Leipzig. S. 7. — Die periodische Geheimpresse im besetzten Bücher- und Zeitschriftenschau. S. 23. 


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Hupp, Otto, Wider die Schwarm¬ 
geister. Zweiter Teil: Beiträge zur 
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Max Kellerers Verlag. Preis M 6.—. 
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gen. Wörterbuch fürs tägliche 
Leben. Vierte verbesserte und ver¬ 
mehrte Auflage. Braunschweig 1917 , 
Georg Westermann. Preis kart. M 2 .—. 

Altfränkische Bilder. Illustrierter 
kunsthistorischerPrachtkalender, 
miterläuterndemTextvonDr.Theodor 
Henner. Würzburg 1919 . Verlag der 
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G. Braunsche Hofbuchdruckerei und 
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Eucken, Rudolf, Was bleibt unser 
Halt? Ein Wort an ernste Seelen. 

Leipzig 1918 . Verlag Quelle & Meyer. 
Preis geh. M 1 .—. 


Sauermann, Dr. Ernst, Schleswig- 
Holsteinisches Jahrbuch 1918/19. 
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Gesellschaft Hartung & Co. m. b. H., 
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Herausgeber: Deutscher Buchgewerbeverein — Verantwortliche Schriftleiter: für den Teil „Archiv für Buchgewerbe“ 
KarlWeisser , für den Teil „Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum“ Prof. Dr. Albert Schramm 

Druck von Breitkopf & Härtel — Sämtlich in Leipzig 


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ZEITSCHRIFT 
DEUTSCHEN VEREINT 

FÜR 

BL1CHVESEN U. SCHRIFTTUM 

Nr. 3/4 MÄRZ • APRIL 1919 


Das chinesische Haus im Deutschen Kulturmuseum zu Leipzig 

Von Privatdozent Dr. EDUARD ERKES 


TL ls im Jahre 1914 die »Bugra« errichtet wurde, er- 

/ \ baute der chinesischeBaumeisterPehSchou-t'ung 
JL aus Su-tsdiou vom Stabe der damaligen 
chinesischen Gesandtschaft in Berlin im Auftrag von 
Professor Conrady, dem Leiter der chinesischen Ab¬ 
teilung, auf deren Gelände ein chinesisches Gelehrten¬ 
haus. Das Häuschen sollte die große, wohl einzigartige 
Rolle zur Darstellung bringen, die die Schrift und die 
graphischen Künste im Leben eines jeden Chinesen, 
vor allem aber natürlich des Literaten, spielen. Als 
dann die Bugra der Auflösung verfiel, mußte leider 
auch das hübsche Häuschen, in dessen Räumen man 
sich leicht in die idyllische Ruhe des fernen Ostens 
versetzt fühlen konnte, abgebrochen und mitsamt seiner 
Einrichtung entfernt werden. Nun hat nach vier Jahren 
zwar noch nicht das Gebäude selbst, für dessen Wieder¬ 
aufbau es vorderhand an Platz mangelt, aber doch 
seine gesamte Innenausstattung und der größte Teil 
seiner Fassade in den Räumen des Kulturmuseums 
Unterkunft gefunden. Von Professor Conrady und 
seinen Mitarbeitern ist die Einrichtung wieder in der 
früheren Weise zur Aufstellung gebracht worden, so 
daß sich dem Beschauer jetzt wieder das fremdartige 
und doch anheimelnde Bild des alten Gelehrtenhauses 
bietet. 

Wenn man in der Bugra den Hofraum betrat, in 
dem das Haus aufgebaut war, so stand zunächst ein 
Kapellchen des Literaturgottes am Wege, das der durch 
seinemonumentaleVeröffentlichungüberdas chinesische 
Tempel wesen 1 bekannte Architekt Baurat Ern stBörsch- 
mann entworfen hatte. Leider ist dieses Tempelchen 

1 Die Baukunst und religiöse Kultur der Chinesen, Berlin, 
Reimer (bisher 2 Bde.>. 


noch nicht wiedererstanden; die Figur des Literatur¬ 
gottes Wen-tsch'ang ^ jedoch thront ernst und würdig 
im prunkvollen Beamtenkostüm, mit langem Barte aus 
natürlichen Haaren rechts neben dem Hause an der 
Wand. Neben ihm stehen zwei der Untergötter, von 
denen die höherenMitglieder des chinesischen Pantheons 
als getreue Ebenbilder der irdischen Mandarine be¬ 
gleitet zu werden pflegen. Von ihnen fällt besonders 
die unheimliche tanzende Teufelsgestalt des Gottes 
K'uei-sing auf, der am Himmel auf dem Sternbild des 
Großen Bären wohnt und als Verleiher literarischen 
Ruhmes verehrt wird. Er besitzt gar keinen dämonischen 
Charakter, ist vielmehr als Examensgott allgemein be¬ 
liebt und verehrt/ sein häßliches Aussehen verdankt 
er nur einem Wortspiel, wie es in China bei allen 
Gelegenheiten eine so große Rolle aus der primitiven 
Zeit her überkommen hat: dem Gleichklangdes Namens 
K'uei-sing mit dem Worte kuei & Teufel 1 . Zwei 

weitere Begleiter Wen-tsch'angs haben vorläufig an 
der gegenüberliegenden Wand einen Platz gefunden. 

Neben der Kapelle des Literaturgottes erhob sich 
eine Schutzgottheit, die jetzt gleichfalls hier unter¬ 
gebracht ist: eine am oberen Ende zu einem Tigerkopf 
ausgemeißelte Stele vom heiligen Berge T'ai-schan 
in Schan-tung mit der Inschrift ^ flj d5 M ln T'ai- 
schan-schi kan tang »Der Tai-schan-Stein gestattet 
sich zu beschützen«. Von dem Hause selbst konnte, 
wie gesagt, bisher nur das Schnitzwerk der Zimmer 
und die Innenausstattung der Räume Aufstellung 
finden; doch geben die hier beigefügten Photographien 
immerhin eine Vorstellung von dem Bau, der auf der 

1 Grube, Religion und Kultus der Chinesen, Berlin 1910, 
Seite 136/37. 


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Bugra völlig getreu in dem besonders in Nordchina 
üblichen Stil errichtet war. 

Das chinesische Haus ist für den Ethnologen und 
Kulturhistoriker ein ungemein interessantes Studien» 
objekt. Denn wie alle Elemente der chinesischen Kultur 
hat es eine lange, durch keinerlei fremde Einflüsse ein» 
schneidend unterbrochene Entwicklung hinter sich, die 
sich bis in diegraueste Vorzeit zurückverfolgen läßt und 
sich noch in vielen Einzelheiten des heutigen Hauses 
verrät 1 . Als die Chinesen die Höhlen und Baumnester 
verließen, in denen sie zur Urzeit gehaust hatten, wie 
manche ihrer primitiven Stammverwandten in Süd» 
china und Hinterindien noch heute pflegen, und zum 
Bau wirklicher Hütten übergingen, da bauten sie diese 
nach dem Muster ihrer alten Wohnstätten. Wie der 
Nestbau zum Pfahlbau geführt zu haben scheint, so 
trat an Stelle der Lößhöhle ein freistehendes, rundes, 
bienenkorbförmiges Lehmhaus, wie es heute noch z. B. 
in der nordchinesischen Provinz Schan»si vorkommt/ 
geradezu eine aus dem Berge herausgeschnittene Wohn» 
höhle. Mit dem Übergang vom Lehm» zum Holzbau 
wandelte sich, ganz wie beim prähistorischen europä» 
ischen Wohnhaus, die runde Konstruktion zur vier» 
eckigen, die bis heute in ihrer ursprünglichen Form 
für das chinesische Haus im Gebrauch geblieben ist. 

Das chinesische Haus besteht noch jetzt im wesent» 
liehen aus dem Dach, das von runden Säulen — an 
Stelle der ursprünglichen Baumstämme — getragen 
wird. Seine Wände sind, wie das lehmbeworfene Ge» 
flecht der Urhütte, einfach zwischen die freistehenden, 
daraus hervorragenden Pfeiler eingeschoben. Auch die 
unabänderliche Orientierung der Tür gegen Süden hat 
das chinesische Haus noch mit der urzeitlichen Wohn» 
höhle gemeinsam, deren Eingang ja gleichfalls stets 
von der kalten Himmelsrichtung abgewandt liegt. Das 
Haus ruht auf einem aufgemauerten, nur ganz aus» 
nahmsweise unterkellertenFundamentund istgewöhn» 
lieh einstöckig, wiedas bei Holzarchitektur ja in der Regel 
der Fall ist. Allerdings sind in den Städten zweistöckige 
Häuser nicht gerade selten/ doch verrät dann schon 
die ungeschickte Anlage der Treppen, daß es sich um 
etwas Ungewohntes handelt. Mehrstöckige Paläste 
sind freilich schon auf Skulpturen der Hanzeit dar» 
gestellt 2 und wahrscheinlich noch viel älter. Der im» 
posanteste Teil des Gebäudes ist das Dach,- es ist eine 

1 Vergleiche Conrady, Beiträgezu Wassiljew, Die Erschließung 
Chinas, deutsch von R. Stübe, Leipzig 1909, Seite 186/ Erkes, 
China, Gotha 1919, Seite 109—-uz. 

2 S. Chavannes, La sculpture sur pierre en Chine, Paris 1893, 
Tafel 10, 19, zo u. a. 


schwere massive Struktur aus gestampfter Erde, so daß 
altersschwache und schlechtgebaute Häuser zuweilen 
seinem Gewicht erliegen. Mitgrauen oderbuntglasierten 
Ziegeln gedeckt, oft mit hübschen Dachreitern gekrönt 
und — besonders im Süden — mit weit ausladenden 
Ecken verziert, macht es einen sehr gefälligen Eindruck. 
Die Entstehung dieser Dachform ist noch nicht recht 
aufgeklärt,vielleichtsinddiegeschweiftenEcken,ähnlich 
wie es bei norwegischen und birmanischen Bauten der 
Fall ist, aus Tierfiguren hervorgegangen, die sie noch 
heute zuweilen darstellen. DieTheorie von Paleologue l , 
der das chinesische Dach aus dem Nomadenzelt ab» 
leiten wollte, ist jedenfalls nicht haltbar,- denn einmal 
besitzt das nordasiatische Nomadenzelt keine aus» 
geschweiften Ecken, dann aber haben die Chinesen 
augenscheinlich niemals in Zelten gelebt — obgleich 
sie natürlich Kriegszelte und dergleichen gekannt haben 
sondern auch zur Nomadenzeit stets auf den höhlen» 
artigen Wagen gehaust, die noch heute in China gang 
und gäbe sind. 

Die Wohnung eines wohlhabenden Chinesen bildet, 
auch in den Städten, ein großes Gehöft, das von einer 
Mauer umschlossen ist und aus vier bis sechs hinter» 
einandergelegenenHöfenbesteht,umwelchedie einzel» 
nen Häuser gruppiert sind 2 . Von außen bietet ein 
solches Anwesen nichts Bemerkenswertes,- den Durch» 
blick durch den Eingang verhindert die sogenannte 
Geistermauer, die ihn zum Schutz gegen böse Geister 
in seiner ganzen Breite versperrt. Innen liegt im ersten 
Hof neben dem Tor das Pförtnerhäuschen, im zweiten 
Hof die Empfangshalle für Besucher. Der dritte Hof 
enthält das größte, gewöhnlich noch mit Anbauten, 
sogenannten Ohrhäusern, versehene Gebäude, das 
dem Hausherrn als Wohnung dient, während im 
vierten Hof die Gemächer der Damen liegen. In den 
Seitenhäusern der Höfe pflegen verheiratete Söhne und 
andre Verwandte des Hauses zu wohnen. Der fünfte 
Hof enthält die Küche und die Wohnungen der Diener» 
schaft, der sechste Stallungen und Magazine. Die Höfe 
sind meist mit Bäumen bepflanzt und oft mit schönen 
Gartenanlagen geschmückt, die stimmungsvoll angelegt 
und gut gehalten sind und manchmal auf kleinem 
Raume ein vollständiges Landschaftsbild sehen lassen. 

Unser Gelehrtenhaus soll das Hauptgebäude im 
dritten Hof vorstellen. Vor dem Hause befindet sich, 
wie es stets der Fall ist und auf der Bugra auch 

1 Paleologue, L'art chinois, Paris 1887, Seite 87. 

2 Siehe den Plan eines nordchinesischen Wohngehöftes bei 
Lessing und Othmer, Lehrgang der nordchinesischen Umgangs¬ 
sprache, Ts'ing-tau 191z, I, zu. 


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dargestellt war, eine gedeckte, säulengetragene Veranda, hier leider auch noch nickt vorgeführt werden konnte — 
zu der eine Treppe mit einer ungeraden Zahl von und hat wie bei vielen Völkern eine mystische Be- 
Stufen — eine gerade Ziffer würde Unglück bringen deutung. 

— hinauffuhrt. Die Eingangstür nimmt die Mitte der Treten wir in das Mittelzimmer ein. Der Fußboden, 



Fassade ein/ sie hängt wie eine europäische in Angeln, der in armen Häusern nur aus gestampftem Lehm be- 
wird oft auch durch einen Vorhang ersetzt. Den Rest steht, ist in den besseren aus Ziegeln oder Steinfliesen 
der Hausfront füllen die Fenster aus,- sie bestehen hergestellt/ Dielenböden kommen in Nordchina fast 
meist aus Papier, das über kunstvollgeschnitzte Rahmen nie vor. Indes ist nichts vom Boden sichtbar, da das 
gespannt ist/ häufig sind einzelne Glasscheiben da* ganze Zimmer dicht mit Binsenmatten belegt ist. Den 
zwischen eingesetzt. Die Türschwelle ist erhöht — was Hintergrund nimmt der sogenannte K'ang ein, das 

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aus Ziegelsteinen aufgemauerte, mit Holz überkleidete 
Ofenbett, das die Heizung besorgt. Innen ist es von 
Hohlräumen, den sogenannten Feuerwegen, durch* 
zogen, in denen mit Steinkohle, meist mit den in China 
erfundenen — gegen Ende des 18. Jahrhunderts von 
dort auch nach Europa gekommenen — Briketts ge* 
heizt wird. Der K'ang dient in Nordchina, wo im 
Gegensatz zu Mittel* und Südchina Bettstellen durch* 
weg nicht in Gebrauch sind, des Nachts als Schlafstätte. 
Bei Tage wird er hübsch dekoriert und zum Sitzen 
benutzt. In der Mitte unsers K'ang steht ein niedriges, 
längliches Tischchen, auf dem in schöngeschnitzten 
Schreinen die Ahnentafeln der Eltern des Hausherrn 
prangen. Auf demDeckel der Schreine ist merkwürdiger* 
weise in goldner Schrift das Wort schou »langes 
Leben« zu lesen/ augenscheinlich wird dieser fromme 
Wunsch also auch den Toten gegenüber nicht für über* 
flüssig gehalten. 

An der Wand hinter dem K'ang hängt das kost* 
barste Stück, das das ganze Zimmer aufzuweisen hat: 
ein von der 1908 verstorbenen Witwe des Kaisers 
Hien*feng, der Kaiserin*Regentin Tze*hi, mit eigner 
Hand geschriebenes Plakat, das in riesigen, schwung* 
vollen Schriftzügen das allbeliebte Symbol schou 
»langes Leben« zeigt. Die Beischrift enthält den lang* 
atmigen Titel der Fürstin. 

Rechts und links von dem kaiserlichen Autogramm 
sollte die Wand genau genommen freibleiben, da die 
Anwesenheit weniger ausgezeichneter Schriften neben 
derHandschriftderKaiserin eigentlich eineProfanierung 
darstellt. Aber angesichts der Schwierigkeiten, die die 
Unterbringung des überreichen chinesischen Materials 
der Bugra in den verhältnismäßig recht kleinen Räumen 
unsers Häuschens darbot, mußten wir uns entschließen, 
dennoch einige Stücke minder heiligen Charakters hier 
ihren Platz finden zu lassen. Wenn der Inhalt dieser 
Schriftrollen auch nicht so erhaben ist, so möge ihre 
äußerst feine und gefällige Ausführung dafür einen 
Ersatz bieten. 

Die chinesische Schrift ist, wie schon der flüchtigste 
Beschauer bemerkt und wie ein vertieftes Studium in 
immer höherem Maße offenbart, vom malerischen 
Standpunkt aus unter allen Schriftarten eine unerreichte, 
ganz einzigartige Schöpfung. Aus einer Bilderschrift 
hervorgegangen, hat sie ihren hieroglyphischen Cha* 
rakter bis heute getreulich bewahrt, so daß das chine* 
sische Schriftzeichen nicht nur den Begriff, sondern auch 
das Bild oder Symbol des bezeichneten Gegenstandes 
oder Vorganges wiedergibt. So hängt die chinesische 
Schrift ihrem Ursprung wie ihrer ganzen Entwicklung 


nach aufs innigste mit der Malerei zusammen 1 . So ist 
denn in China die Kalligraphie eine hochgeschätzte 
Kunst, die nicht geringer geachtet wird als die eigent* 
liehe Malerei/ gilt doch die schöngeschriebene Spruch* 
rolle einem guten Gemälde für gleichwertig. Auch 
äußerlich verbindet man beide Künste gern und er* 
gänzt, wie auch in unserm Hause verschiedene Bei* 
spiele zeigen, die Stimmung eines Gemäldes häufig 
durch einen beigesetzten Dichterspruch/ nicht selten ist 
der Maler selbst zugleich Dichter und Kalligraph. 

Die Spruchrollen werden fast immer paarweise auf* 
gehängt und führen direkt die Bezeichnung Tui*tze 
Wt-ff Gegenstücke. Gewöhnlich enthalten sie ein 
Verspaar eines Gedichtes; der Sinn der Zeilen ist aber 
in der Regel ohne die Kenntnis des Gedichtes, dem 
sie entnommen sind, kaum zu verstehen. Jedenfalls 
geht ihre eigentliche Bedeutung dem Leser, der die 
Dichtung nicht kennt und die Anspielungen der Verse 
nicht enträtseln kann, fast immer verloren. Als Bei* 
spiel dieser Art seien die Verse auf den beiden halb* 
runden Holzbrettern angeführt, die rechts und links 
vor der Haustür hängen: 

&±KafeMgUJ 

Ȇber dem Flusse der Morgenwind, zwischen 
den Fichten der scheidende Mond,* 

Vor dem Hofe das Frühlingsgras, außen 
vorm Fenster der Herbstberg.« 

Ohne Kenntnis des gesamten Gedichtes läßt sich nicht 
einmal mit Sicherheit sagen, welches die Reihenfolge der 
Verse ist/ viel weniger, was der Dichter damit eigentlich 
sagen wollte, und was sich der Gelehrte, der sie zum 
Schmuck seines Hauses auswählte, dabei gedacht hat. 

Der uralte Hang des Chinesen zum Schematisieren 
und zur Symmetrie, der ihn veranlaßt, diese Spruch* 
rollen fast immer paarweise auszuhängen, offenbart 
sich auch in der ganzen übrigen Einrichtung des Zim* 
mers. Auf dem K'ang befinden sich zur Rechten und 
Linken noch je ein Tischchen, deren jedes ein großes 
Weihrauchgefäß aus gelbglasiertem Ton und zwei 
Kerzenleuchter aus dem gleichen Material trägt. Rechts 
und links vor dem K'ang stehen zwei kunstvoll ge* 
schnitzte Sessel/ vor jedem eine Fußbank. Die Chine* 
sen sind das einzige Volk Asiens, das Sitzmöbel ge* 
braucht. Die chinesischen Sessel und Stühle gehen mit 
den europäischen auf eine gemeinsame Quelle zurück/ 

1 Genaueres hierüber enthält das demnächst erscheinende Werk 
von Bruno Schindler, Die Entwicklung der chinesischen Schrift 
Berlin, Oesterheld. 


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sie sind im zweiten nachchristlichen Jahrhundert durch 
Turkstämme aus Kleinasien eingeführt worden 1 . 

Vor jedem der beiden Sessel steht ferner ein kleines 
viereckiges Ebenholztischchen und daneben ein Spuck¬ 
napf aus dickem grünem Porzellan. Auf den Tischchen 
befinden sich die übliche bauchige Teekanne aus Por* 
zellan, die eigenartige chinesische Tabakpfeife mit lan* 
gern Rohr und ganz kleinem Kopf, der wie das Mund* 
stück besonders aufgesetzt wird und oft aus kostbarem 


sogleich durch das alte Musikinstrument am Fenster 
gekennzeichnet. Es ist eine Gitarre, K'in 1^, deren 
Unterlage eine angeblich aus der Zeit der Han <etwa 
200 vor bis 220 nach Christi) stammende Tonkiste mit 
einer Aufschrift aus der Periode deryüan (Mongolen* 
dynastie, 1279 k* s 1368) bildet. Das Ganze ruht auf 
einem Holzgestell. 

An der Außenwand des Zimmers befindet sich ein 
langer Tisch aus Ebenholz, dessen massive, enorm 






Schreibzimmer des chinesischen Hauses 


Material, wie Nephrit oder Silber, besteht,* endlich die 
schön verzierte Wasserpfeife. Ein rundes Vogelbauer, 
in dem man eine chinesische Nachtigall oder ein andres 
Singvögelchen zu halten pflegt, und ein kleiner becher* 
förmiger Käfig für Zikaden, deren Gesang bei den 
Chinesen sehr beliebt ist, vervollständigen die Aus* 
stattung des Mittelzimmers. Rings um den Raum laufen 
Spruchtafeln und Gemälde, Blumenstücke und Land* 
schäften, die im Holze der Wand eingegraben sind und 
den Wechsel der Jahreszeiten wiedergeben. 

Den linken Flügel des Hauses nimmt das Musik* 
zimmer ein. Die Bestimmung dieses Gemaches wird 

1 Vergleiche Läufer, Chinese Pottery of the Han Dynasty, 
Leiden 1909, Seite 234^236. 


schwere Platte aus einem einzigen riesigen Stück des 
kostbaren Materials besteht. Auf demTisch sind einige 
hübsche Ziergeräte aufgestellt, die alle zugleich sym* 
bolische und redende Ornamente sind. In der Mitte 
prangt ein seltsam geformter Stein, der mit viel Kunst 
auf einem schöngeschnitzten Holzuntersatz balanciert 
und dem Besitzer und Betrachter das glückverheißende 
Wort entgegenruft: »Werde so alt wie ein Felsen!« 
Dergleichen seltsame Steine, ebenso verkrüppelteBaun> 
wurzeln und ähnliche Naturspiele, werden von den 
Chinesen mit Vorliebe in Häusern und Gärten auf* 
gestellt und oft sehr teuer bezahlt. Neben dem Zier* 
stein steht ein Täfelchen aus Knochen mit langer In* 
schrift, sodann zwei schwarzlackierte Holzgestelle von 


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der Form der sogenannten Kleidermünzen <pu 
deren Bedeutung vorläufig noch unklar ist. Weiter 
befindet sich auf dem Tische ein kleiner Felsen von 
Löwenform, wohl als Schutzgottheit gedacht; ähnlich 
jenen Steinlöwen, die die Eingänge buddhistischer 
Tempel und vieler Privathäuser bewachen. Auch vor 
dem Außeneingang unsers Hauses waren auf der 
Bugra zwei solche Löwen aufgestellt, die jetzt an der 
Saalwand dem Hause gegenüber vorläufig unterge- 
bracht worden sind. Endlich liegen noch auf dem Tisch 
ein Fächer, der mit einem hübschen Blumenstück und 
einem kleinen Gedicht geschmückt ist, einige Dachziegel 
der Han-Zeit, die ob ihres ehrwürdigen Alters ebenso 
wie wegen ihrer geschmackvollen Verzierungen sehr 
geschätzt und besonders gern zu Tuschereibsteinen 
verarbeitet werden, und ein chinesisches Schachspiel. 
Das chinesische Schach geht aller Wahrscheinlichkeit 
nach wie das europäische ursprünglich auf das indische 
Spiel zurück, wie die gleiche Anzahl der Felder und 
die im wesentlichen miteinander übereinstimmenden 
Figuren zeigen,- unterscheidet sich von diesem aber 
doch ganz wesentlich, sowohl in den Spielregeln wie 
auch im äußeren Ansehen. So hat das chinesische Schach« 
spiel keine eigentlichen Figuren, sondern nur Steine, 
auf denen die Namen der Figuren stehen 1 . Die den 
europäischen Schachspielen nachgeahmten, oft sehr 
kunstvoll geschnitzten Spiele aus Elfenbein, wie deren 
mehrere im Leipziger Museum für Völkerkunde zu 
sehen sind, werden, hauptsächlich in Kanton, nur für das 
Ausland hergestellt, in China selbst aber nicht gespielt. 

Über dem langen Tisch befindet sich ein Autogramm 
des Kaisers Hien-feng <1851 bis 1861)/ es spricht den 
gleichen Wunsch wie der Zierstein aus. Unter dem 
von rechts nach links laufenden horizontalen Auto¬ 
gramm hängen drei der üblichen vertikalen Rollen, mit 
Zierschriften versehen,- rechts und links davon je ein 
Tui-tze. Neben den Tui-tze befinden sich zwei merk¬ 
würdige Gemälde, die Szenen aus einem tatarischen 
Feldlager darstellen. Sie sind augenscheinlich alt, aber 
nicht signiert und dürften etwa der Zeit Kaiser K'ang-hi's 
<1661 bis 1723) angehören. Leider sind beide ziemlich 
stark beschädigt. 

Die Rückwand des Zimmers schmücken drei schön 
ausgefuhrte Gemälde. In der Mitte hängt ein prächtiges 
Blumenstück, links ein Ahnenbild und rechts eine 
mythologische, noch nicht näher bestimmbare Szene: 
drei Heilige der alten Zeit zu Roß über Wolken reitend. 

1 Siche v.Moellendorff, Das Schachspiel der Chinesen/Zeitschrift 
der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens, 
Band 2 <1876/80), Seite 11 — 18. 


Keines der Bilder ist signiert/ sie sind also jedenfalls 
keine absichtlichen Fälschungen. In der Mitte steht ein 
verholzter Glückspilz, chinesisch ling-tschi, Zau¬ 
berkraut, der langes Leben sichern soll 1 . Neben ihm 
sind zwei »Buddhahände«, foh-schou, zu sehen 2 , 
verholzte Lemonen, die in fünf spitze Zipfel auslaufen 
und dadurch eine starke Ähnlichkeit mit menschlichen 
Händen gewinnen. In frischem Zustand verbreiten 
diese Buddhahände herrlichen Duft,- leider sind unsre 
Exemplare dazu schon zu alt und ausgetrocknet. Der 
künstlerische Eindruck all dieser einfachen Naturspiele 
wird bedeutend durch die geschickte Aufmachung er¬ 
höht, die die Chinesen den Schmuckstücken ihrer Räume 
angedeihen lassen. Niemals wird ein Gegenstand ein¬ 
fach plump auf den Tisch gestellt, sondern ein zierlich 
geschnitzter Holzuntersatz vermittelt den Übergang 
zwischen den Linien des Gerätes und den Konturen 
der Unterlage. 

An der Innenwand des Zimmers steht noch ein 
weiteres Tischchen mit einem Spiegel, an dem aber 
nur der Rahmen chinesische Arbeit ist,- das Glas ist 
europäischer Herkunft oder doch nach abendländischem 
Muster in China oder Japan gemacht. Denn obgleich 
die Chinesen die Glasbereitung schon im fünften nach¬ 
christlichen Jahrhundert aus dem hellenistischen Orient 
übernahmen 3 und in der Glasindustrie seit langem 
Hervorragendes leisten, so ist ihnen Spiegelglas doch 
fremd geblieben. Der einheimische chinesische Spiegel 
ist vielmehr aus polierter Bronze, wie das Exemplar, 
das uns im nächsten Zimmer begegnen wird. 

An den Pfeilern, die die Tür der durchbrochenen, 
mit geschnitzten Gruppen von Traubenbüscheln und 
Eichhörnchen gezierten Wand zum Mittelzimmer tra¬ 
gen, hängen halbrunde Vasen aus grünglasiertem Ton 
mit künstlichen Blumen. 

Die rechte Seite des Hauses nimmt das Studier¬ 
zimmer des Besitzers ein. Verrieten schon die beiden 
andern Räume, vor allem durch ihren reichen redenden 
Schriftschmuck, daß ein Kenner der Literatur und Kunst 
in ihnen haust, so ist in diesem Zimmer geradezu alles 
darauf berechnet, den Bewohner als einen Literaten 
erscheinen zu lassen, dessen ganzes Leben sich im Bann¬ 
kreis der Bücher abspielt. 

Am Fenster, rechts von der Tür, steht der Schreib¬ 
tisch. Er besitzt ungefähr die Form eines europäischen 

1 Siehe Grube, Zur Pekinger Volkskunde, Berlin 1900, Seite 
94 u. a. 

2 Daselbst Seite 36 u. a. 

3 Vergleiche Hirth, China and the Roman Orient, München 1885, 
Seite 228 ff./ Hirth, Chinesische Studien, München 1890, Seite 62 ff. 


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Diplomatenschreibtisches und besteht wie die andern 
Möbelstücke aus Ebenholz. Bedeckt ist er mit Schreib- 
Utensilien und einer Fülle literarischer Kostbarkeiten. 
Gleich rechts liegt ein Stüde, das in jeder Hinsicht be- 
sonderes Interesse erweckt: ein kaiserliches Edikt. 
Schon seine Form verleiht ihm ein ehrwürdiges Aus- 
sehen,- es ist eine kurze, runde Rolle, die altchinesische 
Schriftrolle, die sich heute nur noch selten findet, aber 
im Altertum allgemein verbreitet war und in dem 
Bucheinband der Lo-lo, eines Autochthonenstammes 
im Südwesten Chinas, ein Seitenstück, vielleicht einen 
Ableger, besitzt 1 . Das Edikt, in einer gelben Seiden** 
hülle aufbewahrt, ist auf Seide geschrieben,* die Außen** 
Seite ist gelb und mit Drachen gemustert, deren fünf¬ 
krallige Klauen die kaiserliche Herkunft des Dokumen¬ 
tes erkennen lassen 2 . Knöpfe aus grünem Nephrit 
zieren die Enden der Rolle. Die Innenseite des Ediktes 
ist in den fünf Grundfarben Schwarz, Weiß, Gelb, Rot 
und Blaugrün gehalten, die die fünf Weltteile der chine¬ 
sischen Kosmologie — die vier Himmelsrichtungen und 
die Mitte — symbolisieren und damit den Anspruch 
des Kaisers von China auf die Herrschaft über die 
ganze Welt verkünden — wie ja auch die chinesische 
Republik mit ihrer fünffarbigen Fahne noch heute diese 
Forderung hochhält 3 . Geschrieben ist das Edikt, das 
vom fünften Jahre Kaiser Kuang-sü's <1876 bis 1908, 
also 1880) datiert ist, in zwei Sprachen, chinesisch und 
mandschurisch. Rechts stehen die chinesischen Schrift¬ 
zeichen, links der mandschurischeText in seiner eigen¬ 
artigen, wurmförmig verschlungenen Schrift, deren 
Zeilen wie die der chinesischen von oben nach unten 
laufen und von rechts nach links angeordnet sind. Das 
mandschurische Alphabet ist eine vereinfachte Abart 
des mongolischen, das wieder auf die uigurische und 
in letzter Linie auf die syrische Schrift zurückgeht, 
die im frühen Mittelalter von nestorianischen Missio¬ 
naren nach Zentralasien gebracht wurde 4 . Das Man¬ 
dschurische wurde 1644, als die mandschurische Ts'ing- 

1 Auf der Bugra war eine derartige chinesische Schriftrolle aus 
neuester Zeit ausgestellt: die chinesische Übersetzung der deut¬ 
schen Reidisverfassung von Professor Conrady, von dem Kopisten 
der Pekinger Universität geschrieben. Siehe den »Führer durch 
die Halle der Kultur«, Seite 52 

2 Drachen, die auf nichtkaiserlichem Eigentum angebracht waren, 
durften nur vier Krallen an jeder Klaue aufweisen. 

3 Die fünf Farben werden daneben auch anders gedeutet. So 
bezog man sie in der Kaiserzeit mit Vorliebe auf die fünf chine¬ 
sischen Kardinaltugenden, während die Republik darunter auch 
die fünf Nationen des Reiches, Chinesen, Mandschu, Mongolen, 
Tibeter und Mohammedaner, versteht. 

4 Vergleiche dazuStübe im »Führer durch die Halle der Kultur«, 
Seite 47/48. 


dynastie auf den Thron gelangte, neben dem Chine¬ 
sischen zur Amtssprache erhoben und blieb es auch 
bis zum Sturze der Dynastie im Jahre 1912, obgleich es 
mit Ausnahme der kaiserlichen Prinzen und einiger 
Großwürdenträger seit 200 Jahren kein Mensch mehr 
verstand. Die mandschurischen Übersetzungen der 
zuerst natürlich chinesisch aufgesetzten Edikte wurden 
in einem besonderen Übersetzungsamte der Han-Iin- 
Akademie hergestellt. 

Neben dem Edikt liegt ein alter chinesischer Plan 
der Stadt Peking. Daneben sind einige persönliche 
Gebrauchsgegenstände des Eigentümers zu sehen: 
ein Fächer mit Blumenmalerei und Dichterspruch, ähn¬ 
lich jenem im Musikzimmer, wie man ihn gern zum 
Geschenk macht, und eine große runde Hornbrille mit 
Lederscheide. Mitten auf dem Tisch liegt ein Stoß gelb¬ 
liches Konzeptpapier, daneben Briefumschläge mit roten 
Längsstreifen. Ringsum stehen die Schreibutensilien. 
Ein Pinselhalter aus Zinn, in Form des glückbringenden 
Schriftzeichens \[] schan Berg, trägt eine Anzahl der 
aus den Haaren von Kaninchen und andern kleinen 
Tieren hergestellten Pinsel, die 220 v. Chr. von Meng 
T'ien erfunden wurden und seither an die Stelle der 
älteren Bambusgriffel getreten sind. Dabei ist einereiche 
Auswahl von Proben der in der ganzen W eltgeschätzten 
chinesischen Tusche zu sehen (chinesisch moh H, unser 
Wort kommt vielleicht von chinesisch ± £ t'u-sze, Erd¬ 
farbe) 1 . Die Tusche wird aus Sesam öl, Ruß und ähn¬ 
lichen Stoffen zubereitet 2 und in kleine, meist rechteckige 
Täfelchen gepreßt, die meist ein hübsches Landschafts¬ 
bild und ein Gedichtchen, zuweilen in Goldschrift, als 
Verzierung tragen. Dabei liegen mehrere Tuschesteine 
zum Anreiben der Tusche, sowie ein Wasserbehälter 
in Krötenform für das hierzu benötigte Wasser. Ein 
andrer in Gestalt einer Schildkröte ist zugleich ein 
Glückssymbol, da die zählebige Schildkröte ein Sinn¬ 
bild langen Lebens ist. Ebenso scheint ein weiterer 
kleiner Porzellanbehälter mit einem Hirsch gleichfalls 
ein glückbringendes Wortspiel zu enthalten <J^ luh 
Hirsch = jjj$ luh Gewinn?). 

Links auf dem Schreibtisch stehen mehrere Pinsel¬ 
ständer, runde zylinderförmige Behälter aus Holz und 
Bambus. Einer davon ist mit einer romantischen Land¬ 
schaft und einem dazu passenden Dichterpruch geziert/ 
ein zweiter weist Glückssymbole auf: Kraniche, ein 
Sinnbild langen Lebens, Fledermäuse, die durch ein 
Wortspiel <jg fuh Fledermaus = #§ fuh Glück) zu 

1 Vergleiche Hirth, Chinesische Studien, Seite 226/27. 

2 Vergleiche du Halde, Beschreibung des chinesischen Reiches, 
deutsch Rostock 1747/48, Band II, Seite 287—294. 


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den beliebtesten Verzierungen gehören, und Blüten, 
vielleicht Pfirsichblüten <|$ t'au Pfirsich = H* schou 
langes Leben). Ein besonders wertvolles Stüde ist der 
aus dem Besitz des Zolldirektors Dent in Schanghai 
stammende Bronzespiegel, der vielleicht noch der Han* 
Zeit angehört, jedenfalls deren charakteristischen Stil 
aufweist. Wie so manches in der Kunst der späteren 
Tschou* und der Han*Zeit sind auch diese Bronze* 
Spiegel aus dem hellenistischen Orient nach China ge* 
langt und hier in besonderer Weise stilisiert worden. 
Der Löwe in der Mitte gleicht eher einem Skarabäus/ 
nur an dem erst bei genauerer Betrachtung sichtbaren 
Köpfchen und Schwänzchen erkennt man seine eigent* 
liehe Bedeutung. Ebenso sollte man die vier ihn um* 
gebenden Geschöpfchen zunächst für Kaulquappen 
halten, wenn nicht die Beinchen sie als Leoparden ver* 
rieten. Am Rande ist eine Jagdszene angebracht/ 
Hunde verfolgen Vögel, anscheinend Fasanen. Schön 
ausgeführte Traubenmuster durchranken das Ganze/ 
auch die Traube ist im 2. Jahrhundert v. Chr. aus der 
griechischen Welt nach China gelangt, wie auch ihr 
chinesischer Name p'u*t'au nach Hirth vom grie* 
chischen ßoipuq stammt. 

Zahlreiche Siegel aus Speckstein und Holz bedecken, 
zwischen den übrigen Geräten verteilt, den ganzen 
Schreibtisch. Der chinesische Literat besitzt meist eine 
ganze Anzahl verschiedener Stempel, die oben zu zahl* 
reichen Figürchen, Göttern und Heiligen, Menschen und 
Löwen und andern zuweilen recht grotesken Gestalten 
ausgeschnitztsindundaufderStempelpIatteeinelnschrift 
tragen, die mit Vorliebe in archaischen Schriftzeichen 
gehalten ist und entweder den Namen des Besitzers 
oder ein klassisches oder poetisches Zitat enthält. Je nach 
Laune und Gelegenheit verwendet der chinesische Ge* 
lehrte dann bald diesen,bald jenenStempel 1 . Ein schönes 
Stück aus Bergkristall, mit einem Löwen geschmückt, 
hebt sich besonders hervor. Rechts vom Schreibtisch 
steht auf der Erde ein Ständer mit dicken Pinseln, wie 
sie zum Schreiben großer Tui*tze benutzt werden. 

An der Außenwand des Zimmers befindet sich wieder 
ein länglicher Tisch mit Ziergegenständen. In der Mitte 
ragt ein mit Blumen bemalter Ornamentalfelsen auf, 
der die gleiche glückbringende Bedeutung besitzt wie 
die übrigen Ziersteine. Vor ihm steht ein kostbares 
Pinselkästchen, Schwarzlack mit eingelegter Perlmutter* 
arbeit, die einen Vogel auf blühendem Zweig darstellt. 
Daneben liegt ein Bronzedolch aus dem Besitz des Herrn 

1 Siehe darüber die dankenswerte Monographie von Anna Bern- 
hardi. Chinesische Stempel; Baeßler-Archiv VI, 6 <1918), Seite 
87 — 113. 


Dent/ der Griff stellt einen Drachenkopf vor, während 
die Scheide als Leib des Drachen gearbeitet ist. Zwei 
alte, angeblich der Han*Zeit angehörige Dachziegel, 
zu Tuschereibesteinen verarbeitet, stehen daneben. 

An der Wand über dem Tische hängen eine An* 
zahl Schriftrollen, die, wie wir sahen, von den Chinesen 
ebenso hoch geschätzt werden wie gute Gemälde. 
Hervorragend schön ist besonders das einzelne Stück 
in der Mitte, das auf blauem Grunde mit goldenem 
Drachenmuster die schwarzen Schriftzeichen fe Ü sung* 
schou »ein langes Leben wie eine Fichte« zeigt. Rechts 
und links von dieser Rolle sind ein Paar gleichfalls ganz 
prachtvoller Tui-tze angebracht, die auf Goldgrund 
Sprüche von der Hand des berühmten Staatsmannes 
und Gelehrten Tschang TschUt'ung <f 1909) tragen, 
der sich in der Beischrift auf dem linken Tui*tze in der 
bescheidenen Weise seines Volkes als »der dumme 
jüngere Bruder« bezeichnet. Seitlich von diesen Rollen 
hängt ein weiteres Paar Tui*tze mit weißer Schrift auf 
schwarzem Grunde. Ganz außen endlich befinden sich 
zwei Bildrollen archäologischen Charakters, die Bronzen 
der Tschou*Zeit <1122 — 246 v. Chr.) wiedergeben. 

An der Rückwand des Zimmers sind zwei Schränke 
aus Ebenholz aufgestellt/ schöngeschnitzte Stücke, die 
aus dem Besitz eines Prinzen der Ts'ingdynastie 
stammen. Über ihnen hängt ein kaiserliches Auto* 
gramm: eine längere Schrift von Kaiser Tau*kuang 
<1821 — 1850). An der letzten Wand des Zimmers steht 
noch ein besonders reich geschnitzterTisch aus Ebenholz. 

AlleTischeundSchränkesindmitchinesischenBüchern 
bedeckt: meist illustrierten Werken über Schrift und 
Kunst, doch sind auch andre Literaturgattungen ver* 
treten,ebenso Zeitungen und periodischeDruckschriften. 
Chinesische Bücher werden in der Bibliothek nicht, wie 
die unsern, aufgestellt, sondern liegen,- meist hängt 
aus ihnen ein Zettel, auf dem der Titel angegeben ist. 
In seiner äußeren Aufmachung unterscheidet sich das 
chinesische Buch überhaupt sehr von dem europäischen. 
Zunächst beginnt es, wie ein hebräisches oder ara* 
bisches Werk, nach unsern Begriffen von hinten/ die 
Worte laufen von oben nach unten, die Zeilen von 
rechts nach links; meist sind die einzelnen Kolumnen 
durch Striche voneinander getrennt. Diese Einrichtung 
geht zurück auf die alte Zeit, da man noch kein Papier 
kannte 1 , sondern auf Holzstäbchen schrieb, die dann, 
zu Bündeln gesammelt, das Buch ergaben. Die Holz* 
Stäbchen wurden von oben nach unten beschrieben 
und zu Bündeln vereinigt/ sie konnten daher nur auf 

1 Das Papier wurde 105 n.Chr. von dem AckerbauministerTs'ai 
Lun erfunden. Vergleiche Hirth, Chinesische Studien, Seite 259 ft. 


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einer Seite beschrieben werden. Darum ist das chine- 
sische Buch auch heute nur einseitig bedruckt und die 
Seiten zusammengefaltet. Daß nicht das dünne Papier 
den Grund zu diesem Verfahren bietet, zeigen die 
dicken Manuskripte der Han-Zeit, die auch stets nur 
einseitig beschrieben sind. 

Der chinesische Bucheinband hat sich vom ursprüng¬ 
lichen doppelten Holzdeckel, der bei größeren Werken 
auch jetzt noch in Gebrauch ist, zum verschließbaren, 
mit blauem Stoff überzogenen Pappdeckelkasten und 
endlich zum europäisch beeinflußten Einband in unserm 
Sinne entwickelt. Alle Formen des Einbandes sind 
in der Bibliothek unsers Gelehrten zu sehen. Von 
älteren Entwicklungsstufen wird die Buchrolle durch 
das oben besprochene kaiserliche Edikt vertreten, einige 
der ausliegenden Werke über Schriftformen haben 
auch die Form des Leporelloalbums, die sich besonders 
bei buddhistischen Büchern nicht selten findet. 

Alle chinesischen Bücher werden seit vielen Jahr¬ 
hunderten gedruckt, Handschriften existieren nur aus¬ 
nahmsweise, meist sind es Abschriften buddhistischer 
Werke, die gelegentlich von Mönchen gefertigt werden. 
Der Druck ist in China sehr alt und geht auf die Ab¬ 
klatsche zurück, die seit 175 n. Chr. von den in Stein 


gehauenen Klassikern genommen wurden. Im 4. oder 
5. Jahrhundert soll dann an Stelle des Steines die Holz¬ 
platte getreten sein; die erste direkte Nachricht über 
den Druck eines Buches stammt aus dem Jahre 594 
n. Chr. Den ältesten erhaltenen Druck besitzt meines 
Wissens Japan, er ist ein im Jahre 770 angeblich gleich 
in einer Million Exemplare gedrucktes buddhistisches 
Gebet. Auch von ihm besitzt das Schriftmuseum ein 
Exemplar, es ist mit der kleinen tönernen Pagode, die 
den bedruckten Gebetsstreifen birgt, an der Wand 
gegenüber dem chinesischen Hause^ aufgestellt 1 . Der 
Druck mit beweglichen Lettern, die zuerst aus Ton, 
dann aus Metall waren, wurde im Jahre 1041 von einem 
Schmied namens Pi Scheng erfunden, hat aber den Block¬ 
druck nicht verdrängen können, sondern ist erst in 
neuester Zeit zusammen mit dem Aufkommen des 
Zeitungs wesens unter europäischem Einfluß allgemeiner 
in Aufnahme gekommen 2 . 

1 Siehe darüber Nadiod im »Führer durch’die Halle der 
Kultur«, Seite 57. 

2 Siehe Julien, Sur l'art d'imprimer... en Chine: Journal Asia- 
tique Ser. IV, Band 9,1847, Seite 505—534/ ferner Conrady, Bei¬ 
träge zu Wassiljew Seite 210/ Stübe, Die Erfindung des Drudces 
in China und seine Verbreitung in Ostasien, Beitr. z. Gesch. d. 
Technik 1918, Band 8, Seite 82—93. 


Zur Geschichte der Druckerei des Kiewer Höhlenklosters 

Von Dr. ARMIN FRÖHLICH, Volontär am Deutschen Kulturmuseum 


M an kann das Kiewer Höhlenkloster die Wiege 
der russischen Kultur nennen. Um 1050 ge¬ 
gründet, war es der Mittelpunkt, von dem 
aus sich allmählich das Christentum in den weiten Ge¬ 
bieten des slawischen Ostens verbreitete. Es war Ru߬ 
lands erste Schule, die erste Pflanzstätte der Geistlich¬ 
keit. Die ersten Ärzte, die ersten Bücherschreiber und 
die ersten Künstler lebten im Höhlenkloster. Hier 
entstand auch die erste russische Chronik, Nestors 
berühmte »Povest vremjannych let«, und die erste 
Sammlung von Heiligenlegenden, das »Paterikon« 1 . 
Die weitere Entfaltung des Klosters wurde durch die 
Stürme der Tatarenzeit gehemmt: Im Jahre 1240 
wurde es vollständig zerstört — eine Heimsuchung, 
die sich zwei Jahrhunderte später <1482) wiederholte. 
Durch die Vereinigung Kiews mit Litauen und Polen 
wurde die Wirksamkeit des Höhlenklosters nach Osten 
hin unterbunden und westlichen Kultureinflüssen das 
Tor geöffnet. Besonders gegen Ende des 16. Jahrhun¬ 
derts, als im westlichen Rußland eine römisch-griechische 

1 Vergleiche K.Goetz: Das Kiewer Höhlenkloster als Kultur¬ 
zentrum des vormongolischen Rußlands. 1904. 


Union eingeführt wurde, wurde es dem Kloster sehr 
schwer gemacht, sich als Stätte der Rechtgläubigkeit zu 
behaupten. Doch das Drängen von außen erweckte 
neue Energien. Als ein wirksames Mittel, den ortho¬ 
doxen Glauben zu wahren und zu propagieren, griff 
man den Buchdruck auf, den schon ein halbes Jahr¬ 
hundert vorher Iwan der Schreckliche und der Metro¬ 
polit Makarius der Kirche dienstbar gemacht hatten. 
Das Hauptmotiv zur Gründung des Moskauer Druck¬ 
hofes: die große Fehlerhaftigkeit der bestehenden 
Bücher und die Gefährdung der reinen Lehre dadurch 
wirkte auch in Kiew mit. Dies geht aus den An¬ 
gaben hervor, die im Vorwort des 1619 erschienenen 
»Anthologion« über die Einführung des Buchdrucks im 
Höhlenkloster gemacht werden 1 : »Viele haben allerorts 
Typographien oder Druckereien 2 gegründet, Bücher 
verschiedener Wissenschaften herausgegeben und der 
Christenheit genützt, wie bei vielen verschiedenen 

1 Bei der Übersetzung hat midi Herr Professor Murko freund- 
lidist unterstützt. 

2 »Typographia ili Drukami« — das erste Wort russisch, das 
zweite polnisch <aus dem Deutschen). 


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Völkern, so auch bei eben unserm russischen. Durch 
solchen Eifer angetrieben, hat auch in vergangenen 
Jahren der fromme und Christus liebende, wohlge¬ 
borene Mann, seligen Angedenkens, Herr Feodor 
Jurievic Balaban auf Chorochin, diese eingerichtet 
und ins Werk gesetzt. Und durch den Druck von 
Gebetswortbüchern, das heißt Ritualen, hat er nütz¬ 
lich, ohne Tadel und den Bedürfnissen entsprechend, 
den Gottesdienst gefördert. Nachdem dieser Mann 
das Verwesliche mit Ewigem vertauscht und den Ort 
der Seligen erreicht hatte <wir beten, daß er unter 
ihnen, den Christus Wohlgefälligen, ruhen möge) und 
nachdem er diese (Druckerei) untätig zurückgelassen 
hatte, hat der ehrwürdige unter den Vätern, der geist¬ 
liche Herr Elissej Pleteneckij, nach dem Willen Gottes 
Archimandrit des Höhlenklosters in Kiew, zu den an¬ 
dern Bemühungen um die Kirche, zur allgemeinen 
Verbesserung des Mönchslebens, wie auch zur Befesti¬ 
gung der einen, katholischen, apostolischen, östlichen, 
rechtgläubigen Kirche, der Überlieferungen der Väter 
und der Dogmen, auch dies eine hinzufügen wollen, 
um ewig und unzerstörbar die Frömmigkeit der Väter 
und die Kirchenregel zu wahren. Um den Preis von 
Silber brachte er diese (Druckerei) aus dem Hause 
jenes (des Balaban) und übertrug sie in das heilige 
Höhlenkloster, nachdem er sich zusammen mit allen 
Brüdern in Christus beraten hatte, um die zuerst ge¬ 
pflückte Frucht Gott darzubringen, die rechtgläubigen 
Herzen zu erheitern und die göttlichen Kathedralen 
zu durchschallen. 

Auf seine Anregung hin hat der von Fürsorge und 
unablässigem Streben, unter der Förderung des Herrn, 
durchdrungene prophetische Vater Jov Boreckij, Abt 
des heiligen Klosters des Erzstrategen Michael, mit 
den goldenen Kuppeln, in Kiew, Lehrer der Frömmig¬ 
keit und kompetent in den göttlichen Schriften, mit 
allem Fleiß aus der echten griechischen in die slowenische 
(kirchenslawische) Sprache in diesem heiligen Buche ver¬ 
bessert und vieles auch erklärt. An manchen Stellen 
trug auch dazu eine Verbesserung bei der ehrwürdige 
undwohlgeborene(unterden)Archidiakon(en)Zacharia 
Kopystenskij, ein Mann von größtem Eifer in der 
Frömmigkeit, sehr weise in der Theologie und beredt 
im Bekenntnis des orthodoxen Glaubens. Scharfsinnig 
forschender Verbesserung spürte nach der gelehrte 
Mönchspriester Pamvo Berinda, der durch seine Er¬ 
fahrenheit und Kunstfertigkeit in der Druckarbeit zu 
diesem Unternehmen beitrug. Dazu andre Mit¬ 
förderer, deren Namen in das Buch des Lebens ein¬ 
geschrieben sind.« Diese authentischen Angaben ge- 

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statten es, die Darstellung Nordens in seinem Aufsatz 
über »Die Anfänge des Buchdrucks in Rußland« (Zeit¬ 
schrift für Bücherfreunde 1899/1900, Heft 9, Seite 345) 
zu berichtigen und zu ergänzen. Gestützt auf ein Buch 
von J. N. Boserjanov 1 schreibt er: »Die Druckerei 
(Feodorovs) bestand dort (in Lemberg) noch lange 
fort und wurde im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts 
nach Kiew in das Höhlenkloster übergeführt.« Möglich 
wäre es ja an sich, daß Feodor Balaban seinerseits 
die Druckerei von Feodorov oder dessen Gläubiger 
Jakubovic, an den dieser seine Werkzeuge verpfänden 
mußte, übernommen hätte. Dagegen spricht aber, daß 
Balaban nicht in Lemberg, sondern in Strjatik in 
Galizien druckte 2 . Außerdem nennt Librovic seine 
Druckerei, aus der im Jahre 1604 ein »Sluzebnik« 
(Meßbuch) hervorging, neu eingerichtet. Ein Vergleich 
der 1574 in Lemberg erschienenen Apostelgeschichte 
Feodorovs mit dem Anthologion bestätigt diese An¬ 
gabe: die Typen Feodorovs sind zwar gleichgroß, 
aber viel stärker. Gestützt auf archivalische Quellen 
gibt Titov 3 an, daß Balaban im Mai 1606 gestorben, 
und daß die Druckerei im August des gleichen Jahres 
nach Kiew gebracht worden sei. Bücher seien aber erst 
seit 1616 erhalten. Librovic nennt als erstes Erzeugnis 
der Presse des Höhlenklosters ein 1617 erschienenes 
»Casoslov« (Horologium)und zitiert aus dessen erstem 
Vorwort u. a.: »Bittet Gott, im Namen der Drei¬ 
einigkeit, daß er fördert, was wir im Sinne haben: 
durch Druckwerk der rechtgläubigen Kirche gefällig 
zu sein; das jetzige nun soll der Anfang sein des Ge¬ 
richts und der Verbesserung der östlichen katholischen 
Kirche. Lebt wohl im Herrn!« Diesen Worten nach 
könnte das »Casoslov« das erste Kiewer Druckwerk 
sein. Auch das Vorwort des Anthologions (1619) 
macht es wahrscheinlich, daß der Buchdruck damals 
noch neu war in Kiew. Wie man aber beim Moskauer 
Druckhof jetzt der Annahme von undatierten Drucken 
vor der Apostelgeschichte von 1664 zuneigt 4 , um die 
zehnjährige Kluft zwischen derGründungderDruckerei 
und dem ersten erhaltenen Druckwerk zu überbrücken, 
so wären auch bei der Druckerei des Höhlenklosters 
zehn Jahre ohne Druckprodukt unverständlich. Merk¬ 
würdig ist die Parallelität der beiden Fälle. 

1 Istoriceski ocerk russkago knigopecatnago dela. 

2 Siehe S. F. Libroviö: Istorija knigi v Rossij (Geschichte des 
Buches in Rußland) Band i, Seite 123. 

3 Professor F. Titov: Kratkoe istoriöeskoe opisanie Kievo- 
Peöerskoj Lavry usw. (Kurze historische Beschreibung des Kiewer 
Höhlenklosters) 1911. 

4 Siehe K.Tautz: Die Einführung der Buchdruckerkunst in Ru߬ 
land (Zentralblatt für Bibliothekswesen XXXI, Seite 124). 


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Was nun die im Anthologion genannten Männer 
anlangt, so hat Elissej Pleteneckij, der Gründer der 
Druckerei, diese auch durch die Anlage einer beson* 
deren Papiermühle und einer Schriftgießerei energisch 
gefördert. Zacharia Kopystenskij folgte ihm als Archiv 
mandrit des Klosters nach <1624 bis 1627). Pamvo 
Berinda, jedenfalls der technische Leiter der Druckerei, 
hat sich durch sein 1627 erschienenes kirchenslawisch* 
russisches Wörterbuch, das erste der beiden Sprachen, 
berühmt gemacht. Dieses Wörterbuch war ein wich* 
tiger Schritt zu einer russischen Schriftsprache, und es 
ist ein großes Verdienst des Höhlenklosters und zu* 
gleich für den nationalen Geist, der darin herrschte, 
bezeichnend, daß in den zwanziger Jahren des 17. Jahr* 
hunderts dort die ersten russischen Übersetzungen er* 
schienen. Nach dem Tode Kopystenkijs fand die 
Druckerei einen tatkräftigen Förderer in dem Archi* 
mandriten Peter Mogila <1627 bis 1646, seit 1632 auch 
Metropolit von Kiew), der sich große Verdienste um 
die Kirche und Bildung Rußlands erwarb. Er gründete 
das Kievo*Mogilevsche Kolleg, an dem die alten 
Sprachen und Grammatik gelehrt wurde, und aus dem 
später die geistliche Akademie hervorging. Dadurch 
machte er Kiew wieder zum Bildungszentrum Rußlands. 
Die Schüler der Anstalt verwandten ihre griechischen 
Kenntnisse zu weiterer Verbesserung der kirchlichen 
Texte. Einige von ihnen wurden dazu auch an den 
Moskauer Druckhof berufen. Wie Pleteneckij, sah 
Mogila im Buchdruck vor allem ein wichtiges Mittel, 
um den griechischen Glauben in Polen zu verbreiten. 
Als Verfasser, Korrektor und Herausgeber zahlreicher 
Bücher setzte er die Druckerei in lebhafte Tätigkeit. 
Besondere Erwähnung verdient die im Jahre 1636 er* 
schienene, mit 50 Holzschnitten illustrierte Anthologija, 
für die Mogila das Vorwort schrieb. In dem 1646 er* 
schienenen »Trebnik ili Euchologion« ist das Wappen 
Mogilas abgebildet. Im Vorwort hierzu spricht er 
von den Verfolgungen, denen der griechische Glaube 
in Polen ausgesetzt war. Wenn das Polentum auch 
kirchlich wenig oder keinen Erfolg hatte, so war 
sein kultureller Einfluß doch bedeutend. Die Sprache 
Mogilas ist voll von Polonismen, und während seiner 
Abtzeit erschienen sechs lateinische und polnische Bücher 
in der Höhlenklosterdruckerei, darunter ein Buch mit 
polnischen Versen, »Mnemosine«, mit dem die Schüler 
des Kollegs im Jahre 1633 ihren Protektor bewillkomm* 
neten. Obgleich im Jahre 1654 Kiew an Moskau fiel, 
dauerte der polnische Einfluß an. Im Jahre 1672 er* 
schien im Höhlenkloster ein griechisch-orthodoxes Buch 
in polnischer Sprache, halb mit Antiqualettern und halb 


in Fraktur gedruckt <Disputation eines Juden und eines 
Christen über Jesus, den wahren Messias). Daß die 
Drucktätigkeit im Höhlenkloster auch auf weltliche 
Wissensgebiete Übergriff, wird durch den ersten Abriß 
der russischen Geschichte bezeugt, der dort im Jahre 1674 
erschien < 2YNOP2I2 ili kratkoe cobranie ot raznych 
letopiscev: o nacale Slavjano-Russkago narodausw.: 
Kurzer Auszug aus verschiedenen Chronisten: Vom 
Anfänge des slawisch-russischen Volkes und den erst* 
anfänglichen Fürsten der Erlöserstadt Kiew, vom Leben 
des heiligen, frommen Großfürsten von Kiew und ersten 
Selbstherrscher von ganz Rußland, Vladimir, und von 
den Nachfolgern seiner gottesfürchtigen Herrschaft 
über Rußland bis zu unserm erlauchten und gottes* 
fürchtigen Herrscher, dem Zaren und Großfürsten 
Aleksij Michailoviö). Verfaßt war dieses Buch von 
dem Archimandriten Innokentij Gisel, einem der ge* 
bildetsten Männer des damaligen Rußland, dem auch 
eine Ausgabe des Paterikons <2. Auflage 1678) zu 
danken ist. Er war zugleich ein tüchtiger Kaufmann, 
der den Produkten der Höhlenklosterdruckerei ein 
neues Absatzfeld eröffnete: Im Jahre 1672 schickte er 
einenMönch mit427ßüchern zum V erkauf nachMoskau. 
Diesem schlossen sich zwei Kiewer Bürger an, die 
113 Exemplare übernahmen, und drei Monate später 
wurde durch die beiden Meister Kuvsa und Music 
aus der Höhlenklosterdruckerei ein richtiger Buchladen 
in Moskau eröffnet, in dem sie »Bücher in allen Dialekten 
des orthodoxen katholischen Glaubens« verkauften. Sie 
stellten die Preise niedriger als der Moskauer Druck* 
hof und machten ihm so eine scharfe Konkurrenz. 

Dem erwähnten Paterikon von 1678 ist der repro* 
duzierte Plan des Höhlenklosters entnommen, auf dem 
leider das Haus der Druckerei nicht mit aufgefuhrt ist. 
Titov gibt an, es sei wahrscheinlich ein kleineres Stein* 
haus gewesen, das sich östlich der großen Klosterkirche 
amAbhang des oberenKlostergehöftes nach dem Dnjepr 
befand <nach dem Plan des Afanasij Kalnofojskij). Der 
vorliegende Plan illustriert gut den Namen »Höhlen* 
kloster«: Er zeigt die Höhlen, in denen die Heiligen 
lebten und begraben wurden und die labyrinthischen 
Verbindungsgänge. Die große Klosterkirche ist auch 
auf den meisten Titelblättern der alten Drucke des 
Klosters abgebildet. Ebenso sind die alten Bücher 
durch kleine Wiedergaben des wundertätigen Bildes 
der Himmelfahrt Mariä gekennzeichnet 1 , nach dem das 
Kloster sich neuerdings auch »Uspenskaja lavra« nennt 
<Himmelfahrtskloster). 

1 Siehe die Abbildung des Titelblattes des Anthologion in 
Heft 11/12, 1918. 

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Einen wichtigen Einschnitt in der Geschichte der 
Höhlenklosterdrudcerei bedeutet das Jahr 1720. Bis 
dahin waren die Archimandriten in der Aufsicht über 
die Druckerei im wesentlichen selbständig. Zwar druckte 
man bis 1680 »mit dem Segen« der Konstantinopler 
Patriarchen und dann mit dem der Moskauer. Aber 
weder die einen noch die andern kümmerten sich weiter 
um die Kiewer Druckwerke. Nur der Moskauer Pa¬ 
triarch Joakim hatte wegen gewisser Besonderheiten 
der Klosterbücher den Wunsch ausgesprochen, sie vor 
dem Druck zu Gesicht zu bekommen. Im Jahre 1720 nun 
verfügte der heilige Synod, daß die Klosterdruckerei 
nur noch gottesdiensdiche Bücher in kirchenslawischer 
Sprache und zwar in vollkommener Übereinstimmung 
mit denDrucken der Moskauer Synodaldruckerei produ¬ 
zieren dürfe. Alle Erscheinungen wurden so der Vor¬ 
zensur des heiligen Synods und der Synodaldruckerei 
unterworfen. Eine schwere Konkurrenzgefahr dagegen 
wurde glücklich abgewendet. Der Kiewer Metropolit 
T. Scerbanskij <1748 bis 1758) wünschte nämlich eine be¬ 
sondere erzbischöflicheDruckerci. Zwar waren schon bald 
nach der Höhlenklosterdruckerei weitereDruckanstalten 
in Kiew gegründet worden <Timofej Aleksandrov und 
Spiridon Sobol), durch das Unternehmen des Metro¬ 
politen aber wäre ja das Höhlenkloster auf seinem 
eigensten Verlagsgebiete getroffen worden. Durch Ein¬ 
spruch der Kaiserin Elisabeth wurde das Unternehmen 
vereitelt. Im Jahre 1786, als die Kiewer Metropoliten- 
würdemit derWürde eines Archimandriten des Klosters 
vereinigt wurde, erhielt dieses das Recht, mit der » bürger¬ 
lichen« <von Peter dem Großen geschaffenen, modernen 
russischen) Schrift zu drucken. Mit dieser Freiheit und 
ausgerüstet mit allen modernen maschinellen Ein¬ 
richtungen konnte die Druckerei im 19. Jahrhundert ihre 
Tätigkeit weiter ausbreiten. Sie liefert nicht nur reich 
ausgestattete kirchenslawische Folianten für die theo¬ 
logischen und kirchlichen Bedürfnisse, sondern auch 
moderne Bibeln und Gebetbücher für weite Kreise des 
Volkes in Rußland sowie auch in den andern griechisch- 
katholischen Ländern. So ist sie gegenwärtig eine der 
größten Druckereien Rußlands. 

Dieser Skizze der allgemeineren Bedeutung der 
Druckerei seien einige Bemerkungen über die künst¬ 
lerische Ausstattung ihrer Bücher, besonders in der 
älteren Zeit, angefügt. Die acht Druckwerke, aus der 
Zeit von 1619 bis 1747, die zurzeit im Kulturmuseum 
sind, liefern dazu reiches Material. Einiges davon <aus 
dem Anthologien) ist schon im Heft 11/12,1918 wieder¬ 
gegeben und besprochen worden. Ein entschiedener 
künstlerischer Fortschritt ist in dem Euchologion von 


1646 erkennbar. Hier findet sich zuerst die Signatur 
eines Künsders, der die zahlreichen Holzschnitte dieses 
Folianten, ebenso wie die noch reichere illustrative Aus¬ 
stattung des Pater ikons von 1678 geliefert hat,und dessen 
Arbeiten noch im Evangelienbuch von 1697 benutzt 
worden sind: Helias, wie mit lateinischen Buchstaben 
auf dem Titelblatt des Euchologions steht <dazu Rok, 
polnisch = Jahr, 1646). Dieses Titelblatt ist eines seiner 
besten Leistungen. Über dem mittleren Titelfelde be¬ 
findet sich eine Darstellung der Kreuzigung, die mit 
sieben kleinen Medaillonbildchen der Sakramente (da¬ 
zwischen sind noch zwölf winzige, aber scharfe Dar¬ 
stellungen der Passion eingefügt) durch die Blutströme 
verbunden ist,die sich aus den Wunden Christi ergießen. 
Das Kreuz ist als Baum aufgefaßt —■ die Sakra¬ 
mente sind gleichsam seine Früchte. In einer weiteren 
Kreuzigung, gleichfalls von Helias, der hier, wie sonst 
stets, russisch signiert hat, sind in ähnlicher Weise sechs 
kleine Bildchen sehr schön als Blüten dem Kreuzesbaum 
angefügt. Das Euchologion enthält noch eine dritte 
ganzseitige Kreuzigung von Helias, an der der kräftige 
Schmerzausdruck in den Gesichtern der Frauen und 
des Jüngers und ein schöner Ausblick auf Jerusalem 
bemerkenswert sind. Die übrigen kleineren Holzschnitte 
behandeln hauptsächlich die Sakramente (Taufe, Abend¬ 
mahl, Trauung, Buße, Ölung, Wasserweihe, Be¬ 
erdigung). Sie sind mehr kulturgeschichtlich interessant, 
— wir sehen z. B. wie der Täufling in einen großen 
Kübel getaucht wird — als künstlerisch bedeutend, sind 
aber immerhin abwechslungsreich und lebendig in den 
Bewegungen und stehen höher als die steiferen Holz¬ 
schnitte des Anthologions und die plumperen des 
Paterikons. Diese sind zum Teil so roh, daß man sich 
kaum entschließen kann, sie demselben Künstler zuzu¬ 
weisen, um so weniger, als die meisten mit 1655 datiert, 
also erst neun Jahre nach dem Titelblatt des Eucho¬ 
logions entstanden sind. Nebenbei bemerkt gehtHelias 
häufig sogar so weit, den Tag aufseinen Holzschnitten 
anzugeben (z. B. den 9. Mai und den 23. Juli 1656). Von 
jedem Heiligen der Legendensammlungen wird ein — 
vollkommen typisches — Bild gegeben, darunter und 
daneben einige Szenen aus seinem Leben. Der Volks¬ 
aberglaube kommt dabei mit stärkster Kraft zur Dar¬ 
stellung. Die Grauenhaftigkeit der Teufel, die einen 
Heiligen umtanzen, streift ans Wahnwitzige. Bei einer 
Gruppe von Armen und Elenden, die sich um einen 
Almosen spendenden Bischof drängen, ist die Stärke 
der Bewegung und des Ausdruckes zu spüren, der 
Bischof ist aber doppelt so groß wie die Bettler und 
unter diesen sind auch wieder die unnatürlichsten 


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Größenunterschiede. Der länglichschmale Kopf einer 
Maria verrät den Einfluß der russischen Heiligenbilds 
malerei, von dem im ganzen bei den Holzschnitten 
wenig zu spüren ist. 

In dem Evangelienbuch von 1697 ist Helias mit 
ganzseitigen Holzschnitten der drei Evangelisten 
Matthäus, Markus und Johannes vertreten, die aber 
hinter dem mit T. T. signierten Bildnis des Lukas 
zurückstehen. Dieser sitzt in einem schön verzierten 
Stuhl an einem größeren Tisch und schreibt. Das saal* 
artige Zimmer ist von prächtiger Architektur. Die offene 
Tür gestattet einen schmalen Ausblick auf eine Terrasse, 
so daß die Intimität des Innenraumes nur etwas er* 
weitert, nicht gestört wird. Die sitzende Gestalt ist in 
den Proportionen und der Perspektive richtig, das Ge* 
sicht gut im Ausdruck, wogegen der Matthäus des 
Helias, der auch in einem Hause sitzt, sehr grob ver* 
zeichnet ist. Turmhoch über dem Paterikon steht das 
Evangelienbuch illustrativ durch die kleinen Holz* 
schnitte eines Meisters, der mehrere davon mit Feodor 
signiert hat, andre mit F. A. Die »Verklärung Jesu«, 
den »Einzug in Jerusalem«, die »Enthauptung Johannes 
des Täufers«, die »Verkündigung Mariä«, die »Be* 
schneidung Jesu«, den »Sturm auf dem See«, »Jesus 
bei Maria und Martha«, die »Himmelfahrt« und die 
»Fußwaschung« hat er mit einer Feinheit der Aus* 
führung und einem Reichtum des seelischen Gehalts 
behandelt, die seine Holzschnitte zu wahren Kabinett* 
stücken machen. Bei der »Verklärung Jesu« spürt man 
die Gewalt des Lichtes. Mit ausdrucksvoller Gebärde 
schwebt Jesus inmitten des Bildes, und die fünf andern 
Personen sind alle in lebendige Beziehung zu ihm 
gesetzt. Kunstvoll komponiert ist »Jesu Einzug in 
Jerusalem«. Natürlich und lebensvoll hat der Künstler 
alles Wesentliche des Vorgangs in engstem Rahmen 
znsammengefügt. Bei der »Enthauptung Johannes des 
Täufers« zeigt uns der Künstler eine wirkliche Salome, 
eine feingliedrige Tänzerin, die mit lächelnder Miene 
geeilt kommt, um den Kopf zu holen. Wie kontrastiert 
ihre festlich geschmückte Gestalt mit dem blutigen 
Leichnam! Die Darstellung der »VerkündigungMariä« 
läßt etwas vom Brausen des Heiligen Geistes spüren, 
der plötzlich in die stille Beschaulichkeit der Jungfrau 
kommt und dem sie sich mit demütiger Gebärde ent* 
gegenwendet. Die »Beschneidung Jesu« wird mit liebe* 
voller Genauigkeit geschildert. Sehr gut gelungen — 
besser als die Wolken — sind die Wogen auf dem 
Holzschnitt des Sturmes, und das Entsetzen der 
Jünger kontrastiert stark mit der Ruhe des schlafenden 
Herrn. Stimmungsvolle Kleinmalerei zeichnet be* 


sonders die Darstellung des Innenraumes aus, in dem 
Jesus bei Maria und Martha weilt. Wie reich wird die 
Hausfrauentätigkeit der Martha veranschaulicht, und 
doch ruht der Hauptton auf den ausdrucksvollen Per* 

sonen im Vordergrund.Wie die schon erwähnten 

Evangelisten des Helias, stechen auch viele andre 
Holzschnitte des Evangelienbuches von denen Feodors 
übel ab. Ein byzantinisch*steifer Holzschnitt, der Jesus 
in der Mitte seiner Jünger in einem mit Fliesen ge* 
täfelten, architektonisch reichem Raume zeigt — der 
ungläubige Thomas betastet den Herrn —, ist mit 
K. P. 1630 signiert. Diese Jahreszahl findet sich noch 
öfter im Evangelienbuch. Man ersieht daraus, daß 
alte Holzschnitte kritiklos immer wieder mit benutzt 
worden sind. Dadurch wurde der Fortschritt sehr ge* 
stört. — Das »Leiturgiarion« von 1708 enthält drei 
ganzseitige ornamental eingerahmte Heiligenbildnisse, 
an denen die wirklich individuellen Gesichtszüge be* 
merkenswert sind. Zwei davon sind M. S. signiert. 
Eine große Kreuzigung von einem Holzschneider 
»Marko« drückt gut den Schmerz des Johannes aus, 
zeichnet aber den Oberkörper Christi sehr schlecht. — 
Reicher illustriert ist das Meßritual <Triod cvetnaja) 
von 1747, in dem drei neue Signaturen erscheinen: 
Qecorpav K., Grigorij und Georgij. Mit »Grigorij« ist 
nur ein vierteiliges Bild der Schicksale Josephs signiert, 
das durch seine flächige Manier etwas verschwommen 
wirkt. Das gleiche gilt von den Holzschnitten Georgijs, 
bei denen die ungeschickte Art auffällt, in der er 
Vorder* und Hintergrund durch Bodenwellen ver* 
bindet. In der Schilderung der Vorgänge dagegen ist 
er sehr lebendig und ausdrucksvoll, und in der Zeich* 
nung der Personen ist er fein. Vergleicht man z. B. 
seine Darstellung der Szene des ungläubigen Thomas 
mit der oben erwähnten von 1630, so ist der Unter* 
schied gewaltig. Georgij scheint von Feodor gelernt 
zu haben — eine Himmelfahrt von ihm ist weiter 
nichts als eine vergrößerte Kopie eines Feodorschen 
Holzschnittes. Es finden sich einige kleine unsignierte 
Holzschnitte im Meßritual, die mit Feodorscher Fein* 
heit ausgeführt sind und wohl von ihm herrühren, 
z. B. eine Kreuzigung mit dem Soldaten, der die Seite 
des Herrn aufsticht, als einziger Person. Der Himmel 
ist schwer bewölkt, am Horizonte ein Stadtprofil. — 
Die beiden Holzschnitte von Qeiorfav K.: das »Gleich* 
nis von den Jungfrauen« und das »Abendmahl« sind 
meisterhaft in der Komposition und Darstellung. Beim 
Abendmahl drängen sich die Jünger voll dramatischer 
Spannung zusammen, das ganze Interesse ruht auf 
dem brotbrechenden Heiland. Durch Vorhänge in den 


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oberen Ecken wird die Konzentration und Intimität 
noch erhöht. Auch im Meßritual sind Holzschnitte bei* 
gemischt, die tief unter den besseren Illustrationen 
stehen. Neben den Holzschnitten erscheint hier auch 
ein erster Kupferstich: eine ausdrucksvolle Darstellung 
des betenden Jesus in Gethsemane. 

Was den ornamentalen Buchschmuck in den be* 
sprochenen Büchern anlangt, so finden sich sdhon im 
Anthologion Kopfstücke und (schwarze und rote) 
Initialen, freilich noch sparsam. Etwas reicher ist der 
Schmuck des Euchologion und des Paterikons, deren 
Text in Linienrahmen gedruckt ist. Wie illustrativ so 
steht auch ornamental das Evangelienbuch auf einer 
beträchtlich höheren Stufe: Es finden sich hier ganz 
prächtige Initialen, die hergebrachten Pflanzenornament* 
Kopfstücke sind durch fein eingefügte, meisterhafte 
Bildchen — wahrscheinlich von Feodor verschönert, 
und die Zahlenverweisungen am Rand haben prunk* 
volle Umrahmungen bekommen. Dazu kommt ein 
großer, weiter, kräftiger Satz. Das Leiturgiarion und 


das Meßritual enthalten keinen Fortschritt darüber 
hinaus, doch sind in dem letzteren die schönen Kopf* 
und Schlußstücke bemerkenswert. 

V. V. Stasov und D. A. Rovinskij haben über die 
alten russischen Holzschnitte quellenmäßig gearbeitet. 
Des letzteren zweibändiges Lexikon der russischen 
Graveure des 16. bis 19. Jahrhunderts 1 gibt eine Anzahl 
von Holzschnitten aus den besprochenen Büchern 
wieder. Die detaillierte Anführung der Arbeiten des 
Ilia zeigt, wie außerordentlich fruchtbar dieser Meister 
war. Merkwürdigerweise ist Feodor nur ganz kurz 
behandelt, und nichts von ihm abgebildet. In dem reich* 
ausgestatteten Werke von 1 . 1 . Leman über »Gravüre 
und Lithographie« (russisch St. Pet. 1913) wird Feodor 
gar nicht erwähnt. Rovinskij und Leman urteilen beide 
geringschätzig über die Leistungen der alten russischen 
Buchillustratoren. Jener unterscheidet eine Moskauer 
und eine Kiew*Lemberger Schule. Die bessern Lei* 
stungen findet er bei der zweiten, zugleich aber die 
größere Abhängigkeit von Westeuropa. 


Das Zwingli *Gedäditniswerk 1919 

Von Universitätsprofessor Dr. JOHANNES FICKER in Halle 


I n der Stadt, in der Ulrich Zwingli seinReformations* 
werk getan hat, ist zum bleibenden Gedächtnis der 
Vierjahrhundertfeier der Schweizer Reformation ein 
Werk geschaffen worden, das unter den besten stets 
eine erste Stelle behalten wird: Ulrich Zwingli. Zum 
Gedächtnis der Zürcher Reformation 1519 bis 1919. 

Man fragt sich oft, wie es komme, daß die reiche 
geschichtliche Arbeit, die getan worden ist, in ihrer 
Wirkung nicht weitergreift, daß in den Kreisen der 
Gebildeten und gar erst in den breiteren Kreisen Kennt* 
nis und Freude an der Geschichte nicht größer ist, jeden* 
falls in gar keinem Verhältnis zu der Fülle geschichtlicher 
Werke steht, die fortdauernd geschaffen werden. Der 
Gründe sind mancherlei. Einer aber ist der, daß die 
überwiegende Mehrzahl der geschichtlichen Arbeiten 
viel zu einseitig nur aus den textlichen Quellen gewonnen 
und die Darstellung viel zu wenig auf die Anschauung 
und Veranschaulichung der äußeren geschichtlichen 
Wirklichkeiten Bedacht genommen hat. 

Hier liegt nun ein Werk vor, in dem im vollem Gleich* 
maß mit der Schilderung durch das Wort die bildliche 
Darstellung des Anschauungsstoffes reichsten Inhaltes 
und weitesten Umkreises verbunden ist. Damit ist ein 
geschichtliches Gesamtwerk entstanden, das unter den 
Gedächtnisschriften,welche die säkularenReformations* 
feiern dieses Jahrhunderts wie der voraufgehenden 
geschaffen haben, soviel ich sehen kann, überhaupt an 
erster Stelle steht. Auch in seiner künsderischen Aus* 


gestaltung stellt es sich von der Type bis zu Vorsatz* 
papier und Einband als ein einheitliches Kunstwerk dar, 
in seiner druckerischen und technischen Ausführung als 
eine Meisterleistung, die unter den in neuerer Zeit in 
der Schweiz entstandenen Druckwerken als eine be* 
sonders gelungene hervorragt. Die Druckerei Bericht* 
haus in Zürich hat das Werk angeregt, verlegt und 
gedruckt,Zwingliverein,Staatsarchiv,Zentralbibliothek 
und die Stiftung für wissenschaftliche Forschung an der 
Universität Zürich haben es unter der Leitung des 
Direktors der Züricher Zentralbibliothek, Hermann 
Escher, herausgegeben. Unter den anregenden und 
beratenden, am Werke tätigen Kräften ist besonders 
Staatsanwalt Dr. Zeller in Zürich zu nennen. Kanton 
und Stadt Zürich haben finanzielle Beihilfe geleistet, so 
daß es möglich war, den mächtigen Großquartband von 
ungefähr45o Seiten und ^Tafeln (darunter elf farbige) 
für 50 Franken (an Vorausbesteller, für 70 an andre) 
auszugeben. Eine Vorzugsausgabe, nur durch reicheren 
Einband, andern Vorsatz und andres Titelblatt sich 
unterscheidend, ist zu 120 (150) Franken zu haben. 

Ausgezeichnete Aufsätze stehen voraus. QberZürich 
im Jahre 1519 würde man G. Meyer von Knonau gern 
noch ausführlicher reden hören, in der Weise, in der die 
beigegebenen Ansichten aus dem Anfang und aus dem 
Ende der reformatorischen Zeit, die farbigen Wieder* 
holungen der Leuschen Tafeln und JosiasMurers großer 
1 Podrobnyj slovar russkicb graverovXVI~XIXw.St.Pet. 1895. 


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Mir scheint unabweislich zu sein, daß Zwingli, der 
eifrig Musik pflegte, sie auf verschiedenen Instrumenten 
ausübte, und auch ein Freund der bildenden Kunst war, 
hier persönlich mitgewirkt hat: auf ihn weist der Wechsel 
in den religiösen Titelbildern, die geistvollen Motive, 
insbesondere der ganz persönliche, seiner Eigenart ent* 
sprechende Charakter des Holbeinschen Titelbildes 
der Schrift vom »Hirten« <hernach auch der kleinen 
Froschauerschen Ausgabe des NeuenTestaments 1524): 
unten Christus die Mühseligen einladend, oben antike 
Motive, rechts Musikinstrumente, links, wie es auch 
»der Hirt« fordert, kriegerisches Rüstzeug. Unter den 
übrigen Bildblättern treten, schon in der Größe, die 
politischen und die häuslichen hervor, einzelne Blätter 
sind in einzigen Exemplaren erhalten: das Gedenkblatt 
auf das Burgrecht von Bern und Zürich mit Konstanz, 
das Manifest für den ersten Kappeier Krieg,- die Wand* 
kalender von 1525 und 1527. Dazu Bilder aus andern 
seltenen Flugschriften religiösen wie politischen Inhalts: 
die Mächte Europas, mit ihnen die Sch weiz, beim Spiel; 
die göttliche Mühle. Das Muster eines Plakatdruckes 
ist die Zürcher Bekanntgebung über den ersten Kap* 
peler Krieg. Die handschriftlichen Dokumente, die den 
vorausgehenden Teil auch durch neue Hände, besonders 
durch Proben berufsmäßiger Schreiber ergänzen, lassen 
Zwingli unmittelbar bei der Arbeit sehen: beim Stu* 
dium zu Hause in dem von ihm geschriebenen grie* 
chischen Texte der Briefe des Apostels Paulus, in den 
lateinischen und hebräischen Randbemerkungen, die er 
seiner griechischen Hausbibel eingeschrieben hat,- als 
Dichter, als Staatsmann, als Theologen in Nieder* 
Schriften bei dem Marburger Gespräch. Dazu eine Reihe 
wichtiger Dokumente, die auf seinen Einfluß zurück* 
gehen, besonders aus dem letzten Jahre seines Lebens. 
Das Ende bildet die Wiedergabe der Originalurkunde 
<samt den angehängten Siegeln) des zweiten Land* 
friedens von Kappel — das Denkmal zugleich der 
großen Tragik dieses Lebens. 

Das Werk bringt demnach mit seinem großen Reich* 
tum ebenso eine Zwingli-Ikonographie als <in 12 Tafeln) 
eine Zwingli*Autographie/ es sammelt um den energisch 
geschlossenen, hoch aufrechten Mann, wie er in Schil* 
derung, in Bildnis und in den Zügen seiner Handschrift 
dargestellt ist, einen großen Kreis von Persönlichkeiten, 
die seine persönliche Wirkung, und eine Fülle von 
Zeugnissen, die sein geistiges Wirken widerstrahlen, 
und schafft aus dem allen ein geschichtliches Gesamt* 
bild ergreifender Kraft und leuchtender Lebendigkeit. 

Vortreffliche Übersichten, Einführungen, Erläute¬ 
rungen, Übersetzungen machen überall den Stoff ver¬ 
ständlich, geben die Fingerzeige, Bild* und Hand¬ 
schrift auch innerlich zu verstehen, und lassen den nicht 
ohne Handweisung, der sich tiefer in die Geschichte 
der großen Zeit einführen lassen will. 


Das große Gedächtnisbuch ist schon als stattliches 
Druckwerk, das während des Krieges ausgeführt 
werden mußte, auch für die von der Not der Zeit 
nicht unmittelbar betroffene Schweiz eine bedeutende 
Leistung. Man sieht mit Staunen und Freude das 
vorzügliche Papier, das die Zürcher Papierfabrik an 
der Sihl für das Werk angefertigt hat, und auch die 
zahlreichen prächtigen Farbentafeln, für die das Ar¬ 
tistische Institut Orell Füßli die Klischees lieferte, sehen 
uns an, als seien sie in einer Zeit tiefsten Friedens 
hergestellt worden. Kochs Fraktur eignete sich gut 
für den monumentalen Charakter des Werkes. Die 
für fortlaufenden Satz überstarken Initialen der Koch¬ 
schrift sind vermieden. Statt ihrer sind die großen Hol¬ 
beinschen Initialen der Foliobibel Froschauers einge¬ 
setzt/ ihre Antiqua geht sehr gut auch mit dieser sehr 
kräftigen Fraktur zusammen (ähnlich wie in der Stumpf* 
schen Schweizer Chronik und auch in verschiedenen 
Proben des vorliegenden Werk es, z.B. in dem Manifeste 
für den ersten Kappeier Krieg). Wirklich Gutes tut sich 
einander nie wehe und wirklich Schönes kann überall 
nebeneinander stehen. Für die erläuternden Bemer¬ 
kungen (zu den Dokumenten) ist in Ermangelung der 
schmalen Kochfraktur, die im Kriege nicht zu haben 
war, Antiqua verwendet, in lichtem Tone gedruckt, 
der den Satz zurücktreten läßt — eine Feinfühligkeit, 
die sich auch sonst in der Gestaltung des Satzbildes 
durchweg bemerken läßt. Die persönliche Leitung des 
Druckes durch den Besitzer der Druckerei, Paul Römer, 
ist überall spürbar. Die Lichtdrucktafeln zu Bildnissen 
und Handschriften, gleichermaßen vortrefflich, lieferten 
Brunner ® Co. Nicht mindere Sorgfalt ist auf Vorsatz 
und Einband verwendet. Die Bucheinbände sind von 
Erik von Stockar entworfen und von der Buchbinderei 
Günther, Baumann ® Co. in Erlenbach angefertigt 
worden. Der reichere Band für die Vorzugsausgabe 
ist in Pergament mit lebhaften nur ornamentalen 
Mustern mehrfarbig (weiß, blau, golden), wie auch 
das Vorsatzpapier, ausgefuhrt. Mir scheint die ein¬ 
fachere Ausgabe, in grauem Leinenband, gelungener, 
schon wegen ihrer strengen Schlichtheit und ihrer ge¬ 
schlossenen Ruhe mehr dem Gegenstände entsprechend. 
Bei solchem Werke hohen geistigen Gehaltes durfte 
auch auf dem Einbande, wie auf dem Blatte, auf das 
beim Aufschlagen des Buches der erste Blick fällt, die 
geistige Beziehung nicht fehlen, und gerade bei einem 
Werke solcher Einheitlichkeit und angesichts eines 
Helden von so einheitlicher Geschlossenheit mußte die 
geistige Einheit mit dem Inhalt sich auch auf Einband 
und Vorsatzpapier besonders ausprägen. Hier hat das 
geschichtliche Symbol seine Stelle. Wie viel hat es 
einst bedeutet! Wie viel kann es sagen, was anders 
nicht oder nicht anschaulich ausgedrückt werden kann! 
Wie viel ist uns mit diesem ganzen Gebiete verloren 

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Original fro-rn 

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Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum 


gegangen! Und wie leicht war es gerade hier zu ge¬ 
winnen ! Man kann Zwingli nicht anders schauen als 
den Mann mit Schwert und Buch, als den Mann, der 
im Wappen die eiserne Zwinge führte. Schwert und 
Buch, die Rüstzeugstücke, die er in der Schlacht von 
Kappel mit sich führte, haben wir darum auf die Ein¬ 
banddecke <in der Vorzugsausgabe auf das Titelblatt) 
gesetzt, die Zwinge zusammen mit dem Zürcher Wap¬ 
pen auf dem Vorsatzpapiere vereint <von E. v. Stockars 
Hand gezeichnet) und die eiserne Zwinge als Schlu߬ 
stück des Ganzen der Rückendecke eingeprägt: das 
Zeichen des in seinem Lebenslaufe wie in seinem 
Wesen und Werke unlöslich geschlossenen gewapp¬ 
neten Mannes. Damit schließt sich auch das Werk 
selbst zur innern Einheit zusammen. Es wird wenig 
Werke geben, die einen so einheitlichen Charakter 
haben und die eine so reiche Anschauung eines Helden 
und seiner Zeit ermöglichen. 

Der Reichtum, den derTräger einer neuenBewegung 
in seinem Wirken ausbreitet, ist freilich viel zu groß, 
als daß ein einziges Werk ihn ausschöpfen könnte, 
und die Aufgabe eines solchen großen Werkes ist es 
ebenso, zusammenzufassen, was bis jetzt verarbeitet 
worden ist, und was gegenwärtig erfaßt werden kann, 
als Grundlage und Anregung für weitere Arbeit zu 
geben. Die Fingerzeige, die es gibt, sind deutlich. Der 
Kreis der hier vereinigten Porträts ruft nach einer Ver¬ 
vollständigung der Schweizer Bildnisse des 16. Jahr¬ 
hunderts und nach einer vollständigen Bildniskunde 
der Reformationszeit überhaupt, sowie auch die 
Sammlung von Handschriftenproben erweiternde 
Fortsetzungen verlangt. Noch haben wir das 
Werk Hans Aspers nicht völlig gesammelt/ 



es wäre gut, wenn die erhaltenen Bilder festgestellt 
und herausgegeben würden. Dabei würde man sehen, 
mehr noch als im vorliegenden Werke, wie viele 
Bilder verschwunden sind, wie viele der Kunsthandel 
verschleppt hat. Zum Glück haben die Stecher des 
sorgfältig den Reichtum der vorausgegangenen Epoche 
sammelnden 17. Jahrhunderts vieles nicht mehr Zu¬ 
gängliche erhalten. Damit gewinnt die Frage nach dem 
inhaltlichen Werte dieser späten Arbeiten, in Zürich 
besonders der verschiedenen Künstler Meyer an Be¬ 
deutung, wie denn überhaupt eine Untersuchung kaum 
begonnen worden ist, welche Vorlagen die Bildnis¬ 
werke auch der vorausgehenden Zeit (Pantaleon, Beza, 
Reusner, Boissard) benutzt haben und inwieweit ihre 
Porträts Zuverlässigkeit beanspruchen können. Ein 
Anfang ist in dem schönen Gedenkbuche damit ge¬ 
macht, bei den Briefen auch die Siegel zu Ehren kommen 
zu lassen. Hier ist beinahe ebensoviel noch zu tun als 
in der Ausdeutung der Titelbordüren und ihrer Ver¬ 
wertung für die Erkenntnis der Vorstellungen jenes 
reichen, auch an Übergängen und Verknüpfungen 
reichen Jahrhunderts. Vögelins ausgezeichnete Beob¬ 
achtungen der Zürcher Denkmäler weisen, auch nach 
der formalen Seite hin, weiter. Man sieht: der Auf¬ 
gaben sind es genug. Aber die Hauptaufgabe bleibt 
doch immer, durch ein solches Gedächtniswerk das 
Bewußtsein der hohen Güter lebendig zu erneuern, 
die wir in der Geschichte haben. Es macht sich, und 
gerade auch in der Schweiz, eine Strömung bemerk¬ 
bar, die von der Geschichte wegtreibt. Aber ein 
bester Teil unsers Selbst muß verdorren, wenn 
sich die Wurzeln unsers Wesens nicht tief 
einsenken in den Boden der Geschichte. 



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Schweizerische Graphik 

Ausstellung im Deutschen Buchgewerbehaus zu Leipzig 

Von Dr. JULIUS ZEITLER in Leipzig 


I m Deutschen Buchgewerbehaus sind nach einer 
längeren Ausstellungspause, die durch den Krieg 
bedingt war, sehr interessante neutrale Gäste, 
Schweizer Künstler eingekehrt, die von jedem Deut* 
sehen herzlich willkommen geheißen werden müssen. 
Haben wir doch mehrfach im Kriege für unsre bildende 
Kunst, für unser Kunstgewerbe, für unsre Musik und 
für unsre Buchkunst Gastfreundschaft in dem schönen 
Land zwischen dem Bodensee und dem Genfersee 
erbeten und erhalten — mit der gleichen Herzlichkeit 
dürfen wir der Ausstellung Schweizer Graphik ge* 
denken, wie sie sich zuerst in Leipzig zur Schau bietet. 
Von dem schönen Gedanken ausgehend, daß alle, die 
guten Willens sind, dahin zu wirken haben, daß sich die 
leidenden Völker nicht'ganz entfremden, in der Er* 
kenntnis, daß es besonders die Pflicht der Neutralen 
ist, daß sich diese geistigen Fäden zwischen den 
Nationen wieder knüpfen, hat sich unter dem Patronat 
des Gewerbemuseums zu Basel ein Schweizer 
Künstlerausschuß gebildet, der vor allem Ausstellungen 
schweizerischer Graphik im Auslande veranstalten 
will. Dabei lenkt diese Künstler die Überzeugung, 
daß auf keinem andern Gebiete die besondere Art 
schweizerischen Kunstempfindens und Kunstschaffens 
deutlicher zum Ausdruck kommt, als in der Graphik. 
Sie sei nächst dem Wort und sobald das Wort nicht 
mehr ausreicht die natürlichsteTrägerin des Gedankens. 
Der neue Formensinn einer neuen Zeit komme in ihr, 
ungehemmt durch mühselige Technik, als natürlicher 
^Widerschein der Empfindung zum Ausdruck. Man 
wird in Anbetracht andrer schweizerischer Kunst* 
leistungen diesem Standpunkt in seiner Ausschließ* 
lichkeit nicht beipflichten können, jedenfalls muß man 
anerkennen, daß diese Graphik ein außerordent* 
lieh hohes Gesamtniveau kundgibt. Insgesamt ent* 
hält die Ausstellung nicht weniger als 248 Werke 
von 61 Schweizer Künstlern. Dazu gesellt sich dann 
noch eine sehr reichhaltige Abteilung angewandter 
Graphik. 

Immer freut man sich über das Bodenständige und 
Volkstümliche, das diese Blätter auszeichnet. Da fehlt 
alles Kraftlose, Gekünstelte, Preziöse, alles ist ehrlich 
gesehen und empfunden. Es sind Künstler, denen 
man steten Zusammenhang mit dem umgebenden 
Leben anmerkt, die mit offenem Blick alles, was für 
Land und Leute eigentümlich ist, beobachten. Der 


Schweizer, der an der Körperhaftigkeit der Dinge 
hängt, bevorzugt kräftige und strenge, ja oft wuchtige 
Formen. Es sind Künstler, die nicht blenden, und 
die in ihrer Ehrlichkeit vom sichersten Gefühl für das 
spezielle Ausdrucksvermögen jeder graphischenTechnik 
begleitet sind. Diese Graphik ist auch in einer uns 
recht ungewohnten Weise nicht aufs Kriegerische ein* 
gestellt/ nur vereinzelt finden sich militärische oder 
Mobilmachungsszenen darunter. Die Künstler gehören 
zwar allen drei schweizerischen Nationalitäten an, und 
das sprühende westschweizerische Wesen macht sich 
sehr geltend, aber das deutschschweizerische Element 
überwiegt doch wesentlich. 

Die Ausstellung macht uns mit einer ganzen Reihe 
noch weniger bei uns bekannter Namen vertraut. Es 
sind zum Teil solche, die uns das »Kunstblatt« von 
Westheim gelegentlich schon als Maler vorgestellt 
hatte, zum Teil war man ihren Leistungen schon im 
Gebiet der angewandten Kunst begegnet. Jedenfalls 
tut es dem überraschend neuen Gesamtcharakter dieser 
Ausstellung keinen Eintrag, daß wir Künstler wie 
Hodler, Welti, Vallet, Meyer*Basel, Ernst Würten* 
berger, Otto Baumberger, Karl Bickel, Hänny, Pauli, 
Giacometti, Max Bucherer u. a. schon genauestens 
kennen. Die Mehrzahl dieser Künstler geht nicht so 
sehr impressionistischen Zielen nach, als sie vielmehr 
dem Schaffen aus innern Anschauungen huldigt. Die 
Phantasiekunst, deren Paten die Schweizer Arnold 
Böcklin und Gottfried Keller gewesen sind, und der 
Expressionismus der Darstellung frei erträumter und 
aus innerster Seele hervorgesponnener Welten haben 
in der Tat ihren Zusammenhang. Charakteristischer* 
weise aber gingen die größten, die bestimmenden 
Einflüsse doch nicht von dem unerschöpflich reichen 
Radierer Alber tWe 1 1i, als vielmehr von Ferdinand 
Hodler aus. 

In kleinen Publikationen ist ja Albert Welti bei 
uns sehr bekannt/ aber mit Vergnügen läßt man den 
Blick auf seinen großen phantastischen Blättern <die 
berühmte »Mondnacht« und die »Fahrt ins 20. Jahr* 
hundert« sind darunter) verweilen. Weltis Sohn 
Charles kann allerdings neben seinem hohen Vater 
nicht allzusehr fesseln. Die Landschafter Carl Theodor 
Meyer*Basel und Hermann Gattiker sind mit 
ihrer stillen und liebenswerten, bekannten Kunst ver* 
treten. Mit einigen schönen Schabkunstlandschaften 

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— ■ - 

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schließt sich ihnen Fritz Voellmy an. Mit größer ge* 
sehenen Blättern in ähnlichem Sinne treten die Radierer 
Arthur Riedel und Emil Anner auf. Mit groß« 
zügigen Radierungen in strengem Strich stellt sich 
Eduard Vallet ein; seine Kunst, die am liebsten 
das Landleben, derbe Bauerngestalten, zu typischen, 
ja zu epischen Darstellungen erhöht, trägt einen ganz 
wuchtigen Charakter. Dürrwang geht feinsinnig dem 
Naturleben nach, F. Gilsi hat zum Weltpreise Be-* 
rührung, die interessanten Radierungen von Fritz 
Pauli atmen eine persönliche Note; er führt zwar 
bestimmte Linien der Phantasiekunst fort/ in seinen 
merkwürdig, völlig außerhalb der Geleise liegenden, 
lithographierten Exlibris ist er dagegen völlig original. 
Auch Alfred Soder in seiner Nähe fällt mit seinen 
Exlibris auf. Der herbe frische Stil von Hermann 
Huber entwickelt eine seltsam archaisierende Ge¬ 
staltenwelt schlanker Knaben und Mädchen, die in 
ihrem spröden Reiz, in ihrer Eckigkeit, Gespreiztheit 
und Hagerkeit die Abstammung von Hodler nicht 
verleugnen können. 

Hodler ist mit einigen seiner prachtvollen Litho¬ 
graphien anwesend. Seine expressive Wirkung strömte 
auf Blätter, wie die von Glinz und Ed.Renggli über, 
bei ersterem in die großzügig mit der Landschaft zu¬ 
sammenkomponierten Akte, bei letzterem in die knie¬ 
enden Landsknechte. Monumentalität spricht auch aus 
den straffen Lithographien von Niethammer. Durch 
reine und ausdrucksvolle Rhythmik sind die Blätter 
von PaulBarth augezeichnet. Einen magischen Hauch 
übermittelt Albert Hoppier mit seinen Großstadt¬ 
visionen, sehr weich empfundene und schimmernd zarte 
Landschaften sandte Surbek. Ein ganz starkes, ja 
überwältigendes Naturell bekundet Karl Bickel in 
seinen drei Lithographien: Begegnung, Liebespaar, 
Kind. Eine zärtliche Schönheit atmen die Lithographien 
von Rudolf Urech, an einen silbernen Corot läßt 
auch Barraudt denken, an Ekstase versucht Otto 
Baumberger das Äußerste, besonders in seinen 
Passionsszenen. In was für märchenselige Reiche führt 
dagegen der uns schon in vielem bekannte Ernst 
Kreidolf ein. 

Unter den Holzschnitten haben die volkstümlichste 
Note die von Wilhelm Hartung, zuweilen von 
einem drastischen Humor erfüllt, den übrigens auch 
Adolf Thomann seinen vorzüglichen Tierdarstel¬ 
lungen zukommen läßt. Als glücklicher und kraftvoller 


Nachkomme von Urs Graf und Manuel Deutsch ist uns 
MaxBucherer bekannt. BurkhardtMangold steht 
unserem Klemm nahe, sehr frische Leistungen sind 
auch die von Glinz und Hosch. Einem charaktervollen 
Holzschnittstil mit straffer Modellierung huldigt Ernst 
Würtenberger. Einen weit getriebenen Expres¬ 
sionismus pflegen der visionär-phantastische Ignaz 
Epper, FritzBaumann und der ekstatische August 
Wann er. Unter den Farbenholzschnitten sind die 
knorrigen von Giacometti den braven Leistungen 
von Helene Dahm, Martha Cunz, La Roche erheblich 
überlegen. 

Man wird nicht leicht so künstlerische und zugleich 
technisch gut ausgefuhrte Städte- und Landschafts¬ 
bilder finden, wie sie hier ausgestellt sind. Die Schweizer 
Verkehrs vereine und Kurorte waren gut beraten, als 
sie sich für solche Aufgaben an Künstler ersten Ranges 
wendeten,anHodler,Baumberger,S t i e f e l,Ca rd i n a u x. 
Die Schweizer Fabriken und Industrieanlagen, die 
Rheinschiffahrt, chemische Werke und Winterkurorte 
haben bei aller darstellerischen Treue eine ganz vor- 
züglicheWiedergabe gefunden. Nicht nur Kandersteg 
und Silvaplana, sondern auch ein so trocknes Thema 
wie die Jurazementfabriken sind hier zum Bild ge¬ 
worden. Aber selbst dergleichen ist erst die Vorstufe 
zu den meisterlichen Plakatleistungen, wie solchen 
von Arosa, Davos, Lugano, in denen die treffsicheren 
Einfälle mit der Kraft der Farbenklänge harmonieren. 
An dieser schweizerischen Plakatkunst ist die Litho¬ 
graphie schöpferisch weitergebildet worden. Und den 
vielfältigen Plakaten, wie sie aus den Werkstätten von 
J. E. Wolfensberger, Orell Füßli, Gebrüder 
Fretz, W.Wassermann hervorgehen, schließt sich 
eine ebenso gediegene Geschäfts- und Gelegenheits¬ 
graphik an, in Geschäftskarten, Einladungen, Etiketten, 
Theaterzetteln, Kalendern, die vielfach ganz neuartige 
Gestaltungen bringen,- hier findet man auch Illustra¬ 
tionen von Baumberger und Höppler, die fesseln, 
auch wenn sie in ihrem Stil zum Widerspruch reizen. 
Als Andenken an die Zeit des Grenzwachdienstes 
sollen endlich die Erinnerungsblätter dienen, wie sie 
von Hans Beat Wieland, Wanner, Mangold, Hosch in 
ganz volkstümlicher, oft derber Art gestaltet sind 
und jedem Schweizer ins Herz leuchten müssen, als 
Beispiel des unangekränkelten kerngesunden Volks¬ 
empfindens, aus dem diese ganze Graphik geboren 
ist, und zu dem ihr zu sprechen vergönnt ist. 


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Bitte an die Presse und ihre Vertreter! 

Das Deutsche Kulturmuseum für Buchwesen und Schrifttum gestattet sich hierdurch, die Aufmerksamkeit 
der Presse und ihrer Vertreter auf die im Museum bestehende 

ABTEILUNG PUR ZEITUNGSWESEN 

zu lenken, für deren weiteren Ausbau sich das Museum aufs lebhafteste einsetzt. 

Das in der Bibliothek und im Museum vorhandene Material hat durch umfangreiche Zuweisungen aus den großen 
Beständen der »Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik« <Bugra> Leipzig 1914 so erheblichen Zuwachs im Hinblick 
auf das Zeitungswesen erfahren, daß jetzt ein Grundstock vorhanden ist, wie er nicht leicht andern Orts vorliegen dürfte. 

Die Museumsleitung ist sich indessen darüber klar, daß das Unternehmen des weiteren Ausbaus der Abteilung 
ohne die tatkräftige Mitwirkung der Presse und ihrer Vertreter nur unvollkommen gefördert werden kann, und richtet 
daher an diese die ergebenste Bitte, das begonnene Werk nach Möglichkeit zu fördern, um das Museum instand zu 
setzen, Interessenten des Zeitungswesens ein möglichst vollständiges, in sich abgeschlossenes Studien* und Ansdhauungs- 
material bieten zu können. Erbeten wird daher in erster Linie die Zuweisung von Probenummern, welche die 
äußere Entwicklung der Zeitung im Laufe der Zeit ihres Bestehens erkennen lassen. Belege für Format-, Um¬ 
fang-, Kopftiteländerungen und dergleichen wären daher vor allem erwünscht, wobei es sehr begrüßt werden würde, 
wenn sich darunter einige der ältesten und einige der jüngsten Nummern (letztere möglichst aus der Zeit des 
Kriegsausbruches und den ersten Revolutionstagen) befinden würden. Besonders dankbar wäre das Museum für 
nötigenfalls käufliche oder, wo nicht anders möglich, leihweise Überlassung von besonders ausgestatteten Jubiläums¬ 
nummern, Festschriften und Neudrucken, welche für eine in Vorbereitung befindliche Sonderausstellung des 
Museums besonders wertvoll sind, bzw. von solchen Exemplaren, die bei bestimmten Zeitabschnitten des Bestehens 
einer Zeitung über deren Entwicklung geschichtliche Rückblicke gebracht haben. 

Wichtig wären ferner: Statistiken, graphische Darstellungen, Prospekte, Reklameplakate, Einladungen zu 
Abonnements, ausgegebene Kalender, Prämien, Zirkulare jeder Art, kurz jegliches Material, das 2um äußeren 
Apparat einer Zeitung gehört, möge es auf den ersten Blick noch so unbedeutend erscheinen. — Ganz besonderen 
Dank würde das Museum schulden, wenn seitens der verehrlichen Redaktionsleitungen auf ferner liegende Lite¬ 
ratur über die eigene Zeitung hingewiesen werden könnte/ da die bisher vorliegenden Bibliographien des Zeitungs¬ 
wesens nur die allgemein bekannten Schriften verzeichnen. Des weiteren wird besonders Wert auf bildmäßiges 
Material gelegt, wie Photographien der Gebäude von innen und außen (Grundrisse), Bilder vom Betriebe, Bilder 
von Direktoren, Redakteuren, Mitarbeitern und dem technischen Personal (möglichst mit Unterschriften). 

Bei der gerade im Krieg zutage getretenen hohen Bedeutung der mittleren und kleineren Presse der Haupt¬ 
städte und der Provinz würde das Museum besonderen Wert darauf legen, über die geschichtliche Entwicklung dieser, 
ihre politische und wirtschaftliche Betätigung und ihre Schicksale einige Auskünfte zu erhalten. 

An die Redaktionen der Blätter größeren Umfangs richtet die Museumsleitung die ergebenste Bitte, vor¬ 
liegendes Schreiben ihren Archivleitern vorzulegen und sie zu bitten, die Bestrebungen des Deutschen Kulturmuseums 
möglichst zu unterstützen. Bibliothek und Museum werden ihrerseits jederzeit bereit sein, aus der Fülle des vor¬ 
handenen Materials heraus etwaige Anfragen, soweit sie sich auf die wissenschaftliche Erforschung des Zeitungs¬ 
wesens beziehen, nach Möglichkeit zu beantworten oder gesuchtes Material zur Verfügung zu stellen. 

Bemerkt sei ausdrücklich, wie übrigens aus unserm Schreiben hervorgehen dürfte, daß die Bestrebungen des 
Deutschen Kulturmuseums lediglich darauf hinauslaufen, eine wissenschaftliche Basis für die Erforschung des 
Pressewesens zu schaffen, soweit dies im Rahmen eines mit einer Fachbibliothek verbundenen Museums zweckmäßig 
erscheint. — Diese unserm Museum gestellte Aufgabe zu unterstützen, wird sich letzten Endes als im Interesse 
der Presse selbst liegend erweisen, und auch aus diesem Grunde geben wir uns der Hoffnung hin, daß sich trotz 
der Überlastung und der Schwierigkeiten, mit denen die Presse zurzeit zu kämpfen hat, ihre Vertreter den aus¬ 
einandergesetzten Bestrebungen unsers Instituts gegenüber nicht ablehnend verhalten möchten. 

Zuschriften und Sendungen werden erbeten an: 

Deutsches Kulturmuseum, Leipzig, Zeitzer Straße 14 • Abt. Zeitungswesen 

Deutsches Kulturmuseum Für die Abteilung Zeitungswesen 

Professor Dr.SCHRAMM Der Direktorialassistent 

Museumsdircktor Dr. phil. H. BOCK WITZ 

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Mitteilungen aus dem Deutschen Kulturmuseum 

a> Ausstellungen im Deutschen Kulturmuseum 


n. Ausstellung Else Raydt, Magdeburg 

In dem wechselnden Ausstellungsraum hat die 
Künstlerin Else Raydt, Magdeburg, Originale ausge¬ 
stellt. Im Mittelpunkt des Interesses steht das Buch 
»Kinderlied von Richard Klement, Bilder von Else 
Raydt«. Federzeichnungen und farbige Bilder wechseln 
in diesem Buche ab. Die Federzeichnungen sind haupt¬ 
sächlich dazu benutzt, um den Buchschmuck zu be¬ 
streiten/ sie sind teils als Kopf» und Schlußleisten, teils 
als Randleisten und Schlußvignetten verwendet'. Manch 
netter Einfall ist dabei zu verzeichnen, so die Ver¬ 
wendung eines Eisenbahnzuges als Schlußleiste beijn 
Gedicht »Eisenbahn«. Verse wie Zeichnungen sind 
dem kindlichen Verständnis durchaus angepaßt/ manch 
dekorative Wirkung ist erzielt/ auch der Humor kommt 
zum Wort. Nicht alles ist aber der Künstlerin ge¬ 
glückt, vor allem will uns manchmal das Packende 
fehlen. Die Figuren sind zu prosaisch, wenn auch 
manchmal Riehtersche Behaglichkeit leise anklingt. Recht 
glücklich ist die Farbenzusammenstellung, die wirkliche 
Märchenstimmung weckt, insbesondere in den Bildern 
zu dem Gedicht »Märchen« und »Edelstein«. Jeden¬ 
falls steht sie damit weit über dem, was uns gemeinhin 
in Kinderbüchern geboten wird. Freilich ist sie nicht 
immer glücklich,- manchen Bildern haftet etwas Schul¬ 
meisterliches, Zeichenlehrerhaftes an. Das gilt beson¬ 
ders von ihren Titelzeichnungen, die ihre Stärke nicht 
zu sein scheinen. Das Kinder- und Märchenbuch liegt 
ihr mehr/ sucht dieKünstlerin ihr Arbeitsfeld auf diesem 
Gebiet und vervollkommnet sich darin, so wird man 
von ihr manch wertvolles Kinderbuch erwarten dürfen. 

12. Ausstellung von Märchenillustrationen 

Im Kuppelsaal ist versucht worden, die besten 
Märchenillustrationen der letzten Jahre zusammen¬ 
zustellen. Die Aufgabe ist an und für sich reizvoll und 

b> Vermehrung der Sammlungen 

16. Schenkung von Herrn Max Merseburger 

Herr Verlagsbuchhändler Max Merseburger, Leip¬ 
zig, dem unser Museum schon so manche Zuweisung 
verdankt, hat in letzter Zeit uns wiederum eine Reihe 
von Kriegs- und Revolutionsdrucksachen überwiesen, 
außerdem zwei Gutenberg-Medaillen, für die wir be¬ 
sonders dankbar sind, weil sie in unsem Sammlungen 


vielversprechend. Die gegenwärtige unruhige Zeit ließ 
aber die Möglichkeit nicht zu, alles wirklich gute Material 
— nur um solches handelte es sich — zusammen¬ 
zubringen. Es soll darum versucht werden, zur Weih¬ 
nachtszeit gerade diese Ausstellung zu wiederholen. 
Wir bitten alle Freunde unsers Museums, unsem Plan 
unterstützen zu wollen, damit Weihnachten 1919, das 
hoffentlich in Ruhe und Frieden gefeiert werden kann, 
ein umfassendes Bild des Besten, was Märchen¬ 
illustratoren geschaffen haben, geboten werden kann. 

In der jetzigen Ausstellung sind zunächst die Illu¬ 
strationen Max Slevogts, auf den wir in der nächsten 
Nummer unsrer »Zeitschrift« ausführlicher zurück¬ 
kommen werden, gezeigt. Sein »Rübezahl« hat mit 
Recht in kurzem die zweite Auflage nötig gemacht. 
Seine Illustrationen zu den Grimmschen Märchen sind 
erst vor kurzem erschienen. Von Hans Alexander 
Müller haben die Originalzcichnungen zu dem leider 
nicht im Buchhandel erschienenen Buch »Hofball. Eine 
Ballade für meine Jungens. Von Börries Freiherrn von 
Münchhausen« Platz in der Ausstellung gefunden. 
Kreidolf fehlt natürlich in der Ausstellung nicht. Dulac 
und Pellar mit ihrer Farbenpracht schmücken eine 
weitere Wand. Von österreichischen Künstlern sind 
die Illustrationen der bekannten Gerlach undWiedling- 
schen Bücher ausgestellt. Nicht unerwähnt bleiben soll 
Delavilla und Kubin, die jeder in seiner Art Beachtens¬ 
wertes geschaffen haben. Auch dem Ausland ist Raum 
gegeben worden, wo dem Besucher besonders Rackham 
in die Augen fällt und die meisterhaften russischen 
Illustrationen die Freude aller Besucher hervorrufen. 

Schon diese in unruhiger Zeit mit unzulänglichen 
Mitteln zusammengestellte kleine Ausstellung zeigt, 
welch großer Reiz der Märchenillustration unsrer 
Tage inne wohnt. Die Weihnachtsausstellung wird uns 
hoffentlich einen vollständigen Überblick ermöglichen. 

des Deutschen Kulturmuseums 

bis jetzt nicht vertreten waren und besonders schöne 
Stücke sind. Da das Museum im Gutenberg-Raum eine 
Sammlung möglichst aller Gutenberg-Münzen und 
-Medaillen anlegen will, wären wir unsem Freunden 
nicht nur für Überlassung solcher, sondern auch für 
Mitteilung darüber dankbar, wann und bei welchen 
Gelegenheiten solche in künstlerischer Ausführung aus¬ 
gegeben worden sind. 


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17. Schenkung von Kriegs- und Revolutions- 
drucken 

Herr Verlagsbuchhändler Hans Baedeker überwies 
dem Museum verschiedene Drucke und Zeitschriften, 
die er imFelde gesammelt hatte. Dasselbe ist wiederum 
von Herrn Major de Liagre zu berichten, der uns schon 
so manch wertvolles Blatt überlassen hat. Diesmal 
sind es vor allem Gedenkblätter für Offiziere und 
Mannschaften. Beiden Spendern unsern herzlichsten 
Dank auch hier zu sagen, ist uns angenehme Pflicht. 
Möchte der Kreis derjenigen, die aus dem Felde zurück- 
gekehrt sind und ihre Andenken, die sie in Form von 


Feldzeitungen, Fliegerzetteln, Einblattdrucken, Post¬ 
karten usw. mitgebracht haben, überlassen, sich auch 
weiter mehren. Das Museum wird alles, auch das 
Unscheinbarste, dankbarst annehmen und getreulich 
bewahren. 

18. Schenkung von Presse-Erzeugnissen 

Für die Abteilung »Presse« gehen uns immer von 
Zeit zu Zeit zum Teil recht wertvolle Schenkungen zu. 
Da geplant ist, gerade diese Abteilung möglichst aus¬ 
zubauen, bitten wir, den Aufruf auf Seite 45 be¬ 
sonders beachten und fördern zu wollen. 


Bücher- und Zeitschriftenschau 


Das malerische Leipzig. 14 Falzbeindrucke von Paul Hart¬ 
mann. Verlag von Quelle 'S) Meyer in Leipzig. Daß eine 
Folge von Holzschnitten den Titel »Das malerische Leipzig« trägt, 
befremdet bei dieser auf starke Kontraste und scharfe Linien ge¬ 
stellten Technik sicherlich ganz besonders. Aber da Hartmann 
unter »malerisch« keineswegs das Altertümliche, Verschnörkelte 
und Verfallende versteht, das er vielmehr als nebensächlich be¬ 
handelt, sondern im Gegenteil eher alles das, was sich — ob nun 
alt oder modern — durch Wucht und große klare Umrisse ein¬ 
prägt, bleiben Gegenstand und Technik in dem rechten Verhältnis. 
Für diesen Franz-Hein-Schüler gehören Hauptbahnhof und Karl- 
Heine-Kanal ebensosehr zum malerischen Leipzig wie Matthäi¬ 
kirchhof und Altes Rathaus, während die zahlreichen Höfe, die 
Petersstraße und überhaupt die für Leipzigs Stadtbild so ungemein 
wichtige Barockarchitektur fast völlig unberücksichtigt bleibt. Das 
wird mancher vermissen, aber dafür hat die Mappe ihre gesunde 
klare Eigenart/ sie ist von einem Künstler geschaffen, der genau 
weiß, was er kann, und sich danach seine Aufgaben wählt. Und 
nicht minder bezeidinend ist das helle klare Licht, das auf den meisten 
Bildern herrscht, die im vollen Sommer-Sonnenschein und bei 
fast wolkenlosem Himmel aufgenommen sind,höchstens daßMotive, 
bei denen es natürlich gegeben ist, wie etwa das Alte Rathaus und 
das Alte Theater, in Spätnachmittaglicht versetzt sind. Regen¬ 
spiegelnde Straßen und Nachtbeleuchtung, sonst auch von unsern 
Holzschnittkünstlern oft als charakteristisch empfunden und dar¬ 
gestellt, sind gemieden. Das scharf Begrenzte und stark Kon¬ 
trastierte liegt also Hartmann stets am nächsten,- in Ansichten 
wie dem Hauptbahnhof, dem Neuen Rathaus hat er vielleicht sein 
Bestes gegeben, während ihm die Darstellung des Alten Rathauses 
mit der Katharinenstraße und überhaupt manches, wo die Einzel¬ 
schönheit mehr eine Rolle spielt, kaum so gelungen ist. Da er¬ 
scheint mir beispielsweise das schöne Jöchersche Portal auf dem 
Rathausblatt doch zu summarisch und das Königshaus im Hinter¬ 
grund tritt nicht weit genug zurück. Was aber der Mappe stets 
wieder unsre Sympathie sichert, ist das selbständige natürliche 
Empfinden, das darin, fern von aller gekünstelten Einfühlung, zum 
Ausdruck kommt und das uns zu den heimatlichen Eindrücken 
in eine nicht erst historisch vermittelte unmittelbare Beziehung 
setzt. F. Schulze. 

Albrecht Dürers Handzeichnungen. Von E. Waldmann. 
<Des Dürerbuches dritter Teil.) Mit 80 Vollbildern. Leipzigi9i8, 
Inselverlag. Geb. M 5.50. Wenn Waldmann seinem biographischen 


Dürerband noch zwei weitere über die Stiche und Holzschnitte 
und ferner über die Handzeichnungen folgen läßt, so verrät das 
schon, daß er den Graphiker an Dürer ganz besonders betonen 
will. Und so ist der Textteil des dritten Bandes eine Entwick¬ 
lungsgeschichte von Dürers Kunst unter besondrer Hervorhebung 
von Handzeichnung und Graphik geworden, wie sie sich nur aus 
der vollen Stoffkenntnis heraus schreiben läßt. Denn niemals wird 
der Zusammenhang des Graphikers mit dem Maler aus dem Auge 
verloren, der natürlich eng genug bleibt. Handelt es sich doch 
nicht bloß um die Alleinherrschaft oder auch das Oberwiegen der 
einen oder der andern Ausdrucksform, sondern stets ist auch ihr 
Einfluß aufeinander zu berücksichtigen. Beispielsweise hat die 
malerische Produktion nach Dürers zweiter Italienreise höchst 
günstig auf die anschließenden graphischen Werke eingewirkt. 
Waldmann führt näher aus, wie der Künstler damals mehr Ab¬ 
stand von den Dingen gewinnt, summarischer zeichnet und eine 
tonige Wirkung erstrebt. »Dürer hat gelernt, das Papier zu über¬ 
winden; wo er das Weiß stehen läßt, meist in großen und gesam¬ 
melten Bahnen, bedeutet es und suggeriert es wirklich Licht und 
Helligkeit, nicht nur Reflex.« Auch die starken Anregungen der 
niederländischen Reise, namentlich die vertiefte Kenntnis nieder¬ 
ländischer Malerei, kommen dem Schaffen des Malers wie des 
Graphikers in gleicher Weise zugute. So wird in stetem scharf¬ 
sinnigen Abwägei\ seiner künstlerischen Herkunft (aus der Spät¬ 
gotik), seiner Anlagen und der zahlreichen Einflüsse, die er zeit¬ 
lebens voll unstillbarem Bildungshunger suchte, das Werden von 
Dürers Stil erklärt und ein klarer Begriff von seinem in schwerem 
Ringen mit den Formproblemen erkämpften Aufstiege gewonnen, 
bis zur Reife und bis zur »letzten Steigerung« durch die seine Seele 
erst ganz erschließende niederländische Reise. Die Eigenart der 
gestellten Aufgabe bringt es natürlich mit sich, daß dabei stets auf 
Einzelbeispiele unter seinen Handzeichnungen genauer Bezug ge¬ 
nommen und in dieser Form eine stete Verbindung mit dem 
Bilderteil hergestellt wird, der eine Auswahl von 80 Nummern 
umfaßt und die im Text entwickelten Ansichten überzeugend stützt, 
indem er gleichzeitig einen chronologischen Überblick ermöglicht, 
wie ihn die für den Studienzweck unentbehrliche Lippmannsche 
Gesamtausgabe mit ihren wundervollen formattreuen Lichtdrucken 
durch ihre Anordnung nach Sammlungsbeständen immerhin reich¬ 
lich schwer macht. F. Schulze. 

Philipp Otto Runge, Bilder und Bekenntnisse. Herausgegeben 
und eingeleitet von Gustav Pauli. Furcheverlag. Berlin 1918. 


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Preis Mf- Der Zweck des vorliegenden Bändchens, das als 
neunte Kunstgabe unter den Liebesgaben deutscher Hochschüler 
erscheint, ist, von Runges Art und Wirken ein eindrucksvolles, 
volkstümliches Bild zu geben. Das ist Pauli ausgezeichnet gelungen. 
Die Auswahl der 15 Tafeln bringt den sozusagen klassischen Be¬ 
stand Rungescher Werke und vermeidet Nebenarbeiten wie seine 
Scherenschnitte. Sechs seiner bekanntesten Bildnisse sind vereinigt, 
von seinem (unvollendeten) Lebenswerk, den »Tageszeiten«, wird 
das Wichtigste der drei Fassungen vorgelegt, außerdem aber noch 
»Der Nachtigall Unterricht« und die sonst weniger beachtete 
»Heimkehr der Söhne« geboten. Man hätte jedoch trotz allem 
von Runges Zielen nicht den rechten Begriff, wenn sich nicht auch 
eine Auswahl seiner Aussprüche über Kunst anschlösse. Sie 
erst zeigen (und darin offenbart sich in Runge ganz der in Sehn¬ 
sucht lebende romantische Mensch) recht eigentlich, was er will. 
Jedem Historismus abhold, und in diesem Punkt das Gegenspiel 
der mehr stofflich romantischen Nazarener, möchte er durch seine 
Kunst noch nie Ausgedrücktem zum Ausdruck verhelfen. Er ist 
indes Maler genug, um in der begrenzten Aufgabe des Porträts 
sein Bestes zu leisten. Sehr fein und prägnant charakterisiert in 
seiner Einführung Gustav Pauli den Menschen und Künstler 
Runge, indem er mir nur das »Heldenhafte« in ihm zu stark her¬ 
vorzuheben scheint, denn das Modernste und Verblüffendste an ihm 
ist ja mehr Phantasie als Wirklichkeit gewesen. F. Schulze. 

Die zehn Bücher der Architektur des Vitruv und ihre 
Herausgeber seit 1484. Von Professor Bodo Ebhardt, 
Architekt. Mit einem Verzeichnis der vorhandenen Ausgaben und 
Erläuterungen nach der Sammlung solcher im Besitz des Verfassers. 
Bu rg-Verlag,Berlin-Grunewald[i9t9]. 101 (103) Seiten 4 °. 
Die mit 100 Abbildungen in angemessener Wiedergabe aus¬ 
gestattete Vitruv-Biblio-Ikonographie Bodo Ebhardts ist das Er¬ 
gebnis langjähriger liebevoller Beschäftigung mit ihrem Gegen¬ 
stände, von der auch der mit der Ausgabenliste vereinte Katalog 
der Ebhardtschen Vitruvsammlung ein rühmliches Zeugnis ab¬ 
legt. Der allgemeine Teil des Werkes, der unter anderen eine 
vortreffliche Inhaltsangabe der Architectura des Vitruv bietet, ist 
mit Erfolg bemüht, die Bedeutung der einzis uns erhaltenen antiken 
Architekturtheorie, zu der sich die verschiedenartigen Bauanleitungcn 
des altrömischen Meisters verbinden, für ihre Zeit und für unsre 
Gegenwart klarzulegen. Im besonderen Teile folgen dann die 
Ausgabenbeschreibungen und Würdigungen, die von einer Liste 
aller bekannten Vitruvausgaben und ausgewählten Erläuterungs¬ 
schriften beschlossen werden, so daß die Monographie nicht allein 
der Bücherkunde, sondern allen Fachwissenschaften, die die Er¬ 
scheinung Vitruvs interessiert, und das sind nicht wenige, die 
ersprießlichsten Dienste leisten dürfte. — Die Ausgaben des Vitruv- 
werkes haben in der Buchgeschichte insofern eine eigenartige Stellung, 
als ihr Bilderschmuck, abgesehen von seinen künstlerischen Werten, 
die Ausdrucksmöglichkeiten der Bildersprache im Buche in einer 
langen Entwicklungsreihe mit kennzeichnenden Beispielen zeigt. 
Bekanntlich gehört auch die Architectura Vitruvs zu den antiken 
illustrierten Büchern, die uns nur in ihrem Schriftteile erhalten 
worden sind, während der Bildteil verloren ging. Das ist um so 


bedauerlicher, als es sich dabei um eins jener zahlreichen Bücher 
handelt, bei denen erst Bild und Text zusammen das vollständige 
Werk bilden. Als dann die Vitruvdrudce zu erscheinen begannen, 
mußten die Herausgeber den fehlenden Bildteil aus eigenen Kräften 
ergänzen, eine Erläuterung, die auf Grund der Anschauungen, 
die man über die Auslegung des Vitruv gewonnen hatte, im Kunst¬ 
stile der Zeit und nach dem allgemeinen Zeitempfinden erfolgte, von 
den Anknüpfungen an die Baureste der Vergangenheit bis zu den 
begründeten Hypothesen und den unbegründeten Phantasien ging. 
Mit diesem ihrem Bilderreichtum liefern die alten Vitruvausgaben 
den Forschungen zur Kulturgeschichte des Buches einen noch lange 
nicht genug gewürdigten Stoff,den derBearbeitung leichter erreichbar 
gemacht zu haben nicht das geringste Verdienst der angezeigten 
Monographie ist. G. A. E. B. 

Cohnstaedt, Wilhelm, Presse und Volksbildung. Vortrag 
gehalten auf der Jahresversammlung 1918 des Rhein-Mainischen 
Verbandes für Volksbildung. Frankfurt a. M., Englert *<£> 
Schlosser, 1918. zöSeiten 8°. Nicht immer, wenn ein »Zeitungs¬ 
mann« über »Presse und Volksbildung« einen Vortrag hält, möchte 
man diesen gedruckt sehen. W. Cohnstaedts Ausführungen, in 
der Form eines sauber aufgemachten Heftchens dargeboten, wird 
jedermann gern lesen müssen, dem es nicht gleichgültig ist, ob die 
»Presse«, die tägliche Zeitung, nun einmal da ist, sondern lieber 
zu erfahren, ob ihr nicht Aufgaben obliegen, die auf den ersten 
Blick nicht ohne weiteres erkennbar sind, deren ernsthafte Erfüllung 
dagegen nur bei entsagungsvoller und oft recht undankbarer Arbeit 
der »Zeitungsmänner« möglich wird. Ein Schriftchen der Art, wie 
es uns der Verfasser bietet, leistet für die Aufklärung des Zeitungs¬ 
lesers, der dadurch zumVerstehcn des Wesens der Zeitung im besten 
Sinne des Wortes erzogen wird, mehr als alle »Warnungen« vor 
der »verflachenden Zeitungsleserei«. H. G. 

Goethe-Kalender. Begründet von Otto Jul. Bierbaum, 
fortgesetzt von Carl Schüddekopf. Auf das Jahr 1919 heraus¬ 
gegeben von Dr. Karl Heinemann. Mit 12 Tafeln. VIII und 
135 Seiten 8°. Mit Qberspringung der Kriegsjahre 1915 und 1916 
erscheint Bierbaums Goethe-Kalender auf das Jahr des Heils 1919 
zum dritten Male in kriegszeitgemäßem Gewände: will besagen, 
auf einem geradezu schauderhaften Papier, wie man es leider nach¬ 
gerade gewöhnt wird. »Überall trinkt man guten Wein — jedes 
Gefäß genügt dem Zecher — doch soll er mit Wonne getrunken 
sein — so wünsch ich mir köstliche griechische Becher.« Soll der 
überaus reizvolle Inhalt des diesjährigen Goethe-Kalenders, von 
Karl Heinemanns kundiger Hand für den Goethefreund von 
Herzen erfreulich zusammcngestellt, wirklich genossen werden, so 
muß die »Luxusausgabe« dazu helfen. Es geht nicht an, »Goethe 
über die Seinen«, wie der glücklich gewählte Vorwurf des dies¬ 
jährigen Kalenders lautet, auf schäbigem Zeitungspapier gedruckt 
zu genießen. Wir sind trotz allem viel zu verwöhnt — die 
Verleger sind nicht ohne Schuld —, als daß wir es nicht stets dank¬ 
bar empfanden, wenn uns Perlen in angemessener Fassung dar¬ 
geboten werden. Um des Inhalts willen sind dem Goethe-Kalender 
für 1919 viele Leser zu wünschen, namentlich unter der Jugend 
unsrer Tage. H. G. 


Inhaltsverzeichnis 


Das chinesische Haus im Deutschen Kulturmuseum zu Leipzig. 
S. 25. — Zur Geschichte der Druckerei des Kiewer Höhlenklosters. 
S.33. — Das Zwingli - Gedächtniswerk 1919. S.39. — Schwei¬ 


zerische Graphik. S.43. — Bitte an die Presse und ihre Vertreter. 
S.45. — Mitteilungen aus dem Deutschen Kulturmuseum. S.46. 
— Bücher- und Zeitschriftenschau. S. 47. 


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Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 


Etiketten-Entwürfe 


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WURZEN HIERZU HABEN 




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VON DER AUSSTELLUNG DER KUNSTGEWERBESCHULE ABT. GRAPHISCHE FACHSCHULE, BARMEN 
AUF DER BUGRA-LEIPZIG IM GEBÄUDE FÜR BUCHGEWERBLICHEN UNTERRICHT 

Gedruckt in der Steindruckerei der Schule auf einer Schnellpresse von Faber & Schleicher, A.-G., in Offenbach, mit Farben von 
Berger & Wirth, Leipzig, Fabrikfiliale Barmen. Papier von der Chromo- und Kartonfabrik Friedrich Elsas junior A.-G., in Barmen. 


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wiw Ptc Ktflflitw 



l%ier beuffche Kaufmann hat in affen fch©ierigen ©efchäftöfagen unb erft recht 
f>r ©dfjrenb ber nun fdjon oierjäbrigen Dauer bee lÖeftfrieged be©iefen, ©efd?e 
Xaffraft lf>n befeeff, mit u»e(d?er Stfudbauer unb Energie er affe ©ch©ierigfeiten ju 
überoinben oerjfeht. 

Unb bod? macht er fid? fefbff jum Seif ben Erfofg unb bamft bae leben recht 
fd?©er. ©ein Bejfreben (ff immer nod? oief ju roenig barauf gerietet, feine Ißaren, 
bie afö biffig unb gut in bei ganjen löeft befannt finb, fo audjujfatten, baf fie nicht 
fo fchtoer um ihre Einführung ju fämpfen brauchen, fonbern ffd? (eicht einfuhren burch 

aefcbmacfoolle Aufmachung, gcbieaene Mfame. 


2fuf bie dufjere 3orm roirb immer noch oief 8U ©enig IBert gefegt. 3Jtan oersichtet 
unbegreiffid?ertoeife auf ben Erfofg, ber ber ©chbnheit oon fefbff unb (eicht in ben 
©Chofj fafft. Entfchufbigt ©irb biefe Xaffache in ber [Reget mit ber Behauptung, bab 
man nicht mehr anfegen fönne. Diefe Sfnfchauung ift grunbfaffch. Eine fünffferifch 
oornehme unb babei bod? burdfauö jroedentfprechenbe Berpacfung ber lÖare, eine 
in gefchmacfficher ßinficht gebiegene Reffame braucht feinen Pfennig mehr ju foften, 
afd fd?fed?te. 3m ©egenteif! ^unftgewerbfer unb ^ünfffer, bie ihr Sach oerflehen, 
©erben ffefä in ber läge fein, mit geringeren Dtiffefn, affo biffiger, gute IBirfungen 
5 U erliefen. Der et©aö höhere preiö für ben erffen fünjtferifchen Drigina(*Ent©urf 
©irb burd? bie oereinfachte unb bod? nicht ©eniger ©irfungäooffe Sfueführung mehr 
©ie aufgeroogen. Utit fchlechfen Entwürfen ungeeigneter Kräfte fann nie ein Erfofg 
erjieft ©erben, fefbff bann nicht, ©enn man im übrigen grobe hoffen nicht fcheufe. 


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(£\ad anffegenbe iftunbfcbrefben ffdrt <5fe über 3©ecf unb 3fe( unfered Unter» 
W nehmend auf. 3fr befaffen und mit 6 er Sfufmadfung 5er Waren aller 2 frt 
unb mit 5er 311 ihrer Gfnfübrung un5 5en Vertrieb nofwenbfgen iKeffame (pfafafe, 
Profpefte, Srofchüren, Gmpfebfungdfarten, faufmannffcbe Sormufare uf©.). 

Wenn (Sie oon unferen Dfenffen ©ebraud? machen ©offen, befonberd aud? für 

fteubeifen 5er nacbffen ffe. 


bann empfebfen ©fr 3 bnen, fd?on je^t borüber ffd? ffar 3 U ©erben, ©ad gegeben 
foff unb muff, unb 3bre Gntfd?ffefjungen recht bafb fn bfe Xat umaufeben. ©ut Dmg 
©fff Weife haben. Wer fn ben festen Xagen oor Gfntrftt bes 23ebarfed fid? erft 
beffnnt, fann nfcbt erwarten, baf bfe Arbeit fo audfafft, ©fe ffe fein foff. 

3fr geben bem Srfeben entgegen, unb ber beutfcbe Kaufmann erwartet mft 
feinem Gfntrftt bad Sfuffeben bed föanbefd nad? alten fontfnentafen lanbern unb 
Überfee. Gr rechnet auf ben 23efud? ber fremben Nationen. Wenn ©fr ben Grfofg 
ber Waffen fm banbefdpofftffd?en (Sinne audnüfcen ©offen, muffen ©fr sefgen, baf? 
©fr nfcbt nur ein 23off ooff (5d?affendfreube unb Sfrbeffdfraft ffnb, fonbern auch 
£eute oon ©efd?macf. Der Sfudfanber ©frb nur bann bei und faufen, ©enn er feine 
2fnfd?auungen unb Sorberungen fn fcbönbeftffcber Desfebung bei und unb unferen 
Waren erfüllt ffebt. Unb ber Deutfd?e fefbft ©frb nfd?t mehr audfanbffd?e Grjeug» 
nfffe beoorsugen, ©enn er ffebt, baf? beuffd?e Ware bfe frembe nfd?f nur an prefd* 
©ürbigfeft unb 3®ecfmaf?fgfeff, fonbern auch an (Schönheit ber Sorm unb ber dufferen 
Grfchefnung übertrffft. 

Der beutfcbe Kaufmann bat mft bem Gfntrftt bed Wefffrfebend feine Grfolge 
über £anb unb Weer fn ber £>anb. ;ftübf er bfe fbm gebotene Wögffchfeft nfcbt aud, 
fo arbeitet er für 2fnbere unb erleichtert bem fremben Wettbewerb ben Grfofg auf 
beutfdjem 25oben unb erff recht fn anberen £anbern. 

Gd ©frb und freuen, ©enn ©fr recht bafb oon 3bnen hören ©ürben. 

Öocbacbtungdooff 

^ütiflfterpreffe 

flermifflungdflelle jmiftben fiunfi unb ^enterbe 

Dredben»2f., ©tormffrafe 2 


Wft fefnften Gmpfebfungen aud faft affen Branchen fönnen ©fr bienen! 









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Satmen, im öeptember 1913 

"Td> mache 3 f>nen hierbutch bie ergebene 2 RiU 
V teilung, baß ich am 1. DEtober biefee Jfahreo 
in ben Hattmannfcfkn Heußauten ßterfdßft, 
Heuerweg 11, eine Hanblung mit öchofolaben, 
Konfitüren, HaEes unb Cee erbffnen werbe 
wirb meine vornehmffe Hufgabe fein, 
öie in jeber Weife aufs befte ju bebienen, 
bafür bürgen auch bie von mir in ffets frifeßer 
Ware geführten $abrifate ber erffen Firmen/ 

Ö cßofolabe, Kafao unb Honfeft von Cßeobor 
Hilbeßranbt 61 öojjn, Hoflieferant / (ßebr. 
ötollwercf, Hofl./Huguft Wiele & öons, Hoff. 
öarotti//^l?tiengefellf$aft. Hafes unb Waffeln 
von H-Sa(>lfen in Hannover/HattV brüllet in 
Celle. Cee nur in bireftem Import aus China/ 

3 nbem ich um 3 hr Wohlwollen für mein neues 
Unternehmen bitte, empfehle ich mich 3 hnen 
hochachtungsvoll $riebricf> Hdmftübt, Äarmen 


r *x« x*x« x-: 


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Gesetzt in der Buchdrucker-Lehranstalt, Leipzig Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 




















































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^fyerfloij/fanS Ses^er/merycrfifojvnverefns. 



Schriftschreibearbeit von Faktor Joseph Gaa, 

Beilage zum Archiv für Buchgewerbe Berlin-Schöneberg 


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FRIEDENSPALMEN 


ORIGINALHOLZSCHNITT NACH EINER ZEICHNUNG VON MAX SLEVOGT 


Beilage zum Archiv für Buchgewerbe 


Aus dem Kalender „Kunst und Leben“ 1919 
Verlag Fritz Heyder, Berlin-Zehlendorf 


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= - = = 

ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 
HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN 

56. BAND MÄRZ • APRIL HEFT 3/ 4 


In den Deutschen Buchgewerbeverein wurden im Monat März 1919 als Mitglieder aufgenommen: 


a) als Einzelmitglieder 

1. Max Ableiter, i. Fa. M. Ableiter, Buch- und 
Zeitungsdruckerei, Stuttgart-Untertürkheim. 

2. Wilhelm Amendt, Verlagsdirektor der Pforzheimer 
Verlagsanstalt, Pforzheim. 

3. Emil Bandeil , Geschäftsbücherfabrik und Buch¬ 
druckerei, Stuttgart. 

4. Otto Bechtle, Buchdruckerei, Eßlingen. 

5. Hermann Becker, i. Fa. Eschebach & Schaefer, 
Leipzig - Stötteritz. 

6. Dr. Hans Bockwitz, Leipzig. 

7. Heinrich Demuth, i. Fa. Druckerei H. Demuth, 
Frankfurt a . M. 

8. Dr. £r/isf Ebering, i. Fa. Emil Ebering, Verlag und 
Buchdruckerei, Berlin. 

9. Carl Feierabend, i. Fa. Brok & Feierabend, Heil¬ 
bronn a. N. 

10. Gustav Gans, i. Fa. Akzidenzdruckerei Union, 
Berlin. 

11. Gottlob Graf, Buchdruckerei, Freudenstadt. 

12. Felix Günther, i. Fa. Otto Günther, Papierfabrik, 
Greiz. 

13. Eugen Haller, i. Fa. Frankfurter Vereinsdruckerei 
G. m. b. H., Frankfurt a. M. 

14. Eugen Hartenstein, Prokurist der Fa. Loeser 
& Wolff, Elbing. 

15. Emil Hartmann, Ebingen. 

16. Carl Häußler, i. Fa. Hch. Richter & Go., Buch¬ 
druckerei, Oberrad-Frankfurt a. M. 

17. Victor Helzle, Buchdruckerei, Hagen i. W. 

18. Ludwig Herr, i. Fa. Druckerei Merkur Heinrich 
Borgmeyer Nachf., Frankfurt a. M. 

19. Georg Höntsch, i. Fa. HÖntsch & Co., Nieder¬ 
sedlitz i. Sa. 

20. J. Huggle, i. Fa. Wilh. Moriell’sche Buch- und 
Akzidenzdruckerei, Radolfzell. 

21. Karl Klenner, i. Fa. Jagenberg Werke A.-G., 
Düsseldorf. 

22. Anton Kolba, Prokurist der Fa. Jos.EduardRigler, 
Papierwaren fab rik A.-G., Budapest. 

23. Fr. Könker, Buchdruckerei, Elberfeld. 


24. Alexander Liebisch, i. Fa. Bernh. Liebisch, Buch¬ 
handlung, Leipzig. 

25. Wilhelm Liesegang , i. Fa. Liesegang & Kosch, 
G. m. b. H., Magdeburg. 

26. Max Naumann, Graphiker, Leipzig. 

27. Heinrich Pfeifer, Buchdruckerei, Rumburg. 

28. Oskar Reiff, i. Fa. A. Reiff & Co., Offenburg. 

29. Franz Rutzen, techn. Leiter von C. Naumanns 
Druckerei, Frankfurt a. M. 

30. Rieh. Sack, Buch- u. Kunstdruckerei, Oederan i. S. 

32. Th. Schäfer, Buch- und Steindruckerei, Hannover. 

32. Artur Schaller, Revident der Staatsbahnen, 
Reichenberg. 

33. Karl Scharr, Buchdruckerei, Vaihingen a. F. 

34. Otto Schmidt, i. Fa. J. Schmidt, Buchdruckerei, 
Markneukirchen. 

35. Josef Schmitt, i. Fa. Aktiengesellschaft Frankonia, 
Tauberbischofsheim. 

36. Hch. Schmitz, i. H. Württemb. Zeitung, Stuttgart. 

37. Dr. Fritz Schulze, i. Fa. Heidelberger Neueste 
Nachrichten, Heidelberg. 

38. V. Singer, Verlag für Graphik, Hamburg. 

39. Heinrich Tiedemann, i. Fa. Reitz & Köhler, Buch¬ 
handlung, Frankfurt a. M. 

40. Josef Tranger, Direktor i.Fa. Josef Eduard Rigler, 
Papierwarenfabrik A.-G., Budapest. 

41. M. Ulmer, i.Fa. Ungeheuer & Ulmer, Hofbuch¬ 
druckerei, Ludwigsburg. 

42. A. Voigtlaender- Tetzner, i. Fa. F. A. C. Prestel, 
Frankfurt a. M. 

43. Direktor Voelcker, i. Fa. Schnellpressenfabrik 
Frankenthal Albert & Cie., A. G., Frankenthal. 

44. Otto Weber, Verlagsdruckerei, Heilbronn. 

45. Albert Weil, i.Fa. A. & S. Weil, Tübingen. 

46. Hans Wening, i. Fa. Klingelhöffer Defrieswerke 
G. m. b. H., Düsseldorf. 

47. Eugen Wüsten, i. Fa. Wüsten & Co., Frankfurt a. M. 

b) als korporative Mitglieder 

1. Kunstgewerbeverein, Chemnitz. 

2. Liegnitzer Graphische Vereinigung, Liegnitz. 

3. Typographische Vereinigung, Herford. 


Leipzig, den 31. März 1919 

Die Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins 

Karl Weisser, Verwaltungsdirektor 

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Archiv für Buchgewerbe 


Bolschewismus und Graphik 

Von HE1MBERT LEUNIG in Berlin 


W ährend Nachrichten über die gewaltigen wirt¬ 
schaftlichen Erschütterungen Rußlands, die 
der Bolschewismus vom Tage seiner Dik¬ 
tatur an dem Lande durch seine vielverheißenden De¬ 
krete und deren brutale Durchführung verursachte, 
in reicher Fülle über die Grenzen gelangten und für 
die ausländische Presse ein viel begehrtes Thema der 
Erörterung bildeten, sind zwei bemerkenswerte Ver¬ 
fügungen der Sfowjet-Regierung fast ganz unbeachtet 
geblieben, obwohl diese für die wissenschaftliche und 
handeltreibende Welt und nicht zuletzt für das gra- 
phischeGewerbe von einschneidenderBedeutungsind. 

Die erste betrifft die Abschaffung des Julianischen 
Kalenders oder der Zeitrechnung nach dem „alten 
Stil“, welche Bezeichnung im Auslande dafür die land¬ 
läufige war. Mit der Beseitigung der im Laufe der 
Jahrhunderte angewachsenen 13 Tage Zeitdifferenz 
zwischen altem und neuem Stil hat die Terrorregie¬ 
rung eine fortschrittliche Neuerung geschaffen, die 
wohl bei jedermann diesseits und jenseits der Grenze 
ein Gefühl der Erleichterung auslösen wird. Denn 
allen Staaten, die mit dem großen russischen Reiche 
in handelswirtschaftlichem Verkehr standen bzw. 
stehen werden, wird die Verschmelzung der beiden 
Zeitrechnungen in eine gemeinsame die Erfüllung 
eines sehnlichsten Wunsches sein; vor allem wurde 
im Geschäftsleben die doppelte Datierung der Zeit 
immer als ein lästiger Übelstand empfunden. Polen 
und Finnland, die bisher integrierende Teile des 
großen Rußland waren, genossen übrigens schon seit 
jeher den Vorzug eines einheitlichen Kalenders mit 
Westeuropa. Infolgedessen hatten bereits vor dem 
Kriege weitsichtige Staatsmänner und freie Denker 
wiederholt Kundgebungen in Wort und Schrift gegen 
den alten Stil unternommen und die Beibehaltung 
desselben als unzeitgemäß und rückständig gekenn¬ 
zeichnet. Doch all diese Bestrebungen scheiterten 
an dem trägen Beharrungsvermögen derGeistlichkeit, 
vor allem des heiligen Synod, welcher immer wieder 
einen zuverlässigen Rückhalt beim rechtgläubigen 
Zaren und dessen bigotten Hof fand. Wenn nun auch 
allem Anschein nach die Tage des Bolschewismus 
gezählt sind, so dürfte unter den nachfolgenden Re¬ 
gierungen der neue Stil doch beibehalten werden, 
obwohl für diese die Umlegung der Namens- und 
Feiertage vom alten auf den neuen Stil noch ein 
schwieriges Problem bilden dürfte. Auch die Sfowjet- 
Regierung mußte trotz ihres sonstigen schroffen Vor¬ 
gehens dem russischenVolke das Begehen der häus¬ 
lichen und kirchlichen Feiertage nach der Zeit des 
alten Stils frei lassen, weil der russische Bauer bei 
seinen Feiertagen keine Neuerungen duldet und hierin 


auch von der Geistlichkeit durch scharfe Abwehr 
unterstützt wird. Als Kuriosum möge erwähnt sein, 
daß in der Kapelle der früheren russischen Botschaft 
in Berlin die Weihnachts- und Neujahrsfeier dies¬ 
mal noch nach dem alten Kalender stattfand. 

Die zweite Neuerung, von welcher die Rede sein 
soll, geht die Vereinfachung der russischen Schrift 
an, womit der russischen Intelligenz gleichsam ein 
Entgegenkommen seitens der Sfowjet-Regierung er¬ 
wiesen werden sollte. Es handelt sich nämlich hier 
um die Ausmerzung von drei Schriftzeichen aus dem 
Alphabet: Jerr (*b), i — s’totschkoi (i mit dem Punkt) 
und Jadj (’fe), über deren Überflüssigkeit im Gebrauch 
gewisse Literaten und Schriftgelehrte in Zeit- und 
Fachschriften wiederholt ihre Ansichten zur Genüge 
verlautbart hatten. Die Terrorregierung hat ganz 
kategorisch angeordnet, daß in allen Zeitungen und 
Drucksachen: 

1. Das Jen (T> — hartes Unterscheidungszeichen) 
am Wortende unbedingt fortzulassen ist; in der Mitte 
eines Wortes, wo es aber selten erscheint, darf es 
der Aussprache halber stehen bleiben. 

2. Der i-Laut (auch i Desjatiritschnoje genannt, 
weil es an zehnter Stelle des Alphabetes steht) ganz 
abgeschafft wird und an dessen Stelle das i—Dwoinoje 
(doppeltes i) H angewendet werden soll; der i-Laut 
wurde bisher nur gebraucht, wenn in demselbenWorte 
unmittelbar ein andrerVokal folgt; es gibt noch einen 
dritten i-Laut (i mit der Kürze das ist fl — s’kratkoi), 
der im Gebrauch bleiben muß, weil er sich hinter allen 
Vokalen findet und mit ihnen einen Diphtong bildet. 

3. Das dritte Zeichen Jadj (*fe) das aber wie „jä* 
ausgesprochen wird, aus dem Alphabet überhaupt ver¬ 
schwinden und durch den Laut e ersetzt werden soll. 

Wie schon vorher erwähnt, war bereits vor Aus¬ 
bruch des Krieges in der russischen literarischen 
Welt eine Bewegung im Gange, die für die Aus¬ 
scheidung vorgenannter drei Schriftzeichen eintrat 
und die bisherige Anwendung derselben für den 
Schriftgebrauch als überflüssig und erschwerend er¬ 
achtete. Doch verhielt sich damals die russische Re- 
rierung diesen publizistischen Anregungen gegenüber 
nicht bloß passiv, sondern strikte ablehnend. Die 
Räteregierung hält ihrerseits streng darauf, daß 
Zeitungen, Blätter ihrer Richtung, sowie auch schrift¬ 
liche Eingaben, Gesuche usw. genau nach der von ihr 
vorgeschriebenen Orthographie erscheinen bzw. ein¬ 
gereicht werden, andernfalls werden die verantwort¬ 
lichen Personen oder Bittsteller, unter Abweisung des 
Gesuches, zur Strafe herangezogen. Nach dem sicher 
eintretenden Abwirtschaften des bolschewistischen 
Systems dürfte es jedoch zweifelhaft sein, ob sich 


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«ST*.- • 




Archiv für Buchgewerbe 


die eingeführte Neuerung unter der kommenden 
Regierung halten wird, um so mehr, da nur ein Bruch¬ 
teil der Intelligenz und zwar der, welcher mit den 
bolschewistischen Ideen sympathisiert, zur neuen 
Schreibweise neigt. Wenigstens standen die Mitglieder 
der russischen Akademie der Wissenschaften, mit 
denen ich während meiner zwanzigjährigen Tätigkeit 
als Leiter der großen Bertholdschen Schriftgießerei 
in Petersburg oft Gelegenheit hatte, derartige Fragen 
zu behandeln, dieser modernen Schreibweise durch¬ 
aus ablehnend gegenüber, was sie in historischer, 
phonetischer und lautphysiologischer Hinsicht auf 
das eingehendste begründeten. 

Für die graphische Welt wäre vorerwähnte Aus¬ 
merzung der drei Schriftzeichen, falls sie sich dauernd 


einführen sollte, von einschneidender Bedeutung. 
Sie würde im Gefolge haben, daß sämtliche Unter¬ 
richtsbücher, von der Fibel bis zum umfangreichen 
Lexikon, geändert werden müßten, ferner die Reihen¬ 
folge in den Registern und post hoc oder auch propter 
hoc die Anordnung der russischen Setzkästen bzw. 
der Gießzettel im Schriftgießereigewerbe. Im übrigen 
erscheint die dauernde Lösung der ganzen Frage im 
bolschewistischen Sinne nicht ausgeschlossen, wenn 
man bedenkt, welche Änderungen in der deutschen 
Orthographie seit Puttkamer und Duden durchgeführt 
worden sind. Vielleicht erleben auch wir in Deutsch¬ 
land noch den Fall, daß die Fremdbuchstaben c, q und 
x in gleicherweise durch behördliche Verfügung ein¬ 
mal verschwinden. 


Über gezackten und glatten Schnitt an Rotationsmaschinen 1 

Von Oberingenieur Dr. AUGUST KCENIG, Boston-Ellingen 
II. 


3. Schneidvorrichtungen 
für gezackten und glatten Schnitt 

Wie schon im ersten Abschnitt gelegentlich der 
Besprechung der Schneidmesserarten darauf hin¬ 
gewiesen wurde, entsteht der Zackenschnitt durch An¬ 
wendung eines gezackten Messers , der Scherenschnitt 
dagegen durch Anwendung zweier glatter Messer 
(vergleiche Heft 4, Jahrgang 1914). Während ferner 
zur Erzeugung eines gezackten Schnitts immer zwei 
rotierende Zylinder erforderlich sind (der Messer¬ 
zylinder und der Nutzylinder), ist der Scherenschnitt 
sowohl mit zwei, als auch mit nur einem rotieren¬ 
den Zylinder erreichbar, je nachdem nämlich zwei 
rotierende Messer oder nur ein rotierendes und 
ein feststehendes Messer verwendet werden. Um 
diesen Unterschied gegenüber dem Zylinder-Zacken¬ 
schnitt (in der Fachwelt vielfach unter dem Namen 
Rotationsschnitt oder Zylinderschnitt oder Zeitungs¬ 
schnitt bekannt) eindeutig hervortreten zu lassen, 
seien die Bezeichnungen Zweizylinder-Scherenschnitt 
und Einzylinder-Scherenschnitt gewählt. 

Neben dem Zacken- und Scherenschnitt ist neuer¬ 
dings noch eine andre, speziell für glatten Schnitt 
bestimmte Schneidvorrichtung erfunden worden, die 


1 Der erste Teil vorliegender Arbeit wurde bereits im 
Aprilheft 1914 zum Abdruck gebracht. Wegen der damals 
starken Inanspruchnahme des Archivs mit Ausstellungs¬ 
berichten der Bugra sah sich die Schriftleitung gezwungen, 
die weitere Drucklegung einige Monate zurückzustellen. 
Mit Ausbruch des Krieges, an dem auch der um diese Zeit 
in Deutschland weilende Verfasser teilnahm, mußte jedoch 
das Erscheinen des Artikels auf unbestimmt verschoben 
werden. Nach glücklicher Rückkehr des Verfassers aus dem 
Felde sind wir nun in der Lage, die Fortsetzung des inter¬ 
essanten Aufsatzes bringen zu können. Die Schriftleitung. 


wegen ihrer in Amerika bereits erlangten praktischen 
Bedeutung gleichfalls besprochen werden soll. 

Um den Lesern die prinzipiellen Unterschiede der 
verschiedenen Schneidvorrichtungen klar vor Augen 
treten zu lassen, ist eine Erläuterung der sich 
abspielenden Schneidprozesse unerläßlich. Wenn 
Verfasser ferner zur Erreichung dieses Zwecks zu 
graphischen Hilfsmitteln greift, so geschieht dies in 
der festen Überzeugung, daß sich gerade hier durch 
Anschauung eine sichere Brücke zur Vorstellung und 
damit auch zum Verständnis selbst schlagen läßt. 

A. Zackenschnitt 

Schneidvorrichtungen für gezackten Schnitt sind 
nichts Neues. Ihr Ursprung wird wohl mit der Erfin¬ 
dung der Rotationsmaschine selbst zusammenfallen, 
deren Geburtsjahr schon über 50 Jahre zurückliegt 1 . 


1 Die erste Rotationsmaschine für Schön- und Widerdruck, 
unter Verwendung von Rollenpapier , wurde im Jahre 1865 
von dem Amerikaner William Bullock in Philadelphia er¬ 
funden. Der Engländer Sir Rowland Hill äußerte zwar schon 
30 Jahre vorher die gleiche Idee, konnte sie aber nicht ver¬ 
wirklichen. Als die Begründerin des modernen Rotations¬ 
maschinenbaues muß die Hoe Press Co. in Neuyork an¬ 
gesehen werden, die, veranlaßt durch die Erfolge Marinonis 
in Paris , sowie der Times-Druckerei in London , Anfang der 
siebziger Jahre gleichfalls den Bau von Rotationsmaschinen 
aufnahm und schon nach wenigen Jahren mit großartigen, 
speziell auf bänderlose Maschinen sich beziehenden Erfin¬ 
dungen die gesamte Fachwelt in Erstaunen setzte. 

Vorstehende geschichtliche Daten hat Verfasser einer 
schon im Jahre 1912 veröffentlichten und von Hoe selbst 
herausgegebenen, käuflich daher nicht zu erwerbenden 
Schrift entnommen, betitelt: „A shortHistory of thePrinting 
Press and of the Improvements in Printing Machinery from 
the Time of Gutenberg up to the present Day. u 


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« 3 = 


Archiv für Buchgewerbe 


In der deutschen Fachwelt darf daher, wegen der bis¬ 
her fast ausschließlichen Anwendung des Zacken¬ 
schnitts an Rotationsmaschinen, die Wirkungsweise 
einer derartigen Schneidvorrichtung in den weitesten 
Kreisen als bekannt vorausgesetzt werden. Um jedoch 
auch jenen Lesern, die sich noch weniger mit der 
Theorie einer Schneidvorrichtung beschäftigt haben, 
Gelegenheit zu geben, sich darüber zu informieren, 
werden die folgenden, zur Vervollständigung vor¬ 
liegender Arbeit nicht zu umgehenden Ausführungen 
über Zackenschnitt gewiß willkommen sein. 

Im Prinzip beruht der Zackenschnitt auf der Anwen¬ 
dung zweier rotierender Zylinder, von denen der eine 
Zylinder das sägeartig ausgebildete Schneidmesser 
(vergleiche Abbildung 1, Heft 4, Jahrgang 1914) und 
der andre Zylinder die Schneidnut trägt. Eine solche 


men. Diese Stellung (MM) ist in Abbildung 6 durch 
Schraffur besonders gekennzeichnet. Von jetzt ab be¬ 
ginnt bei der Weiterdrehung der Zylinder das Heraus¬ 
gehen des Messers aus der Nut, ein Vorgang, der mit 
dem Schnitt sonach nichts mehr zu tun hat, denn wenn 
nicht schon vorher das Papier durchschnitten worden 
ist, was z. B. bei stumpfem oder nicht genügend aus 
dem Zylinder hervorstehendem Messer leicht eintreten 
kann, so wird dies auch nachher nicht mehr erwartet 
werden können. In Abbildung 6 ist der zu schnei¬ 
dende, noch endlose Papierstrang horizontal zwischen 
die beiden senkrecht übereinander liegenden Zylinder 
einlaufend gedacht, eine Anordnung, die zwecks Über¬ 
einstimmung mit Abbildung 4 so gewählt wurde (man 
vergleiche in beiden Abbildungen die Lage und Rich¬ 
tung der gefiederten Pfeile), während in der Praxis 



Schneidvorrichtung zeigt Abbildung 4, die wohl ohne 
weitere Erläuterung verständlich sein dürfte. Hervor¬ 
gehoben sei nur, um schon an dieser Stelle auf einen 
prinzipiellen Unterschied gegenüber dem Scheren¬ 
schnitt hinzuweisen, daß Messer und Nut parallel zu 
den Zylinderachsen und diese in ihrer Projektion auf 
die Papierebene rechtwinkelig zum Papierlauf liegen 
(vergleiche Abbildung 5). Der Schnitt erfolgt daher 
gleichzeitig, das heißt die Bogen werden ihrer ganzen 
Breite nach gleichzeitig abgeschnitten und nicht, wie 
beim Scherenschnitt, scherenartig von der einen zur 
andern Randseite des Papierstrangs. 

Zur Veranschaulichung des Schneidvorgangs sei 
auf Abbildung 6 verwiesen. Die dort angegebenen 
Messerstellungen beziehen sich auf die drei charak¬ 
teristischen Momente des sich abspielenden Schneid¬ 
prozesses, nämlich: Eindringen des Messers in die 
Nut, Mittelstellung des Messers und Heraustreten des 
Messers aus der Nut. Der Schnitt selbst ist als be¬ 
endigt zu betrachten, sobald das Zackenmesser ganz 
in die Nut eingedrungen ist, Messer und Nut sonach 
in der Mittellinie der beiden Zylinder zu liegen kom- 


allerdings der umgekehrte Fall, das Papier senkrecht 
in horizontal nebeneinander liegende Zylinder ein¬ 
laufend, viel häufiger vorkommt und namentlich in 
Verbindung mit vorausgehendem endlosen Trichter¬ 
falz eine große Bedeutung erlangt hat. Für unsre 
Betrachtungen scheidet jedoch dieserUnterschied hin¬ 
sichtlich der Zylinderlage und Papierzuführung als 
belanglos aus. 

Der Schnitt beginnt mit dem Eintreten des Messers 
in die Nut, und zwar erfolgt der Schnitt um so sicherer, 
je näher einerseits das Messer an der im Sinn der 
Drehrichtung nacheilenden Nutkante vorbeistreicht 
(worauf beim Einstellen der beiden Zylinder ganz 
besonders zu achten ist) und je schmäler anderseits 
die Nut gehalten wird. Auch die Größe der Nut ist 
nicht beliebig; sie ist in erster Linie abhängig von 
der Länge des über den Zylinder hervorstehenden 
Messers (im allgemeinen etwa drei Millimeter), sowie 
von dem Durchmesser der beiden Zylinder. Durch 
zeichnerische Ermittlung der beiden Messerstellungen 
beim Eintritt des Messers in den Nutzylinder, sowie 
beim Austritt des Messers aus diesem Zylinder, läßt 


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sich die Größe der Nut für jeden einzelnen Fall genau 
bestimmen. Mit einer Nutenbreite von etwa zwei Milli¬ 
meter wird man in den meisten Fällen noch auskom- 
men, was zur allgemeinen Orientierung nur nebenbei 
erwähnt werden möge. 

Da das Papier unter Spannung steht, bedingt so¬ 
wohl durch den Zylindertransport selbst, als auch 
durch die mittels Punkturen, Luft, Greifer oder Bänder 
bewerkstelligte Weiterführung der Bogen, so genügt 
dieser Widerstand im allgemeinen, um den Schneid¬ 
prozeß einzuleiten. Die scharfen Spitzen des Messers 
beginnen mit dessen Eintreten in die Nut das Papier 
zu durchstechen und drin¬ 
gen bei der Weiterdre¬ 
hung der Zylinder immer 
tiefer in das Papier ein, 
bis dieses schließlich 
ganz durchschnitten ist. 

Je nach der Ausführung 
und Anordnung des Zak- 
kenmessers kann das voll¬ 
ständige Abschneiden der 
Bogen vom endlosen 
Strang auch schon etwas 
vor derMittellinie MM er¬ 
folgen, denn Bedingung 
ist ja nur, daß die ganze 
Schneidkante (also auch 
mit ihren Zahntiefen) in 
das Papier eingedrungen 
sein muß. Jedenfalls ist 
aber die Annahme richtig, 
daß der Schnitt noch vor 
dem Herausgehen des 
Messers aus der Nut zu 
geschehen hat, bevor also 
das Messer die Mittel- 
liniebeiderZylinderüber- 
schreitet, wenn eine sichere Arbeitsweise der Schneid¬ 
vorrichtung erwartet werden soll. 

Wie ferner aus Abbildung 6 zu erkennen ist, wird 
das durch den gefiederten Pfeil angedeutete Papier von 
dem Messer schon vor dessen Eintreten in die Nut 
berührt (in der Zeichnung durch einen kleinen Kreis 
markiert). Die vorhandene Papierspannung ist jedoch 
nicht ausreichend, um für das Eindringen des Zacken¬ 
messers genügend Widerstand zu bieten, namentlich 
dann nicht, wenn mehrere Stränge gleichzeitig durch¬ 
schnitten werden sollen, was bekanntlich bei allen 
bänderlosen Rotationsmaschinen für größere Seiten¬ 
zahl ja immer der Fall ist. Infolge dieser frühzeitigen 
Berührung von Messer und Papier wird daher letzteres 
von seiner geradlinigen Bahn abgelenktund beiWeiter- 
bewegung der Zylinder das Messer immer mehr gegen 
den Nutzylinder gedrückt, bis schließlich mit dem Ein¬ 


treten des Messers in die Nut der Schnitt beginnt. Daß 
durch das Ablenken des Papierstrangs der Schneid¬ 
prozeß nicht begünstigt wird, ist naheliegend: man 
braucht, um sich davon zu überzeugen, nur einmal 
eine nach diesem Prinzip gebaute Schneidvorrich¬ 
tung daraufhin genauer anzusehen. Bei jeder Zylinder¬ 
umdrehung wird das Papier aus seiner geradlinigen 
Bahn herausgedrückt und erfährt somit Spannungs¬ 
änderungen, welche keineswegs zu Erhöhung der 
Schnittsicherheit beitragen können. Aus diesem 
Grunde ist man von dem geradlinigen Papiereinlauf 
wiederholt schon abgegangen und hat die unterhalb 
der Falztrichterwalzen 
liegenden, meist zugleich 
als Falzzylinder ausgebil¬ 
deten Schneidzylinder 1 
so angeordnet, daß das 
Papier zuerst auf den 
Nutzylinder aufläuft. Die 
Abweichungvon der sym¬ 
metrischen Papierzufüh- 
rungistzwareine geringe, 
aber doch so groß, daß 
das Papier erst mit dem 
Eindringen des Messers 
in die Nut von diesem 
berührt wird. Die Zeit¬ 
momente des Berührens 
und Schneidens fallen 
jetzt zusammen, eine Be¬ 
dingung, die, wenn erfüll¬ 
bar, immer angestrebt 
werden soll. Durch Ver¬ 
besserungen des Schneid¬ 
apparates ist es zwar 
gelungen, auch bei sym¬ 
metrischem Papierein¬ 
lauf einwandfreie Schnitt¬ 
resultate und damit zugleich hohe Betriebsicherheit 
zu erreichen, doch ändert diese Tatsache nichts an 
der ungünstigeren Arbeitsweise im allgemeinen. Es 
gibt zwar Fälle, wo von dieser Ausführungsart Ge¬ 
brauch gemacht werden muß, doch sollen Gründe der 
Vereinfachung (in Anordnung und Konstruktion des 
Falzapparates) nicht allein die Veranlassung dazu sein. 

Wenn eingangs dieses Abschnitts über Zacken¬ 
schnitt davon gesprochen wurde, daß der Schnitt im 
Vergleich zum Scherenschnitt gleichzeitig über die 
ganze Papierbreite erfolgt, so wissen wir jetzt aus 
den Betrachtungen über die verschiedenen Messer¬ 
stellungen, daß die Zeitdauer des Durchschneidens 

1 Über kombinierte Schneid- und Falzzylinder hat Ver¬ 
fasser im Archiv für Buchgewerbe, Jahrgang 1909, ausführ¬ 
lich berichtet. Es kann daher auf das dort Gesagte verwiesen 
werden. 



Abbildung 5 

Lage der Schneidzylinderachsen zum Papieriauf bei Zackenschnitt 


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keine momentane sein kann. Je früher das Messer 
in die Nat einzudringen beginnt, desto länger dauert 
der Schneidprozeß. Bei gleich großen Zylindern und 
bei Voraussetzung, daß das Messer in allen Fällen 
gleich weit aus dem Zylinder herausragt, müßte 
sich natürlich auch der Schnitt stets in der gleichen 
Zeit vollziehen. Eine Änderung tritt aber ein, sobald 
größere und kleinere Zylinder gegenseitig in Be¬ 
tracht gezogen werden, und zwar dauert der Schnitt 
um so länger, je größer die Zylinderdurchmesser 
sind. Bei kleinen Zylindern vollzieht sich sonach 
der Schneidprozeß in kürzerer Zeit, als bei großen 
Zylindern, was im allgemeinen nur erwünscht sein 
kann, doch haben sich in dieser Beziehung auch bei 


wird trotz ihres schon weit zurückliegenden Ursprungs 
heute noch in dieser einfachen Ausführung der Nut- 
und Messerleisten verwendet. So zum Beispiel ist in 
Abbildung 7 eine Schneidvorrichtung wiedergegeben, 
die von deutschen Firmen mit Vorliebe an Rotations¬ 
maschinen zum Bedrucken von Einwickelpapier ver¬ 
wendet wird. Die Maschinen sind ganz bänderlos. 
Das Schneiden und Sammeln der Bogen geschieht 
mittels Zylinder, ohne Zuhilfenahme von Bändern. Das 
Papier läuft, vom Druckwerk kommend, in der Regel 
direkt auf den Nutzylinder auf, diesen, des besseren 
Transports wegen, möglichst umschlingend, während 
mit Federkraft angedrückte Gummirollen den eigent¬ 
lichen Zulauf zu den Schneidzylindern sichern. In 



Abbildung 6. Veranschaulichung des Schneidvorganges bei Zackenachnitt 


größeren Zylindern keine nachteiligen Erscheinungen 
bemerkbar gemacht. Die Zeitdauer des Schnitts ist 
jedenfalls ohne wesentlichen Einfluß auf die sichere 
Wirkungsweise einer Schneidvorrichtung. 

Über Schneidvorrichtungen für Zackenschnitt ließe 
sich noch manches Wissenswerte berichten, nament¬ 
lich in bezug auf Ausführung und Anwendung in der 
Praxis, doch damit würde sich Verfasser auf ein Ge¬ 
biet begeben, das weit über den Rahmen vorliegender 
Arbeit hinausginge und daher in diesem Zusammen¬ 
hang nur gestreift werden kann. Vielleicht bietet sich 
Verfasser später Gelegenheit, auch über die Anwen¬ 
dungsmöglichkeiten der verschiedenen Schneidvor¬ 
richtungen (für gezackten und glatten Schnitt) an Hand 
von leichtverständlichen Textfiguren eingehender zu 
berichten. Das Thema an sich ist jedenfalls interessant 
genug, um von der Fachwelt einer praktischen Be¬ 
leuchtung als würdig und lohnend erachtet zu werden. 

Die zur Erläuterung des Schneidprinzips herange¬ 
zogene Schneidvorrichtung (vergleiche Abbildung 4) 


Abbildung 7 ist das Papier symmetrisch zwischen die 
beiden Zylinder einlaufend gedacht, ein Fall, der in 
der Praxis ebenfalls vorkommt, dann aber zwecks 
Erzielung einer sicheren Papierführung eine be¬ 
sondere, jedoch möglichst an die beiden Schneid¬ 
zylinder herangerückte Transportvorrichtung nötig 
macht. Die Punkturen des Messerzylinders halten 
das Papier fest und führen es bis zu der gleichfalls 
durch Punkturen bewerkstelligten Übergabe zum 
Sammelzylinder weiter 1 . Da das Abschneiden der 
Bogen vom endlosen Strang erst nach einer vollen 
Umdrehung des Messerzylinders geschieht, so ist, bis 
der Schnitt erfolgt, das Papier schon längst auf dem 
Sammelzylinder aufgelaufen, ein Umstand, dem haupt¬ 
sächlich die sichere Arbeitsweise derartiger Schneid- 

1 Bei dieser Gelegenheit möge nicht unerwähnt bleiben, 
daß bei symmetrischem Papiereinlauf (vergleiche Abbil¬ 
dung 7) die Punkturen ebensogut im Nutzylinder sein 
könnten. Der Sammelzylinder würde in diesem Fall auf der 
linken Seite des Nutzylinders zu liegen kommen. 


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und Sammelvorrichtungen zugeschrieben werden 
darf. Beim Scherenschnitt dagegen verursacht das 
zwischen dem Schneidapparat und Sammelzylinder 
eingeschaltete Bändersystem, namentlich bei dünnem 
Papier und großen Formaten, nicht selten erheb¬ 
liche Schwierigkeiten, deren Beseitigung, nach dem 
bereits im ersten Abschnitt Gesagten, bis heute 
noch nicht in einwandfreier Weise gelungen ist. Für 
Einwickelpapiermaschinen (wraping paper presses) 
wird daher der Zackenschnitt wohl auch fernerhin 
das Feld beherrschen. Vorerst ist zwar die Begeiste- 


gezahnter Schneidmesser, namentlich aber durch Ver¬ 
wendung federnder Messerballen, ließen sich bisher 
noch alle auftretenden Schwierigkeiten überwinden, 
so daß heute an jeden modernen Schneidapparat die 
höchsten Anforderungen hinsichtlich Betriebsicher¬ 
heit und Genauigkeit gestellt werden können *. Wenn 
man sich die enormen Stundenleistungen unsrer 
modernen Zeitungs-Rotationsmaschinen, sowie die 
gewaltigen Seitenzahlen der in einem Arbeitsgang 
geschnittenen und gefalzten Produkte vergegenwär¬ 
tigt, so wird man zugestehen müssen, daß auch in der 



rung der amerikanischen Drucker für gezackten Schnitt 
mit Punkturlöchern noch eine sehr geringe, doch 
werden die gutenErfolge, die bereits dieMeiselPressCo. 
in letzter Zeit mit ihren nach diesem Prinzip ge¬ 
bauten Maschinen errungen hat, gewiß dazu beitragen, 
die noch bestehenden gegenteiligen Ansichten in der 
Beurteilung des Zacken- und Scherenschnitts auszu¬ 
gleichen. 

Mit der Verarbeitung immer stärker werdender 
Schneid- und Falzprodukte erwies sich jedoch diese 
Schneidvorrichtung als nicht mehr ausreichend. Man 
sah sich daher gezwungen, auf Verbesserungen des 
Schneidapparates hinzuarbeiten, um auch den neuzeit¬ 
lichen Ansprüchen mit Sicherheit gerecht werden zu 
können. Durch Einsetzen von Gummipfropfen in die 
beidenMesserschienen,durchAnwendungvonGummi- 
leisten zu beiden Seiten der Nut, durch Benutzung grob 


Vervollkommnung der Schneidapparate (vorerst aller¬ 
dings nur für Zackenschnitt) wichtige Fortschritte 
gemacht worden sind. 

Ein nie zu beseitigender Nachteil aller Schneid¬ 
vorrichtungen für Zackenschnitt sind die an den ab¬ 
geschnittenen Bogen so auffallend in Erscheinung 
tretenden rauhen Schnittkanten in Verbindung mit den 
meist unvermeidlichen Punkturlöchern. Wie schon 
an früherer Stelle bemerkt wurde, ist diesen Be¬ 
gleiterscheinungen des Zackenschnitts bei Zeitungs- 

1 In der Einleitung des Aufsatzes über rotierende Falz¬ 
zylinder (Archiv für Buchgewerbe, Jahrgang 1909, Heft6) hat 
Verfasser die neuesten auf Schneidvorrichtungen fürZacken- 
schnitt sich beziehenden Verbesserungen eingehender be¬ 
sprochen und auch teilweise durch Abbildungen erläutert. 
Zur Vervollständigung der obigen Ausführungen muß auf 
fragliche Arbeit verwiesen werden. 


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Rotationsmaschinen keine große Bedeutung beizu¬ 
messen, jedenfalls ist kein zwingenderGrund vorhan¬ 
den, für derartige Druckerzeugnisse den Scherenschnitt 
anwenden zu müssen. Bei Illustrationsmaschinen 
und gewissen Spezialmaschinen ist dagegen das Be¬ 
dürfnis nach glattem Schnitt in den letzten Jahren 
immer dringender geworden, doch hat man den aus 
Druckerkreisen heraus geäußerten Anregungen vor¬ 
erst noch wenig Beachtung geschenkt. Namentlich 
sind es die meist Schlitzen gleichenden Nadellöcher, 
die das Mißfallen der Drucker hervorriefen und 
für die Maschinenfabriken daher in erster Linie die 
Veranlassung waren, der Punkturfrage ernstlich näher 
zu treten. 

Vakuumierte Luft an Stelle von Punkturen zu 
nehmen, darf immerhin schon als ein guter Erfolg 
der neuzeitlichen Bestrebungen angesehen werden 1 . 
Da sich aber mittels Luft nur ein einziger Bogen an¬ 
saugen läßt, so kann die Anwendung dieses Hilfs¬ 
mittels nur eine beschränkte sein. Bei Einrollen- 
Rotationsmaschinen, das heißt bei Maschinen mit 
nur einer Papierrolle (außerdem ohne Trichter, durch 
den bekanntlich der bereits durch die Druckwerke ge¬ 
laufene Papierstrang in der Mitte längsgefalzt wird 
und so gewissermaßen zwei Stränge entstehen, die 
gemeinsam dem Schneid- und Falzapparat zugeführt 
werden), hat man von Luft wiederholt schon mit großem 
Vorteil Gebrauch gemacht. Als neu verdient viel¬ 
leicht hervorgehoben zu werden, daß man zwecks 
Verbilligung des Betriebs die vakuumierte Luft 
gleich in dem zur Weiterführung des Papiers be¬ 
stimmten Zylinder (meist Schneid- und Falzzylinder) 
erzeugt, wozu je nach der Breite des Papiers zwei 
bis vier kleine Luftzylinderchen mit gemeinsam ge¬ 
steuerten Kölbchen vollkommen ausreichend sind. 
Diese Ausführung hat gegenüber der Aufstellung 
einer von der Maschine unabhängig angetriebenen 
Luftpumpe den Vorzug der Einfachheit und Billig¬ 
keit. Maschinen, die nach diesem Prinzip gebaut 
wurden, haben jedenfalls zur vollsten Zufriedenheit 
gearbeitet und auch im Dauerbetrieb die technische 
Brauchbarkeitdieser neuartig bewerkstelligten Bogen¬ 
führung erwiesen. 

Daß bei einer bänderlosen Rotationsmaschine (ohne 
Trichterfalz) der Schneid- und Falzprozeß auch ohne 
Zuhilfenahme von Punkturen oder Luft möglich ist, 
daran scheint man überhaupt nicht gedacht zu haben. 
Es wird daher die deutsche Fachwelt interessieren, 

1 Die Verwendung vakuumierter Luft zwecks Führung 
der bereits vor dem Druck vom endlosen Strang abge¬ 
schnittenen Bogen durch die Druckwerke ist eine schon 
über 30 Jahre zurückliegende, seinerzeit hochbedeutsame 
Erfindung von Koenig& Bauer in Wurzburg (vergleiche Auf¬ 
satz des Verfassers über „Variable Rotationsmaschinen u , 
Archiv für Buchgewerbe, Jahrgang 1910, Heft 2 bis 10). 


daß dieses Problem im Lande der * unbegrenzten Mög¬ 
lichkeiten “ inzwischen gelöst wurde, und zwar ist es 
die Meisel Press Co. in Boston, die diese Idee mit 
überraschend günstigem Erfolgan einer ihrer neuesten 
Spezial-Rotationsmaschinen für Kassenblock zur Ver¬ 
wirklichung brachte. Fragliche Maschine, mit vier 
Plattenzylindern und sechs Numeroteurachsen, soll 
den Lesern im letzten Abschnitt über Beispiele aus 
der Praxis im Bilde vorgeführt und dort auch ein¬ 
gehender besprochen werden. Hervorgehoben sei 
jedoch hier schon, daß die Laufgeschwindigkeit dieser 
Maschine, trotzdem das vorauslaufende Ende des 
Papierstranges beim Falzen sich frei überlassen war 
(also weder durch Punkturen, noch durch Luft am 
Zylinder festgehalten wurde), bis auf 15 000 Exem¬ 
plaren in der Stunde getrieben werden konnte. 

Wie sich die Verhältnisse bei vorher endlos längs¬ 
gefalztem Papierstrang gestalten werden, ist dagegen 
noch eine offene Frage. Vielleicht gibt dieser Hinweis 
einer deutschen Schnellpressenfirma Veranlassung, 
gelegentlich Versuche nach dieser Richtung hin an¬ 
zustellen, um auch über diesen, für die Praxis allge¬ 
meinsten Fall Klärung zu schaffen. Sollte aber bei 
Verarbeitung von längsgefalzten Papiersträngen das 
Risiko eines punkturlosen Schneid- und Falzappa¬ 
rates doch zu gewagt sein, so müßte eben auf andre 
Mittel und Wege gesonnen werden, eine sichere 
Papierführung zu erzwingen. Eine Möglichkeit, dies 
zu erreichen, sieht Verfasser in der Anwendung von 
Druckluft (an Stelle von Saugluft, die ja nur auf den 
untersten, den Zylinder berührenden Bogen wirken 
und diesen allein festhalten kann), durch die die Bogen 
an den Zylinder angeblasen werden, ein Verfahren, 
das in Amerika, wenn auch nicht in dieser Kombi¬ 
nation, so doch im Prinzip immerhin schon bekannt 
und auch praktisch verwertet worden ist 1 . Auf diese 
Weise würden sich auch bei Maschinen mit end¬ 
losem Trichterfalz die Punkturen vermeiden lassen, 
was zwecks Herstellung punkturloser Druckarbeiten 
in vielen Fällen ein dringendes Bedürfnis ist. Gegen 

1 Druckluft zum Anblasen von Bogen an Zylinder ver¬ 
wendet z. B. Walter Scott in Plainfield an Variablen mit 
Greifertransport. Durch Verwendung von Druck - und Saug¬ 
luft hat ferner die Meisel Press Co. in Boston einen neu¬ 
artigen Falzapparat erfunden (für Zickzackfalz), der sich 
von allen bisher bekannten Falzvorrichtungen dadurch 
ganz wesentlich unterscheidet, daß zur Erzeugung des 
Falzes keinerlei beweglichen und daher sich abnutzenden 
Teile, wie Ventile, Exzenter, Falzklappen usw., erforderlich 
sind. Für Kassenblockmaschinen (mit sogenanntem endlosen 
Falz) ist diese jüngste Errungenschaft von großer praktischer 
Bedeutung. Eine Maschine dieser Art wurde von der Meisel 
Press Co. schon im Jahre 1911 nach Deutschland geliefert 
und arbeitet, wie sich Verfasser erst kürzlich selbst über¬ 
zeugen konnte, noch heute zur vollsten Zufriedenheit der 
betreffenden Druckerei. 


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die Verwendung von Druckluft spricht zwar die Auf¬ 
stellung einer Luftpumpe, ein Nachteil, der gewisser¬ 
maßen als das kleinere Übel mit in Kauf genommen 
werden müßte. 

Mit der Beseitigung der Punkturlöcher ist zwar 
schon viel erreicht worden, doch werden sich die 
Drucker mit dieser Verbesserung allein nicht in allen 
Fällen zufrieden geben. Um ein nachträgliches Be¬ 


schneiden der gefalzten oder ungefalzten Bogen ganz 
zu vermeiden, müßte auch der gezackte Schnitt noch 
beseitigt werden, eine Bedingung allerdings, die sich, 
nur durch Anwendung von Schneidvorrichtungen für 
glatten Schnitt erfüllen läßt. Die Besprechung dieser 
für die deutsche Fachwelt bisher noch weniger be¬ 
kanntgewordenen Schneidvorrichtungen soll daher 
den Inhalt der folgenden Abschnitte bilden. 


Etwas über die Geschichte des Bucheinbandes 

Von PAUL KERSTEN in Berlin 


D en Völkern des Altertums waren Bücher, wie 
wir sie kennen, unbekannt. Wir verstehen 
unter einem Buch zusammengefalzte, mit 
Schriftzeichen versehene Blätter, die zu mehreren 
Bogen zusammengelegt und in feste Deckel geheftet 
sind. Die alten Völker, die Ägypter, nach ihnen die 
Griechen und Römer, gebrauchten zu ihren schrift¬ 
lichen Aufzeichnungen die Schriftrollen; diese be¬ 
standen aus langen Streifen aneinandergeklebter, aus 
dem feinen Bast der Stengel der Papyruspflanze (Cy- 
perus papyrus) geschälter Blätter (griech. ttottupos, 
lat. Charta), die zusammengerollt aufbewahrt wurden 
und deshalb Rollen (griech. KuXivbpa, lat. Volumina) 
genannt wurden. 

An ihren Enden war die Rolle an einem Holzstab 
(öpqpaXo?, umbilicus) befestigt. Zur besseren Erhal¬ 
tung wurden die Rollen mit Zedernöl eingerieben. 
Außer den Papyrusblättern hatten die Griechen und 
Römer noch Pergamentblätter (griech. bicpöepa, lat. 
membrana oder pergamena) zum Beschreiben, sie 
wurden aus Ziegen- oder Schafhäuten bereitet. Wei¬ 
ter benutzten beide Völker zu kurzen Notizen und 
Mitteilungen die mit Wachs überzogenen Holztafeln, 
auch dünne Bleitafeln wurden benutzt, die Schrift 
wurde mit einem harten Griffel eingeritzt. 

Diese Tafeln wurden griech. TrivaKeq, lat. tabella, 
pugillaria, cerae genannt. Oft waren zwei solcher 
Tafeln an den Längsseiten mit Ringen oder Schnuren 
durchzogen und zusammen verbunden, solche nannte 
man dann bnrruxa (diptycha heißt doppelt gefaltet), 
waren es drei Tafeln, so nannte man sie Tpiirruxa 
(triptycha). Diese Notiztafeln können wir ihrer Form 
nach als die Vorläufer unsrer Bucheinbände an- 
sehen. 

Bücher in der heute üblichen Form sind in den 
ersten nachchristlichen Jahrhunderten aufgekommen 
und etwa im 5. Jahrhundert allgemein an die Stelle 
der vorher gebrauchten Schriftrollen getreten. Der 
Einband dieser Zeit bestand gewöhnlich aus Holz¬ 
deckeln, die mit Leder überzogen oder mit elfen¬ 
beingeschnitzten, goldenen oder silbernen Platten, 
die mit Edelsteinen und getriebenen Ornamenten 
verziert waren, bedeckt wurden. Die Anfertigung 


der Bücher geschah anfänglich nur in den Klöstern; 
erst im 15. Jahrhundert traten bürgerliche Buch¬ 
binder auf. 

Der Ausbreitung des Buchdruckes folgte natürlich 
die der Buchbinderei auf dem Fuße. Die ersten ge¬ 
druckten Bücher bekamen massige Eichenholzdeckel, 
dann überzog man dünnere Holzdeckel mit Perga¬ 
ment oder weißem Schweinsleder, in welches Ver¬ 
zierungen eingepreßt wurden. 

Die Technik unsrer heutigen Verzierungsweise des 
Bucheinbandes, die der sogenannten Handvergol¬ 
dung, das heißt der Gebrauch von Rolle, Bogen und 
Stempel unter Verwendung von Blattgold, stammt 
ohne Zweifel aus dem Orient und ist wahrscheinlich 
.arabisch - persischen Ursprungs. Sie wurde von 
Orientalen zuerst in Venedig ausgeübt und von dort 
verbreitet. Der Ungarnkönig Matthias Corvinus 
1443—1490, ein eifriger Förderer der Künste, dessen 
Bibliothek von 50000 Bänden für die damalige Zeit 
geradezu als erstaunlich zu bezeichnen ist, zog die 
bedeutendsten Buchschreiber und Miniaturenmaler, 
die damals auch die Einbände der Bücher fertigten, 
an seinen Hof; darunter auch den berühmten Atta- 
vante aus Florenz. 

Aus dieser Bibliothek nun stammen die ältesten 
bekannten Bucheinbände, die mit obengenannten 
Werkzeugen verziert wurden. Bei jenen Einbänden 
sind es hauptsächlich drei Stempel, die den Beweis 
erbringen, daß die Art und Weise unsrer heutigen 
Einbandverzierung aus dem Orient stammt. Diese 
Stempel bilden ein gerades und ein im Halbkreise 
gebogenes Band zwischen zwei glatten Rändern mit 
schrägen, schnurähnlich gewundenen Strichelchen 
und einem kleinen punzenartigen Kreis mit einem 
Punkt in der Mitte. Genau dieselben drei Stempel 
finden wir ebenfalls und in genau gleicher Anwen¬ 
dung bei einem im Düsseldorfer Museum befindlichen 
arabischen Einband. 

Eine weitere Kunsttechnik, welche aus dem Orient 
mit herübergebracht wurde, ist die des Lederschnei¬ 
dens und -treibens. Die Zeichnung der Verzierung 
wurde auf das Leder in feuchtem Zustande über¬ 
tragen, die Konturen derselben mittels kleiner Messer 

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eingeschnitten und dann das Ornament von der Rück¬ 
seite des Leders etwas plastisch herausgetrieben und 
auf der Vorderseite mittels Modelliereisens in die 
richtige Form gebracht. Den Grund pflegte man 
mittels Punzen niederzuschlagen, teils flach, teils in 
Perlen, so daß die Zeichnung in ihrer ganzen Schön¬ 
heit plastisch hervortrat. Diese Technik wurde in 
der Zeit der Renaissance sehr geübt, sie kam zur 
vollen Blüte und erhielt sich bis ins 15. Jahrhundert. 

ln Venedig war es Aldus Manutius (gest. 1515), 
der den Einband in Anlehnung an orientalische Bände 
und unter Verwendung typographischer Ornamente 
zum Deckenschmuck umgestaltet hat. Aus seiner 
Offizin stammen auch vermutlich die ersten jener 
herrlichen Bände, auf denen Verschlingungen von 
Bändern, Linien und Ranken, mit angesetzten stili¬ 
sierten Blättern und Blüten (Arabesken) die ganze 
Decke überziehen, anfänglich farbig bemalt, später 
mit farbigem Leder ausgelegt. In Italien war der be¬ 
kannteste Liebhaber dieser Einbände Thomas Majoli. 
Durch ihn wahrscheinlich wurde der zu dieser Zeit 
in Italien weilende französische Bücherfreund Jean 
Grober, Vicomte d’Aiguisy, (gest. 1565) mit solchen 
Entwürfen bekannt, und Grolier wieder verdankt die 
französische Buchbinderei jene prächtigen, heute mit 
Gold aufgewogenen Einbände, zu welchen er meistens 
die Vorlagen selbst geliefert haben soll. Aus der¬ 
selben Zeit ist auch Demetrio Canevari, der Leibarzt 
des Papstes Urban VIII., als großer Bücherfreund be¬ 
kannt, seine Einbände zeigen gewöhnlich in der 
Mitte des Deckels ein von Linien und Ranken um¬ 
gebenes rahmenartiges Relief, meistens Apollo am 
Fuße des Parnasses darstellend, mit griechischer 
Umschrift. Von den Majoli- und Grolierbänden 
weichen die Einbände des Geoffroy Tory ab, der, ein 
Zeitgenosse Groliers, mit diesem in geschäftlicher 
Beziehung stand; er war Buchdrucker, Buchbinder, 
Verleger, Maler und Formschneider zugleich. Seine 
Einbände zeigen meistens ein von unten aufsteigen¬ 
des, von der Mittellinie sich nach der Seite zu ent¬ 
wickelndes Ornament, das gewöhnlich mit seinem 
Firmenzeichen, einer zerbrochenen Urne, verbun¬ 
den ist. 

Unter Heinrich III. ist Jacques Auguste de Thon 
(gest. 1617) als hervorragendster Bücherfreund zu 
nennen. Seine Einbände, fast immer in rotem, grü¬ 
nem und gelbem Maroquin oder rotgelbem Kalbleder, 
lieferten ihm die Eves, eine Buchhändlerfamilie, die 
von 1578—1631 den Titel „Relieurs du Roi“ führte. 
Ihre Einbände waren mit Bandverschlingungen ver¬ 
ziert, in deren leeren Feldern teils Lorbeerzweige, 
teils spiralförmige Ranken angebracht sind. 

Aus dieser Zeit stammen auch die ä la Filigran 
verzierten Einbände, die Le Gascon zugeschrieben 
wurden. Der Pariser Kunstbuchbinder und Fach¬ 


schriftsteller L6on Gruel ist allerdings der Meinung, 
daß der richtige Name des Verfertigers dieser Art 
Einbände Florimond Badier sei, dessen Name auf 
zwei solcher Einbände sich aufgedruckt vorfindet. 
Dieser Buchbinder lebte noch in den ersten Jahren 
der Regierung Ludwigs XIV. Mit ihm und seinem 
Nachfolger ist die große Zeit des französischen künst¬ 
lerischen Einbandes vorüber. Als besonders her¬ 
vorragend sind nur noch die Buchbinder Antoine 
Boyet (gest. 1733), Augustin du Seuil (gest. 1746), 
Antoine Michel Padeloup (gest. 1758), Nicolas Denis 
Derome le jeune (gest. 1788) und Pierre Lemonier 
anzuführen. 

In England finden wir den künstlerischen Buch¬ 
einband viel später als in Frankreich. Auch hier war 
es ein französischer Edelmann, namens Louis de 
Saint-Maure, Marquis des Nesles, der 1559 als Geisel 
der Königin Elisabeth übergeben die Engländer zu¬ 
erst mit den herrlichen Lederbänden eines Grolierusw. 
bekannt machte. Vor dieser Zeit wurden die meisten 
kostbaren Bücher in England in Geweben, besonders 
in farbigen Samt gebunden und mit Metallbeschlägen 
verziert; auch mit Stickereien versehene Stoffe wur¬ 
den als Buchüberzüge häufig angewandt. 

Die Einbände Eduards IV., Heinrichs VIII. und der 
Königin Elisabeth waren alle in dieser Art gehalten. 
Jakob I. (1603—1625) führte zuerst das Maroquin 
zu allgemeinem Gebrauche ein. Als bedeutendster 
Bücherfreund damaliger Zeit ist Thomas Bodley zu 
verzeichnen. 

Auch die charakteristischen sächsischen Einbände, 
die sehr zahlreich mit der Ausbreitung der Reforma¬ 
tion in England Eingang fanden, verbreiteten den 
Geschmack für den künstlerischen Ganzlederband. 
Der hervorragendste unter den englischen Biblio¬ 
philen des 18. Jahrhunderts war Harley, Earl of Ox¬ 
ford, der die Entwürfe (ähnlich wie Grolier) meist 
selbst lieferte; seine Einbände haben in der Regel 
einen roten Maroquinüberzug, der Deckel eine breite 
Umrahmung und ein Mittelornament aus meistens 
pflanzlich stilisierten Motiven in Spitzenmusteran¬ 
ordnung. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts 
steht Roger Payne (gest. 1797), als der bedeutendste 
an der Spitze der englischen Buchbinder. Seine 
Werke, die sehr gesucht wurden, sind mit großer 
Akkuratesse vergoldet; er band besonders für Lord 
Spencer. Die Zeichnungen zu seinen Einbänden und 
die Werkzeuge dazu fertigte er selber. Weder vor 
ihm noch nach ihm hat ein andrer seiner Landsleute 
es verstanden, so künstlerisch individuelle Werke zu 
schaffen wie er; auch war er einer der ersten, der 
die Einbandverzierung mit dem Inhalte des Buches 
in Einklang zu bringen versuchte. 

In Deutschland fand der künstlerische, mit Hand¬ 
vergoldung verzierte Einband um die Mitte des 


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Le Gascon-EInband (um 1600) Nicolas-Eve-Elnband (um 1600) Padeloup-Einband (etwa 1750) 











































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16. Jahrhunderts Eingang, und zwar ebenfalls von 
Venedig aus; teils geschah es durch die Frankfurter 
Buchhändlermesse, auf welcher schon seit Jahren in 
Venedig gedruckte Bücher gehandelt wurden, teils 
durch gelehrte deutsche Mönche, die, in Italien 
studierend, mit den dortigen Druckern bekannt wur¬ 
den und deren Werke auch gebunden nach Deutsch¬ 
land brachten, wie der Gelehrte Mutianus Rufus des 
Klosters Georgenthal, der mit Aldus Manutius per¬ 
sönlich bekannt gewesen sein soll. Als Wiege des 
deutschen, ganz besonders des sächsischen Einban¬ 
des ist die 1502 von Kurfürst Friedrich dem Weisen 
begründete Universität Wittenberg zu bezeichnen. 
Von den deutschen Bücherfreunden damaliger Zeit 
ist besonders den Fugger in Augsburg, dem Grafen 
Mansfeld, vor allem aber dem Kurfürst August von 
Sachsen (gest. 1586) die Einführung der neuen Art 
der Buchdeckenverzierung zu verdanken. Letzterer 
rief 1566 den Augsburger Buchbinder Jakob Krauße 
an seinen Hof, dem später 1578 Kaspar Meuser nach¬ 
folgte. Die Verzierung der deutschen Einbände be¬ 
stand anfänglich in Kartuschen- und Stempelranken- 
Werk, dem sich dann das spitzen-, rosetten- und 
fächerartige Ornament anschloß. 

Nicht lange währte diese Kunstperiode des Ein¬ 
bandes. Mit Hereinbruch des Dreißigjährigen Krieges 
fing auch das Kunstgewerbe an, besonders in der 
Buchbinderei, zu erlahmen, die künstlerischen Ein¬ 
bände wurden seltener, ja sie verschwanden ganz 
von der Bildfläche. Eine lange Zeitdauer währte es, 
bis sich die Buchbinderei wieder etwas hob, doch 
konnte von einer Kunst keine Rede sein, da man die 
Bücher in minderwertige Überzugsstoffe band und zur 
größeren Haltbarkeit mit Metallecken und Schließen 
versah. Aus dem Ende des 18. und dem Anfang des 
19. Jahrhunderts sind Einbände von Bedeutung nicht 
aufzuweisen. 

Erst seit den vierziger Jahren ist wieder ein Auf¬ 
schwung in der Kunstbuchbinderei zu verzeichnen, 
und zwar waren es die Deutschen Purgold und Trautz 
in Paris, Kalthöfer, Baumgärtner und ganz beson¬ 
ders Zähnsdorf in London, die den Einbänden neuen 
künstlerischen Wert verliehen. In Österreich war 
es zuerst Franz Wunder in Wien, der auf der Wiener 
Weltausstellung 1873 mit seinen künstlerischen 
Bucheinbänden mit ganz ausgezeichneter Handver¬ 
goldung und Ledermosaik ein ungeheures Aufsehen 
erregte; Wunder ist auch derjenige, dem wir die 
Wiederbelebung der Lederpunzarbeit verdanken, die 
später Hulbe (Hamburg) zur höchsten Entwickelung 
brachte. Durch Wunders Arbeiten wurden die tüch¬ 
tigsten deutschen Buchbinder angeregt, und langsam 
begann sich der künstlerisch ausgestattete Buchein¬ 
band wieder Bahn zu brechen. Deutsche Meister 
wie Vogt, Collin und Demuth in Berlin; Graf, Alten¬ 


burg; Scholl, Durlach; Kreyenhagen, Osnabrück; 
Ermold, Hannover; Vogel, Jena; Krehan, Weimar; 
Fritzsche und Julius Hager,Leipzig; Attenkofer, Mün¬ 
chen sind hier zu nennen. In Österreich ist Pollack, 
Franke und Pape in Wien, in Italien der Deutsche 
Enrico Andersen, Rom, der Meister der Pergament¬ 
vergoldung, zu nennen. Später waren es die seit 
1880 errichteten Vergoldeschulen, die Sinn und Ver¬ 
ständnis für künstlerische Einbände in Hunderte ihrer 
fleißigen Schüler verpflanzten. 

Was die künstlerischen Einbände jetzt betrifft, so 
ist bei allen Nationen teilweise ein mehr oder weniger 
großer Fortschritt zu verzeichnen; eine ausgebildete 
Technik in der Herstellung des Buchblockes, dessen 
Privilegium man früher nur den Franzosen zuerkennen 
konnte, und Originalität der Entwürfe zeichnen die 
jetzigen Einbände aus. Wie allenthalben in den deko¬ 
rativen Künsten, so macht sich auch im Buchgewerbe 
eine neue, sogenannte moderne Richtung in der 
Ornamentation bemerkbar, die auch naturgemäß 
einen mächtigen Einfluß auf die Verzierung des 
Bucheinbandes ausübt. 

Englische Kunstbuchbinder waren die ersten, die 
sich der neuen Richtung in die Arme warfen und 
ganz Hervorragendes leisteten. Besonders sind hier 
Cobden-Sanderson, Riviöre, Roger de Coverly und 
Zähnsdorf jr., seit neuester Zeit Sangorski & Sut- 
cliffe, A. de Sauty, J. Ramage und Leighton zu nennen. 
In Dänemark sind es Flyge, Petersen und A. Kyster 
in Kopenhagen, in Schweden G. Hedberg und Beck 
und Sohn in Stockholm, in Belgien Claessens, Brüssel, 
Weckesser, Brüssel, Samblanc, Brüssel, in Frankreich 
Marius Michel jr., L6on Gruel, Lortic, Chambolle- 
Duru, P. Ruban, Meunier in Paris, die hervorragend 
in ihren Arbeiten sind. Ein modernes Ornament 
tationsempfinden auf dem Gebiete des Bucheinbandes 
macht sich bei den französischen Meistern noch wenig 
bemerkbar, sie hängen noch fest an ihren traditio¬ 
nellen Stilen. Bei den englischen Meistern ist hin¬ 
sichtlich ihres Ornamentstils ein Stillstand, wenn 
nicht gar ein Rückschritt zu verzeichnen, was man 
deutlich auf der Internationalen Ausstellung für Buch¬ 
gewerbe und Graphik Leipzig 1914, der „Biigra*, 
feststellen konnte. Einbände in den edelsten Ledern, 
dasselbe vollständig mit Golddruck und Edelsteinen 
zugedeckt, ist kein Zeugnis eines guten und reifen 
Geschmackes. In Amerika lieferte der Deutsche Otto 
Zahn in Memphis, jetzt Mitinhaber der dortigen Firma 
Toof & Co., ganz hervorragende Arbeiten; leider hat 
er sich ganz seiner Kunst entzogen und widmet sich 
nur dem Hauptbetriebe seines Hauses: Geschäfts¬ 
bücherfabrikation und der Buchdruckerei usw. 

Was nun die Fortschritte in der Buchbinderei in 
Deutschland betrifft, so muß zugegeben werden, daß 
an die deutsche Kunstbuchbinderei der früheren 

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Archiv für Buchgewerbe 


Jahre (Ende des 19. Jahrhunderts), mit wenigen Aus¬ 
nahmen, keine allzu hohen Forderungen gestellt 
werden durften. Erst Männern wie Jacob von Falke, 
Stockbauer in der früheren Zeit, Dr. Peter Jessen, 
Prof. Loubier und Dr. Bogeng, Berlin, in der neueren 
Zeit gebührt das Verdienst, den deutschen Buch¬ 
bindern das Interesse für ihre Kunst wieder erweckt 
zu haben. Durch Vorträge in Kunstgewerbeschulen, 
Gewerbevereinen, durch Veröffentlichung von be¬ 
lehrenden Aufsätzen und Erörterungen in den deut¬ 
schen Fachzeitungen entfachten sie nach und nach 
ein stetig zunehmendes Interesse für die Kunst des 
Buchbindens, so daß heute die Kunstbuchbinderei, 
und damit die Sortimentsbuchbinderei Deutschlands, 
derjenigen Englands und Frankreichs zum mindesten 
gleichkommt, ja sie sogar in geschmacklicher Hin¬ 
sicht überflügelt hat. Ein weiterer wichtiger Faktor 
zur Hebung der deutschen Buchbinderei war die 
„Illustr. Zeitung für Buchbinderei“ und deren Chef¬ 
redakteur Dr. O. Löwenstein, der in seinem Blatte 
die besten in- und ausländischen Arbeiten im Licht¬ 
druck veröffentlichte und mit unerbittlicher Schärfe 
und Strenge auf die Mängel und Fehler in der tech¬ 
nischen Ausführung der deutschen Arbeiten hinwies. 
Auch die später gegründete, von P. Adam redigierte 
„Monatsschrift für Buchbinderei“, die leider nur 
2 V 4 Jahr existierte und die seit etwa acht Jahren ihre 
bessere Fortsetzung in dem trefflichen „Archiv für 
Buchbinderei“ in Halle fand, und der in Stuttgart er¬ 
scheinende „Allg. Anzeiger für Buchbinderei“, sie 
alle wirken nach Kräften mit, der deutschen Buch¬ 
binderei den „Platz an der Sonne“ zu sichern. Be¬ 
dauern müssen wir Deutsche es leider immer noch, 
daß wir immer noch zu wenig Bücherfreunde, ich 
meine Bucheinbandkenner haben, wenn es auch seit 
den letzten fünfzehn Jahren in dieser Hinsicht ganz 
bedeutend besser geworden ist. 

Das große Publikum hat heute endlich ein ziem¬ 
liches Interesse für gute Einbände bekommen und 
zeigt dafür ein oft großes Verständnis, und damit ist 


schon sehr viel für uns gewonnen. Während ich oben 
bereits die tüchtigen Meister der älteren Generation 
nannte, so seien hier noch die Meister der Gegen¬ 
wart aufgezählt, die im Geschmack der modernen 
Richtung arbeiten; es sind besonders P. Adam, Düs¬ 
seldorf; E. Ludwig, Frankfurt; H. Bauer, Gera; Georg 
Collin,Berlin;Dannhorn,Leipzig; G.Hulbe,Hamburg; 
P. Kersten, Berlin; Karl Hirth, Tübingen; J. Rudel, 
Elberfeld; Hendrick Schultze und Karl Schulze, Düs¬ 
seldorf; F. Weiße, Hamburg; Zichlarz, Wien; Beitel, 
Wien. 

Während es in keinem andern Lande eine Ver¬ 
einigung von Kunstbuchbindern gibt, ist eine solche 
in Deutschland am 29. September 1912 unter dem 
Namen Jakob-Krauße-Bund gegründet worden; sie 
zählt an 60 Mitglieder und umfaßt die besten deut¬ 
schen Buchbinder. Den Namen wählte sich diese 
Vereinigung nach dem Hofbuchbinder des Kurfürsten 
August von Sachsen, Jakob Krauße, der als der beste 
deutsche Buchbinder des Mittelalters zu gelten hat. 

Noch größeren Aufschwung als die deutsche Kunst¬ 
buchbinderei hat seit Jahren schon die Fabrikbuch¬ 
binderei in Deutschland genommen, allerdings nicht 
gerade zum Segen unsers Kleingewerbes. Der Buch¬ 
einband hat durch seine Massenherstellung an Soli¬ 
dität verloren, an Geschmack allerdings gewonnen, 
seit sich berühmte Künstler den Entwürfen von Ein¬ 
bänden zuwandten. Möge die deutsche Buchbinderei 
sich weiter so entwickeln wie es in den letzten Jahren 
geschehen ist, dann können die Großbuchbindereien 
sowohl als die Kleinbuchbindereien recht zufrieden 
sein. Aber wie das Verständnis bei dem Bücher be¬ 
sitzenden Publikum für gute Einbände und guten 
Geschmack gestiegen ist, und heute größere An¬ 
forderungen an den Buchbinder gestellt werden als 
früher, so sollen auch der Kleinmeister und die heran- 
wachsenden Fachgenossen vorwärtsschreiten und 
sich bemühen, nur gute, beste Technik und besten Ge¬ 
schmack bei ihren Arbeiten anzuwenden, und zugleich 
auf die heranwachsenden Fachgenossen übertragen. 


Das Eszett und die deutsche Sprache 

Von P. EBERHARD in Leipzig 


D ie Schriftleitung des Archivs für Buchgewerbe 
hat sich das Verdienst erworben, vor einiger 
Zeit Herrn Professor Kuhlmann in München zu 
einer Äußerung über die Eszett-Frage zu veranlassen. 
Die unmittelbare Anregung hierzu gab die von Herrn 
Dr.Dorn in Berlin im Anschluß an vorausgegangene Ver¬ 
öffentlichungen im „Archiv“ aufgeworfene Frage, „ob 
wirklich in demDoppel-s oder scharfen s ein z stecke“. 

In seinen außerordentlich interessanten Ausfüh¬ 
rungen kam Herr Professor Kuhlmann zu dem 
Ergebnis, daß das ß lautlich ein besonderes Zeichen 


darstelle und nicht aus dem Doppel -s, sondern aus 
s und z entstanden sei. 

Danach müßte die von Herrn Dr. Dorn gestellte 
Frage eigentlich bejaht werden, doch ist — und die 
Richtigkeit der Behauptung kann nicht strittig sein — 
nach Herrn Professor Kuhlmann die Form eines 
Buchstabens für seinen Lautinhalt ohne Belang und 
es an sich somit vollkommen gleichgültig, ob die 
Ligatur, die wir als Eszett bezeichnen, eine Ver¬ 
schmelzung des langen/mit einem z oder mit einem 
runden $ bedeutet. Sehen wir ab von dem rein 


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wissenschaftlichenWert, so könnte uns die ganze Frage 
ebenso gleichgültig sein, wenn nicht für die Darstel¬ 
lung des Zeichens in der Großschreibung Schwierig¬ 
keiten bestünden, deren Überwindung wir auch heute 
noch nicht um einen Schritt nähergekommen sind. 

Da Versaliensatz in der Fraktur nicht vorkommt, 
bestehen diese Schwierigkeiten nur für die Antiqua, 
und sie wurden naturgemäß erst geschaffen mit dem 
Augenblick, als man es für nötig erachtete, das ß auch 
in der Antiqua einzuführen, in der es bis dahin noch 
unbekannt war. Der einzige Vorzug dieser Maßnahme 
dürfte in ihrer Folgerichtigkeit bestehen. Während 
in der Fraktur der Eszett-Laut durch die bekannte 
Ligatur dargestellt wurde, stand in der Antiqua hier¬ 
für ss oder auch fs. Ob es aber angesichts des 
Mangels eines Versal-Eszetts zweckmäßig war, das 
Zeichen auch auf die Antiqua zu übertragen, kann 
bezweifelt werden. Ist die Ligatur ß in der Klein¬ 
schreibungwirklich aus einem/und z hervorgegangen, 
so bestünde eigentlich keine zwingende Notwendig¬ 
keit zur Schaffung eines Versalzeichens, sondern 
man könnte sich einfach auf die Verwendung der 
beiden Zeichen 5 und Z beschränken. Obgleich die 
amtliche Rechtschreibung es so verlangt, sträubt 
sich aber allem Anschein nach nicht mit Unrecht da¬ 
gegen unser Sprachempfinden, und auf den gleichen 
Widerstand würden wir stoßen bei dem Versuch, die 
Ligatur ß bei der Kleinschreibung in ihre angeblich 
ursprünglichen Zeichen s und z aufzulösen und sie 
getrennt darzustellen. 

Aus dieser Ablehnung des z zur Darstellung des 
verschärften s-Lautes, der eine Zwischenstellung 
zwischen 5 und Doppel-s einnehmen soll, ergibt sich 
mit zwingender Notwendigkeit die Schlußfolgerung, 
daß das z als Ausdrucksmittel für das scharfe s nicht 
herangezogen werden kann, weil es als solches in 
seiner lautlichen Bedeutung unsrer Sprache fremd 
ist. Wäre es anders, so müßte es auch unverbunden 
als Einzelzeichen zur Darstellung des s-Lautes dienen, 
wie es z. B. im Französischen und Englischen und in 
andern Sprachen der Fall ist. 

In früheren Zeiten herrschte erwiesenermaßen in 
der Schreibweise eine unbeschreibliche Regellosig¬ 
keit, die nur allzu erklärlich erscheint, wenn man 
berücksichtigt, daß damals eine einheitliche Recht¬ 
schreibung eben noch nicht bestand und nach Lage 
der Verhältnisse auch nicht bestehen konnte. Wir 
lesen z. B. forcht und vorcht (Furcht), got, gotes und 
gottes, ding und dinck, ertreich und erden, unnuzlich 
und unnutz, munt und mund, Kusse und chus, und 
neben dem „sanctus Lucas“ steht der „sand Jero- 
nimus“. Der Artikel „das“ erscheint mit s, mit ss 
und mit sz. 

Wenn schon bei der Regellosigkeit im allgemeinen 
die Frage berechtigt erscheint, ob damals ein so 


feines Empfinden für eine Unterscheidung zwischen 
ss und ß vorhanden gewesen sein dürfte, so muß das 
als völlig ausgeschlossen gelten im Hinblick auf die 
Tatsache, daß gerade Worte mit dem s-Laut dreierlei 
Schreibweise aufzuweisen haben. Es läßt sich des¬ 
halb nur annehmen, daß die Verbindung/, das heißt 
/und z, soweit man sie überhaupt als feststehend be¬ 
trachten will, auf eine ganz willkürliche Weise zustande 
gekommen sein kann und ihr keinesfalls die Absicht 
einer ihr heute beigemessenen feinsinnigen Unter¬ 
scheidung zugrunde lag. 

Ein Unterschied zwischen ss und ß besteht hin¬ 
sichtlich der Aussprache nicht. Die Verschärfung 
der Konsonanten wird in unsrer Sprache durch Ver¬ 
doppelung ausgedrückt. Weshalb will man diesen 
Grundsatz beim s durchbrechen? Kein Geringerer 
als Dr. Duden erbringt uns übrigens den Beweis, daß 
ss und ß ihrer lautlichen Bedeutung nach völlig über¬ 
einstimmen. Nach seiner Rechtschreibung „muß sich 
ss in ß verwandeln, wenn hinter ihm der tonlose 
Selbstlaut e ausfällt“. Danach müssen sich die beiden 
Zeichen in der Aussprache völlig gleichwertig sein. 
Es steht daher ß in der Hauptsache am Schlüsse 
eines Wortes oder einer Silbe, und nur da verhält 
es sich mit wenigen Ausnahmen anders, wo man der 
angeblichen Abstammung glaubt Zugeständnisse 
machen zu müssen. Aber auch in diesen Fällen ent¬ 
behrt die Anwendung des ß häufig der Berechtigung, 
z. B. in dem Wort „genießen“. Hier tritt ein ver¬ 
schärfter Konsonant unmittelbar nach einem Deh¬ 
nungszeichen auf. Wie läßt sich hier das ß recht- 
fertigen? Etwa weil wir inder Abwandlung „genossen“ 
und in dem Hauptwort „Genuß“ das s verschärfen? 
Der Stamm heißt doch „genießen“, und wenn hier 
das Dehnungs-e unbetont bleiben soll, kann niemals 
ein verschärftes s zum Ausdruck kommen. 

Forschen wir nach der Ursache dieses Überganges 
von ss zu /, so dürften in der Hauptsache nur ästhe¬ 
tische Gründe bei der Zeichendarstellung in Be¬ 
tracht kommen. So wenig wir am Schlüsse eines 
Wortes ein langes / anwenden, sondern dafür das 
runde s benutzen, welches daher auch den Namen 
Schluß-s erhalten hat, ebenso wenig können wir im 
gleichen Falle zwei lange ff setzen. Spricht dieser 
Umstand aber nicht für die Wahrscheinlichkeit, daß 
unser heutiges ß weniger einen zwischen s und ss 
stehenden Laut, als vielmehr eine aus Schönheits¬ 
gründen geschaffene Zeichenverbindung von / und s 
darstellen soll? In den alten Drucken finden wir 
Formen des /, die unwillkürlich zu der Vermutung 
führen, daß das vermeintliche z nichts andres als 
ein dem langen/angefügtes rundes s jener entarteten, 
teilweise einem Versal -B ähnelnden Gestaltung ist, 
das mit dem ersteren die Senkrechte gemein hat. 
Die Neigung zur Ligaturenbildung war zu jener Zeit 


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überhaupt stark ausgeprägt. In einem Bruchstück 
des „Sachsenspiegels“, abgedruckt in Reineckes 
„Deutsche Buchstabenschrift“, finden wir in dem 

Worte hogs eine Verschmelzung des g mit dem s, 03 
welche als wertvoller Fingerzeig für die Entstehung 
des ß gelten kann. Die an das g angefügte rechte 
Hälfte des s J könnte man (wie beim ß) hier ohne 
weiteres für ein z halten, wenn nicht die Umstände 
diese Annahme ausschließen würden. Sicherlich ist 
auf diese Weise, d. h. durch Verschmelzung mit einem 
runden s, auch jene Ligatur entstanden, die wir ß 
% nennen. Für diese Vermutung spricht auch der Um¬ 
stand, daß wir heute noch in der lateinischen Schreib¬ 
schrift das ß durch die Verbindung eines langen J*(f) 
mit einem runden s darstellen: J *. Die Form des ein¬ 
fachen langen ff in der lateinischen Schreibschrift 
ist uns verloren gegangen. Dagegen ist es noch teil¬ 
weise im Französischen und Italienischen zu finden, 
wo es in Verbindung mit dem runden s auch für das 
Doppel-s gebraucht wird. In dieser Form ist es also 
identisch mit unserm ß in der lateinischen Schreib¬ 
schrift. In den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahr¬ 
hunderts schrieben wir noch in der lateinischen Schrift 
neben dem runden das lange/, auch in der Ver¬ 
doppelung ff, Durch Unkenntnis ist die irrige Auf¬ 
fassung entstanden, daß das lateinische ß in der 
Schreibschrift aus einem deutschen h mit einem 


lateinischen s zusammengesetzt sei. Diese lang¬ 
gestreckte Form des s y hat sich weniger von der 
ursprünglichen Form entfernt, als das deutsche h y 
und die Formenübereinstimmung der beiden, in ihrer 
Lautbestimmung grundverschiedenen Zeichen ist auf 
reine Zufälligkeiten in dem Entwicklungsgang zurück¬ 
zuführen. 

Mag nun das ß aus einer Verbindung des/und z 
oder / und s entstanden sein — es ändert nichts an 
der feststehenden Tatsache, daß wir es mit einer Ver¬ 
schärfung, das heißt Verdoppelung des s-Lautes zu 
tun haben. In der Erkenntnis dieser Tatsache finden 
wir auch den Weg zur Lösung der Frage. Man werfe 
das ß dahin, wo es hingehört: in die Rumpelkammer, 
und ersetze es durch fs. Auch die Frage der Gro߬ 
schreibung wird dabei gelöst. Das lange / läßt sich, 
wie das nachstehende Beispiel zeigt, auch als Groß- 

MEIßEN PREUfSEN 

buchstabe verwenden, wenn es in der Strichstärke 
der übrigen Versalien gehalten und im Bild bis zum 
oberen Kegelrand geführt wird. Um eine Verwechs¬ 
lung mit dem Kleinbuchstaben zu vermeiden, läßt 
sich am Kopfe links ein kleines Häkchen anbringen, 
welches der in seiner Form etwas schlichten Figur 
gleichzeitig auch nach dieser Richtung hin vorteilhaft 
zustatten kommt. 


Elektrische Beheizung für Setzmaschinen-Schmelzkessel 
und für Stereotypieöfen 

Z ur Zeit der Gaskalamität sowie des Mangels an eingebaut. Allerdings ist diese Umkonstruierung um¬ 
andern Beheizungsmaterialien für Orte, die stündlich und auch verhältnismäßig kostspielig. Über 

keinen Anschluß an eine Gasanstalt hatten, die Rentabilität der Beheizung wird folgendes gesagt: 

wie Petroleum, Benzin, Spiritus usw., sann man auf Die Kosten der ersten damit versehenen Maschinen 
Ersatz, um den Betrieb nicht stillzulegen. Man war wurden während sieben Wochen genau kontrolliert 
auf den Gedanken gekommen, die Elektrizität nutz- und betrugen nicht ganz 49 Frank, bei täglich zehn¬ 
bar für die Zwecke der Beheizung der Schmelzkessel stündiger Heizung (inklusive eine Stunde Anheizen 

in den Buchdruckereibetrieben anzuwenden. Obwohl am Morgen und anderthalbstündiger Mittagspause) 
man in Amerika schon die elektrische Beheizung der und siebeneinhalbstündigem Betriebe der Maschine, 
Linotype-Schmelzkessel kannte, war man hier in also für die Woche nicht ganz 7 Frank. Allerdings 
Deutschland nicht in der Lage, eine ähnliche Ein- ist in Münsingen die elektrische Kraft sehr billig, bei 

richtung beschaffen zu können. Erst aus der Schweiz uns in Deutschland wird sich die Beheizung höher 

kam die Kunde, daß die Firma Buchdruckerei Fischer stellen. In Münsingen kostet die Kilowattstunde im 
in Münsingen (Schweiz) sich mit der „Elektra“, Fabrik Sommer 8 und im Winter 10 Centimes. Seit alle drei 

elektrischer Apparate in Wädenswil in Verbindung Setzmaschinen dortselbst elektrisch beheizt werden, 
setzte, um Versuche zu unternehmen, an ihren Lino- kostet die verbrauchte elektrische Kraft für alle drei 
types die elektrische Beheizung, aus Mangel an Petrol- Setzmaschinen zusammen etwa 20 Frank, 
und Benzingas, zu installieren. Nach Berichten ist der Nehmen wir an, bei uns kostet die Kilowattstunde 
Versuch geglückt. Die Kessel müssen in die genannte 40 Pfennige, so wären die Kosten des Verbrauchs etwa 

Fabrik gesandt werden. Elektrische Glühkörper fünfmal höher als in Münsingen, also für drei Setz¬ 
werden in die Umwandungen des Schmelzkessels maschinen unter den angegebenen Brennungszeiten 

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Archiv für Buchgewerbe 


etwa 80 Mark (Friedenskurs von 80 Pfennige für den 
Frank berücksichtigt), während die Gasbeheizung 
bei 20 Pfennige für den Kubikmeter für alle drei 
Setzmaschinen bei uns in derselben Brennzeit, wie 
oben angegeben, etwa 15 Mark kosten würde. In¬ 
zwischen hat nunmehr auch die bekannte Maschinen¬ 
fabrik Winkler, Fallert & Co. in Bern auch eine elek¬ 
trische Beheizung für Schmelzkessel konstruiert. 
Diese Einrichtung hat verschiedene Erleichterungen 
und Verbesserungen gebracht, deren hauptsächlichste 
sich auf die automatische Regelung der Temperatur 
erstreckt. Trotz alledem hat man sich eingehend mit 
der Anlage der elektrischen Beheizung befaßt, um 
über den fühlbaren Mangel an Heizmaterial, für Orte 
ohne Anschluß an eine Gasanstalt, hinwegzukommen 
und den Betrieb aufrecht erhalten zu können. Das 
geht aus einem Bericht der eingangs erwähnten Firma 
hervor, den sie in der „Schweiz. Buchdr. Ztg.“ Nr. 22 
vom 31 .Mai 1918 veröffentlicht, wo über die elektrische 
Heizung in der Sterotypie gesagt wird: „In letzter 
Zeit vielfach an uns gelangende Anfragen über das 
Funktionieren des elektrischen Stereotypie-Schmelz¬ 
ofens veranlassen uns, einiges über unsre bisherigen 
Erfahrungen bekanntzugeben, um dadurch die allge¬ 
meinen Anfragen und deren oft recht zeitraubende 
Beantwortung zu ersparen. 

Ermutigt durch die guten Erfolge bei der Setz¬ 
maschinenheizung hat sich unsre Firma im Herbst 
1917 entschlossen, die elektrische Energie auch zur 
Schmelzung des Stereotyp-Metalls auszunutzen und 
hat sich zum Zwecke des Baues einer entsprechenden 
Anlage mit der Firma Winkler, Fallert & Co. in Bern 
in Verbindung gesetzt. Auf Grund des nun vier 
Monate dauernden Betriebes, während welcher Zeit 


wir den Verbrauch an elektrischer Energie genau 
kontrolliert haben, können wir heute unsern Kollegen, 
welche sich dafür interessieren, mit aus der Praxis 
stammenden Angaben über die Betriebskosten der 
elektrischen Heizung des Stereotypieofens dienen. 
Der elektrische Stereotypofen, der 70 Zentimeter 
Durchmesser und 78 Zentimeter Höhe hat, kann durch 
direkte Einschaltung oder durch Stellen des Zeit¬ 
schalters, welcher in diesem Falle das Einschalten 
uip die gewünschte Zeit automatisch vornimmt, unter 
Strom gesetzt werden. Zum sogenannten Anheizen 
benötigt der Apparat 7 Kilowatt pro Stunde; das 
Metall ist in 3 bis 3 V 2 Stunden flüssig, je nachdem der 
Kessel, der etwa 800 Kilogramm faßt, mehr oder 
weniger stark gefüllt ist. Ist das Metall flüssig und 
hat den für das Gießen nötigen Hitzegrad erreicht, 
so schaltet eine automatische Regulierung den Strom 
so lange aus, bis der Hitzegrad des Metalls wieder 
sinkt und infolgedessen der Zeiger am Thermometer 
zurückgeht, was bewirkt, daß die Heizung automatisch 
wieder eingeschaltet wird, bis die Metalltemperatur, 
auf welche der Automat eingestellt ist, wieder erreicht 
ist. In der durch die automatische Regulierung er¬ 
reichten Unmöglichkeit der Überhitzung des Metalls 
liegt bereits ein wesentlicher Vorteil der elektrischen 
Heizung, gegenüber der Kohlenfeuerung. Der Strom¬ 
verbrauch stellt sich bei uns für die Herstellung einer 
Zeitung von acht Seiten, welche im Zeitraum von 
einer Stunde stereotypiert werden, auf 27 bis 28 Kilo¬ 
watt, was bei unserm Tarif von 8 Centimes pro Kilo¬ 
watt im Sommer Fr. 2.25 im Durchschnitt, im Winter 
bei 10 Centimes Kilowattpreis Fr. 2.80 ausmacht. 
Die Besichtigung der Anlage steht den Herren Kol¬ 
legen zur Besichtigung offen.“ 


Georg Collin f 

Von HEINRICH INHEIM 


D ie Frage „Geht das deutsche Handwerk seinem 
Verfall entgegen?“ ist nicht nur für die ihm 
Angehörenden wichtig, sondern schneidet sich 
mit einer der Daseinsfragen unsrer Kultur über¬ 
haupt. Denn wenn etwas diese Zeit der Mechani¬ 
sierung unsrer Arbeit lebenswürdig machen kann, 
dann ist es das Bestehen einer dem Schaffenden zur 
Freude gereichenden, sich ständig aus sich selbst an¬ 
regenden Arbeit, wie sie nur das Handwerk leisten 
kann. Dabei braucht man sich nichtein „LandNirgend- 
wo“ zu wünschen, wie es William Morris tat, das 
nichts von Maschinen und rauchenden Schloten weiß, 
sondern man wird in richtiger Wertung der indu¬ 
striellen Massenerzeugung einen Zustand herbei¬ 
sehnen, der ein blühendes Handwerk eine mit allen 
Kräften hochstrebende Industrie befruchten sieht. 
Denn darin liegt eben die große Zukunftsaufgabe 


unsers Handwerks, daß es Anreger der gesamten auf 
die Maschinen eingestelltenGütererzeugung,das stets 
schlagende Gewissen und also der Wegweiser wird 
für das, was wir guten Geschmack und Veredlung 
der Form nennen; daß es aber auch der Hafen sei 
für alle diejenigen, denen der Besitz an solchen 
Dingen ein Glücksgefühl auslöst, die sie nicht mit 
der Masse zu teilen haben; aus denen sie die hin¬ 
gebende, nur auf dieses Werk gerichtete Liebe des 
Handwerkers leuchten sehen. 

Will aber das Handwerk um seiner selbst und der 
Menschheit willen dieser Aufgabe gerecht werden, 
dann braucht es die Männer, die willig sind, sich 
solchen Amtes zu unterziehen, in denen Jahrhunderte 
alte Überlieferung wie ein Erbe des Bluts lebendig 
ist. Man sagt, daß solche Männer aussterben, daß es 
nur noch wenige gibt, die die Mitarbeit der Maschine 


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Archiv für Buchgewerbe 


als eine Entweihung an ihrer Hände Werk betrachten. 
Die meisten unsrer Handwerker — und wir finden in 
der deutschen Buchbinderei besonders bezeichnende 
Beispiele dafür—vermögen der Lockung der Maschine 
nicht zu widerstehen, und der ihnen in der Massen¬ 
erzeugung winkende höhere Verdienst läßt sie dann 
sich der industriellen Arbeit in die Arme werfen. 
„Halb zog sie ihn, halb sank er hin.“ Sie sind durch¬ 
aus keine Verräter an der Sache ihres Handwerks, 
bleiben ihm mit alter Anhänglichkeit treu, schalten es 
auch fast niemals ganz aus ihrem Großbetrieb aus, der 
sich aus der kleinen Werkstatt organisch entwickelte. 

Einer der wenigen, die trotz aller Schwierigkeiten 
und Hemmungen von zähem Hand¬ 
werksgeist beseelt blieben, war 
der Berliner Hofbuchbinder Georg 
Collin, der am Weihnachtsabend 
des vergangenen Jahres aus einem 
kampf- und arbeitsreichen Leben 
schied. EineWürdigung seiner Per¬ 
sönlichkeit möge an dieser Stelle 
nicht nur deshalb gerechtfertigt 
erscheinen, weil mit ihm einer der 
bedeutendsten deutschen Buch¬ 
binder und Handwerker überhaupt 
dahingegangen ist, sondern weil 
er den, wie wir sagten, vielleicht 
schon aussterbendenTypus des mit 
allen Fasern seines Wesens dem 
Handwerk hingegebenen Mannes 
darstellte. Gibt auch der Bericht 
über den durch Daten und nackte 
Tatsachen umschriebenen Lebens¬ 
lauf eines Schaffenden selten einen 
Einblick in sein Werk, so sei das 
Leben GeorgCollins doch derVoll- 
ständigkeit halber hier in aller Kürze wiedererzählt. 

Georg Collin wurde am 22. Oktober 1851 in Berlin 
geboren, als der zweite Sohn Wilhelm Collins, des 
Gründers der Buchbinderei W.Collins, eines der be¬ 
kanntesten deutschen Buchbinderhandwerker. Georg 
Collin sonnte sich aber niemals im Ruhm des Vaters, 
sondern strebte mit eisernem Fleiß dahin, die ihm 
angeborene handwerkliche Fähigkeit in ganz persön¬ 
licher Weise zu entwickeln. In den Jahren 1866 bis 
1869 erlernte er die Buchbinderei bei einem Berliner 
Meister, der ein Trunkenbold war. Die Lehre war 
hart und unzulänglich, wie es viele Lehren der da¬ 
maligen Zeit waren und manche von heute auch noch 
sind. Der Lehrling wurde — und auch diese Unsitte 
ist noch nicht ausgerottet — mehr zu Botengängen für 
Meister und Meisterin mißbraucht, als zur Arbeit 
angehalten. Nach beendeter Lehrzeit trat Georg 
Collin die Wanderung an, die ihn nach Wien, Paris, 
der Schweiz und London führte. In London arbeitete 


er in der Werkstatt eines der namhaftesten deut¬ 
schen Buchbinder, Joseph Zaehnsdorf. Das blühende 
Buchbinderhandwerk, das er in England kennen 
lernte, schwebte ihm allezeit als ein Ideal vor, und 
wenn er es in Deutschland niemals verwirklicht fand, 
so lag das sicher nicht an seinem Bemühen, son¬ 
dern an der Gleichgültigkeit der deutschen bücher¬ 
liebenden Welt und ihrer Vorliebe für das Ausland. 
Nach Berlin zurückgekehrt, trat er in das väter¬ 
liche Geschäft ein. In den Wintermonaten 1873 
bis 1875 unterrichtete er im kronprinzlichen Palais 
zu Berlin den Prinzen Heinrich von Preußen, den 
Bruder des Exkaisers Wilhelm II., in der Buch¬ 
binderei. Und die hier gewonne¬ 
nen Eindrücke begleiteten ihn als 
kostbare Erinnerungen durch sein 
ganzes Leben. In den Jahren 
1878 bis 1881 besuchte er die 
Berliner Kunstakademie, wo er 
sich zum Maler ausbildete. 1886 
wurde er Mitinhaber des väter¬ 
lichen Geschäfts, das er — der 
Vater starb 1893 —bis zu seinem 
Tode leitete, und das er zu Welt¬ 
ruf brachte. 

Georg Collin war Künstler und 
Handwerker zugleich, war also der 
vollkommene Typus des Kunst¬ 
handwerkers. Damit knüpfte er 
an die alten Meister unsers Hand¬ 
werks an, stellte aber auch den 
Anfang der Reihe unsrer heutigen 
buchbinderischen Kunsthandwer¬ 
ker dar, die in der Ausbildung 
künstlerischer Fähigkeiten, wie 
sie diese für das Handwerk ge¬ 
brauchen, einen wichtigen Teil ihrer Lebensaufgabe 
erblicken. Bei Georg Collin aber war die Kunst und 
die Liebe zu ihr nicht nur Ergänzung des handwerk¬ 
lichen Könnens, sondern diese künstlerische Be¬ 
fähigung kam bei ihm aus einem tiefinneren Drang, 
war also eine Gabe, die er auch abseits seines 
Tagewerkes, soweit ihm die spärliche Zeit dazu blieb, 
zur Betätigung brachte und zu pflegen suchte. Als 
ihn seine schwere Erkrankung während der letzten 
Zeit seines Lebens von der beruflichen Arbeit meist 
fernhielt, suchte er in der Kunst sein Leid zu ver¬ 
gessen und seine Tage auszufüllen. Gewiß gab es 
für ihn während der ganzen Zeit seines Lebens 
einen seelischen Zwiespalt. Er sehnte sich nach 
künstlerischem Wirken — er war auch auf diesem Ge¬ 
bietein Meister — und er empfand das Gebundensein 
an den Beruf oftmals als Fron und Hemmung seiner 
Persönlichkeit. Aber für sein Handwerk erwuchs 
aus dieser doppelten und sich ergänzenden Fähigkeit 



Georg Collin f 


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der große Vorteil, daß ihm so ein Meister gegeben 
wurde, der immer Vorbild sein wird. Und die Firma 
W.Collin erlangte ihren Ruf hauptsächlich auf Grund 
der kunsthandwerklichen Schöpfungen ihres Leiters. 

Georg Collin zählt unstreitig zu den besten Hand¬ 
vergoldern aller Zeiten; aus seinen Händen gingen 
zahllose Arbeiten hervor, die mit der mühevollen 
Technik des Handstempeldrucks verziert waren; 
und jede Arbeit, ob auf ihr nun wenige oder Tausende 
von Drucken ausgeführt waren, wies die gleiche pein¬ 
liche Genauigkeit auf. Und hier erkennt man eben 
den handwerklichen Willen dieses Mannes, der als 
Gehilfe und auch als Meister tage- und wochenlang 
am Werktisch stand, und dessen Arbeiten alle das 
Gepräge der Vollendung aufwiesen. Hier verkörpert 
sich in Collin der echte Handwerksgeist, der in jedem 
Werk ein künstlerisches Erlebnis sieht. Just, wie es 
der Künstler tut. Denn jede handvergolderische 
Schöpfung ist — ganz gleich, ob sie der Handwerker 
selbst entworfen hat oder nicht—eine Art von Kunst¬ 
werk. Die Tiefe des Drucks, das Leuchten des Goldes 


auf dem Leder, das Bemühen, den Werkstoff unter 
und trotzder Verzierung in seiner Struktur zur Geltung 
zu bringen, das alles und vieles andre wird niemals 
mechanisch bewältigt werden können, sondern ver¬ 
langt ein ausgebildetes ästhetisches Feingefühl, 
stärkstes künstlerisches Bewußtsein. Goethe sagte 
einmal von einem Zeichner, daß er während der 
Arbeit die reinste Seligkeit genoß Und nicht daran 
dachte, fertig zu werden. Das ist es, was wir fühlen, 
wenn wir die Arbeiten Georg Collins betrachten, und 
was auch den Geist ausmachte, mit dem er sein Unter¬ 
nehmen beseelte. Es ist bedauerlich, daß Georg Collin 
nicht die Zeit fand, als Lehrer zu wirken; nur wenige 
Buchbinder nennen ihn mit Stolz ihren Lehrer. Aber 
er ist der Lehrmeister des ganzen deutschen Buch¬ 
binderhandwerks gewesen, weil sein künstlerisches 
Gewissen die junge Generation befruchtet hat und 
dem deutschen Buchbinderhandwerk den Mut geben 
wird, sich aus der Not der Zeit wieder auf die alte 
Höhe zu schwingen. Das wird das Vermächtnis des 
Handwerkers und des Künstlers Georg Collin sein. 


Normierungsaufgaben im Buchgewerbe 

III. Die Frage des Einheitsformates unter besonderer Berücksichtigung des Plakats 

für Litfaßsäulen 1 

Eine Studie aus der Praxis für die Praxis zur Theorie des Weltformates von FRANZ RUTZEN in Frankfurt a. M. 


D ie Einheitsbestrebungen zur Hebung der deutschen 
Industrie und des Gewerbefleißes zum Zwecke der 
Wiedererschließung des Weltmarktes und der Konkurrenz¬ 
fähigkeit auf diesem haben in der Gründung des Normen¬ 
ausschusses für das graphische Gewerbe auch für dieses 
ihren Ausdruck gefunden. Bei der Schaffung von Einheits¬ 
formaten für die Papierherstellung kann nur die Druck¬ 
industrie im ganzen Umfang ihres Betätigungsfeldes ma߬ 
gebend sein. Der Einführung von Einheitsformaten für die 
graphischen Erzeugnisse ist im Vorschlag des Weltformates 
ein gangbarer Weg gewiesen. So einfach an sich die Ein¬ 
führung des Einheitsformates aussieht, so schwierig aber 
dürfte die Überführung in die Praxis sein. Abgesehen von 
den zu vielen gängigen und besonderen Bogengrößen zur 
Herstellung druckerlicher Erzeugnisse haben wir seit langem 
zwei Formatrichtungen, die ganz besonders vorherrschen: 

1. Das kaufmännische Briefformat: 

Das aus dem Median- bzw. Doppelmedianformat (46 x 59 
bzw. 59x92 cm) hervorgegangene „Post“-Format, dessen 
bekannteste Typen im Quart (22 1 / 2 x28 1 /8 bzw. 29 cm 
beschnittener Größe) und im Oktav (14 1 / 2 x22 1 / 2 cm 
beschnittener Größe) ganz allgemein bekannt und ein¬ 
geführt sind. 


1 Dieser Aufsatz lag in seinem letzten Teil, in dem der Verfasser über das 
Einheitsplakat spricht, unsrer Schriftleitung zu Kriegsbeginn zur Veröffent¬ 
lichung vor; aber erst heute ubergeben wir ihn, vom Verfasser allgemein auf 
das Einheitsformat eingestellt und den Zeitumständen angepaOt, der Öffent¬ 
lichkeit, da wir bei Kriegsbeginn befürchteten, daß er angesichts der Kriegs¬ 
begebenheiten nicht die Beachtung gefunden hätte, die er verdient. 

Die Schriftleitung 


2. Das amtliche Format: 

Das aus den Bogengrößen 43 x 68 cm und 68x86 cm 
im Doppelformat geschnitten wird und dessen gang¬ 
barste Art im sogenannten Propatria-, Folio-, Reichs- 
und2°Schreibformat(beschnitteneGröße21 x 33cm) und 
im 4° Schreibformat (beschnittene Größe 16 l /2><21 cm) 
von sämtlichen Behörden als Schreibpapier eingeführt 
ist, sowie für den allgemeinen und amtlichen Formular¬ 
bedarf Verwendung findet. 

Wie nahe liegt hier nun der Gedanke, daß hiermit ja in 
der Hauptsache zwei auch jedem Laien bekannte Formate 
eingeführt sind und daß es ja eigentlich keines Einheits¬ 
formates bedarf, denn die letztgenannte Papierform äußert 
sich ja fast nur, aber auch ausschließlich im behördlichen 
und Rechtsanwaltsverkehr, während das Postformat mit 
mancherlei Abweichungen, entwickelt aus den Formaten 
59x92, sowie in Druckpapieren auch aus 64 x 96 oder 
65x100cm ganz allgemeineVerbreitunggefunden hat, oftmals 
sogarAnwendungfindet,wo es recht unschönwirkt und durch¬ 
aus nicht als zweckmäßig angewendet gelten darf. Man 
denke nur an die vielen täglichen Gebrauchsdrucksachen, 
die ins Quartpostformat, als der üblichen Form gezwängt 
werden und recht geschmacklos wirken können. Hier 
werden recht oft die Begriffe verwechselt; man sieht im 
Quart- und Oktavformat auch sofort das Schreibpapier und 
so kommt es, daß Drucksachen, deren Bestimmungszweck 
lediglich der der Drucksache ist, auf schreibfähigem Papier 
verarbeitet anstatt auf entsprechendes Druckpapier gestellt 
werden. Man denke dabei nur an die vielen Geschäfts-und 
Jahresberichte, Programme, Rundschreiben usw., die durch 


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diese Papierwahl einen geradezu abstoßenden und kalten 
Eindruck erwecken. 

Einen Mittelweg zwischen diesen beiden Papiergrößen, 
deren hauptsächlichste Ausdrucksformen im Postquart 
22 1 / 2 x 28 1 /2oder29cm (beschnitten) oder dem aus 64 x 96cm 
entwickeltenQuartvon23x31 cm (beschnitten) bekanntsind, 
bedeutet der dem Weltformat entsprechende Achtelbogen 
diesesFormatsi 22,6 x 32cm (unbeschnitten), der imBeschnitt 
jedenfalls die Größe 21,5x30,5 cm haben durfte. (Siehe 
Einteilung auf Seite 49 bei Plakatgrößen.) 

Eine Einigung auf diese Größe für den kaufmännischen 
und behördlichen Papierbedarf würde mit einem Schlage 
zu einem Einheitsformat führen, denn alle andern Papier- 
Größen und Formen sind hiervon abhängig. 

Diese Einigung würde das Weltformat zur Einführung 
bringen und auch viele sonstige neben den bisherigen 
Hauptformaten laufende Papierformen zum Wegfall bringen, 
ohne dabei die außerhalb der Grenzen des Weltformates 
notwendigen und von Bestellern verlangten Papierformen 
zu beeinträchtigen. Nichts wäre verhängnisvoller als eine 
Schabionisierung auf diesem Gebiete; doch würde die 
Einführung eines Einheitsformates im vorstehenden Sinne 
ganz von selbst auf die Herstellung von gleichformatigen 
Fertigfabrikaten, bei Büchern, sowie sämtlichen Druck¬ 
arbeiten und auch Plakaten einwirken und somit die Unzahl 
der bisher in Handel gebrachten Papierformate auf ein 
notwendiges Minimum beschränken. 

Fast könnte man versucht sein, zu glauben, nichts wäre 
einfacher als diese Einführung eines Einheitsformates; 
dem ist aber durchaus nicht so. 

Beweis: Das heute im Verkehr befindliche und allgemein 

gebräuchliche Post- Quartformat! Es wechselt in den 

Größen von 21x27 bis 23 x29 1 l 2 cm. 

Bei solchen Unterschieden kann man doch nicht mehr 
von einem gleichen Format sprechen. Da wird nun vielleicht 
einzuwerfen sein, daß mit der Einführung des Einheits¬ 
formats diese Ungleichheiten verschwinden werden. Mit 
Verlaub: Sie kehren genau so wieder und suchen in tech¬ 
nischen Gründen ihre Berechtigung, wenn nicht durch¬ 
greifende Organisation hier vorarbeitet. Für den Buch¬ 
drucker ist es allerdings ein leichtes, das heutige Postformat 
einzuhalten und beispielsweise im Quart in der Größe 
22 1 / 2 x28 1 / 2 cm einheitlich durchzuführen, ausgenommen 
Arbeiten mit an den Papierkanten abfallenden Tonformen 
und Rändern. In ordnungsmäßig geleiteten Geschäften 
wird jedenfalls auf gleichmäßigen Beschnitt bzw. vorheriges 
Zuschneiden auf genannte Größe gesehen, falls die Kund¬ 
schaft nicht besondere Wühsche äußert. Wie viel Buch¬ 
drucker aber schneiden lediglich die plano liegenden 
Medianformate durch und beschneiden aus Bequemlich¬ 
keitsgründen nicht. Sehr viel andre stellen die Auf¬ 
machungsarbeiten, nur um billig zu sein, gar nicht in 
Rechnung. So konnte es kommen, daß ein vorhandenes 
einheitliches Format infolge mangels an Organisation und 
Kenntnis der einschlägigen Formate solche Unterschiede 
aufweist. Man muß über die Unkenntnis staunen, die man 
in den einschlägigen Gewerben über die üblichsten Papier¬ 
formate antrifft; ganz zu schweigen von andern Formaten 
bzw. von der Papierausnutzung und -einteilung im beson¬ 
deren. Dieser Unzulänglichkeit kann man nur durch 
Organisation des Betriebes und Belehrung des Personals 


beikommen. Sehr zu empfehlen ist ein Aushang der 
hauptsächlichsten Papierformate, plano, gefalzt und be¬ 
schnitten in allen Betriebsräumen. 

Doch maßgebend und bestimmend für die Beschnittgröße 
des Einheitsformates ist nicht so sehr der Beschnitt des 
Buchdruckers, obwohl in den Vorschlägen des Weltformates 
(siehe„DeutscherBuch-undSteindrucker“Jahrgang 1912/13, 
Heft 3, Seite 195) nicht einmal diesem Rechnung getragen 
wird, sondern ist der Steindruck mit der Notwendigkeit seiner 
Greifer- und Steinkanten, die auch der Offsetdruck verlangt. 
Was dem Buchdruck kein Hemmnis bereitet, wird hier zum 
technischen Erfordernis. Wenigerbei Büchern und Werken, 
die imSteindruckmehrzurücktreten, als bei den sogenannten 
Merkantildrucksachen macht sich das Bedürfnis derGreifer- 
und Steinkante geltend. Der Steindrucker, der ein Median¬ 
format von 46 x 59 cm quer gestellt druckt, braucht für die 
Papierhöhe von 46 cm ungefähr l l / 2 cm Greiferkante, ein¬ 
schließlich Beschnitt 2 cm, so daß nur eine nutzbare Bogen¬ 
größe von 44 cm übrigbleibt. Dazu tritt die Steinkante auf 
beiden Seiten, die den Bogen auf 57 cm kürzt, so daß ein 
Quartformat von 22x28 1 / 2 cm entsteht. Einige bessere 
Briefpapierstoffe werden nur45 x 58cm plan geliefert, die ein 
beschnittenes Quartformat von nur 21 1 / 2 x28 cm zulassen, 
ganz abgesehen von den Formatergebnissen des Klein- 
medians. Wird ein ganzer Quartbriefbogen gefalzt und 
beschnitten, so ergibt sich im günstigsten Falle ein Format 
von 21x27 1 / a cm. Es ist also eine Verschiedenheit des 
Quartpostformats,des bisherganz allgemein gebräuchlichen 
Formats für alle möglichen Drucksachen bis zum umfang¬ 
reichsten Katalogvon21 x27 1 { 2 cm bis23x29 1 /2cm möglich, 
das sind 1000 Quadratzentimeter. Rechnet man zu diesen 
Unterschieden die weitere Steigerung und die Unterschied¬ 
lichkeiten der sich aus den Bogengrößen 64 x 96 und 65 x 100 
ergebenden Quartgrößen hinzu, dann hat man Quartformate 
in größter Auswahl und in tatsächlichen Größenunterschieden 
bis zu 2350 Quadratzentimetern. 

Dieses Beispiel zeigt, wie stark die Technik des Stein¬ 
drucks die Durchführung des Einheitsformates behindern 
kann, denn was vorstehend für Drucksachen des täglichen 
Bedarfs ausgeführt wird, gilt für alle andern Drucksachen 
im gleichen Sinne. Wir sehen hier bei einem Format , das 
in seiner Wirkung dem Einheitsformat nahe kommt, durch 
die Technik bedingte Unterschiede, wie sie ganz genau so in 
einem zukünftigem Einheitsformat , ganz gleich welcher Art, 
wiederkehren werden. Nur allgemeine Kenntnis und ent¬ 
sprechende Formatbestimmungen dürften bessernd wirken. 

Hier könnte nun eingeworfen werden, Papiere ein und 
desselben Formats von vornherein derart unterschiedlich 
anzufertigen, damit das angezogene Quartformat im plan 
liegenden Medianbogen für Buchdruck bleibt, für Steindruck, 
aber, um den erforderlichen Raum für Stein- und Greifer¬ 
kante größer angefertigt wird. Um in diesem Sinne die ein¬ 
heitliche Beschnittgröße, auch für gefalzten Bogen von 
22 x / 2 x 28 1 / 2 cm technisch zu sichern, wäre ein Median¬ 
format von 49 x 60 cm erforderlich. Dieser Einwurf ist aber 
in der Praxis so gut wie undurchführbar. Es genügt wohl 
darauf hinzuweisen, daß mit solcher Anfertigung das so¬ 
genannte Einheitsformat, wie der Drucker es im Sinne des 
Vorteils, vielmehr aber noch der Papiermacher es auffaßt, 
durchbrochen wird und daß gemischte Betriebe mit Buch- 
und Steindruckerei sich nicht mit ein und demselben 

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Archiv für Buchgewerbe 


Papierstoff in zweierlei Papiergrößen für ein und dasselbe 
Papierformateindeckenwerden. Verwechslungen und gegen¬ 
seitige Aushilfen wären ja doch die unausbleiblichen Folgen. 

Wird nun aber die Anfertigungsgröße von der Steinkante 
abhängig gemacht, so dürfte für sehr viele Druckarbeiten, 
die lediglich im Buchdruck hergestellt werden, ein unnötig 
großer Papierbeschnitt in Frage kommen, um das Einheits¬ 
format für das Fertigfabrikat einzuhalten. Bei umfang¬ 
reichen Arbeiten mit besonderen Papieranfertigungen oder 
bei Sonderanfertigungen großer Verlage, bei denen das 
Kilogewicht entscheidet, würde eine nutzlose Papier¬ 
verschwendung und -Verteuerung des Objekts* entstehen, 
die niemand zum Nutzen gereicht. Auch dürften diese 
Arbeiten hinsichtlich der Papiermassen das Übergewicht 
gegenüber den laufenden Papiersorten und -formaten, die 
in kombinierten Verfahren für alle möglichen und täglich 
vorkommenden Druckarbeiten verarbeitet werden, auf¬ 
weisen. 

Aus vorstehendem würde folgende Nutzanwendung zu 
ziehen sein: 

1. Für alle laufenden Druckarbeiten des täglichen Bedarfs 
aller graphischen Zweige: Ein Einheitsformat seitens 
der Papierfabriken herzustellen, das der Besonderheit 
des Steindrucks Rechnung trägt unter Berücksichtigung 
des allgemein notwendigen Beschnitts. Allgemeine 
Einführung des Einheitsformates in der Fertigware, 
das heißt für die fertiggestellte und beschnittene 
Drucksache. 

2. Für große und besondere Druckarbeiten als Kataloge, 
Werke, Verlagsarbeiten, Zeitschriften und ähnliche, 
die zum großen Teil besondere Papieranfertigung er¬ 
fordern: Herstellung eines kleineren Formats im plan¬ 
liegenden Bogen unter Fortlassung des Papierraumes 
für die Steinkante, lediglich für den Zweck bestimmt, 
unter vollerWahrung des Einheitsformats für das fertig 
gebundene Buch oder den beschnittenen Katalog. 

Folgerung: Aus vorstehenden zwei Punkten ergibt sich , daß 
die Schaffung eines Einheitsformates nicht so sehr ein 
Erfordernis der Papierfabrikation ist (wie es bisher von 
den Anregern verstanden wurde) als die Beachtung und 
Durchführung einheitlicher Formatgebung bei der fertigen 
Druckarbeit. Daß dies Ziel , entsprechend der jeweilig 
anzuwendenden Technik auf verschiedenen Wegen,das heißt 
mit Abweichung in den planliegenden Formaten, erreicht 
wird, ist an sich belanglos; die Erreichung des Ziels 
aber ist das Wesentliche der Normenbewegung in 
der Herbeiführung einheitlicher Formen für alle Drucker - 
und Verlegererzeugnisse , wie sie der Leser bzw. Verbraucher 
in die Hand bekommt. 

Treffen die hier aufgestellten Grundsätze auf alle Er¬ 
zeugnisse, die die Druckerpressen der verschiedensten 
Art verlassen, zu, so wären dem Einheitsformat in der 
Plakatherstellung unter Berücksichtigung des vorstehend 
allgemein Gesagten noch einige Zeilen im besonderen 
zu widmen. 

* * 

* 

Der Krieg und dessen lange Dauer hat dem Plakat keine 
Einbuße gebracht, selbst die Papiernot hat ihm ebenso¬ 
wenig Abbruch getan, wie im Frieden die elektrische Licht¬ 
reklame. Im Gegenteil: Das Plakat wurde in den Dienst 
der Kriegspropaganda gestellt und gehörte somit zu den 

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Kriegsnotwendigkeiten. Die Straßenreklame findet in der 
Anschlagsäule nach wie vor ihre beste und vornehmste 
Vertreterin. Während die in Friedenszeiten geübte und 
auch sicher wiederkehrende Lichtreklame nur für Dauer¬ 
propaganda zur Anwendung kommt, bleibt die Anschlag¬ 
säule die Verkünderin aller aktuellen Veranstaltungen. Die 
Theater- und Konzertzettel, Vortrags-, Ausstellungs- und 
Versammlungsplakate und ähnliche sichern der Säule die 
tägliche Aufmerksamkeit der Vorübergehenden und be¬ 
sonders der Fremden. 

Nächst der Tagespresse bedeutet das Säulenplakat das 
beste Propagandamittel für Terminveranstaltungen irgend¬ 
welcher Art. Da ist es wohl ganz selbstverständlich, wenn 
im Frieden Fabrikationszweige wie Margarine, Zigaretten-, 
Schokoladen-und Kakaofabriken und andre, deren Absatz be¬ 
sonders von einer eindringlichen Reklame beeinflußt werden, 
für das Säulenanschlagplakat bedeutende Summen auf¬ 
wenden. 

Diese oftmals hochkünstlerischen Plakate, die mit großem 
Kostenaufwand und oft noch mehr Sorgfalt in Spezial¬ 
anstalten hergestellt werden, beeinflussen das Aussehen 
der Litfaßsäule und des Straßenbildes. So manches dieser 
Plakate zwingt dieVorübereilendenzumHinsehen und immer 
wieder wird der Blick auf ein wirksames Plakat gelenkt. 
Damit ist auch die Wirkung erzielt, die diese Plakate aus¬ 
zuüben berufen sind, wenn sie aus dem Wirrwarr der an¬ 
geschlagenen Affichen hervortreten sollen. Ganz besonders 
nötig ist dies aber im Hinblick auf die aktuellen Plakate, 
die wohl fast ohne Ausnahme in Schriftsatz hergestellt 
sind und vom Publikum sofort als Tagesneuigkeit erkannt 
werden, obwohl sie sich viel bescheidener geben und 
weniger auffallen. 

Aber auch die besten Plätze halten Plakate der vor¬ 
stehend genannten Fabrikationszweige besetzt. Wochen, 
sogar Monate vorher schon werden bestimmte Plätze mit 
der Säulenanschlagfirma vereinbart. So kann es kommen, 
daß selbst für wichtige und eilige Ankündigungen der not¬ 
wendige Raum fehlt oder kein geeigneter Platz vorhanden 
ist. Die immer ungleichen Hoch- und Querformate der 
anzuschlagenden Plakate geben Veranlassung, daß der 
Raum der Säule nicht genügend ausgenützt werden kann. 
Und gerade die eingesandten Künstlerplakate sind es, die 
fast ausnahmslos zu keinem gängigen oder örtlich gewohnten 
Plakatformat passen. 

Wie viel Platz durch diese verworrenen Größenverhält¬ 
nisse verloren geht, wird jeder wissen, der mit dem An¬ 
schlagwesen vertraut ist. Aber auch der Buchdrucker, in 
dessen Händen oftmals der Plakatanschlag liegt, weiß, wie 
wenig es nützt, wenn er eine bestimmte Plakatbogengröße 
innehält, denn diese differiert vielleicht schon wieder mit 
der Bogengröße eines andern Buchdruckers desselbenOrtes, 
von dem er ein vom Besteller geliefertes Plakat anschlagen 
muß. 

Daß bei diesen Verhältnissen die Litfaßsäulen zumeist 
ein wüstes Bild allerlei kreuz und quer geklebter Plakate 
bilden, ist natürlich, ebenso aber auch, daß selbst das 
schönste und bestwirkende Plakat an seiner Wirkung er¬ 
heblich Einbuße erleidet, wenn ringsherum die verschie¬ 
denen Formate wüst durcheinander geklebt oder als eine 
Folge der ungleichen Maßverhältnisse an den Seiten sowie 
oben und unten über klebt sind. 


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Archiv für Buchgewerbe 


Geradezu abstoßendaberwirken dieunterneuangeklebten 
kleineren Plakaten noch hervorlugenden Restteile alter 
Affichen größeren Formats. Ganz abgesehen von den hier¬ 
durch entstellten widerlichen Teilbildern, werden diese 
Überbleibsel durch Witterungseinflüsse unansehnlich und 
verschlissen. Sie beeinflussen somit das Gesamtbild im 
schlechtesten Sinne. Nur ein Beispiel: Kürzlich las ich an 
einer Säule im Vorbeigehen folgende Stichworte: 

Heraus mit unsern Gefangenen! 

Erscheint in Massen! 

Eigene Tänze! 

Erst bei näherem Zusehen konnte ich feststellen, daß die 
letzte Zeile, auf das gleiche weiße Papier gedruckt, als Folge 
der in vorstehendem geschilderten Zustände von einem 
vorher darunter klebenden Plakat herrührte. 

Diese hier berührten Übelstände, die selbst Laien nicht 
entgehen können, erheischen dringende Abhilfe. Die ver¬ 
schiedensten Formatverhältnisse bilden die Ursache aller 
Widerwärtigkeiten im Anschlagwesen . Ein Einheitsformat; 
das in der Plakatherstellung am notwendigsten ist, und sich 
über ganz Deutschland erstreckt, mußgefunden werden; bei 
einigem guten Willen der beteiligten Kreise ist es durch¬ 
führbar. 

Die Wirkung eines zu schaffenden Einheitsformates darf 
nicht unterschätzt werden. Geht sie in erster Linie wohl 
nur die betreffenden Erwerbszweige an, so wird auch der 
Geschmack und das Schönheitsgefühl des großen Publikums 
gehoben. Hiermit wächst die Frage der Plakateinheits¬ 
größe über den engen Rahmen der betreffenden Kreise 
hinaus und wird zu einer Frage der Allgemeinheit. Ganz 
besonders aber, wenn man berücksichtigt, daß heute wohl 
fast alle Städte über 20000 Einwohner im Besitz von Plakat¬ 
säulen oder auch -tafeln sind, ja auch kleinere Städte diese 
Einrichtung als Einnahmequelle erkannt haben. 

Es ist wohl anzunehmen, daß unsre hochentwickelte 
Plakatkunst und -industrie die Forderung einer Einheits¬ 
größe begrüßen und wohl auch unterstützen werden. Das 
Einheitsformat wird durch dieTatsache geradezu zur Natür¬ 
lichkeit, denn widernatürlich ist der gegenwärtige Zustand. 

Nach den bisher üblichen Papierformaten wäre die Größe 
eines ganzen Bogens wohl mit 62 x 85 cm die geeignetste, 
da das plano liegende vierfache Reichsformat 68 x 86 cm 
Ausmaß hat und dem Steindruck genügend Stein- und 
Greiferkante bietet. Das in dem ersten Teil dieser Abhand¬ 
lung verlangte Einheitsformat würde auch diese Frage in 
der Plakatherstellung lösen. Aber ganz besonders im Plakat¬ 
druck spielen Greifer- und Steinkante eine wichtige Rolle. 
Das wirkliche, für den Anschlag bestimmte Format tritt 
erst nach dem Beschnitt in die Erscheinung. Das dürfte 
auch so bleiben, wenn der Offsetdruck in dieser Herstellungs¬ 
art, wie zu erwarten steht, von ausschlaggebender Bedeu¬ 
tung wird. 

Geht man auch hier auf den Vorschlag des Weltformats 
als dem zukünftigen Einheitsformat 1 ein, so ergeben sich 
die folgenden Größen: 


1 Das Weltformat führe Ich obenstehend lediglich als Beispiel an, ohne 
mich bei Einführung eines Einheitsformates für dieses festzulegen. Ich kann 
aber dessen praktische Bedeutung nicht leugnen, wenn es gelingt, das behörd¬ 
liche 2°-Schreib- und das geschäftliche 4°-Postformat in einer Papierform zu 
vereinigen. Der Verfasser. 


Wirkliche Papiergröße: 

Vi Bogen 64 x 90,5 cm 
V 2 Bogen 45,2 x 64 cm 
(Querformat) 

1 / 2 Bogen 32 x 90,5 cm 

(längliches Format) 
1 U Bogen 32 x 45,2 cm 
Vs Bogen 22,6 x 32 cm 

(Theaterzettelgröße) 


Beschnittene Größe: 
als sich ergebendes Format 
61 x 86 cm 
43 x61 cm 


30,5 x 86 cm 

30,5x43 cm 
21,5x30,5 cm 


GrößerePlakate gehen natürlich auch in dieserAufteilung auf: 


Wirkliche Papiergröße: 

2 Bogen 90,5 x 128 cm 
oder 2 Bogen 64 x 181 cm 
1 1 / 2 Bogen 90,5 x 96 cm 
oder 1V 2 Bogen 64 x 135,7 cm 


Beschnittene Größe: 
86 x 122 cm 
61 x 172 cm 
86x91,5 cm 
61 x 129 cm 


Die vorstehende Aufteilung des Bogens dürfte allen An¬ 
sprüchen genügen und wird dem Wirrwarr und den Ge¬ 
schmacklosigkeiten ein Ende bereiten, das Straßenbild ver¬ 
schönern und dieWirtschaftlichkeit der Säule ganz ungemein 
heben; ein Anreiz mehr, den hier gewiesenen Weg einzu¬ 
schlagen. 

* * 


Grundsätzlich bleiben als Ergebnis der vorstehenden Ab¬ 
handlungen folgende zwei Fragen zu regeln: 

Die erste Frage: 

Soll das zu schaffende Papiereinheitsformat wie es z. B. 
im Weltformat festgelegt ist, als Einheitsformat im Fertig¬ 
fabrikat wirken, dann müßte im Sinne der vorstehenden 
Ausführungen ein allen hier angeregten technischen Fragen 
Rechnung tragendes Papierformat von den Papierfabriken 
hergestellt werden; ein einschließlich der notwendigen 
Greifer- und Steinkante und infolgedessen um diesen 
Raum vergrößertes Einheitsformat, so daß nach 
Abschnitt der Greiferkante und nachherigemBe- 
schnitt das richtige Weltformat übrigbleibt. Die 
nachstehende Aufstellung der Formate als Beispiel in 
Gegenüberstellung der unter der Abhandlung über das 
Einheitsplakat angezogenen Größen mag hier folgen: 


Wirkliche Papiergröße: 


Vi 


Beschnittene Größe 
als sich ergebendes Format: 
(Weltformat) 

64 x 90,5 cm 
45,2 x 64 cm 


Bogen 66,4 x 93,2 cm 
Bogen 46,6 x 66,4 cm 
(Querformat) 

V 2 Bogen 33,2 x 93,2 cm 32 x 90,5 cm 

(längliches Format) 

1 U Bogen 33,2 x 46,6 cm 32 x 45,2 cm 

(anstatt Vi Bogen 4°-Post oder2°-Schreib) 
1 / 8 Bogen 23,3 x 33,2 cm 22,6x32 cm 

(anstatt 4°-Post- und 2°-Schreibblatt) 

VieBogen 16,6x23,3cm 16 x22,6cm 

(anstatt 8°-Post- und 4°-Schreibblatt) 

V 32 Bogen 11,6 x 16,6 cm 11,3x16 cm 

(anstatt 16°-Post- und 8°-Schreibblatt) 


Die zweite Frage: 


Soll das einzuführende Einheitsformat , in diesem Falle 
das Weltformat als Beispiel genommen, lediglich als Aus¬ 
führungsformat der Papierfabriken gelten, dann müßten 


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an Hand der vorstehend angezogenen tatsächlichen tech¬ 
nischen Verhältnisse neue Einheitsgrößen für die fertige 
Drucksache gefunden werden. 

Ich halte die in der ersten Frage festgelegte Auffassung 
für die richtigere, da meines Erachtens die Bestrebungen 
zur Erlangung eines Einheitsformates von der Schaffung 
einheitlicher Größen für Bücher, Kataloge, Zeitschriften und 
sonstige Druckarbeiten ausgegangen sind und diese Auf¬ 
fassung auch nur der Allgemeinheit verständlich ist, da 
diese wenigVerständnis für die Bogengröße anzufertigender 
Papiere, also für das Rohmaterial des Druckers hat. 


Diese Abhandlung mag aber auch denen zeigen, die 
glauben, die Einführung eines Einheitsformates sei schon 
mit dem Vorhandensein der Idee erledigt, daß lediglich 
entsprechende Vorarbeiten und eine umfassende Organi¬ 
sation, die den im vorstehenden angeregten technischen 
Fragen Rechnung tragen, zum Ziele führen können. 

Ich stelle dieseFragen nichtsdestoweniger zum Austausch 
der Meinungen und überlasse dem Normenausschuß die 
weitere Regelung in den beteiligten Kreisen, die, wenn 
überhaupt eine solche stattfindet, nur in dem von mir an¬ 
geregten Sinne erfolgen kann. 


Aus denTechnischen Sammlungen des Deutschen Buchgewerbevereins 


• • 

U ber die Technischen Sammlungen ist im „Archiv für 
Buchgewerbe“ seit längerer Zeit nichts mehr berichtet 
worden. Die letzte größere Zuweisung, eine Columbia- 
Handpresse, erhielten die Sammlungen im Herbst 1916 
vom Bibliographischen Institut in Leipzig und damit ver¬ 
mehrte sich der Bestand an älteren Handpressen auf fünf, 
die die hauptsächlichsten Konstruktionen dieser in der 
Geschichte des Buchdruckes so außerordentlich wichtigen 
Pressenart darstellen. 

Zur weiteren Vervollkommnung der Sammlung hat im 
Januar dieses Jahres die Firma Breitkopf & Härtel eine 
eiserne Handpresse aus dem Jahre 1838, die das Firmen¬ 
schild „Gaveaux m6canicien, Paris“ trägt, in dankenswerter 
Weise gestiftet. Die Bauart der Presse ist bis auf geringe 
Abweichungen die der Stanhope-Presse, so daß damit auch 
diese besonders in England und Frankreich viel benutzte 
Konstruktion in den Besitz der Technischen Sammlungen 
gelangt ist. Man hat es hier offenbar mit einer verbesserten, 
kräftigeren Bauart der 1816 von Lord Stanhope erfundenen 
Presse zu tun, die der Pariser Mechaniker Gaveaux baute, 
in ähnlicher Weise wie Gauthier fröres in Besan^on, Dingler 
in Zweibrücken, Vieweg & Sohn in Braunschweig u. a. dies 
mit der Columbia- und Hagar-Presse getan haben. Für die 
Güte der von Gaveaux gebauten Stanhope-Presse spricht 
übrigens die Tatsache, daß eine zweite 1840 gebaute Presse 
noch heute bei Breitkopfs zur vollen Zufriedenheit arbeitet. 
Wenn es gelänge, für die Technischen Sammlungen noch 
je eine Coggersche-, Hagar- und Clymer-Presse im Original 
oder Modell zu erhalten, wäre die Entwicklungsreihe der 
Buchdruck-Handpresse vollständig. Von den zahlreichen 
früher sonst noch gebauten Handpressen, die sich aber 
weniger bewährt haben und deshalb nur beschränkte Ver¬ 
wendung in der Praxis fanden, besitzen wir eine Reihe 
guter Abbildungen, so daß der Entwicklungsgang schon jetzt 
in einer ziemlichen Vollständigkeit vorhanden ist. Vielleicht 
lenken unsre Darlegungen die Aufmerksamkeit der Fach¬ 
genossen auf diese für die Geschichte des Handpressen¬ 
baues so wichtige Sammlung und veranlassen zu weiteren 
Stiftungen. 

Die Kriegszeit hat naturgemäß außerordentlich hemmend 
auf die frische Weiterentwicklung der Technischen Samm¬ 
lungen eingewirkt. Der verantwortliche Leiter derselben 
stand im Felde und mußte die günstige Gelegenheit des 
Sammelns während des großen „Aufräumens“, das unter 
dem Druck der Verhältnisse wohl in fast allen buchgewerb¬ 
lichen Betrieben stattgefunden hat, vorübergehen lassen. 
Soweit es noch möglich ist, soll eine Sammlung der Kriegs¬ 


ersatzstoffe im Buchgewerbe zusammengebracht werden, 
die in späteren Zeiten gewiß manchmal erstaunt betrachtet 
werden wird, wenn wieder Hadernpapier, Leinölfirnis, Hanf¬ 
schnur, Leinenband und Stärkekleister allgemein Ver¬ 
wendung finden. 

Die Raumverhältnisse im Buchgewerbehaus machten es 
notwendig,daßeinTeilderSammlungen magaziniert werden 
mußte, weil die Auflösung der Bestände der Bugra größere 
Räume erforderte. Dadurch jedoch, daß das neugegründete 
Kulturmuseum eigene Räume außerhalb des Deutschen 
Buchgewerbehauses bezogen hat, in denen auch ein großer 
Teil der Bestände des früheren Buchgewerbemuseums 
als Leihgabe mituntergebracht ist, ist gegenwärtig aber 
ausreichender Platz für die Technischen Sammlungen frei 
geworden, so daß ihr Wiederaufbau auf breiter, neuer 
Grundlage geschehen soll bzw. schon in Angriff genommen 
ist. Die Umgruppierung erfolgt derart, wie sie auf der 
Bugra sich bewährt hat, indem an die technisch-belehrenden 
Abteilungen der einzelnen Techniken sich unmittelbar die 
Räume für Industrieaussteller anschließen. Innerhalb der 
Techniken werden neuzeitliche Werkstätten eingebaut, die 
jederzeit praktische Vorführungen gestatten und die an be¬ 
stimmten Tagen arbeiten sollen. Die Entwicklungsgeschichte 
der buchgewerblichen Techniken wird im III. Obergeschoß 
getrennt von der neuzeitlichen Technik aufgestellt, eben¬ 
falls mit Werkstätten, wie sie früher gewesen sein mögen. 

An größeren wertvollen, in sich abgeschlossenen Blatt- 
und Materialsammlungen rein technischer Art sind in den 
Technischen Sammlungen ebenfalls mehrere vorhanden, 
die zu Studien- und Vortragszwecken zur Verfügung ge¬ 
stellt werden können. Es sind dies die Papiersammlung des 
verstorbenen Hofrat Bartsch in Wien, welche mehrere 
tausend Hand- und Maschinenpapiermuster für die ver¬ 
schiedenartigsten Gebrauchszwecke enthält. Auch eine 
stattliche Zahl früherer und neuzeitlicher Wasserzeichen¬ 
papiere ist vorhanden. Die Sammlung erstreckt sich auf die 
Papiererzeugung aller Kulturländer der Erde und bietet 
für Forschungen und Feststellungen wissenschaftlicher und 
technischer Art ein reiches, in solcher Vollkommenheit 
wohl einzig dastehendes Material. Die Heller-Sammlung 
enthält die Erfindungsgeschichte des Lichtdruckes durch 
Joseph Albert. Eine Mitarbeiterin des Erfinders hat hier 
mit peinlicher Sorgfalt und gutem Verständnis alle die 
großen und kleinen Dinge zusammengetragen, deren sich 
Albert bei seinen vielfachen Versuchen bedient hat. 
Die Sammlung umfaßt gegen 400 Stücke, bestehend aus 
Einzelblättern und technischem Material, sie stellt einen 


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erheblichen Wert dar, weil diese frühen Drucke ein zweites 
Mal nicht mehr vorhanden sind. Es sind sogar schon Zweifel 
aufgetaucht, ob Joseph Albert auch als erster das Problem 
desDreifarben-Lichtdruckes gelöst hat. An Hand derSamm- 
lung läßt sich dies ohne weiteres nachweisen, es wäre aber 
interessant, dieParallelversuche auch andrerPhototechniker 
jener Zeit zu erhalten, von denen sicher noch manche in 
Privatbesitz sind. Neben dem ersten gelungenen Dreifarben- 
Lichtdruck, der den bekannten Rubenschen Früchtekranz 
darstellt, den ja z. B. auch Sinsel als Vorlage für seine Ver¬ 
suche benutzt hat, ist in der Heller-Sammlung noch der 
erste Versuch Dr. Eugen Alberts, des Sohnes Joseph Alberts, 
mit seiner isochromatischen Kollodiumlösung vorhanden. 
Die Entdeckung dieser Lösung, die Dr. Albert späterhin noch 
verbesserte, ist für die gesamte graphische Reproduktions¬ 
technik bahnbrechend gewesen, sie darf daher als wichtiger 
Zeitabschnitt gewertet werden. 

Schließlich gehört den Technischen Sammlungen noch 
eine Anzahl Bunt-, Kleister- und Vorsatzpapiermuster, 
etwa 2000 Stück, die besonders den Berufsgenossen aus 
der Buchbinderei ungemein viel Anregung bieten. Diese 
Sammlung enthält auch frühere Muster in sehr geschmack¬ 
vollen, jetzt wieder gern benutzten Ausführungen, ferner 
ausländische Vorsatz- und Kleisterpapiere. Aus dieser 


Sammlung werden im Laufe des Jahres Ausstellungen ver¬ 
anstaltet. 

Für solche wechselndeAusstellungen ist im Buchgewerbe¬ 
haus der frühere Saal der alten Drucke, im III. Obergeschoß, 
in Aussicht genommen und noch ein weiterer besonderer 
Raum bereitgestellt, in dem ständig technische Neuheiten 
aller Gebiete des Buchgewerbes zur Auslage und, soweit 
möglich, zur Vorführung gelangen. Besonders mit der 
letzteren Einrichtung hoffen wir einem Bedürfnis abzu¬ 
helfen und bitten alle Firmen um Zusendung praktischer 
Neuheiten bzw. um Mitteilungen hiervon. 

An die gesamte Fachwelt aber richten wir die Bitte um 
tatkräftige Unterstützung der Technischen Sammlungen 
in jeder Weise. Sie sollen keine tot dastehende Auf¬ 
speicherung technischen Materials sein, sondern ein leben¬ 
diges Bild des vorwärtsstrebenden, rührigen deutschen 
Buchgewerbes bieten. Regelmäßige Ergänzung der Bestände 
nach dem neuesten Stande der Technik ist vor allen Dingen 
vonnöten, wenn die Sammlungen ihren Zweck: dem Fach¬ 
mann ein Berater, dem Laien ein Lehrer zu sein, erfüllen 
sollen. Dazu aber bedürfen wir gerade jetzt, wo Deutsch¬ 
land in den großen Wirtschaftskampf auf dem Weltmarkt 
wieder eintreten will, mehr denn je der Hilfe aller Fach¬ 
genossen. Max Fiedler 


Mitteilungen aus der buchgewerblichen Praxis 


Ratschläge für Linotypesetzer. Ein bei der Linotype 
sich immer und immer wieder fühlbar machendes Übel ist 
das Steckenbleiben der Zeilen, gegen das immer noch kein 
unfehlbares Mittel gefunden worden ist. Wenn als Ursache 
zu heißes Metall, beschädigte Ausstoßscheibe oder falsch 
eingestellte Friktion erkannt werden, ist die Beseitigung 
nicht allzuschwierig. Handelt es sich jedoch um sogenannte 
Windzeilen, so ist für die Abstellung noch kein unfehlbares 
Mittel gefunden. Der Grund scheint aber, wie eingehende 
Beobachtungen gelehrt haben, hauptsächlich im Antrieb 
der Maschine zu liegen. Dies wird in einem Aufsatz im 
Allgemeinen Anzeiger für Druckereien, wie folgt, bewiesen: 
„Eine Maschine, die für schmales Format läuft, verlangsamt 
beimGußihreTourenzahl. DieZeile bleibtstecken. Warum? 
In dem Augenblick des Gusses gebraucht die Maschine 
höchste Kraft. Weil aber der Antrieb zu schwach ist, wird 
die ständig in Kesselhals und Gießform befindliche Luft 
durch die Pumpenkolbenbewegung nicht mit dem nötigen 
Druck hinausgetrieben, der Kesselhals ist durch das lang¬ 
sam nach vorne schießende Metall verstopft, die Gie߬ 
mundlöcher und Luftkanäle sind daher nicht richtig offen 
und man bekommt die schönsten — Windzeilen. An der¬ 
selben Maschine wird der Antriebsriemen gekürzt: Der 
Pumpenkolben geht ,elegant‘ und man hat vorschrifts¬ 
mäßige feste Zeilen. 

Wurde an derselben Maschine breiteres Format benutzt 
und kam eine größere Kegelstärke als Kolonel oder Petit 
in Anwendung, so verschwanden auch die Windzeilen fast 
ganz. Die Erklärung ist, daß das breitere Format bzw. der 
größere Gießschlitz der Gußform auch bei dem schwachen 
Antrieb ein besseres Entweichen der Luft gestattete, als 
bei dem Format von 8 Cicero auf Nonpareille. Alles dieses 
zusammengenommen und der Umstand, daß die Kessel¬ 
halsflamme ihre Heizkraft mehr nach rechts als auf die 


Mitte abgibt, läßt es erklärlich erscheinen, daß die Zeilen 
meistens unten rechts von der Ausstoßscheibe eingedrückt 
werden. Ob nun oben oder unten: Windzeilen sind stets 
dort eingedrückt, wo die stärkste Beheizung des Kessel¬ 
halses liegt. 

Sehr oft zeigt sich zu schwacher Antrieb auch darin, daß 
selbst überhitzte Kessel „roppen“. Das ist ein Beweis, daß 
das Metall nicht mit der nötigen Wucht in die Gießform 
schießt bzw. im Kesselhals vorzeitig erkaltet. 

Soweit also Linotypesetzer bisher vergeblich gegen das 
Steckenbleiben der Zeilen kämpften, möchte ich denselben 
raten, den eigentlichen Gießprozeß bzw. Maschinenantrieb 
einmal genauer zu beobachten.“ 

Prägepresse für Setzmaschinenmatrizen. Über 
eine derartige Maschine berichtet ein dänisches Fachblatt 
mit dem Bemerken, daß die vom Setzmaschinenmonteur 
C. Norland in Kopenhagen geschaffene Prägepresse über¬ 
all da von Nutzen sein könnte, wo besondere Zeichen oder 
Akzentbuchstaben im Maschinensatz der Linotype Anwen¬ 
dung finden sollen. Der von einem Graveur zu liefernde 
Stahlstempel trifft infolge Hebeldrucks auf die durch be¬ 
wegliche Klötze eingestellte Matrize und vertieft darin das 
Bild infolge einer Hemmvorrichtung mit stets gleicher 
Senkung. Die Einrichtung soll sich auch für vorhandene 
Matrizen eignen, die durch Akzentbilder vervollständigt 
werden können. Die Matrizen können so hergerichtet werden, 
daß sie mit dem Matrizensatz der Setzmaschine in die Ka¬ 
näle zu leiten sind, wodurch sich ein Einsetzen von Hand¬ 
matrizen erübrigen würde. Der vorerwähnte Erfinder 
C. Norland, Kopenhagen F., erteilt weitere Auskunft. 

Ein neues Vervielfältigungsverfahren hat der Inhaber 
der Lichtpaus- und Kunstdruckanstalt A. Burkart in Bern 
erfunden. Wie der „Bund“ berichtet, ist es diesem Fach¬ 
mann gelungen, von jeder auf durchsichtigem Papier mit 


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Bleistift, Tusche oder Kohle entworfenen Zeichnung nach 
besonderemVerfahren beliebig viele Abdrucke herzustellen. 
Dabei soll sich die völlig unerwartete Tatsache ergeben 
haben, daß der Druck viel weicher und plastischer ausfällt 
als das Original. Die Wahl der Farbtöne steht durchaus im 
Belieben des Künstlers oder Bestellers. Das Verfahren soll 
sich besonders zur Herstellung künstlerischer Repro¬ 
duktionen, wie auch namentlich von Plänen für architek¬ 
tonische Wettbewerbe und Ausstellungen eignen. 

Gasschlauch aus Papier. Von der A.-G. Metzeier & Co., 
Gummiwarenfabrik in München, wird ein Gasschlauch in den 
Handel gebracht, der nach dem österreichischen Erfinder 
Oberstaatsbahnrat-Ingenieur Keller den Namen „Kellerit- 
Schlauch“ erhalten hat. DerSchlauch bestehtausgewelltem 
Papier, das je nach dem Verwendungszweck der Schläuche 
verschiedenartig imprägniert und luftdicht gemacht ist. Zur 
Erreichung einer größeren Haltbarkeit ist eine Umwicklung 
mit Draht, Jute oder andern Stoffen vorgenommen worden, 
die Länge der Schläuche beträgt bis zu 125 Zentimeter. Um 
aber auch längere Schlauchleitungen hersteilen zu können, 
liefert die Firma mit Gewinde versehene, aus Stahlblech 
gefertigte Verbindungsstücke, die mittels eines besonderen 
Kittes eine völlig dichte Verbindung ermöglichen. Die 
Schläuche halten einen Gasdruck bis zu einer Atmosphäre 
aus, ihr Preis ist gegenüber denen aus Gummi sehr niedrig 
und da ihnen gute Brauchbarkeit nachgerühmtwird, dürften 
sie auch in der kommenden Wirtschaftsperiode viel Ver¬ 


wendung finden. Die Händlerpreise betragen für Schläuche 
ohne Gummimuffen: M2.40 für 50Zentimeter, M2.80 für 
62 1 / 2 Zentimeter, M 3.70 für 75 Zentimeter, M 4.55 für einen 
Meter, M5.35 für 1,25Meter. Gummimuffen das Stück 65 Pf. 
Die Schläuche nebst Zubehör können in der Neuheiten¬ 
abteilung der Technischen Sammlungen des Deutschen 
Buchgewerbevereins besichtigt werden. -r. 

Allgemeines von Gleichstrom-Maschinen. Bei allen 
Maschinen, an welche Glühlampen angeschlossen sind, ist 
es durchaus notwendig, die Spannung nicht über die normale 
steigen zu lassen, da sonst die Lebensdauer der Glühlam¬ 
pen bedeutend verringert wird. — Die Antriebsmaschine 
muß gute Regulierung haben, weil jede Schwankung in der 
Antriebsgeschwindigkeit die Dynamospannung in erhöhtem 
Maße beeinflußt. — An den Schaltungen, insbesondere an 
den Kabeldurchführungen am Gehäuse (Klemmen) der 
Maschinen selbst,sowie an den Verbindungen derselben mit 
der Schalttafel, den Meßinstrumenten und den Leitungen 
darf durchaus keine Veränderung vorgenommen werden, 
weil dadurch nicht nur Maschinen und Apparate gefährdet 
werden können, sondern auch möglicherweise Feuersgefahr 
entstehen kann. Es soll darauf gesehen werden, daß alle 
Verbindungsschrauben stets fest angezogen sind, da sonst 
starke Erwärmung der Verbindungen auftritt. — Die Regeln 
überEinstellungder Bürsten sind genau einzuhalten, da an¬ 
dernfalls eine unzulässige Drehzahlerhöhung bei Belastung 
eintreten kann. S. K. 


Buchgewerbliche Rundschau 


♦ Lesezimmer und Bücherei des Deutschen Buchgewerbe¬ 
vereins. Vielfach geäußerten Wünschen zufolge ist im Erd¬ 
geschoß des Buchgewerbehauses ein Leseraum eingerichtet 
worden, in dem zahlreiche Fachzeitschriften des In- und 
Auslandes ausliegen undWerke der Fachliteratur sowie gute 
andre Bücherzum Studium ausgeliehen werden können. Der 
Lesesaal ist wochentags von 10—1 und 3—7 Uhr (Montags 
nur von 10—1 Uhr), Sonntags von 11—1 Uhr geöffnet. 

* Typographische Gesellschaft zu Leipzig. Am 15. Januar 
fand die diesjährige Hauptversammlung statt. In derselben 
wurde der Jahresbericht erstattet und damit eine Übersicht 
von der geleisteten Jahresarbeit gegeben. Die letztere wurde 
durch den Krieg zwar erheblich erschwert, konnte aber 
dennoch ohne Unterbrechung dank der getroffenen Ma߬ 
nahmen des Vorstandes und des Zusammenschlusses der 
Mitglieder aufrecht erhalten werden. Neben den regel¬ 
mäßigen Vortragsabenden wurden den Mitgliedern die zahl¬ 
reichen Neuerscheinungen auf dem Bücher- und Kunst¬ 
markte vorgeführt und mehrere Ausstellungen zugängig 
gemacht. Der Kassenbericht ließ einen günstigen Stand 
erkennen. Aus dem Berichte des Büchereiverwalters war 
zu entnehmen, daß zahlreiche Zugänge zu den Beständen 
zu verzeichnen waren und demnächst mit dem Druck des 
Bücherverzeichnisses begonnen werden soll. Der bisherige 
Vorstand wurde wiedergewählt. Neueingetreten in den¬ 
selben ist Herr R. Engelhardt. —Trotz des günstigen Kassen¬ 
standes schritt man zu einer geringen Erhöhung des Monats¬ 
beitrags (von 50 Pfg. auf 60 Pfg.) damit noch mehrBewegungs- 
freiheit bei derVeranstaltung vonVorträgen usw. geschaffen 
wird. — Auf Vorschlag des Vorstandes wurde am gleichen 
Abend der Mitinhaber der Firma Breitkopf & Härtel, das 


langjährige Mitglied, Herr Geheimrat Dr. O. von Hase zum 
Ehrenmitglied ernannt. —Am 29.Januar hielt HerrE.Wetzig 
einen Vortrag Überjohann Gottlob Immanuel Breitkopf, den 
hervorragenden Buchdrucker und ehemaligen Mitinhaber 
des Hauses Breitkopf & Härtel in Leipzig, das am 27. Januar 
auf sein 200jähriges Bestehen zurückblicken konnte. Der 
Vortragende schilderte das Leben und Wirken Breitkopfs 
in interessantester Weise unter Vorführung zahlreicher 
Druckproben, Bücher u. a. m. aus Breitkopfs Werkstatt.—Am 
gleichen Abend begrüßte der Vorsitzende die zahlreichen 
aus dem Felde zurückgekehrten Mitglieder, die sich in großer 
Zahl eingefunden hatten und die sich nunmehr mit neuem 
Eifer der Gesellschaftsarbeit widmen werden. -a-. 

* Typographische Vereinigung Berlin. In der Januarver¬ 
sammlung wurde eine Ausstellung von Adressen veran¬ 
staltet, die dem Vorsitzenden des Vereins Berliner Buch¬ 
drucker und Schriftgießer, Herrn Albert Massini, zu seinem 
25 jährigen Wirken als Gauvorsteher gestiftet waren. Der 
Vorsitzende der Vereinigung, Herr Otto Wonitzki, gab die 
Erklärung dazu. Auf Einladung hatten sich die Personale 
vieler Berliner Firmen in den Dienst der Sache gestellt und 
Arbeiten eingesandt, die im ganzen als gut bezeichnet 
werden konnten. Waren auch einzelne Blätter nach allerlei 
alten Ausstattungsarten hergestellt, so herrschte doch bei 
der Mehrzahl moderner Geist vor. Insbesondere waren es 
jene Arbeiten, die volle Beherrschung der Flächenkunst 
aufwiesen und auch ausdrucksvolle Symbolik meisterten, 
welche hervorragende Kunstblätter ergaben. Tüchtige Fach¬ 
leute wie Gitt, Helmberger, Richter, Spezinger und andre 
hatten ihrem anerkannten Können aufs neue Ehre gemacht. 
Vertreten waren Leistungen aus der Reichsdruckerei, der 


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Vorwärts-Buchdruckerei (Helmberger), von Ullstein & Co. 
(Spezinger), vom Lokal-Anzeiger (Krüger), von H. S. Herr¬ 
mann, Günther&Sohn, Hempel &Co., von der Holzarbeiter- 
Zeitung, der Deutschen Tageszeitung, von Büxenstein, Otto 
v. Holten, von der Norddeutschen Buchdruckerei, von 
Seidel & Co., Harrwitz, Imberg & Lefson (Richter), Winkel¬ 
mann, vom Magistrat Berlin, von der Typographischen 
Vereinigung Berlin (Franz Gitt), vom Verband derDeutschen 
Typographischen Gesellschaften Leipzig, von der Typo¬ 
graphischen Vereinigung Spandau, dem Berliner Sparten¬ 
vereinen, den Felddruckereien in Osten und Westen usw. — 
Schätzenswerte typographische Arbeit ist bei Herstellung 
all dieser Entwürfe geleistet worden; sie zeigt, daß die 
Buchdrucker trotz wirtschaftlichen Niederganges sich Idea¬ 
lismus genug bewahrten und es auch während des Krieges 
verstanden, ihr Wissen und Können zu bereichern. 

* Typographische Gesellschaft Frankfurt a.M. Am Sonntag 
den 2. Februar fand die Jahreshauptversammlung statt, 
die leider nur einen schwachen Besuch aufwies. Den 
Vorstandsbericht gab Kollege Hohmann. In Gemeinschaft 
mit dem hiesigen Maschinenmeisterverein habe die Typo¬ 
graphische Gesellschaft ihre elf Versammlungen des Vor¬ 
jahres abgehalten, die übrigen Veranstaltungen bestanden 
aus zweiBesichtigungen,einemPreisausschreiben undeinem 
Ausflug. Leider sei die Teilnahme nie befriedigend gewesen, 
und es bleibe die Hoffnung, daß nun, wo die Kollegen aus 
dem Felde zurückgekehrt, die Vereinstätigkeit wieder leben¬ 
diger würde. Nach einem Bericht des Kreisvorsitzenden 
Sprathoff über die etwas regere Tätigkeit des Kreisvor¬ 
standes, in dem er auch an die in Leipzig abgehaltene 
Kreisvorständekonferenz, die ihren Zweck, neues Leben in 
die Ruinen zu bringen, erfüllt habe, erinnerte und dann der 
Vereinsvorstände-Versammlung gedachte, die am 27. Ok¬ 
tober für den Kreis Frankfurt hier stattfand, folgte ein Vor¬ 
trag des Kollegen Schräder über „Revolution und graphische 
Bildungsbestrebungen“. Der Referent schilderte die all¬ 
gemeine Situation des politischen Lebens, das jetzt noch 
in tiefgehendem Maße die Entwicklung nützlicher gewerb¬ 
licher Arbeit unterbinde. Wohl habe die Freiheit den bisher 
gefesselten Menschen der Werkstatt die Hand gereicht, 
doch müßten diese erst marschieren lernen. Nun sei wohl 
der Krieg zu Ende und doch kein Friede. Arbeitslosigkeit 
und Materialmangel auf allen Gebieten erschwere die ge¬ 
werbliche Entwicklung. Da gelte es für uns, um so kräf¬ 
tiger für unsre Ideale einzutreten. Die bisherigen Mittel 
unsrer fachlichen Bildungsbestrebungen müssen durch 
neue Möglichkeiten erweitert werden, die uns durch die 
Revolution nähergerückt sind. Der Redner ging auf die 
gemeinsamen Bildungsbestrebungen mit den Sparten ein 
und wünschte, daß den fachgewerblichen Vereinen für ihre 
Veranstaltungen öffentliche Lokale, Lehrkräfte und Lehr¬ 
mittel zur Verfügung gestellt würden. An den mit reichen 
Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine umfang¬ 
reiche Aussprache, aus der hervorging, daß es Zeit würde> 
wenn sich die Kollegenschaft Frankfurts endlich einmal 
aus ihrer Gleichgültigkeit aufraffe und an den idealen Be¬ 
strebungen der fachtechnischen Vereine teilnehme. Der 
neuzuwählende Vorstand solle die vielseitigen Anregungen 
des Referenten beachten und danach zu arbeiten suchen.— 
Bei der folgenden Vorstandswahl für die Typographische 
Gesellschaft wurden bestimmt zum 1. Vorsitzenden Sprat¬ 


hoff, 2. Vorsitzenden Schräder, zu Schriftführern Hohmann 
und Metzger, zum KassiererWolfskehl, Bibliothekar Krabbe, 
Archivar Lange, zu Beisitzern Höflich und Kühn. Als Revi¬ 
soren wurden gewählt: Abmdt und Fedke. — Die Wahl 
zum Kreisvorstand ergab folgendes Resultat: Vorsitzender 
Schräder, Kassierer Albinus, Schriftführer Lange, Samm¬ 
lungsleiter Stein, Beisitzer Sprathoff. 

* Typographische Gesellschaft München. DieGesellschaft 
versendet soeben ihren Tätigkeitsbericht von 1918, der den 
erfreulichen Beweis erbringt, daß trotz der schweren Zeit 
dank der Bemühungen des Vorsitzenden in den Monats¬ 
versammlungen reges Leben herrschte, und daß sie mit dem 
Erfolg ihrerTätigkeitwohlzufrieden sein kann. Fast jedeVer- 
sammlung brachte einen Vortrag oder eine interessante Aus¬ 
stellung buchgewerblicher oder technischer Vorlagen. Der 
vonMitteAprilbisEndeJuli dauernde Meister-Vorbereitungs¬ 
kursus war von 101 Teilnehmern besucht. Außerdem fanden 
noch ein gut besuchter Ausschießekursus und ein Schrift¬ 
schreibekursus statt, ersterervonHerrnKollegenMäusezahl, 
letzterer von den Herrn Kollegen Bayer und Wilpert geleitet. 
Die Veranstaltungen schlossen am 12. Dezember mit einer 
Besichtigung und Führung durch die Großbuchbinderei 
Grimm & Bleichert ab. Die Mitgliederzahl betrug am Ende 
des Jahres acht außerordentliche, 380 ordentliche und drei 
auswärtige. 

* Die Graphische Vereinigung in Offenbach a. M. hat ihre 

Tätigkeit wieder aufgenommen. In einer Versammlung am 
12. Februar wurden die aus dem Felde zurückgekehrten 
Mitglieder begrüßt und den gefallenen Mitgliedern Kaden 
und Knöfler ein Nachruf gewidmet. Die Vorstandswahl 
hatte folgendes Ergebnis: Wilh.Ditschler, 1.Vorsitzender; 
Heinr. Stein, 2. Vorsitzender; Franz Bein, Kassierer; Fritz 
Lechner, Schriftführer; O. Zukunft und Konrad Müller, 
Sammlungsverwalter; Max Zwiebel und W. Steinmann, Bei¬ 
sitzer. Der neue Vorstand wurde mit der Aufstellung des 
Arbeitsplanes für die nächste Zeit beauftragt. Die Mitglied¬ 
schaft beim Deutschen Buchgewerbeverein soll weiter auf¬ 
recht erhalten bleiben. Ein Rundschreiben soll erlassen 
werden, das zum Bezug des „Archiv für Buchgewerbe“ 
anregt. Unter „Verschiedenes“ wurde über die jetzigen 
Ersatz-Walzenwaschmittel geklagt, die ihrer duftenden 
Eigenschaften wegen den Aufenthalt in den Druckerei¬ 
räumen zur Qual machen können. — In einer Vorstands¬ 
sitzung wurde beschlossen, in nächster Zeit neben größeren 
Vorträgen einen Schriftschreibe- und Skizzierkursus unter 
Leitung der Herren Ditschler und Lechner zu veranstalten. 
Ferner soll ein Weckruf erlassen werden, der zum Beitritt 
in die Vereinigung und zur Teilnahme an den Kursen 
auffordert. — Am 5. März sprach in einer gut besuchten 
Versammlung Herr Konradin Schräder , Vorsitzender des 
Kreises Frankfurt a.M. des Verbandes derDeutschen Typo¬ 
graphischen Gesellschaften, über „Aufgaben und Ziele der 
fachtechnischen Vereine“. Er hob hervor, daß Lernen und 
Weiter$treben eine Notwendigkeit für jeden Buchdrucker 
sei. — 40 Mitglieder bestellten das „Archiv für Buchge¬ 
werbe“, 47 neue Mitglieder wurden innerhalb einer Woche 
gewonnen — gewiß ein schöner Erfolg. F. L. 

* „Das moderne Buch a Der graphischen Künste der Gegen¬ 
wart III. Band. In Prachtband gebunden. Wir glauben 
vielen unsrer Leser einen Gefallen zu erweisen, wenn wir 
darauf hinweisen, daß der Verleger dieses bekannten und 

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vielgerühmten Prachtwerkes, Felix Krais Verlag in Stuttgart, 
den Angehörigen des graphischen Gewerbes das Werk, so¬ 
lange der Vorrat reicht, zu dem ermäßigten Preise von 
M 12.50 statt M 45 — portofrei abgibt. Wer das Werk noch 
nicht besitzt, sollte sich diese günstige Gelegenheit, sich 
diesen Schatz zu erwerben, nicht entgehen lassen. 

4t Von Herrn Faktor Josef Gaa in Berlin empfingen wir 
eine größere Auswahl von Druckproben von Arbeiten, die 
teils in Satz, teils durch geschriebenen und sodann geätzten 
Zierat sowie ebenso entstandene Titelzeilen ausgestattet 
sind. Herr Gaa hat sich scheinbar die Arbeiten der früheren 
Meister der Schreibkunst zum Vorbilde genommen und ver¬ 
sucht diese Art der Ausschmückung durch sich geschickt 
verschlingende Federzüge in modernem Sinne zu erneuern. 
Daß Herr Gaa auf diesem Gebiete Anerkennenswertes 
leistet,beweisen die von ihm entworfenen bzw.geschriebenen 
Arbeiten (Inserate, Leisten, Einfassungen und dergleichen 
mehr). Als Probe der Arbeitsweise des Herrn Gaa bringen 
wir eine Beilage, die in ihrer Gesamtwirkung einen guten 
Eindruck macht, und verweisen gleichzeitig auf die vor 
kurzem erschienene Festschrift, die der Berliner Faktoren¬ 
verein anläßlich seines fünfundzwanzigjährigen Bestehens 
herausgegeben hat. Die Ausschmückung dieser Denkschrift 
wurde Herrn Gaa übertragen, und er hat sich der ihm ge¬ 
stellten Aufgabe in bester Weise entledigt. -r-. 

Fünfundzwanzig Jahre Berliner Faktorenverein 1894 
bist919. Ein Rückblick, dargestellt imAuftragedesVorstandes 
von Albin Weber. Diese während des letzten und für das 
Buchgewerbe wohl schwierigsten Kriegsjahres entstandene 
Druckarbeit verdient nicht nurihresgeschichtlichenlnhaltes 
halber, sondern auch ihrer einheitlichen Ausstattung wegen 
volle Anerkennung, denn alle beteiligten Kräfte (Verfasser, 
Setzer, Druckerund Künstler) haben sich bemüht,etwas mög¬ 
lichst Vollkommenes zu schaffen. Das stattliche, mit vielen 
Porträtbeilagen versehene Heft dürfte als Festgabe ohne 
Zweifel eine freudige Aufnahme gefunden haben: spiegelt 
dessen Inhalt doch das Schaffen und Wirken eines Kreises 
von Fachgenossen wider, die es in dem abgelaufenen Zeit¬ 
abschnitt nicht an Mühe und Opfern haben fehlen lassen, um 
ihren Stand und densie umfassendenVereinin seinerWirksam- 
keit und Bedeutung vorwärtszubringen, ungeachtet der 
Schwierigkeiten, die es dabei zu überwinden gab. S. 

4c Jubiläum. Dem Direktor der E. Gundlach Akt.-Ges., 
Bielefeld, Herrn August Gundlach , war es vergönnt, am 
15. März sein 50 jähriges Geschäfts- und Berufsjubiläum zu 
feiern und dabei noch in voller Rüstigkeit an allen ge¬ 
schäftlichen Vorgängen den regsten Anteil nehmen zu 
können. Seiner unermüdlichen Schaffenskraft ist es in 
erster Linie zu verdanken, daß sich das von seinem Vater 
als Buchbinderei und Buchdruckerei gegründete Geschäft 
aus bescheidenen Verhältnissen zu seiner heutigen Größe, 
zu einem der bedeutendsten Unternehmen der Geschäfts¬ 
bücher- und Papierwarenbranche des Rheinlandes undWest- 
falens entwickelt hat. Möge es dem verehrten Jubilar noch 
lange vergönnt sein, dem Unternehmen, bei dessen Leitung 
ihm sein Bruder und sein Sohn zur Seite stehen, seine 
Kraft zu widmen. 

4c Paul Adam in Düsseldorf , der Altmeister deutscher 
Buchbinderkunst, durfte am 22. Februar in vollständiger 
körperlicher und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag 
feiern. Sein Wirken für das deutsche Buchbindergewerbe 


war außerordentlich vielseitig. Was er als Erzieher eines 
tüchtigen Nachwuchses für das Gewerbe geleistet hat, bleibt 
unvergessen, aber auch als Organisator verdankt ihm das 
Gewerbe sehr viel, denn neben seiner künstlerischen und 
schriftstellerischen Tätigkeit trat er jederzeit warm für 
das Wohl und Wehe seiner Berufsgenossen ein und schuf 
an deren Zusammenschluß mit. Möge es ihm noch lange 
Jahre vergönnt sein, im Interesse seines Berufes weiter 
segensreich zu wirken. 

4c Dr. Fritz Baedeker konnte am l.März dieses Jahres auf 
eine 50 jährige Teilhaberschaft bei der Firma Karl Baedeker 
zurückblicken. An der Entwicklung des praktischen Reise¬ 
handbuches gebührt Dr. Fritz Baedeker der hervorragendste 
Anteil. In unermüdlicher Tätigkeit hat er Jahr für Jahr 
selbst Reisen unternommen, um die neuen Auflagen immer 
vollkommener ausgestalten zu können. Auch im jetzt feind¬ 
lichen Ausland war die Überlegenheit der Baedekerschen 
Handbücher gegenüber den einheimischen rückhaltlos an¬ 
erkannt worden. Die wissenschaftliche Bedeutung der ge¬ 
leisteten Arbeit hatte die Universität Leipzig im Jahre 1909 
durch Verleihung des Ehrendoktors an Fritz Baedeker an¬ 
erkannt. 

4c Wechsel in der Leitung der Reichsdruckerei. Der ver¬ 
dienstvolle Direktor der Reichsdruckerei, Herr Geh. Ober¬ 
regierungsrat Görte, ist am 1. März von seinem Posten 
zurückgetreten; er übernimmt die Leitung der Oberpost¬ 
direktion Frankfurt a. M. 

4c Dr.Mertensf. Dr. Eduard Mertens, dem es nach zehn¬ 
jährigem Bemühen und unzähligen Versuchen um Ostern 
1910 gelang, das Problem der Drucktechnik des Tiefdruck¬ 
verfahrens in Freiburg im Breisgau zu lösen, ist dort am 
22. Februar im 50. Lebensjahre gestorben. Er kann das 
große Verdienst für sich in Anspruch nehmen, den Kupfer¬ 
tiefdruck für die Tageszeitung verwendbar gemacht zu 
haben. Dr. Mertens war als Sohn eines Großfabrikanten 
in Berlin geboren, er studierte an den Universitäten Kiel, 
Genf und Berlin Chemie und Physik und promovierte in 
Berlin zum Dr. phil. Seit 1887widmete sich Mertens photo¬ 
chemischen und drucktechnischen Studien und arbeitete 
dann alsLeitervon Betrieben derTextilindustrie. MitUnter- 
stützung des MühlhausenerGroßindustriellen E. A.Schlum- 
berger gelang es ihm 1907, die Walzen-Photogravur für den 
Textildruck auszuarbeiten, der schon früher mit gravierten 
und tiefgeätzten Walzen gearbeitet hat: Der Gedanke, das 
verbesserte Verfahren auch auf den Papierdruckzu über¬ 
tragen, lag nahe. Mertens machte seine ersten einschlägigen 
Versuche in der Druckerei der Freiburger Zeitung, deren 
Inhaber seinen Betrieb dem Erfinder für Studienzwecke 
zur Verfügung stellte. Das erste Ergebnis des „Mertens¬ 
druck“ von Bedeutung, das in Zeitungsrotationsdruck das 
Licht der Öffentlichkeit erblickte, war eine illustrierte Aus¬ 
gabe der Freiburger Zeitung, die allgemeines Aufsehen in 
der Fachwelt erregte und das Interesse weiter Gewerbs- 
kreise für die neue Technik gewann. Heute ist das Tief¬ 
druck-Syndikat in Berlin Hauptinhaber der einschlägigen 
Schutzrechte. Eine Anzahl von Tageszeitungen gingen bald 
zu Beilagen in Kupfertiefdruck über. Besonders um die 
praktische Anwendung des neuen Verfahrens im Zeitungs¬ 
druck verdient gemacht hat sich das Hamburger Fremden¬ 
blatt, das die erste Zeitung der Welt war, die täglich Kupfer¬ 
tiefdruck-Illustrationen brachte. 


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Archiv für Buchgewerbe 


* Zeitungen als Sammelobjekte, Der B.Z.a.M. entnehmen 
wirnachfolgende bemerkenswerteAufstellung: Die moderne 
Bücherliebhaberei, die sich im Kriege zu einer Stärke ent¬ 
wickelt hat, die sogar die Wirren der Umwälzung über¬ 
dauert, zieht jetzt auch die Zeitschriften in ihr Bereich. 
Vor allem die auf die Kriegszeit beschränkten Blätter sind 
zu eifrig gesuchten Objekten sammlerischer Leidenschaft 
geworden. Interessant sind in dieser Hinsicht die Preis¬ 
notierungen eines kürzlich erschienenen Katalogs, wenn 
diese auch natürlich nicht als die durchschnittlichen 
Handelspreise gelten können, sondern nur einen gewissen 
Maßstab dafür geben. Da notieren: 


Liller Kriegszeitung. 1460 M 

Simplicissimus (Luxusausgabe 5000 M). 1000 M 

Gazette des Ardennes. 800 M 

Norddeutsche Allgem. Zeitung 1914—1918 . . . 750 M 

Jugend 1896-1917 560 M 

Kriegszeitung der Festung Boyen. 400 M 

L’Illustration 1914—1917 pro Band. 360 M 

111. London News 1914-1917 pro Band. 360 M 

Kriegszeitung der 4. Armee. 350 M 

Zeitung der 10. Armee (Wilna). 350 M 

Ostgalizische Feldzeitung. 225 M 


Zeitschriften, Bücher und Eingänge 


* Mitteilungen des Verbandes der Buchbindereibesitzer 
1919 , Nr. l f Leipzig. Dieses neue Organ soll kein neues 
Fachblatt sein, sondern soll nur als Werbemittel dienen 
für die Ziele, die sich der Verband gesteckt hat. Die Schrift¬ 
leitung liegt in den Händen des Geschäftsführers des Ver¬ 
bandes, Herrn Max Eschner. 

4c Mitteilungen des Verbandes Deutscher Kriegssammlungen 
E. V. 1919, Nr. 1. Herausgegeben von Professor Dr. Albert 
Schramm , Leipzig, und Dr. Hans Sachs, Berlin. Geschäfts¬ 
stelle: Leipzig, Deutsches Kulturmuseum. Diese Mitteilun¬ 
gen sind nur für die Mitglieder des Verbandes bestimmt, 
dessen Jahresbeitrag auf 20 Mark festgesetzt ist. Sie wer¬ 
den in zwangloser Folge erscheinen und sollen gewisser¬ 
maßen ein Bindeglied der Mitglieder sein. Diese erste 
Nummer enthält neben den Berichten über die Gründung 
des Verbandes und seinen Satzungen Beiträge von Dr. 
O. Glauning, München, Dr.Joh. Saß, Berlin, Major Victor 
Hülsen, Berlin, und den Herausgebern. Ferner eine wert¬ 
volle Bilderbeilage mit Wiedergaben der deutschen, öster¬ 
reichischen und feindlichen Kriegsanleiheplakate. Allen 
Sammlern von Kriegsdrucksachen und -erinnerungen sei 
der Beitritt zum Verband warm empfohlen. 

* Wilhelm Leos Buchbinder-Kalender 1919. Notiz-, Nach¬ 
schlage- und Adreßbuch für alle Interessenten der Buch¬ 
binderei und verwandterGeschäftszweige.30.Jahrgang. Stutt¬ 
gart, Verlag des Allg. Anzeigers für Buchbindereien. Preis 
M 1.65. Dieses unentbehrliche Nachschlagebuch für alle, 
die mit dem Buchbinderhandwerk zu tun haben, erscheint 
nun zum 30. Male und bringt in seinem textlichen Teil eine 
fast unerschöpfliche Fülle von belehrenden und anregenden 
Aufsätzen und Notizen, zusammengestellt von Männern der 
Praxis. Die Benutzung wird durch ein ausführliches Schlag¬ 
wortregister am Ende des Bandes erleichtert. Sehr reich¬ 
haltig ist die angefügte Bezugsquellen-Zusammenstellung, 
die den Kalenderbenutzern zu mancher neuen guten Ge¬ 
schäftsverbindung die Möglichkeit bieten wird; es sind darin 
nicht nur die inserierenden Firmen aufgeführt, sondern 
auch eine Fülle andrer. 

* Die Buchführung im Druckgewerbe. Von C.A.H. Meyer. 
Zweite Auflage. Verlag von Klimsch & Co., Frankfurt a.M. 
Wenn der Verfasser dieses bereits in zweiter Auflage er¬ 
schienenen Buches im Vorworte u.a.sagt, „daß die mangel¬ 
hafte kaufmännische Bewirtschaftung mancher Druckereien 
überhaupt die Ursache der so oft beklagten Preisschleuderei 
und des unlauteren Wettbewerbes ist“, so kann man ihm 
trotz aller Verbesserungsbestrebungen, die im Laufe der 


Zeit Platz gegriffen haben, nur recht geben. Der Verfasser 
des vorliegenden Buches versteht in gedrängter Form 
alles das zu behandeln, was neben dem rein Technischen, 
der sogenannten „Herstellung“ für den Betriebsinhaber 
noch von Wichtigkeit ist und nicht nur das, sondern ihm 
erst den Nutzen bringt. Der Inhalt des Werkes gliedert 
sich in folgende zwei Hauptabteilungen: a) Der einfache 
Betrieb, b) Der vielseitige Betrieb. In beiden Abteilungen 
werden Ratschläge, Vorschriften und Beispiele gegeben, 
die, wenn auch nicht für jeden Betrieb anwendbar, so doch 
beachtlich sind, denn es wird auf Grund derselben gewiß 
an vielen Stellen verbessert oder neu organisiert werden 
können. Daß bei den vom Verfasser gemachten neuzeit¬ 
lichen Vorschlägen für das Zeitungskontor, Betriebskontor 
und die Buchhalterei reichliches und zuverlässiges Be¬ 
amtenpersonal eine Vorbedingung ist, mag nicht unerwähnt 
bleiben und zugleich gesagt sein, daß mangelnde Ordnung 
in dieser Richtung zumeist auf die Unzulänglichkeit der 
Arbeitskräfte und Aufsichtspersonen zurückzuführen ist. 
Das Buch wird auch solchen Fachgenossen ein praktischer 
Wegleiter sein, die sich der Kontortätigkeit zuwenden; 
nicht minder werden die Fachschulen, typographischen 
Gesellschaften und Lehrkurse Nutzen aus dem Werke 
ziehen können. S. 

* Die Steuer. Gemeinverständliche Halbmonatszeitschrift 
für das Steuer- und Stempelwesen. 1. Jahrgang, Heft 1. Dort¬ 
mund, Verlag von Fr. Wilh. Ruhfus. Preis vierteljährlich 
M 2.10. Bei der wichtigen Rolle, die in der kommenden Zeit 
die Steuern spielen werden, scheint eine Zeitschrift, die 
sich mit allen einschlägigen Fragen auf diesem Gebiet be¬ 
faßt, einem Bedürfnis zu entsprechen. Jeder Steuerzahler 
wird sich im ureigensten Interesse mehr als früher Einblick 
in die Steuergesetze verschaffen müssen, damit er sich 
gegen unberechtigte Steuerforderungen schützen kann. Dazu 
soll ihm die neue Zeitschrift verhelfen, die aufklärende Auf¬ 
sätze in allgemein verständlicher Form aus der Feder er¬ 
fahrener Fachleute bringen wird. 

* Der Orchideengarten, Halbmonatsschrift. Herausge¬ 
geben von Karl Hans Strobl, Dreiländerverlag, München, 
Wien, Zürich. Diese neue Zeitschrift erscheint mit dem 
Untertitel „Phantastische Blätter“ und bringt gemäß diesem 
Programm textlich und illustrativ gute und originelle Bei¬ 
träge des Herausgebers und des ihm nahestehenden 
Schriftsteller- und Künstlerkreises. Die bunten Titelblätter 
sollen mit jeder Nummer wechseln, in der Art wie es bei 
der Münchner Jugend geschieht. Der Preis der einzelnen 

8 * 


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Archiv für Buchgewerbe 


Hefte ist 80 Pfennig. Vom typographischen Standpunkt dem „Archiv“ beigeben zu können. Wir empfehlen diese 

betrachtet, könnte die Herstellung sich noch vervoll- Proben der freundlichen Beachtung unsrer Leser. -r-. 

kommnen. * Ein neues Gutenbergbild. Wir müssen es als einen 

* Zeitungskunde. Herausgegeben vom Zentralarchiv für glücklichen Gedanken bezeichnen, wenn die Firma H.Berth- 

diegesamteZeitungspraxis.PaulFrenzel,Verlag,BerlinSW68. old A.-G. in Berlin anläßlich ihres sechzigjährigen Be- 

1919, Nr. 1. Der Herausgeber will mit diesem neuen Organ Stehens von derHerausgabe einer „Festschrift“ oder „Denk- 

einem schon lange empfundenen Bedürfnis nach Schaffung schrift“ Abstand genommen hat und dafür ihren Geschäfts- 

eines unabhängigen Fachblattes genügen. Durch keinerlei freunden eine wirkliche Kunstgabe übermittelte, nämlich mit 

Sonderinteressen beeinflußt, will er damit dem Pressewesen schlichten Begleitworten eine Originalradierung „Guten- 

und den ihm nahestehenden Gewerben rein sachlich dienen, berg“ von Professor Richard Winckel in Magdeburg. Das 

DieseersteNummerbringteineReihewertvollerÄußerungen Blatt mißt 16x16 cm. Das Bild liegt in Helldunkel, alles 

von hervorragenden Fachleuten über die Frage: Wie wird Licht konzentriert sich auf den sitzenden Gutenberg, dessen 

sich das Pressewesen geistig, wirtschaftlich und technisch charakteristisches Profil sich gegen die hellen Seiten einer 

nach dem Kriege gestalten und wie wird ihm zum schnellen seitwärts aufgeschlagenen Bibel scharf abhebt. In dieser 

Wiederaufbau zu verhelfen sein, die weit über die Kreise Hauptpartie liegt die größte Kraft und auf dem Spiel der 

der Zeitungsfachwelt hinaus Interesse verdienen. Hände. Ringsum dämmeriges Halbdunkel und malerische 

* Kunst und Leben 1919. Ein Kalender mit 54 Original- Tiefen, aus denen eine Spindelpresse und andres Gerät 

Zeichnungen und Originalholzschnitten deutscher Künstler aus jener Zeit schwach hervortaucht. Am Fuße der Name 

und Versen deutscher Dichter und Denker. Herausgegeben Gutenberg und eine zart zurücktretende Widmungszeile 

von Fritz Heyder und Gerhard Merian. Verlag Fritz Hey der, der Geberin. Das prächtige Blatt wird ohne Zweifel von 

Berlin-Zehlendorf. Preis M 3.—. Den bereits erschienenen jedem Empfänger Wertschätzung erfahren und dauernder 

zehn Jahrgängen (1909 bis 1918) dieses Kalenders schließt Aufbewahrung sicher sein. -a-. 

sich der neue Jahrgang 1919 in bester Weise an und es * Vierteljahrsschriftfür angewandte Bücherkunde.HtTaus- 

wird jeder Kunstfreund an den zahlreichen Beiträgen gegeben von G.A.E.Bogeng. Bei der Anzeige des zweiten 

deutscher Künstler seine Freude haben: bieten sie doch in Heftes des ersten Jahrganges in Heft 9/10 des Archivs auf 

ihrerGesamtheit ein ausgezeichnetes Bild deutscher Kunst. Seite 119 ist durch einen Druckfehler der Name des Ver- 

Neben den Blättern nach Federzeichnungen sind die zahl- legers entstellt wiedergegeben worden. Die Firma lautet 

reichen Originalholzschnitte von besonderem Reize und für Max Harrwitz, Buchhandlung und Antiquariat, Nicolassee 

jeden Sammler von Originalgraphik willkommene Sammel- bei Berlin. 

stücke. Wie in den früheren Jahrgängen sind unter den * Krigspenge Tidente. Unter diesem Titel beginnt soeben 
zum Inhalt beitragenden Künstlern und Dichtern erste eine neue illustrierte dänische Zeitschrift für Sammler von 
Namen vertreten, ein dem Kalendarium vorangestelltes Kriegsgeldscheinen zu erscheinen. Der Herausgeber ist der 

Verzeichnis gibt hiervon eine Übersicht. Das eigentliche Sammler Spediteur N. P. Petersen in Vamdrup, Dänemark. 

Wochenkalendarium ist aus Behrens-Antiqua Übersicht- * Unsre Beilagen. Wir eröffnen das vorliegende Heft mit 
lieh angeordnet; es enthält in seinem oberen und unteren einem interessanten von dem bekannten Maler Max Slevogt 

Teil geistreiche Aussprüche älterer und neuerer Dichter direkt auf den Holzstock gezeichneten und von Reinhold 

und Denker. Die typographische Ausführung des zum Auf- Hoberg geschnittenen Blatt, das aus dem im Verlag von 
hängen und Aufstellen eingerichteten Kalenders ist eine Fritz Heyder in Berlin erschienenen Abreißkalender „Kunst 

ganz ausgezeichnete, und es tut das durch die Papier- und Leben 1919“ stammt. Auf die von Herrn Faktor Gaa 

knappheit notwendig gewordene rückseitige Bedrucken der in Berlin geschriebene Beilage ist bereits an andrer Stelle 

Kalenderblätter der Gesamtwirkung keinen Abbruch. Wir hingewiesen. Zwei beachtenswerte Schülerarbeiten liefert 

empfehlen den Kalender Kunst und Leben, von dem auch die Handwerker-und Kunstgewerbeschule, Abt.Graphische 

noch frühere Jahrgänge zum Preise von M 3.— das Stück Fachschule in Barmen, ein in SchwabacherSchrift gesetztes 

vom Verlage bezogen werden können, allen Freunden deut- Zirkular eines Schokoladengeschäfts und einige wirkungs¬ 
scher Kunst zur Anschaffung. Übrigens werden auch von volle Etikettenentwürfe. Als weitere Beilage bringen wir ein 

den Bildblättern Sonderdrucke auf besonders gutem Papier von der Buchdruckerlehranstalt in Leipzig geschmackvoll 

zum Preise von 80 Pf. das Stück, bei Abnahme von fünf und gesetztes Blatt in zwei Farben. Die zwei folgenden Blätter 

mehr Blättern zum Preise von 60 Pf. das Stück abgegeben, sind künstlerische Buchumschläge in mehrfarbigem Off- 

Durch das freundliche Entgegenkommen des Verlags Fritz setdruck. Sehr wirkungsvoll ist der vierseitige Prospekt 
Heyder, Berlin-Zehlendorf, sind wir wie bereits früher in der der Künstlerpresse in Dresden, den sie zur Leipziger Messe 
Lage,mehrereBildproben aus demjahrgang 1919 alsBeilagen veröffentlicht. 

Inhaltsverzeichnis 

Mitgliederaufnahme. S.29.— Bolschewismus undGraphik. S.44. — Normierungsaufgaben im Buchgewerbe. S.46. — 
S. 30. — Über gezackten und glatten Schnitt an Rotations- Aus den Technischen Sammlungen des Deutschen Buch¬ 
maschinen. S.31. — Etwas über die Geschichte des Buch- gewerbevereins. S.50. — Mitteilungen aus der buchgewerb- 
einbandes. S.37. — Das Eszett und die deutsche Sprache, liehen Praxis. S.51. — Buchgewerbliche Rundschau. S.52. 
S.41.— Elektrische Beheizung für Setzmaschinen-Schmelz- — Zeitschriften, Bücher und Eingänge. S. 55. 
kessel und für Stereotypieöfen. S.43. — Georg Collin f. 8 Beilagen. 

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Leipzig. Band VIII, 2. Heft: Alte 
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Verlag derDürrschenBuchhandlung. 

Timerding, H. E., Der Goldene 
Schnitt. Band 32 der Mathematisch- 
Physikalischen Bibliothek. 1919. Ver¬ 
lag B.C.Teubner, Berlin und Leipzig. 

Preis geheftet M 1.—. 

Seiffert,Otto, Freie Bahn dem Tüch¬ 
tigen! Ein Helfer bei der Berufs¬ 
wahl im neuen Deutschland. Gründ¬ 
liche Erläuterung der Verhältnisse 
und Bedingungen, deren genaue 
Kenntnis bei der Berufswahl uner¬ 
läßlich ist. Orania-Verlag, Oranien¬ 
burg. Preis M 2.80. 


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Herausgeber: Deutscher Buchgewerbeverein — Verantwortliche Schriftleiter: für den Teil „Archiv für Buchgewerbe“ 
KarlWeisser, für den Teil „Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum“ Prof. Dr. Albert Sch ramm 

Druck von Breitkopf & Härtel — Sämtlich in Leipzig 


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Bugra-Messe 

des 

DeutschenBuchgewerbeverems zuLeipzig 


U m den immer dringender werdenden Bedürfnissen 
nach emer Zusammenlegung der einzelnen huch-* 
gewerblichen Gruppen auf der Leipziger Messe nach¬ 
zukommen, veranstaltet der Deutsche Buchgewerbe- 
verein, als berufener Vertreter des gesamten deutschen 
Buchgewerbes, schon zur diesjährigen Herbstmesse eine 

Buchgewerblich - graphische ^Mustermesse 

unter dem Namen 

BUGRA-MESSE 

die in dem in bester Meßlage gelegenen, zu dem Zweck 
umgehauten geräumigen Meßpalast, Petersstr. 38, in den 
Tagen vom 31. August bis 6. September stattfinden wird 

Einteilungsp 1 an: 

1. Erzeugnisse der Papierindustrie / 2. Druckfarben usw. / 3. Schrift¬ 
gießerei-Erzeugnisse / 4. Druckstöcke aller Art (Ätzungen, Holz¬ 
schnitte, Galvanos, Stereotypen) / 5. Druckarbeiten (Hochdruck, 

Flachdruck, Tiefdruck) / 6. Buchbinderei - Erzeugnisse und Buch¬ 
binderei-Bedarf / 7. Buch-, Kunst- und Musikalienhandel / 8. Hilfs¬ 
maschinen, Materialien und Werkzeuge für das Buchgewerbe 

Nähere Mitteilungen durch 

Bugra-Messe, Deutsches Buchge werhehaus 

Leipzig 


Sp&mcrsche Buchdruckerci in Leipzig 


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= = = = — —= 

ARCHIV FÜR BUCHGEWERBE 

BEGRÜNDET VON ALEXANDER WALDOW 
HERAUSGEGEBEN VOM DEUTSCHEN BUCHGEWERBEVEREIN 

56.BAND MAI »JUNI HEFT 5/6 


In den Deutschen Buchgewerbeverein wurden im Monat April 1919 als Mitglieder aufgenommen: 


a) als Einzelmitglieder 

1. Gustav AleXy Direktor der Glogauer Druckerei 
G.m.b.H., Glogau. 

2. Hans Baedeker, i. Fa. G. D. Baedeker, Essen. 

3. Hans Adolf Baist y i. Fa. Reinh. Baist, Frankfurt a.M. 

4. Otto Herrn. Blech, Mülheim a.Ruhr. 

5. Th. Bofinger, i. Fa. Gustav Bofinger, Reutlingen. 

6. Dr.G.A.E.Bogeng, Berlin-Wilmersdorf. 

7. Dr. P. Bondolf, Inst. Betlehem, Immensee (Schw.). 

8. Emil Brügelmann, z. Z. bei der Fa. Julius Klink- 
hardt, Leipzig. 

9. Direktor Ludwig Carlsson, Aktiebolaget Gust. 
Carlsson & Co., Stockholm. 

10. Arnold Ehlers y Buchdruckerei und Verlag, Wei߬ 
wasser (O.-L.). 

11. Dr. Hans Robert Engelmann , i. Fa. Hans Robert 
Engelmann, Berlin. 

12. Paul Flothmann , Geschäftsführer d. Fa. F. Floth¬ 
mann G.m.b.H., Kettwig. 

13. Eduard Franke, i. Fa. D. v. Harten Nachf., Frei¬ 
burg i. B. 

14. Ingenieur Richard Freund, Wien VII. 

15. Berthold Goldschagg, i. Fa. Rudolf Goldschagg, 
Freiburg i. B. 

16. J. Grambachy i. Hause Kunstdr. Künstlerbund, 
Karlsruhe. 

17. Emil Hampel, Buchdruckerei, Weißwasser (O.-L.). 

18. Adolf //aeneZ,i.Fa.M.Haenel&Co.,Beuf/i£n(0.-S.). 

19. D. v. Helder Mij. voor Boekdrukkerij - Industrie, 
Amsterdam. 

20. Fritz Jungfer, Inh. der Fa. F.W. Jungfer, Breslau. 

21. Alfred Kathan f i. Fa. Buchhandlung Georg 
C. Steinicke, Augsburg. 

22. Walther Käthe, Buchhandlungsgehilfe, i. H. Breit¬ 
kopf & Härtel, Leipzig. 

23. Alois Klein, Direktor der Firma „Bote aus dem 
Riesengebirge“, Hirschberg i. Schl. 

24. Luise Löpki , i. Hause Jul. Springer, Berlin. 

25. AndreasLumbye, i.Fa.Fr.Lumbye Bogtr., Kolding. 

26. Felix Maretzke, i. Fa. Maretzke & Märtin, Treb¬ 
nitz i. Schl. 

27. Theodor Merril, Architekt, Köln a. Rh. 


28. Friedr. Meyer, i. Fa. Peter Meyers Fabriker a. S., 
Svendborg (Dänemark). 

29. Emil Müller, i. Fa. Emil Müllers Buchh., Barmen. 

30. Paul Müller , Geschäftsführer der Neuroder Zei- 
tungs- u. Druckerei-Gesellschaft m.b.H., Neurode. 

31. E.Pfand, i. Fa.Schöllkopf, Pfund & Cie., Stuttgart. 

32. C. Ramström, i. Fa. Al. Sveriges litografiska 
tryckerie, Stockholm. 

33. Hermann Reckendorf, Geschäftsführer der Firma 
Werbedienst G. m. b. H., Berlin. 

34. J.F.Rietsch, Buchdruckerei u. Verlag, Landshüt i.B. 

35. Hubert Rosinski, i. Fa. Buchdruckerei Herrn. 
Zimmer & Co., Breslau. 

36. Emil Schlutius, i. Fa. Carl Stoekigt, Buch- und 
Steindruckerei, Saalfeld a. S. 

37. Hugo Schmidt , Verlag, München. 

38. Eugen Schreiber, i. Fa. Buchdruckerei Anton 
Schreiber, Breslau. 

39. Curt Schröter, i. Fa. F.W. Schröter, Freiburg i.Schl. 

40. Geschäftsführer Schroeter, Schles. Verbands¬ 
druckerei G. m. b. H., Hirschberg i. Schl. 

41. Robert Stadler , i. Fa. Stadler & Thorwald, Suhl. 

42. Paul Steinke, i. Fa. Adolf Stenzei, vorm. Brehmer 
& Minuth, Breslau. 

43. Franz Thielmann , i. Fa. E. Thielmann, Kreuzburg. 

44. Karl Thiemig, i. Fa. F. Bruckmann A.-G., München, 
Berlin. 

45. Dr. phil. F. Triepel- Schulze, i. Fa. Schles. Dorf¬ 
zeitung G.m.b.H., Wohlau (Bez. Breslau). 

46. Werbeanwalt Hans Weidemüller, Berlin-Pankow. 

47. Albert Windisch,!Aa\cr u.Graphiker, Frankfurt a.M. 

48. Otto Wolf, Buchhandlungsgehilfe, i. H. Breitkopf 
& Härtel, Leipzig. 

49. Franz Wolf, i. Fa. Steinauer Kreis- und Stadtblatt, 
Steinau a. Oder. 

b) als korporative Mitglieder 

1. Bremer Faktorenverein, Bremen. 

2. Graphischer Klub , Donauivörth. 

3. Typographische Gesellschaft, Regensburg. 

4. Typographischer Klub , Bremen. 

5. Typographische Vereinigung, Aschaffenburg. 

6. Typographische Vereinigung , Hagen. 


Leipzig, den 30. April 1919 

Die Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins 

Karl Weisser, Verwaltungsdirektor 

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===== = ■ — — 

Archiv für Buchgewerbe 



100 Jahre Scheiter & Giesecke 

Von Museumsdirektor Professor Dr. SCHRAMM in Leipzig 


s ist eine schwere, sorgen¬ 
volle Zeit, die wir durchleben, 
die aber mehr wie jede andre 
uns auf uns selbst besinnen 
heißt. Derteilweise maßlosen 
Überschätzung isteineUnter- 
schätzung gefolgt, die aber 
keineswegs berechtigt ist. 
Deutsche Kultur bleibt trotz 
allen Geschehnissen unsrer Tage ein Ruhmesblatt'in 
der Weltgeschichte. Des werden wir immer wieder 
bewußt, wenn bedeutungsvolleTage oder Augenblicke 
der Menschheitsgeschichte und Kulturentwicklung 
wiederkehren. Mit Fug und Recht dürfen wir deshalb 
Jubiläen feiern, wenn auch nicht in dem Sinn wie 
früher. Heute wird der Rückblick auf das Geschehene 
nicht getrübt durch rauschende Jubiläumsfeste, durch 
Anerkennungen äußerlicherArt: die harte Zeit hat kein 
Verständnis dafür, sie heischt wirkliche Würdigung. 

In den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts 
ist der Keim zu manchem Unternehmen gelegt worden, 
das mit dazu beigetragen hat, Deutschlands Ansehen 
in der Welt zu begründen. Am 24. Juni sind es 
100 Jahre her, daß die Firma Scheiter & Giesecke ge¬ 
gründet wurde. Die Firma kann mit Stolz auf die 
Wiederkehr dieses Tages als Weltfirma, die sie auch 
künftig bleiben wird, hinblicken, und insbesondere 
Georg Friedrich Giesecke , der am selben Tage vor 
50 Jahren als Lehrling in die Firma eintrat, kann der 
Wiederkehr desTages seiner ersten Arbeitim Betriebe 
mit Genugtuung entgegensehen. Wie hat sich alles 
in den 100 Jahren, seitdem der Stempelschneider 
Johann Andreas Gottfried Scheiter und der Schrift¬ 
gießer Friedrich Christian Giesecke in gemieteten 
Räumen der Barfußmühle in Leipzig ihre Schrift¬ 
gießerei begründet haben, verändert! 70 Gie߬ 


maschinen, zahlreiche Gießöfen und Hilfsmaschinen 
in eigenem Haus und dazu ein Personal von nahezu 
200 Köpfen war das Resultat’, das uns 1869 bei der 
Feier des 50jährigen Bestehens vor Augen tritt an 
dem Tage, an dem GeorgFriedrich Giesecke als junger 
Lehrling zum Mitarbeiter wird. Weitere 50 Jahre der 
Entwicklung hat die Firma zum Haus von Weltruf 
gemacht. 

Ein gut Stück Geschichte der deutschen Schrift¬ 
gießerei ist aufs engste mit Scheiter & Giesecke und 
insbesondere mitGeorg Friedrich Giesecke verknüpft. 
Was ist seit Bestehen der Firma nicht alles geschaffen, 
verbessert, vervollkommnet, erfunden worden! 
Meisterwerke der Technik im großen und im kleinen 
verdanken wir dem rastlosen Eifer der Inhaber und 
ihrer Mitarbeiter. Die Tätigkeit Georg Friedrich Gie- 
seckes im Ausland von seiner ersten Wiener Tätigkeit 
an bis zu seinen Erfahrungen, die er in Amerika ge¬ 
sammelt hat, trug reichliche Früchte. Hervorragende 
Fortschritte sind gleich beim Beginn der Tätigkeit im 
neuen Geschäftshaus Brüderstraße 26/28, wo die 
Firma heute noch ihre Hauptgeschäftsstelle hat, zu ver¬ 
zeichnen. Handgießmaschinen, doppelte und dreifache 
Gießmaschinen wie sogenannte Komplett - Gie߬ 
maschinen wurden gebaut, neue Maschinen, ins¬ 
besondere Hilfsmaschinen konstruiert. Und damit 
setzt die wirklich schaffende, erfindende und mit zäher 
Ausdauer fort- und ausbauende Tätigkeit ein, die 
deutscher Tatkraft eigen ist. 

Nicht nur auf dem Gebiete der Maschinenkon¬ 
struktion ruht aber die Bedeutung der Firma in diesen 
Jahren. Auch der Schrift selbst wird alle Aufmerk¬ 
samkeit gewidmet. Man braucht nur die Verzeichnisse 
von Schriften, die aus der Firma hervorgegangen sind, 
durchzublättern, um einen Einblick in die jährlich 
wachsende Tätigkeit zu bekommen. Bald zeigen sich 



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Archiv für Buchgewerbe 



neben schönen Brotschriften auch künstlerische Er¬ 
zeugnisse, insbesondere Zierat. Die Druckausstattung 
unsrer Bücher und Zeitschriften aus diesen Jahren 
zeigt uns heute noch den großen Einfluß, den Schei¬ 
ter & Giesecke mit ihren Erzeugnissen ausgeübt hat. 
Die achtziger Jahre bringen recht bemerkenswerte 
Schriftgießerei-Erzeugnisse, die die Firma mit Stolz in 
einem stattlichen Band zusammenstellte und in einem 
in eigener Hausdruckerei hergestellten Buche in 
Lexikonformat verschickte. Der Band selbst sagt mehr 
als viele Worte, worauf es der Firma ankam. 

Die Firma ist bei dem Erreichten nicht stehen 
geblieben. Zu Georg Friedrich Giesecke tritt nach 
Bernhard Gieseckes Tod sein Bruder Dr. Walther 
Giesecke. Ein umfangreicher Umbau der Firma tritt 
ein, neue Geschäftszweige treten hinzu, die weit über 
das hisherige hinausgehen. Besonders aufdem Gebiet 
der buchgewerblichen Maschinen mehrt sich der Ruf 
der Firma. Es sei hier nur an die Tiegeldruckpresse 
»Phönix“ erinnert, die überall in buchgewerblichen 
Kreisen auf der Welt bekannt ist. Dr. Walther Gie- 
seckegründete die Kunstanstalt für photomechanische 
Reproduktionsverfahren, während sein Bruder Kom¬ 
merzienrat Georg Giesecke unermüdlich den tech¬ 
nischen Betrieb ausbaut und durch scharfsinnige 
Berechnungen und Versuche wesentlich bereichert. 
Neben der Schriftgießerei entwickelt sich in geradezu 
staunenswerterWeise die Maschinenfabrik; Stereo¬ 
typie-Apparate, Zylinder-Schnellpressen, Zweitouren- 
Schnellpressen usw. werden gebaut; bald ist der Name 
„Windsbraut“ weltbekannt. 

Neben dieser technischen Vervollkommnung geht 
aber bewußt ein künstlerisches Streben, das beide 
Brüder beseelt — sind sie doch beide ehren¬ 
amtlich in dieser Beziehung tätig. Künstler werden 
zum Entwerfen von neuen Schriften zugezogen. 
Manch hochgeschätzte Schrift ging und geht aus der 
Scheiter & Gieseckeschen Offizin alljährlich hinaus 
und wirkte veredelnd auf das Buchgewerbe. Heinz 


Keune, Georg Belwe, Paul Honegger, Franz Hein, 
Erich Grüner, Max Salzmann, Ernst Schneidler, 
Walter Tiemann und andre hat die Firma für sich zu 
gewinnen verstanden und zusammen mit ihnen Her¬ 
vorragendes geschaffen — Vor Kriegsausbruch war 
der Stand der Firma folgender: 

39 Handgießmaschinen, 15 Doppelgießmaschinen, 
7 dreifache Gießmaschinen, 14Vollendgießmaschinen, 
45 Schleif- und 7 Unterschneidmaschinen machten 
die Schriftgießerei aus, der außerdem eine eigene 
Stempel-Gravieranstalt mit zahlreichen maschinellen 
Einrichtungen angegliedert war. Fast alle diese 
Maschinen sind in der Firma selbst hergestellt; hat 
sie doch für ihre eigenen Bedürfnisse eine beson¬ 
dere Maschinenbauwerkstätte eingerichtet und sich 
so nicht nur unabhängig, sondern auch in höch¬ 
stem Maße leistungsfähig gemacht. Georg Friedrich 
Gieseckes ältester Sohn, Friedrich Giesecke steht 
seit Jahren seinem Vater treulich zur Seite und hilft 
des Hauses Ruhm durch gewissenhafte Technik 
mehren. Ein gewaltiges sechsstöckiges Gebäude be¬ 
herbergt die genannten Zweige, während die an¬ 
gegliederten übrigen Abteilungen für sonstige Zweige 
des graphischen Gewerbes Quergebäude und Hinter¬ 
gebäude beanspruchen. Hausdruckerei, photomecha¬ 
nische Anstalt, galvanoplastischer Betrieb,Herstellung 
von verschiedenartigenDruckpressen beschäftigt hier 
eine große Anzahl Personen. Die Hauptmaschinen¬ 
fabrik ist aber heute getrennt vom Stammhaus und 
hat ihren Sitz in Plagwitz. Auch sie hat sich stark 
entwickelt. Sind doch aus ihr bis 1914 nicht weniger 
wie 800 Schnellpressen, 8000 Tiegeldruckpressen, 
10000 Setzkasten usw. hervorgegangen, Zahlen, die 
mehr als viele Worte für die Güte der Erzeugnisse 
sprechen. 

Mit besonderem Dank werden diebuchgewerblichen 
Organisationen auf die Tätigkeit des besonderen 
Jubilars Kommerzienrat Georg Giesecke zurück¬ 
blicken. Hat er doch neben seiner anstrengenden 

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Archiv für Buchgewerbe 



Die BarfuQmUhle in Leipzig 


Tätigkeit in der Firma immer 
noch Zeit gefunden, sich auch 
den Berufsinteressen zu wid¬ 
men, nicht nur im engeren 
Sinne — er gehörte z. B. der 
Kommission zur Festlegung 
der deutschen Normalschrift¬ 
linie an — sondern auch im 
weitesten Sinne. Veredelung 
des Buchgewerbes lag ihm 
immer am Herzen. So waren 
Bestrebungen zur Hebung und 
Förderung des buchgewerb¬ 
lichen Nachwuchses seiner 
Unterstützungimmergewiß. Im 
Vorstand des Buchgewerbe¬ 
vereins und als Mitglied des 
Direktoriums der „Bugra“ hat 
er in zahllosen Sitzungen sein 
Bestes gegeben und ist seiner 
Aufgabe auch treu geblieben, 
als des Weltkrieges Stürme 
alles zu vernichten drohten. 

Ja die undankbarste Aufgabe, die Liquidation der 
„Bugra“, hat er in uneigennützigster Weise über¬ 
nommen. Wem er einmal seine Gefolgschaft geliehen, 
dem hält er seine Treue. Bescheiden, fast zu be¬ 
scheiden führt er in aller Stille einmal angefangene 
Arbeiten zum guten Ende. 

Der Raum ist zu beschränkt, um all die Verdienste 
der Firma zu würdigen. Eins nur sei hier den beiden 
Brüdern besonders dankbar anerkannt. Als vor 
Jahresfrist ein Blinden-Druckgerät erfunden wurde, 


haben beide Brüder freudigst zugestimmt, daß dieses 
in ihrer Firma auf ihre Kosten gebaut wurde und 
GeorgGiesecke hat keine Arbeit gescheut, die überaus 
mühevolle Arbeit bis ins einzelnste zu überwachen und 
zu vervollkommnen, sodaß wir heute ein Druckgerät 
von epochemachender Bedeutung für die gesamte 
Blindenwelt vor uns haben, ein Druckverfahren ohne 
Metallplatten mit unübertreffbarer Genauigkeit des 
Zwischenpunktes und unübertroffener Klarheit und 
Gleichmäßigkeit der Schrift. Das konnte nur Georg 
Giesecke, der unermüdliche stille 
Arbeiter auf dem Gebiete der 
feinen und allerfeinsten Technik 
mit seinen trefflichen Mitarbeitern 
erreichen. Die gesamte blinde 
Leserwelt dankt es der Firma für 
immer, daß sie nicht bloß die 
Ärmsten aller Armen, die ihres 
Augenlichtes Beraubten, mit die¬ 
sem Geschenk beglückt, sondern 
damit auch eine Kulturaufgabe 
allerersten Ranges geleistet hat: 
die Blindenbüchereien und ins¬ 
besondere die Zentralbücherei für 
Blinde zu Leipzig sind heute schon 
Zeugen hierfür. 

Alles in allem: es braucht keiner 
Jubiläumsfeste, keiner äußerlichen 
Anerkennungen; dieTaten sprechen 
für sich selbst. Der 24. Juni 1919 
ist damit auch ein Ehrentag in der 
deutschen Kulturgeschichte. 



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Archiv für Buchgewerbe 


Das Buch als Werk des Buchdruckers 

Von FRIEDRICH BAUER in Hamburg 


II. Papierformat und Satzformat 

enn für die im ersten Abschnitte dieser Arbeit 
empfohlene Beschränkung der Papierformate 
auf eine, dem bisherigen Bestände gegen¬ 
über, geringere Anzahl von Größen nur triftige Gründe 
derNützlichkeit inBetracht kommen können, so ist die 
damit verbundene Beschränkung auf einen Charakter 
der Blattfläche aller Bücher eine Frage, für deren 
Beratung auch der Geschmack und der Schönheits¬ 
sinn sich zum Worte melden dürfen. Über den Ge¬ 
schmack läßt sich bekanntlich streiten, und der Schön¬ 
heitssinn läßt sich nicht in feste Regeln fassen. 
Kommen beide mit der Nützlichkeit in Streit, so wer¬ 
den sie zumeist den kürzern ziehen; wollen sie dies 
nicht, wollen sie durchaus etwas andres haben als 
die Nützlichkeit zu bieten vermag, dann müssen sie 
es sich auch etwas kosten lassen. Durch Abschneiden 
eines schmalen Papierstreifens von der Längsseite 
wird das neue Normalformat schlanker, und will man 
es noch stumpfer haben als es „normal“ ist, dann muß 
vom Fuße des Blattes ein Streifen geopfert werden. 
In der Übergangszeit wird dieser Ausweg, wenn auch 
ungern, gewählt werden müssen; aber allmählich 
wird man sich doch an die normalen Maße gewöhnen 
und bald gelernt haben, mit ihnen auszukommen. 

Wer sich wirklich eingehend mit der Buchaus¬ 
stattung befaßt, wird finden, daß es für die Schönheit 
eines Buches tatsächlich weniger auf die äußere Form 
und Größe — und diese ist das Papierformat — an¬ 
kommt, als auf ein wohlgestaltetes Inneres, und zwar 
zunächst auf das Zusammenpassen des Satzformates 
mit dem Papierformat. DiesesZusammenpassen kann 
unendlich verschieden und doch in jedem Falle gut 
sein, wenn der Satz in der Länge und Breite mit der 
Papiergröße im Einklang steht. 

Daneben sind freilich auch die Größe und Art der 
Schrift, ihr Verhältnis zur Buchgröße und ihr Aus¬ 
schluß und Durchschuß für den Ausfall des Ganzen 
ebenso wichtig, wie endlich auch die Stellung der 
Satzfläche auf der Papierfläche; die Besprechung dieser 
Fragen soll weiteren Aufsätzen Vorbehalten bleiben. 

Bei der Bestimmung der Satzgröße ist selbstver¬ 
ständlich zu allererst auf das Papierformat Rücksicht 
zu nehmen. Die Schönheit eines Schriftsatzes an sich 
wäre von sehr geringem Werte, denn sie kann nur 
auf dem Papier zur Geltung kommen, und erst, wenn 
sich beide befriedigend ergänzen, entsteht ein voll¬ 
kommenes Werk. Die gegenseitigen Beziehungen 
zwischen Satzgröße und Papierformat sind in sehr 
weiten Grenzen möglich, die auf der einen Seite von 
der Rücksicht auf äußerste Sparsamkeit gezogen sind, 


während auf der andern Seite die freigebigste Ver¬ 
schwendung walten darf. Die Ränder dürfen einen 
Zentimeter und noch weniger breit sein; stehen sie 
aber im richtigen Verhältnis zur Buch- und Schrift¬ 
größe, so ist das Buch — vorausgesetzt, daß seine 
übrige Ausstattung tadellos — an sich ebenso schön 
wie ein andres, dessen Ränder fünf Zentimeter oder 
noch breiter sind. Bücher für rein praktische Zwecke 
mit breiten Rändern zu drucken, wäre nicht nur Papier¬ 
verschwendung, sondern in vielen Fällen auch eine 
Beeinträchtigung der Brauchbarkeit. Anderseits ist 
es durchaus in Ordnung, in Büchern für sogenannte 
schöngeistige Zwecke mit dem Papier nicht zu geizen, 
denn darüber besteht kein Zweifel, daß die künstleri¬ 
sche Wirkung guter Schriften und Bilder durch breite 
freie Ränder bedeutend gehoben werden kann, wenn 
die Aufgabe auch im übrigen mit Geschmack angefaßt 
wird. Aber der Buchdrucker als Kunsthandwerker 
soll jede Arbeit mit gleicher Liebe und Sorgfalt be¬ 
handeln, denn ein Buch für einen praktischen Zweck 
kann unter Umständen an sich viel wertvoller sein 
als ein schöngeistiges. Wir brauchen uns nur an die 
vielen Werke der Wissenschaft und Technik zu er¬ 
innern, um das bestätigt zu finden. 

Heutzutage wird gern zwischen Gebrauchs- und 
Luxusbüchern unterschieden, aber es ist ein Fehler, 
das nun so auszulegen, als ob für jene alles gut genug 
wäre und nur für diese die Kunst zur Geltung kommen 
müßte. Gerade diese Auffassung ist die Ursache des 
allgemeinen Rückschrittes und des relativen Tief¬ 
standes der Buchausstattung der Gegenwart und sie 
muß deshalb bekämpft werden. Die älteren Buch¬ 
drucker haben eine solche Unterscheidung nicht ge¬ 
kannt, ihnen war jedes „Werk“ gleich wichtig, und 
sie widmeten allen die gleiche Sorgfalt. So erscheint 
uns das, was wir den Stil in der Buchausstattung 
nennen, in früheren Zeiten im großen ganzen besser 
ausgeprägt als in unsern Tagen. 

Die Bestimmung des Satzformates darf in jedem 
Falle nur von der gegebenen Papiergröße ausgehen. 
Wenn es sich nicht um die einfache Nachbildung der 
ganzen Ausstattung eines fertig vorliegenden Buches 
handelt, wie es in der Praxis ja auch nicht selten 
gebräuchlich ist, dann sollte für jedes neue Werk ein 
Entwurf ausgeführt werden, in welchem alle Einzel¬ 
heiten vor Beginn der praktischen Ausführung fest¬ 
gelegt sind. Dieser Entwurf muß sich bis auf den 
Beschnitt des Buches erstrecken, denn erst durch 
diesen wird das Innere vollendet. Wird das Beschneiden 
des Buches dem Gutdünken des Buchbinders über¬ 
lassen, dann kann es Vorkommen, daß dieser die ge- 
nauestenBerechnungen desBuchdruckers unwirksam 



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1. Neue* Normalformat. Satz und Papier im Verhältnis 17 :24 



Satz- zur PapIergröOe 5:8 Satz- zur PapiergröQe 4 : 8 Satz- zur PapiergröOe 3 :8 



Satz zu lang Satz zu kurz Satz zu lang 


macht, und tatsächlich ist das unschöne Innere man- 
chesBuches nur auf die unbedachte oderunverständige 
und nicht vorausgesehene Arbeit des Buchbinders 
zurückzuführen. Beispiele dafür sind leicht und nicht 
selten unter dem Mantel der kostbarsten Einband¬ 
decken zu finden. 

Es kommt also vor allem darauf an, in welchem 
Verhältnis die von der Schrift bedeckte Fläche 1 zur 

1 Diese Fläche als den „Satzspiegel“ oder gar als „Schrift¬ 
spiegel“ zu bezeichnen, wie es in neuerer Zeit häufig ge¬ 
schieht, kann ich mich nicht entschließen, da ich mir beim 
besten Willen nicht erklären kann, was eine Schriftkolumne 
mit einem Spiegel gemeinsam hat. Der Ausdruck ist wahr¬ 
scheinlich der Dekorationsmalerei entnommen, wo er die 
innere Fläche einer umrahmten Zimmerdecke bezeichnet. 


Fläche der beschnittenen Buchseite stehen soll. Der 
Flächen/n/ia/t beider Teile ist für die Wohlgestalt des 
Ganzen von untergeordneter Bedeutung. Es ist zwar 
schon behauptet worden, daß das beste Verhältnis 
dasjenige wäre, wenn die Schrift die Hälfte der Papier¬ 
fläche bedeckt; aber das kann nur bedingungsweise 
gelten und mag als durchschnittliches Maß durchaus 
berechtigt sein. Je nach der Art des Buches kann 
das Verhältnis aber auch nach beiden Seiten anders 
bemessen werden. Aus kleiner Schrift und kompreß 
und gespalten gesetzte Kolumnen müssen größer, 
aus großerSchrift und durchschossen gesetzte können 
kleiner sein, als die Hälfte des Flächeninhaltes der 
Buchseite. Für die Entscheidung dieser Frage ist 
eine auf Erfahrung und gutem Geschmack beruhende 

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2. Oktavformat. Satz- und Papiergröße im Verhältnis des Goldenen Schnittes 5:8 



Satz zu lang Satz zu kurz Satz zu lang 


Treffsicherheit notwendig; wir werden noch darauf Die Satzgröße ist demnach nichts weiter als eine 
zurückkommen. Verkleinerung des Rechteckes des einzelnen Buch- 

Am besten ist das Verhältnis zwischen Schriftsatz- blattes. Praktisch läßt sich diese proportionelleVer- 
und Papierfläche, wenn beide im Charakter gleich sind, kleinerung eines Rechteckes bekanntlich am einfach- 
Haben wir also ein Papier vom neuen Normalformat, sten bewerkstelligen, indem man durch das gegebene 

dessen Breite und Länge nach dem Verhältnis 17:24 Rechteck (hier das Papierblatt) eine Diagonale legt 

bemessen ist, so muß auch die Satzkolumne in Länge und von einem darauf angenommenen Punkte parallel 

und Breite diesem Verhältnis entsprechen, und selbst- mit den Seitenlinien eine senkrechte und eine wage¬ 
verständlich gilt das für jedes andre Format, ob es rechte Linie zieht. Auf diese Weise kann auf jedem 

nun nach dem Goldenen Schnitt (5:8) oder als Quart- Papierblatt mit drei Strichen die angemessene Länge 

format (3:4) oder sonstwie gestaltet ist. und Breite der Satzkolumne gefunden werden. 

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3. Quartformat. Satz und Papier im Verhältnis 3:4 



Satz- zur Papiergröße 5 :8 Satz- zur Papiergröße 4 :8 Satz- zur Papiergröße 3:8 


Rücken wir das Rechteck des Satzes aufderDiago- Wie ungünstig das Innere des Buches durch Ab- 
nale schräg abwärts, so werden wir ferner ohne Mühe weichungen von jenem einfachen Grundsätze beein- 
auch eine den beiden Größen entsprechende Stellung flußt werden kann, das lassen die in den zweiten 
des Satzes auf der Blattfläche finden. Reihen aufgeführten Skizzen erkennen. Wird der 

Um die praktische Anwendung des Gesagten zu Satz im Verhältnis zum Papier länger oder kürzer 
veranschaulichen, sind hier einige Skizzen beigegeben, gehalten, so ist das Gleichgewicht gestört; jeder un- 
die im verkleinerten Maßstabe die drei wichtigsten befangene Beobachter hat das Gefühl, daß hier etwas 
Formate: Normalformat, Oktav nach dem Goldenen nicht in Ordnung ist. 

Schnitt und Quart, darstellen. In jedes dieser Formate Am ungünstigsten ist das Mißverhältnis, wenn der 
sind Satzgrößen eingezeichnet, deren Flächeninhalt Satz zu lang — oder im Verhältnis zur Länge zu 
zur Papiergröße nach den Zahlen 5:8, 4:8 und 3:8 schmal —ist. Gerade dieser Fehler ist am häufigsten 
bemessen ist. Diese Skizzen werden besser als Worte zu finden, sogar in Büchern, für deren Ausstattung 
beweisen, daß das Verhältnis der beiden Flächen zu am Papier und Einband die Kosten nicht gespart sind, 
einander dann am besten, wenn sie gleichen Charakters Der Fehler wäre stets und leicht zu vermeiden ge- 
sind, und daß die Verschiedenheit des Flächeninhaltes wesen, wenn der Satz etwa um eine Cicero breiter 
demgegenüber für das gute Aussehen des Ganzen gesetzt worden wäre; die Kolumnen konnten dann 
nur eine nebensächliche Bedeutung zukommt. um eine Zeile oder auch um zwei Zeilen kürzer 

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Satz zu lang Satz zu kurz Satz zu lang 






KOSTENANSCHLAG 

VON 

3ULIUS RAMM 

UNTERNEHMUNG 
FÜR EISENBETON 


NÜRNBERG 

NORDSTRASSE 24 * GEGRÜNDET «74 
FERNSPRECHER 98 AMT NÜRNBERG 


BREMENDRESDENBERLINLEIPZIG 

DÜSSELDORF 

PLAUEN 

I.V. 


Nach einem Safcentwurf der Staatlichen Kunftgewerbejchule zu Hamburg (Salzmann-Klaffe) 
Schrift: Salzmann-Antiqua der Schriftgießerei CJ. G. Scheiter & Giefeche, Leipzig 


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BIBLIA 

- 7 X. ' ■Bas«: j 

Die gantie 
^eilige 

befc 2 Utcu unb Heuen 
<Eeftamente$ 

HMe folcfle Don 

.. £cttu Doctor Statttu £utf}ct 

Im Jaffa» J522 in unfctc £eutfcflc 
fHuticr-^pracfle zu überfetzcu 
augefaugeu unb Änno J534 zu 
<Enb gebracht 



Samt einer Dorrebe bee 

Oettu Joßann Stidjacl IMlflcttns 



o 

oo 


äöööööBa&ööääöööcäöööaööoööööäööääöäöo« 

SVcfjrift: 0clu?e-<8otifdj 6er Ödjriftgiefccroi J. <B. Öc^eltor A (Biofocko, Coipzig 


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1893 


i 9 1 8 




©ebenfblatt 

gurrtet 6er ©flbernen 1£>ocf)geÜ 

bes 1£)errn ßarl unb grau 35erta t£>offmann 

3n 0an!bar£dt geioibmet oon i^ren ßinbetn 




®as £ieb bes £ebens 


tüchtiger als ?33inb unb 533elle * glief)t bi'e ßeit,- loas F>ält fie auf? 
( ^) , ©i'e genießen auf ber ©teile * ©ie ergreifen fcf^nell im £auf * @as,|il>r 
trüber, F>alt it>r ©d>ioeben * ijält bie gluckt ber tSage ein * Schneller 
©ang tfl unfer feben * fajjt uns Doofen auf if>n (ireun! 

*4. 

Doofen! benn bie tEage finfen * 3n bes 533inters QTebelmeer * O^ofen! 
benn fie blüF>n unb blinfen * finfs unb rechts nod> um uns f>er * Doofen 
|tef>n auf jebem ßioeige * 3 e ^ er frönen 3ugenbtat * 533of>l iF>m, ber bis 
auf bie Q^eige * D^ein gelebt fein feben F>at! 

vV^ 

'Sage, icerbet uns gurrt ßrange * @er bes ©reifes ©d>läf umgief>t * Unb 
um fie in frifd^em ©lange * 5S3ie ein tSraum ber 3ugenb blüf>t * 3lud> bie 
bunflen QMumen füllen * Uns mit 0^uf>e, hoppelt füj* * Unb bie lauen 
füfte fptelen * greunblicb uns ins ^arabies. 



Schrift: ©chneiMerfraftur unJ> ©chmucE i»cr ©chriftgicfcerei 3* ©• ©cfyeUer &• ©kfccEc, £cipgi# 


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PRINC ETON UNIVERSUM 







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PRINCETONUNIVERSITY 




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©cbrift: £>cutfd>c ©chreibfcbrift bcr ©cbtt'ftgfcjjcrct 3- ©• ©cbcltcr 6- ©icjccfc, £etp^iv) 


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MDCCCLXXXIX 




URKUNDE 

In der außerordentlichen Haupt- 
verfammlung vom 5. Januar 1914 
haben die Aktionäre der Atlas 
Schiff baugefellfchaft befchloffen, 
dem verdienfivollen Begründer 
der Gefellfchaft, Herrn Ingenieur 

RUDI BENZ 

ihrem erfien Direktor und Leiter, 
der in fünfundzwanzigjähriger 
ununterbrochener Amtstätigkeit 
der Gefellfchaftzu ihrer heutigen 
auf dem Gebiete des modernen 
Schiffsbaues fo hervorragenden 
und maßgebenden Stellung zu 
verhelfen wußte, zum Beweife 
ihrer aufrichtigen Wertfchäßung, 
Dankbarkeit und Anerkennung 
feines unermüdlichen Schaffens¬ 
eifers diele Urkunde zu widmen 
Hamburg, den 6. Mai 1914 

DIE AKTIONÄRE DER ATLAS 
SCHIFFBAUGESELLSCHAFT 


©es 



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Schrift: Belwc-Antiqua der Schriftgießerei J.G.Scheiter & Giefecfec, Leipzig 


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PRIfJCETON UNIVERSHY—■ 






















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i Bclunöcnltcb 

<£in altbeutfcßes ^>elbengebicj)t 



Kadf) einer Überfettung 
von CO>. %arl öimroef 



IKit einem Sericßt üßer 6ie 
£ntftef>ung ber S>id>tung 
unb einem ^Inßang: 
3nbogermanifd)e 
(Debicßte 



> 


Verlag ßer £.iterari[cfkn (&efdlfd)aft Kürnßerg 

öeßrift: £al6fette edjncft>lcr*öd)wa6ad>cr 6er edjriftflie|jerci' J|. ®. Öcfjclter & ©fcfccfc, Ücipji’ö 


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* 


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HUNDERT JAHRE 

IM DIENSTE DES BUCHGEVERBES 

24- Juni diefes Jahres vollenden fich IOO Jahre feit der Grün¬ 
dung unferer Firma in Leipzig. Der Tag ift ein Markftein in der 
Entwicklung unferes Haufes, der nur getrübt wird durch die 
Schwere der Zeit, durch die drückende Bürde, die das Schickfal 
yAm dem gefamten deutfchen Volke auferlegt hat. Wenn wir diefen 
Tag daher nicht mit der üblichen Feftesfreude begehen können, 
fo foll er doch für uns ein Gedenktag fein, an dem wir vor allem der Männer in 
Liebe und Dankbarkeit gedenken, die den Grundftein zu unferem Haufe legten, 
die tatkräftig und unternehmend den feften Unterbau fchufen, auf dem die nach¬ 
folgenden Generationen in zielbewu&tem Schaffen weiterbauen konnten. Als 
leuchtendes Beifpiel geiffiger Stärke, von Mut und Entfchloffenheit Rehen diefe 
Männer heute vor uns. Denn auch Re begannen ihr Werk in einer Zeit tiefer 
wirtfchaftlicher und vaterländifcher Not, vergleichbar mit den Tagen, die wir 
jetzt durchleben. Mutvoll haben fich diefe Männer durch jene fchwereZeit hin¬ 
durchgerungen, bis friedlichere Tage es ihnen und ihren Nachfolgern gefiatteten, 
das Werk in forgenloferer Arbeit zu fördern. So wollen auch wir unferen Mut 
nicht finken laffen. Nimmt man uns auch viel, fo kann man uns doch nicht die 
Schaffensfreude rauben, mit der wir unfere Stellung in der Welt errungen und 
unfere Freunde erworben haben. In Dankbarkeit gedenken wir auch unferer 
werten Gefchäftsfreunde, die durch Anerkennung unferer BeRrebungen auf tech- 
nifchem und künfilerifchen Gebiete in fo treuer und wohlwollender Anhänglich¬ 
keit an unfer Haus uns bisher unterfiützt haben. Nicht weniger gebührt aber auch 
unfer Dank unferen Mitarbeitern auf diefen Gebieten, die uns in oR fchwer zu 
löfenden Aufgaben tatkräftig und mithelfend zur Seite geftanden haben. So 
treten wir denn in das neue Jahrhundert mit der frohen Zuverficht und Hoffnung 
ein, da& es uns gelingen möge, uns von der fchweren Laft der Zeit wieder zu 
befreien und uns fo wieder die Möglichkeit zu fchaffen für eine erfprie&liche und 
fortfchrittliche Tätigkeit zum Heil und Segen unferes gefamten Buchgewerbes 
Leipzig, den 24 « Juni 1919 

J.G. SCHEUER tfGIESECKE 


SlWJSWSWi« 


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- Schrift: S< 

Gousle 


Schrift: Schncidler-Latcin. Buchfchmuck von Prof. Max Honcggcr. J. G. Schcltcr C? Giefecke, Leipzig 

y-i\ry Original frum 


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Aus bemcrkenstocrfen Briefen 

ehr geehrter B^rrl Vie große Bebeufung, bie 3 ßre Perjönlicß- 
Bcit auf bas beuffeße VDirffcßaffsleben hat, mag es erklären, baß 
toir uns mit ben folgenben Ausführungen an 6ie toenben,in ber 
Hoffnung, 5U biefem Stoeig beuffeßer Kulturarbeit, bem toir 
unjere gan3e Kraft toibmen, ißre tatkräftige Qüiftoirkung 3U ge- 
toinnen. 4 dlnfer Schrift ift nid>t bon einem engen (Sejcßäfts- 
intereffc abhängig, toir möchten Sie bielmehr mit ben uns er- 
füllenben Über5eugungen 5U befreunben juchen, toeil 3 ßr toirklicßes Verhältnis 
3u ben Bingen, bie in ’Jrage fteßen, für bie Allgemeinheit ausjcßlaggebenbe 
Bebeufung hat. 4 V)ir können nicht im ein5elnen bon ber Enftoicklung bes neuen 
beuffeßen Kunftgetoerbes fpreeßen. 4 V)enn 6ie biefer Betoegung 2 >\)te Aufmerk- 
famkeit 5Utoenben toollen, jo finb mir gern bereif, lohnen ben noftoenbigen 6foff 
3ur Verfügung 3U ftellen. Sie toerben baraus erfehen können, baß feit 15 fahren 
nid>f nur ein lebhafter Kampf gegen bie Vertoenbung auslänbifcßer, im bejon- 
beren fran5öfijcher unb englijcher,fchon jehr alt getoorbener Eigenheiten im Kunft- 
getoerbe bei uns entbrannt ift, jonbern baß toir 5ugleid> auch eine große Saßl 
geftalfenber Perfönlicßkeifen, bie 5umeift aus ber hohen Kunft als 'Jüßrer 5um 
Kunftgetoerbe übergegangen finb, haben auffreten jehen, bie unjere arcßitekfo- 
nifche Ausftaftungskunft bon ©runb auf erneuert haben. 4i Bie in biefem fehr 
kur3en Seitraum geleiftefe Arbeit ift jo bebeutenb, baß bas bor einem ‘ntenfd>en- 
alfer nod> gan5 unjelbftänbige unb bom Auslanb abhängige beuffeße Kunft¬ 
getoerbe heute feßon jelbftänbiger unb leiftungsfähiger baftehf, als bie englijcße 
ober fran5öfijche Ausftaftungskunft. Vas kann ohne Übergebung gejagt toerben, 
toeil bie beutjehen Erfolge auf ben VPeltausftellungen in 6t. £ouis unb Brüfjei 
bieje Behauptung rechtfertigen. Es finb aber Erfolge, bie im toejenflichen auf bie 
^Rechnung ber neu5eitlichen Betoegung kommen. 41 Es mag auch bie bemerkens- 
toerfe Bifjacße herborgehoben toerben, baß im borigen ^aßr bie erften firmen 
unb bie beften Künftler im Parijer Baus eine bom Präfibenfen, allen (Kliniftern, 
bielen Schulen bejueßfe unb in ber Prefje eifrig befproeßene Ausftellung bon 
Empfehlungsräumen beranftaltet haben, unb baß bamif fogar 2 eile biefes ben 
beutjehen Er3eugnifjen bisher bollkommen un5ugänglichen fran3öfijcßen Ülarkfes 
erobert toorben finb. Aus ber (Jüenge ber eingegangenen Aufträge ertoäßnen 
toir nur einige bemerkenstoerfe: ber König bon Siam läßt (ich einen großen 
neuen Palaft bureß ben beuffeßen Architekten Bofje bauen,ein Bau bon 
über bier Qüillionen QUark, ebenfo toirb auch bie 3 nnenausftaftung 
in Beufjcßlanb angeferfigf. Ber Parijer Kleiberkünftler Poiref 
ßaf fieß jeßf fein Baus nacf> beutfeßer Art einrichten laffen, 
V>illt)£ofe baut ein Scßaujpielßaus in Paris unb Paul 
Boffmann tourbe mit einem Bebauungsplan bon 
Atßen beauftragt. 41 Bie größeren beuffeßen 
firmen fpüren es bon ^aßr 3U “3aßr, toie bie 
Arbeit beuffeßen Kunftgetoerbes immer 
meßr beachtet toirb unb fieß anfeßiekf 
bureß bie Kraft feiner £eiftung 
benV>elfmarkf5uerobern 


6d>rift: 6al3mannfraPtur ber Schriftgießerei T. <Ö. 6d>elter $ (Öiejecfe, £cip3ig 


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- ^ 2 ^ - " ~ 

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gehalten werden und würden bei gleichem Textinhalt 
besser auf das Papier gepaßt haben; das Buch wäre 
dann als Ganzes einwandfrei gewesen. 

Besonders häßlich wirken zu lang gehaltene Ko¬ 
lumnen auch dann, wenn sie weit durchschossen sind, 
denn hier liegt das Mißverhältnis am auffälligsten 
zutage. Die Verwendung eines um einen halben 
Punkt schwächeren Durchschusses — etwa Achtel¬ 
cicero statt Viertelpetit — hätte schon genügt, um 
die Kolumnengröße mit dem Papierformat in Einklang 
zu bringen. 

Zu lang gesetzte Kolumnen, die am häufigsten in 
Büchern mit schmalen Rändern zu finden sind, haben 
ihre unschöne Gestalt meistens dem Bestreben zu 
verdanken, so viel wie möglich auf der Buchseite 
unterzubringen, wobei die Ausführung aber so oder 
so von der verkehrten Seite angefaßt ist. Finden wir 
nun in einem Buche das entgegengesetzte Verhältnis, 
also einen Schriftsatz, der im Verhältnis zum Papier¬ 
format zu kurz erscheint, so dürfen wir darauf 
schließen, daß hier die Absicht maßgebend war, das 
Buch splendid auszustatten. Ob nun ausschließlich 
persönliche Schönheitsrücksichten leitend gewesen 
sind oder das Bestreben, den äußern Umfang auszu¬ 
dehnen, das ist für den Erfolg nebensächlich. 

Ein Blick auf unsre Skizzen wird davon überzeugen, 
daß die weitläufige und freigebige Ausstattung durch¬ 
aus an keine festen Grenzen gebunden ist, aber doch 
um so besser gelingen wird, je mehr das Rechteck 
des Schriftsatzes der Papierfläche im Charakter ähn¬ 
lich bleibt. Jede Abweichung nach der einen oder 
andern Seite wird auch hier ein doppeltes Unbehagen 
auslösen: der Satz erscheint zu breit und zu kurz 
oder zu lang und zu schmal. 

Die Verbesserung etwaiger Mängel liegt wieder 
nahe. Will man zu breit geratenen fertigen Satz nicht 
umbrechen und schmäler ausschließen, dann kann 


er weiter durchschossen werden, um den Kolumnen 
eine bessere Länge zu verschaffen. Der umgekehrte, 
seltenere Fall ist entgegengesetzt, also durch engeren 
Durchschuß zu berichtigen oder — da es hier ge¬ 
wöhnlich auf eine Ersparnis nicht ankommt —durch 
die Kürzung der Kolumnen um einige Zeilen. 

Die nachträgliche Berichtigung eines mißlungenen 
Satzes ist immer eine unerfreuliche Aufgabe, die 
vermieden werden kann, wenn die Arbeit vorbedacht 
wird. Es ist schon vielfach üblich, von einem neuen 
Werk eine Probekolumne zu setzen. Gewöhnlich 
dient diese aber nur dem Zwecke, die Schrift zu 
begutachten oder um aus verschiedenen Schriften 
eine dem Geschmack oder andern Rücksichten ent¬ 
sprechende auszuwählen. Die Kolumne wird jedoch 
in den meisten Fällen auf beliebiges Papier ab¬ 
gezogen und dann nur auf die Schrift und höchstens 
noch auf den Durchschuß geachtet. Beide sind ja 
ohne Zweifel für das gute Aussehen jedes Buches 
wichtig, aber es darf dabei das Buch als Ganzes nicht 
vergessen werden. Die Probekolumne erfüllt nur 
dann ihren Zweck vollkommen, wenn sie im richtigen 
Format auf das für das Werk bestimmte Papier ab¬ 
gezogen ist. Viel sicherer kann die Wirkung be¬ 
urteilt werden, wenn zwei Kolumnen, so wie sie im 
Buche stehen sollen, einander gegenüberstehend ab¬ 
gezogen sind, wozu — da es ja nur auf die Beurtei¬ 
lung des Eindruckes ankommt —auch der Satz einer 
Kolumne verwendet werden kann. Wird dann das 
Papier noch so beschnitten, wie später der Buch¬ 
binder das Buch beschneiden soll, so bietet der Ab¬ 
zug den Eindruck des Buchaufschlages. Wünschens¬ 
werte Verbesserungen lassen sich jetzt noch ohne 
besondere Mühe und Kosten vornehmen. 

Erst dann, wenn das Format in solcher Weise er¬ 
wogen und festgelegt ist, kann die weitere Arbeit 
am Werke gedeihen. (Fortsetzung folgt.) 


Über die Möglichkeit eines Normalschnittes mathematischer Zeichen 

Von WILHELM HELLWIG in Leipzig 


U nter den Verfassern und Herausgebern mathe¬ 
matischer Werke und Zeitschriften sind nicht 
wenige, die gern und immer wieder an der 
Satzausführung zu tadeln haben. Läßt man die ge¬ 
borenen Kleinigkeitskrämer unter ihnen beiseite, 
die an jedem nicht nach ihrer vorgefaßten Meinung 
ausgefallenen Satzbild Anstoß nehmen, auch wenn 
es nach bestem Können und unter genauester Befol¬ 
gung der bewährtesten Satzregeln entstanden ist, so 
bleiben immer noch genug Fälle, in denen tatsächlich 
ein zweckmäßigeres Satzbild hätte zustande gebracht 
werden können. Soweit hierbei lediglich eine bessere 
Verwertung des vorhandenen Materials durch geeig¬ 

65 


netere Auswahl oder sachgemäßeres Zusammenfügen 
in Frage kommt — also die Arbeit des Setzers — 
mag im folgenden Abstand von einer Erörterung 
genommen werden, da sich diese Zeitschrift bereits 
im Jahrgang 1908 mit diesem Gegenstände befaßt 
hat. Hinsichtlich einer etwas zweckmäßigeren Aus¬ 
gestaltung des Materials aber ließe sich vielleicht 
noch einiges sagen. 

Sieht man die Schriftproben der Gießereien durch, 
so findet man darin das Formelmaterial in so mannig¬ 
faltiger Ausführung, daß den verschiedensten An¬ 
sprüchen genügt werden könnte: die gangbarsten 
Zeichen in großem und kleinem Schnitt, schlank und 

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breit, mager und kräftig. Doch ist gerade dies viel¬ 
leicht kein Vorteil, denn die einzelne Druckerei deckt 
nicht immer ihren Bedarf von einer Stelle, und so 
kommen mitunter Zeichen ganz verschiedenen Cha¬ 
rakters in ein und demselben mathematischen Kasten 
zusammen. 

Diese übergroße Mannigfaltigkeit in der Aus¬ 
gestaltung der mathematischen Zeichen und des 
Formelmaterials hat wohl ihren Grund in der großen 
Verschiedenheit der Ansprüche der mathematisch¬ 
technologischen Autoren, und deren sehr abweichen¬ 
dem Geschmack. So scheint der Versuch, sie alle 
möglichst unter einen Hut zu bringen, von vorn¬ 
herein fast aussichtslos. Und doch ist anderseits die 
Hoffnung nicht unbegründet, die gangbaren Zeichen 
in einer allgemeiner ansprechenden Form herstellen 
zu können, wenn dabei alle berechtigten Forderungen 
sorgfältige Beachtung finden und ein Verfallen in 
offenbare Sonderlichkeiten vermieden wird. 

Es handelt sich also darum, statt dem Vielerlei 
gewissermaßen ein normales Schriftbild der in Frage 
kommenden Typen zu schaffen, das sowohl in der 
Form wie in der Kräftigkeit die Mitte hält und zu¬ 
gleich satztechnisch in jeder Beziehung vorteilhaft 
ist. Buchdrucker und Schriftgießer sind hierzu sehr 
wohl in der Lage, wenn sich auch sachkundige Au¬ 
toren der Sache annehmen, indem sie dartun, worauf 
es ihnen im einzelnen ankommt. 

Soweit nun der Buchdrucker auf Grund seiner 
bisherigen Erfahrungen eine Meinung abgeben kann, 
mag dies im folgenden versucht werden. 

Alle Autoren, die sich in ihren Ansprüchen hin¬ 
sichtlich des Formelsatzes besonders peinlich zeigen, 
betonen, daß eine Formel in erster Linie übersichtlich , 
dann aber in den einzelnen Wertbezeichnungen un¬ 
zweideutig sein müsse. Ins Typographische über¬ 
tragen heißt das soviel, als die Formel soll nicht 
gedrängt aussehen und ineinandergeschoben er¬ 
scheinen, sondern jede einzelne Formelgröße muß 
frei und klar an ihrem Platze stehen. Sodann sollen 
die Typen für die einzelnen Bezeichnungen von 
klarem Schnitt sein sowohl die Buchstaben und 
Ziffern wie die Zeichen —, und wo aus mehreren 
Typen zusammengesetzte Formelgrößen (Brüche, 
Basen mit Index usw.) in Frage kommen, sollen die 
Bestandteile in ihrer Stellung zueinander das rechte 
Verhältnis zeigen. 

Ein geübter Formelsetzer weiß im allgemeinen 
Bescheid und sucht von selbst diese Forderungen zu 
erfüllen aber er kann es nicht immer. Es hindert 
ihn daran zum Teil die Form der Typen, deren Fleisch 
oder Überhänge, und zum Teil die wohlbegründeten 
Ausschlußregeln, denn es soll in der Formel bekannt¬ 
lich nicht „geflickt“ werden, das heißt die Achtel¬ 
petit-Unterlegung oder Achtelpetit-Linie sowie die 


Verwendung allzu winziger Ausschlüsse (Viertelpetit- 
Geviert, Halbpetit-Spatium und ähnliches) sind mög¬ 
lichst zu vermeiden, damit das Satzgefüge überall 
Sicherheit gegen Verschiebungen bietet, die schon 
bei ganz geringer Spannung eintreten können. Unter 
Beachtung dieser Grundregeln läßt sich nun aber 
nicht jeder Index oder Exponent in die gewünschte 
Höhenstellung bringen, nicht jeder Abstand nach 
Wunsch einrichten usw., wenn eben die Beschaffen¬ 
heit der Typen dem entgegensteht. 

Bleiben wir gleich bei der Schrift . Nicht jede 
Kursiv eignet sich gleichgut zur Auszeichnungs¬ 
schrift für Formelgrößen; sie kann zu groß oder zu 
klein, zu steil oder zu schräg sein, um mit den mit 
ihr zusammen zu verwendenden Indexbuchstaben 
und Exponenten ein Schriftbild von gutem Einklang 
zu geben. GroßeWerkdruckereien mit ständigen und 
zahlreichen mathematischen Aufträgen und große 
Verlagshandlungen mit ebenso zahlreichen Formel¬ 
werken haben wohl im Laufe der Jahre durch Erfah¬ 
rung herausgefunden, welche Schriften die geeignet¬ 
sten für ihre Zwecke sind, aber das ist oft erst das 
Ergebnis einer Reihe von Versuchen und selbst Mi߬ 
erfolgen (durch fälsche Auswahl usw.). Es ist aber 
nicht unwichtig, das Richtige mit Bewußtsein aus¬ 
wählen und neu Benötigtes mit richtiger Voraussicht 
anfertigen lassen zu können. 

Vor allem wird es zweckmäßig sein, möglichst 
Schriften auf Normallinie zu verwenden. Hierdurch 
wird schon manche Unstimmigkeit im Zusammen¬ 
passen von Mischung und Grundschrift usw. ver¬ 
mieden. Sodann muß die zuweilen heranzuziehende 
Nonpareille (Kursiv, Ziffern, Zeichen, Griechisch) mit 
dem Schriftbild der im übrigen verwendeten fertigen 
Indexbuchstaben und Exponenten wenigstens im we¬ 
sentlichen übereinstimmen. Was das Verhältnis der 
Indices und Exponenten zur Grundschrift oder zu 
der mit dieser verwendeten Kursiv anbelangt, so ist 
folgendes zu beachten. 

Die Mathematiker stellen die Forderung, daß die 
Grundlinie der Basis die Mitte des Indexbuchstaben, 
ebenso die Kopflinie der Basis die Mitte des Expo¬ 
nenten schneide(vergleicheBeispiel 1). Dies mit aller 

A'U: 

Beispiel 1 

Strenge durchgeführt, ergibt natürlich für den Index 
von abt usw. eine andre Schriftlinie als für den von 
p qy\ ebenso für den Exponenten von ayp eine andre 
als für den von tbA usw. (vergleiche Beispiel 2). 
Ja, wollte man die verschiedene Buchstabenhöhe der 
Indices und Exponenten selbst noch genau dabei be¬ 
achten, so kämen so viele Schriftlinien für die Index¬ 
buchstaben und Exponenten heraus, daß praktisch 


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^*4 


damit gar nicht gerechnet werden kann und somit 
die obige Forderung der mathematischen Autoren 
in jenem strengen Sinne abgewiesen werden muß. 


TL ATI wxIL „n Höhere \ Schriftlinie 

f1 a A! p^ d U Ä p ™^Tiefere / der Exponenten 

a n^nPn Höhere \ Schriftlinie 

-ö . Tiefere f der Indices 


Einheitliche Je zweierlei 

Schriftlinie der Schriftlinie der 
indices bzw. Indices bzw. Ex- 

Exponenten ponenten je nach 

derHöhederBasis 


Beispiel 2 


Solange Index undExponent ausNonpareille gesetzt 
und entsprechend unterlegt wurden, war immerhin 
die Möglichkeit gegeben, die Hoch- oder Tiefstellung 
nach der Form des Grundbuchstaben (der Basis) pin¬ 
zurichten. Gewöhnlich geschah dies freilich nicht, 
sondern es wurden alle Exponenten bzw. Indices 
gleichmäßig unterlegt, gleichviel, ob sie an eine Basis 
mit Ober- oder mit Unterlänge herantraten (y a b a bzw. 
b a y a usw.). Seitdem aber fertige Exponenten und 
Indexbuchstaben verwendet werden, die als Hoch- 
bzw. Tiefstehende auf Kegel der Textschrift gegossen 
sind, ist an eine Anpassung in dieser Beziehung 
eigentlich gar nicht mehr zu denken, denn ein Ver¬ 
schieben (Unterlegen) von Indexbuchstaben ist prak¬ 
tisch fast undurchführbar, wenigstens in größerem 
Maße. Darum ist es nun sehr wichtig, die Schrift¬ 
linie dieser Indexbuchstaben und Exponenten so zu 
wählen, daß ihre Verwendung hinter jedem Buch¬ 
staben, ohne Anstoß, möglich ist. Es ist klar, daß 
diese Forderung nur erfüllt werden könnte, wenn 
Indices und Exponenten je in mindestens zwei Schrift¬ 
linien vorhanden sind, einmal für die Mittellängen, 
dann für Ober- bzw. Unterlängen, wie dies auf bei¬ 
stehender Skizze (Beispiel 2) angedeutet ist. Daß 
man sich in der Praxis hierzu verstehen werde, ist 
kaum anzunehmen, da man, abgesehen von den ver¬ 
mehrten Anschaffungskosten, auch die größere Ge¬ 
fahr des Verfischens bei Buchstaben zweier ver¬ 
schiedener Schriftlinien fürchten wird, selbst wenn 
man beide durch eine Nebensignatur unterschiede. 
Hält man also vorläufig daran fest, daß je nur eine 
Art Indexbuchstaben und Exponenten gegossen wer¬ 
den, so wäre die Frage zu beantworten: In welchem 
Verhältnis hat dann jeweils deren Schriftlinie zu der 
der Grundbuchstaben zu stehen? Es müßte dann 
wohl zur Bedingung gemacht werden, daß die Schrift¬ 
linie der Indexbuchstaben so liegt, daß eine Mittel¬ 
länge Index (Beispiel 3 von Linie 1' bis 2) oben noch 
etwas über die Schriftlinie (Grundlinie) der Basis 
hinaufreicht (von 1 bis 1'), nach unten aber sich 
möglichenfalls sogar so weit erstreckt, daß die Grund¬ 


linie einer Unterlänge der Basis nach unten noch 
etwas überschritten wird. Dasselbe Verhältnis für 
die Exponenten nach oben angenommen würde also 



Schematische Darstellung der Stellung von 

a° d° a b d b a q d q und 

do go Q-b gb dq gq 

ergeben, daß die Schriftlinie einer Mittellänge des 
Exponenten (punktierte Linie 3) etwas unterhalb der 
Kopflinie einer Mittellänge der Basis (Linie 3') verläuft 
usw. Schriften mit möglichst kurzen Ober- und Unter¬ 
längen wären dabei Voraussetzung, damit nicht, wie 
jetzt mitunter, so häßliche Zusammentreffen wie b q p d 
usw. entstehen können. 

Von den im mathematischen Satz häufiger vor¬ 
kommenden griechischen Buchstaben ist es besonders 
das kleine Alpha, welches seines Schnittes wegen 
beanstandet wird. Seine verfängliche Ähnlichkeit mit 
dem Kursiv-a ist auch nicht zu leugnen, und darum 
auch vielfach bereits ein besonderes Alpha für den 
mathematischen Satz in Gebrauch, bei welchem die 
sich kreuzenden Hasten deutlich zum Ausdruck ge¬ 
bracht sind (a Beispiel 4). Ebenso werden vom 
Kappa und Pi deutlichere Schriftbilder gefordert. 
Beim Kappa wird sonderbarerweise zuweilen die 
mehr cyrillische Form k (Beispiel 5) gewünscht, ob¬ 
wohl diese doch weit eher mit dem Antiqua- bzw. 
Kursiv-/: zu verwechseln ist als die eigentlich grie¬ 
chische Form x (Beispiel 6). Eine etwas bessere 

a k k 6 v AVX 

4 5 6 7 8 9 10 

Beispiele 4—10 

Ausgestaltung dieser letzteren Form wäre darum 
wohl eher am Platze. Das kleine Theta wünschen 
einzelne Autoren in der Form, die es in der Teubner- 
schen Griechisch hat und die jetzt in Griechenland 
selbst die gebräuchlichste ist: 0 (Beispiel 7). Natür¬ 
lich muß es bei im übrigen kursivem Schnitt der 
Griechisch gleichfalls eine schräge Lage haben. Das 
kleine griechische Ypsilon (t/), das zwar nur selten 
vorkommt, dann aber leicht mit dem Kursiv-Vau zu 
verwechseln ist, bekommt zum Unterschiede von 
diesem oft einen zurückgeworfenen bogenförmigen 

67 10 * 


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Abstrich (v Beispiel 8), was sehr zu empfehlen ist. 
Es ist wohl nötig, besonders daraufhinzuweisen, daß 
für mathematischen Satz keine Kursiv zur Anwendung 
kommt, deren kleines Vau unten spitz zuläuft und 
dadurch dem griechischen Ny zum Verwechseln ähn¬ 
lich ist. Sehr schwierig ist es, Kursiv M, X, H, E usw. 
vom griechischen My, Chi usw. zu unterscheiden. 
Man half sich bisher in der Praxis damit, statt der 
betr. griechischen Versalien solche aus Grotesk zu 


verwenden, die sich dann von der Kursiv genügend 
unterscheiden; es dürfte auch schwer sein in einer 
Kursiv-Griechisch gehörig unterscheidbare Formen 
für die mit der kursiven Antiqua übereinstimmenden 
griechischen Versal-Buchstaben zu schaffen, da die 
kleinen Merkmale, wie z. B. eine breitere Basis des 
My (31 Beispiel 9) gegenüberhier versagen. (Von 
den Zeichen - und II ist bei den mehrzeiligen Zeichen 
die Rede.) (Fortsetzung folgt.) 


Neue deutsche Postwertzeichen 

Richtlinien für den bevorstehenden neuen Wettbewerb 

Von MAX PELLNITZ, Schriftleiter der Germania-Berichte, Organ deutscher und österr. Briefmarkensammler-Vereine 


D er in Aussicht stehende Wettbewerb zur Schaf¬ 
fung neuer Postwertzeichen für das Deutsche 
Reich wird die Künstlerschaft wieder auf den 
Planrufen undihr reichlich GelegenheitzurBetätigung 
bieten, umsomehr als diesmal der Einlieferungstermin 
soweit gestellt sein wird, daß es dem einzelnen mög¬ 
lich ist, mit Ruhe an die Aufgabe heranzutreten. 

Derletzte Wettbewerb für Entwürfe zu Erinnerungs¬ 
marken an die Deutsche Nationalversammlung 1919 1 
hat trotz der immerhin starken Beteiligung (es wurden 
4682 Entwürfe eingeliefert) und den verhältnismäßig 
hohen Preisen (im ganzen wurden 25500 Mark aus¬ 
geworfen) nicht das Ergebnis gezeitigt, das erwartet 
werden konnte. Dies kann vielleicht darauf zurück¬ 
geführt werden, daß sich die Beteiligten zu wenig mit 
dem Zweck und den Aufgaben, die an die Briefmarke 
gestellt werden müssen,beschäftigt haben. Es erscheint 
daher nicht unangebracht, schon heute auf diese beiden 
wichtigen Punkte hinzuweisen, damit die Einlieferer 
von Entwürfen vor Enttäuschungen bewahrt bleiben. 
Obgleich die Bedingungen des neuen Preisaus¬ 
schreibens bis jetzt noch nicht bekannt sind, kann es 
nichts schaden, wenn einmal die Ansprüche, die an 
eine zweckentsprechende Briefmarke gestellt werden 
müssen, festgelegt werden. 

Der Zweck der Briefmarken, die in Millionen von 
Exemplaren zur Verwendung kommen, ist, einmal 
schnell und ohne Schwierigkeiten das herausgebende 
Land und den Wert (Portosatz) der einzelnen Marke 
zu kennzeichnen. Je einfacher und deutlicher die 
Schriftzeichen sind, desto vorteilhafter für die Marke. 
Man muß berücksichtigen, daß die Briefmarken nicht 
nur im Lande selbst Verbreitung finden, wo also weni¬ 
ger klare Schriftzeichen vielleicht eher hingenommen 
werden können, sondern daß sie in Millionen in die 
fernsten Länder wandern, wo bei unklarer Beschrif¬ 
tung die Briefmarke nicht die Bedeutung und Be¬ 
wertung erfährt, die ihr zukommt. Dasselbe gilt natür¬ 
lich auch bezüglich des Markenwertes, soweit er durch 

1 Die Entwürfe sind in der Zeit vom 29.Juni bis 8. Juli im 
Deutschen Buchgewerbehaus zu Leipzig ausgestellt. 


Ziffern ausgedrückt wird. Undeutliche, verschnörkelte 
Ziffern führen beim Beamten am Postschalter sowohl 
als auch beim Verbraucher zu unliebsamenStörungen. 

Die Briefmarke soll nun aber auch außer Schrift 
und Wertangabe schmückendes Beiwerk tragen, ja 
letzteres ist notwendig, um einerseits das Marken 
herausgebende Land zu charakterisieren, anderseits 
aberauch, um dekorativzu wirken. Hier bleibt nundem 
Entwerfer ein weites Feld der Betätigung, da der Bild¬ 
schmuck, die Ze/c/inungmannigfaltigsterArtsein kann. 

Im Bild läßt sich die Eigenart des Markenlandes 
wiedergeben, sei es in landschaftlicher Hinsicht, sei 
es durch besondere Staatseinrichtungen, Postbetrieb, 
Naturerzeugnisse, historische Vorgänge und der¬ 
gleichen. Auch der heraldische Schmuck ist beliebt, 
kurzum hier bietet sich eine Vielseitigkeit, die künst¬ 
lerischer Betätigung den größten Spielraum bietet. 
Dabei ist durchaus nicht immer nötig, daß sämtliche 
Markenwerte den gleichen Bildschmuck tragen, 
sondern manche Länder haben dadurch, daß jede 
Marke eine andre Darstellung trägt, besondere Erfolge 
erzielt. Viele Markenausgaben tragen auch Köpfe 
gekrönter Häupter, Präsidenten oder andrer hervor¬ 
ragender Männer, also auch in dieser Beziehung kann 
sich die Gestaltungskraft des Zeichners äußern. 

Beliebt sind auch Allegorien oder Zeichnungen, in 
denen politische Vorgänge in dem betreffenden Lande 
symbolischen Ausdruck finden. Allerdings ist hier 
weise Mäßigung am Platze, denn der Künstler muß 
damit rechnen, daß die Marken in die Hände von 
Hunderttausenden kommen, die aus allegorischen 
oder symbolischen Darstellungen nichts herauszu¬ 
lesen vermögen, der Zweck ist also verfehlt. Die 
Briefmarke soll kein Bilderrätsel, sondern ein sinn¬ 
fälliger Gebrauchsgegenstand sein. 

Von großer Wichtigkeit ist natürlich beim Entwurf 
die Berücksichtigung der Größe des Markenbildes. In 
diesem Punkte liegen die Hauptschwierigkeiten für 
den Zeichner. Bei der für die deutschen Briefmarken 
bis jetzt vorgeschriebenen Größe(2y 2 zu 2 Zentimeter) 
ist dem Zeichner eine starke Beschränkung auferlegt. 


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Wirkungsvolle ältere Briefmarken 


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Andre Länder, die Wert auf bildliche Darstellungen 
legten, haben die Größenverhältnisse nach oben 
verschoben, wodurch natürlich auch recht wirkungs¬ 
volle Markenbilder geschaffen werden konnten. Da¬ 
gegen zeigen aber wieder andre Länder, daß trotz der 
Größenbeschränkung immerhin gute Bildwirkung zu 
erzielen ist. 

Da die Entwürfe meist in wesentlich größerem 
Format eingeliefert werden, als die später zu veraus¬ 
gabende Briefmarke haben soll, so darf diese Bild¬ 
wirkung nicht unterschätzt werden, denn eine Land¬ 
schaft oder dergleichen kommt bei einem Format von 
z. B. 8 zu 6 Zentimeter ganz anders zur Geltung als 
in der Größe 2 l / 2 zu 2 Zentimeter. Was dort klar und 
deutlich, wirkt hier unklar und verschwommen. 

Wir kommen bei dieser Frage gleich noch zu einem 
andern wichtigen Faktor, der die sorgfältigste Berück¬ 
sichtigung fordert, nämlich die Technik , in der die 
Postwertzeichen vervielfältigt werden sollen. Die 
Marken des Deutschen Reiches, die gegenwärtig im 
Gebrauch sind, werden z. B. in Stahl graviert, von 
denen dann galvanische Niederschläge abgenommen 
werden. Diese werden alsdann zu Platten mit 100 Stück 
vereinigt, von denen der Druck erfolgt. Die letzten 
beiden Ausgaben der Bayernmarken (Prinz Luitpold 
und König Ludwig) waren in Tiefdruck bzw. Mezzo¬ 
tintomanier hergestellt. Andre Länder, wie Vereinigte 
Staaten von Nordamerika, benutzen den Stahlstich, 
wieder andre einfachen Buchdruck oder Steindruck. 
Es kann als bekannt vorausgesetzt werden, daß jede 
graphische Technik eine andre Bildwirkung hervor- ' 
ruft, daß also dasselbe Bild in Stahlstich anders zum 
Ausdruck kommt als in Buchdruck oder gar in Stein¬ 
druck (Lithographie). Was dort scharf und plastisch 
wirkt, kann in lithographischer Ausführung ver¬ 
schwommen und matt erscheinen. Dadurch kann 


aber die Absicht des Zeichners stark beeinträchtigt, 
wenn nicht ganz vereitelt werden. Also der Zeichner 
muß sich darüber klar sein, für welche graphische 
Ausführung sein Entwurf bestimmt ist und welche 
Technik er seinerseits anzuwenden hat. 

Nicht unwesentlich ist auch zu berücksichtigen, 
daß die einzelnen Marken zu besserer Kennzeichnung 
ihres Geldwertes in verschiedenen Farben hergestellt 
werden. Es kommt fast die ganze Farbenskala zur 
Anwendung, zumal wenn es sich um größere Marken¬ 
reihen handelt. Die jetzige in Deutschland in Ge¬ 
brauch stehende Markenreihe umfaßt beispielsweise 
20 Werte, die alle in der Farbe verschieden sind. 
Es ist klar, daß manche Farben die bildliche Dar¬ 
stellung nicht so zur Geltung bringen, wie dies bei 
andern der Fall ist, zumal wenn sie beim Massen¬ 
druck mehr oder weniger stark aufgetragen werden, 
eine Erscheinung, die im technischen Herstellungs¬ 
verfahren ihre Begründung hat. Also auch insofern 
ist die Technik zu beachten. 

In vorstehendem glaube ich die wichtigsten Punkte 
aufgeführt zu haben, die beim Entwurf von Postwert¬ 
zeichen zu beachten sind. Vor allem berücksichtige 
der Künstler, daß die Briefmarke in erster Linie Ge¬ 
brauchsgegenstand und dann erst, wenn auch nicht 
zuletzt, Kunstwerk sein soll, ferner daß ihr Zweck ein 
andrer sein muß als der eines Exlibris, eines Plakates, 
einer Reklamemarke, daß sie in Millionenmengen in 
ungezählte Länder und zu den verschiedensten Kultur¬ 
nationen gelangt und jahrelang in Benutzung bleibt. 
Ein schönes wirkungsvolles Markenbild wird viel 
sicherer auf den wahren Kulturzustand eines Volkes 
schließen lassen als Bilder, bei denen man sich alles 
mögliche, das heißt nichts denken kann. 

Wie wirksame Briefmarken aussehen, zeigen die 
hier beigegebenen Abbildungen. 


Breitkopf & Härtel 

Gedenkschrift und Arbeitsbericht von Oskar v. Hase. Zweiter Band: 1828 bis 1918 

Von E.WETZIG in Leipzig 


D er erste Band erschien bereits 1918, wir haben 
sein Dasein in Heft 3/4 des Archivs verkündet 
und dort auch den Inhalt dieses schätzens¬ 
werten Buches angedeutet. Nun liegt auch der zweite 
Band, 842 Seiten umfassend, in gleicher sorgfältiger 
Ausstattung vor. Sein bescheidener Titel läßt nicht 
im mindesten die ungeheuer fleißige Forscherarbeit 
des Verfassers und fast unermeßliche Fülle von Ge¬ 
schehnissen mannigfacher Art ahnen. Dieser bis in 
die Gegenwart führende Band ist dem um die Er¬ 
neuerung der Grundlagen deutscher Musikbildung 
und Musikpflege hochverdienten Führer der Musik¬ 
wissenschaft, Professor Dr. Hermann Kretzschmar, 


zugeeignet. Allein 670Seiten sind mit allerlei wissens¬ 
werten, besonders für den Musikhistoriker wert¬ 
vollen Aufzeichnungen über den Musikalienverlag, 
Musikbuchverlag und Musikalienwelthandel der Firma 
Breitkopf & Härtel gefüllt. Das Inhaltsverzeichnis ist 
tief und übersichtlich gestaffelt. Es gruppiert sich 
um die Hauptzeilen zweier Abschnitte: Die Härtel 
— Gebrüder Härtel und Breitkopf & Härtel im neuen 
Reich — Arbeitsbericht. 

Der Verfasser schildert zunächst die Übergangszeit 
nach Gottfried Christoph Härtels Tode im Jahre 1827, 
in der Florenz Härtel, ein Neffe des Verstorbenen, 
das weitläufige Geschäft führte bis zum Eintritt der 

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Archiv für Buchgewerbe 


Kinder Gottfried Härtels, der Gebrüder 

HERMANN UND RAYMUND HÄRTEL. 

Er zeigt im weiteren ein recht schönes Bild von 
dem ideal angelegten Buchhändlersohn Dr. Hermann 
Härtel, dessen Neigung der bildenden Kunst gehörte 
und der erst im Jahre 1835 nach einem mehrjährigen 
Aufenthalt in Rom, dem Mittelpunkt künstlerischer 
Studien und gelehrter Forschungen, in das Geschäft 
eintrat. Der alten Buchhandelsstadt Leipzig war er 
nach seiner Rückkehr viele Jahre hindurch Führer 
und Förderer ihrer frisch aufstrebenden Kunst¬ 
interessen. Carl Berend Lorck, der Begründer und 
erste Geschäftsführer des Deutschen Buchgewerbe¬ 
vereins, urteilt über ihn: „Er war von einem so 
ausgeprägten Pflichtgefühl beseelt, daß er von 
dem Augenblick an, wo er dem Geschäft vorstehen 
mußte, mit voller Hingebung Buch- bzw. Musikalien¬ 
händler wurde“. 40 Jahre stand er inmitten eines 
segensreichen Wirkungskreises an der Spitze des 
Hauses. 

Sein Bruder Raymund Härtel ist bereits im Jahre 
1832 in das väterliche Geschäft eingetreten. Oskar 
v. Hase zeichnet ihn als einen unbefangenen Men¬ 
schen von gewinnenden volkstümlichem Wesen, der 
durchaus praktisch veranlagt war und sich nach seines 
Bruders Eintritt in die Leitung 53 Jahre hindurch 
vornehmlich der Buchdruckerei widmete. Sein lang¬ 
jähriges und eifriges Wirken für Leipzigs Buchdruck¬ 
gewerbe ist der älteren Generation noch bekannt und 
dürfte gerade jetzt im Jubiläumsjahre des Deutschen 
Buchdruckervereins freudig neu gewürdigt werden. 

Bereitet schon dieser mit viel Liebe und Herzens¬ 
wärme geschriebene Abschnitt über das Leben und 
die persönlichen Eigenschaften der grundverschie¬ 
denen, jeder in seiner Weise tüchtigen Brüder Härtel 
einen seltenen geistigen Genuß, so sind die viel¬ 
seitigen, teils dem eigenem Erleben des Verfassers 
entstammenden Aufzeichnungen über die geschäft¬ 
liche Tätigkeit der beiden Brüder, die mit ihrer Indi¬ 
vidualität und Tatkraft den vom Vater überkommenen 
Musikverlag zu ungeahnter Entwicklung und Bedeu¬ 
tung brachten, geradezu ein Quellborn frischen 
geistigen Schaffens für die Musikpflege und Musik¬ 
wissenschaft. 

Auf 387 Seiten zeigt der Verfasser glänzende, 
detailreiche Bilder vom Aufbau des Musikverlags 
durch die Brüder Härtel, er berichtet in herzlicher 
Verehrung für diese beiden Männer über deren viel¬ 
seitige und bedeutsame Verlegertätigkeit, die sie in 
engste Beziehungen zu den in ihrer Zeit neu schaffen¬ 
den bedeutenden und führenden Tonsetzern brachte. 
Von den ungezählten berühmten und berühmtesten 
seien hier nur die Führer der Romantiker genannt: 
Mendelssohn, Schumann, Schubert, Brahms, Chopin, 


Berlioz und Liszt. Von diesen und andern sind 
Briefe vielseitigsten Inhalts an ihre Verleger Breit¬ 
kopf & Härtel in der Textschrift abgedruckt, die das 
Buch besonders schätzenswert machen und als 
Studienmaterial namentlich dem Musikhistoriker will¬ 
kommen sein dürften, sofern dieser nicht den wohl¬ 
behüteten, wertvolleren Brief-Autographenschatz der 
Firma Breitkopf & Härtel vor sich hat. Zahlreiche 
Briefe von Richard Wagner sind dabei; der Brief¬ 
wechsel zwischen ihm und Breitkopf & Härtel ist 
länger als ein Menschenalter geführt worden. In der 
Gedenkschrift sind Wagner-Briefe abgedruckt, unter 
anderm auch ein Schreiben, in dem der Komponist 
sich über die drucktechnische Ausführung eines Auf¬ 
trags äußert. Er schrieb am 8. Juni 1859: „Gegen 
das Beidrucken des Textes als besonderen Anhang 
zum Klavierauszug bin ich im höchsten Grade ein¬ 
genommen. ... Finden Sie zudem nicht auch, daß 
diese Beigabe auch in typographischer Hinsicht eine 
solche Musikedition entstellt?“ 

Im allgemeinen sind die Komponisten mit der von 
Breitkopf & Härtel gebotenen vortrefflichen Aus¬ 
stattung ihrer Werke recht zufrieden gewesen. In 
der Denkschrift ist darüber mancherlei gesagt. Kein 
Geringerer als Liszt urteilte: „Seit vielen Jahren sind 
die höchst ausgezeichneten Verdienste des Härtel- 
schen Verlags allgemein bekannt und berühmt. Ihre 
Bach- und Beethovenausgaben bezeichnen in jedem 
Bezug das Vorzüglichste und Mustergültigste, was 
bis jetzt von Musikpublikationen geleistet, und ge¬ 
reichen sowohl der Kunst zum Nutzen, als Deutsch¬ 
land zur Ehre. Weder Frankreich, noch England 
können dergleichen aufweisen, und Ihr Haus besteht 
als das vornehmste, älteste und stetig wirksamste“. 

Die Mitteilungen des Verfassers über die druck¬ 
gewerblichen Betriebe: Schriftgießerei, Buchdruk- 
kerei, Notenstecherei und Steindruckerei lassen gar 
kein andres Urteil zu. Mancher treue Mitarbeiter hat 
sich später ein eigenes Geschäft errichtet, so die 
Schriftgießer Gottfried Böttger und C.F.Rühl, sowie der 
Notenstecher C. G. Röder, der im Hause gelernt hatte 
und Gründer der noch heute bestehenden angesehenen 
Firma gleichen Namens ist. Recht interessant sind 
auch seine ausführlichen, teils intimen Darlegungen 
über die technischen Zweige der Firma. Daran an¬ 
geknüpft ist „Die Betrachtung des Steindrucks in der 
zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts“ von einem 
langjährigen Mitarbeiter. Sie ist wertvoll genug, um 
im Auszug hier wiedergegeben zu werden. „Danach 
wurden lithographische Arbeiten ums Jahr 1850 alle 
vom Original gedruckt, mochten es Gravüren, Feder¬ 
oder Kreidezeichnungen sein. Es habe damals ver¬ 
schiedene Systeme der Pressen gegeben: Stangen-, 
Eisenbahn-, Stern- und Stephan-Pressen, diese als 
Vorläufer der Sutter-Pressen. Der erste Überdruck 


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Archiv für Buchgewerbe 


sei gegen Weihnachten 1850 von einem Steindrucker 
Stephan in der Firma Bartsch & Dankert, den Vor¬ 
gängern von Meißner & Buch, hergestellt worden.... 
Einige Jahre später habe man Kreidepapier für farbigen 
Überdruck angewandt.... Früher in Gravüre aus¬ 
geführte Geschäftspapiere wurden, nun auch auto¬ 
graphisch hergestellt.... Im Jahre 1855 wurden Ver¬ 
suche gemacht, Abzüge von Notenplatten auf Stein 
zu übertragen, wobei sich Schwierigkeiten mit der 
Überdruckfarbe und der Plattenbehandlung ein¬ 
stellten. Im folgenden Jahre glaubte man das Richtige 
gefunden zu haben, indem man die Notenplatten vorher 
mit Trockenstoffarbe einrieb und festwerden ließ, dann 
mittels Ballen mit Fettfarbe einschwärzte.“ 

Im folgenden Abschnitt ist der Abschied vom 
Goldenen Bär und im Anschluß daran das Entstehen 
desNeubaues anderNürnberger Straße und derEinzug 
in dieses neue, moderne Fabrikgebäude im Jahre 1867 
beschrieben. Die Übersiedlung führte Wilhelm Volk¬ 
mann, er gehörte seit 1860 dem Geschäft an und 
wirkte viele Jahre unvergeßlich treu und rastlos als 
Leiter der Buchdruckerei. Die Brüder Härtel gingen 
nicht leichten Herzens aus dem alten vertrauten Haus, 
in dessen dämmrigen Räumen so viele Erinnerungen 
an große Erlebnisse zurückblieben. Zwei Jahre darauf 
wurde das 150 jährige Bestehen der Firma in dem 
neuen Gebäude gefeiert. Oskar v. Hase beschreibt 
das Jubelfest recht anschaulich, er verzeichnet auch 
seinen Eintritt in das Geschäft im gleichen Jahre. 
Eine neue Zeit mit kräftigem geschäftlichen Auf¬ 
schwung folgte im neuerrichteten deutschen Reiche. 
Als Übergang in diese neue Zeit wählte der Verfasser 
die Aufschrift 

BREITKOPF UND HÄRTEL IM NEUEN REICH. 

Er schildert die Bedeutung und den Ausbau der 
verschiedenen Verlagszweige des Hauses. An erster 
Stelle steht der reichhaltige, weitverzweigte Buch¬ 
verlag, der neben dem blühenden Musikalienverlag 
schon bei den Brüdern Härtel gute Pflege fand. Nam¬ 
hafte deutsche Dichter und Gelehrte haben in diesem 
letzten Halbjahrhunderte dem Verlage ihre Werke an¬ 
vertraut. „Bedeutsames im Bereiche aller vier Fakul¬ 
täten ist verlegt worden, ohne daß eine von ihnen ein 
wesentliches Übergewicht erlangt hätte.“ 

Neben diesem großen einheitlichen Unternehmen 
sind die auf nur wenige Seiten zusammengedrängten 
Ausführungen des Verfassers über einen verhältnis¬ 
mäßig noch jungen Verlagszweig, den Kunstbuchverlag 
der Firma, nicht unwichtig. Auf schon vorhandenen 
Ansätzen wurde von Dr. Ludwig Volkmann vor etwa 
zwei Jahrzehnten eine besondere Abteilungdes Kunst¬ 
verlags begründet. Die in den Text eingefügten Ab¬ 
bildungen — nach Werken von Hans Thoms, Wilhelm 
Steinhausen, J. Sattler, Alexander Schneider und 


Arthur Volkmann — zeigen jedem in der Kunst Er¬ 
fahrenen deutlich die Richtung der künstlerischen 
Verlagsbestrebungen. 

Führend blieb der Buchverlag des Hauses auf dem 
Gebiete der Musikwissenschaft. Darüber spricht der 
Verfasser unter der Aufschrift „Breitkopf & Härtels 
Musikbücher“. Er beschreibt diese fruchtbare Tätig¬ 
keit des Verlags gründlich und ausgiebig in den Ab¬ 
schnitten Musikerschriften, Musikerbriefe, Musik¬ 
bücherkunde, Musikerbiographen, Musikerbildnisse, 
Zur Entwicklung der Tonkunst, Musiklehre und Musik¬ 
geschichte. Eine eingehende Beschäftigung mit dem 
vielseitigen Inhalt ist hier nicht möglich. Neben dem 
ausschließlich rein Musikalischen stehen die Namen 
zweier Werke, die auch in buchgewerblichen Kreisen 
Beifall finden dürften, ihre Titel sollte man sich merken, 
sie lauten: „Aus Liederbüchern der Humanistenzeit“, 
eine bibliographische undjiotentypographische Studie 
von Eduard Bernouillis, und „Musikdruck mit beweg¬ 
lichen Metalltypen im 16. Jahrhundert“ von Adolf 
Thürlings. 

Daß auch die neue Generation des Hauses den 
Musikalienverlag recht sorgfältig pflegt, das erweisen 
die reich illustrierten Abschnitte „Zeitgenössische 
Tonsetzer“ und „Neubelebung alter Tonkunst“. Mit 
letzterem ist in angestrengter, opferwilliger, ideen¬ 
reicher Lebensarbeit eine lange Reihe von musi¬ 
kalischen Gesamtausgaben der größten Meister der 
Tonkunst aus fünf Jahrhunderten geschaffen worden. 
Und von den zeitgenössischen Komponisten sind 
seit Beginn des 20. Jahrhunderts viele mit Breitkopf 
& Härtel in enge geschäftliche Verbindung getreten, 
mancher gab sein ganzes Schaffen dem bedeutenden 
und geschätzten Verlagshause. 

In dem folgenden, „Das deutsche Musikhaus Breit¬ 
kopf & Härtel“ überschriebenen Kapitel schildert 
Oskar v. Hase den Vertrieb der Musikalien fremden 
wie eigenen Verlags und die dafür geschaffenen Ein¬ 
richtungen in Leipzig, das im Laufe der Zeit zum 
Mittelpunkt für den Musikalienhandel der gesamten 
Welt geworden ist. Aus diesem Verkehr mit dem 
Auslande erwuchsen der Firma zahlreiche Vertre¬ 
tungen auswärtiger Handlungen. Die darauf bezüg¬ 
lichen Mitteilungen des Verfassers sind für die 
Geschichte der Musikpflege und des Musikhandels 
in Deutschland ebenso wichtig, wie die temperament¬ 
voll geschriebenen Berichte über Breitkopf & Härtels 
Welthandel, den die eigenen Geschäfte in Brüssel, 
London und Neuyork besorgten. Die Ströme dieses 
über fremde Länder mächtig dahinfließenden Ge¬ 
schäftslebens trugen vornehmlich Erzeugnisse des 
Leipziger Hauses. 

Dessen Druckgewerbe und Überlieferungen be¬ 
schreibt der Verfasser eingehend und liebevoll in 
besonderen Abschnitten; hier kann nicht weiter darauf 


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HERRN 

PROFESSOR 

OTTOHUPP 

Bern füinfiler 

der in unvergänglicher Frifche feit manchem Jahrzehnt 
in den deutfchen angewandten Künften 
Werke von hoher Vollendung fdrafft 
❖ 

der treu den Idealen feiner Jugend anhängt 
und zu allen Zeiten Kraft genug befaß, fich zu behaupten, 
allen Wandlungen des Zeitgefchmacks zum Trotz 

Bern lüleifler 

der einem ganzen Künftlergefchlecht 
als ein Vorbild und Mufter handwerklicher Tüchtigkeit 

voranleuchtete 


SENDEN ZU SEINEM 60 . GEBURTSTAGE 
GLÜCKWUNSCH UND GRUSS 
GEBR. KLINGSPOR, OFFEN BACH A. M. 

IM MAI 1919 


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(5 r o 0 

t ft b t e ®iana ber (£ p f) e f e r 



APOSTELGESCHICHTE 19/30 


3u Ctpbefus ein ©olbfcbmteb faf) 

3n feiner "83 erstatt, podjie 
@o gut er tonnt“, ot>n“ Unterlaß, 

6o ?ierli<b er‘s oermoebte. 

9Us i^nab“ unb Jüngling fniet“ er fd)on 
9m Xempet oor ber ©ötfin Xt)ron. 

Unb f>atte ben ©ürtet unter ben Prüften, 
‘UJortn fo manche Xtere niften, 

3u £)aufe treulich naebgefeitt, 

< U3te‘s tj)m ber ^ater ?ugeteitt$ 

Unb leitete fein tunftreicb Streben 
3n frommer ‘Utotung bureb bas ßeben. 


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Original ffom 

PRINCETON UNIVERS1TY 



f)ört er beim auf einmal laut 
(Eines ©affenoottes ^Inbesbraut, 

£Us gäb‘s einen ©ott fo Im ©efilrn, 

0a hinter bes ^Henfcben alberner 6tlrn, 

0er fei olel f>errll<j)er als bas ‘UJefen, 

&n bem mir ble Breite ber ©ottfielt lefen. 

0er alte Mnftler jmr^t nur auf, 

£äf)t feinen Knaben auf ben ben £auf, 
^ellt Immer fort an f}lrfd)en unb Xleren, 

0te feiner ©ottbelt ^nlee gieren; 

Unb f>offf, es könnte bas ©lürf ll>m malten, 
3br &ngeftcf)t mtirblg ?u geftalten. 



Ws aber einer anbers galten, 

@o mag er nach Uelleben fcbaltenj 
^ur foll er nl<f>t bas ^anbmetf f4>cmbenj 
6onft mlrb er fehlest unb f<f>mäj>H4> enben. 


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PRINCETON UNIVERS1TY 



TOit 

ben ©Triften 

£iturgifd>, «^raftur unb Antiqua 
nacf) 3ei<t>nunqen oon 
PROFESSOR OTTO HUPP 
gebrutft 

oon ©ebr. K’lingfpot, 
Offenbad) 

a.m 


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Original from 

PRINCETON UNIVERS1TY 









Archiv für Buchgewerbe 


eingegangen werden, in Heft 1/2 ist schon darüber 
gesprochen worden. 

DasSchlußkapitel—mit dem Mitarbeiterverzeichnis 
— gibt Kenntnis über die „Friedensarbeit im Welt¬ 
krieg“. Auf ihr lag wie überall die schwere Zeit eines 
langen Krieges. Der Buchdruck hatte besonders 
darunter zu leiden, weniger der Musikalienhandel, 
denn der Verfasser berichtet: „Man hatte zu Kriegs¬ 
beginn ein Versagen der Nachfrage nach Musikalien 
erwartet, statt dessen ist der umgekehrte Fall ein¬ 
getreten, daß der Nachfrage nicht völlig genügt werden 
kann“. 

Damit ist in großen Zügen der Inhalt dieses wert¬ 
vollen Buches angedeutet. Ein umfangreiches Namen¬ 
verzeichnis ergänzt den reichen, mit 286 Abbildungen 
geschmückten Text. Das Buch wird besonders in 
Musiker- und Verlegerkreisen Freude bereiten. Es 
will mehr sein als eine von fremder Hand gelegentlich 
verfaßte Festschrift. Im Sinne des Verfassers als 
„ein in herzlicher Dankbarkeit für die Vorfahren und 
herzhafter Freude am eigenen Berufe abgefaßtes 
schlichtes Kulturbuch“ verwendet, wird es jedem 
ungemein nützen und das gerade in unsrer Zeit, in 


der das deutsche Volk sein zusammengebrochenes 
Wirtschaftsleben neu aufrichten soll. 

Am 26. April d. J. vollenden sich 50 Jahre, seit 
Geheimrat Oskar v. Hase bei Breitkopf & Härtel in 
Leipzig eintrat und das Erbe berühmter Vorfahren 
übernahm. In dieser langen Zeit fest auf dem Boden 
großer Traditionen stehend hat der Jubilar sich hohe 
berufliche und zahlreiche ehrenamtliche Verdienste 
auf verlegerischem und buchgewerblichem Gebiete 
erworben. Sie hier besonders aufzuzählen liegt nicht 
im Sinne der bescheidenen Art Oskar v. Hases, der 
auch sein treues, von hohen Idealen getragenes, 
ungemein fruchtbares Wirken als Leiter des Musik¬ 
verlags im Texte.der Gedenkschrift nicht erwähnt hat. 
Dankbare Nachfahren werden die eingehende Wür¬ 
digung seiner Lebensarbeit nicht versäumen und ihn, 
der jetzt nach langer, freudiger Arbeit sein Lebens¬ 
schifflein lieblichen Gestaden zuführt, in der Ge¬ 
schichte des Hauses mit kräftigen Strichen zeichnen. 
Dann wird der Anteil, den Oskar v. Hase „als Pfleger 
einer wertvollen aber bindenden Überlieferung“ an 
dem Aufbau des Musikverlags genommen hat, sich 
klar Umrissen zeigen. 


Otto Hupp 

Zum 60 . Geburtstag von Rudolf Koch 


„Glücklich wer sich vor der Welt 
ohne Haß verschließt.“ Goethe. 

s ist ein gewisser Eigensinn in der Kunst Otto 
Hupps. Er hat in einer längst vergangenen 
Zeit, als er noch ein junger Mann war, in einer 
aus der Romantik stammenden Zeitströmung, sein 
Herz verloren an die Kunst des ausgehenden Mittel¬ 
alters, an die deutsche Renaissance, die so wenig 
von Renaissance an sich hat, die vielmehr eine aus¬ 
klingende Spätgotik ist, die höchste Äußerung des 
deutschen Wesens in der Vergangenheit. Es hat 
damals, vornehmlich in München, eine größere Zahl 
der besten Künstler den Blick gewendet auf diese 
Zeit und ihre Werke. Die ganze Strömung nahm sich 
der Gewerbe mit besonderer Liebe an. Die Künstler 
wünschten nichts andres zu sein als Handwerks¬ 
meister, allerdings in dem großen Sinn der Dürerschen 
Zeit, und das war genug. Es entstanden damals, in 
den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts in allen 
Techniken des Kunstgewerbes Werke von großer 
Vollkommenheit. Ein allgemein gültiges Merkmal 
dieser Zeit ist der große Reichtum an Verzierungen, 
der alle Gegenstände, die diese Meister bildeten, 
überzog, das Unruhvolle der Erscheinung, das Wilde, 
Bewegte und Vielgegliederte des Umrisses. Die große 


Linie von der man heute viel reden hört, sucht man 
dort vergebens. Nicht daß man sie nicht hätte machen 
könneriy sondern man hat sie nicht machen wollen . 
Wir müssen uns abgewöhnen, die vergangene Zeit 
der Unfähigkeit dadurch zu bezichten, daß wir sie 
belächeln, daß heißt, daß wir meinen, wir wären klüger 
als die Voreltern. Es gibt durchaus keinen Fortschritt 
in der Kunst und die Meister dieser Zeiten hatten 
geradeso klare Augen und einen geradeso klaren 
Verstand als wir Heutigen. Das Wildbizarre, Leiden¬ 
schaftlich-Bewegte, Wogende, das Überladene dieser 
Arbeiten ist ein Austragen ganz bestimmter innerer 
Antriebe, das nicht weniger begründet ist als die 
Neigung zur Schlichtheit oder Schmucklosigkeit 
von 1910. 

Hupp war nicht der Tonangebende in diesem Kreis. 
Andre haben es ihm zuvorgetan. Aber in zwei Dingen 
war er allen überlegen. Er war jung, hatte also ein 
Leben vor sich und er hatte den Dingen tiefer auf 
den Grund geschaut als die andern. Denn als diese 
fröhlichen Zeiten der heiteren Münchner Künstler¬ 
feste längst vorüber waren und seine Freunde tot 
oder untätig oder abgeschwenkt waren, konnte ihn 
das nicht irre machender blieb der er war und ist es 
geblieben bis auf den heutigen Tag. 

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Archiv für Buchgewerbe 


Wir haben viele Wandlungen erlebt seit derZeit und 
es mag einen Späteren merkwürdig berühren, wenn 
er vom Anfang der neunziger Jahre ab den Münchner 
Kalender verfolgt, der seit beinahe 30 Jahren von ihm 
allein gezeichnet wird, der seinen Stil seit dieser Zeit 
hatund der niealtmodischund nie modern war, der aber 
immer schön, kraftvoll und lebendig geblieben ist. 
Was hat nicht alles gewirkt in der Zeit, der Jugendstil, 
Eckmann, Behrens, der Kreis der Werkbundkünstler, 
die Neuesten. Hupp hat nichts gemerkt von alledem. 
Seine breiteDerbheit, die lustige, 
behagliche Buntheit seinerOrna- 
mente, das Forsche, Schwung¬ 
volle seiner Federzüge ist und 
bleibt lebendig zu allen Zeiten. 

Er ist nicht stehen geblieben in 
der Zeit, aber er ist derselbe ge¬ 
blieben. In den Kalendern kann 
man am besten die Entwicklung 
verfolgen. Es ist eine langsame, 
stetige Reinigung und Klärung, 
wirre und kleinliche Gebilde 
finden sich nur in der ersten Zeit, 
großformige, wuchtige treten 
mehr und mehr an ihre Stelle. 

Noch gar nicht habe ich dabei 
gesprochen von der Heraldik. Es 
gibt überhaupt keinen Wappen¬ 
zeichner neben ihm. Es mag 
sein, daß auch andre Menschen 
etwas davon verstehen, zeichnen 
kann nur er solche Dinge. Auch die Wappentiere und 
die Helmdecken, die Schilde werden unter seinen 
Händen lebendig. Es ist keiner, der sich neben ihm 
auch nur behaupten könnte, ganz zu schweigen von 
den lächerlichen Versuchen, die wir erlebt haben, mit 
neuen Ausdrucksmitteln Wappenkunst zu treiben. 

Wenn man in den achtziger Jahren durch das alte 
Nürnberg ging, so sah man an allen Ecken und in den 
Wirtschaften die schönen, längst vergessenen Bier¬ 
plakate von Otto Hupp, den Mohrenkopf der Tucher- 
brauerei, den Spaten vom Spatenbräu. Damals gab 
es noch keine guten Plakate, noch keinen Plakatstil. 
Die gelegentlichen Ausstellungsplakate waren mit 
den seltensten Ausnahmen wirres Zeug mit schlechten 
Allegorien. Hupp führte eine derbe Rohrfeder oder 
einen kräftigen Pinsel. Schlichte Anlage, Großformig- 
keit im einzelnen, schlagkräftige Kürze des Aus¬ 
druckes, die Farbe wie immer, lebendig und lustig. 
Diese Plakate würden heute neben dem Besten einen 


Ehrenplatz haben. Ich erinnere mich eines Innen¬ 
plakats für Tucherbier in kleiner Abmessung, nur 
aus drei Schriftzeilen bestehend. Dieses Blatt, ohne 
alles Bild in edelster Harmonie von Farbe und 
Form hat auf uns junge Kunstschüler mehr gewirkt 
als einJahrUnterricht an derKunstgewerbeschule.Otto 
Hupp war in diesen Jahren und noch lange darüber 
hinaus der einzige gute Schriftzeichner, den Deutsch¬ 
land hatte, und er ist noch heute einer der besten. 

Zu derselben Zeit entstanden seine kecken Male¬ 
reien in einer auf der alten 
Stadtmauer errichteten Bierwirt¬ 
schaft, in den tiefen Fenster¬ 
nischen Rankenwerk mit Tieren 
und Vögeln, dazwischen eine Ge¬ 
weihsammlung auf der großen 
geweißten Wand unter der ge¬ 
wölbten Decke. Das waren die 
wenigen Augenblicke, wo uns 
armen, lernbegierigen Knaben 
in dieser nüchternen Zeit die 
Kunst aufging an einem Leben¬ 
den, die wir sonst immer nur, ach 
mit schwerer Mühe, in der Ver¬ 
gangenheit suchen mußten. 

Hupp stammt aus dem Hand¬ 
werk. Was hat dieser Mann 
gearbeitet! Er beherrscht noch 
heute mehr handwerkliche Tech¬ 
niken als irgendein andrer 
deutscher Künstler und eine 
ganze Reihe davon wird von niemandem sonst noch 
ausgeübt, er malt irdene Teller und kostbares Perga¬ 
ment, graviert, ziseliert, emailliert, schnitzt, vergoldet 
und was er sonst noch für besondere Fertigkeiten hat 
und findet noch Zeit für ausgebreitete geschichtliche 
und kunstgeschichtliche Studien. 

Wenn ein Mann wie Otto Hupp durch 40 Jahre 
hindurch sein bestimmt ausgeprägtes Gesicht behält, 
und er ist in der Zeit nicht eingetrocknet zu einer 
Mumie, so muß eine starke Lebenskraft inihmwohnen 
und er muß sehr tief verankert sein. 

Denn alles Gute ist eine Frage der Kraft. 

Seine Kunst ist unvergänglich, sie atmet trotz alter¬ 
tümlicher Manieren die freie Luft des Tages. Wohl 
hält der Meister den Blick nach rückwärts gewendet, 
aber weil eine starke Seele in ihm wohnt, bleiben 
seine Werke jugendfrisch und der heute Sechzig¬ 
jährige blickt froh und hoffnungsvoll einem jugend¬ 
frischen Alter entgegen. 



Otto Hupp 


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Archiv für Buchgewerbe 


Mitteilungen aus der buchgewerblichen Praxis 


Verläufe an Netzätzungen. An Abbildungen von Ma¬ 
schinen, Werkzeugen und manchen andern Dingen, deren 
Reproduktion in Netzätzung geplant ist, wird häufig vom 
Positivretuscheur im Original der Fußboden oder der Hinter¬ 
grund verlaufend abgetönt. In der Netzätzung lassen sich 
die Grenzen des Verlaufes nur so weit hell treiben, daß der 
einzelne Punkt einen Kegel mit ganz feiner Spitze als Druck¬ 
element zeigt. Um eine weitere Auflichtung an den Rändern 
zu erlangen, wird in der chemigraphischen Anstalt meist 
vom Nachschneider die Ätzung noch bearbeitet. Mit dem 
Fadenstichel durchschneidet er in einem Winkel zur Raster¬ 
linie den Rasterton etwa einen halben Zentimeter breit. 
Dadurch sollen manche Punkte ganz verschwinden oder 
noch mehr verkleinert werden. Dabei wird von innen nach 
außen, also nach dem Rande zu geschnitten. Auch eine 
zweite, entgegengesetzte Strichlage kann nach Bedarf zur 
Anwendung kommen. 

Mancher Nachschneider übt bei dieser Arbeit am Rand 
besonders starken Druck aus, um die Grenze herunterzu¬ 
arbeiten. Mitunter kommt es abervor, daß anstelleeinzelner 
Punkte durchschnittene Punktkegel stehenbleiben. Die 
dadurch gebildeten Formen haben in der Regel längliche 
Gestalt. Es passiert auch, daß der Nachschneider so stark 
aufdrückt, daß der Grund der Fadenstichelbahnen die neu¬ 
gebildeten Spitzen gleichzeitig abschleift. In dieser Weise 
nachgeschnittene Verläufe bereitenspäterim Druck Hinder¬ 
nisse. Der Rand ist dann nicht immer durch zweckmäßige 
Zurichtung genügend verlaufend druckbar zu machen. Ja, 
es kommt vor, daß gerade die äußerste Grenze als Punkt¬ 
linie noch mitdruckt. Besonders an Galvanos zeigt sich 
dieser Nachteil öfter. Mancher Drucker zieht deshalb 
Ätzungen vor, bei denen der Verlauf nicht überschnitten 
wurde. Verschiedentlich kamen auch Ätzungen zur Ver 
Wendung, bei denen der Verlauf auf der Schmirgelscheibe 
unterschliffen worden war. In solchen Fällen sollte die 
Facette allerdings verschont geblieben sein, da diese 
sonst zu dünn und wenig widerstandsfähig ist. Ob durch 
eine derartige Bearbeitung der Platte eine Erleichterung 
beim Druck erreicht wird, ist noch nicht erwiesen, da Er¬ 
fahrungen darüber bisher nicht bekannt gemacht sind. 
Die Mängel überschnittener Verläufe treten besonders bei 
Nachdrucken in die Erscheinung, so daß durch nochmalige 
Überarbeitung mit dem Stichel oder dem Roulett Abhilfe 
gesucht werden muß. An Galvanos läßt leider die dünne 
Kupferhaut nur in beschränktem Maße eine Nachhilfe mit 
dem Stichel zu. 

Wenn der Verlauf groß genug ist und die Punkte beim 
Ätzen in etwas breiter Zone äußerste Spitzen erhalten, so 
kann der Drucker ohne besondere Schwierigkeiten allein 
durch Plattenunterlegung und Zurichtung von oben einen 
weichen Übergang vom Punktton zum Papierton erlangen. 
Bei kurzen Verläufen ist dies freilich von vornherein aus¬ 
geschlossen, und daran kann ein geschickter Nachschneider 
durch verständnisvolle Bearbeitung guteWirkungen schaffen. 
Notwendig ist dabei, daß auf den Charakter der Abbildung 
Rücksicht genommen wird. Handelt es sich z. B. darum, 
eine vorhandene rechteckige Ätzung einer Landschaft in 


eine vignettierte Druckplatte umzu wandeln, so wird zunächst 
das Bild in der gewünschten Ausdehnung mit Hilfe der 
Fräsmaschine begrenzt. Nachdem kann der Nachschneider 
die Randzone in der Weise überschneiden, wie der Holz¬ 
schneider früher vignettierte Druckstöcke herstellte. Dabei 
sind die Strichlagen dem Charakter des Bildes anzupassen. 
Auch ist es zweckmäßig, einen gleichmäßig gerundeten 
Bildabschluß zu vermeiden, da so geformte Grenzen zu 
langweilig wirken. Vielmehr kann die Bildgrenze durch 
Einbuchtungen an geeigneten Stellen interessanter gestaltet 
werden. Ferner trägt wechselndeTonstärke viel zur Belebung 
der Abbildung bei, es braucht doch nicht immer ein gleich¬ 
mäßig heller Ton das Bild abzuschließen. Natürlich ist zu 
alledem zeichnerische Fähigkeit und Empfinden für Bild¬ 
wirkung notwendig. 

Außer Ätzungen von landschaftlichen Darstellungen 
können auch andre Objekte in ähnlicher Weise begrenzt 
werden. Ein zwingender Grund liegt nicht vor, an allen 
Ätzungen mit Verlauf unbedingt einen unsichtbaren Über¬ 
gang zum Papierton zu schaffen. Dies hängt lediglich von 
der Geschmacksrichtung ab. Ja, das heutige Bestreben, 
zur Ersparung von Metall die Verläufe möglichst knapp zu 
nehmen, läßt Begrenzungen in der angedeuteten Weise vor¬ 
teilhaft erscheinen. Jedenfalls würde damit auch manchem 
Drucker eine Erleichterung seiner Arbeit geboten. K. 

Satzbinder „Ich kann’s“. Dergroße Verschleißan Aus¬ 
bindeschnuren, bzw. der gänzliche Mangel dieser während 
des Krieges, hat schon viele Erfinder nach Satzschließern 
auf den Plan gerufen, ohne daß es jedoch einem von ihnen 
gelungen wäre, etwas wirklich Brauchbares zu schaffen, 
etwas, was die Ausbindeschnur tatsächlich entbehrlich 
macht. Auch der Satzbinder „Ich kann’s“ macht hiervon 
keine Ausnahme. Er besteht aus einer eisernen, etwa 
drei Cicero starken Hohlecke, in der sich auf zwei Spulen 
ein Stahlband gewickelt befindet. Beim Gebrauch wird das 
Band genügend lang abgerollt, um den Satz gelegt, die 
Eisenecke an der rechten oberen Satzecke angesetzt und 
nun mit einem Schlüssel das Band wieder auf die Spulen 
gerollt, an denen Sperrädchen mit Klinken die Lockerung 
des fest angezogenen Stahlbandes verhindern. Ecke und 
Band bleiben nun am Satz und werden beim Druck mit in 
die Form geschlossen. Das Band läßt sich vor allem nicht 
so fest anziehen, wie gut ausgebundener Satz es verlangt, 
aber selbst wenn man diese Gewalt anwenden würde, bekäme 
das Band durch die Satzkanten derartig scharfe Knicke, 
daß es nach kurzem Gebrauch brechen würde. Ein weiterer 
Übelstand scheint uns noch darin zu liegen, daß die eiserne 
Ecke bei schmalen Formaten stören wird, so daß sie entfernt 
werden müßte, und damit würde der Vorteil des Satzbinders 
überhaupt gegenstandslos. Schließlich kommt noch der 
Preis in Betracht, der allerdings mäßig ist (M 1.25 für das 
Stück, das Metallband der Meter 5 Pf.), aber bei großem 
Bedarf doch allerhand Kosten verursacht. InderNeuheiten- 
abteilung der Technischen Sammlungen des Deutschen 
Buchgewerbevereins liegt ein Stück des neuen Satzbinders 
zurEinsichtnahme aus, der Vertrieb erfolgt durch dieFirma 
E. R. Schnorbus, Hamburg, Klostertor 3. F. 


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Buchgewerbliche Rundschau 

* Vom Deutschen Buchgewerbeverein. Im April gelangten inwieweit ein schnellerer Arbeitsgang zu erreichen ist. Bei 
in den Räumen des II. Obergeschosses des Buchgewerbe- Setzmaschinensatz sei eine Vorbehandlung unumgänglich 
hauses die Diplome und Glückwunschschreiben zur Aus- notwendig, wenn nicht kostspielige Aufenthaltsstunden ent- 
stellung, die der Firma Breitkopf & Härtel zur Feier des stehen sollen. —Am 2. April sprach Herr H. Süßespeck über 
zweihundertjährigen Bestehens von Behörden und Vereinen die Aufgaben des Faktors in Buchdruckereien. Es wurden 
gewidmet worden waren. Es handelte sich dabei um künstle- dabei die notwendigen persönlichen und technischen Eigen¬ 
risch wie drucktechnisch wertvolle Blätter, die besonders schäften des Buchdruckereileiters aufgezählt und daneben 
in den Kreisen der Angehörigen der graphischen Gewerbe, im besonderen auch die Frage erörtert, ob der Werk- oder 
von denen die Ausstellung stark besucht war, viel Interesse Akzidenzsetzer oder der Drucker für die Bekleidung des 
fanden. Unter den mit gezeigten Mappen waren auch einige, Faktorpostens geeigneter sei. Man stimmte darin überein, 
die wirkliche Meisterwerke der Buchbinderkunst genannt daß je nach der Art des Betriebes und der Eigenart der 
werden konnten. Im Anschluß an die Diplome waren dann Arbeiten, die darin hergestellt werden, dieser oder jener Be- 
noch ältere bemerkenswerte Erzeugnisse der Firma ausge- rufsgenosseAnwartschaft auf denFaktorposten haben könne, 
stellt, so Proben der längst aufgegebenen Tapetenfabrik, Im allgemeinen pflege man jetztneben einem Druckereileiter 
handgesetzte Landkarten usw.— Zu Kantate (18. Mai) konnte für die Setzerei und für die Druckerei je einen selbständigen 
trotz der erschwerten Verkehrsverhältnisse rechtzeitig die Faktor anzustellen, da sich wohl nur selten beide Ämter in 
Ostermeß- und Jahresausstellung eröffnet werden, die vom einer Persönlichkeit vereinigen lassen. —Eine Besichtigung 
Buch- und Kunstverlag reich beschickt worden ist. Auch des Deutschen Kulturmuseums unter Führung des Herrn 
Verleger aus Österreich und der Schweiz haben sich mit Museumsdirektor Dr. A. Schramm erfolgte am 23. März, 
ihren Verlagswerken eingefunden. Die Fülle wertvoller während am 2. März bereits eine Besichtigung der Zentral- 
Veröffentlichungen zeigt, daß trotz der schweren Zeit der bücherei für Blinde unter der Führung von Frau Marie 
deutsche Verlagsbuchhandel Hervorragendes geleistet hat. Lomnitz-Klamroth stattgefunden hatte. — Am 16. April sprach 
Wenn auch besonders bei der schönen Literatur das ver- HerrH.Äup/er über das zweckmäßige Arbeiten imMaschinen- 
wandte Papier manchmal an Güte etwas zu wünschen übrig saal unter Berücksichtigung der immer noch herrschenden 
läßt, so ist doch im allgemeinen die Ausstattung ziemlich Betriebserschwernisse. — Die Sitzung vom 30. April war 
auf der Höhe geblieben. Der Kunsthandel ist wieder durch einer umfangreichen Ausstellung gewidmet und zwar hatte 
viele neue schöne Blätter vertreten. Am Eingang sind in eine Anzahl Mitglieder ein äußerst interessantes Material 
Glasschränken Erzeugnisse edler Handbuchbinderkunst an Drucksachen aus Felddruckereien und aus Feindesland 
ausgestellt, die den Leistungen der beteiligten Leipziger zu Verfügung gestellt. Die Herren H. Ludwig und A.Piehler 
Firmen alle Ehre machen. Die Ausstellung wird noch den gaben zu dem Ausgestellten interessante Erläuterungen, 
ganzen Sommer über geöffnet bleiben.— Am 16. Mai fand Im besonderen fesselten die zahlreichen ausgezeichneten 
die 31. Hauptversammlung des Deutschen Buchgewerbe- Druckarbeiten aus der verflossenen Druckerei der 10. Armee, 
Vereins statt, über die noch in einem besonderen Artikel ebenso die ausgestellten etwa hundert verschiedenen Feld¬ 
berichtet werden wird. Es ist dabei einstimmig beschlossen Zeitungen aus dem Osten und Westen. Auch eine große 
worden, angesichts der außerordentlichen Steigerung aller Anzahl altfranzösische Druckblätter in schöner, stilvoller 
Spesen den Mitgliedsbeitrag für 1920 auf M 30.— zu erhöhen. Ausführung waren ausgelegt. Hierneben hatte Herr J.Kutzer 

* Typographische Gesellschaft zu Leipzig . Über die Ver- die gesamten Feldposteingänge, die die Gesellschaft von 

anstaltungen in den letzten Wochen ist folgendes zu be- ihren Mitgliedern erhalten hat, etwa 3000 Stücke, übersicht¬ 
richten: Am 13. Februar hielt Herr E. Kollecker einen Vor- lieh ausgestellt. Die Gruppe der photographischen Auf¬ 
trag über den neuen Buchdruckpreistarif und zwar machte nahmen war besonders bemerkenswert. Zu jeder Gruppe 
der Vortragende die zahlreich versammelten Mitglieder zu- wurden seitens der genannten Herren Berichte erstattet. — 
nächst mit den hauptsächlichsten Abschnitten des Tarifs, Am 26. April wurden dem Ehrenmitgliede der Gesellschaft 
soweit die Satzberechnung in Frage kommt, vertraut und Herrn Geheimrat Dr.v.//ase seitens derGesellschaftGlück- 
zwar unter Berücksichtigung der Lohnsteigerungen sowie wünsche zu seinem 50jährigen Tätigkeitsjubiläum in der 
Teuerungszuschläge, die seit einiger Zeit Platz gegriffen Firma Breitkopf & Härtel überbracht. — In der Sitzung am 
haben. Am 26. Februar folgte der zweite Teil des lehrreichen 21. Mai hielt der Vorsitzende Herr H. Schwarz einen Vortrag 
und zeitgemäßen Vortrags, der die Abteilung Druckberech- über Lehrlingsordnungen in alter und neuer Zeit. In einem 
nung betraf. Auch dieserTeil des Vortrags fand berechtigtes der nächsten Hefte des Archivs wird dieser Vortrag aus- 
Interesse, da die Druckpreise und sonstigen Herstellungs- zugsweise wiedergegeben werden. -a.- 

arbeiten ganz erheblich von den neuen Veränderungen * Berliner Typographische Gesellschaß. Das Vereinsleben 
betroffen werden. Im Zusammenhang mit vorstehenden hatte recht erheblich unter dem Einfluß des Weltkrieges 
Vorträgen stand ein solcher des Herrn R.Seiffert über die zu leiden; mehr als die Hälfte derMitgliederwarzumHeeres- 
Vorbehandlung der Manuskripte. Es wurde hierbei auf den dienst eingezogen. Dessenungeachtet setzte die Gesell- 
nicht zu unterschätzenden Wert einer sachgemäßen Vor- schaft ihre Tätigkeit ohne Einschränkung fort und suchte 
bereitung oder Vorbehandlung der Werk- und Akzidenz- auch dieVerbindung mit den im Felde stehenden Mitgliedern 
manuskripte hingewiesen und an zahlreichen Beispielen durch Feldpostsendungen und die Veröffentlichung von 
bewiesen, welche Vorteile und welche Ersparnis an Arbeits- Mitteilungsblättern aufrecht zu erhalten. Erfreulicherweise 
stunden durch eine solche Arbeit erzielt werden kann und hat der Mitgliederstand seit Beginn des neuen Jahres nicht 

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nur durch die Rückkehr der Krieger, sondern auch durch 
etwa 40 Neuanmeldungen einen solchen Zuwachs erhalten, 
daß der Buchgewerbesaal kaum genügend Raum für die 
Besucher der Versammlungen bietet. Die in der letzten 
Zeit gehaltenen Vorträge beschäftigten sich u. a. mit dem 
Thema „Aus dem Wissensgebiet des Druckereileiters“ und 
behandelten in knappen Umrissen die Unterrichtsfächer 
der demnächst wieder beginnenden Vorbereitungskurse 
für die Meisterprüfung im Buchdruckgewerbe, deren 
Durchführung die Berliner Handwerkskammer der Typo¬ 
graphischen Gesellschaft übertragen hat. In der letzten 
SitzungwurdealstechnischeNeuheiteinneuerSatzschließer 
„Kolumnia“ vorgeführt: zwei lange, an den Enden zum 
Ineinanderstecken eingeschnittene eiserne Winkel bilden 
zusammengesetzt das Format einer Kolumne. Die Befesti¬ 
gung erfolgt durch eine Spiralfeder, die sich so weit um 
die Kolumne herumlegt, daß der eingeschlossene Satz ge¬ 
nügende Festigkeit erhält. Die Spiralfeder wird durch mit 
einer Nute versehene Hohlstege verdeckt. Der vorgeführte 
Satzschließer im Format 28:46 Cicero läßt sich so weit aus¬ 
einanderschieben, daß das Format in Höhe und Breite bis zu 
drei Cicero vergrößert werden kann. Die Erfindung wurde 
als praktisch verwendbar anerkannt, indessen dürfte der An¬ 
schaffungspreis von M 1.50 für die Kolumne der allgemeinen 
Einführung für den Werkdruck hinderlich sein. -r.- 
♦ Typographischer Klub Erfurt. Nach langjähriger Pause 
konnte auch unser Klub am 14. Februar wieder seine erste 
ordentliche Mitgliederversammlung abhalten, welche von 
zahlreichen Kollegen besucht war. Der inzwischen wieder 
vom Heeresdienste zurückgekehrte Vorsitzende, Kollege 
Bornemann begrüßte mit warmen Worten die aus dem Felde 
in unsrer Mitte weilenden, sowie alle anwesenden Kollegen 
und gedachte im Anschluß daran der während des Welt¬ 
krieges gefallenen und der noch in Gefangenschaft befind¬ 
lichen Kollegen. 23 Opfer hatte der Krieg von unsern Klub¬ 
mitgliedern gefordert: es sind dies die Kollegen Brandt, 
Albrecht, Dießner, Fischmann, Edler, Aug. Frank, Schöne¬ 
mann, Seifert, Wienert, Koch, Wuchhold, Grohmann, Haun, 
Ufner, Götze, Gründling, Gruthoff, Martini, Scheit, Georg 
Schneider, H. Weidemann, Herrn.Dietrich, Zörbel, sowie 
unser früherer Mitbegründer des Klubs, der weit und breit 
bekannte KollegePauli. Dann gab KoUegeAbicht einen kurzen 
Rückblick betr. des Geschäftsganges des Klubs während 
der Kriegsjahre und schilderte, wie schwer es war, unsern 
Klub während dieser Zeit am Leben zu erhalten. Nachdem 
der stellvertretende Vorsitzende, Kollege Hampel allen 
denen, die durch ihre tatkräftige und selbstlose Unter¬ 
stützung es ermöglichten, unsern Klub während der langen 
Kriegsjahre über Wasser zu halten, herzlich gedankt hatte, 
wurde zur Neuwahl des Gesamtvorstandes geschritten, aus 
der die Kollegen Bornemann als 1. Vorsitzender, Hampel 
als 2. Vorsitzender, Schreiner als Kassierer und Dingelstedt 
als Schriftführer hervorgingen. Die technische Kommission 
setzt sich aus den Kollegen Abicht, Hertel, Hahn und Jenner 
zusammen. Kollege Schulter wurde als 1. Bibliothekar 
und Kollege Dietrich als 2. Bibliothekar gewählt. Eine 
Besprechung einer reichhaltigen Rundsendung über 
Johannisfest-Drucksachen und daran anschließende Dis¬ 
kussion füllte den übrigen Abend aus. — Am 14. März ver¬ 
anstaltete der Typographische Klub einen „Bernhard- 
Abend“, an welchem graphische Arbeiten des Künstlers 


undGraphikers Lucian Bernhard ausgestellt und besprochen 
wurden. In einem lehrreichen und interessantenVortrageging 
derReferent auf das Werden und Schaffen Lucian Bernhards 
und seiner Erzeugnisse ein und an Hand der ausgestellten 
Arbeiten wies der Kollege auf die äußerst reizvolle Wirkung 
hin, welche die Schöpfungen in ihren eigenartigen, sinn¬ 
reichen Kompositionen und harmonischen Farbenzu¬ 
sammenstellungen hinterlassen. Ohne Zweifel ist Lucian 
Bernhard einer der führendsten Graphiker der Gegenwart 
und Zukunft. Am selben Abend wurde beschlossen, an den 
nun folgenden Vereinsabenden Aufgaben und Prüfungen 
aus den sich täglich ergebenden Arbeiten zu stellen, z. B.: 
Ausschießen usw. — An dem am 21. März stattfindenden 
Vereinsabend referierte Kollege Bornemann über „Streif¬ 
züge aus der Praxis“ und besprach im allgemeinen die 
typographischen Grundregeln des modemenWerk-, Katalog- 
und Inseratensatzes. Durch gesammeltes Anschauungs¬ 
material minderwertigerer, sowie besserer Art wies der 
Referent nach, daß gerade dieses Kapitel beruflicher Tätig¬ 
keit noch manches zu wünschen übrigläßt. — Vereinsabend 
vom 4. April 1919. Zum ersten Male seit Bestehen des 
„Typographischen Klubs“ fand am 4.4.19 im Vereinslokale 
mit dem hiesigen Maschinenmeister-Verein eine gemein¬ 
same Sitzung statt und es wurde beschlossen, allmonatlich 
eine gemeinsameZusammenkunft allerhiesigengraphischen 
Sparten herbeizuführen. In einem vortrefflichen Referat 
wies Kollege Bornemann im Interesse der beruflichen Fort¬ 
bildung auf den unbedingten Zusammenschluß aller gra¬ 
phischen Spartenvereinigungen hin. Bedingt durch die 
besondere Spezialisierung der Arbeitsweise im graphischen 
Gewerbe, sowie durch das ständige Vorwärtsstreben und 
Neuerungen im Berufe ist ein ferneres Zusammenwirken 
dereinzelnen Sparten im Interesse derKollegen unerläßlich 
und für die gesamte Gehilfenschaft segensreich. Mögen 
sich diesem neuen Schritte die Wege ebnen und uns ein 
dauerndes Zusammenarbeiten zum Wohle unsrer Kollegen 
beschieden sein. Dg. 

* Frankfurt a. Main. In der Typographischen Gesell¬ 
schaft Frankfurt a. Main ging das Vereinsleben in den 
Monaten März und April langsam einer Besserung entgegen. 
Der Besuch der Veranstaltungen war weitaus besser und 
es machte sich nötig, einen größeren Versammlungsraum 
in Anspruch zu nehmen. Eine Agitation zur Aufnahme 
neuerMitgliederhatte den Erfolg, daß sich etwa60 Personen 
neu anmeldeten. Es werden wieder in Zwischenräumen 
von ungefähr 14Tagen Vereinsabende abgehalten und sollen, 
wenn das Interesse an der technischen Weiterbildung so 
stark anhalten wird, zu Eingang des nächsten Winterhalb¬ 
jahres auch wieder technische Lehrgänge abgehalten 
werden. In der Versammlung vom l.MärzwurdedieNormen- 
frage im Buchgewerbe zur weiteren Erörterung gebracht, 
wobei hinsichtlich der Papierherstellung zum Ausdruck 
kam, daß bei den Papieren eine bestimmtere Klassifizierung 
hinsichtlich der Eigenschaften gewisser Papiere vor¬ 
genommen werden müßte.—Die Versammlungvom 15.März 
brachte einenVortragdesVorsitzendenSprathoffüber„Unsre 
nächsten Aufgaben“. Er legte in dem Vortrag der Versamm¬ 
lung das Programm des Vorstandes vor, nach welchem der¬ 
selbe zu arbeiten gedenke. Am gleichen Abend war eine 
Rundsendung„PragerDrucksachen“zurAusstellung gelangt, 
über welche Kollege Hohmann referierte. Schließlich wurde 


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noch eine Besprechung der letzten Hefte der graphischen 
Fachliteratur vorgenommen. — Am Dienstag den 25. März 
fand in der Geschlechterstube des Rathauses ein Licht¬ 
bildervortrag des bekannten Buchkünstlers Rudolf Koch 
(Olfenbach) statt, der „Die Schönheit der Druckschrift“ 
behandelte. — Am 29. März und am 12. April wurden in den 
Vereinsabenden die Neuheiten der Schriftgießereien 
Deutschlands zur Ausstellung gebracht und durch Mit¬ 
glieder der technischen Kommission besprochen. —Da die 
Veranstaltungen zur technischen Weiterbildung der Ge¬ 
hilfenschaft erhebliche Mittel in Anspruch nehmen und 
da es wünschenswert ist, daß die Bewegung in immer 
weitere Kreise getragen wird, soll im Herbst eine erneute 
Werbung von Mitgliedern vorgenommen werden. 

* Berliner Buchgewerbesaal. Der nunmehr 18 Jahre 
hindurch segensreich wirkende, der Pflegschaft des Deut¬ 
schen Buchgewerbevereins unterstellte Buchgewerbesaal 
wurde im letzten Geschäftsjahre mehr als in den vorher¬ 
gehenden Kriegsjahren durch den Weltkrieg und seine 
Folgen in Mitleidenschaft gezogen. Die aus freiwilligen 
Beiträgen buchgewerblicherKorporationen und graphischer 
Betriebe bestehenden Einnahmen betrugen M 3918,50, die 
Ausgaben bezifferten sich auf M 4130,78. Der Buchgewerbe¬ 
saal bietet der jüngeren Generation des gewerblichen Nach¬ 
wuchses vielfache Gelegenheit zur fachlichen Weiter¬ 
bildung; seine Erhaltung liegt deshalb im Interesse des 
Gesamtgewerbes und sollte durch Gewinnung neuer opfer¬ 
williger Freunde gefördert werden. Anmeldungen zur 
Leistung freiwilliger Beiträge werden an Herrn Martin 
Oldenbourg, Berlin SW 48, Wilhelmstraße 10 erbeten, -r.- 

* Fachgewerbeschule der Innung Dresdner Buchdruckerei- 
besitzer. Der vom Schulleiter der Fachgewerbeschule der 
Innung der Dresdner Buchdruckereibesitzer erstattete 
Jahresbericht gibt Zeugnis für die rege Tätigkeit der Schule 
im Schuljahre 1918/19, die trotz der Erschwerung, die die 
Kriegszeit mit sich brachte, ohne jede Kürzung durchgeführt 
werden konnte. Es wurden wöchentlich 70 Stunden erteilt. 
Neben dem Unterricht hatten auch Besichtigungen zweier 
größerer Dresdner Druckereien stattgefunden. Das Schul¬ 
jahr schloß mit einem Wettbewerb der ersten Klassen im 
Entwerfen von Geschäftsdrucksachen und im Schneiden 
von Tonplatten, bei dem eine Anzahl Geldpreise für gute 
Arbeiten zur Verteilung kommen konnten; außerdem wurden 
einer Anzahl von Schülern wegen besondern Fleißes auf 
Vorschlag des Lehrkörpers Auszeichnungen zuerkannt. 

* Bund der deutschenGebrauchsgraphiker. Die angewandte 
Graphik hatte sich in den letzten Jahrzehnten zu einem 
selbständigen Zweig der bildenden Kunst entwickelt; 
während jedoch die Maler, Bildhauer und Kunstgewerbler 
sich längst beruflich zusammengeschlossen haben, fehlte 
den Graphikern bisher ein solcher beruflicher Zusammen¬ 
schluß. Dazu haben sich nun gegen 50 der bekanntesten 
Gebrauchsgraphiker unter der Führung der Maler Hadank, 
Egler, Keune, Wagner und Wiertz vereinigt und den „Bund 
der deutschen Gebrauchsgraphiker“ gegründet. Der Bund 
verfolgt dasZiel, den Stand derGebrauchsgraphiker zu heoen 
und ihre besonderen wirtschaftlichen und künstlerischen 
Interessen zu vertreten. Die Geschäftsstelle des Bundes, 
deren Leitung Herrn Regierungs-Baumeister Hans Meyer 
anvertraut ist, befindet sich in Charlottenburg 2 , Kant¬ 
straße 159. 


* Jubiläen. Den seltenen Gedenktag ihres 100jährigen 

Bestehens durfte die Firma Ferd. Flinsch G. m. b.H., Papier- 
Großhandlung, am 20. April feiern. In richtiger Erkenntnis 
der Bedürfnisse seinerzeit hatte vor 100Jahren Ferdinand 
Traugott Flinsch, aus altem Papiermacher-Geschlechte aus 
Doos bei Nürnberg stammend, in Leipzig, als dem Mittel¬ 
punkt des deutschen Buchhandels und Buchgewerbes, eine 
Papierhandlung eröffnet, in die bald seine Brüder mit ein¬ 
traten. Aus kleinen, bescheidenen Anfängen hat sich die 
Firma allmählich, dank derTüchtigkeit ihrer Leiter, zu ihrer 
jetzigen Größe entwickelt und sich durch ihre Häuser in 
Berlin, Hamburg, Königsberg, Stettin, Frankfurt, Stuttgart, 
München, Düsseldorf Weltruf errungen. Aber nicht bloß 
auf dem Gebiet der Verbreitung des Papiers hat sich die 
Firma große Verdienste erworben, sondern auch in der 
Herstellung des wichtigen Stoffes selbst durch die Fabrik¬ 
gründungen in Penig und Blankenberg. Der Name des ver¬ 
storbenen Leiters des Leipziger Hauses, Herrn Heinrich 
Flinsch, wird für alle Zeiten in der Geschichte des Deutschen 
Buchgewerbevereins, dessen Ehrenmitglied er war, an 
hervorragender Stelle stehen, da ersieh um den Verein seit 
seiner Gründung viele Jahre hindurch als erster Schatz¬ 
meister unvergeßliche Verdienste erworben hat. Seinen 
Sohn, Herrn Gustav Flinsch, darf nun der Deutsche Buch¬ 
gewerbeverein als seinen Nachfolger in dem Ehrenamt des 
ersten Schatzmeisters begrüßen. Ihm überbrachte der erste 
Vorsteher am Jubeltage namens des Deutschen Buch¬ 
gewerbevereins die herzlichsten Glückwünsche und über¬ 
reichte zum bleibenden Gedenken eine typographisch schön 
ausgestattete Glückwunschurkunde. — Der Verlag von 
Friedr. Wilh. Grunow feierte am l.Mai dieses Jahres sein 
lOOjähriges Bestehen. Im Jahre 1819 eröffnete Fr. Ludwig 
Herbig in Leipzig eine Verlagsbuchhandlung, die dann 1839 
sein Neffe, Friedr. Wilh. Grunow, übernahm und der er im 
Laufe der Zeiten seinen eigenen Namen gab. Der Verlag 
pflegte fast alle Gebiete der Literatur und hat sich be¬ 
sonders als Herausgeber gediegener, vornehmer Geschenk¬ 
literatur einen glänzenden Ruf erworben. In den achtziger 
Jahren war es der damalige Besitzer der Firma, Johannes 
Grunow, der auch mit Bezug auf gediegene Buchausstattung 
als einer der ersten in Deutschland neue Wege beschritt 
und damit auf das gesamte Buchgewerbe befruchtend wirkte. 
Johannes Grunow verdankt auch die ganze deutsche Schrift¬ 
stellerwelt ein Erwachen des deutschen Sprachgefühls; 
denn gemeinsam mit seinem Freunde Gustav Wustmann, 
dem Verfasser der bekannten Sprachdummheiten, kämpfte 
er für einen reinen, deutschen Stil in den von ihm heraus- 
gegebenen„Grenzboten“. Die imVerlag erschienenenWerke, 
auf deren stilistische Reinheit Johannes Grunow persönlich 
größten Einfluß hatte, zählen deshalb mit Bezug auf Schön¬ 
heit der Sprache zu den besten Erzeugnissen der deutschen 
Literatur. — Herr Buchdruckereibesitzer H. Hohmann in 
Darmstadt darf am 20. Mai in voller Frische sein 50jähriges 
Berufsjubiläum als Buchdrucker feiern. Der Jubilar, der 
durch seine vielen geschäftlichen Reisen und seine reiche 
schriftstellerische Tätigkeit unter den Berufsgenossen weit 
bekannt ist, darf mit Stolz auf die schöne Entwicklung seiner 
Buch- und Steindruckerei zurückblicken. Wr. 

* Jubiläum. Herr Prokurist Heinrich Schwarz ist 25 Jahre 
erster Vorsitzender der Typographischen Gesellschaft zu 
Leipzig. Diese Mitteilung dürfte die buchgewerblichen 


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Kreise über Deutschlands Grenzen hinaus interessieren. 
Herr Schwarz wurde 1891 in den Vorstand gewählt und über¬ 
nahm 1895 nach dem Rücktritt des bisherigen ersten Vor¬ 
sitzenden, des vor kurzem verstorbenen Herrn A. Merz, 
die Leitung der Typographischen Gesellschaft. Seiner 
ungewöhnlichen Tatkraft und unermüdlichen Schaffens¬ 
freudigkeit ist es zu danken, daß die Typographische Ge¬ 
sellschaft ihren Zielen: Pflege, Vervollkommnung und 
Verbreitung von Fachkenntnissen in Berufskreisen und die 
dadurch zu erzielende Hebung der Buchdruckerkunst im 
allgemeinen, erfolgreich im Sinne der Gründer zustreben 
konnte. Die Typographische Gesellschaft hat unter der 
zielbewußten Leitung seines verdienstvollen Vorsitzenden 
eine unvergleichliche Entfaltung und die derzeitige hoch¬ 
geachtete Stellung im Buchdruckgewerbe erreicht. Sie ver¬ 
anstaltet ihm zu Ehren am22.Juni eine festlicheMorgenfeier 
im Deutschen Buchgewerbehause. Möge es dem verehrten 
Jubilar noch lange vergönnt sein, als Führer an der Hebung 
und Förderung des Buchgewerbes tätig teilzunehmen. 

* Groteskschrift Koralle von J. G. Scheiter & Giesecke , 
Leipzig. Mit dem Erscheinen dieser Schrift erfährt die große 
Auswahl der auf dem Markt befindlichen Steinschriftschnitte 
eine beachtenswerte Bereicherung. Es ist hier angestrebt 
worden, die groteske steife Form durch gefällige Abrundung 
zu beeinflussen, in ähnlicher Weise wie dies Vorjahren bei 
den Sezessionsschriften bereits der Fall war. Die Koralle¬ 
schrift vermeidet aber durchaus die Entgleisung gebogener 
und geschwungener Linien in den Buchstabengerüsten, wie 
sie die Sezessionsschriften aufweisen, denn derartiges ver¬ 
trägt sich eben nicht mit dem reinen Grotesk-Charakter. 
Die neuartige Behandlung der Steinschrift von Scheiter 
& Giesecke macht sie freundlicher und flüssiger lesbar, be¬ 
wahrt ihr aber trotzdem den straffen bemerkenswerten 
Gesamteindruck, der einer guten Grotesk eigentümlich ist. 
Die Koralleschrift liegt im gewöhnlichen, breiten, breiten 
halbfetten Schnitt und im halbfetten Schrägschnitt in je 
zwölf Graden von Nonpareille bis fünf Cicero vor. S. 

* Titan und Breite Titan von J. G. Scheiter & Giesecke , 

Leipzig. Zwei Schriften, bei denen eine Renaissance des 
alten Etienne-Charakters versucht und gut gelungen ist. 
Die häßlichen Lücken, die bei Verwendung älterer Etienne- 
Schriften störend in die Erscheinung treten, sind bei der 
Titan gänzlich verschwunden, man bekommt schöne gleich¬ 
mäßige Zeilen mit kräftiger Wirkung, die ein besonderes 
Ausgleichen überflüssig machen. Die Schriften sind vor 
allem für Reklamearbeiten und Anzeigensatz bestimmt. In 
Verbindung mit Schmuckstücken nach Schattenbilderart, 
die flott und eigenartig entworfen sind, läßt sich angenehm 
auffallender Anzeigensatz schaffen und damit erfährt auch 
das Zeitungsgebiet wieder einmal eine gute, recht wün¬ 
schenswerte Bereicherung, denn hier ist in bezug auf Aus¬ 
stattung der Anzeigen vieles noch nicht so, wie es eigent¬ 
lich sein müßte. Die Titan-Schriften sind in 15 Graden 
geschnitten, wobei auf die Gebrauchszwecke der Zeitung 
mit Kolonel und Borgis entsprechend Rücksicht genommen 
worden ist. q. 

* Windisch-Kursiv nach Zeichnungen von Albert Windisch, 
Frankfurt a. M. Geschnitten und herausgegeben von Gebr. 
Klingspor , Offenbach a. M. Die neue Schrift, deren Fertig¬ 
stellung bereits im Jahre 1917 erfolgte, ist mit dem Quell¬ 
stift entworfen. Derartige Schriften geben, bedingt durch 


den völliggleichmäßig fetten Schnitt, an sich ein angenehmes 
Gesamtbild, dessen Wirkung naturgemäß gesteigert werden 
kann, je nachdem die einzelnen Figuren zeichnerisch be¬ 
handelt wurden. Die bisher auf dem Markt befindlichen 
Quellstiftschriften sind groteskartigen sezessionistischen 
Charakters und geradestehend. Es ist deshalb interessant 
zu sehen, wie Windisch die Aufgabe der Schräglegung der 
Quellstiftschrift gelöst hat. Die einfache Kursivlage hätte 
zweifellos ein mit Lücken durchsetztes zerklüftetes Gesamt¬ 
bild ergeben, deshalb wurden geeignete Buchstaben mit 
An- und Abstrichen versehen, die gewissermaßen „Linie 
halten“, ausgleichend wirken und ein geradezu ideales 
Gesamtbild hervorzaubern. In der Probe ist die Schrift in 
titelmäßigem und laufendem Satz gezeigt, und ich möchte 
aussprechen, daß mir die Beispiele in der letzteren Satzart 
am meisten Zusagen. Beim laufenden Satz läßt sich an den 
einzelnen Worten nicht groß herumdoktern, hier gibt sich 
die Wirkung einer Schrift am natürlichsten, und ich halte 
es für ein gutes Zeichen bei der Windisch-Kursiv, wenn 
sie im laufenden Satz noch hübscher wirkt, als im Titelsatz. 
Trotz dieses Vorzuges gehört sie ihrer ganzen Formgebung 
nach durchaus in die Gattung der Akzidenzschriften, und 
daß man mit ihr sehr geschmackvolle Sachen herstellen 
kann, beweisen die Beispiele der Probe. Am schönsten 
wirken die Druckarbeiten, wo viel weißer Rand da ist. Die 
Schrift verlangt ein Überfließen, ein Verflüchtigen auf der 
Papierfläche; ein enger Rahmen, bei andern Schriften viel¬ 
fach haltgebend und zweckmäßig, wirkt hier wie eine Fessel. 
Die Vignetten in der Probe wollen nicht so recht zu der 
Schrift passen. Die Zeichnungen sind, obwohl originell, 
nicht reizvoll genug und hängen bezüglich des Stils etwas 
zwischen Himmel und Erde. Dagegen bilden die Zierbuch¬ 
staben, die für jeden Schriftgrad vorhanden sind, ein 
hübsches Schmuckmaterial, bei dem hoffentlich auch für 
die technischen Schwierigkeiten bezüglich der gefährlichen 
Überhänge eine gute Lösung gefunden worden ist. q. 

* Fischhaut zu Bucheinbänden. Im letzten Heft des 
Archiv für Buchgewerbe befindet sich ein Aufsatz des 
Herrn Martini über Fischhaut zu Bucheinbänden. Herr 
Martini nennt seine Entdeckung eine „Erfindung“, doch ist 
dies wohl nur als lapsuslinguaezu bezeichnen. Am Schlüsse 
gibt er an, daß ihm auf die Verwendung von Fischhäuten 
zu Bucheinbänden Gebrauchsmusterschutz erteilt worden 
sei. Dieser Schutz ist ihm meines Erachtens zu Unrecht 
erteilt worden, denn bereits vor mehr als 200 Jahren 
wurde Fischhaut zu Bucheinbänden verwendet. In Zeidlers 
Buchbinderkunst, 1708 erschienen, befindet sich auf Seite 
122 folgendes: „Dergleichen Hornband zu kleinen Büchern 
lässet sich von einer Aalshaut zurichten / wiewohl man 
auch größere Bücher darin binden kan / also daß es nur 
über den Rücken gehet. Und brauchet eine Aalshaut gar 
keine Zubereitung / nur daß sie frisch / wenn sie abgezogen / 
wohl ausgeschannet werde. Sie übertrifft alles Pergament 
an Festigkeit / und ist nicht anders als wenn die Bücher / 
so darein gebunden / einen Harnisch an hätten. Ich glaube 
daß man auch dergleichen größere Häute von Meerfischen 
(! der Verfasser) haben / und zu den Bänden der Bücher mit 
großem Nutzen gebrauchen könne / wovon man bißher 
wenig mag gewußt haben“. Auch in Predigers Buchbinder¬ 
buch, dritter Band erschienen 1746, wird Aalshaut für 
Bucheinbände empfohlen. P. Kersten. 


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Archiv für Buchgewerbe 


Zeitschriften, Bücher und Eingänge 


* Messe und Qualität. Unter diesem Titel erschien zur 
diesjährigen Frühjahrsmesse eine neue Zeitschrift im Verlag 
von Rudolf Schick & Co., Leipzig. Das Blatt, welches die 
Förderung von Geschmack und Qualität deutscher Waren 
anstrebt, wird geleitet von Dr. Georg Jahn, die bisher er¬ 
schienenen Nummern 1 bis 4 enthalten sehr beachtliche 
Aufsätze aus allen Gebieten der Industrie und des Kunst¬ 
gewerbes. Es erscheinen jährlich acht Hefte: je vier zur 
Frühjahrs- bzw. Herbstmesse, zum Preise von M 6.—. -r. 

* DerSchriftwart, Zentralblatt für die gesamtenlnteressen 
derSchrift:Schriftkultur,Schrifterziehung,Schriftforschung, 
Schriftgewerbe mit besonderer Betonung des Schulschreib¬ 
unterrichts Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. 
Erstes, reich illustriertes Fachblatt, unter Mitwirkung von 
namhaften Gelehrten, Künstlern und Schulmännern ge¬ 
gründet und geleitet von Professor FritzKuhlmann, München* 
Von dieser jüngst gegründeten Zeitschrift, die als Zwei¬ 
monatsschrift im Verlag von Gossner Sr Schenk in München 
erscheint und zum Jahrespreis von M 15.— zu beziehen ist, 
liegt uns die erste Nummer vor. In Fachkreisen wird das 
neue Unternehmen viel Interesse begegnen; aus dem 
reichen Inhalt der ersten Nummer seien genannt: „Die 
wissenschaftlichen Vorfragen der Reform des Schreib¬ 
unterrichts“ von Professor Dr. Alois Fischer; „Auf welchem 
Wege kam die Menschheit zum kursiven Schreiben?“ von 
Professor Dr. Franz Steffens; „Über Schrift und Schrift¬ 
unterricht“ von Geheimen Rat Professor Seliger. Der 
Herausgeber selbst begründet in einem einleitenden Auf¬ 
satz die Notwendigkeit der Herausgabe des „Schriftwarts“ 
und behandelt dann noch in einem längeren Aufsatz die 
Unnatürlichkeit und Schädlichkeit des herrschenden 
Schreibunterrichts. 

4t Eduard Engel, Sprich Deutsch! Ein Buch der Ent- 
welschung. Leipzig, Hesse & Becker, Verlag. Preis kart. 
M 2.—, geb. M 2.50. Wir ließen diesem Werke bereits in 
Heft 3/4 eine eingehende Besprechung zuteil werden und 
verweisen hierdurch nochmals auf dessen Wert für den 
Buchdrucker, dem in vielen Fällen die Sprachreinigung 
des ihm zum Druck Übergebenen überlassen ist. -a-. 

4t Zeitgemäße Bücher. 1. Deutschlands Errettung aus 
wirtschaftlicher Not. Von Albert Baum. Akademisch-Tech¬ 
nischer Verlag, Joh. Hammel, Frankfurt a.M.-West. Preis 
geheftet M 3.—. Baums Schrift wirft klare Streiflichter in 
die heutige Zeit hinein, und gibt zugleich gut durchdachte, 
praktische Ratschläge zurAbwendungdessichüberDeutsch- 
land entladenden schweren Gewitters. Er weist Mittel und 
Wege, dem drohenden wirtschaftlichen Ruin vorzubeugen. 
Kapitel wie das „Die Gefährdung der deutschen Industrie“, 
„Kaufleute und Industrielle heraus“, „Wiederaufbau der 
deutschen Wirtschaft“ wird jeder Deutsche mit viel Inter¬ 
esse und Nutzen lesen. — 2. Der Kaufmann nach dem Welt¬ 


krieg. Von A. Helbert. Leipzig, Verlag Handelszukunft 
G. m. b. H. Preis postfrei M 7.60. Das Buch trägt den 
Untertitel „Eine zeitgemäße Schrift über die Ziele des 
Handels und die Zukunft der Industrie“ und bietet in zahl¬ 
reichen kurzen Kapiteln eine unendliche Fülle von be¬ 
herzigenswerten Ratschlägen für die Arbeiten des Kauf¬ 
manns in der jetzigen schweren Zeit. Die Ausführungen 
des Verfassers, der sich als Fachschriftsteller einen Namen 
gemacht hat, wirken in ihrer packenden Weise überzeu¬ 
gend. — 3. Die neuzeitliche Organisation des Geschäftsbe¬ 
triebes. Einführung in die Organisation des kaufmännischen 
Kontors mit 81 Vordrucken, Karteimustern und andern 
Abbildungen. Von Karl Bott. Wilna 1918, Verlag der 
Zeitung der 10. Armee (Deutschnationale Buchhandlung, 
G. m. b. H., Hamburg 36). Das Buch verdankt seine Ent¬ 
stehung einem handelswissenschaftlichen Kursus, den der 
Verfasser im Januar 1918 in Wilna gehalten hat; seine Aus¬ 
führungen ragen aber in ihrer Vielseitigkeit weit über den 
zunächst gezogenen Rahmen hinaus und werden auch durch 
die Fülle der Beispiele aus der Praxis größeren Geschäfts¬ 
betrieben manche gute Anregung für zweckmäßige Organi¬ 
sation geben können. — 4. Freie Bahn demTüchtigen. Gründ¬ 
liche Erläuterung der Verhältnisse und Bedingungen deren 
genaue Kenntnis bei der Berufswahl nötig ist. Von Otto 
Seiffert. Oranienburg , Orania-Verlag. Preis M 2.80. Der 
Verfasser gibt in der Schrift eine Zusammenstellung aller 
Berufe. Er unterwirft die einzelnen Berufe in ihrer Eigenart 
einer gründlichen Kritik und erteilt auf diese Weise nütz¬ 
liche Ratschläge für deren Wahl. K. Fr. 

♦ Unsre Beilagen. AlsTitelblatt geben wir die Ankündigung 
der Bugra-Messe (Buchgewerblich-graphische Muster¬ 
messe), die schon diesem Herbst erstmals stattfinden soll. 
Das Blatt ist von der Spamerschen Buchdruckerei in ge¬ 
schmackvoller Weise in „Ohio“-Antiqua von Brüder Butter, 
Dresden gesetzt. Als Beilagen zu dem Jubiläumsartikel 
Schelter&Giesecke folgen acht Blatt mit Beispielen hervor¬ 
ragender Schrifterzeugnisse der Firma. Dem Artikel zum 
60. Geburtstag Otto Hupps ist ein Glückwunschschreiben 
der Firma Gebr. Klingspor in Offenbach beigelegt, überaus 
wirkungsvoll in drei verschiedenen Huppschen Schriften 
gesetzt und in drei Farben gedruckt. Als mustergültige 
Vorlagen moderner Geschäftsdrucksachen können die drei 
Beispiele fürGebrüderBrehmergelten,diein wirkungsvoller 
Jaecker-Schrift und Schmuck der Schriftgießerei D.Stempel 
in Frankfurt a. M. ausgeführt sind. Von schöner ruhiger 
Wirkung ist die Beilage desZeitschriftentitels„Derdeutsche 
Schwimmer“, zu der sich die dazu verwendete Belwe- 
Gotisch der Firma J. G. Scheiter & Giesecke ganz be¬ 
sonders eignet. Muster guter Dreifarben-Autotypien sind 
die von der Firma Bahlsen in Hannover hergestellten Post¬ 
karten nach Originalen des Münchner Malers J. Goossens. 


Inhaltsverzeichnis 


Mitgliederaufnahme. S.57.—100Jahre Schelter&Giesecke. 
S. 58. — Das Buch als Werk des Buchdruckers. S. 61. — 
Über die Möglichkeit eines Normalschnittes mathemati¬ 
scher Zeichen. S. 65. — Neue deutsche Postwertzeichen. 


S. 68. — Breitkopf & Härtel. S.70. — Otto Hupp. S. 73. — 
Mitteilungen aus der buchgewerblichen Praxis. S. 75. — 
Buchgewerbliche Rundschau. S.76. — Zeitschriften, Bücher 
und Eingänge. S.80. — 15 Beilagen. 


80 


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llluffaiocto IDocftonjcfirift zur ^örfccrung 6os ÖcÖTOimmcns un6 Hebung 6cs 6aboroojons 

ÄUeinipes Amtsblatt 6cs Dcutfeften Seflurimmootbanbes 

Älloinigos Amtsblatt bos Dorbanbos bot Oftorroidfifeflon ScflmimmuoroinQ für Doutfd}lanb 
Robert Sollet, Dorlag, Stuttgart, Auguftonftrafco 42 . Colofon 6124 


Stuttgart, 12. flüai 


Hr. J8 


Jahrgang i9i9 





TERMIN-KALENDER 


12.5. tloptun ßautjon. Sdfaufcflmimxnon 
d 12.5. Crofelbor S.-C. Intor n.Sctjmimmf oft 

13.5. S.-C. Cffon-IDoft. ßlolbofcfUub 2 .29.5. 

14.5. Spanbau 1904- Stiftungsfoft 

15.5. 'Doffau 1904. Hat. Jub.-IBettfcflmiramQn 

15.5. £otsbam 1893. Hat. tßottfcflunmmon 

15.5. £ofoibon ßorlin. KlubxDottfdfxDimmon 
CC 17.5. (Bau 2 Kreis III. Dortrag übor 

„tobensrotiung“ in Hamburg 

19.5. Krois I bosD.S.-D. Kroistagin ßorlin 

21.5. Camminor S.-D.Iloptun. IBorboabonb 

25.5. S.-C. Ciognib. Hat. Seflurimmfoft 

22.5. tloptun (Erfurt. Intornes Sdfxmmmfofl 

22.5. Horbingor S.-D. IntornosSdJxüimmfefi 

22.5. Sdjönoborgor S.-D. Jugonbfoft 

22.5. (Bau l unb 4 Krois II. (Baufeffmimm- 
martsftunbo in fftagboburg 

24.5. ölüneffen 1899. ffiolbofcffl. 2 .4./5.6. 

24.5. S.-D.£QülfJoim(Ruffr). ÖIolbofcÖl. 2 . 2 . 6 . 

28.5. ßorl. S.-Sp.-D. ^rfifljaflrstjorgnügon 

28.5. Spanbauor Dam.-S.-D. Stiftungsfoft 

29.5. S.-C. (Effon-IDoft. tlation.Scflnnmmfoft 
€E29.5. (Bau 2 Kreis II. (Bautag in ßromon 

29.5. Dorbanb Königsborgor Scffxmmm- 
uoroino. Cokalos Sdfmimmfoft 

4 . 6 . (Borm. ßamburg. 18. Stiftungsfoft 
4./5.0. Stüneffon 1899. VIII. Hat. Seffroimmfoft 
12./13.6. XXVIII. Der banbstag bosDoutfdJon 
Sdfurimmnorbanbos in ßroslau 

19.6. S.-D.ÜIülficixu(Rut)r). Hat. Seffurimmf. 
25./26.6. £Qagbobg.f896. Intorix. Sdfmimmf. 

3.7. Sport ßalborftabt. III. Hat. Sdfxxrixnmfoft 

6.7. S.-D. Cannftatt o.D. Seflaufd^mimmon 


CC 9.7. ßorl. S.-ßb. Jubiläums- Kommors 
10.7. tloptun (Bora, national. Scffxxnxnmfoft 

10.7. tloptun Karlsruflo. Jub.-SdJmtxnmfoft 

17.7. S.-C.<Effen-lDoft. (BoneralfolbmarfdJaU 
?roiff. o. b. (Bolb-fSropaganbafcffmimmon 

24.7. tloptun ßuefeau. IV. tlat. Sefimimmfoft 

7.8. üoiprigor S.-D. Internat. Seffmimmfoft 

7.8. IDoifconfoo 1896. tlat. Scflmixnmfoft 
13./14-8- ßorlinor Scfliuimmorbunb. Inter¬ 
nationales Jubiläums-Sdfmimmfoft 

14.8. tloptun Crofolb. tlation. Scfjmimrafoft 
14-8. Stoglib 1909. HL Hation. ScQroimmfoft 

14.8. (Bau 7 Kreis V. (Baufoft in Slarkirdj 

14.8. Intor nos Ißor bof oft b.Dorb. Stott. S.-D. 
u. bos Camminor S.-D. tloptun in Cammin 

21.8. Ämatour ßiolofolb. tlat. Scflmixnmfoft 

21.8. Slagboburg 1896. tlat. Scfjmimmfoft 

21.8. (Bau l Krois IL (Baufoft in Stabo 

28.8. ßraunfdftoQig 1902. tlat. Seffmimmfoft 

28.8. Ctfomnif? 1892. tlat. Scffxxrimxnfoft 

28.8. Olbonburgor S.-D. Sdfmimmfofl 

28.8. tloptun IDoxmar. Hat. Sefixoimmfoft 
€E 5.9. Rffonus Köln. Quor bureff Köln 

5./'6.10. Königsberg 1901. tlat. Sdfmimmfoft 

5.10. fcrioatbabogof. ßorlin. SUiggolfcffm. 

5.10. Ottor ßorlin. tlat. Scffxmmxnfoft 

51.9. &ltor S.-D. ßroslau. Obormoiftorfdjaft 

8.10. tloptun ÄUog. tlat. Jxxb.-Sdfmimmfoft 

9.10. S.-D. ßrobacQ. Sc^xuimmfof! m.(Baftxu. 

9.10. tlopt. ßuebau. tlat. 3000 m-Sdfroimmon 

9.10. 'Dolmoxxflorftor S.-D. Hat. Sdfmixnmf oft 
O.tO.S.-Sp.-C.Sannou.-Cinbon.Scflmimmf. 

9.10. (Bau 4 Krois IL (Baufoft in Ibofloo 


Die mit einem eC oor teflöncn Deranflaltungen fin6 jemeile Me neu Qinzueefeommenen Termine. Re&afcüone- 
fcQlub für 6cn £crminUalcn6er filontag ßlittag \<2 Uf)r 


(defekt aus ßclmo~<8otijcf) 6er Scflriftßiobcrei J. <8. Streiter £ <8ie{ecbe, Coipziß 


.ty 


Original frem 










/ 



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PRINCETON UNIVERSITY 















ZEITSCHRIFT 
DEIITSCI-IENVEPEINT 

FÜR 

BUCHVESEN U. SCHRIFTTUM 


Nr. 5/6 


MAI. JUNI 


1919 


D ie arabische Schrift tritt uns in zwei stark von¬ 
einander verschiedenen Formen entgegen, einer 
runderen, deren Hauptvertreter das audi unsern 
üblichen Drucktypen zugrunde liegende nashi ist, 
und einer steifen, eckigen, dem küfi. Das nashi ist 
die Schrift der Handschriften seit der ältesten Zeit, 
mit Ausnahme der Korane,- das küfi ist die Schrift 
aller älteren Inschriften, Münzen 1 und Korane . 2 Das 

1 Was die Münzen anlangt, so glaubte ich mich für den Zweck 
der vorliegenden Untersuchung auf die wichtigsten Publikationen 
beschränken zu dürfen: J.G.Stidcel, Das Großherzogliche Münz¬ 
kabinett zu Jena. II. Alteste muhammedanische Münzen bis zur 
Münzreform Abdulmeliks, 1870 = Handbuch der morgenländischen 
Münzkunde. II (zitiert nach Nummern). — Catalogue of Oriental 
Coins in the British Museum. I. St. La ne Poole, The Coins of 
the Eastem Khaleefehs, ed. by R. St. Poole, 1875 (Abkürzung: 
Br. Mus./ zitiert nach Seite und Nummer der Stelle im Text, 
woraus sich die Stelle der Abbildung auf den Tafeln leicht ergibt). 
—- H. Lavoix, Catalogue des monnaies musulmanes de la 
Bibliothfcque Nationale, Khalifes orientaux, 1887 (Abkürzung: 
Paris/ zitiert nach Nummern). — Königliche Museen zu Berlin. 
Katalog der orientalischen Münzen. I. Die Münzen der östlichen 
Chalifen [von H.Nützel], 1898 (Abkürzung: Berl./ zitiert nach 
Nymmern). — Dazu für die in mancher Richtung ein besonderes 
Interesse bietenden Glasgewichte und Flaschenstempel (die im 
folgenden unter dem Ausdruck »Münzen« stets mitverstanden 
sind): St. Lane-Poole, Catalogue of Arabic Glass Weights in 
the British Museum, ed. by R. St. Poole, 1891 (Abkürzung: Glas- 
gew./ zitiert nach Nummern, wobei mit den im Buch doppelt ver¬ 
wendeten Nummern 391 ff. hier die betreffenden Glasflaschen¬ 
stempel gemeint sind). — Vollständigkeit der Zitate konnte nicht 
beabsichtigt sein / ich habe jeweils nur wenige Beispiele angeführt, 
wobei ich mich bemüht habe, möglichst die ältesten der einzelnen 
Sammlungen zu wählen. Die Münzen (und ebenso die Korane) 
sind im folgenden nur als Material zur Erläuterung der Inschriften- 
Schrift und insbesondere zur Beantwortung der Frage nach dem 
Ursprung der kufischen Schrift verwendet. Eine Untersuchung 


Zur ältesten Geschichte der kufischen Schrift 

Zwei altarabiscfie Grabsteine im Leipziger Kulturmuseum 

Von Universitätsprofessor Dr. G. BERGSTRASSER in Berlin 


der Münzschrift um ihrer selbst willen dürfte sich nicht auf den 
Nachweis des frühesten Vorkommens der einzelnen Formen be¬ 
schränken, sondern müßte die Münzen in Gruppen ähnlichen 
Schriftcharakters ordnen und dann gegenseitige Beziehungen klar¬ 
legen. Bei einer solchen Behandlung würden viele im folgenden 
erwähnte Formverschiedenheiten als unwesentlich, noch zahl¬ 
reichere im folgenden bei Seite gelassene aber als charakteristisch 
erscheinen. Solche Untersuchungen ließen sich aber nur mit Hilfe 
der Originale, nicht an der Hand der bei der Kleinheit der Objekte 
doppelt unzureichenden Abbildungen anstellen. 

2 Ich habe mich damit begnügt, die neueren Reproduktionen von 
kufischen Koranen heranzuziehen: W. Wright, The Palaeo- 
graphical Society, Facsimiles of Manuscripts and Inscriptions 
(Oriental Series) 1875 —83/Tafel 19 das berühmte einzige nicht 
koranische Stück in Koranschrift (im folgenden unter dem Ausdruck 
»Korane« stets mit inbegriffen), vgl. Rödiger, Ober zwei Perga¬ 
mentblätter mit altarabischer Schrift (in Philol. u. hist. Abh. d. Kgl. 
Ges. d. Wiss. zu Berlin 1875,135—43)/ und Tafel 59, beides dem 
8. christl. Jahrhundert zugewiesen (Abkürzung: Pal. Soc.). — 
B. Moritz, Arabic Palaeography, a Collection of Arabic Texts 
(Publications of the Khedivial Library Cairo No. 16), 1905. Moritz 
schreibt die Korane 1 — 1 z und 13—16 dem 1./2. Jahrhundert, 17—18 
dem 2., 19—30 und 31—36 dem 2-/3., 37—38 (so nach den Unter¬ 
schriften der Tafeln/ nach dem Inhaltsverzeichnis mit 31—36 ein 
Exemplar bildend). 39—40. 41. 42 a. b. 44 dem 3. und 45 a. b. 
dem 3-/4. Jahrhundert 2U/ eine Analyse der Schrift führt zum 
Teil zu andern Ergebnissen (s. u. S. 66), die ich in der Dar¬ 
stellung schon hier und da vorweggenommen habe. Leider hat 
Moritz die BegründungseinerDatierungen noch nicht veröffentlicht, 
so daß es nicht möglich ist, sich mit ihnen auseinander zu setzen. 
— Die Ausstellung von Meisterwerken muhammedanischer Kunst 
in München 1910 herausgegeben von F. S a r r e und F. R. Martin, I 
1912, darin 1. F. R. M a r t i n, Miniaturen und Buchkunst, Nr. 1 und 2, 
ersterer dem 8., letzterer dem 9. Jahrhundert zugewiesen. — 
E.Ti s s e r a n t,Specimina codicum orientalium 1914,Tafel 41 a.b. 42, 
alle drei dem 8-/9. Jahrhundert zugewiesen. — E. Griffini,Die 
jüngste ambrosianische Sammlung arabischer Handschriften (in 
Zeitschr. d. Deutschen Morgenl. Gesellsch. LXIX [1915] 63 — 88), 
Tafel 16. 


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genetische Verhältnis beider Schriftarten zueinander 
stellte man sich, anderwärts Beobachtetes unbesehen 
übernehmend, früher so vor, daß das nashi aus dem 
kufi entstanden sei. Dieser Glaube wurde dadurch er- 
schüttert, daß die Papyri, die in immer größerer Anzahl 
gefunden wurden, schon in ältester Zeit zwar nicht 
geradezu das spätere nashi, aber jedenfalls eine mit ihm 
unendlich viel mehr als mit dem küfi verwandte Kursiv¬ 
schrift aufweisen. Eigentlich hätte es dieser Funde 
gar nicht bedürfen sollen,- denn schon eine oberfläch¬ 
liche Analyse zeigt, daß auch die kufische Monumental¬ 
schrift trotz ihrer Eckigkeit doch wesentliche Merkmale 
einer Kursive trägt: besitzt sie doch die zahlreichen 
Ligaturen des nashi sämtlich ebenfalls! Dazu kommt, 
daß auch die Schrift, aus der die arabische entstanden 
ist, die sogenannte sinaitische — eine jüngere Form der 
nabatäischen, zu der Gruppe der aramäischen Schriften 
gehörig — eine ausgesprochene Kursive ist. Wäre der 
Prozeß der Umformung der Kursivschrift zur Monu- 
mentalschrift, auf den wir somit schließen müssen, 
bereits vor der Zeit unsrer ältesten in echt arabischer, 
nicht mehr aramäischer Schrift geschriebenen Denk- 
mäler abgeschlossen gewesen, so würden wir uns mit 
dem eben gewonnenen allgemeinen Ergebnis begnügen 
müssen,-eine genaue Analyse der einzelnen Buchstaben- 
formen unter ständigem Vergleich der Inschriften-, 
Münzen- und Koranschrift untereinander und mit vor- 
arabischen Schriftformen läßt aber einen Einblick in das 
Werden der Monumentalschrift, wenn auch vielleicht 
nicht mehr in seine frühesten Stadien, gewinnen. Diese 
Analyse soll in den vorliegenden Blättern vorgenommen 
werden. 1 

Dabei wird die Erörterung der Entwicklung der 
einzelnen Buchstabenformen am besten von be- 
stimmten Beispielen ausgehen. Das Kulturmuseum 
besitzt zwei für diesen Zweck geeignete, bisher noch 
nicht veröffentlichte Inschriften: zwei Grabsteine von 
190 der Hedschra = 806 n. Chr. und 229 H. = 843/844 
n. Chr., die die Monumentalschrift in einem frühen 
Entwicklungsstadium zeigen und gleichzeitig vermöge 
des LInterschiedes ihrer Entstehungszeiten in vielen 
Punkten das Fortschreiten der Entwicklung in bezug 
auf die ornamentale Ausgestaltung der Schrift zu ver- 
folgen gestatten. Dies um so mehr, als beide aller 
Wahrscheinlichkeit nach — eine sichere Auskunft war 

1 Vergl. im allgemeinen B.Moritz, Arabische Schrift (in Enzy¬ 
klopädie des Islam I, 1913, 399—410), mit einer Schrifttafel, die 
die Buchstabenformen der sinaitischen und der vorislamischen 
arabischen Inschriften und der dem 1. Jahrhundert der Hedschra 
angehörenden Inschriften, Münzen und Papyri enthält. 


nicht zu erlangen — von demselben Ort, dem Friedhof 
von Alt-Kairo, stammen, so daß lokale Verschieden¬ 
heiten ausgeschaltet sind. Wir wenden uns also jetzt 
der Erklärung der beiden Inschriften zu, um dann auf 
die schriftgeschichtlichen Fragen zurückzukommen. 

I. 

I. Marmor, rechteckig, oben 43V2, unten 43 cm breit, 
links 57 V 2 , rechts 60 V 2 cm hoch (Abbildung i>. 

Jl 0 4 J> J! UJI 

ibl*ii IvjLw Jp nj La itAP 

aJU'ü Lfti. XäJIz> 

*P bii Ui bi UJi qI !lAa^ 5 

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UJi UJ! XaS bi iöa 15 

xJL’i U JsuüjJ} gjJüi iÄP Ls \Sp 

^ji ^^»aaJ i lXajs 

i. Im Namen Alluhs, des barmherzigen Erbarmers. 
2. Dies ist, was c All ibn Salama ibn aV Alt? 5 be¬ 
zeugt 3. und wofür er Allah, seine Engel , die Träger 
seines Thrones , 4. seine Propheten und Gesandten 
und alle seine Geschöpfe zu Zeugen aufruft (und 
Allah ist 5. Zeuge genug): er bezeugt , daß kein 
Gott außer Allah allein ist 6. und er keinen Genossen 
hat , und daß Muhammad sein Knecht und Gesandter 
ist , den er 7. mit der Rechtleitung und der Religion 

1 So: Original —Koran 9,33. 61,9 — 

2 So zu lesen, nicht ur^V vgl. unten S.Ö4a die Erörterung des 
Buchstaben 

3 Fehler für 

4 Ungenaues Zitat,- das Original — Koran 4,89 — hat 



5 Über ihn etwas ausfindig zu machen ist mir nicht gelungen. Die 
Kürze der Genealogie und das Fehlen einer Herkunftsbezeichnung 
und von Titeln zeigen, daß er kein vornehmer Mann war. 


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der Wahrheit gesandt hat, um sie über alle Religion 
zu erhöhen, wenn 1 8 . die Heiden sich dagegen sträub¬ 
ten; und er bezeugt, daß das, was Muhammad ge¬ 
bracht hat , 9. Wahrheit ist von Allah und 

kein Zweifel daran ist. Darin hat er gelebt und 
10 . ist er gestorben, und darin wird er lebend auf- 
erweckt werden , so Allah will. Allah segne Mu¬ 
hammad ii. und die Familie Muhammads, und 
über ihm und ihnen sei Friede und die Gnade und 
12 . Segnungen Allahs! c All ibn Salama — die Gnade, 
Vergebung 13 . und Gunst Allahs sei über ihm! — ist 
verschieden am Sonntag, dem fünftletzten des Sauwal 
des Jahres 14 . 190 2 . Allah — kein Gott außer ihm 
— wird euch am Tage 3 der Auferstehung 15 . — kein 
Zweifel an ihm — sammeln; und wer ist wahrhaftiger 
an Rede als Allah? Allah erbarme sich 16 . eines 
Knechtes 4 , der dies liest und f ür ihn 5 um Vergebung 
bittet! Allah segne 16 . den Propheten Muhammad 
und . . 6 . 

II. Marmor,- rechteckig mit abgerundeten oberen 
Ecken, gerader oberer Rand 22 cm, Breite unterhalb 
der Abrundungen 52V2 cm, unten ebenso,- Gesamt¬ 
höhe in der Mitte 48 x / 2 cm, gerader Rand links 
29 l /2 cm, rechts 27 cm (Abbildung 2). 

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l uiti y.k kftu 

iX*:>i ^ cX*:^ 34 Lfl JA:? 5 

Ä.UI oJi lXz.XCo oIcVääÜ ^jd 50 - 

^ S(AaC IlX+ZS* ^ aJ ^ slX>^ 

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AaJLc* dU 10 

V mJ XÄav Ä.L)i i Lvi La^> 


1 So: Original — Koran 9,33. 61,9 — fügt hinzu auch. 

2 13. Sept. 806 n. Chr. 

3 Ungenaues Zitat,- das Original — Koran 4,89 — für 
den Tag. 

4 D. h. Menschen. 

6 Den Verstorbenen. 

8 Es folgen noch die Worte Gnade oder (gemeint wohl und) 
seine Segnungen ; sie passen aber nicht in die Konstruktion. 
Bei der ungewöhnlichen Länge des Textes scheint dem Steinmetz 
sein Vorrat an religiösen Phrasen nicht ganz ausgereicht zu haben. 

7 Hier so zu lesen! 


1. Im Namen des barmherzigen Erbarmers. 2. Allah 
bezeugt, daß kein Gott außer ihm ist, und 3. die Engel 
und die Besitzer des Wissens, der die 4 . Gerechtigkeit 
auf richtet, kein Gott außer ihm, der Große, der Weise. 
5. Das ist, was Muhammad ibn Ahmad ibn 6. Hafs 
al-Bagdadi (?) 1 bezeugt; er bezeugt , daß kein Gott 
außer Allah 7. allein ist und er keinen Genossen hat , 
und daß Muhammad sein Knecht und 8. Gesandter 
ist, den er mit der Rechtleitung und der Religion der 
Wahrheit gesandt hat, um sie 9. über alle Religion 
zu erhöhen , wenn auch die Heiden sich dagegen sträub¬ 
ten. 10 . Darin hat er gelebt und darin ist er gestorben , 
und darin wird er u. lebend auf er weckt werden, so 
Allah will. Er ist verschieden im Jahre 219 . 

Eine Analyse des Textes der beiden Inschriften 
unter Vergleichung andrer Grabschriften vor allem der 
älteren Zeit 2 ergibt folgende Bestandteile: 1 . die 
basmala im Namen Allahs usw., Ii/ II1. — 
2. ein einleitender Koranvers, II 2—4, bei I fehlend. 

1 Auch über ihn habe ich nichts ermitteln können. Die Genealogie 
ist nur ein Glied länger als in I,- Titel fehlen ebenfalls. Die Her¬ 
kunftsbezeichnung ist leider nicht klar/ dasOriginal hat^c^iA^ftii, 
was kaum etwas andres sein kann als eine Verschreibung für 

al-Bagdadi. Wenn dem so ist, so ergäbe sich, daß 
auch er sich nicht auf einen der alten arabischen Stämme zurück¬ 
führen konnte. 

2 Da auf diese Grabschriften im folgenden sowohl bei der 
Analyse des Textes als bei der der Schriftformen immer wieder 
Bezug genommen werden muß, stelle ich die Titel der betreffenden 
Publikationen gleich hier unter Angabe des Alters der älteren 
Monumente zusammen: M.Lanci,Trattato delle sepolcrali iscri- 
zioni 1840/ Nr. 1 von 239, Nr. 2 von 245, Nr. 3 von 304 usw. — 
B. Lag um in a, Le iscrizioni sepolcrali arabe del collegio di Pro¬ 
paganda a Roma, inBoll. ital. degli studii orientali II (1877 — 82) 
392—407/ die älteste (Nr. i> von 351 (ohne Abbildungen). — 
W. Wright I, Kufic Tombstones in the Brit. Mus., in Proceed. 
of the Soc. of Bibi. Archaeol. IX (1886/7) 329—49 (ohne Ab¬ 
bildungen). — Ders. II, Kufic Gravestones, ebda XI (1888/9) 
11 — 14/ Nr. 1 von 459, Nr. 2 von 535. — R.AmadordelosRios, 
Inscripciones ärabes de Cordoba 1892 3 , S. 320 (Grabstein von 
242 — der Einer unsicher) usw. — P. Casanova, Notice sur 
les steles arabes appartenant ä la mission du Caire, in Memoires 
publ.parlesmembresde la miss, archeol. fran^. du Caire VI (1892) 
331—36/ Nr. 2 von 213, Nr. 3 von 217, Nr. 4 von 218, Nr. 5 
von 230, Nr. 6 von 243, Nr. 7 von 245, Nr. 8 von 257, Nr. 9 
von 291 usw. (leider sind die Abbildungen sehr klein und außer¬ 
dem zum Teil in ungünstiger Beleuchtung aufgenommen, so daß 
einzelne ganz, andre stellenweise unleserlich sind,- auch im Text 
sind die Inschriften nicht vollständig abgedruckt). — M. van 
B e r ch e m, Materiaux pour un Corpus Inscriptionum Arabicarum, 
I. Egypte, f, in den Memoires (s. o.) XIX ( 1894) / vor allem Nr. 5 — 9, 
Grabschriften von 261 —63. — H. G. Lyons, A Report on the 
Island and Temples of Philae [1896]/ Tafel 65, Grabstein von 
29z (272?). — B. Moritz (s. o. S. 49 Anm. 2), Tafel 111 ein 
Grabstein von 207. — Der von M. Hartmann (Archäologisches 
aus Russisch-Turkestan II, in Orient. Lit.-Zeitung 1906, 28—34, 


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Gewählt ist in II Sure 3, Vers 16, und zwar offenbar die den Namen des <der> Verstorbenen einleitende 
wegen des Anklanges an das folgende Glaubens* Formel. Auf beiden Grabsteinen ist es dies ist , was 
bekenntnis,* derselbe Vers findet sich auch sonst in N. N. bezeugt <1 2. II 5 — 6>, eine wohl nur in der 
gleicher Verwendung <die letzten mir bekannten Bei* älteren Zeit <bis ins 3. Jahrhundert der Hedschra) üb* 
spiele aus dem 5. Jahrhundert der Hedschra 1 >. — 3. liehe Formel 1 , die später durch andre wie 



Abbildung z 


70—77, 117 — 23/ 111 ebda 234—40, 297—304, 361 —72, 421 — 31) 
veröffentlichte und besprochene Grabstein mit der Jahreszahl 230 
ist von J.v. Karabacek <Zur orientalischen AltertumskundeV, 
Problem oder Phantom?, in Sitzungsber. d. Kais. Akad.d.Wissen¬ 
schaften in Wien, philos.-hist. Kl., CLXXVIII 5, 1915, 5 ff.) und 
E. H e r z f e 1 d <Die tabula ansata in der islamischen Epigraphik und 
Ornamentik, in Islam 1915/6,189—99, S. 189h) als in Wirklichkeit 
dem 5./Ö. Jahrhundert der Hedschra angehörend erwiesen worden. 

1 Land 6a von 416, Lagumina 10 von 422, Land 8 von 426, 
Lagumina 11 von 430, Lanci 10 a von 436 und Wright II, 1 von 
459/ ganz frei zitiert Casanova 4. 5. 


dies ist das Grab des N. N. oder 

xlfj u. ä. Allah , segne Muhammad 
und seine Angehörigen , die Reinen , und erbarme 
dich des N. N. u. ä. verdrängt wird. Gelegent* 
lieh wird auch die Formel des Glaubensbekennt* 
nisses <unten 5) 2 oder der Datierung <unten 9) 3 zur 

1 Z. B. Casanova 2. 5. 8/ mit für Moritz,- mit 

5 für das einfache Berchem 6. 8. 9. 

2 Casanova 4. 7. 

3 Lanci 1. 2 und noch 12 <von 464). 


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Einführung des Namens mitbenützt. — 4. in I 3—5 
noch eine Erweiterung der vorigen Formel, an* 
klingend an den in II zu Anfang angeführten Koran* 
vers. Die die Erweiterung abschließende Formel und 
Allah ist Zeuge genug ist Koranzitat: 4, 81. 164. 
48, 28, vergleiche auch 13, 43. 17, 98. 46, 7,- 29, 51. — 
5. das Glaubensbekenntnis selbst, I 5 — 8. II 6 —9. 
Es hat hier dieselbe, vollständige Form, die auch auf 
den meisten älteren Gold* und Silbermünzen erscheint,- 
zum Teil ist es wieder dem Koran entnommen, nämlich 
das er hat keinen Genossen aus 6,163, und der Schluß 
von mit der Rechtleitung an aus 9,33. 61,9 <die erste 
Hälfte dieses Schlusses auch 48,28). Neben dieser auch 
sonst vorkommenden 1 vollen Formel finden sich noch 
häufigerVerkürzungen, die nur bis und Gesandter ist 2 
oder bisweilen sogar unter Weglassung von allem auf 
Muhammad Bezüglichen nur bis keinen Genossen hat 3 
gehen. In der sprachlichen Form finden sich kleine Vari* 
anten: statt der Gegenwart er (sic) bezeugt die Ver* 
gangenheit Az.Aj £,b c^-ib') 4 oder Az~ (^«Azä ) 5 

er (sie) bezeugte; vor dem zweiten daß ein wieder* 
hohes Ax-äj (A^wj) bezeugt 6 7 / und vor allem, später 
zur Regel werdend, statt der Beiordnung er (sie) 
bezeugt die Unterordnung <unter einen Hauptsatz 
er [sie] starb) A 4 A» indem er (sie) 

bezeugte 1 . — 6. eine Erweiterung des Bekennt* 
nisses I 8 — 9. Die Aufzählung einzelner Glaubens* 
punkte —* Paradies, Hölle, Tod usw. — mit dem 
Zusatz daß . . Wahrheit ist kommt nicht selten vor 8 . 
7. Bestätigung des Bekenntnisses I 9 — 10. II 10 — 11, 
ebenfalls eine vielgebrauchte Formel 9 . — 8. Segens* 
wünsch für Muhammad I 10 — 12, kein wesentlicher 
oder an eine bestimmte Stelle gebundener Bestand* 
teil einer Grabschrift. — 9. die Datierung I 12 — 13. 
II 11, bei der in I auffälligerweise der Name wieder* 

1 Moritz, Casanova 2. 4. 8, Lanci 1 und noch Wright I 16 
(von 455). 

2 Casanova 6. 7, Berchem 6. 8. 9, Lyons, Lanci 12. 13.14. 15. 
16 b. 17 (von 479), Amador S. 294 (von 587), sowie S. 286. 287. 

3 Casanova 5, Lanci 2, Lagumina 2, Wright II i, Lanci 20b. 22 
(von 569). 

4 Lanci 1. 2, Amador S. 296 (von 436), sowie S. 286. 287. 

5 Bei Verwendung der Bekenntnisformel zur Einführung des 
Namens, Casanova 4. 7. 

ß Casanova 4, Wright I 16. 

7 Lyons, Lagumina 2, häufig im 5. Jahrhundert, Lanci 20 b. 22 
(von 569). 

8 Z. B. Casanova 2. 4. 5, Lanci 12 (von 464), Amador S. 287. 

9 Casanova 2. 4. 5, Lanci 12 (mit für öl*), und mit 

einer kleinen Variante — »AP in diesem Be¬ 

kenntnis — Amador S. 286. 288 (von 447). 


holt wird <daß bisweilen der Name nur in der 
Datierungsforftiel erscheint, diese dann aber an den 
Anfang tritt, wurde bereits erwähnt) 1 . — 10. In I 
schließt sich hier Z. 14 — 15 der am Anfang dieser Grab* 
Schrift vermißte Koranvers an und zwar Sure 4, Vers 89 
<der zweite Satz auch 6, 12, vergleiche 45, 25,- zum 
dritten vergleiche 4, 121). — 11. Ein Segenswunsch für 
den, der die Grabschrift liest und für den Verstorbenen 
betet, I 15 — 16, ein sehr frühes Beispiel für diesen 
später häufigeren 2 Bestandteil. — 12. In I wird ohne 
ersichtlichen Grund und in sonderbarer Form zum 
Schluß der Segenswunsch für den Propheten wieder* 
holt, Z. 16 — 17. — Der koranische Stil und Phrasen* 
schätz klingt auch außerhalb der eigentlichen Zitate 
an,- die auffälligsten Abweichungen von koranischer 

Ausdrucks weise sind das I 4 für Jsf, und das 

I 9 für Was die Orthographie anlangt, so 
ist auf folgendes hiii2;uweisen: Fehlen des Dehnungs* 

Aliflz. 12 In 1 13 entsprechend der 

älteren Gewohnheit,-14 Ui für 16 A^ für tA*=^ 

(so richtig II7), und umgekehrt II10 für wie 
richtig I 9 steht, beides beliebte Fehler 3 / I 11. 12. 17 
für eine auch in koranischer Orthographie 
vorkommende Schreibung. 

II. 

Wir kehren nun zur Erörterung der Schriftformen 
zurück, und betrachten zunächst die einzelnen Buch* 
staben. 

I hat, wenn unverbunden, rechts unten einen 
Ansatz, der besonders in I manchmal so groß ist, daß 

1 Statt des gewöhnlichen steht in der Grabschrift bei 

Moritz das gleichbedeutende xälsj ^jb, bei Lanci 10b. 20b (von 

529) oU; Lanci 29a (von 600) dafür das Partizip Eine 

andre Datierungsformel ist geschrieben im (Jahre) 

Casanova 2 

2 Z. B. Lanci 10 b. c (von 437): xi kc-> ^j ..vlll 

Allah erbarme sich seiner und derer , die für ihn um 

Gnade bilten; 12 (von 464): xl LcO & 1 B 

*j **+^5 Allah erbarme sich derer , die für ihn um Gnade 
und Vergebung beten , u.ä. 14 (von 470)Lagumina 14 (von 527) 

(verstümmelt),- Lanci 26 (von 619): LgJ 1 x 3 * ^ äJJ» 

Allah erbarme sich derer, die es lesen und für sie beten; 
28 (von 749): ) Allah erbarme sich derer , die es 

lesen; 27b (von 873): x! lc.0 * tu xLc *\Ui Lax; 

BjÄx+jb Allah verzeihe ihm und vergebe ihm und denen, die 
für ihn um Vergebung bitten. 

3 Beides z. B. auch Lanci 12, Casanova 4. 

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man ihn auf den ersten Blick für ein j usw. halten 
könnte. Dieser Ansatz ist nicht Ornament, sondern 
Bestandteil der Buchstabenform ,- er ist der letzte Rest 
eines ursprünglichen den Strich in seinem unteren Teil 
schneidenden Kreises. Gegenüber dem 1 des nashi ist 
also die Form unsrer Inschriften ursprünglicher,- trotz¬ 
dem darf sie auf dem Boden des Arabischen nicht 
ohne weiteres für die ältere gelten, denn auch der ein¬ 
fache Strich kommt schon vorarabisch vor. Dazu stimmt, 
daß er sich auf Münzen bereits im 1. Jahrhundert der 
Hedschra findet 1 . Auf Inschriften ist er in älterer 
Zeit ganz selten 2 ; erst später wird er gelegentlich neu 
aus der Schreibschrift herübergenommen. In den In¬ 
schriften ist also des monumentaleren Aussehens wegen 
eine alte Form festgehalten worden. Ähnlich ist es in 
der Koranschrift, nur daß hier der Ansatz nach rechts 
nicht eckig, sondern im Bogen angesetzt ist und in eine 
wenig überder Zeile liegende, vielfachlang ausgezogene 
Spitze endet/ nur in den ältesten Koranen treffen wir 
noch auf Formen mit nicht spitz ausgezogenem und oft 
rudimentärem 3 Ansatz. Dieser runde Ansatz fehlt 
auch inschriftlich nicht ganz 4 , und auf den Münzen ist 
er nicht selten 6 . In einer schon vorislamischen und auch 

islamisch hier und da noch vorkommenden 6 Neben- 

_ % 

1 Berl. 21, byzantinischer Typus, Paris 158 von 40, Stickel 15 
von etwa 40, Glasgew. 391 von 65 — 86, Br. Mus. S. 1 Nr. 1 von 77. 

2 Das älteste mir bekannte Beispiel aus der Inschrift al-Ma'mün's 
im Felsendom in Jerusalem von 216, s. M. van Berchem, In¬ 
scriptions arabes de Syrie 1897, Nr. 3/ daneben hier die Form 
mit rundem Ansatz. Teilweise wohl auch schon Land 2. 

3 Moritz 44, Pal. Soc. 59, Tisserant 41 bverhältnismäßig einfach 
und natürlich auch noch Moritz 39.42 b.45a.b,Tisserant 41 a,Griffini. 

4 Bleisiegel Hisäm's <105 — 125), s. C h. C 1 e rm o n t-G a n n e a u, 
Recueil d'archeologie orientale III, 1900, 291 / Inschrift al-Mahdi's 
in Askalon von 155, s. ebda. I, 1888, 214 — 8/ Lanci z, wohl auch 
in der ältesten Inschrift des Nilmessers von Röda von 96—99, 
siehe Description de l'Egypte, Etat moderne [Atlas] II 1823, 
Tafel 2 Inscriptions usw. a 1—6, und dazu [Text] XV 1826, 
Seite 481—9/ und s. weiter Anm. 2. Später kommen abgerundete 
Formen häufiger vor,- die rechts ausgezogene Spitze aber findet 
sich nach S. Flury <Das Schriftband an der Türe des Mahmud 
von Ghazna, in Islam 1917/18, 214—27, S. 217) vom 2. Jahr¬ 
hundert ab nicht mehr auf Stein, sondern nur noch in Gips usw. 

5 Berl. 34, Typus mit Kalifenbild, 99 von 20/ Paris 158 von 40/ 
Stickel 15 von etwa 40,- Br. Mus. S. 1 Nr. 1 von 77. Weit nach 
rechts gezogene Spitze, fast nach Art der Koranschrift, hat Stickel 
29 von 65—86. Rechts wieder aufwärts gebogene, spitz aus¬ 
laufende Rundung Paris 150 von 70 / Br. Mus. S. 21 Nr. 131 von 
95/ Glasgew. 1 von 99 — 101. 

6 Paris 203 von 76/ Br. Mus. S. 24 Nr. 155 von 108/ Glasgew. 
6 von 125—32. Ebenso, aber außerdem noch eckiger Ansatz: 
Meilenstein des ‘ Abd al-Malik <65 — 86), s. Clermont-Ganneau 
Recueil I <s.o. Anm. 4) 201 — 13, und ein zweiter Berchem Syrie 1/ 
und Br. Mus. S. 84 Nr. zz8 von 190. 


form ist der Ansatz durch eine Verlängerung des 
Striches unter die Zeile ersetzt,- bei einer Zwischen¬ 
form zwischen dieser und der mit rechtwinkligem 
Ansatz verläuft der Ansatz schräg nach rechts unten 1 . 

Die Verbindungsform l besitzt eine über die Grund¬ 
linie hinausreichende Fortsetzung des senkrechten 
Striches, ebenso wie im syrischen J.. Das ist ein aus¬ 
gesprochen kursives Element, entstehend, wenn man 
beim Schreiben ohne Absetzen erst hinauf und dann 
in derselben senkrechten Linie wieder herunterfährt,- 
sehr deutlich ist diese Entstehung in den alten Papyri, 
in denen Auf- und Abstrich oft nicht ganz zusammen¬ 
fallen, so daß eine Schleife entsteht. Daß wir diesen 
jungen kursiven Zug doch im Inschriften=Kufisch an- 
treffen, ist ein sehr deutlicher Beleg dafür, daß dieses 
eine monumentale Umbildung einer Kursivschrift ist. 
Auf einigen der ältesten Inschriften fehlt die Fort¬ 
setzung noch 2 ,- später ist die fortsetzungslose Form 
hier und da wieder aus der Schreibschrift, wo sie sich 
eingebürgert hatte, übernommen worden. Münzen 3 
und Korane 4 kennen die Fortsetzung nur in ver¬ 
einzelten Spuren. — In ganz unorganischer Weise ist 
vereinzelt inschriftlich die Fortsetzung sogar auf das 
nicht verbundene Alif übertragen worden 6 . 

Die Finalform ^ hat in kufischer Schrift wohl stets 
wie I 10, II 10 ihre alte flache Gestalt, ohne den auf¬ 
wärts gehenden Schlußbogen des nashi -uj, bewahrt. 
— Das größere Anfangs-j von 1 1 und II 1 ist 
sehr alt,- schon die älteste datierte arabische Münze 
vom Jahre 20 H. hat es 6 . Daß aus dekorativen Grün¬ 
den auch anderwärts ein •> >■ verlängert werden konnte, 
zeigt II7/ so weit aber wie vielfach auf Münzen 
geht die Verwischung des Höhenunterschieds zwischen 
den j * und den J 1 auf älteren Inschriften kaum je. 

1 Auf der zweiten der von A. Musil (Zwei arabische Inschriften 
aus Arabia Petraea, in Wiener Zeitschr. f. d. Kunde d. Morgenl. 
XXII [1908], 81-85) veröffentlichten Inschriften, von denen die 
eine von 96-99, die andre von 368-380 stammt/ und schon 
Berl. 43, Typus mit Kalifenbild. 

2 1. Meilenstein Äbd al-Malik's, Musil 1, Zistemeninschrift 
aus Ramie von 172, s. Berchem Syrie 2. 

3 Glasgew. 14 von 147, 27 G von 223, also aus verhältnismäßig 
recht später Zeit und nicht eigentliche Münzen,- dazu ganz allein¬ 
stehend die Kupfermünze Paris 1565 von 133. 

4 Moritz 1, Pal. Soc. 59, Tisserant 41 b. 

6 Inschrift des Nilmessers von 233, s. Description Tafel a 7 i ff. 8 
und Text S. 501—6 und Berchem Egypte S. 20, Berchem Egypte 5. 

6 Berl. 99, und weiter Berl. 94 von 53, Stickel 99 von 67, Paris 202 
von 73, Berl. 192 von 76, Br. Mus. S. 14 Nr. 84 von 79/ auch in 
der Koranschrift/ inschriftlich z.B. in der Inschrift al-Mahdi s und 
der Zisterneninschrift von Ramie. 


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Die kleinen Abweichungen der Form in I 4 und 
II 8 sind belanglos. 

> usw. —* also nach rechts nicht verbunden — er* 
scheinen auf unsem Grabsteinen in zwei Formen: teils 
mit nach rechts überragender Grundlinie <1 1 usw., 
II 1 usw. und die Finalform I i6>, teils als einfacher 
Winkel, und zwar dies nur bei offenbarem Raum* 
mangel <11 7/ eine Art Zwischenform in II i>. 

Es läge nahe anzunehmen, daß die erste Form die 
ursprünglidie wäre und die zweite aus ihr abgeleitet. 
Das trifft aber nicht zu. Einmal nämlich überragt in der 
Grundform, in der schon vorarabisch das alteg und das 
alte h beinahe zusammengefallen waren, umgekehrt die 
schräge Linie nach rechts unten die Querlinie,• und 
zweitens ist auch der einfache Winkel wenigstens für 
g schon vorarabisch. Die Form unsrer Grabschriften, 
die inschriftlich auch sonst sehr verbreitet ist, ist also 
eine künstlich geschaffeneMonumentalform/derKoran* 
schrift ist sie ganz fremd, und auf Münzen kommt sie 
fast nur im unverbundenen Final*-, usw. vor 1 . Auf 
den Münzen überwiegt die ursprüngliche Form 2 , die 
auch inschriftlich häufig genug ist 3 ,- in der Koran* 
schrift dagegen ist der Winkel herrschend geworden 4 , 
der auch inschriftlich, wie schon unser Grabstein II 
zeigt, nicht ganz fehlt 5 . 

Von der erörterten Grundform des > ^ aus gibt 
es für die Verbindung mit vorhergehenden Buchstaben 
drei Möglichkeiten: 1. der vorangehende Buchstabe 
setzt sich in der Querlinie des > - fort, es findet also 
eine vollkommene Kreuzung der wagrechten und der 
schrägen Linie statt,- 2. der vorhergehende Buchstabe 
schließt sich in derNähe des oberen Endes des schrägen 

1 Berl. 192 von 76, 193 von 77, wohl auch Stickel 55 von 83/ 
daneben auch hier die ursprüngliche Form, z. B. Br. Mus. S. 94 
Nr. z6o von 208, Berl. 1478 von 242, Paris 1020 von 258. Ganz 
isoliert ist •> mit Sporn Br. Mus. S. 177 Nr. 28, omaijadisch. 

2 Einfacher Winkel Paris 158 von 40, Br. Mus. S. 23 Nr. 148 
von 79, Glasgew. 14 von 144 — 152. 

3 Meilenstein' Abd al-Malik's, die älteste Inschrift des Nil¬ 
messers und ebenso die Inschrift von 233 (während die da¬ 
zwischenliegende von etwa 199 — Tafel a 7a—h. 8, b 4—7 und 
Text S. 490—501 und vergleiche Berchem Ögypte S. 19 — die 
gewöhnliche Form mit verlängerter Querlinie hat)/ Inschrift 
Hisäm's von 110, 5. Clermont-Ganneau Recueil III <s. o. 8.55a 
Anm. 4) 285—93/ Inschrift al-Mahdf's, Casanova 2. 7, Lanci 1, 
und noch Musil 2. 

4 Die ursprüngliche Form Pal. Soc. 59, Tisserant 41 a. b/ die 
Unterscheidung ist nicht ganz leicht, weil auch die alte Form 
meist ohne Absetzen geschrieben wird und anderseits der einfache 
Winkel meist lang ausgezogen ist. 

5 Musil 1, Moritz, Felsendom - Inschrift al-Ma'mün's, Casa¬ 
nova 5, Lanci 2, Berchem Egypte 18, Casanova 8. 9, Lyons. 


Striches an, eine Form, die ohne Absetzen geschrieben 
werden kann, indem man zunächst nach diesem Ende 
hinauffährt, dann den schrägen Strich zieht und in ihm 
bis zur Querlinie zurüdefährt,- 3. der vorhergehende 
Buchstabe setzt am unteren Ende der schrägen Linie 
an, wobei also diese in der Richtung von rechts unten 
nach links oben geschrieben werden muß. Die erste 
Form ist sehr häufig,- sie herrscht vollkommen auf den 
alten Münzen, was wahrscheinlich macht, daß sie einer 
wirklich geschriebenen Schrift angehört, ist auf In* 
Schriften verbreitet 1 und auch in der Koranschrift nicht 
selten 2 , hier allerdings zum Teil deutlich nicht mit Ab* 
setzen und Durchkreuzung, sondern in e i n e m Zug nach 
Art von 2.geschrieben 3 . Die zweite Form ist selten 4 , 
am häufigsten noch in Koranen, hier deutlich als Grenz* 
form der vorigen 5 . Die dritte Form kommt nur ganz 
vereinzelt vor 0 . — Von der einfachen Winkelform des 
> kommt man zu der II 4 vorliegenden Ligatur, 
die denen des nashi, ä usw., ziemlich nahekommen. 
Sie finden sich nicht häufig auf Münzen 7 und In* 
Schriften 8 , herrschen aber in den Koranen. Vereinzelt 
weist noch der Winkel die an seine Entstehung aus 
der eben unter 2 besprochenen Form erinnernde schräge 
Lage auf 9 . Inschriftlich häufiger als diese einfache 
Winkelligatur und neben der Durchkreuzung am ge* 
wohnlichsten ist die Ligatur 10 , bei der im Anschluß an 
die gewöhnliche Inschriftenform des > - sich die Quer* 
linie nach rechts über die Spitze des Winkels fortsetzt, 
wie I 6. 8.14, II 5.7. Auf alten Münzen istdieseForm, 
wie das bei ihrerKünstlichkeit nicht anders zu erwarten 
ist, kaum nachzuweisen,* wohl aber gelegentlich in 

1 Musil 1, Inschrift al-Mahdi's, Casanova 2. 3. 5. 7. 8,Felsen- 
dom-Inschrift al-Ma'mün's, Inschrift des Nilmessers von 199 
(bei Final--), Lanci t. 3, Berchem Egypte 5.6.10 (von 265)/ver¬ 
einzelt noch spät. 

2 Deutlich Pal. Soc. 59/ und neben Winkelformen Moritz 17. 
20. 25. 2Ö. 27. 30, Pal. Soc. 19, Tisserant 41b, Griffini. Oft liegt 
die Kreuzung in dem Winkel zwischen dem senkrechten Strich 
des vorhergehenden Buchstabens und dem wagrechten des 

3 Tisserant 41 a./ wahrscheinlich stets. 

4 Z. B. Br. Mus. S. 23 Nr. 148 von 79/Berl.’304 ivon 81, und 
beträchtlich später Glasgew. 27 G von 223; dazu Felscndom- 
Inschrift al-Ma'mün's, Lanci 1. 

6 Moritz 44. 45 a. 

6 Berl. 21, byzantinischer Typus,- Glasgew. 25 von 165— 167. 
Mit Ansatz nicht ganz am unteren Ende des schrägen Striches 
Casanova 2 bei Final--* 

7 Z. B. Br. Mus. S. 21 Nr. 131 von 95, Glasgew. 10 von 133 — 141. 

8 Casanova 2. 3. 8, Berchem Ilgypte 18, Lyons. 

ö Br. Mus. S. 19 Nr. 119 von 84. 

10 Zisterneninschrift von Ramie, Inschriften des Nilmessers von 
199 und von 233, Casanova 2. 3. 4. 5. 6. 8. 9, Amador S. 320, 
Berchem Egypte 6. 18, Lanci 3. 4 a. 

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Koranen 1 . Dabei ist zu beachten, daß in der Koran- 
schrift mit ihren sehr dicken Strichen die verschiedenen 
Formen oft schwer auseinander zu halten sind. — 
Von der Durchkreuzung geht eine vereinzelt vor- 
kommende Form aus, bei der der schräge Strich, statt 
die Querlinie zu durchkreuzen, nur nach oben aus ihr 
emporragt 2 . 

Die Zurückbiegung der Querlinie zur Bildung der 
Finalform des wie sie 1 16 vorliegt, kommt gelegent- 
lieh schon vorarabisch vor. Sie ist aber, wenn sie auch 
inschriftlich herrscht (bisweilen schon früh in reebt- 
winkliger Stilisierung 3 ), nicht die einzige Form, die 
altarabisch vorhanden ist: auf den Münzen 4 läuft die 
gerade Querlinie weit nach links und endet dann in 
einem kleinen, sich nach unten zurückbiegenden Haken. 
Dieselbe Form kommt koranisch 5 vor/ herrschend 
geworden ist aber in der Koranschrift die auch auf 
Münzen vorkommende 6 ganz gerade Fortsetzung der 
Querlinie nach links ohne jeden Bogen 7 . 

o erscheint I 5. 9. 10 in der kufisch gebräuchlichsten 
Form (die kleinen Schwankungen in bezug auf Rich¬ 
tung und Länge des aufrechten Striches sind un¬ 
wesentlich), die auch auf den Münzen schon durchaus 
herrscht. Die scharfen Ecken dieser Form und die 
genau parallele Richtung der beiden Querlinien sind 
jedoch sekundär; ältere Münzen zeigen noch rundere, 
kursivere Formen 8 , denen auch manche Inschriften 9 
und Korane nahestehen 10 . Anderseits ist der lange auf¬ 
rechte Strich überhaupt ein jüngeres Element/ zum 
ursprünglichen Bestand gehört wie im hebräischen T 11 
nur ein einfacher Querstrich (für den auch ein nach 

1 Moritz 1. 13. 17. 31. 32. 45 b/ natürlich ohne das verdickte 
Strickende rechts. 

2 Inschrift al-Mahdi's, Zistemeninschrift von Ramie, Land z, 
Berchem ßgypte to/ und Münze Br. Mus. S. 137 Nr. 394 von 
291 <neben Durchkreuzung). 

3 Inschrift des Nilmessers von 199 — wenn wirklich so alt. 

4 Z. B. Berl. 192 von 76, 193 von 77, Stickel 55 von 83, Paris 
479 von 114/ auf jüngeren Münzen die gewöhnliche Form mit 
großem Bogen, z. B. Glasgew. 25 von 165—167, Paris 744 von 
172, Berl. 1042 von 172. 

5 Der Münzform am nächsten kommendTisserant4ia, schwächer 
gebogen Moritz 44; schon stark stilisiert Moritz 36, Pal. Soc. 19. 

0 Berl. 44, Typus mit Kalifenbild, Glasgew. 1 von 99 — 101. 

7 Z. B. Moritz 1. 17. 26. 28. 39. 

3 Stickel 29 von 65—86, Br. Mus. S. 1 Nr. t von 77 <mit sehr 
kurzem Schaft), Berl. 304 von 81, Glasgew. 2 von 102. 

9 Meilensteine c Abd al-Malik's, Inschrift und Bleisiegel Hisäm's, 
Felsendom-Inschrift al-Ma'müns. 

10 Moritz 45 b. Pal. Soc. 19. 59, Tisserant 41 a. b. 

11 Da die hebräische Quadratschrift ebenso wie die arabische 
Schrift aramäischen Ursprungs ist, darf sie unbedenklich zum 
Vergleich herangezogen werden. 


oben offener Bogen eintreten kann). Auf Münzen 1 
und in alten Koranen 2 ist diese schaftlose Form nicht 
ganz selten, auf Inschriften ganz vereinzelt 3 . Die 
stereotype spätere Koranschrift geht auch von dieser 
Form aus,- das o besteht hieraus zwei nahe beieinander 
liegenden rechts verbundenen langen Querbalken, 
deren oberer links einen ganz dünnen, schrägen An¬ 
satz trägt. In kursiverer Gestaltung nähert sich die 
Form ohne aufrechten Strich dem einfachen nach links 
offenen Winkel das nashi, bleibt aber von ihm da¬ 
durch verschieden, daß das kufisdhe o stets mit Ab¬ 
setzen, von oben her, geschrieben wird. Dieser 
Winkel liegt auch schon auf ältesten Münzen 4 vor. 
In späterer Zeit dringen oft kursive Formen des nashi 
ein, die manchmal den alten, vorkufischen Kursiv¬ 
formen ähnlich sind. — In II finden wir dekorative Ver¬ 
änderungen, die auch anderwärts auf etwa gleichalt¬ 
rigen Inschriften zu belegen sind: II 10 Verlängerung 
des Schaftes 5 , II 2. 5 (!l\£) Umbiegung nach links 6 
und II 5 (wVg^j) nach rechts 7 . 

Das ; unsrer beiden Inschriften stellt im wesendichen 
die mit der vormuhammedanischen übereinstimmende 
kufische Normalform dar, nur daß die Annäherung an 
einen rechten Winkel,' die besonders I 6.17, II 4 sehr 
merklich ist, gewöhnlich geringer bleibt 8 und zumTeil 
vielmehr umgekehrt fast ein Halbkreis erreicht wird 9 . 
Kleine Schwankungen, wie daß der Bogen sich bald 
mehr nach links oben, wie in unsern Grabschriften, 

1 Stickel 15 von etwa 40, Paris 172 von 79, Berl. 338 von 94, 
Glasgew. 7 von 125 — 132. 

2 Moritz 44, Griffini. 

3 Z.B. Musil 1. 

4 Stickel 17 von etwa 41—61, Br. Mus. S. 1 Nr. 1 von 77, 
Berl. 295 von 78/ abgerundet Paris 33 von 23. 

5 Schon Zistemeninschrift von Ramie, und dann mir erst 
wieder bekannt in Amador 18 von 346, 53 von 354. 

6 Moritz, Casanova 3. 5. 7. 8, Berchem Ilgypte 5. 6. 

7 Ähnlich Moritz, Berchem ligypte 6. 10, Casanova 8, und 
Glasgew. 16 von 144—152, Par. 1049 von *88/ ganz genaue 
Entsprechungen aber wohl erst später, z. B. Jerusalemer Holzrelief 
von 413, s. M. de Vogüe, Le temple de Jerusalem 1864, Tafel 37/ 
Stoff von al-Mustansir 427—487, s. Die Ausstellung von Meister¬ 
werken muhammedanischer Kunst in München <s.o.S. 49 Anm.2), 
darin M. van Berchem, Arabische Inschriften, Nr. 2/ Land 14 
von 470. 

8 Unsern Inschriften sehr nahe kommend etwa Lyons und In¬ 
schrift des Nilmessers von 233/ hier allerdings auch spitzwinklige 
Formen und Ansätze zu der Verlängerung des senkrechten 
Striches, die die Verwechselbarkeit von ; und erhöht. Scharfer 
rechter Winkel z. B. Zisterneninschrift von Ramie, Berchem Egypte 
10. 18. S. 38, Land 3/ auf Münzen erst spät: Paris 926 von 221, 
Glasgew. 27 G von 223, Br. Mus. S. 120 Nr. 343 von 253. 

0 Voller Halbkreis nach links schon Meilensteine c Abd al- 
Malik's. 

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bald mehr nach links öffnet, sind bedeutungslos. Die 
Verschiedenheiten in der Stellung des ; zur Zeile — im 
allgemeinen unter sie herabreichend, gelegentlich, wie 
I 17 und annähernd auch II 7, auf ihr stehend — sind 
auch anderwärts zu belegen 1 . Sie hängen damit zu* 
sammen, daß ; , wie sich an Münzen und Koranen be¬ 
obachten läßt, teils mit Absetzen geschrieben und dann 
bisweilen direkt von oben auf die Zeile aufgesetzt 2 , 
teils — die jüngere Form — in einem Zug unten an die 
Querlinie angehängt 3 wird,- einen Übergang zwischen 
beidem bilden manche Korane 4 , in denen das ^ ein 
wenig über der Zeile angesetzt wird, und zwar so 
weit rechts, daß das Ende des Querbalkens den Strich 
des ) schneidet,- dieses Ende bildet dann mit dem 
Ansatz des ; einen verdickten Kopf, ähnlich dem, der, 
anders entstanden, II 1 in jil vorliegt. — Im ara¬ 
bischen ; r, • z sind zwei ganz verschiedene Zeichen 
zusammengefallen, von denen nur das ursprünglich r 
bedeutende von Haus aus eine Krümmung aufwies, 
während das alte z wie noch das syrische 1 im wesent¬ 
lichen aus einem geraden Strich bestand. Vielleicht 
ist es eine Nachwirkung dieses zweiten Zeichens, daß 
auf manchen alten Münzen 5 , seltener inschriftlich 6 , 
das ; nur eine ganz schwache oder gar keine Krüm¬ 
mung zeigt. Besonders stark ist die Krümmung um¬ 
gekehrt in der üblichen Koranschrift 7 / daneben finden 
sich hier aber auch offenere, der gewöhnlichen Inschriften*» 
form nahestehende und somit ältere Formen 8 . Ganz 
sekundär sind, trotz ihres recht frühen Auftretens 9 , 
spitzwinklige Formen, und ebenso doppelt geknickte 10 . 

** ist einer der Buchstaben, bei denen die Unnatür¬ 
lichkeit der gewöhnlichen kufischen Schrift deutlich zu 
Tage liegt. Formen wie I 2, II 2 ließen sich in Schreib¬ 
schrift nur dadurch herstellen, daß man die Haken einzeln 

1 Auf der Zeile 2. B. schon i. Meilenstein ‘Abd al-Malik's/ 
ältere Münzen und die Korane wohl stets. 

* Besonders deutlich z. B. Paris 202 von 73, Br. Mus. S. 21 
Nr. 13t von 95, S. 10 Nr. 59 von 113. 

3 Z. B. Br. Mus. S.39 Nr. 21 von 155, Paris 1615 von 207/ und 
auch Koran Griffini, Moritz 45 b. 

4 Ganz deutlich z. B. Moritz 31. 35. 37, Meisterwerke 1. 2. 

0 Berl. 18. 21, beide byzantinischer Typus/ Paris 158 von 40, 
Stickel 29 von 65—86. 

6 Ziemlich schwach gekrümmt Felsendom-Inschrift al-Ma'mün's, 
Lanci 2. 

7 Vereinzelt diese Form auch inschriftlich, z. B. Casanova 6. 

8 Moritz 44, Pal. Soc. 59, Tisserant 41a/ ähnlich dann wieder 
unter Einwirkung des nashi Moritz 45 a. b. 

9 Stickel 1 von Omarl. <13—23), 34 von 77/ Musil i, Zisternen¬ 
inschrift von Ramie, Inschrift des Nilmessers von 233,AmadorS.32o. 

10 Inschrift des Nilmessers von 233, Berchem Egypte 5. 6, 
Lanci 3. 


an- oder aufsetzte. In Wirklichkeit hat man, wie alte 
Münzen und Korane zeigen 1 , auch schon in ältesterZeit 
nicht wesentlich anders geschrieben als im nashi***, die 
eckigen Formen sind künstlich monumental. Ebenso 
ist es mit der II1. 6 vorliegenden und auch anderwärts 
vorkommenden 2 jüngeren Form mit spitzen Zähnen,* 
sie diente offenbar der Unterscheidung des ~ von drei 
aufeinanderfolgenden a <^), Die Koranschrift erzielt 
diese Unterscheidung durch geringere Höhe des da¬ 
her ist hier die spitzzahnige Form nicht eingeführt 
worden. Nur manchmal sind die schräg abgeschnittenen 
Zacken so niedrig, daß auf der niedrigeren Seite der 
senkrechte Grenzstrich verschwindet 3 ,* dadurch entsteht 
auch eine spitze Zahnform, die jedoch meist unsym¬ 
metrisch ist. 

und bi sind in kufischer Schrift nicht immer ganz 
leicht zu unterscheiden, da der Hauptunterschied, die 
verschiedene Länge des aufrechten Striches, oft fast 
verschwindet. Auch in I ist der Abstand zwischen 
dem *0 Z. 13 und dem b Z. 7 nicht mehr sehr groß. 
Bisweilen ist man umgekehrt, um den Unterschied zu 
markieren, sogar so weit gegangen, dem aä den ihm 
zukommenden senkrechten Strich ganz zu nehmen 4 . 
Wo der Höhenunterschied verschwunden ist, wie be¬ 
sonders oft auf Münzen, bleibt als Unterscheidungs¬ 
merkmal nur die verschiedene Schreibweise, soweit sie 
in der Nachbildung der Schreibschrift auf hartem Ma¬ 
terial noch erkennbar ist. Beim 00 ist eigentlich der 
rechts liegende Bogen nur Anhängsel an den linken 
Teil, wie das noch das hebräische y deutlich zeigt,* 
daraus ergibt sich eine Schreibweise mit Absetzen 5 . 
Dieses läßt sich vermeiden, wenn man mit dem Bogen 
rechts anfängt,* so kommt man zu der dem nashi 
zugrunde liegenden Strichführung, zu der aber ku- 
fisch höchstens Ansätze vorhanden sind 6 . b dagegen 

1 Besonders deutlich 2. B. Berl. 94 von 53, Br. Mus. S. 1 Nr. t 
von 77, Moritz 44, Tisserant 41 a. b. 

* Zisterneninschrift von Rande, Casanova 4. 6, Lanci 2. 4a, 
Berchem 6gypte 5, Lyons, Münzen Berl. 136 von 67, Par. 1387 
von 120. 

3 Moritz 13. 31. 38, Pal. Soc. 19. 

4 Aus älterer Zeit mir nur bekannt Lanci j . 2. 3,* jünger Lanci 
4a von 343, Musil 2 von 368—380, Lanci 5a von 380. 

5 Br. Mus. S. 181 Nr. 42, omaijadisch/ Berl. 76 von 98. 

8 Kupfermünze Paris 1475, omaijadisch / und Glasgew. 393 von 
125—132, wo jedoch die Fortsetzung der Querlinie nicht von der 
Zacke, sondern mit Absetzen von dem untern Teil des Bogens 
auszugehen scheint. Vielfach läßt sich zwischen dieser und der 
vorigen Form nicht sicher scheiden,- deutlich zu erkennen ist nur, 
daß der obere Teil des Bogens von der Zacke durch einen Zwischen¬ 
raum getrennt ist. So Paris 158 von 40, Br. Mus. S. 14 Nr. 84 
von 79, Berl. 312 von 84. 


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wird eigentlich wie hebräisch 13 ohne Absetzen von oben 
geschrieben 1 . Bei der Verbindung mit einem vorher* 
gehenden Buchstaben aber hat sich schon früh eine 
andre Strichführung entwickelt, daß nämlich die Quer* 
linie des vorhergehenden Buchstaben sich in dem von 
unten nach oben geschriebenen Schaft des Ja fortsetzt, 
und der Bogen rechts mit Absetzen nachträglich zu* 
gefügt wird 2 . Zu diesem Zug paßt sehr gut das links 
unten abgerundete -La II4 <im Gegensatz zu dem links 
unten mit Ausstrich endenden nashi -1 a> 3 . Nun gibt 
es allerdings noch einen beiden Buchstaben gemein* 
samen Zug: daß an dem obersten Ende begonnen 
und der Bogen in der Richtung des Uhrzeigers unten 
angesetzt wird. Für .0 ist diese Form, obgleich schon 
ziemlich früh belegt 4 , sicher sekundär, wie aus ihrer 
starken Verschiedenheit von der Grundform hervor* 
geht,- für b dagegen, obgleich mir aus islamischer Zeit 
neben einigen alten Koranen 5 nur wenige und nicht 
besonders alte Belege bekannt sind 6 , schon vorarabisch. 

Die ornamentale Gestaltung des Final*^o durch 
Umbiegung des Ausstriches II, 6 begegnet auf wenig 
jüngerer Inschrift ebenfalls 7 / auf andern Inschriften der* 
selben Zeit findet sich die gleiche Verzierung am ; 8 . - 
Die Biegung des -b-Schaftes II 4. 8 entspricht der oben 
besprochenen Behandlung des o 9 . 

Die Grundform des £ liegt im hebräischen V vor: 
zwei einen nach oben offenen Winkel bildende Striche, 
von denen sich der rechte über den Scheitel des Winkels 
nach links unten fortsetzt. Am längsten gehalten hat 
sich diese Form in der Verbindung mit einem vorher* 
gehenden Buchstaben, indem dessen Querlinie sich in 
dem linken Schrägstrich fortsetzt/ so entsteht das oben 
offene kufische *, das sich also vom nashüx durch das 
Fehlen des oberen Querstrichs unterscheidet. Die ge* 
schlossene Form, wie sie I 2. 4., II3.11 vorliegt, ist erst 

1 Arabisch sicher nachweisbar wohl nur in nicht-kufischer Schrift 
auf alten Papyri,- annähernd (ähnlich der in der vorigen Nummer 
beschriebenen Form des <0) par. 202 von 73, Glasgew. 4 von 199. 

2 Vgl. schon Berl. 18, byzantinischer Typus/ deutlicher Berl. 
418 von 87, Br. Mus. S. 27 Nr. 174 von 88, Glasgew. 393 von 
125-132. 

3 So auch Glasgew. 391 von 65 — 86/ Casanova 2. 

4 Berl. 327 von 79, Paris 172 von 79, Br. Mus. S. 23 Nr. 148 

von 79/ dann wieder Glasgew. 25 von 165—167. 

6 Pal. Soc. 59, Tisserant 41 b. 

6 Br. Mus. S. 14 Nr. 84 von 79/ Moritz. 

7 Berchem Egypte 10 von 265,- Ansätze schon 1. Meilenstein 
Abd aUMalik's, Inschrift Hisäm's. 

8 Moritz, Casanova 8. 

9 Auch Inschrift des Nilmessers von 199, Casanova 4. 5. 8, 
Berchem Egypte 6. 


seit dem 2. Jahrhundert nachweisbar *, und inschriftlich 
gehört unser Grabstein I zu den ältesten Belegen 2 ,* 
in kufisdien Koranen findet sie sich wohl überhaupt 
nicht. —- Auch außerhalb der Verbindung mit einem 
vorhergehenden Buchstaben läßt sich die Grundform 
nur mit Absetzen schreiben,* diese Schreibweise — 
nur mit wagerechter statt schräger Lage des von 
rechts nach links verlaufenden Striches — kommt in 
alter Zeit noch vereinzelt vor 3 . Vermeiden läßt 
sich das Absetzen, indem man vom Fußpunkt des 
linken Striches nach der rechten Spitze hinauf* und dann 
wieder zurückfährt/ so ist die übliche Form £ £ ent* 
standen, und zwar schon in vorarabischer Zeit. Unsre 
Grabsteine zeigen 1 2, II9 fast vollkommen die nashi * 
Form,* anderwärts finden sich kleine Abweichungen, 
indem der Bogen mehr nach rechts oben geöffnet — 
so in der gewöhnlichen Koranschrift, mit weit nach rechts 
ausgezogener Spitze — und mehr oder weniger flach 
ist 4 . — Die Finalform ist ebenso gebildet wie bei £,* so 
herrscht auch in der Koranschrift in dem nach rechts 
unverbundenen £ der gerade nach links fortgefuhrte 
Querbalken eventuell mit einer schwachen Abwärts* 
biegung am Schluß 5 . In dem mit dem vorhergehenden 
Buchstaben verbundenen £ würde wagrechte Fort* 
führung des Schlußstriches nur mit Knickung dieses 
Striches möglich sein/ hier geht deshalb in ältesten 
Münzen 6 und Koranen 7 der Schlußstrich vielmehr 
schräg nach links abwärts. Später <nicht, wie bei £, auch 
schon vorarabisch) wird der Schlußstrich nach rechts ge* 
bogen, wie auch 1 4, II11; in der Koranschrift wird diese 
Form vielfach durch eine jüngere mit einem unter 

1 Glasgew. 4 von 119, 10 von 133 — 141 — also nicht eigent¬ 
liche Münzen! 

2 Noch älter Zisterneninschrift von Ramie/ wenig jünger In¬ 
schrift des Nilmessers von 199, Moritz, Casanova 2. 3,Felsendom- 
Inschrift al-Ma'mün's. — Daß auch die älteste Inschrift des 
Nilmessers schon die geschlossene Form hat, macht ihre Datierung 
(angeblich 96—99) sehr unwahrscheinlich (vgl. schon oben 8.57a 
Anm*3>. Übrigens ist die offene Form auch bis in spätere Zeiten 
nicht völlig aufgegeben worden. 

3 Korane: ganz deutlich in einer Finalform Pal. Soc. 59, und 
wohl auch Moritz 44. Von dieser Form aus erklärt sich die in 
Koranen häufige ohne Absetzen, aber mit spitzem Winkel statt 
des Bogens. — Münzen: Br. Mus. S. z7 Nr. 174 von 88, und 
besonders deutlich Glasgew. 393 von 125 — 132, 12 von 141 — 143. 
— Inschriften al-Mahdf's und Hisäm's. 

4 Fast nur noch eine senkrechte Linie Stickel 29 von 65—86, 
Paris 202 von 73, Berl. 295 von 78. 

5 So Pal. Soc. 59/ gerader Schlußstrich Moritz 6.17, stilisierter 
Haken Morit2 16. 

6 Stickel 34 von 77, Br. Mus. S. 1 Nr. 1 von 77, Paris 172 
von 79. 

7 Pal. Soc. 59. 

8 * 


59 


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Knickung oder Absetzen angehängten besonderen 
Schlußbogen ersetzt 1 . Die Zurückbiegung am Ende 
des Schlußbogens II11 ist eine der beim lp beobach¬ 
teten umgekehrten Zurückbiegung entsprechende Ver¬ 
zierung 2 . 

/ und k sind sowohl nach beiden Seiten <1 4.12, II 4) 
als nur nach links verbunden <1 9, II3) in unsern In¬ 
schriften in den Normalformen vertreten. Zu beachten 
ist Spitze statt Rundung II11 3 , und der Ansatz zu Aus¬ 
bildung eines Stiles <auf dem die Schleife sitzt, statt so 
niedrig zu liegen, daß ihr Anfang und Ende ohne Knick 
in den Querbalken überginge) I 4, auch II4,* obwohl 
dies an die alte Form des k, das ja auch hebräisch einen 
langen Stiel hat <p>, anknüpft, ist es doch auf arabischem 
Gebiet erst ziemlich spät belegt 4 und wohl Neuerung. 
Ebenso ist es mit einer an das alte p anknüpfenden 
Form des *, bei der die Schleife wie bei 5 unsym¬ 
metrisch ist/ auch diese Form erscheint erst spät 6 und 
ist sicher durch Übertragung der Anfangsform in die 
beiderseitige Verbindung entstanden. Kleinere Ab¬ 
weichungen sind quadratische Schleife bei * statt der 
runden, und zwar entweder mit einer Ecke auf der 
Zeile stehend® oder mit einer Seite aufliegend 7 . Von 
dem später häufigen Zusammenfallen der Formen für 
& und * ist in älterer Zeit noch nichts zu spüren. 

Das finale k — das finale /, das im wesentlichen dem 
nasAi-wi gleicht, fehlt in unsern Inschriften — hat die 
inschriftlich herrschende 8 , auf Münzen aber erst seit 
Ende des 1. Jahrhunderts 9 auftretende Normalform/ 
sie hat eine in der Koranschrift noch allein geltende und 
auf Münzen sehr häufige ältere Form verdrängt, bei 
der der Schlußbogen doppelt ausgebuchtet ist (einer 3 
ähnelnd). Daneben kommt auf alten Münzen noch eine 
der Grundform (vergleiche hebräisch p> näherstehende 
Form vor, bei der der Schlußstrich gar nicht gebogen 
ist, sondern gerade abwärts geht 10 . — Die dekorative 
Zurückbiegung des Schlußstriches, die wir in II bei 

1 Moritz 17. 2t. 24. 26. 27. 

2 Bei £ auch Casanova 5. 

3 Aucfc Inschrift des Nilmessers von 233, Berchem Egypte 5. 6. 
S. 38/ und wenigstens beim s Land 1. 2, Berchem Egypte 10, 
sowie Koran Moritz 45 a. 

4 Münzen: Glasgew. 27 von 169, Br. Mus. S. 66 Nr. 156 
von 189. Inschrift des Nilmessers von 199, Casanova 2. 3. 4. 5. 

6 Inschrift des Nilmessers von 199, Land 1.2/Koran Moritz 45 b. 

6 Inschrift des Nilmessers von 233/ Koran Moritz 45 b. 

7 Schon Musil 1 (neben der gewöhnlichen runden Form). 

8 Ansatz zu doppeltem Bogen 1. Meilenstein ‘Abd al-Malik's. 

9 Br. Mus. S. 21 Nr. 131 von 95, S. 181 Nr. 44 omaijadisch/ 
Berl. 606 von 133, Paris 578 von 134. 

10 Paris 158 von 40, Stickel I von 77, Br. Mus. S. 1 Nr. 1 von 77, 
Berl. 295 von 78, Br. Mus. S. 23 Nr. 148 von 79. 


fanden, fehlt hier, während sie anderwärts auch bei L 4 
vertreten ist 1 . 

k ist in kufischer Schrift wie auch auf unsern In¬ 
schriften meist dem d sehr ähnlich. Da aber A nicht 
mit dem folgenden Buchstaben verbundenwerden kann, 
ist jede nach links verbundene Form ohne weiteres als 
k kenntlich/Verwechslungen sind nur möglich zwischen 
0 A und finalem dJ Diese Erwägung hat dazu geführt, 
daß in der Koranschrift beim links verbundenen t £ 
auf Unterscheidung vom d vollständig verzichtet wird, 
finales d) aber durch einen hohen senkrechten oder 
schrägen Schaft und häufig außerdem durch Vor¬ 
ragen des untern Querstriches über den obem nach links 
zu ausgezeichnet wird. Weniger ausgeprägt findet sich 
diese Behandlung auch auf Münzen 2 und Inschriften 3 , 
zu denen I gehört: die Finalformen 1 6.9 unterscheiden 
sich deutlich von d durch längeren Schaft und vor¬ 
stehende untere Querlinie, die Verbindungsformen 
I 4. 7, 3.14 kaum. In II dagegen finden wir neben 
dem durch Vorragen der untern Querlinie (nicht auch 
durch höheren Schaft) charakterisierten *=al Z. 10 das 
von A kaum zu unterscheidende Z. 7; das ist eine 
Verfallserscheinung, eine Rückkehrzu dem auf ältesten 
Münzen und Inschriften 4 vorliegenden Zustand, bei 
dem auf Unterscheidung der beiden Buchstaben so 
gut wie vollständig verzichtet ist. — Auch die Links¬ 
biegung des Schaftes 5 II 3. 7. 9. 10 entspricht ganz 
der bei d. 

Das finale dt hat I 11 wie vielfach auch auf alten 
Münzen® und gelegentlich Inschriften 7 sowie in den 

1 Moritz. 

2 Br. Mus. S. 22 Nr. 14t von 131, S. 44 Nr. 48 von 148: lang 
gestreckte, eng aneinanderliegende, nach rechts sieb nähernde 
Qucrlinien, deren untere allerdings nicht merklich vorragt, hoher, 
senkrechter Schaft/ breit gezogen ist allerdings hier auch das d. 
Berl. 418 von 87, Br. Mus.S. 24 Nr. 155 von 108, die Ecken schärfer 
und der Schaft etwas höher als gewöhnlich beim d. 

3 Vorragen der unteren Querlinie schon Meilensteine 'Abd al- 
Malik's, Inschrift al-Mahdfs, Felsendom-Inschrift al-Ma'mün's, 
Casanova 2, Land 1. 

4 Ohne Vorragen der unteren Querlinie und fast ohne Schaft 
Musil 1, ganz ohne Schaft Berl. 16, byzantinischerTypus, 86 von 57, 
Paris 184 von 75/ mit kurzem Schaft, aber stark abgerundet Br. 
Mus. S. 1 Nr. 1 von 77. 

6 Auch Moritz, Casanova 3. 4, Berchem Egypte 6. 10. 18, 
Land 3/ sowie Münze Br. Mus. S. 137 Nr. 394 von 291. 

6 Stickel 34 von 77, Br. Mus. S. 1 Nr. 1 von 77, Berl. 327 von 79, 
Paris 207 von 80, Glasgew. 5 von 119, überall mit starker An¬ 
näherung an einfachen Strich / direkt gerader Strich Paris 202 von 73, 
Berl. 192 von 76, Br. Mus. S. 14 Nr. 84 von 79, Glasgew. 6 
von 125—132. 

7 Felsendom-Inschrift al-Ma'mün's, Land 2. 3. 4 a, Lyons. 


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ältesten Koranen 1 noch die schon vorarabische ab* 
gerundete Form/ allerdings findet sich auch die jüngere, 
in der Koranschrift und auf späteren Inschriften herr- 
sehende scharf rechtwinklige Form schon früh 2 . — Das 
kurze zweite l von äUI II 2 ist ein für kufische Schrift 
auffällig früher Beleg für diese im nashi geläufige 
Schreibgewohnheit. 

Grundform des nt ist der halb über, halb unter der 
Linie liegende Kreis: beiderseits verbunden I 1, II 1, 
nur nach links verbunden I 2, II 5, final I 1, II 1/ und 
so überwiegend auf Münzen und seit der ältesten Zeit 
auf Inschriften 3 , sowie herrschend in den Koranen <in 
denen allerdings infolge der unverhältnismäßigen Dicke 
der Striche zwischen dieser und der nächsten Form 
meist schwer zu scheiden ist 4 ). Daneben ist auch schon 
vorislamisch die Form mit durchgehendem Grundstrich 
und aufgesetztem etwa halbkreisförmigem Bogen/ 
arabisch läßt sie sich in deutlicher Ausprägung ver- 
hältnismäßig selten nach weisen 6 . Eine Umbildung 
dieser Form ist das auf der Grundlinie aufsitzende 
Dreieck beiderseits verbunden I 2, final I 11. 13), seit 
dem 2.Jahrhundert häufig genug 6 . Koranisch finden sich 
Anklänge an diese Form, indem die Rundung des nt 
nach oben den Ansatz zu einer Spitze erhält 7 . Eine 
andre Umbildung ist der auf der Linie liegende Kreis: 

1 Vielfach Übergänge zwischen rund und edeig/ entschieden 
rund, meist mit sehr kurzen Schlußbogen, Moritz 44, Pal. Soc. 59, 
Tisserant 4ia.b. 

2 Münzen: Br. Mus. S. 23 Nr. 148 von 79, Glasgew. 3 von 110, 
Paris 464 von 114, Br. Mus. S. 6 Nr. 41 von 129, Berl. 1925, 
omaijadisch, und deutlicher 656 von 133/ Inschriften: Meilenstein 
‘Abd al-Malik's, Inschrift Hisäm's, Zistemeninschrift von Ramie, 
Inschriften des Nilmessers von 199 und 233, Casanova 3, Land 1, 
Berchem Egypte Nr. 6.10, S. 38, Nr. 18 von 268. 

3 Im 1. Jahrhundert: 2. Meilenstein c Abd al-Malik's, älteste 
Inschrift des Nilmessers, Musil 1/ usw. 

4 Meist verschwindet die untere Hälfte des ursprünglichen 
Kreises im Grundstrich, und es erscheint eine langgezogene 
Abart der nächsten Form. 

5 Paris 158 von 40, Berl. 76 von 98, Br. Mus. S. 187 Nr. 65 
von 100/ Inschriften: 1. Meilenstein 'Abd al-Malik's, Inschrift 
al-Mahdi's, Felsendom-Inschrift al-Ma'mün's, Lyons. Hierher 
gehören auch Finalformen, die mit der besprochenen Form da* 
durch verwandt sind, daß der Abstrich nicht in mittlerer Höhe an 
den Kreis angesetzt ist, sondern eine Fortsetzung des untern Teils 
des Kreisumfangs bildet,- sie liegen vor z. B. Berl. 94 von 53, 
Stickel 45 von 61 / und bisweilen in Koranen. 

8 Münzen: Paris 458 von 116, Br. Mus. S. 47 Nr. 67 von 146, 
Berl. 711 von 146, Glasgew. 23 von 158 —169, 25 von 165—167 
(Stickel 17 von 41—60 wohl die gewöhnliche Kreisform, obwohl 
die Zeichnung an ein Dreieck denken lassen könnte)/ Inschriften: 
Inschrift und Bleisiegel Hisäm's, Moritz, Felsendom-Inschrift al- 
Ma'mün's, Casanova 2. 3. 4, Lanci 1. 2, Casanova 9, Lyons. 

7 Moritz 45 a. b. 


nach links verbunden I 8, beiderseits verbunden, und 
zwar sogar auf einem Stil aufsitzend, I 3. 11. Diese 
Form stellt, da in ihr m mit f»k zusammenfällt, eine 
Entartung dar <wie überhaupt das Nebeneinander so 
vieler verschiedener Formen eine Verfallserscheinung 
ist),* trotzdem ist sie nicht ganz selten belegt 1 . — Die 
Finalform hat in der Regel <auch 1 1, II 1) wagrechten 
Abstrich/ auf ältesten Münzen fehlt der Abstrich 
manchmal fast ganz 2 oder zeigt statt nach links viel¬ 
mehr nach unten 3 / letzteres gelegentlich auch koranisch 4 , 
und von Bedeutung, weil von solchen Formen die 
stark ans nashi» erinnernde Finalform 1 13.14 aus¬ 
geht, die seit dem 2. Jahrhundert auch sonst 5 vor¬ 
kommt. —' Gegenüber der großen Mannigfaltigkeit 
der Formen in I überrascht die Einheitlichkeit in II. 

Finales n ist in kufischer Schrift, und so auch auf 
unseren Grabsteinen, von r-z oft schwer zu scheiden: 
das q II9 ist von dem ; II 7, das ^ I 2 von dem ; 11 
kaum verschieden/ und selbst die durch Größe und in 
II auch stärkere Verzierung vor den r-z sich aus¬ 
zeichnenden n I 1, II 1. 5. 9 sind von den r-z viel 
weniger stark verschieden als von dem 2. n II11. In 
diesem kommt nämlich unter dem Druck des Raum¬ 
mangels im Gegensatz zu den sonstigen stark dekora¬ 
tiv veränderten Formen eine einfache und natürliche 
Grundform wieder zum Vorschein; ein neuer Beleg 
für die Künstlichkeit und Unursprünglichkeit der ge¬ 
wöhnlichen kufischen Monumentalschrift. — Die Ge¬ 
stalt des n ist sehr variabel, von ganz flachem Bogen 6 
über Rundungen etwa von der Stärke der in unsern 
Inschriften vorliegenden bis zu vollem Halbkreis <der 
jedoch vielfach nicht, wie bei r-z, nach links, sondern nach 

1 Münzen: Br. Mus. S. 14 Nr. 84 von 79, Berl. 62 von 80, 
Paris 1425 von 87, Glasgew. 10 von 133—141, 23 von 158 —169/ 
Inschriften: Zistemeninschrift von Ramie (nirgends so auffällige 
Stiele wie in I !>. 

2 Berl. 21, byzantinischer Typus, 111 von 55, Stickel 49 von 67, 
Paris 202 von 73, 203 von 76, Br. Mus. 5.1 Nr. 1 von 77, Berl. 295 
von 78. 

3 Paris 184 von 75, Stickel 34 von 77, Br. Mus. S. 1 Nr. 1 
von 77, S. 9 Nr. 54 von 103, Berl. 510 von 106. 

4 Pal. Soc. 59, Tisserant 41 a. b. 

5 Münzen: Paris 458 von 116, Berl. 711 von 146, Br. Mus. S.47 
Nr. 67 von 146, und mit starker Linksbiegung des Schlußstriches 
Glasgew. 23 von 182, Br. Mus. S. 137 Nr. 394 von 291 ,* Inschriften: 
Moritz, Felsendom-Inschrift al-Ma'mün's, Inschrift des Nilmessers 
von 233, Lanci 2, Casanova 9, Lyons/ ausgesprochen nashi - 
ähnlich Koran Moritz 45 a. 

6 Fast nur ein senkrechter Strich Stickel 34 von 77, Glasgew. 6 
von 125—132/ flacher Bogen Paris 158 von 40, Berl. 192 von 76, 
Br. Mus. S. 1 Nr. 1 von 77, S. 14 Nr. 84 von 79/ ziemlich flach 
auch Inschrift Hisäm's, Felsendom-Inschrift al-Ma'mün's. 


61 


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links oben geöffnet ist) 1 / dabei läßt sich kaum ein Unter» 
schied des Alters feststellen, wenn auch die stärksten 
Rundungen wohl auf Stilisierung beruhen. Sicher ist 
dies der Fall bei den nicht in sehr alter Zeit belegten 
eckigen Formen,bei denen an einen ziemlidi langen senk¬ 
rechten Strich unten ein kürzerer wagerechter ange¬ 
setzt ist 2 , ausgehend etwa von flach gebogenen Formen 
wie II n. Diese Form hat auch in der Koranschrift die 
früher üblichen runderen Formen 3 verdrängt, und zwar 
in der Normalgestalt auch am oberen Ende noch mit 
einem Ansatz nach links versehen 4 . In diesen eckigen 
Formen kommt am stärksten die auch sonst sich 
zeigendeTendenzzumAusdruck, das n durch tieferes 
Herabreichen vom r-z zu unterscheiden. Fast durch¬ 
weg erfolgt die Anfügung des n an den vorhergehenden 
Buchstaben in der in unsern Inschriften vorliegenden 
Weise/ nur auf Münzen liegt es, und zwar wohl immer 
infolge von Platzmangel, bisweilen nach rückwärts ge¬ 
bogen ganz unter der Zeile 5 . Ähnliche Zurückbiegung 
des unteren Buchstabenteiles ergibt, wenn der über der 
Zeile liegende Ansatz nicht fehlt, doppelt gebogene 
Formen 6 nach Art des alten Final -(Jj. — Die Zurück¬ 
biegung des Schlußbogens in II ist die schon bei lk? 
besprochene Verzierung 7 . 

Final-» ist teils rund <11 7), teils dreieckig < 1 4. 5.)/ 
beides von altersher auch anderwärts häufig, wobei 
die ursprüngliche <schon vorarabische) runde Form auf 
den Münzen überwiegt 8 und in der Koranschrift fast 

1 Meilensteine Abd al-Malik's, Inschrift al-Mahdi's, Amador 
S. 320, weniger ausgeprägt auch Musil 1 / Paris 158 von 40, Br.Mus. 
S. 27 Nr. 174 von 88, Berl. 418 von 87, 400 von 96, Glasgew. i 
von 99—101. 

2 Inschriften des Nilmessers von 199 und 233, Moritz, Casa- 
nova 4. 7, Berchem Egypte 18 von 268/ daneben gibt es ebenso 
wie bei ) doppelt geknidete <Lanci 1, Berchim Egypte 5. 6) und 
auf der Zeile stehende rechtwinklige (Zisterneninschrift von Ramie, 
Lanci 3) Formen. Münzen: Glasgew. 16 von 144 — 152, Berl. 711 
von 146, Br. Mus. S. 51 Nr. 87 von 166. 

3 Moritz44 und noch flacher Pal. Soc. 59, Tisserant4i a.b,- stets 
beträchtlich größer als ein j . Moritz 45 a steht wieder unter dem 
Einfluß des nashi. 

1 Ohne den oberen Ansatz noch Moritz 17. 45 b, Griffini. 

6 Als Bogen Paris 202 von 73, Br. Mus. S. 19 Nr. 118 von 80, 
Berl. 454 von etwa 98/ seltener als einfacher Abstrich nach schräg 
rückwärts, Paris 158 von 40, Berl. 304 von 81, Br. Mus. S. 11 
Nr. 64 von 81. 

6 Br. Mus. S. 23 Nr. 148 von 79, S. 6 Nr. 41 von 129. 

7 Ebenso Moritz (nur daß das q an sich hier eckig ist), Casa¬ 
nova 4. 5. 

8 Ansätze zu dreieckiger Form Berl. 62 von 80, Glasgew. 392 
von 111/ nach rechts verbunden ausgeprägt eckig erst Br. Mus. 
S. 84 Nr. 228 von 190 (weniger ausgeprägt schon Glasgew. 6 
von 125 — 132). 


ausschließlich herrscht 1 , während die Inschriften mehr 
die dekorativ umgestaltete eckige Form 2 bevorzugen. 
Im Anschluß an einen vorhergehenden Buchstaben be¬ 
kommt auch die runde Form leicht rechts eine Ecke/ 
doch kommen auch hier neben den dreieckigen h aus¬ 
gesprochen runde vor 3 , wie umgekehrt die nur rechts 
eckigeForm sich auch außerhalb der Verbindung findet 4 . 
Ob bei Verbindung mit dem vorhergehenden Buch¬ 
staben abgesetzt und das h genau so wie unverbunden 
von oben her geschrieben oder aber <wie deutlich in 
den ältesten Koranen 5 ) zur Vermeidung des Absetzens 
in dem Schaft erst hinaufgefahren wird, ist von ge- 
ringererBedeutung/ nur erklären sich aus dem letzteren 
Verfahren die Formen II 1. 2 6 , bei denen die leere 
Innenfläche des Buchstabens nicht, wie I 1, dicht neben 
dem Schaft liegt, sondern von ihm durch eine weitere 
Strichbreite getrennt ist. — Der Schaft ist meist senk¬ 
recht <so 1 1, II1. 2), gelegentlich 7 schräg <so 1 4. 5, II7); 
in der Koranschrift ist er nur angedeutet, auf Münzen 8 
fehlt er manchmal ganz,was beides in der geringenGröße 
des Schaftes in vorarabischer Schrift vorgebildet ist. 
Die übermäßige Verlängerung des Schaftes II2 ^ ist 
Verzierung 9 . Den kursiven -Charakter der ältesten 
Schrift bestätigt das Vorkommen der auch in der spä¬ 
teren Buchschrift wieder erscheinenden oben offenen 
Form des * schon auf sehr alten Münzen 10 . — Das 
Nebeneinander verschiedener Formen, das auf unsern 
Inschriften hinter dem bei m zurückbleibt, ist ander¬ 
wärts, wie zum Teil schon die Anmerkungen zeigen, 
kaum geringer als dort. 

Für 0 4 haben unsre Inschriften eine Form, die 
wenigstens I 2 noch so wenig stilisiert ist, daß der 
Schriftzug deutlich erkennbar bleibt: beginnend mit 

1 Ausgeprägt eckig nur Moritz 45 b (in der Verbindung), An¬ 
sätze auch Moritz 37 (alleinstehend). 

2 Rund z. B. Lanci 1, Amador 5. 320. 

3 Musil 1, Inschrift des Nilmessers von 199, Moritz, Casanova 2, 
Lanci 2. 

4 Münzen: Br. Mus. S. 6 Nr. 4t von 129/ Korane: Moritz 29, 
Pal. Soc. 19/ Inschriften: Inschrift des Nilmessers von 199, Moritz, 
Casanova 2. 3. 6. 8, Lanci 1. 

5 Moritz 44, Pal. Soc. 59, Tisserant 41 a. b. 

6 Ebenso Amador. 

7 Münzen: Br. Mus. S. 1 Nr. 1 von 77, Berl. 304 von 81 / In¬ 
schrift al-Mahdi's, Casanova 2. 3. 5, Lanci 1. 

8 Stickel 15 von etwa 40, 45 von 61, Glasgew. 4 von 119. 
Ebenso auch Zistemeninschrift von Ramie, Felsendom-Inschrift 
al-Ma'mün's. 

9 Ebenso Casanova 3, und auch schon auf Münzen: Paris 205 
von 73, Br. Mus. S. 19 Nr. 118 von 80, S. ti Nr. 64 von 81. 

10 Paris 33 von 23, Stickel 17 von 41—60, Berl. 94 von 53, 310 
von 85. 


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der Spitze oben, schräg rechts abwärts, auf der Zeile 
nach links, in dem linken Strich hinauf und in dem 
mitderen wieder herab. Von dreieckigem » unter* 
scheidet sich diese Form also nur durch den mittleren 
Strich, durch den ein Absetzen nach Vollendung des 
Dreiecks vermieden wird. In der Verbindung mit 
einem vorhergehenden Buchstaben < 1 2 II2 A^> 

läßt sie sich nur mit Absetzen schreiben. In II4 ist sie 
schon dekorativ verändert, durch Ausziehen der Spitze 
nach rechts und Biegung des mittleren Striches entgegen 
der Schreibrichtung/ noch stärker in II2 y& durch An* 
Setzung des Sporns 1 wie bei ^. — Die beschriebene 
Form herrscht inschriftlich durchaus 2 , gelegentlich ohne 
die Spitze 3 , also entsprechend dem * ohne Schaft; und 
sie liegt auch der gewöhnlichen Form der Koranschrift 
zugrunde, nur daß der Schaft hier senkrecht und in der 
Regel sehr kurz 4 ist und die beiden leeren Flächen klein 
und rund sind 6 und übereinander liegen, womit zu* 
sammenhängt, dal) der untere Bogen in älterer Zeit 
unter die Zeile greift 6 . Daß trotz dieser weiten Ver* 
breitung und trotz der durchsichtigen Entstehung 
diese Form des P 4 nicht die älteste ist, zeigen die 
Münzen, auf denen sie erst spät auftritt 7 , während 
in alter Zeit andre Formen gebräuchlich sind: ein* 
facher auf der Zeile liegender Kreis 8 , dem schaftlosen 
a entsprechend, und andrerseits zwei übereinander 
liegende Kreise, entweder nach Art des nashi*$ der 
eine über, der andre unter der Zeile 9 , oder beide 
über der Zeile 1 °. Diese beiden letzten Formen scheinen 
direkte Fortsetzung von vorarabischen zu sein,* wenn 

1 Bei £> finde ich ihn erst wieder Lanci 6 a von 416. 

2 Belegt schon auf dem Meilenstein Abd aUMalik's. 

3 Inschrift al-Mahdi's, Musil 1, Berchem Egypte 10. 

4 Ausgeprägter Schaft noch Moritz 44, Pal. Soc. 59, Tisse- 

rant 41 a. b. 

6 Eine eigentümliche Umbildung Moritz 17, Pal. Soc. 19: die 
beiden Flächen, in länglicher Gestalt, stoßen unter einem Winkel 
zusammen, so daß also der mittlere Strich unterbrochen ist! 

6 Moritz 13. 44, Pal. Soc. 59, Tisserant 41 a. b, Griffini. 

7 Glasgew. 25 von 165 —167, Z3 von 158-'169, und wohl auch 
Berl. 711 von 146, Br. Mus. S. 84 Nr. Z28 von 190, Paris 915 von 207. 
Verwandt ist eine seltene dem nashi-p ähnlich geschriebene Form, 
Br. Mus. S. 24 Nr. 155 von 108, Glasgew. 20 von 158—1Ö9. 

8 Stickel 34 von 77, 40 von 90, Berl. 338 von 94, Paris 458 
von 116, Glasgew.11 von 133 — 141, Br. Mus. S. 47 Nr. 67 von 146/ 
meist wenig deutlich. 

9 Paris 158 von 40, Br. Mus. S. 23 Nr. 148 von 79, 
S. 19 Nr. 118 von 80, Berl. 295 von 78, 304 von 81/ und mit 
spitzem Dreieck statt der oberen Rundung Berl. 418 von 87, 
Br. Mus. S. 27 Nr. 174 von 88, Berl. 400 von 96, Paris 394 von 97. 
Die runde Form auch Bleisiegel Hisäm's, Felsendom-Inschrift 
aUMa'mün's. 

10 Paris 184 von 75, Br. Mus. S. 1 Nr. 1 von 77, Berl. 338 von 94. 


das zutrifft, besteht die Möglichkeit, daß auch die in* 
schriftliche Normalform erst aus der zweiten von ihnen 
umgeformt ist. Vereinzelt findet sich auf Münzen 
noch eine weitere Form — zwei nach links geneigte 
Zähne nebeneinander auf der Grundlinie 1 —, diezwar 
auch manchen vorislamischen Formen ähnelt, aber bei 
ihrem erst recht späten Auftreten doch wohl nur ein 
Abkömmling des oben offenen * ist. Inschriftlich kommt 
in derZeit unsrer Inschriften noch eine weitere, offenbar 
sekundäre Form vor: annähernd ein durch eine senk* 
rechte Linie geteilter Halbkreis mit einer Spitze als 
Verlängerung dieser mittleren Linie 2 oder mit einem 
besonderen Schaft am rechten Ende 3 . 

5 y ist teils unten rund <112; das y in 3. 8>, teils eckig 
<U 3 die beiden ./ weniger ausgeprägt I 3. 5.13). Das 
ältere und verbreitetere ist die Rundung,- die eckige 
Form ist auf Münzen erst seit Anfang 4 , inschriftlich 
erst seit Ende des 2. Jahrhunderts 5 zu belegen. Noch 
älter, nur auf Münzen vorkommend, ist gerade 
abwärts gehender Schlußstrich 6 vielfach von ganz ge* 
ringer Länge 7 . Der Kopf ist auf unsern Grabsteinen 
im allgemeinen rund; nur II 3 zeigt er Ansatz zu 
einer Spitze. Die Form mit spitzem Kopf ist in* 
schriftlich nicht selten 8 , in ältester islamischer Zeit 
aber nicht nachweisbar 9 , obwohl sie bereits in vor* 
arabische Zeit zurückgeht. Das unverbundene ^ steht 
von Haus aus auf der Zeile, wie noch I 13 und wohl 
auf allen alten Münzen und in der Koranschrift/ auch 
inschriftlich nicht selten 10 . — II zeigt wieder dekorative 

1 Br. Mus. S. 63 Nr. 139 von 170, S. 76 Nr. 193 von 173, Paris 
926 von 221. 

2 Casanova 4. 

3 Inschrift des Nilmessers von 199, Casanova 4, Amador 
S. 321, Berchem ligypte 6 von 261, S. 38 von 265. 

4 Br. Mus. S. 23 Nr. 148 von 79, Berl. 418 von 87, Paris 343 
von 93, Glasgew. 4 von 119, Br. Mus. S. 6 Nr. 41 von 131. 

6 Inschrift Hisäm's, Zistemeninschrift von Ramie, Inschrift des 
Nilmessers von 199, Moritz, Casanova 2.3.4.5.6. 8, Berchem 
Egypte 10. 18, Lanci 3. 

6 Berlin 39, Typus mit Kalifenbild/ Paris 33 von 23 <Abstrich 
links!), Stickel 15 von etwa 40, 29 von 65—86, Paris 202 von 73/ 
1. Meilenstein ‘Abd aUMalik's. 

7 Berlin 21,byzantinischer Typus ,• Stickel 17 von 41— 61, Paris 202 
von 73, Br. Mus. S. 1 Nr. 1 von 77, Paris 1517 von 92 (einfacher 
Kreis !>. 

8 Zisterneninschrift von Ramie, Inschriften des Nilmessers 
von 199 und 233, Moritz, Casanova 6, Lanci 1. 2. 3, Berchem 
Egypte 5. 6. 10. 18. 

9 Münzen: Br. Mus. S. 51 Nr. 87 von 166, Ansatz auch schon 
Glasgew. 3 von 110/ Koran: Moritz 45 a (Ansatz). 

10 1. Meilenstein‘Abd aUMalik's, Inschrift Hisäm's, Zistemen¬ 
inschrift von Ramie, Musil 1, Moritz, Casanova 2. 3. 4. 5. 6. 8, 
Berchem Egypte 5. 6. 8, Lanci 3. 


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Veränderungen: Zurückbiegung des Schlußbogens II3 1 
wie bei und 0 , und Verlängerung dieses Bogens 
nach links <$ von II 3> 2 . 

Finales ^ hat zwei stark verschiedene Formen, die 
eine nach links, die andre nach rechts gewendet/ beide 
sind vorarabisch, und wenn die links gewendete Form 
islamisch erst verhältnismäßig spät nachzuweisen ist 3 , 
so liegt das daran, daß auf den den größten Teil des 
ältesten Materials bildenden Münzen die rechts ge¬ 
wendete Form ihres geringeren Raumbedarfs wegen 
bevorzugt wurde. Die links gewendete Form hat auf 
unsern Inschriften noch eine natürliche, ungekünstelte, 
runde Gestalt, wie auf den Münzen und vielen 
Inschriften 4 , in der Koranschrift nur noch vereinzelt 5 ,- 
hier ist nämlich eine Stilisierung durchgedrungen, bei 
der der Buchstabe aus drei übereinanderliegenden 
und durch Bogen links oben und rechts unten ver¬ 
bundenen dicken Querstrichen besteht,- und daneben 
dringt bereits eine eckige Gestalt ein 6 , die sich auch auf 
den Inschriften findet 7 . — Bei der Verbindung mit 
einem vorhergehenden Buchstaben beginnt I 9. 12. 17 
das ^5 noch mit einer Spitze, die dem ersten auf¬ 
rechten Teil der unverbundenen Form entstammt 8 , 
während II10 an ihrer Stelle nur noch eine Biegung 
nach oben zu bemerken ist. Dies letztere ist auch 
teilweise in Koranen der Fall, während anderwärts 
in der Koranschrift und bisweilen auch inschriftlich 9 
jeder Ansatz einer Bewegung nach oben fehlt. In der 
Ligatur ^ ist I 2 nur eine Ausbuchtung nach links er¬ 
halten 10 / die Beibehaltung der Spitze auch in diesem 
Falle scheint erst einer jüngeren Zeit anzugehören 11 . 
II9 dagegen setzt sich der Schaft des l direkt nach unten 

1 Bei , auch Moritz, Lyons/ sowie Münze Paris 1011 von 27o. 

2 Zisterneninschrift von Ramie, Berchem Egypte 10. 

3 Berlin 304 von 81, Br. Mus. S. 30 Nr. 195 von 11z, S. zz 
Nr. 141 von 131. 

4 1. Meilenstein 'Abd al-Malik's, Inschrift al-Mahdf's, Casa¬ 

nova 2. 4. 5, Land 1. 2. 

6 Ganz natürlich Moritz 44/ schon etwas stilisiert Pal. Soc. 19. 

fl Moritz 35, Griffini. 

7 Schon Zisterneninschrift von Ramie, Inschrift des Nilmessers 
von 199/ Ansätze auch Moritz, Berchem Egypte 5. 6. 18, S. 38. 

8 So auch Moritz, Land 1, und auch später noch häufig. 

9 Moritz gelegentlich, Berchem Egypte 5. 18/ auch Münzen Br. 
Mus. S. 76 Nr. 193 von 173 und etwas anders S. 72 Nr. 179 
von 187. 

10 Ausbiegung nach links und oben in dieser Ligatur seltener 
als in den übrigen: Koran Moritz 44,Tisserant 41 a. b/ Inschriften: 
Zisterneninschrift von Ramie, Moritz, Casanova 2, Berchem 
Egypte S. 38. 

11 Z. B. Land 6 a <von 416). 7. 11 a. b <von 454). 


im ^5 fort/ so oft auch koranisch und auf Münzen 1 , 
seltener inschriftlich 2 . 

Die rechts gewendete Form des ^ kommt auf 
unsern Inschriften nur II 11 in der Ligatur j vor; sie 
ist aber besonders in alter Zeit auch unverbunden 
weitverbreitet. Inder Verbindung mit vorhergehendem 
Buchstaben bleibt inschriftlich bisweilen ebenso wie bei 
der links gewendeten Form der aufrechte Anfangs¬ 
strich als Spitze erhalten 3 ,- oder es bleibt wenigstens, 
wie in Spuren noch II 11, eine Biegung nach oben 4 . 
Älter als die eckigen Formen, zu denen schon die 
unsre gehört, sind wohl runde 6 / daneben gibt es 
solche, bei denen der Bogen links in eine Spitze zu¬ 
sammengedrückt ist 6 oder sogar der Abstrich ohne 
jede Wendung nach links direkt nach rechts unten 
führt 7 . 

^ hat I 2. 3 die ursprüngliche geradlinige Form, die 
auch auf den alten Münzen und in denKoranen herrscht/ 
II 3 und noch stärker II 2 sind die beiden Schäfte nach 
innen gebogen, so daß ihre oberen Enden einander 
gegenüberstehen. Diese Biegung ist inschriftlich ziemlich 
verbreitet 8 , und Ansätze zu ihr finden sich schon früh 9 
und fehlen koranisch selten ganz. Eine andre Zier¬ 
form hat einander parallele senkrechte Schäfte 10 . 
Weglassung des Verbindungsstriches zwischen den 
unteren Enden der beiden Buchstaben ist jüngere 
Umformung 11 . Dagegen scheinen unsymmetrische 

1 Br. Mus. S. 61 Nr. 134 von 166, und noch deutlicher Glasgew. 
26 von 169, Paris 744 von 170, Berl. 1042 von 172. 

2 Inschrift al*Mahdi's, Casanova 3. 6, Lyons. 

3 Münze: Br. Mus. S.72 Nr. 179 von 187/ Inschriften: Felsen* 
dom-Inschriftal-Ma'mün's, Inschrift des Nilmessers von233,Casa* 
nova 2. 7, Berchem Egypte 18, Land 1, Lyons. 

4 Münzen: Br. Mus. S. 1 Nr. t von 77, Paris 172 von 79/ In* 
Schriften: Casanova 4. 5. 8, Berchem Egypte 6,- und in der Regel 
in der Koranschrift. 

6 Beide meist schwer scharf zu scheiden und oft nebeneinander 
vorkommend. Inschriften nur mit eckigen Formen: Musil 1, Moritz, 
Casanova 2. 4. 

6 Münzen: Paris 1489, omaijadisch/ Berl. 295 von 78, Br. 
Mus. S. 19 Nr. 118 von 80, S. 11 Nr. 64 von 81/ Koran: Moritz 
45a/ annähernd auch Inschrift aUMahdi's, Inschriften des Nil¬ 
messers von 199 und 233, Casanova 2.6, Berchem Ilgypte 5.10. 18. 

7 Glasgew. 393 von 125—132 / Felsendom-Inschrift al-Ma'mün's 
und in der Ligatur ^ außer in der Koranschrift fast allein 
herrschend. 

8 Casanova 2. 4. 5. 6. 7. 8, Berchem Egypte 5, Lanci 3, Lyons. 

9 Z. B. Paris 158 von 40. Oft kann es sich auch um Ansätze 
zur folgenden Form handeln. 

10 Münzen: Berl. 312 von 84, 310 von 85, Br. Mus. S. 3 Nr. 13 
von 91/ Inschriften des Nilmessers von 199 und 233, Casanova 
4. 5. 7, Lanci 1. 2. 

11 Münzen: Paris 464 von 114, Br. Mus. S. 51 Nr. 87 von 166, 
Berl. 1450 von 232/ Inschriften: Lanci 1. 2. 


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Formen — das <links liegende) i schräger als das 
(rechts liegende) L —, wie sie statt der in unsern In¬ 
schriften vorliegenden symmetrischen gelegentlich Vor¬ 
kommen 1 , schon alt und vielleicht die ursprünglichsten 
zu sein. 

Zu den Buchstaben selbst kommt noch ein weiteres 
Schriftelement, das in I eine Rolle spielt: der Füllungs¬ 
bogen, rund 11 (xUi). 4, spitz und eckig dreifach neben¬ 
einander I 1. Daß in II der Bogen nicht etwa nur 
zufällig nicht vorkommt, sondern unbekannt ist, zeigen 
die langgezogenen Verbindungsstriche in Z. 6 und 
Z. 10, die Gelegenheit zu seiner Anwendung ge¬ 
boten hätten. In der Tat scheint er kurz nach 200 außer 
Gebrauch gekommen zu sein 2 ,- erst viel später finden 
sich wieder ähnliche, nur stärker verzierte über der 
Zeile liegende Füllornamente 3 . Gar nichts hat unser 
Füllungsbogen zu tun mit der neuerdings mehrfach 
erörterten 4 »Bogenverbindung«, bei der die Buch¬ 
staben durch unter die Zeile herunterreichende Bogen 
verbunden sind, ohne daß dadurch mehr Raum bedeckt 
würde als durch die geradlinige Verbindung. 

Von den Schriftformen wenden wir uns zu den 
Zierformen, soweit sie nicht schon bei den einzelnen 
Buchstaben besprochen worden sind. In I sind sie noch 
sehr einfach: die Umrahmung durch eine einfache Linie 5 , 
die aber am unteren Rand fehlt,* die Pentagramme 
unter der letzten Zeile,* und vor allem die Strichköpfe, 
welche — besonders deutlich die (überwiegend links 

1 Münzen: Stickel 29 von 65 — 86/ Inschriften: Moritz, Felsen- 
dom-Inschrift al-Ma'mün's, Berchem Egypte 18. Ansätze in der 
Koranschrift sehr häufig. Umgekehrt das L schräger als das •> 
Amador S. 320, und schwächer Koran Moritz 44, Tisserant 4t a. 

2 Ich finde ihn nur noch Casanova 2 <sogar innerhalb des Buch¬ 
stabens). 3. 4, Berchem Egypte 5. 

3 Land 10 von 436, 14. 19. 20 von 517, M. van Berchem, 
Arabische Inschriften <in: F. S a r r e - E. H e r z f e 1 d, Archäologische 
Reise im Euphrat- und Tigrisgebiet I 1911) Nr. 4 von etwa 600. 

4 Vor allem E. Herz fei d, Maschhad* Ali <in Islam V [1914] 
358—69) S. 360 ff./ vgl. auch Flury <s.o.S. 55 a Anm. 4) S. 216 f., 
Hartmann <s. o. S. 52 b Anm. 2) Sp. 70 f. Herzfeld bezeichnet als 
frühestes Vorkommen dieser Bogenverbindung die Gipsfriese der 
Hakim-Moschee von 393/ doch gibt cs noch einige frühere Belege: 
Inschriften des Nilmessers von 199 (wenn die Datierung richtig!) 
und 233 (diese schon von Hartmann erwähnt), Land 3 von 304, 
Amador S. 273 von 33-, Nr. 18 von 346, Nr. 523 von 354, Nr. 68 
von 354. Dazu kommen Münzen: nur in adj Paris 926 von 221, Br. 
Mus. S. 111 Nr. 315 von 231/ auch sonst Br. Mus. S. 125 Nr. 357 
von 276, Paris 1047 von 282 (vgl. schon Br. Mus. S. 99 Nr. 277 
von 200). — Auch Casanova 4 findet sich eine »Bogenverbindung«, 
aber .direkt neben einem Füllungsbogen und sowohl diesem 
gleichwertig und nur zur Abwechslung nach unten statt nach oben 
gezeichnet. 

6 So auch Meilensteine *Abd al-Malik's, wo allerdings der untere 
Raum ornamental gefüllt ist. 


gewendeten)der aufrechten Stricke — eine Nachbildung 
des beim Ansetzen der Feder entstehenden Hakens, 
also kursiven Ursprungs sind. Diese Köpfe lassen sich 
noch bedeutend über die Zeit unsrer Inschrift hinaus 
zurückverfolgen 1 ; zu den Pentagrammen kenne ich 
nur ein klein wenig jüngere Parallelen 2 . — In II 
zeigt die Ornamentik einen Fortschritt, dessen Größe 
bei der Kürze des zeitlichen Abstandes der beiden In¬ 
schriften überrascht: der einfache Strich als Umrah¬ 
mung ist durch die Kettenlinie 3 ersetzt,* die Strichköpfe 
sind weitergebildet, indem der Winkel zwischen dem 
Hakenansatz und dem Strich ausgefüllt ist, so daß 
der Kopf als eine Verdickung des Striches erscheint 4 ,* 
und vor allem: die Palmette — dreiblättrige Voll¬ 
palmette bei 0 Z. 5, dreiblättrige Halbpalmette links 
bei i Z. 1 u.ö., rechts bei 1 Z. 1 u.ö. und, an wagrechtem 
Strich, oben bei Z. 4 — ersetzt vielfach die ein¬ 
fachen Strichköpfe. Den Höhepunkt ornamentaler 
Ausgestaltung zeigt auch II nicht,* anderwärts ist 
die Umrahmung noch komplizierter, vor allem auch 
oben mit einer ansa in der Mitte und einander zu¬ 
gekehrten Halbpalmetten an den Ecken versehen 5 ,* 
und die Verzierung der Buchstaben durch Palmetten 
ist weiter ausgedehnt 6 . Weit geht die Entwicklung 
aber nicht mehr über den Stand unsers Grabsteines II 
hinaus,* die Entwicklungslinie, auf der er liegt, ist bald 

1 Teilweise schon auf dem zweiten Meilenstein c Abd al-Malik's,- 
dann Inschrift al-Mahdi's, Moritz, Casanova 2.3.8 . 9, Land 1. 3, 
Berchtem Egypte 10, Lyons. Auch Münzen: Berl. 1571 von 256, 
Paris 994 von 256. 

2 Hexagramme Casanova 4, mit Kreisen an den Spitzen Casa¬ 
nova 3/ achtstrahlige Sterne Casanova 3 ; sechseckige Sterne Land 
7a von 422/ Kreis durch drei Durchmesser in sechs Teile geteilt 
Casanova 2. Ähnliches auch noch später. Von Herzfeld 
(s. o. S. 52 b.Anm. 2) S. 195 als Andeutung der Nägel gedeutet, 
mit denen die Tafel befestigt ist. 

3 Vgl. J. Strzygowski, Ornamente altarabischer Grabsteine 
in Kairo (in Islam II [1911] 305 — 36) S. 309/ zu den von ihm für 
die einfache Kettenlinie angeführten Beispielen (darunter schon 
Moritz) kommen noch Casanova 5.4 (hier der obere Rand schon 
etwas komplizierter). Wieder besprochen von demselben in: Altai- 
Iran und Völkerwanderung 1917, 82 — 88. Der terminus post 
quem, den Herzfeld in dem Anm. 2 angeführten Aufsatz S. 197 
für die Kettenlinie als Umrahmung ansetzt (220 der Hedschra), 
ist nach den obigen Beispielen ein wenig hinaufzurücken. 

4 So auch Zisterneninschrift von Ramie, Inschriften der Nil¬ 
messers von 96—99, 199 und 233, Casanova 3.4.5.6.7, Lanci 2, 
Berchem Egypte 5.6.10.18. AuchMünzen: Br. Mus. S. 112 Nr. 317 
von 234, Paris 992 von 255. 

5 Vgl. Herzfeld (s. o. S. 52 b Anm. 2) und schon Karabacek 
(ebenda) S. 22. Auch in Verbindung mit der einfachen Kettenlinie 
findet sich wenigstens schon die ansa, z.B. Moritz, Casanova 5. 

6 Casanova 3, weniger stark 4. 5, auch vereinzelt 7, also be¬ 
reits im Rückgang begriffen. 

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abgebrochen — zum späteren coufique fleuri führt von 
dem Formenschatz unsrer Grabsteine aus kein Weg. 
— Daß ansa und Edcpalmetten fehlen, liegt vielleicht 
nur an der ungewöhnlichen Gestalt 1 der Platte II: 
sie ist oben abgerundet, und dadurch schon ein orna* 
mentales Bedürfnis erfüllt. Zu vergleichen ist die be¬ 
liebte Abbildung eines später mehr oder weniger ver* 
zierten Torbogens im oberen Teil einer rechteckigen 
Platte 2 . 

Noch ein Wort zur Technik: unsre beiden Grab* 
steine sind sorgfältig ausgeführt 3 , wenn auch in einer 
primitiven Technik: die Schriftzüge vertieft 4 . Diese 
Technik geht direkt aus dem Einkratzen der Schrift 
mit einem spitzen Gegenstand hervor, das seinerseits 
von dem Schreiben mit dem Stift kaum verschieden 
ist. Die Buchstaben sind noch linear, nicht flächenhaft: 
sie haben keine scharfen Konturen. Zwar ließen sich 
diese auch bei vertieften Buchstaben erzielen,* aber 
entdeckt werden konnte die Schrift als flächenhaftes 
Gebilde mit Umrißlinien erst bei der jüngeren um* 
gekehrten Technik, bei der die Schrift erhaben stehen 
gelassen und der Grund vertieft wurde, oder aber bei 
der Aufmalung der Schrift 5 . Damit war dann von 
vornherein das für die kufische Monumentalschrift weit* 
hin charakteristische Prinzip gegeben, einen möglichst 
großen Teil der Fläche durch die Schrift zu füllen <also 
die Striche im Verhältnis sehr breit zu machen), und da* 
mit ein starker Anstoß zur Stilisierung der Schrift. So 

1 Ein noch stärker abgerundeter, etwa eine halbe Kreisfläche 
darstellender Grabstein Casanova 2. 

2 Casanova 1, 7, Land 12 von 464, 15, iöb, 22 von 569. 

3 Viel roher z. B. Moritz, Casanova 8. 

4 So die Meilensteine c Abd al-Malik's usw., und alle älteren 
Grabsteine/ erst Casanova 6 von 243 und 7 von 245 haben er¬ 
habene Schrift (ebenso auch Casanova 1,* die von Casanova 150 
gelesene Jahreszahl ist aber in Wirklichkeit 251). Dagegen schon 
die Inschriften des Nilmessers von 96—99 und 199 (wenn wirklich 
so alt) erhaben. 

5 So schon Zistemeninschrift von Ramie. 


erklärt es sich, daß z. B. auf der Zisterneninschrift von 
Ramie <vom Jahre 172 der Hedschra) die Buchstaben* 
formen durchgebildeter und eleganter erscheinen als 
auf unsern Inschriften, unbeschadet ihrer größeren 
Altertümlichkeit. 

Die Analyse der einzelnen Buchstabenformen hat 
das in der Einleitung aus allgemeinen Betrachtungen 
gewonnene Bild in der erwünschten Weise ergänzt: 
sie hat in einer großen Zahl von Fällen gezeigt, daß 
die monumentalen Formen der Inschriften und die 
abgezirkelten, konventionellen der Korane aus Um* 
formung älterer kursiver Formen hervorgegangen sind, 
und daß auch auf dem Gebiet der Münzen wir je 
weiter zurück desto kursivere Formen finden. Selbst 
zwischen unsern beiden Inschriften hat sich ein Fort* 
schreiten der Entwicklung noch in derselben Richtung 
ergeben, so daß die jüngere stärker von der Kursive 
abweichende Formen besitzt,* gleichzeitig mit dem Fort* 
schreiten derMonumentalisierungderSchrift beobachten 
wir eine Zunahme ihrer ornamentalen Gestaltung. 
Beide Inschriften haben sich als eng verwandt mit 
andern Kairiner Grabsteinen derselben Zeit erwiesen, 
vor allem Moritz <von 207), Casanova 2 <von 213), 
3 <von 217), 4 <von 218), 5 <von 230), demnächst auch 
den etwas jüngeren und von andern Punkten stammen* 
den Grabsteinen Lanci 1 <von 239), 2 <von 245) und 
Lyons (von 292). Unter den Koranen haben wir als 
altertümlichste Moritz 44 und Pal. Soc. 59, demnächst 
Tisserant 41 a. b kennen gelernt 1 . 

Die Vergleichung der festgestellten ältesten »kufi* 
sehen «Buchstabenformen mit denen der ältesten Papyri 
erforderte eine gesonderte Untersuchung. 

1 Audi die Koranschrift bedürfte nodi einer viel eingehenderen 
Untersuchung/ ein Hauptaugenmerk wäre zu richten auf die 
Sdheidungderalten und der aus dem nashi übernommenen Kursiv¬ 
formen ,* letztere am auffälligsten in Moritz 45 b und noch mehr a, 
Koranen, deren Schrift den Übergang zu dem halb kufischen 
nashi mancher alten Handschriften bildet. 


Im Verlag des DEUTSCHEN VEREINS FÜR BUCHWESEN UND SCHRIFTTUM 

Leipzig, Zeitzer Straße 14 ist erschienen: 

STAMBULER BUCHWESEN IM 18. JAHRHUNDERT 

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■ —i s fr - 11 — 

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Mitteilungen aus dem Deutschen Kulturmuseum 

a> Ausstellungen im Deutschen Kulturmuseum 


13. Ausstellung »Java*Kunst« 

In der Geschichte des Buchgewerbes hat von An* 
beginn der Einband eine hervorragende Rolle gespielt. 
Schon in der Zeit vor der Erfindung des Buch* 
drucks, schon zur Zeit der ersten schriftlichen Doku* 
mente hat die die Schriftblätter schützende Hülle ihren 
wichtigen Zweck darin gefunden, die in ihr geborgenen 
Schriftstücke in gutem Zustande zu erhalten. Diese 
wichtige Aufgabe erhob die Schutzhülle zu einem 
wesentlichen Teile des Schriftstückes selbst und brachte 
naturgemäß mit sich, daß den Schutzhüllen oder Ein* 
bänden im Laufe der Zeit auch äußerlich ein künst* 
lerisches Aussehen verliehen wurde. Dieser äußere 
Schmuck stand mehr oder weniger in einem Verhältnis 
zum Werte des Inhaltes. Neben den politischen und 
gesetzlichen Urkunden nahm die Bibel die hervor* 
ragendste Stellung durch alle Zeiten ein. Ihr vorzüg* 
lieh haben wir die hohe Entwicklung des Bucheinbandes 
zu verdanken, der äußerlich ein Kennzeichen und eine 
Bewertungsmöglichkeit für — so eigenartig es klingen 
mag — die Vornehmheit seines Besitzers geben konnte 
und zum Teil auch sollte. Naturgemäß wurde die an 
den Band gewandte Kunst durch das für ihn verwandte 
Material unterstützt. Als Einbandmittel finden wir 
anfänglich Holz und Elfenbein, Schweinsleder und 
Rindslederpergament, kostbare, mehr oder weniger 
bestickte und bemalte Stoffe, die mit Gold und Silber 
verziert und mit ebensolchen Scharnieren und Schlös* 
sern versehen waren. Dieser künstlerischen Sorgfalt 
haben wir zum Teil zu verdanken, daß viele kostbare 
Bände aus früher und frühester Zeit in bestem Zu* 
stände bis in unsere Zeit erhalten werden konnten. 

Als das Buch jedoch durch die Erfindung der Buch* 
drudeerkunst begann, sich immer mehr zu verbreiten, 
als das Bedürfnis Platz griff, das Buch nicht nur Aus* 
erwählten, sondern auch der Masse zugänglich zu 
machen, wurde der kostbare Einband durch einen 
weniger kostspieligen ersetzt und statt aus Leder und 
teueren Stoffen aus Papier hergestellt. Aber auch 
dieses gelangte in einer mehr oder weniger künstle* 
rischen Ausstattung zur Anwendung. Wir besitzen 
alte Papiereinbände, die immerhin einen hohen Wert 
darstellen, weil sie zum Teil von bedeutenden Künst* 
lern der Zeit gemalt und hergestellt wurden. Fast 
immer aber finden wir die Verbindung solchen Papiers 
mit Leder <zu Rücken und Ecken),• erst bei derMassen* 


auflage der Schriften, die für billiges Geld breiten 
Schichten zugänglich gemacht werden sollten, mußte 
der Verleger von Leder und anderm teuren Einband* 
material absehen und zu Papier greifen. Daraus er* 
klären sich die zum Teil zu einem Verhängnis für den 
öffentlichen Geschmack entstandenen »populären Ein¬ 
bände«, die viel scheinen und billig sein sollten. Durch 
Hinzutritt des jahrelangen Kriegszustandes, der alles 
unverhältnismäßig verteuerte, war das Buchgewerbe 
bezüglich Ausstattung billiger als auch teurer Bücher 
auf einem toten Punkte angelangt, und mit Bangen 
werden die beteiligten Kreise in die Zukunft gesehen 
haben. Neben der Preisfrage stand wie ein höhnischer 
Schatten die scheinbare Unmöglichkeit allen vor Augen, 
überhaupt noch auf dem Wege des Druckverfahrens 
etwas Sinn* und Geschmackvolles zu bringen, völlig 
aber aussichtslos, für billige Bücher einen auch nur 
einigermaßen befriedigenden Einband zu schaffen. 

Gerade zu rechter Zeit brachte die eben beendete 
Leipziger Mustermesse einen Hoffnungsstrahl durch 
die Ausstellung der Werkstätten für künstlerische 
Buch* und Buntpapiere »Java* Kunst«, die uns einen 
ganz neuen Weg für einen populären künstlerischen 
Einband nicht nur zeigt, sondern uns auch die Mittel 
in die Hand gibt, der breiten Masse für Verhältnis* 
mäßig billiges Geld einen durchaus geschmack* und 
stimmungsvollen Einband zu liefern. Es braucht nicht 
erwähnt zu werden, daß vor allem an kostbaren Ein* 
bänden in der Ausstellung besondere Leckerbissen für 
die Bibliophilen gezeigt werden. Wenn die Java*Kunst 
unter Umgehung des allgemeinen Druckverfahrens 
ihre Schöpfungen als ein neues patentiertes Verfahren 
anpreist, so hat dies seine volle Berechtigung. Der 
Name Java*Kunst verrät sofort das Verfahren, das 
zur Herstellung der in dieser Ausstellung gezeigten 
neuartigen Buch* und Buntpapiere angewandt wird. 
DerErfinder des Verfahrens, der Kunstmaler A 1 b r e ch t 
Blomberg, hat, wie bekannt wurde, sechs Jahre hin* 
durch in anstrengender Arbeit das Verfahren so 
vervollkommnet, daß es ihm mit Hilfe des künstle* 
rischen Leiters der Java*Kunst, des Theaterschriftstellers 
ConstantinJ. David, gelungen ist, auf maschinellem 
Wege dem Buchgewerbe eine Buchhülle zur Verfügung 
zu stellen, an der das Gewerbe nicht ohne weiteres 
vorübergehen kann. Die Schöpfungen der Java*Kunst 
bedeuten ohne Zweifel eine kulturelle Neuheit, so daß 


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Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum 


sich das Kulturmuseum in Leipzig entschlossen hat, 
eine Aufforderung an die Java-Kunst ergehen zu lassen, 
ihre Buch* und Buntpapiere in einem eigens ihr zur 
Verfügung gestellten Raume auszustellen. An Hand 
von Pracht* und volkstümlichen Büchern wird versucht, 
klarzulegen, wie die künstlerische Leitung zu Werke 
geht, um das zu erreichen, was zu erreichen war, einen 
an Schönheit sowohl in Farbe wie in Zeichnung reichen, 
populären Einband zu schaffen. Es ist ihr der Beweis 
gelungen. An Hand von verschiedenen Bänden wird 
systematisch gezeigt, wie der Künstler zu den Ent* 
würfen und Farben gelangt. Ein Band, »Der Vater« 
von Strindberg, ein in gelbes Papier mit tiefbraunem 
Strahlen* und Wellenmuster gebundenes Buch, zeigt 
die erschütternde geniale Verirrung des Dichters. Ein 
künstlerisch vollendeter Einband. Ein Prachtband 
»Goethes Reineke Fuchs« zeigt die monumentale 
Größe des Meisters in tiefen satten Farben, ein Band 
»Nocturnes« von Chopin die phantasie* und melodien* 
reiche Schöpfung des Komponisten; man sieht Schumann 
in einem selten eigenartigen Biedermeier gebunden. 
Nicht zu vergessen wären Hauffs Märchen in einem 
in Azurblau gehaltenen Papier, aus dem wie aus 
geheimnisvoller Ferne ein märchenhaftes Morgenrot 
anmutig hervorleuchtet. Letzteres Einbandpapier, das 
bereits in einer größeren Auflage hergestellt und zu 
Einbandzwecken verwendet worden ist, bedeutet wohl 
mit das Hervorragendste, was an Anmut der Farben* 
gebung gebracht worden ist. Der Einband versetzt 
vorweg den Leser in einen Stimmungsbann. 

Besondere Freude wird der Bibliophilenwelt eine 
Sammlung Originaleinbände, ausgeführt vom Maler 
Janthur, bereiten, die in Zeichnung und Farbenton sehr 
ansprechen. Vor allem fallen einige in futuristischer 
Manier ausgeführte Einbände auf, die trotz ihrer allzu 
modernen Auffassung den Beschauer doch zu ernstem 
Nachdenken veranlassen. 

An den Papieren fällt auf, daß die stimmungsvollen 
Momente nicht wie beim Druckverfahren aufgedruckt, 
sondern gewissermaßen aus der Tiefe hervorleuchten. 
Dieses diskrete Herausleuchten der Farben ist nur 
durch das Verfahren zu ermöglichen. Das Verfahren 
selbst beruht auf der Batiktechnik, die durch die Er* 
findung des Kunstmalers Blomberg auf mechanischem 
Wege verwendet werden kann, so daß die Möglichkeit 
gegeben ist, ein und dasselbe Muster in einer un* 
beschränkten Auflage herauszubringen, daß man selbst 
bei näherem Hinsehen die Umrisse eines richtigen 
Musters gar nicht erkennen kann, was dem Papier den 
ihm eigenen Reiz verleiht. Der besondere Reiz bei den 


Papieren besteht wie richtig erkannt ist, darin, daß 
jedes einzelne Muster eine gewisse geheimnisvolle 
Zurückhaltung besitzt, die uns Menschen mehr an* 
spricht, als das anspruchsvolle Auftreten allzusehr ab* 
gezirkelter Muster. 

Die der Axel Junkerschen Buchhandlung, Karl 
Schnabel, Berlin, gehörenden, dortselbst gebundenen 
Bücher weisen allerdings auch schon durch das der 
Buchhandlung scheinbar noch zur Verfügung stehende 
edle Leder* und Pergamentmaterial ganz besonderen 
Geschmack auf. 

Nach Mitteilung des künstlerischen Leiters werden 
die Papiere nach ganz bestimmten Ideen entworfen. 
Es werden Stimmungen und Vorgängen, Gedanken 
aufs weitgehendste Rechnung getragen. Bei der Durch* 
sicht der Mustersammlung erkennt man denn auch in 
reicher Fülle die Entwicklung des künstlerischen Ge* 
dankens und seine Umwertung zu den vor uns liegenden 
Bucheinbänden. Das weitaus größte Interesse bieten 
natürlich die Volksbücher. Zeigen sie uns doch in der 
vorliegenden Ausstellung im Kulturmuseum trotz ihrer 
Einfachheit und Anspruchslosigkeit ihrer Muster un* 
geahnte Wirkungen. Es erfüllt mit Genugtuung, daß 
scheinbar endlich einmal auch den Minderbemittelten 
Gelegenheit gegeben wird, sich in den Besitz von 
Einbänden zu setzen, die auch äußerlich eine Zier 
bedeuten. 

An Bedeutung gewinnen die Java* Kunst-Papiere 
dadurch, daß sie nicht allein für Buch*, sondern auch für 
Mappen* und vor allem für Kartonagenzwecke ver* 
wandt werden, von denen gleichfalls Proben im Kultur* 
museum zur Ausstellung gelangt sind. 

Eine besondere Industrie der Java*Kunst bedeutet 
die Herstellung der Transparente, die durch die neue 
Technik ungeahnte Wirkungen zeigen. Zum ersten 
Male werden auch hier Schöpfungen des Kunstmalers 
Janthur gebracht, die den Kunstwerken alter Glas* 
malerei nicht nachstehen, im Gegenteil Wirkungen auf* 
weisen, die durch die Technik der Glasmalerei nie zu 
erzielen sind. 

Es war uns eine besondere Freude, daß der künst¬ 
lerische Leiter der »Java-Kunst«, Herr Constantin 
J. David, für die Museumsbesucher verschiedene Füh* 
rungen veranstaltete und dadurch die Möglichkeit gab, 
die überaus geschmackvollen und wertvollen Einbände 
auch im einzelnen kennen zu lernen sowie über die 
Technik Aufklärung zu erhalten, wofür wir ihm auch 
hier herzlichst danken. Interessenten wollen sich an 
den Generalvertreter, die Firma Engels ® Worring, 
Berlin S.W. wenden. 


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Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum 


Mitteilungen des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum 

Vorstandssitzung Freitag, den 11. April 1919, nachmittags 5 Uhr 


TL nwesend waren die Herren Geheimer Hofrat 
/ \ Dr. L. Volkmann, Hofrat Dr. Ackermann, Ge* 
A. heimer Regierungsrat Dr. Heyn, Geheimer 
Regierungsrat Dr. Klien, Geheimer Hofrat Arndt 
Meyer, Geheimer Regierungsrat Freiherr von Oer, 
Museumsdirektor Professor Dr. Schramm, Direktorial* 
assistent Dr. Bockwitz. 

Vor Eintritt in die Tagesordnung werden kleinere 
Mitteilungen des Schriftführers entgegengenommen. 

Leider hat der Deutsche Verein für Buchwesen und 
Schrifttum wiederum den Tod einer ganzen Anzahl 
Mitglieder zu beklagen. Es sind verstorben: Super* 
intendentBrüssau-Eisleben,GeheimerJustizratCassel- 
Berlin,ProfessorDr.Geigcr-Berlin,DekanDr.Hummel- 
Crailsheim, Geheimer Regierungsrat Professor Dr. 
Laemmer*BresIau, Buchdruckereibesitzer O. Leiner* 
Leipzig, Dr. Mugdan*Neckargemünd, Dr. Mertens* 
Freiburg, Justizrat Dr. Neißer*Breslau, Hofrat Dr. 
Schneider*Gera und Hochschulprofessor Dr. Specht* 
Dillingen. 

Auch der Austritt von zwölf Mitgliedern, die meist 
dem Gelehrtenstand angehören, ist infolge der zu* 
nehmenden Teuerung der Lebenshaltung zu beklagen. 

Das Ministerium des Kultus und öffentlichen 
Unterrichts teilt mit, daß es an Stelle des in den Ruhe* 
stand getretenen Herrn Ministerialdirektors Geheimen 
Rats Dr. Schmalz dessen Nachfolger Herrn Ministerial* 
direktor Geheimen Rat Dr. Boehme als Vertreter in 
den Verwaltungsrat des Deutschen Vereins für Buch* 
wesen und Schrifttum unter Entbindung von seiner 
Stellung als Vertreter des Ministeriums im Vorstande 
abgeordnet habe. Als solchen bezeichnet es für die 
Zukunft den Vortragenden Rat Geheimen Regierungs* 
rat Dr. Heyn, der bisher schon die frühere General* 
direktion der Sammlungen für Kunst und Wissenschaft 
im Vereinsvorstande vertrat, deren Geschäfte nach 
ihrer Aufhebung auf das Kultusministerium über* 
gegangen sind. Dadurch vermindert sich die Zahl der 
Vorstandsmitglieder um eins. 

Ein Schreiben des Kriegswirtschaftsmuseums, 
das dem Deutschen Verein für Buchwesen und Schrift* 
tum seine Räume zum Ermieten anbietet, wird ab* 
schlägig beschieden, da die finanzielle Lage ein Mieten 
weiterer Räume nicht gestattet. 

Die Bibliothek des Großen Generalstabes 
teilt mit, daß die während des Krieges vorgenommene 
Sammlung von Kriegsdrucksachen (Verordnungen, 


Plakate, Kriegszeitungen, Flugblätter usw.) zum Ab* 
Schluß gekommen, und geordnet sei und gemäß kriegs* 
ministeriellerVerfügungdieVerteilungdesüberzähligen 
Materials vorgenommen werden solle und bittet die 
gewünschtenStücke durch einenBeauftragten auswählen 
zu lassen. Es wird beschlossen, den Direktorial¬ 
assistenten Dr. Bock witz zu beauftragen, dieÜbernahme 
der gewünschten Stücke in Berlin in die Wege zu leiten. 

Von verschiedenen Seiten, insbesondere aber von 
buchgewerblichen Kreisen, ist der dringende Wunsch 
ausgesprochen worden, den Lesesaal des Museums 
möglichst bald bis 10 Uhr abends offen zu halten. 
Der Museumsdirektor anerkennt diesen Wunsch als 
völligberechtigt, erklärt aber, denselben nicht erfüllen 
zu können, wenn nichtweitereBeamte eingestelltwerden/ 
letzteres sei aber bei den jetzigen finanziellen Verhält* 
nissen unmöglich; Herr Stadtverordneter Hennig habe 
sich infolgedessen sowohl an das Ministerium als an 
die Stadtverwaltung gewendet und dort eine Erhöhung 
des Staats* bzw. städtischen Beitrages für das Museum 
beantragt. Der Vorsitzende hielt ebenfalls den 
Wunsch für völlig berechtigt und anerkennt dessen 
Dringlichkeit. Es bleibt abzuwarten, ob die Bemühungen 
des Herrn Stadtverordneten Hennig zu einem Ergebnis 
führen. Der Schriftführer wird beauftragt, eine Ein* 
gäbe an das zuständige Ministerium um Erhöhung des 
Staatsbeitrages möglichst bald abgehen zu lassen. 

Die Führungen durch das Museum haben eine 
erfreuliche Steigerung erfahren. An einzelnen Tagen 
mußten drei und mehr Führungen abgehalten werden. 
Vereine, sowohl buchgewerbliche als solche andrer Be¬ 
rufe haben sich führen lassen,- besonders die Typogra¬ 
phische Gesellschaft und Typographische Vereinigung,- 
das Technikum für Buchdrucker besucht regelmäßig das 
Museum/ einzelne Firmen ließen ihre Angestellten 
durchs Museum führen. Der größte Zuzug ist aber 
von Lehranstalten (Gymnasien, Realgymnasien, Real¬ 
schulen, Lehrerseminare und Handelsschulen>zu melden. 
Verschiedene Institute der Universität hielten ihreVor* 
lesungen in den Räumen des Museums ab. 

Von den Sonderheften, die den Mitgliedern des 
Deutschen Vereins, die 30 Mark und mehr Beitrag 
jährlich zahlen, unentgeltlich geliefert werden, werden 
zwei demnächst fertiggestellt sein(Babinger,Stambuler 
Buchwesen/ Schramm, Das deutsche Kriegsnotgeld) 
und an die Mitglieder versandt werden. Es wird be¬ 
schlossen, diese zum doppelten Preis an Nichtmitglieder, 


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Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum 


zum dreifachen Preis ans Ausland abzugeben. Diese 
Hefte kommen nicht in den Buchhandel. 

Die Herren Verlagsbuchhändler Quelle und Dr. 
Meyer »Leipzig haben dem Museum eine von Paul 
Hartmann entworfene und künstlerisch ausgeführte 
Einladungskarte zum Besuch des Museums in über 
3000 Exemplaren gestiftet. Diese Einladungen werden 
allwöchentlich an eine bestimmte Anzahl Personen 
verschickt. Der Erfolg dieser Einladungen ist bis 
jetzt ein sehr guter. Den Herren Stiftern wird vom 
Vorstand der herzlichste Dank zum Ausdruck ge» 
bracht. 

Der Vorsitzende regt an, einen geschmackvollen 
kurzen Bericht über die Tätigkeit im abgelaufenen Jahr 
und über die geplante Weiterarbeit drucken und ver» 
schicken zu lassen. Auf die Einwendung, daß das 
bereits geschehen wäre, wenn dies nicht die enormen 
Kosten des Papiers es verhindert hätten, erklärt der 
Vorsitzende, bei der Firma Breitkopf® Härtel würden 
sich wohl Papierrester finden lassen, die hierfür ver» 
wendet werden könnten. 

Nach Erledigung dieser Einzelheiten wird in die Be» 
ratung derPunkte derT agesordnung eingetreten. Punkt 1 
betraf die finanzielle Lage und die durch die Revo» 
lution eingetretenen Schwierigkeiten. Der Vorsitzende 
teilt mit, daß die Schwierigkeiten in letzter Zeit immer 
größere geworden seien. Der Schriftführer legt dies 
im einzelnen klar. Insbesondere seien die Teuerungs» 
Zulagen für die Beamten es gewesen, die die Innehaltung 
des Etats unmöglich gemacht hätten, aber auch die 
Teuerung sämtlicher für das Museum dringend not» 
wendiger Gegenstände hätte täglich zugenommen. Die 
Druckpreise seien so gestiegen, daß er auf die Kosten 
der Zeitschrift des Vereins überhaupt keinen Einfluß 
mehr hätte und machtlos diesen Zuständen gegenüber» 
stehe. Jetzt stehe die neue Gehaltsregelung bevor. 
Nach dem früher gefaßtem Beschluß, sämtliche Ange» 
stellte des Museums nach dem im Staate Sachsen gelten» 
den Grundsätzen zu entlohnen, sei jetzt eine Verdoppe» 
lung des Personaletats notwendig. Mittel hierfür seien 
nicht vorhanden. Herr Geheimrat von Oer bestätigt 
die letztere Mitteilung und hält es für unmöglich, diese 
Zulagen zu gewähren. Herr Geheimrat Heyn gibt 
zur Erwägung anheim, ob nicht eine Zulage in ver» 
mindertem Maße möglich wäre. Museumsdirektor 
Professor Dr. Schramm hält die Gleichstellung der 
Beamten mit denen der anderen Institute für dringend 
erforderlich. So beschließt der Vorstand trotz der 
schwierigen Finanzlage, die vom Staate gewährten 
Sätze sämtlichen Beamten des Museums zu gewähren. 


Umgehend soll aber unter Darlegung der Verhältnisse 
eine Eingabe an die Regierung abgesandt werden mit 
der Bitte um finanzielle Unterstützung. Herr Geheimrat 
Heyn teilt mit, daß aller Wahrscheinlichkeit nach ein 
größerer einmaliger Betrag aus der Bertha von Baensch» 
Stiftung zu erwarten sei. 

Punkt 2 der Tagesordnung: Besprechung über die 
künftigen Öffnungszeiten des Deutschen Kultur» 
museums und des Lesesaals, hatte sich durch die 
Besprechungen bereits erledigt. 

ZuPunkt3:Mitteilungen überdieD e u ts cheB i bl i o» 
thekarschule, teilte Museumsdirektor Professor Dr. 
Schramm mit, daß ein Schreiben von Herrn Ministerial» 
direkter Geheimen Rat Dr. Boehme eingelaufen sei, 
der mitteilte, daß der Beitrag des Staates in der bis» 
herigen Höhe künftig nicht mehr zur Verfügung stehe 
und riet, daß man doch auf einen einjährigen Kursus 
zukommen soll. Am Vormittag hätte eine Sitzung 
des Prüfungsamtes stattgefunden, in der man sich da» 
hin schlüssig geworden ist, das Ministerium zu bitten, 
doch für den dritten Kursus es bei dem bisherigen Zu» 
schuß zu belassen, da bis dahin alle strittigen Fragen 
geklärt und die Verhältnisse wieder normalere ge¬ 
worden seien. Der Vorstand schließt sich diesem Vor» 
schlag an. 

Punkt 4: Besprechung über etwaige Satzungs» 
änderungen. Der Vorstand beschließt, in eine 
Beratung hierüber nicht einzutreten, wohl aber den 
Verwaltungsrat einberufen zu lassen, um mit ihm die 
brennendsten Fragen zu besprechen. Der Verwaltungs» 
rat soll im Laufe des Sommers zusammentreten. 

Punkt 5: Verschiedenes. Es wird Einverständ» 
nis damit erklärt, daß bei Aufsätzen mit besonders 
schwierigem Satz und kostspieliger Korrektur der 
Verein für Buchwesen und Schrifttum dem Deutschen 
Buchgewerbe verein einen Teil der Mehrkosten bei der 
Zeitschrift erstattet. 

Der Vorsitzende berichtet sodann noch über eine 
Sitzung des Deutschen Buchgewerbevereins, daß man 
sich dort darüber beklagt habe, daß der Deutsche Verein 
für Buchwesen und Schrifttum das Beste eigentlich 
weggenommen habe; es sei doch zu überlegen, ob 
nicht in späteren Zeiten wieder eine engere Ver» 
knüpfung der beiden Vereine sich anbahnen lasse, 
zumal wenn einmal die Frage eines Neubaues akut 
werde. Er wolle nicht jetzt eine Änderung herbei» 
führen, diese Gedanken aber doch für die künftige 
Regelung mit in die Debatte werfen. Die anwesenden 
Herren äußern sich hierzu im zustimmenden Sinn. 
Schluß der Sitzung: 7 Uhr. 


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Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttu 


m 


Bücher- und Zeitschriftenschau 


Unser Hoffmann von Fallersleben. Die Vaterlandslieder, 
Kriegs- und Soldatengesänge des Dichters. Dargeboten von Hans 
Sturm. Mit Zeichnungen von Otto Linnemann. Gedruckt 
und verlegt im Kriegsjahr 1918 bei Englert 'SD Schlosser in 
Frankfurt a.M. 116 S. 4 0 . Preis M12.Das Buch wurde als 
Vorzugsausgabe in einer Auflage von 500 Exemplaren hergestellt. 
Die buchtechnische Anordnung besorgte Georg Schlosser. 
Schrift: Tiemann-Fraktur von Gebr. Klingspor, Offenbach 
a. M. G u h 1 'SD C o. in F r a n k f u r t a. M. lieferten die Klischees. 
Papiere von Poensgcn 'SD Heyer, Frankfurt a. M. 

ln der Überzeugung, daß »unser guter Hoffmann von Fallers¬ 
leben endlich den ihm gebührenden Ruhm haben müsse«, hat sich 
ein Kreis seiner Verehrer zur Herstellung dieser kostbaren Lieb¬ 
haberausgabe seiner patriotischen Lieder zusammengetan. Die 
buchtechnische Leistung ist, inmitten der unsäglichen Schwierig¬ 
keiten derKriegszeit, erstaunlich zu nennen,* wir kommen sogleich 
darauf zurück. Allein auch den größten Anstrengungen dieser Art 
wird es nicht gelingen, den Dichtungen Hoffmanns ein Gewicht 
zu geben, das sie nun einmal nicht haben. Er besitzt den Ruhm, 
der ihm gebührt, ja mehr als ihm gebührt. 

Es ist wahr, »Deutschland, Deutschland über alles« ist eines 
unsrer populärsten Lieder geworden, aber nicht durch das eigene 
Verdienst des Dichters. Die glücklich benutzte klassische Weise 
ist ihm zustatten gekommen. Nach kurzer Beliebtheit verschwin¬ 
det das Lied, um erst wieder im neuen Reich, das nicht eben 
gesegnet war mit großer Kunst, zu Ehren zu gelangen. Es war 
eben just nichts Besseres zu haben. Wem die trostlose geistige 
Armut der offiziellen Kaiserhymne, die wir ja gottlob nun auch 
los sind, zuwider war, mochte Hoffmanns biedere demokratische 
Verse recht gern singen. Es liegt uns ganz fern, dem Liede seine 
historische Stellung nehmen zu wollen. Nur sollte kein Zweifel 
darüber aufkommen dürfen, daß es unter dem rein künstlerischen 
Gesichtspunkt in Ewigkeit nichts andres sein wird als guteMittel- 
ware. 

Auch Hoffmanns Kinderlieder werden weiter gesungen werden. 
Es sind sangbare Sachen, die keine Ansprüche erheben, und 
gerade dadurch dem Kindersinn gemäß. Weitergehende Erobe¬ 
rungspläne des Hoffmann-Kreises aber sind völlig unangebracht, 
und am allerwenigsten eignen sich die in unsrer Ausgabe vereinig¬ 
ten patriotischen Gesänge des Dichters zur Begründung solcher 
Ansprüche. 

Wir w erden vielmehr darauf dringen müssen, daß bei der kom¬ 
menden Reform unsrer Schullesebücher mit den andern gesinnungs¬ 
tüchtigen Mediokritäten des 19. Jahrhunderts auch Hoffmann stark 
in den Hintergrund trete. Sedanfeiern und Kaisers Geburtstage, 
wo immer irgend etwas dieser Art von den armen Klassenersten 
deklamiert werden mußte, fallen ohnedies jetzt fort. Möge das 
neue Deutschland einen edleren Geschmack haben als das alte! 
Nicht genug, daß wir uns durch das ewige Säbelrasseln um alles 
Vertrauen bei den Völkern der Erde gebracht haben, wir haben 
uns obendrein durch die vollendete ästhetische Rohheit des offi¬ 
ziellen kaiserlichen Deutschland verächtlich gemacht! Es ist als ob 
w ir mit Gewalt darauf ausgegangen wären, unsre internationale 
Stellung auf alle Arten zu verderben. 

Erstaunlich ist der völlige Mangel an Gehalt bei dem aller¬ 
größten Teil dieser Hoffmannschen Vaterlandsgesänge. Noch 
erstaunlicher, daß es auch heute noch Leute gibt, die das nicht 
empfinden. Wie wenn vor unsem Augen mit unendlicher Mühe 


ein Sack geschüttelt würde, aus dem nun einmal kein roter Heller 
herausfallen will! Neben dem »Lied der Deutschen« wird man 
von diesem Urteil nur ganz weniges ausnehmen können. Etwa 
das warm empfundene Reiterlied »Ich hab mein Roß verloren, 
mein apfelgraucs Roß«. Oder das Lagerlied »Quater, Drei! zu 
Zink und Daus! Wer schenkt ein? und wer wirft aus?«, wo der 
Volkston, dem Hoffmann sein Leben lang nachgestrebt hat, ein¬ 
mal mehr ist als ein Spielen mit leeren Hülsen. Gern wollen wir 
uns auch das schölle »Zwischen Frankreich und dem Böhmerwald« 
gefallen lassen. Aber im übrigen verschone man uns mit dem 
Barden Hoffmann von Fallersleben. 

Den Schluß des Buches bildet eine Reihe von Beiträgen des 
Hoffmann-Kreises <Luise Hoffmann-Fallersleben, Hans Schoen- 
feld, Albrecht Jung, Ludwig Bäte, Otto Crusius, Adelheid Stier, 
Carl Salm und Hans Sturm). Teils Prosa teils Poesie, eins so 
elend wie das andre. Nur auf Schoenfelds Beitrag »Die Gräber 
des Regiments Deutschland über alles'« müssen wir einen Augen¬ 
blick eingehen. Es ist dies eine höchst unpassende Verherrlichung 
jenes entsetzlichen Mißgriffs unsrer Heeresleitung, durch den da¬ 
mals bei Langemark einige tausend unausgebildeter Freiwilliger 
nutzlos in den Tod getrieben sind. Hoffnungsvolle Söhne guter 
Familien, voll knabenhafter Begeisterung. Man erzählt sich, daß 
die armen Jungen, als das höllische Maschinengewehrfeuer auf 
sie hereinhagelte, in der Verzweiflung nach der Mama gerufen 
hätten. 

Aber es ist kein Zufall, daß gerade ein solcher Vorgang 
voll der typischen Tragik unsres Zusammenbruchs mit dem Hoff¬ 
mannschen Lied in historischem Zusammenhang steht. Bei 
Leuten wie Hoffmann von Fallersleben liegen die Wurzeln des 
geistlosen nationalistischen Eigendünkels, der uns ins Unglück 
gebracht hat. 

Kann so dem gegenwärtigen Unternehmen nicht scharf genug 
entgegengetreten werden, so ist anderseits die Leistung des Herrn 
Georg Schlosser über jedes Lob erhaben. Schade und nochmals 
schade, daß es kein würdigerer Gegenstand war, an den er seinen 
feinen Geschmack gewendet hat. Dem Bibliophilen muß das Herz 
im Leibe lachen, wenn er den vornehmen Band in die Hand nimmt. 
Zwar die Illustrationen von Otto Linnemann taugen nicht viel. 
Gerade als ob der Zeichner den schlechten Geschmack der siebziger 
Jahre,dem Hoffmann seinen Ruhm verdankt,eigens studiert hätte! 
Nur das Porträt des Dichters und etwa noch die Gestalt des Lands¬ 
knechtsführers Frundsberg mag man gelten lassen. Weitaus das 
schwächste Stück ist die Ansicht der Freiwilligengräber von Lange¬ 
mark. Aber im übrigen, wie gesagt, muß man die buchtechnische 
Leistung uneingeschränkt bewundern. Das schöne graue Papier 
hat die edle Tiemann-Type mit wunderbarer Schärfe angenommen. 
Jede Nummer beginnt wie bei einer vornehmen Erstausgabe eine 
neue Seite. Das Quartformat gestattet einen üppigen Rand, und 
der Druckspiegel wird oben und unten durch kräftige Doppelstriche 
schön hervorgehoben. Wem es um eine gediegene Ausgabe 
zu tun ist, kann nirgends besser fahren als mit dieser Offizin. 
Der Einband aus ockergelbem geripptem Glanzpapier paßt vor¬ 
trefflich. 

Diese hochkultivierte Buchtechnik ist ein hoffnungsvolles Stück 
Neudeutschland. Wir wollen den Ehrgeiz haben, nun erst recht, 
daß nirgends in der Welt schönere Bücher gedruckt werden als in 
Deutschland. Aber nicht nur unsre Drucker, sondern auch unsre 
Autoren sollen die besten der Welt sein. K. A. Meißinger. 


Inhaltsverzeichnis 

Zur ältesten Geschichte der kufischen Schrift. S. 49. — Mittei- des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum. S. 70. — 
Jungen aus dem Deutschen Kulturmuseum. S. 67. — Mitteilungen Bücher- und Zeitschriftenschau. S. 7z. 

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Original fro-rri 

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Archiv für Buchgewerbe 


Eingegangene Bücher 

deren ausführliche Besprechung 
sich die Schriftleitung vorbehält 

Baum, Albert, Deutschlands Er¬ 
rettung aus wirtschaftlicher Not. 
Frankfurt a. M. 1919. Akademisch- 
Technischer Verlag Johann Hammel. 
Preis geheftet M 3.—. 

Reimann, Hans, Literarisches Alb¬ 
drücken. Leipzig 1919. Verlag Erich 
Matthes, Leipzig. 

Storm, Theodor, Erzählungen und 
Dichtungen. Herausgegeben und 
ausgewählt von Feodor v. Zobeltitz. 
Mit Buchschmuck von Adolf Uzarski. 
Ungekürzte Ausgabe. Berlin 1919. 
Rösl & Cie. Preis gebunden M 10.—. 
Hamann, R., Ästhetik (Aus Natur und 
Geisteswelt 345. Bändchen). Zweite 
Auflage. Leipzig 1919. B.G.Teubner. 
Preis kartoniert M 1.60. 
Langenscheldts Taschen-Wörter¬ 
buch. Deutsches enzyklopädisches 
Wörterbuch f. den deutschen Sprach- 1 
u. Schreibgebrauch. Verfaßt vonWilh. 
Köhler, k. k. Schulrat, Professor an 
der k. k. Staats-Lehrerinnenbildungs¬ 
anstalt in Wien. Berlin-Schöneberg. 
LangenscheidtscheVerlagsbuchhand- 
lung (Professor G. Langenscheidt). 

Die Schreibkunst. Zeitgemäße An-> 
regungen zur Pflege der Kunstschrift. 
Kunstschriftverlag Ed. Lautenbach, 
Mariendorf bei Berlin. 

Stätten der Bildung, Band 1. Leipzig 
als Stätte der Bildung. Mit Unter¬ 
stützung der sächs. Staatsregierung 
und der Leipziger Stadt- und Univer¬ 
sitätsbehörden herausgegeben durch 
Rektor und Senat der Universität 
Leipzig. 1919. Im Furche-Verlag, 
Berlin. Ladenpreis geheftet M 7.50, 
gebunden M 9.—. 

Stoff und Geist in der Werbelehre. 

' Von Werbeanwalt Weidenmüller. 
Langensalza 1919. Verlag von Julius 
Beltz. Preis M 2.—. 

Woitaske, Oskar, Lehrer, Schwie¬ 
rige Silbentrennung beim täg¬ 
lichen Schreibwerk. Berlin 1919. 
Verlag Kameradschaft W.-G. m.b.H., 
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DES BUCHGEWERBES 


Herausgegeben vom Deutschen Buchgewerbeverein 


j I. Band j 

ANTIQUA ODER FRAKTUR? (Lateinische oder Deutsche Schrift?) Eine j 
kritische Studie von Professor Dr. August Kirschmann. Zweite, durchgesehene und \ 
vermehrte Auflage mit zahlreichen Beispielen und Versuchen. Geheftet M. 2.— j 

! II. Band j 

FARBENPHOTOGRAPHIE UND FARBENDRUCK von Professor \ 
Dr. E. Goldberg, Leipzig. 84 Seiten umfassend, mit 8 Abbildungen im Text und j 
12Tafeln mit 6 einfarbigen sowie 16 mehrfarbigen Abbildungen <z. Z. vergriffen) j 

j III. Band! 

DER SATZ CHEMISCHER UND MATHEMATISCHER FORMELN j 
von Wilhelm Hellwig, Leipzig. 52 Seiten umfassend.(z.Z. vergriffen) j 

j IV. Band { 

DER TITELSATZ, SEINE ENTWICKLUNG UND SEINE GRUND- j 
SATZE von Reinhold Bammes, München. 100 Seiten umfassend, mit 85 ganz- j 
seitigen Abbildungen. 2 . vermehrte u. verbesserte Auflage. Geheftet M. 1.50 1 

! V. Band ! 

DIE BUCHORNAMENTIK IM 15. UND 16. JAHRHUNDERT von j 
Dr. Hans Wolff, Leipzig. Deutschland I: enthaltend die Straßburger, Augsburger j 
und Ulmer Buchomamentik. 112 Seiten umfassend, mit 58 Abbildungen und 1 

2 farbigen Beilagen.Geheftet M. 2.~ : 

Deutschland II: enthaltend die Baseler und die Wittenberger Buchornamentik, j 
104 Seiten umfassend, mit 63 Abbildungen und 2 Beilagen. . Geheftet M. 2.— j 

! VI. Band j 

BEITRAGE ZUR ENTWICKLUNGSGESCHICHTE DER SCHRIFT ! 
von Dr. R. Stübe,Leipzig. Heft 1: Vorstufen der Schrift. 104 Seiten umfassend, mit j 
51 Abbildungen u. vielen in den Text eingefägten Zeichnungen. Geheftet M. 1.60 j 
Heft 2: Die Bilderschriften. 111 Seiten umfassend, mit 54 Abbildungen und I 
5 Beilagen.Geheftet M. 1.60 : 

j VII. Band | 

DIE GRUNDFORMEN NEUZEITLICHER DRUCKSCHRIFTEN ] 
von Lorenz Reinhard Spitzenpfeil, Kulmbach. 60 Seiten umfassend mit vielen j 
Beispielen und Versuchen, sowie 20 Seiten Anhang.Geheftet M. 1.60 ! 

j VIII. Band j 

DIE ENTSTEHUNG EINER SCHRIFT von Heinrich Hoffmeister, Frank- I 
furta. M. 60 Seifen umfassend, mit 15 Abbildungen .... Geheftet M. 1. — j 

| IX. Band! 

DIE PAPIERFABRIKATION von Dr. Bruno Possanner v. Ehrenthal, Cöthen 1 
i.Anh. 96 Seiten umfassend mit 51 Abbildungen u.7Beilagen . Geheftet M. 2.— : 

j X. Band j 

DIE SCHWABACHER SCHRIFT IN VERGANGENHEIT UND j 
GEGENWART von Hermann Clauß, Pfarrer in Schwabach. 82 Seiten umfass, j 
mit 8 in den Text eingedruckten Bildertaf. u. 12 großen Schrifttaf. Geheftet M. 2.50 j 


Die Bände sind durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Wenn nicht erhältlich, dann direkt von der Geschäftsstelle Ijjjjj 

Deutscher Buchgewerbeverein / Leipzig || 

Weiter ist zu beziehen von der Geschäftsstelle: Bauer, Chronik der Deutschen Schriftgießereien, geb. M. 5 . — 1111:: 



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KULTUR UDER REKLAME 

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Privileg. S. er V* 

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Herausgeber: Deutscher Buchgewerbeverein — Verantwortliche Schriftleiter: für den Teil „Archiv für Buchgewerbe“ 


KarlWeisser, für den Teil „Zeitschrift des Deutschen Vereins für Buchwesen und Schrifttum“ Prof. Dr. Albert Schramm 


Druck von Breitkopf & Härtel — Sämtlich in Leipzig 


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BUGRA-MESSHEFT 












Archiv für Buchgewerbe 


beteiligte sich in mehr privater Form, während nur 
wenige Buch- und Kunstverleger schon früher hier 
und da einen vereinzelten „Stand“ gehabt hatten. 
Unter diesen Umständen hielt es der Deutsche Buch - 
gewerbeverein als der berufene Vertreter aller Zweige 
des Buchgewerbes für seine Pflicht, die schon länger 
gepflogenen Erörterungen wegen einer planmäßigen 
Zusammenfassung des gesamten Buchgewerbes auf 
der Leipziger Messe nunmehr zurTat werden zu lassen, 
und so rief er, im Einvernehmen mit den zuständigen 
Einzelvereinigungen der verschiedenen Gewerbe, die 
neue große Veranstaltung ins Leben, welche unter 
dem Namen „Bugra-Messe“ den Forderungen einer 
neuen Zeit Rechnung tragen und zugleich die Bestre¬ 
bungen unsrer schönen, vom Kriege so unbarmherzig 
gestörten Ausstellung von 1914 zu einem Teile am 
Leben erhalten und sinngemäß fortfuhren will. Daß 
damit das Rechte getroffen wurde, zeigt die geradezu 
begeisterte Zustimmung und rege Beteiligung aus 
allen Fachkreisen, und es darfschonjetztdie bestimmte 
Erwartung ausgesprochen werden, daß die Form der 
Messe sich nicht nur in dieser Not- und Übergangs¬ 
zeit bewähren, sondern auch auf die Dauer und auch 
für das Buchgewerbe als nützlich, ja schließlich als 
so selbstverständlich und unentbehrlich erweisen wird, 
wie für andre Handels- und Gewerbezweige. Denn 
selbst der in solchen Dingen sehr konservative Buch¬ 
handel dürfte sich durch die Tatsachen überzeugen, 
daß sowohl der Verleger wie der Sortimenter bei der 
neuen Einrichtung seine Rechnung findet und neue 


Bahnen erschließt, weil mancher Meßbesucher im 
Vorübergehen Dinge bestellen wird, an die er sonst 
nicht gedacht hätte. Die Zeit, da man bloß zu Kantate 
mit einer wohlgefüllten Geldkatze zur Abrechnung 
und zum Festessen nach Leipzig reiste, im übrigen 
aber denVerkehr nur durch das Börsenblatt und die Be¬ 
stellzettel regelte, ist ohnedies wohl unwiederbringlich 
dahin, ja es erscheint kaum als eine zu kühne Phantasie, 
daß die offizielle Ostermesse des Buchhandels gleich¬ 
falls auf die Zeit der allgemeinen Leipziger Frühjahrs¬ 
messe verlegtund dadurch eine große, fruchtbringende 
Interessengemeinschaft geschaffen werden könnte. 
Der Deutsche Buchgewerbeverein, der ja schon von 
jeher in seinem Hause alljährlich die Kantate- 
Ausstellung der Neuigkeiten des deutschen Verlages 
im Aufträge des Börsenvereins veranstaltet hat, wird 
jedenfalls sorgsam darüber wachen, daß die neue 
Form der neuen Zeit in besterWeise nutzbar gemacht 
wird. Eines aber muß zum Schlüsse noch ganz 
besonders betont werden, nämlich der dringende 
Wunsch, daß alle Erzeuger sich eine mustergültige 
Qualität in technischer wie künstlerischer Hinsicht 
zum strengsten Grundsatz machen sollten, wie dies 
dem Leitgedanken des DeutschenBuchgewerbevereins 
entspricht. Nurdadurch kann unser deutschesGewerbe 
mit innerer Berechtigung seine führende Stellung in 
der Welt sich wieder erringen und dauernd sichern; 
und gewiß wird es dabei auch äußerlich zu neuen 
Formen gelangen, die künstlerisch die neuen Zeiten 
widerspiegeln. 


Buchhandel und Bugra-Messe 

Von KURT LOELE 


D er Buchhandel ist in den Formen seiner ge¬ 
schäftlichen Werbetätigkeit im Vergleich mit 
dem übrigen Handel immer viel zu konservativ, 
um nicht zu sagen rückständig gewesen. Die Not¬ 
wendigkeit, auch für seine Ware — Individualware im 
Gegensatz zur Gattungsware des Kaufmanns — das 
unerschöpfliche Register gegebener Werbemittel 
dienstbar zu machen, ist heute noch nicht in vollem 
Maße von ihm erkannt worden. Z. B. hat sich der 
reinwissenschaftliche Verlag nur schwer und langsam 
zu der stärkeren Ausnutzung der ihm zu Gebote 
stehenden Werbemöglichkeiten entschließen können. 
Solange sich innerhalb des Buchhandels der Wett¬ 
bewerb weniger bemerkbar machte und die strengere 
Absonderung und leichtere Erfaßbarkeit der geistig 
Anteilnehmenden bestanden, brauchte man die von 
den Vorfahren bereits ausgetretenen Spuren im Ver¬ 
triebswesen nicht zu verlassen. Vielmehr konnte 
man auf den guten Klang seines Namens vertrauen 
und darauf, daß das Wertvolle und Bleibende in der 
Literatur sich selbst durchsetzen würde. Sobald aber 


die geistigen Besitztümer der Nation zum Gemeingut 
des Volkes zu werden begannen, das Presse- und 
Verkehrswesen mit seinem raschen und ungeahnten 
Aufstiege einsetzte und die tausendfältigen Keime 
jener Bücherübererzeugung emporsproßten, die ihren 
Höhepunkt in den Jahren vor dem Kriege erreichte, 
war auch die Notwendigkeit stärkerer Inanspruch¬ 
nahme von Werbemitteln und Werbegelegenheiten 
für den Buchhandel geboten. Der Begriff der Reklame, 
der sich zeitweilig mit dem der Marktschreierei deckte, 
erfuhr dabei eine Läuterung insofern, als man unter 
ihm mehr und mehr werbendes Empfehlen und 
empfehlendesWerben ingutemSinne verstehen lernte. 
So konnte die Reklame ihren Siegeszug in dem neuen 
kaiserlichen Deutschland antreten, ihre ungemein 
belebende und befruchtende Wirkung auf Kunst und 
Kunstgewerbe ausüben und ihre gewaltige wirtschaft¬ 
liche Bedeutung für Handel und Industrie gewinnen. 

Auch heute nach den gewaltigen Erschütterungen 
des Krieges und der Revolution ist ihre Bedeutung 
für uns eher gewachsen als gemindert. Wohl oder 


82 


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PRINCETON UNIVERSITY 





Archiv für Buchgewerbe 


übel wird sie als starker Helfer eingestellt werden 
müssen, wenn es gilt, Handel und Wandel neu zu 
beleben und jene schweren Verpflichtungen zu er¬ 
füllen, die uns ein unerbittlicher Feind auferlegt hat. 
Das kann aber nur geschehen, wenn ihr wie bisher 
die freie Entfaltung nach allen Richtungen hin gewähr¬ 
leistet bleibt. Der Sauerteig, der Gütererzeugung 
und Güteraustausch zur Höhe moderner Entwicklung 
emporhob, wird seine Aufgabe auch in Zukunft nur 
dann in vollem Umfange erfüllen können, wenn man 
ihm seine bisherige Zusammensetzung beläßt und ihn 
in seiner Wirkung so wenig als möglich durch An¬ 
zeigenmonopol und dergleichen beeinträchtigt. Dann 
wird die Reklame auch die Formen finden, die zur 
Erfüllung einer so großen und wichtigen Aufgabe 
nötig sind. 

Auch für den deutschen Buchhandel ergibt sich die 
Notwendigkeit, seine Werbeformen den Umständen 
und Forderungen einer völlig gewandelten Zeit an¬ 
zupassen. Die Voraussetzungen, unter denen er in 
Friedenszeiten seineTätigkeit im Dienste des geistigen 
Lebens der Nation entfaltete, sind so ganz andre 
geworden. Eine Reihe schwerer Hemmungen in der 
Erzeugung hat zu einem bedenklichen Warenmangel 
geführt. Viele wichtige Bücher sind vergriffen, weil die 
Verleger vor der Herausgabe neuer Auflagen zurück¬ 
schrecken, ehe nicht wieder geordneteVerhältnisse auf 
dem Papier- und Rohstoffmarkte eingetreten und die 
durch Gehalts- und Lohnerhöhungen der Angestellten 
sowie durch die allgemeine andauernde Steigerung der 
übrigen Geschäftsunkosten erschütterten rechneri¬ 
schen Grundlagen der Unternehmungen wiederher¬ 
gestellt sind. Die äußere Ausstattung der Bücher 
zeigt bei ständig steigenden Verkaufspreisen das be¬ 
trübliche Bild allgemeiner Verelendung, besonders 
wenn wir die Leistungen des deutschen Buchhandels 
zum Vergleich heranziehen, die uns die unvergeßliche 
Schau von 1914 in Leipzig vor Augen geführt hat. 
Ein Trost ist das unverminderte, scheinbar im Steigen 
begriffene Interesse des kaufenden Publikums. Ihm 
allein ist es zu verdanken, daß in der Erzeugung nicht 
eine allgemeine Stockung eingetreten ist. So schuf 
die unverminderte Nachfrage eine zwar dem Bücher¬ 
liebhaberwenig gefallende Produktion, aber doch eine 
Art Notbehelf, der den Buchhandel über die Schwierig¬ 
keiten der Kriegs- und ersten Friedenszeit hinweg¬ 
helfen konnte. Diese Erzeugung und die noch vor¬ 
handenen Bestände aus früherer Zeit können der 
Werbetätigkeit nicht entbehren, damit der Abnehmer 
erfährt, was er noch bekommen kann. Dann hat sich 
auch herausgestellt, daß gar nicht genug Bücher als 
Träger der Bildung und Kultur ins Volk wandern 
können in einer Zeit, die täglich eine solche Unsumme 
von Unbildung und Unkultur zutage fördert. Arbeits¬ 
losigkeit, Mangel an geselliger Zerstreuung und Unter¬ 

83 


haltung, die im Schützengraben angenommene Ge¬ 
wohnheit, Bücher zu lesen und die Unmöglichkeit 
Geld für Luxusartikel (wozu heute auch Kleider und 
Schuhe gehören) auszugeben, halten viele Leute noch 
am Buche fest. Es ist nicht anzunehmen, daß wir es 
mit einem bleibenden Zustande zu tun haben. Viel¬ 
mehr ist abzuwarten, ob und inwieweit das Lese¬ 
bedürfnis nachläßt oder aufhört, sobald Vergnügungen, 
Wirtshaus- und Vereinsleben und wiedereröffnete 
Kaufgelegenheiten zu anderweitiger Verwendung 
bisher für das Buch übriger Geldmittel verlocken. 
Der einzige Weg, die gemachten Eroberungen dem 
Buche soweit als möglich zu erhalten und zu erweitern, 
ist und bleibt ständige planmäßige und zielbewußte 
Werbearbeit. 

Ich habe bereits angedeutet, daß das Buch in letzter 
Zeit seinen Charakter als Luxusartikel zum Teil ver¬ 
loren hat und immer mehr zum Gebrauchsartikel 
geworden ist. Dieser Umstand weist den Buchhandel 
auf die Inanspruchnahme einer Werbeform hin, die 
zwar vereinzelt von ihm bereits mit Erfolg benutzt, 
nicht aber als Gemeingut vom übrigen Handel über¬ 
nommen worden ist: die Verkaufs- und Mustermesse 
in Leipzig . Wer in diese für das deutsche und Welt¬ 
handelsleben so wichtige Einrichtung tiefer einge¬ 
drungen ist, wird wissen, daß schon seit einer Reihe 
von Jahren ein Teil desdeutschenVerlagsbuchhandels 
auf der sogenannten Papiermesse vertreten war. Ge¬ 
brauchsliteratur wie Klassiker, Romane, Jugend¬ 
schriften und Bilderbücher konnte man in dem in der 
Petersstraße gelegenen Meßhause „Großer Reiter“ 
zwischen den mannigfaltigen Erzeugnissen des Papier- 
und Schreibwarenhandels ausgestellt sehen. Die 
Erschwerungen und Verteuerungen im Verkehrs¬ 
wesen, die die Verwendung eigener Reisevertreter 
behinderten oder unterbanden, und dieHemmungen in 
der Anwendung andrer Werbemittel haben gelegent¬ 
lich der diesjährigen Frühjahrsmesse zu einer un¬ 
erwarteten Inanspruchnahme der Meßhandelsform 
durch den Buchhandel geführt. Die Vergrößerung 
und Erweiterung der Leipziger Messen während und 
trotz des Krieges ließen auch die bisherige Behausung 
der Papiermesse zu enge werden. Zum „Großen 
Reiter“ gesellte sich auf der andern Seite der Straße 
„Stentzlers Hof“, ein ganz neuer großer Meßpalast. 
Die verfügbaren Räumlichkeiten wurden unter andern 
von einer Reihe von Verlegern übernommen. Unter¬ 
nehmungen seriösen, zum Teil sogar wissenschaft¬ 
lichen Charakters fügten sich als neues Glied in die 
Papiermesse ein. Ein Unternehmer, der den heutigen 
Mangel an andern Werbegelegenheiten rechtzeitig 
erkannt hatte, sammelte an einer andern Stelle desMeß- 
viertels gegen 1 OOVerleger desBuch-,Kunst-undMusi- 
kalienhandels in der „Bukma“ (Ausstellung des Buch-, 
Kunst- und Musikalienhandels). Der Erfolg dieser 

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Archiv für Buchgewerbe 


Veranstaltungen war im allgemeinen ein zufrieden¬ 
stellender, jedenfalls ein ermutigender, trotz der für 
den Einkäufer unbequemen räumlichen Trennung. 
Immer deutlicher erkannte man dasWerden der neuen 
buchhändlerischenWerbe- und Vertriebsform. Gleich¬ 
zeitig schien es aber geboten, die Strömungen dieser 
Entwicklung sobald wie möglich in einem Bette zu¬ 
sammenzufassen, um der neuen Einrichtung eine 
festere Grundlage zu geben und ihr eine in geordneten 
Bahnen verlaufende Entwicklung zu sichern. Die in 
Leipzig vertretenen großen Organisationen des Buch¬ 
handels konnten teils aus dem ihnen zugewiesenen 
Rahmen der Betätigung nicht soweit heraustreten, 
um diese junge berufliche Errungenschaft unter ihre 
Fittiche zu nehmen, teils waren sie durch die viel¬ 
gestaltigen und dringenden beruflichen Aufgaben der 
neuen Zeit zu sehr in ihrer Bewegungsfreiheit ge¬ 
hindert. Mit Freuden kann daher begrüßt werden, 
daß sich die gewaltigen Triebkräfte, die 1914 das so 
jäh unterbrochene Werk der Bugra ins Leben riefen, 
wieder zu regen beginnen. Der Buchhandel darf 
sich dabei wiederum als wichtiges Glied des Buch¬ 
gewerbes bekennen und willig in das Ganze einfügen. 
So wurde es dem Deutschen Buchgewerbeverein 
möglich, die Bugra-Messe gleichsam als Ausläufer 
der großen Leipziger Gewerbeschau von 1914 ins 
Leben zu rufen. Als beachtliche Mitgift bringen ihre 
Veranstalter den Schatz von Erfahrungen ein, den sie 
1914 sammeln durften. Ein ganz neuer Meßpalast wird 
die Bugra-Messe aufnehmen und sie mit dem heute er¬ 
forderlichen glänzenden äußeren Rahmen umgeben. 

Der Meßhandel kann in seinen hauptsächlichsten 
Formen ohne Schwierigkeiten vom Buchhandel über¬ 
nommen werden. Die Gelegenheit zur Inaugenschein¬ 
nahme und Prüfung aller wichtigen Neuigkeiten, zur 
Anstellung von Vergleichen, zur Einstellung der 
eigenen Bedürfnisse auf die gebotene Übersicht, zur 
Erlangung vorteilhafter Lieferungsbedingungen dürfte 
für den Sortimentsbuchhändler genügend Anreiz zum 
regelmäßigen Besuch der Messen bilden. Die Pflege 
des persönlichen Verkehrs zwischen Verlegern und 
Sortimentern oder deren Vertrauensleuten kann in 
viel größerem Umfange ausgenutzt werden, als zur 
Buchhändler-Ostermesse. Für den Verlagsbuch¬ 
händler bietet die Messe augenblicklich eine der 
wenigen vollkommen brauchbaren und dabei verhält¬ 
nismäßig billigen Werbegelegenheiten. Die noch vor¬ 
handenen Bücherbestände können in vollem Umfange 
angeboten und vom Käufer in ihrer Ausstattung 
kennen gelernt werden. Inhaltlich wertvolle Erschei¬ 
nungen, die trotz der angenblicklich vorhandenen 
geringen Mittel am ehesten das Auge befriedigen 
können, werden zunächst die meiste Aussicht auf 
Erfolg haben. Darin liegt ein gewaltiger Ansporn für 
den Verlag, sich von den Verhältnissen nicht treiben 


zu lassen, sondern in ihnen die Keime der Entwick¬ 
lung zu neuer Qualitätsleistung zu suchen und zu 
finden. Er begegnet damit den Absichten der Bugra- 
Messe, die in dieser Beziehung im Geiste der Bugra 
weiterzuarbeiten gedenkt. Insofern muß die Be¬ 
zeichnung Bugra-Messe als gute Vorbedeutung auf¬ 
genommen werden. Dann bietet aber auch eine solche 
Leitung die Gewähr dafür, daß die bei der Papier¬ 
messe vorhandene Gefahr der Begünstigung des 
Auchbuchhandels vermieden wird. Wünschenswert 
wäre allerdings, daß die Buchhändler-Ostermesse zeit¬ 
lich mit der Frühjahrsmesse zusammengelegt würde. 

Wie heute die Dinge liegen, ist an einer ausreichen¬ 
den Beteiligung des Verlagsbuchhandels nicht zu 
zweifeln. Auch der Sortimentsbuchhändler wird not¬ 
gedrungen die Messe besuchen, wenn er sein zu¬ 
sammengeschmolzenes Lager wieder auffüllen und 
seine Leistungsfähigkeit dem Publikum und der Kon¬ 
kurrenz gegenüber in dem heute möglichen Umfange 
entfalten will. Zweimal im Jahre, zu Beginn des Früh¬ 
lings und Herbstes, hätte der Buchhändler dabei Ge¬ 
legenheit, sich aus der Enge seines Arbeitskreises zu 
befreien und inmitten der Gesamtheit von Berufs¬ 
genossen den Blick fürs Ganze zu schärfen und aus 
den gewonnenen Erkenntnissen und Erfahrungen 
wertvolle Nutzanwendungen für sich zu ziehen. Zu 
den rein geschäftlichen Vorteilen würden sich also 
solche ideell-beruflicher Art gesellen. 

Von besonderer Wichtigkeit scheint mir die Form 
des Meßhandels für den Verkehr mit dem Auslande 
und für die Wiedergewinnung des Auslandsmarktes 
zu sein. Dem Ausländer, der deutsche Bücher kaufen 
will und mit den gewöhnlichen Vertriebsformen 
unsres Buchhandels nicht vertraut ist, wird sie die 
beste und willkommenste Gelegenheit sein, den deut¬ 
schen Markt kennen zu lernen. Anderseits könnte 
auch dem ausländischen Buchhandel ähnlich wie in 
der Bugra Gelegenheit gegeben werden, den Verkehr 
mit seinen deutschen Abnehmern zu pflegen. Die 
Bugra-Messe könnte also zur wertvollen Mittlerin für 
die Wiederaufnahme der internationalen buchhänd¬ 
lerischen und damit der geistigen Beziehungen der 
Kulturvölker untereinander werden. Sie würde damit 
nur die Absichten wieder aufnehmen, die sie mit 
Ausbruch des Krieges leider fallen lassen mußte. 

Begrüßen wir also auch im Buchhandel die neue 
Vertriebs- und Werbegelegenheit als lebendige Aus¬ 
wirkung der Bugra und als Zeugin künftiger unver¬ 
minderter Kraft des deutschen Buchhandels. Möge 
sie dazu beitragen, daß ihm seine Weltgeltung zurück¬ 
erobert und der Ruhm Leipzigs als Mittelpunkt des 
Weltbuchhandels erneuert werde. Noch sind die 
Fundamente stark und tragfest genug, um auf den 
Trümmern des alten Baues einen neuen und schöneren 
erstehen zu lassen. 


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Kunstgewerbe und Messe 

Von Professor Dr. RICHARD GRAUL 


D ie Leipziger Mustermesse hat sich während 
des Krieges trotz aller Hemmungen des Wirt¬ 
schaftslebens immer umfassender entwickelt. 
Sie spiegelt in dem ungeheuren Warenangebot die 
unzerstörbare Schaffenskraft einer hochentwickelten 
Industrie und offenbart den energischen Willen, nicht 
zu ruhen und zu rasten, bis wir die hohe Stellung, 
die sich unsre Industrie erobert hatte, auch für die 
Zukunft wiedergewinnen und behaupten. Auf der 
letzten Leipziger Messe ist der Zustrom von Waren 
so groß gewesen, daß die vielen Meßpaläste nicht 
mehr ausreichten zur Aufnahme der Güter, und Be¬ 
stellungen wurden so zahlreich gemacht, daß ihre 
Ausführung bei dem Mangel an Rohstoffen und den 
Schwierigkeiten der Fabrikation nicht zu bewältigen 
gewesen ist. 

Kein Wunder, wenn der berauschende geschäft¬ 
liche Erfolg der Leipziger Mustermesse auf immer 
weitere Kreise des Gewerbes und der Industrie eine 
Anziehung ausübt, so daß Gebiete, die ihr bisher fern 
geblieben waren, jetzt als eifrige Mitbewerber auf der 
Messe erschienen. Das Kunstgewerbe jeder Art be¬ 
ginnt sich in seiner edelsten Ausprägung als künst¬ 
lerische Einzelleistung und als Qualitätsware im werk- 
bündlerischen Sinne zur Geltung zu bringen, und als 
letzte Neuheit tritt der deutsche Buch- und Kunst¬ 
handel als in sich geschlossene Organisation auf. 
Bisher war das Kunstgewerbe zumeist als billiger 
Stapelartikel vorgeführt worden. Die aufdringliche 
Geschmacklosigkeit dieser Exportwaren gab derMesse 
so sehr die Signatur, daß das bessere, auf gute Quali¬ 
tät bedachte Kunstgewerbe, sich scheute daneben 
aufzutreten. Ähnlich lagen die Verhältnisse in der 
Papier- und Plakatmesse, auch hier das Überwiegen 
des Unzulänglichen. Manche unsrer besten Kunst¬ 
industriellen und im allgemeinen alle Kunsthand¬ 
werker von Wert blieben infolge dieser Mißstände der 
Leipziger Messe fern. 

Schon vor dem Kriege ist dieser beschämende Zu¬ 
stand, der das Beste dem Alltäglichen, Banalen und 
sensationell Neuem opferte, lebhaft beklagt worden 
und seit sich bei uns der Wille nach Geschmack und 
Qualität durchzusetzen begann, hat es nicht an Ver¬ 
suchen gefehlt, den „unentwegten“ Handelsgeist der 
Messe im guten Sinne zu beeinflussen. Lange Zeit 
vergeblich! Erst das grausame Erlebnis des Krieges, 
die Wehen der Umwälzung, die Not unsrer wirtschaft¬ 
lichen Lage mußten kommen, bis sich das Gewissen 
rührte und die Notwendigkeit offenbar wurde, daß nur 
gesteigerte Qualität Industrie und Gewerbe vor dem 
Niedergang retten können. Was für hohe Ideale be¬ 
geisterte Künstler und überzeugte Schätzer unsres 


Volkes in schwerer Arbeit erkämpft haben zur Ertüch¬ 
tigung der gewerblichen Kunst, all die denkwürdigen 
Unternehmungen der im Deutschen Werkbund Ver¬ 
einten, alles was uns eine Festigung deutscher Art 
in Kunst und Gewerbe erhoffen ließ — all das läuft 
Gefahr in dem Wirrwar unsrer Zeit zu verkümmern, 
zu versinken, wenn nicht Mittel und Wege gefunden 
werden, das glücklich Begonnene, jäh Unterbrochene 
fortzusetzen und zum Abschluß zu bringen. Diese 
Arbeit an der Veredlung unsrer Produktion darf 
dem großen Markte der Leipziger Messe nicht 
fernbleiben. Gerade da, inmitten all des Kitsches, 
der Sensationsschlager, im Kampf mit träger Routine 
und billigem Schund, muß das Beste, was wir bieten 
können, die Arbeit unsrer Künstler, zur Stelle sein. 
Schon durch ihr bloßes Dasein, ist sie imstande, 
das Ganze zu heben und der Menge ein Gefühl 
nationalen Stolzes und geschäftlicher Würde beizu¬ 
bringen. Denn mit der Aufnahme der künstlerisch ver¬ 
edelten Arbeit erfüllt die Messe eine erzieherische 
Mission — wichtiger, dringlicher, notwendiger bei uns 
im eigenen Lande als die Propaganda in den neutralen 
Ländern! Wo alles sich zum Verkauf drängt, wo 
Händler und Hersteller, Einheimische und Fremde 
zusammenströmen, wird unsre beste Arbeit auch die 
beste Wirkung tun. 

Freilich stößt die Vorführung guter Qualitätsware 
im Chaos derMesse auf beträchtliche Schwierigkeiten. 
Die Scheidung der Meßstände nach Geschäfts¬ 
gattungen ist noch eine Frage der Zukunft; je ge¬ 
waltiger die Messe angeschwollen ist, desto schwie¬ 
riger ist die Übersicht über das Gebotene geworden. 
Um sich überhaupt zur Geltung zu bringen, mußten 
sich die Versuche einer einheitlichen Vorführung 
besserer kunstgewerblicher Waren absondern. So 
hat sich der Wirtschaftsbund Deutscher Kunsthand¬ 
werker im Limburgerhaus eingerichtet, sind die 
Wiener Werkstätten in der Dresdner Bank entfaltet, 
und so wird der deutsche Buchhandel für sich auf- 
treten und hoffentlich die wilden Ausstellungen an 
seiner Wirkungssphäre, wie das Plakat- und Reklame¬ 
wesen, einer Revision unterwerfen. 

Was bei den räumlich beschränkten kunstgewerb¬ 
lichen Vorführungen geboten wird, erhält den inneren 
Wert durch die sorgfältige Auslese des Gebotenen. 
Nur wenn eine fachmännische Jury ihres Amtes 
gewaltet hat, kann die Gewähr gegeben werden, daß 
das Vorgeführte höheren Ansprüchen an Gediegenheit 
und Geschmack genügt. Solange sich diese Auslese 
im Kreise der Künstler und Kunsthandwerker abspielt, 
begegnet sie dem geringsten Einwurf. Sobald sich 
aber die Auswahl an das Angebot der Industrie wendet, 

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Archiv für Buchgewerbe 


pflegen sich die Händler und Fabrikanten um so leb¬ 
hafter zur Wehr zu setzen, je größer die geschäftlichen 
Ergebnisse ihrer Arbeit gewesen sind. Und doch muß 
auch hier auf eine reinliche Scheidung der Qualitäts¬ 
ware, die um Anerkennung wirbt, von der kuranten 
Massenware gedrungen werden, im Interesse unsrer 
Kunst und unsres Ansehens als eines nach Vervoll¬ 
kommnung ringenden Volkes. Wenn das so vielfältig 
künstlerischer Veredlung zugängliche Buch- und 
Druckgewerbe auf der Messe auftritt, wird es, das 
dürfen wir von seiner prächtigen Organisation er¬ 
warten, nicht in jene Disziplinlosigkeit verfallen, die 
das Gute im Massenhaften, Minderen erstickt. Dank 
den starken künstlerischen Antrieben, die das Aus¬ 
sehen des deutschen Buches so wesentlich verbessert 
haben, könnten wir gerade mit den Vorführungen des 
Buchhandels Staat machen und den grimmigen Kampf 
mit der französischen und englischen Konkurrenz, 
die am liebsten das deutsche Buch vom Weltmarkt 
vertreiben wollen, aufnehmen. 

Ein neuer Versuch, der künstlerischen Qualität eine 
Gasse in der Produktion zu bahnen, ist die Entwurfs- 
und Modellmesse, die sich im Frühjahr 1919 aufgetan 
hatte. Dieser ersteVersuch einer Vermittlung zwischen 
Künstler und Fabrikanten hat wohl manche geschäft¬ 
lichen Erfolge gezeitigt, allein er war keineswegs nach 
dem Sinne seiner Anreger ausgefallen. Noch hatte 
keine Aufnahmejury ihres Amtes walten dürfen, und 
so erschien, was zu befürchten war: neben dem Meister 
machte sich der Dilettant ungebührlich breit. Gerade 
hier, wo es galt, gute künstlerische Kräfte für die Indu¬ 
strie mobil zu machen, die Fabrikanten mit dem Wesen 
neuer künstlerischer Ideen bekannt zu machen und so 
eine künstlerische Befruchtung der Industrie und des 
Gewerbes herbeizuführen, darf nur gezeigt werden, 
was nach dem Urteil berufener Fachleute der Auszeich¬ 
nung einer empfehlenden Ausstellung würdig ist. 

Diese Forderung ist so einleuchtend, und ihre Er¬ 
füllung verspricht so sicheren Erfolg, daß der aus 
Kaufleuten, Fabrikanten, Künstlern und Kunsthand¬ 
werkern gebildete Ausschuß des Meßamtes für die 
Entwurfs-undModellmesse sich sofortindemBeschluß 
einigte, daß auf der Enwurfs- und Modellmesse in 
Zukunft nur sorgfältig auf ihre Güte geprüfte Arbeiten 
zuzulassen seien. Der zu dieser Prüfung bestellte 
Aufnahmeausschußbestehtzu zwei Dritteln aus Künst¬ 
lern und Kunsthandwerkern und zu einem Drittel aus 
Fabrikanten und Händlern. Damit ist gewährleistet, 
daß bei aller Beachtung der Ansprüche von Industrie, 
Technik und Gewerbe, das künstlerische Urteil ma߬ 
gebend sein soll. Und das ist nur recht und billig. 
Denn in diesem Fall handelt es sich allein um die 
Veredlung unsrer Produktion mit fortschrittlichem 
künstlerischen Geiste. Das ist der springende Punkt 
der ganzen Unternehmung. 


In Leipzig als dem natürlichen Sammelpunkt aller 
Interessenten an der Messe sollen die Künstler und 
die Kunsthandwerker ihr bestes Können zeigen. Im 
engen Verkehr mit dem Techniker und Fabrikanten 
können sie Anregungen geben und nehmen. Und sie 
wirken durch ihr Vorbild auf ihre ganze Umwelt, die 
sich mehr und mehr den Forderungen der führenden 
künstlerischen Richtung anpassen wird. Der unab¬ 
lässige Kampf um die Festigung und Verbreitung 
wahrhafter Kunstgesinnung, das Streben nach der 
Verwirklichung desldeals einer selbständigen, unserm 
deutschen Wesen entsprechenden Kunst, muß auch 
auf der Leipziger Messe gekämpft werden. 

Gerade die ernste Zeit, in die uns das Schicksal 
geworfen hat, ist die rechte Prüfungszeit zur Stählung 
unsrer Energie. Bittere Not und fremder Haß zwingen 
uns, die Kräfte zusammenzunehmen, um durch die ge¬ 
steigerte Güte unsrer Arbeit, durch Geschmacksadel 
und würdiges Auftreten uns wieder Achtung und Erfolg 
im Wettbewerb mit dem neidischen Ausland zu gewin¬ 
nen. Nursokönnen wir beweisen, daß das nationale Un¬ 
glück des politischen und wirtschaftlichen Zusammen¬ 
bruchs weder unsern Mut noch unsre Kraft gebeugt hat. 

Und nicht nur im Hinblick auf das Ausland tut uns 
die SelbstbesinnungundAnstrengungnot, wir schulden 
sie uns selbst. Sind wir auch verarmt, so darf doch 
die Kunst nicht feiern. Mit kargen Mitteln werden 
wir uns einrichten müssen, und von der Kunst ver¬ 
langen, daß sie auch mit einfachen Mitteln den Zauber 
ihrer veredelnden Kraft bewähre. An Stelle eines 
luxuriös ausschweifenden Kunstgewerbes werden die 
Künstler den veränderten sozialen Verhältnissen an¬ 
gepaßte Arbeiten setzen. Was sich so an gediegener 
Arbeit in geschmackvollen typischen Formen heraus¬ 
bildet, das wollen wir auf der Entwurfs- und Modell¬ 
messe sehen und durch die Industrie in unserm Volke 
verbreiten. Ist es den Besten unter uns gut genug, 
so wird es auch von den Fremden um seiner Eigenart 
willen gekauft werden. 

Zur Erleichterung der Zusammenarbeit zwischen 
Künstler und Fabrikanten soll in all den Fällen, 
in denen die Künstler ihre Arbeit nicht selbst auf der 
Messe vertreten können, eine Vermittlung durch 
sachverständige Vertreter stattfinden. Denn es ist 
mit Recht der Einwand erhoben worden, daß es sich 
nicht bloß um einen Umsatz von Entwürfen und 
Modellen für die Fabrikation handeln könne, sondern 
um ein intimeres Zusammenarbeiten zwischen den 
Interessenten. Die Praxis allein wird ergeben, in 
welcher Weise diese Zusammenarbeit lebendig er¬ 
halten werden kann über die Messe hinaus. Fürs 
erste müssen wir uns damit begnügen, die Anknüpfung 
von Beziehungen auf bequeme Weise ermöglicht zu 
haben, und wir sind der Meinung, daß bei gegen¬ 
seitigem Vertrauen aus der neuen Einrichtung des 


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Archiv für Buchgewerbe 


Meßamtes den Künstlern wie den Fabrikanten, den 
Produzenten wie den Konsumenten gute Dienste 
geleistet werden können. 

So tritt die Leipziger Messe mit dem ernsten Willen 
auf, durch die Hervorhebung des Kunstgewerbes die 
Qualitätsarbeit und den guten Geschmack zu fördern. 
Ihre Leitung ist sich der verantwortungsvollen Ver¬ 
pflichtung bewußt, nichts unversucht zu lassen, das 


geeignet ist, dem Qualitätsgedanken in Industrie und 
Gewerbe jeder Art zum Siege zu verhelfen. Ist das 
zarte Reis der Entwurfs- und Modellmesse erst ein¬ 
mal festgewurzelt, dann wird es sich auch zum kräftigen 
Stamme entfalten. Dann wird die Leipziger Messe 
nicht nur ein Symbol unsrer wirtschaftlichen und 
geschäftlichen Tüchtigkeit sein, sondern auch ein 
Symbol deutschen Kunstvermögens. 


Leipziger Mustermesse und Bugra-Messe 

Von ERNST COLLIN in Berlin-Steglitz 


D er Volkswirt, der heute die Feder zur Hand 
nimmt, um von den Wegen und Mitteln zu 
sprechen, die der deutschen Wirtschaft ein 
Weiterleben ermöglichen sollen, sieht seine Ge¬ 
danken von Hunderten von bangen Fragen gehemmt. 
Hat Deutschland angesichts der ihm auferlegten 
grausamen Friedensbedingungen, die ihm wichtige 
Grundlagen seines Arbeitsfleißes rauben, oder diese 
unter fremde Kontrolle bringen, die jede selbständige 
Handelspolitik unmöglich machen, die ihm ungeheure 
in ihrem Ausmaße noch gar nicht bekannte Lasten 
auferlegen — hat es überhaupt noch Aussicht auf 
einigermaßen erträgliches Gedeihen? Wie steht es 
um die Zukunft seines Außenhandels, da ihm seine 
Handelsflotte geraubt ist, da der während des Krieges 
verkündete, aus Haß und Neid geborene Wirtschafts¬ 
krieg das deutsche Arbeitserzeugnis von allen den¬ 
jenigen Gebieten des Weltmarktes verdrängen will, 
auf denen es einst begehrt war? Wie wird es bei 
seiner gesunkenen Valuta die ausländischenRohstoffe, 
Waren und Lebensmittel bezahlen können? Wie ist 
eine Betätigung der allein eine Steigerung der Pro¬ 
duktion ermöglichenden Unternehmungslust möglich, 
da die während des Krieges errichtete Zwangswirt¬ 
schaft als eine „Errungenschaft“ der Kriegszeit mit 
in die Friedenswirtschaft hinübergenommen werden 
soll, — eine Zwangswirtschaft, die auf Grund des 
überspannten und mißverstandenen Organisations¬ 
gedankens eine denGeistabtötendeBureaukratisierung 
setzt? Wie ist es möglich, den zerrüttenden Streiks 
und den unmäßigen Lohn- und Gehaltsforderungen 
zu begegnen? Wie steht es überhaupt mit den An¬ 
sprüchen der Arbeiterschaft, die da glaubt, daß allein 
die sozialistische Wirtschaftsordnung eine Rettung 
aus der Not bringen könne, und die sich deshalb zum 
Herrn der Wirtschaft machen will? Ist ein Preisabbau 
möglich, um unsre auf dem Weltmarkt bedrohte 
Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen? Es sind 
der Fragen so viele und schwerwiegende, und jede 
ist irgendwie mit der andern verstrickt. Und wenn 
wir unsre Gedanken durch das Labyrinth der Pro¬ 
bleme des Tages hindurchführen, dann erinnern wir 
uns, wie in einer Zeit, da die gesamte Arbeitskraft 


des deutschen Volkes auf die „Versorgung des 
Krieges“ gerichtet war, da infolge der Rohstoff¬ 
knappheit eine zwangsläufige Reglung des Wirt¬ 
schaftslebens für notwendig gehalten wurde, — daß 
zu dieser Zeit auf den Leipziger Mustermessen eine 
vonKriegsmessezuKriegsmesseständiganwachsende 
Unternehmungslust sich betätigte. Und die auf diesen 
Messen vom Ausland gegebenen, in die Milliarden 
gehenden Aufträge wiesen bereits, Gutes verheißend, 
in die Friedenswirtschaft hinein. Nun kommt die erste 
Friedensmesse , die, wie sie auch ausfällt, Antwort auf 
viele unsrer Fragen geben wird. Hier wird es sich 
vor allen Dingen zeigen, ob der Haß gegen alles 
Deutsche wirklich so tief gewurzelt ist, daß sich die 
uns einst feindlichen Länder hermetisch gegen die 
deutsche Ware abschließen werden. Hier wird es sich 
ferner erweisen, ob die während des Krieges ge¬ 
schaffenen fremden Messen ihr Ziel erreicht haben 
und die Leipziger Mustermesse zu einer bedeutungs¬ 
losen machen konnten. (Welche Anerkennung lag für 
die Leipziger Messe allein in dem Umstande, daß 
man gewaltige Anstrengungen im Kampfe gegen sie 
machen mußte!) Ohne prophetische Begabung zu 
besitzen, wird man sagen können, daß von dem Aus¬ 
fall der ersten Leipziger Friedensmesse die zukünftige 
Entwicklung unsres Außenhandels zum guten Teile 
abhängen wird. 

Bei der Bedeutung, die der ersten Leipziger 
Friedensmesse unter allen Umständen zukommen 
wird, ist es von gar nicht zu unterschätzender Wichtig¬ 
keit, daß das Papier- und Buchgewerbe Deutschlands 
durch eine besondere und in ihrer ganzen Art be- 
deutsamenVeranstaltung vertreten sein werden. Nicht 
nur wegen des Namens muß man, wenn man von der 
ersten Buchgewerblich-graphischen Mustermesse , der 
Bugra-Messe , spricht, an die große Bugra des Jahres 
1914 zurückdenken. Aber die so jäh durch den Krieg 
unterbrochene Bugra verlangte damals schon irgend¬ 
wie eine Fortsetzung, die freilich auf geraume Zeit 
hinaus ihres internationalen Charakters entkleidet 
sein muß, die aber zum mindesten für die wirtschaft¬ 
liche und kulturelle Bedeutung des deutschen Papier- 
und Buchgewerbes werben wird. Soll man davon 


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Archiv für Buchgewerbe 


sprechen, welche Macht Papier und Buch während 
des Krieges gewesen sind, wie sie beide ein Mittel 
der Kriegführung darstellten, einer Kriegführung, 
bei der ganz wie in altersgrauen Zeiten neben der 
Waffe des Schwertes die Waffe des mahnenden, auf¬ 
rüttelnden und aufreizenden Wortes in die Erscheinung 
trat? Viel Unschönes und Unflätiges kam dabei an 
die Oberfläche; aber auch manches Neue sahen wir, 
das im Schatten der Friedenspalme gepflegt, wichtige 
Arbeit für den friedlichen Wiederaufbau der Welt 
und für die geistige Erneuerung der Völker zu leisten 
berufen sein wird. Die politische und hoffentlich bald 
auch sittliche Umwertung aller Werte, wie sie sich 
über die ganze Welt erstrecken muß, stellt alles, was 
mit Papier und Druck zu tun hat, vor gewaltige neue 
Aufgaben. Hieran mitzuarbeiten und Wege zu weisen 
muß die erste Leipziger Bugra-Messe berufen sein, 
und von dem Geiste dieses Mithelfenwollens muß 
sie geleitet werden. Nicht darum soll es sich hier 
handeln, ihr Vorschußlorbeeren zu streuen; aber es 
darf doch gesagt werden, daß allein der Gedanke, der 
sie ins Leben rief, des Beifalls der Zeitgenossen 
wert ist. 

Die ideelle und wirtschaftliche Bedeutung der 
Bugra-Messe wird nur dann erreicht werden, wenn 
sie sich auf die richtigen praktischen Grundlagen 
einstellt und diese von Mal zu Mal verbreitert und 
vertieft. Hierzu möge im Folgenden einiges gesagt 
werden. 

Vor allen Dingen bildet die Bugra-Messe eine Er¬ 
gänzung zu einem der wichtigsten Teile der Leipziger 
Mustermessen, der Papiermesse, für die sie aber nicht 
nur Ergänzung, sondern auch veredelndes Vorbild 
sein muß. Man spricht nur das Urteil der hervor¬ 
ragendsten Fachleute und die Mehrzahl der Kritiken 
in der Fachpresse nach, wenn man sagt, daß die 
Papiermessen — natürlich von Einzelheiten abzu¬ 
sehen — niemals eine vorbildliche und würdige Ver¬ 
tretung der papierverarbeitenden Gewerbe waren, die 
sie vertreten. Nun liegt es im Charakter der Muster¬ 
messen, daß allen denjenigen Unternehmungen Auf¬ 
nahme gewährt wird, die sich an ihnen beteiligen 
wollen. Die Messen können sich nicht jene Firmen 
aussuchen, die als die bewährtesten ihres Faches an¬ 
erkannt sind, und deren Erzeugnisse das Urteil über 
die Gesamtheit der Leistungen des Gewerbes günstig 
beeinflussen. Gerade solche Firmen aber sind auf den 
Papiermessen fast immer nur spärlich vertreten ge¬ 
wesen, während die andern, deren Muster hinsichtlich 
stofflicher und geschmacklicher Güte minderwertig 
zu nennen sind, Legion waren. Leider machen ja 
gerade diejenigen Aussteller, die auf den ausgetretenen 
Pfaden geschmacklicher Minderwertigkeit wandeln, 
auf der Messe nicht gerade das schlechteste Geschäft. 
(Das gilt übrigens nicht nur von den Papiermessen, 


sondern auch von manchen andern Teilen der Leip¬ 
ziger Mustermesse.) Namentlich bei denAusstellungen 
der Bildpostkarten blühte das, was man gemeinhin 
Kitsch nennt. Und manche Künstlerpostkarten segelten 
mit ihrem Namen unter falscher Flagge: immer wieder 
zeigte sich, daß die Fabrikanten selbst fast gar kein 
Gefühl für ästhetische Fragen hatten; Nachbildungen 
von Ölgemälden, die sogar die dick aufgetragene Öl¬ 
farbe täuschend Wiedergaben, werden als „Schlager“ 
und als unübertrefflich künstlerische Leistung an¬ 
gepriesen. Wenn etwas wirklich Künstlerisches an- 
geboten wird, dann geschieht dies oft nur, weil es 
gerade die große Mode ist, oder weil es den erotischen 
Empfindungen der Käuferschaft entgegenkommt. Un¬ 
gefähr dasselbe läßt sich für das Gebiet des künst¬ 
lerischen Wandschmuckes behaupten. Die auf den 
Papiermessen ausgestellten buchbinderischen Er¬ 
zeugnisse geben alles andre als ein Spiegelbild der 
geschmacklichen Leistungen, an denen die buch¬ 
binderische Industrie und das buchbinderische Kunst¬ 
handwerk so reich sind. Kurzum, der Besucher der 
Papiermessen mußte denken, daß hier ein Stelldichein 
der Geschmacklosigkeiten stattfindet, und gerade hier 
sah man deutlich, daß es, wie wir es schon angedeutet 
haben, ein Übelstand der heutigen Wirtschaftsordnung 
ist, ein Auswuchs des freien Wettbewerbes, daß Gutes 
wie Schlechtes wahllos seine Nachahmer findet, daß 
keine Stelle vorhanden ist, die auf den Geschmack 
innerhalb eines Gewerbes verbessernd einwirken 
kann. 

Aus dieser Kritik der Papiermesse geht ohne 
weiteres nicht nur das hervor, was die Bugra-Messe 
zu vermeiden, sondern auch das, was sie zu tun hat. 
Wir müssen davon ausgehen, daß die Bugra-Messe 
Ausstellung und Messe zugleich sein will. Sie will 
„als ständig wiederkehrende Einrichtung der Leipziger 
Messe den Meßbesuchern einen Überblick über die 
Arbeit des deutschen Buchgewerbes in seinen besten 
Leistungen nach Inhalt, Form und Technik geben“. 
Sie weist aber gleichzeitig daraufhin, daß „durch 
das Vorlegen der Muster an die Wiederverkäufer 
erfahrungsgemäß ein außerordentlich großer Erfolg 
erzielt wird“. Die Veranstalter haben, indem sie — 
im Gegensatz zu einem früheren Plane des Deutschen 
Werkbundes —darauf verzichteten, die ausgestellten 
Muster als ein „Rührmichnichtan" gelten zu lassen, 
bewiesen, daß sie ihr Unternehmen zu einem lebens¬ 
fähigen Glied der großen Mustermesse machen 
wollten. Denn in dieser würde jede Veranstaltung, 
die nur die Schaulust befriedigen soll, wie ein Fremd¬ 
körper wirken. Anderseits kann aber die Bugra- 
Messe, da sie von einer Körperschaft ausgeht, der 
es nicht darauf ankommt, möglichst viel Platzmiete 
herauszudrücken, sondern die ihren Blick auf das 
Ganze und die Ehre der von ihr vertretenen 


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Wirtschaftszweige richtet, zu einer über dem rein ge¬ 
schäftlichen Charakter einer Messe stehenden Ein¬ 
richtunggestaltetwerden. Fordert man nurbestimmte 
Firmen zur Beteiligung auf, von denen man voraus¬ 
setzt, daß alle ihre Erzeugnisse vorbildlich sind, dann 
kann man auch von der immer zweischneidigen und 
meist verärgernden Maßnahme eines Schiedsgerichts 
absehen. Zu erwägen wäre, ob man für die Bugra- 
Messe nicht ein Preisgericht schaffen will. Es sei bei 
dieser Gelegenheit nicht unerwähnt gelassen, daß 
auf der Frühjahrsmustermesse 1919 ein sehr be¬ 
merkenswerter Ansatz zur geschmacklichen Ver¬ 
edlung der Papiermesse vorhanden war. Bekanntlich 
hatte sich eine Anzahl süddeutscher Kunstverleger 
und Kunstanstalten zusammengetan, in der aus¬ 
gesprochenen Absicht, mit ihren Mustern eine Kund¬ 
gebung gegen die auf der Papiermesse herrschenden 
Minderwertigkeiten zu schaffen. Diese Firmen hatten 
auch ihren Ausstellungen ein äußeres künstlerisches 
Gewand gegeben, indem sie die Ausstattung ihrer 
Räumlichkeiten einem Künstler übertrugen, der ihnen 
ein einheitliches vornehmes Gepräge gab. So sehr 
zu begrüßen das Unternehmen der süddeutschen 
Firmen auch war, die große einheitliche Linie wurde 
trotz vieler ausgezeichneter Mustersammlungen noch 
nicht erreicht. 

Eine gewisse Ergänzung zur Papiermesse bildete 
auf der jüngsten Frühjahrsmustermesse die Entwurf s- 
und Modellmesse , deren Zweck es war, auch für alle 
andern Geschäftszweige der Mustermesse künst¬ 
lerische Modelle und Vorlagen zu schaffen. An dieser 
Messe war aber in der Hauptsache die gute Absicht 
bemerkenswert. Auch auf ihr war der Gedanke, der 
durch sie zum Ausdruck kommen sollte, noch nicht 
einheitlich durchgeführt, schon deshalb nicht, weil 
man neben künstlerischen Vorlagen auch Fertig¬ 
erzeugnisse des Kunstgewerbes sah. Das papierver¬ 
arbeitende und das Buchgewerbe waren auf der Ent¬ 
wurfs- und Modellmesse am stärksten vertreten, ohne 
daß aber für alle seine Zweige brauchbare Entwürfe 
und Modelle vorhanden waren. Es würde deshalb 
von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit sein, wenn 
derjenige Teil der Entwurfs- und Modellmesse, der 
dem Papier- und Buchbedarf dienen soll, einen Zweig 
derBugra-Messe bildete, wenn nicht die Bugra-Messe 
selbst in einer besondern Abteilung diejenigen künst¬ 
lerischen Kräfte vereinigen will, die ihre Entwürfe zur 
Ausstellung bringen wollen. Denn der Gedanke einer 
Entwürfe und Modelle liefernden Schau reiht sich in 
seiner Bedeutung dem an, der die Bugra-Messe ein¬ 
gab. Erkennt man die wirtschaftliche Bedeutung der 
Leipziger Messen als in der Steigerung und Be¬ 
fruchtung der Produktion liegend, dann müssen auch 
von ihnen alle diejenigen Bestrebungen mitNachdruck 
verfolgt werden, die zu einer Veredelung der Waren¬ 


erzeugung dienen. Angesichts der internationalen 
Wichtigkeit, die den Leipziger Messen zukommt, und 
angesichtsder ausbekanntenGründen für die deutsche 
Volkswirtschaft bestehenden Notwendigkeit, für ge¬ 
wisse Gebiete die Massenerzeugung in eine solche von 
Werfwaren umzustellen, kann gerade die Leipziger 
Messe, die alljährlich zweimal einen wichtigen Teil 
der nationalen Produktion vereinigt, nicht genug alle 
jene geschmacklichen Bestrebungen unterstützen. 

Es war eine der besten Ideen des Leipziger Me߬ 
amts, neben der Bedeutung der Messe als Einkaufs¬ 
gelegenheit für die Einkäufer auch diejenige der Ein¬ 
kauf sgelegenheit für die Aussteller zu setzen. So m 
wendet sich die Entwurfs- und Modellmesse vornehm¬ 
lich an die ausstellenden Firmen, die hier wichtige 
Anregungen für die Gestaltung ihrer zukünftigen 
Warenerzeugung empfangen sollen; ähnlich ist es 
mit der Technischen Messe, auf der die Aussteller 
Gelegenheit haben sollen, die neuesten technischen 
Errungenschaften kennen zu lernen. 

Aus dem hier Gesagten geht auch hervor, welche 
Daseinsberechtigung die Bugra-Messe neben der 
Papiermesse besitzt. Auch sie ist in gewissem Sinne 
eine Entwurfs- und Modellmesse; denn auch sie will 
auf die Aussteller der Papiermesse anregend und 
befruchtend wirken. Daneben bleibt natürlich die 
Frage bestehen, ob man einer Verschmelzung der beiden 
Messen das Wort reden soll. Diese Frage ist nicht 
leicht zu beantworten aus dem bereits erörterten 
Grunde; immerhin wird man befürworten müssen, 
daß der Deutsche Buchgewerbeverein zu denjenigen 
Körperschaften gehört, die auf die Umgestaltung und 
Erneuerung der Papiermesse, wie sie früher oder 
später einmal kommen muß, einen gewissen Einfluß 
gewinnen. Überhaupt sollten sich die Vertretungen 
von Papier und Buchgewerbe etwas mehr um die 
Leipziger Papiermessen kümmern. — Es läßt sich 
auch denken, daß sich einzelne Teile der Papiermesse 
zur Bugra-Messe abzweigen, so diejenigen, die kunst¬ 
gewerbliche und kunsthandwerkliche Bestrebungen 
verfolgen. Dadurch würde dann die Papiermesse 
mehr eine der Massenherstellung von Papierwaren 
dienende sein, was ihr durchaus nicht zum Schaden 
zu gereichen brauchte. Denn das bunte Durchein¬ 
ander, das imFleischhauerschen und im Stentzlerschen 
Meßpalast herrscht, hat schon von jeher die Übersicht 
erschwert. 

Noch eine andre Veranstaltung muß im Zusammen¬ 
hang mit der Bugra-Messe genannt werden. Auf der 
Frühjahrsmustermesse 1919 hatten wir zum ersten 
Male eine Reklamemesse. Ein für die gesamte Volks¬ 
wirtschaft immer wichtiger werdender Wirtschafts¬ 
zweig war damit für die Messe gewonnen, und zwar 
zu einer Zeit, da die Bestrebungen nach Sozialisierung 
der deutschen Wirtschaft das weitere Dasein der 

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kaufmännischen Reklame in Frage zu stellen schienen. 
Man hätte nun erwarten dürfen, daß deshalb die erste 
Reklamemesse eine besonders eindrucksvolle Kund¬ 
gebung sein würde. Leider £t aber der Versuch mit 
sehr unzulänglichen Mitteln ausgeführt worden; und 
wenn auch einige der besten Firmen des Reklame¬ 
fachs vertreten waren, so war doch das übrige eine 
Sünde wider den guten Geschmack und Wasser auf 
die Mühle der Reklamefeinde. So sehr man auch den 
Gedanken eines Schiedsgerichts für die Messe ver¬ 
wirft, hier wäre es am Platze gewesen. Wenn, wie 
zu hoffen ist, die Reklamemesse einen dauernden 
Bestandteil der Bugra-Messe bilden wird, so darf als 
selbstverständlich vorausgesetzt werden, daß die 
Fehler der ersten Reklamemesse vermieden werden. 
Vielleicht wäre es angezeigt, bei dieser Messe von 
dem Prinzip abzuweichen und sie mit einer Aus¬ 
stellung zu verbinden, für die der Verein der Plakat - 
freunde aus seinen reichen Beständen zusammen mit 
dem Deutschen Buchgewerbeverein sicherlich das 
beste Material zusammenbringen würde. 

Was nun die Einzelheiten der Bugra-Messe betrifft, 
so ist es zunächst zu begrüßen, daß die Erzeugnisse 
der Papierindustrie durch sie „messefähig“ gemacht 
werden. Gerade in dieser ersten Abteilung wird eine 
der wesentlichen Bedeutungen der Bugra-Messe für 
die Aussteller der Papiermesse liegen, die so Ge¬ 
legenheit haben,das inden neuesten Papiermaterialien 
vorhandene Angebot kennen zu lernen. Auch die 
achte Abteilung der Bugra-Messe, die Hilfsmaschinen, 
Materialien und Werkzeuge für das Buchgewerbe 
vereinigen soll, hat für die Aussteller der Papiermesse 
denselben Wert. In der vierten Abteilung der Bugra- 
Messe sollen Druckstöcke aller Art gezeigt werden. 
Man konnte nun meinen, daß diese Erzeugnisse etwas 
aus dem Rahmen einer Verkaufsmesse herausfallen. 
Denn Druckstöcke sind an sich keine Muster, auf 
Grund deren Bestellungen gegeben werden. Sie 
dienen in der Hauptsache zur Anknüpfung geschäft¬ 
licher Beziehungen, zur Werbung neuer Kundschaft. 
Jene Erzeugnisse aber als nicht messefähig zu be¬ 
trachten, wäre eine engherzige Auslegung. Und je 
weiter man den Messegedanken erfaßt hat, desto 
mehr muß man danach trachten, die Messen zu Bau¬ 
steinen einer die Produktion steigernden geschäft¬ 
lichen Tätigkeit zu machen. Auch die Plakate der 
Reklamemesse ebenso wie die Mehrzahl der Druck¬ 
arbeiten, welche die fünfte Abteilung derBugra-Messe 
darstellen, können nicht unmittelbar verkauft werden, 
auch sie sind nur werbende Vorbereitung für neue 
Aufträge; sie werden den Anlaß zu Angeboten und 
so zu mancher neuen geschäftlichen Beziehunggeben. 
So wird die Bugra-Messe auch zum Vorbild für den 
weiteren Ausbau der Leipziger Mustermessen werden 
können. 


Einige Worte seien noch über die sechste Abteilung 
der Bugra-Messe „Buchbinderei-Erzeugnisse und 
Buchbindereibedarf“ gesagt. Ich wirke in der buch¬ 
binderischen Fachpresse seiteinigen Jahren dafür, daß 
sich das buchbinderische Kunstgewerbe mit seinen Ar¬ 
beiten an derMesse beteiligt. Leider, wie ich gestehen 
muß, mit so gut wie gar keinem Erfolg. Ich habe aus¬ 
drücklich darauf hingewiesen, daß künstlerische Buch¬ 
einbände im allgemeinen nicht auf die Messe gehören, 
da Kundschaft hierfür kaum vorhanden sein wird. 
Aber alle diejenigen Erzeugnisse des Buchbinderhand¬ 
werkes, die sich nicht nur an die bücherliebende Welt 
wenden, also Postkartenalben, Tagebücher, Notiz¬ 
bücher, Kasetten usw., werden auf der Messe sicher¬ 
lich ihre Käufer finden. Und wie die Bugra-Messe 
Vorbilder für die Papiermesse liefern will, so soll die 
buchbinderischeAbteilung innerhalb derBugra-Messe 
das Vorbild für die mit Erzeugnissen veralteten Ge¬ 
schmacks noch immer reichhaltig versehenen Ausstel¬ 
lungen der Großbuchbindereien auf der Papiermesse 
werden. Selbstverständlich gehört der Bucheinband 
in die Messeausstellungen des Buchhandels. 

Wenn die Bugra-Messe, wie als sicher anzunehmen 
ist, zu einer dauernden Einrichtung der Leipziger 
Mustermesse wird, dann ist durch sie für Papier- und 
Buchgewerbe eine ständige Ausstellungsgelegenheit 
geschaffen worden. Dadurch werden die ausstellenden 
Firmen von Messe zu Messe veranlaßt, ihre Erzeug¬ 
nisse zu überprüfen; sie bleiben in steter Fühlung 
mit ihrerKundschaft und können sich ihren Wünschen 
anpassen. Daß den Bugra-Messen eine große volks¬ 
wirtschaftliche Bedeutung zukommt, da sie auf die 
Produktion im Papier- und Buchgewerbe anregend 
wirken, braucht nicht erst gesagt zu werden. Eben¬ 
sowenig, wie man daraufhinzuweisen braucht, daß 
Papier- und Buchgewerbe somit besser die Anforde¬ 
rungen desWeltmarktesunddieVerkaufsgelegenheiten 
auf diesem verfolgen können. 

Zum Schluß sei noch die Frage angeschnitten, in¬ 
wieweit sich die Bugra-Messe in den Dienst von Nor¬ 
malisierung und Typisierung stellen soll. Wir erinnern 
daran, daß kurz vor Ausbruch des Krieges, die Frage, 
ob Typisierung oder Spezialisierung eine ästhetische 
war. Damals auf dem Kölner Werkbundkongreß des 
Jahres 1914 stellte Muthesius in seinen Leitsätzen 
die Typisierung als Forderung des Tages auf, während 
van deVeldedus Bannerder Spezialisierungaufpflanzte. 
Die Frage ist aber heute zu einer wirtschaftlichen 
geworden, und wie Deutschlands finanzielle Ver¬ 
armung und die damit zusammenhängende Unmöglich¬ 
keit, die wichtigsten industriellen Rohstoffe zu kaufen, 
die Erzeugung von Wertware bedingen, so muß auch 
zwecks besserer Ausnutzung der Rohstoffe eine Ver¬ 
einheitlichung der Erzeugung Platz greifen. Die Er¬ 
örterung über die Normalisierung auf dem Gebiete 

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desPapiershatandieserStelleausgiebig stattgefunden. 
Die Bugra-Messe würde sich ein großes Verdienst 
erwerben, wenn sie die Angelegenheit der Typisierung 
und der Normalisierung aus der theoretischen Er¬ 
örterung herausheben und in das Gebiet der weg¬ 
weisenden Praxis stellen würde. Dabei wird darauf 
zu achten sein, daß die normalisierten Papierwaren 
usw. auch Formen haben, die ihnen auf dem Welt¬ 
markt Eingang verschaffen. H. Behrmann hat vor 
einiger Zeit daraufhingewiesen, daß deutsche Waren 
besondersgegenüberden amerikanischen keine werbe¬ 
kräftigen Formen aufweisen. So wird man bei jenen 


Erzeugnissen alles vermeiden müssen, was die Typi¬ 
sierung zu einer typisch deutschen macht. Aber auch 
Normalisierung und Typisierung müssen ihre Grenze 
da haben, wo sie mit den verschiedenen Ansprüchen 
des kaufenden Publikums nicht Schritt halten können, 
wo es sich um BefriedigungdesLuxusbedarfes handelt. 

Angespannte Arbeit muß wie in allen Zweigen des 
deutschen Wirtschaftslebens auch im Papier- und 
Buchgewerbe geleistet werden, wenn es uns gelingen 
soll, die furchtbaren Friedensbedingungen zu erfüllen. 
Bei dieser Arbeit soll die Bugra-Messe ein wichtiger 
Helfer und Ratgeber sein. 


Die Schriftgießerei auf der Bugra-Messe in Leipzig 

Von H. SCHWARZ, Vorsitzender der Typographischen Gesellschaft zu Leipzig 


D ie aus Anlaß der Internationalen Ausstellung 
für Buchgewerbe und Graphik im Jahre 1914 
erschienene, von Friedrich Bauer bearbeitete 
Chronik der deutschen Schriftgießereien gibt eine 
Gesamtübersicht der Entwicklung aller Firmen des 
deutschen Schriftgießereigewerbes. Es oblag dem 
Verfasser bei seiner Arbeit nur nebenbei zugleich 
ein Bild der Handelstätigkeit und des besonderen 
Schaffens dieser Firmen zu geben. Die demnächstige 
Bugra-Messe ist jedoch in hohem Maße dazu berufen 
und geeignet, diese Lücke zu ergänzen; sie gibt den 
beteiligten Firmen auch zum ersten Male Gelegenheit 
aus der bisherigen, altgewohnten Form des Angebots 
herauszutreten. Anstatt durch den üblichen Schrift¬ 
probenversand, durch Anzeigen und Reisendenbesuch 
oder schriftliches Angebot sollen die Firmen als 
Fabrikanten mit ihren Mustern und Proben auf den 
Plan treten, ihre Neuheiten oder Schlager vorführen 
und was bei jedem Meßaussteller die Hauptsache ist, 
Abschlüsse tätigen oder zum mindesten geschäftliche 
Beziehungen mit den die Messe besuchenden Ein¬ 
käufern des In- und Auslandes anzuknüpfen versuchen , 
oder wo solche bereits bestehen, dieselben festigen. 

Waren die Schriftgießereien seit der Erfindung des 
Typengußes durch die Jahrhunderte hindurch all¬ 
gemein nur Ergänzungszweige der Buchdruckereien, 
wie es heutzutage zumeist noch die Hausstereotypien 
sind, so entwickelten sie sich im Laufe des 19. Jahr¬ 
hunderts mehr zu selbständigen Betrieben, die so¬ 
wohl hinsichtlich ihres Umfanges und ihrer Kapital¬ 
kräftigkeit nach an der Spitze der buchgewerblichen 
Unternehmungen stehen. Da vor Ausbruch des 
Krieges durchschnittlich etwa drei Fünftel der schrift- 
gießerischen Erzeugnisse für die Ausfuhr bestimmt 
waren, so ergibt sich schon aus dieser Andeutung, 
daß die Schriftgießerei heute mehr ein Handelszweig 
ist als wie ein die Buchdruckerei nur ergänzender. 
Es kann sogar behauptet werden, daß die Schrift¬ 
gießerei seit langem eine Art Führung im Buchgewerbe 


inne hat, denn nicht mehr die Buchdruckereien sind 
es, —wie ehedem —die die Anregungen zum Schnitte 
dieser oder jener Schrift oder Einfassung geben — 
von Ausnahmefällen abgesehen, — die die Künstler 
ermitteln und heranziehen zu schöpferischerTätigkeit, 
die die sehr erheblichen Geldmittel für den Entwurf, 
den Schnitt, die Proben und die Verbreitung der Er¬ 
zeugnisse bereitstellen, sondern angesehene Häuser, 
die jedes für sich mit einem Stab von technisch auf 
der Höhe stehenden Arbeitskräften und Fachleuten, 
sowie Beamten mit weitschauendem, künstlerischen 
und kaufmännischen Blick für dasAbsatzfähige und dem 
Bedürfnisse des in- undausländischen Buchdrucks Ent¬ 
sprechende begabt sind. Sie haben sich seit einem halben 
Jahrhundert die Aufgabe gestellt und sich befleißigt, 
den Weltmarkt mit ihren Erzeugnissen zu versehen und 
den vollkommenen deutschen Schriften,Einfassungen 
und was alles geschaffen worden ist, in aller Herren 
Länder Eingang und Verbreitung zu verschaffen. 

Auch die Leipziger Mustermessen sind im letzten 
Jahrzehnt zu hoher Entwicklung gekommen, sie haben 
inzwischen Weltbedeutung erlangt, und es war ohne 
Zweifel ein glücklicher Gedanke auch das Buch¬ 
gewerbe mit der Messe in nähere Beziehung zu 
bringen und zwar schon deshalb, weil auf der leider 
durch den Kriegsausbruch in ihrer Nachwirkung 
unterbrochenen Weltausstellung für Buchgewerbe 
und Graphik der Beweis erbracht worden war, daß 
zwischen dem Buchgewerbe und allen andern Zweigen 
des Kultur- und Geschäftslebens, der Kunst und des 
Kunstgewerbes tausendfältige Beziehungen bestehen. 
Da im weiteren die Stadt Leipzig den Mittelpunkt 
des Buchgewerbes und des Buchhandels bildet, so 
ist dies ein weiterer Grund, der die Vertretung des 
Buchgewerbes, insbesondere auch der Schriftgießerei 
mit ihren Ergänzungszweigen, wie Messinglinien¬ 
fabrikation, Stempelschneiderei,Gravierkunst, Stereo¬ 
typie, Galvanoplastik und andres mehr als durchaus 
begründet und zweckmäßig erscheinen läßt. 

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Inwieweit sich Verkäufe und die Anbahnung neuer 
geschäftlicher Beziehungen bei den ersten Be¬ 
schickungen der bevorstehenden ersten Bugra-Messe 
erzielen lassen werden, wird die Erfahrung lehren; 
wie bei andern Zweigen, z. B. dem Sortimentsbuch¬ 
handel, wird es auch hier einer gewissen Entwicklung, 
einer Einführung bedürfen, die sich aber um so 
schneller vollziehen wird, je mehr die Aussteller er¬ 
kennen, was am besten vorgeführt zu werden verdient 
und den Bedürfnissen sowie der Kauflust entspricht. 
Daß es sich bei der Schriftgießerei naturgemäß auch 
nur um Verkäufe bzw. Abschlüsse auf Grund von 
Mustern handeln kann ist selbstverständlich. Im 
allgemeinen versteht man unter den Mustern der 
Schriftgießereien die Schriftprobenbücher, wie sie 
die Reisenden dem Buchdrucker vorzulegen pflegen. 
Auch auf der Bugra-Messe werden diese Proben 
zunächst das Hauptmittel sein, mit dem angeboten 
werden kann. Es dürfte aber auch noch vielerlei 
andre Angebotsmöglichkeiten geben, und ich halte 
es sogar für besonders wichtig, daß von ihnen Ge¬ 
brauch gemacht wird. Naturgemäß wird jede Schrift¬ 
gießerei bestrebt sein müssen, ihr Neuestes vor¬ 
zuführen, denn der Zweck der Bugra-Messe soll ja 
wie der der Messe überhaupt der sein, das Neueste auf 
den vielen Einzelgebieten zu zeigen. Es hätten also 
nicht nur die neuesten Schriftmusterbücher und 
-blätter auszuliegen, sondern auch reichlich An - 
wendungsmuster neuester Schriften und Einfassungen 
in weitestem Sinne, denn erst aus ihnen wird der 
zum Kauf geneigte Besucher erkennen können, ob 
das Angebotene für seine Zwecke das Geeignete ist. 
Wenn daneben auch noch als Qualitäts- und Mengen¬ 
proben die Güsse (Sätze) einzelner Schriftgarnituren, 
Messinglinien und dergleichen mehr ausliegen, so 
dürfte dies schon aus dem Grunde begrüßenswert 
sein, weil dadurch der Käufer zu einer bessern An¬ 
schauung gelangt und seine Entschließungen leichter 
treffen kann. In bezug auf Metall- und Holzgeräte 
trifft dies erst recht zu, denn auch hier ist die vor¬ 
herige Inaugenscheinnahme des Gegenstandes ge¬ 
wiß von Bedeutung für den geplanten Ankauf. 

Es bedarf keiner Frage, daß neben dieserVorführung 
bestimmter Fertigfabrikate, also etwa mehreren für 
den Allgemeingebrauch besonders wertvoller Schrift¬ 
garnituren oder etwa eines mit den gebräuchlichsten 
Messingliniensorten angefüllten Kastens für den Be¬ 
darf einer mittleren oder größeren Buchdruckerei zu 
einem festen Preise, auchnochdieMöglichkeitbesteht, 
Qualitätsproben der Erzeugnisse selbst zu geben, 
aus denen Schlüsse auf die längere oder kürzere 
Gebrauchsfähigkeit oder die Vortrefflichkeit des 
Gusses und andres mehr gezogen werden können, 
z.B. bei Buchdrucklettern, Messingtypen oder Platten 
für den Druck auf harte Stoffe; die ferner Beweis¬ 


stücke sind für die Genauigkeit und Sauberkeit der 
Ausführung, z. B. bei Setzschiflfen, Nummerierwerken, 
Regalen, Kästen und andres mehr. Daß die Vorteile 
der Normalhöhe, der Normallinie und andres mehr 
zur Geltung und Kenntnis gebracht werden können, 
ist selbstverständlich. 

Im Ganzen wird die Bugra-Messe keine Ausstellung 
sein können und ebensowenig werden die Stände der 
ausstellenden Firmen mit den Darbietungen auf Aus¬ 
stellungen zu vergleichen sein, am allerwenigsten 
die der Schriftgießereien sowie ihrer Nebenzweige 
und zwar schon deshalb nicht, weil es sich in diesem 
Falle weniger darum handelt, den größeren oder ge¬ 
ringeren Grad der Leistungsfähigkeit äußerlich zur 
Geltung zu bringen als wie dem Meßbesucher, dem 
Einkäufer etwas wirklich Praktisches anzubieten und 
später zu liefern. Das letztere wird derjenige, der sich 
auf kleinerem Raume bewegt, möglicherweise ebenso 
gut tun können als wie derjenige Aussteller, der die 
Inanspruchnahme eines größeren Raumes für zweck¬ 
mäßig hielt. Daß bei der Beschickung der Bugra- 
Messe seitens der Schriftgießereifirmen, wie von 
jeher die geschmackliche Form der Anpreisung einen 
wenn auch einfachen so doch künstlerischen Einschlag 
haben wird, ist so gut wie selbstverständlich, und es 
wird damit eine Forderung erfüllt werden, die leider 
seit Jahren an manche andre Ausstellergruppen auf 
der Leipziger Messe vergeblich gestellt worden ist. 

Es dürfte wohl jetzt noch angezeigt erscheinen die 
Frage aufzuwerfen, aus welchen Kreisen sich die 
Beschicker (Aussteller) und Besucher (Einkäufer) der 
Bugra-Messe im besonderen bei der Gruppe Schrift¬ 
gießerei und Nebenzweige zusammensetzen sollen. 
Soweit es sich um die Aussteller handelt bedarf es 
kaum einer Erörterung, denn jeder der etwas her¬ 
stellt, das ihm des Anbietens auf der Bugra-Messe 
wert erscheint und ihm Aufträge in größerem Um¬ 
fange und unter günstigen Umständen als wie den 
gewohnten in Aussicht stellt, wird Beschicker sein 
können. Ob sich die graphischen Firmen des Aus¬ 
landes, schon jetzt oder bald der Anpreisungsmög¬ 
lichkeit ihrer Erzeugnisse wie sie die Bugra-Messe 
bietet, bedienen werden, mag für heute eine ofFene 
Frage bleiben, es erscheint aber nicht ausgeschlossen, 
daß nach Wiederherstellung der Auslands- und Über¬ 
seebeziehungen auch vielleicht die holländischen, 
französischen, italienischen, österreichischen oder 
englischen und amerikanischen Schriftgießereien 
ebenso in den Wettbewerb eintreten, als wie dies 
Firmen andrer Geschäftszweige auf der Leipziger 
Messe früher getan haben und aus den Kreisen des 
Kunstgewerbes während der letzten Jahre in gestei¬ 
gerten Maße fortgesetzt tun. 

Anders als wie mit den Ausstellern liegt es mit 
den Besuchern bzw. Einkäufern. Es wird natürlich 


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nicht das gesamte Heer der Buchdruckereibesitzer 
des In- und Auslandes Besucher der Bugra-Messe 
sein können, denn die Deckung eines kleineren Be¬ 
darfs würde den Meßbesuch kaum lohnend machen. 
Der Zweck der Bugra-Messe (buchgewerblichen und 
graphischen Messe) ist ja auch im Ganzen ein etwas 
andrer als wie der der übrigen Meßgruppen, auf 
denen mit bestimmten Mustern, sogenannten typi¬ 
schen Verkaufsstücken oder Waren , wie etwa Bind¬ 
faden, Bürsten, Glaswaren usw. gearbeitet und ge¬ 
handelt wird. Die Bugra-Messe soll eine Stelle sein, 
an der sich jeder Angehörige des graphischen Ge¬ 
werbes, soweit er Anschaffungsabsichten gleichviel 
welcher Art hat, jährlich zweimal über alles Neu¬ 
erschienene und Neugeschaffene in denkbar ein¬ 
fachster Weise eine Übersicht durch persönliche In¬ 
augenscheinnahme des Gebotenen verschaffen kann. 
Der Buchdruckereibesitzer wird naturgemäß ebenso 
Interesse haben können an den neuesten Schrift¬ 
gießereierzeugnissen, wie an neuen Maschinen, 
Apparaten, Papieren, Geräten, Arbeitsmitteln und 
was alles sonst noch zu seinem Bedarfe gehört und 
ihm auf der Bugra-Messe begegnet. Daß ihn bei 
einer vielleicht geplanten Anschaffung einer Tiegel¬ 
druckpresse sein Besuch ohne weiteres auch zu den 
Ständen der Schriftgießereien führen wird ist mit 
Bestimmtheit anzunehmen. Hier wird er sich von 
der Verwendungsart und vielfachen Gebrauchsmög¬ 
lichkeit neuer Einfassungsserien oder neuer Schrift¬ 
garnituren weit besser überzeugen können, als wie 
bei der bloßen Prüfung des ihm zugesandten oder 
vorgelegten Musterblattes, er wird über Preis, Liefer¬ 
zeit, Einteilung, Beschaffenheit und andres mehr das 
erfahren, was man bei jedem Einkauf andrer Art zu 
erfahren gewohnt ist. Tätigt er keinen Abschluß auf 
der Stelle, so wird ihm ein solcher anschließend auf 
schriftlichem Wege leichter. Durch die erfolgte 
Fühlungnahme mit dem Aussteller oder Hersteller 
ist aber ein weiteres erzielt: die Erweckung des ge¬ 
schäftlichen Vertrauens zwischen Einkäufer und Ver¬ 


käufer, aus dem sich für beide Teile schätzenswerte 
Vorteile bei der weiteren Geschäftsverbindung zu 
ergeben pflegen. 

Bei der Gruppe Schriftgießerei besteht auch inso¬ 
fern noch ein Unterschied, als hier im Gegensatz zu 
zahlreichen andern Gruppen derEngros-Mustermesse 
der Einkäufer zugleich Verbraucher ist, das heißt, 
der Buchdrucker wendet sich an den Schriftgießer, 
nicht an den Zwischenhändler, wie es in andern 
Zweigen geschieht, z. B. in der Glasindustrie. Die 
Eigenart des Gewerbes und der Ware (Typen) be¬ 
dingt dies. 

Neben dem Buchdruckereibesitzer kommen als 
Einkäufer für die Gruppe Schriftgießerei natürlich 
auch Handelsfirmen in Frage, die sich mit dem Ver¬ 
trieb derSchriftgießereierzeugnisse befassen, die also 
den für besondere Fälle nicht unwichtigen Zwischen¬ 
handel bilden (Wiederverkäufer). Ferner die Vertreter 
der zahlreichen Exportfirmen, die ein erhöhtes Inter¬ 
esse daran haben sich über alle Neuerscheinungen 
für die Versorgung ihrer weiten Absatzgebiete im 
Auslande zu unterrichten und Fühlung zu nehmen 
über alle einschlägigen Fragen einer aufzunehmen¬ 
den Geschäftsverbindung. 

Daß für die beiden zuletzt angeführten Möglich¬ 
keiten die Bugra-Messe von ganz besonderer Be¬ 
deutung ist, liegt klar auf der Hand. 

Für die Nebenzweige der Schriftgießerei gilt das 
Vorerwähnte in gleicher Weise, und es ließen sich 
bei weiterer Behandlung der Frage der Ausstellungs¬ 
möglichkeiten, der Vorteile der Beteiligung an der 
Bugra-Messe sowie des Nutzens, den sie für Aus¬ 
steller und Einkäufer bei weiterer Entwicklung haben 
wird, noch mancherlei Anknüpfungspunkte finden. 

Möchte es durch die erfolgende Eingliederung der 
Bugra-Messe in die Leipziger Mustermessen gelingen, 
deren Weltbedeutung nicht nur weiter zu festigen, son¬ 
dern auch dem Buchgewerbe des In- und Auslandes 
sichtbarer Nutzen aus diesem neuesten Unternehmen 
des Deutschen Buchgewerbevereins erwachsen. 


Die Leipziger Buchhändlermessen der Vergangenheit 

Von JULIUS R. HAARHAUS 


D ie Erfindung und schnelleVerbreitung der Buch- 
druckerkunsthattenimBuchhandel einen neuen 
Handelszweig geschaffen, der auf weit größere 
Absatzgebiete angewiesen war als sein bescheidener 
Vorläufer, der Handschriftenhandel. In vielen Städten 
des Reiches und des Auslandes waren Druckerfirmen 
entstanden, die zugleich dasVerlagsgeschäft betrieben 
und, da sie am Platze selbst für ihre Erzeugnisse 
keinen genügenden Absatz fanden, Angestellte oder 
„Diener“, wie man im Buchhandel noch bis in das 
19. Jahrhundert hinein die Gehilfen nannte, mit 


Büchervorräten auf Reisen schickten. Neben den 
Drucker-Verlegern, die sich übrigens hier und da 
schon frühzeitig mit Berufsgenossen oder wohl¬ 
habenden Privatleuten zu Verlagsgesellschaften zu¬ 
sammenschlossen, erscheinen zu Ausgangdes lö.Jahr- 
hunderts auch schon Sortimenter — „Buchführer“. 
Sie kauften ihren Bedarf bei den verschiedenen Ver¬ 
legern, beschränkten sich aber in der Hauptsache 
auf den Vertrieb volkstümlicher Literatur und der 
für das Zeitalter der Reformation so wichtigen Flug¬ 
schriften. 


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Archiv für Buchgewerbe 


Verleger wie Buchführer waren, wenn sie lohnende 
Geschäfte machen wollten, vor allem auf den Besuch 
der Märkte und Messen angewiesen, wo sie nicht nur 
Fachgenossen, sondern auch kaufkräftige Bücher¬ 
liebhaber ausandernKreisentrafen.Die bedeutendsten 
deutschen Meßplätze waren damals Frankfurt a. M. 
und Leipzig, und wenn Frankfurt wegen seiner 
günstigen Lage und seiner alten Handelsbeziehungen 
zu dem mit Druckerfirmen besonders reich gesegneten 
Süden und Westen Deutschlands zunächst die stärkste 
Anziehungskraftausübte,sowurdeLeipzigdoch schon 
früh der buchhändlerische Mittelpunkt für Nord- und 
Mitteldeutschland, nicht zum wenigsten, weil sich zu 
Anfang des 16. Jahrhunderts mehrere bedeutende 
Drucker-Verleger in seinen Mauern niedergelassen 
hatten. Ja in der Anfangszeit der Leipziger Buch¬ 
händlermessen zeigen diese einen ähnlich inter¬ 
nationalen Charakter wie die Frankfurter: schon für 
das Jahr 1492 ist derBesucheines Wiener Buchführers 
(Wilhelm Bels) nachgewiesen; zu Beginn der Refor¬ 
mationszeit unterhielt Andrea Torresano di Asola, der 
Schwiegervater und Geschäftsleiter des berühmten 
AldoPioManuzio inVenedig, einen ständigen Agenten 
in Leipzig; um die Mitte des Jahrhunderts sehen wir 
die Verlagsfirma Valgrifi, ebenfalls in Venedig, hier 
vertreten, und 1553 werden zum erstenmal ein paar 
meßbesuchende französische Buchhändler erwähnt. 

Nach dem durch die Reformation begünstigten ersten 
starken Aufschwung der Leipziger Messen— Jubilate- 
und Michaelismesse waren anfangs auch für den Buch¬ 
handel von gleicher Bedeutung, während dieNeujahrs- 
messe immer eine untergeordnete Rolle spielte —trat 
unter derRegierung des reformationsfeindlichenGeorg 
des Bärtigen ein Rückschlag ein. Erst nach dem Tode 
dieses Fürsten hob sich Leipzig wieder und begann 
mit Frankfurt, das unter den Zensurplackereien der 
1569 eingesetzten kaiserlichen Bücherkommission litt, 
inscharfenWettbewerb zu treten, was schon äußerlich 
durch die seit 1594 regelmäßig erfolgende Veröffent¬ 
lichung des Henning Grosseschen „Meßkatalogs“ — 
der FrankfurterMeßkatalog war seit 1564 erschienen — 
gekennzeichnet wird. 

Von unheilvollem Einfluß auf dieWeiterentwicklung 
der Leipziger Buchhändlermessen war vor allem der 
Dreißigjährige Krieg. Nach Albrecht Kirchhoffs Fest¬ 
stellungen sah die Stadt in derZeit von 1580 bis 1690 
keinen außerdeutschen Buchhändler in ihren Mauern. 
Erst im letzten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts er¬ 
schienen die Holländer, die damals von den Frank¬ 
furter Messen wegblieben, aber weniger die Verleger 
als die Inhaber größerer Sortimentslager. Sie ver¬ 
suchten, sich in Leipzig festzusetzen und ihren Ge¬ 
schäftsbetrieb über die Messen hinaus auszudehnen, 
zumgroßenVerdruß derLeipzigerBuchhändler, denen 
in der FirmaWeidmanneine Führerin im Kampfegegen 


solche Bestrebungen erstand. Zu den Holländern 
gehörte auch der Kunsthändler und Kupferstecher 
Peter Schenck, ein geborener Elberfelder, der alljähr¬ 
lich zweimal von Amsterdam kam und seinen vom 
Kurfürsten regelmäßig in eigener Person besuchten 
Stand in Bräunigkes Hof (jetzt Hohmanns Hof) auf 
der Petersstraße hatte. 

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts trat ein dritter 
Aufschwung Leipzigs als Buchhändlermeßstadt ein, 
nicht zum wenigsten dadurch beschleunigt, daß der 
Frankfurter Rat, um die Leipziger Messe zu unter¬ 
binden, seine Messen auf einen Termin verlegte, der 
den Besuch Leipzigs unmöglich machen sollte. Als 
dann 1764 die Leipziger auf Veranlassung Philipp 
Erasmus Reichs die Reisen nach Frankfurt einstellten, 
war dessen Schicksal als Zentrum des buchhändle¬ 
rischen Verkehrs besiegelt: von nun an übernahm 
und behielt Leipzig die Führung. Schon in dem 
Gesuch um Gewährung eines Privilegiums für die 
im Lande gedruckten Bücher, das elf Leipziger Buch¬ 
händler am 14. Juni 1764 an die Kursächsische 
Regierungrichteten, wird hervorgehoben, „daß unßere 
Meßen von allen Buchhändlern Deutschlands, den 
Dänischen, Schwedischen, Rußischen, Pohlnischen, 
Holländischen usw. größtenteils in Person, theils 
durch Bevollmächtigte gebauet werden“. 

Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts hatten sich die 
buchhändlerischen Vertriebsformen wesentlich ge¬ 
ändert. Druckerei und Verlag hatten sich fast überall 
getrennt, aber infolge des im Meßverkehr üblich 
gewordenen Tauschhandels, bei demdieVerlagswerke 
nur unter Berücksichtigung der Bogenzahl und des 
Formates, nicht des inneren Wertes, ausgetauscht 
wurden, waren dieVerleger zugleich auch Sortimenter 
geworden. Erst der um die Mitte des 18. Jahrhunderts 
allgemeiner werdende Barverkehr löste den Tausch¬ 
verkehr ab und führte allmählich zur Trennung von 
Verlag und Sortiment. Waren bis dahin so ziemlich 
alle buchhändlerischen Geschäfte nur auf den Messen 
abgewickelt worden, so machte sich jetzt mehr und 
mehr auch das Bedürfnis geltend, in der Zeit zwischen 
den Messen Bücher zu beziehen. Der Brauch kam 
auf, daß die auswärtigen Verleger in Leipzig ein 
ständiges Lager unterhielten, woraus sich nach und 
nach der heute so bedeutsame Kommissonsbuchhandel 
entwickelte, der sich namentlich nach dem Aufkommen 
des Konditionsgeschäftes als ganz unentbehrlich er¬ 
wies. Damit verloren die Messen natürlich an Bedeu¬ 
tung; der Besuch der Jubilatemesse wurde jedoch 
beibehalten, da man bei dieser Gelegenheit die Ab¬ 
rechnung mit den Geschäftsfreunden persönlich vor¬ 
nahm und sich mit Berufsgenossen über die Wahrung 
gemeinsamer Interessen beriet. 

ÜberdenBesuch derMessenvomJahre 1768an sind 
wir ziemlich genau unterrichtet. In dem genannten 

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Jahre waren aufder Messe im ganzen 194 Buchhändler 
anwesend, darunter 116 Norddeutsche (einschlie߬ 
lich 17 Leipzigern), 60 Süddeutsche, 4 Österreicher, 
4 Schweizer und 10 andre Ausländer. Zu Ende des 
18. Jahrhunderts blieben die Holländer weg, weil sich 
das Geschäft für sie nicht mehr lohnte, obwohl die 
Leipziger gegen die Ausdehnung des Verkaufs über 
die Meßzeit hinaus nichts mehr einzuwenden hatten. 
Im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts ließ der Me߬ 
besuch so stark nach, daß sich Friedrich Perthes ver¬ 
anlaßt sah, in einem beson¬ 
deren Rundschreiben vom 
Februar 1824 auf seineVor- 
teile hinzuweisen. „Wenn 
er“, so heißt es, „für den 
Besuch der Messen ein¬ 
trete, so sei dies, weil 
er in diesen Zusammen¬ 
künften Zwecke erkenne, 

Absichten finde, worauf 
ihm das Ganze der Or¬ 
ganisation des deutschen 
Buchhandels zu ruhen 
scheine. Die innere Glie¬ 
derung desselben verkette 
sich am Stapelorte Leipzig 
und bestehe in Geschäfts¬ 
befreundung, in wechsel¬ 
seitigem Zutrauen — in 
freundlicher Handreichung 

— in billigem Nachgeben 

— in Erkennen dessen, 
was Einer von dem Andern 
zu erwarten habe an Ein¬ 
sicht,Thätigkeit, sicherer Rechtlichkeit— in Austausch 
von Gedanken, Meinungen, Plänen usw.— in Erfahren 
der besondern Lage des Andern in seiner Provinz, zu 
seinem Publicum usw. Alles dies könne nur durch 
persönliche Zusammenkunft, durch freundschaftliches 
Wiedersehen alter und neuer Bekannten erlangt und 
bewirkt werden — 

Die Reise zurLeipzigerMesse war, besonders für die 
entfernter wohnenden Buchhändler, eine schwierige 
und nicht unbedenkliche Sache. Die Straßen waren 
meist schlecht und unsicher; wenn man durch plötz¬ 
lich eintretendes Unwetter nicht gezwungen wurde, 
unterwegs liegenzubleiben oder unverrichtetersache 
umzukehren, mußte man immer noch darauf gefaßt 
sein, Räubern in die Hände zu fallen. Wie schlimm 
solche Begegnungen mitunter abliefen, zeigt das 
Schicksal des Greifswalder Buchführers Heinrich 
Altingk, der zur Ostermesse 1543 „gen Leybtzig 
Bücher einzukauffen“ gegangen war und auf der 
Heimreise zwischen Anclam und Stralsund nieder¬ 
gemacht wurde. Man reiste gewöhnlich wohlbewaffnet 


zu Pferde, womöglich in größerer Gesellschaft, doch 
auch diese Vorsichtsmaßregel gewährte keine unbe¬ 
dingte Sicherheit. So wurde Lamprecht de Neden von 
Altdorf 1585, als er sich mit mehreren Gefährten auf 
der Reise zur Leipziger Neujahrsmesse befand, von 
Bastian Kitz von Merseburg und dessen zwei Gesellen 
Andreas Fischreder und Dan Sauhackisch „auf freyer 
offener strassenn im ampt Lauchstedt durch einen 
schuß aus einem handtrohr alsbaldt ermordet“. Sein 
Geld suchte man durch Einnähen in die Kleider zu 
sichern und schleppte in¬ 
folgedessen eine Last mit 
sich herum, die die Freu¬ 
den einer solchen Me߬ 
reise kaum erhöht haben 
dürfte; so finden wir im 
Nachlaßinventar des am 
8.0ktober 1580 in Leipzig 
verstorbenen Lübecker 
Buchhändlers Albrecht 
von Grüningen „einen 
schwarzbarchenden leib, 
darein Einhundert Neun 
und Neuntzigk ganze thaler 
vemeht geweßen“,erwähnt. 

„Im Dreißigjährigen 
Krieg“, sagt Albrecht 
Kirchhoff, dessen Sammel¬ 
eifer wir die meisten dieser 
Mitteilungen verdanken, 
„fällt mehr als eine Messe 
aus; öfter war dieMeßstadt 
nur auf großen Umwegen 
zu erreichen. Das gewöhn¬ 
liche Geleit genügte nicht mehr; schwere Convoi- 
gelder mußten daneben gezahlt werden, um die 
Warenzüge wenigstens einigermaßen gegen die strei¬ 
fenden Parteien zu sichern. Trotzdem wurden die 
Frachtwagen doch noch oft genug ,aufgehauen 4 , die 
Waren beschädigt, die Pferde geraubt . . .“ In den 
späteren Kriegen war es nicht viel anders. Der 
von Friedr. Nicolai in Berlin zur Ostermesse 1760 
nach Leipzig gesandte Gehilfe Mylius traf dort nicht 
ein. Er hatte in Wittenberg liegenbleiben müssen und 
wäre durch eine zwölfpfündige Kanonenkugel, die in 
seine Stube schlug, beinahe im Bett getötet worden. 

Welche Einwirkung das Wetter auf die Reise zur 
Messe haben konnte, verrät das Rundschreiben Joh. 
Ernst Meyers in Breslau vom 16. April 1785: „ ... Auf 
der ersten Station brachten wir mit acht Pferden zwölf 
Stunden zu. Wir traten die zweite Station an: aber es war . 
unmöglich fortzukommen, weil man wegen Wasser 
und Schnee nicht die mindeste Spur eines Weges fand. 
Wir waren also gezwungen, wieder nach Hause zu 
reisen...“ 



Meßabrechnung Im theologischen Auditorium der Universität (1797 bis 1836). 
Nach einer Zeichnung von G. Opiz 


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Archiv für Buchgewerbe 


Für die Unterkunft der fremden Buchhändler war in 
der berühmtenMeßstadt keineswegs glänzend gesorgt. 
Man mietete gewöhnlich ein in irgendeinem Hofe ge¬ 
legenes Gewölbe mit dahinterliegender Kammer, die 
als Wohn- und Schlafraum diente. Die Ausstattung 
bestand nur aus einem „schlechten Spanbette“ und 
einem „schlechten Tische“; wer Ansprüche an Be¬ 
quemlichkeit stellte und z. B. nicht ohne einen 
„Nachtscherbel“ auskommen zu können glaubte, 


mußte solche Luxusgegenstände auf eigene Kosten 
beschaffen. Die Büchervorräte lagerten meist in Fässer 
verpackt, im Hofe. Bemerkenswert ist übrigens, 
daß die zur Messe benutzten Räume bis weit in das 
19. Jahrhundert hinein für das ganze Jahr gemietet 
werden mußten. 

Ihre Stände hatten die Buchhändler anfangs in der 
Nähe des Rathauses und unter dessen „Bühnen“. 
Später verschob sich die „Buchhändlerlage“ mehr 
nach Osten, zunächst nach der Umgegend der Nikolai- 
kirche,dann auch nachdemNeumarkt und der heutigen 
Universitätsstraße. Als mit dem Aufkommen des 
Barverkehrs die Ostermeßabrechnung gebräuchlich 
wurde, pflegten die Buchhändler, ihre Strazzen unter 
dem Arm, einander aufzusuchen, doch war es schwer, 
die Geschäftsfreunde aufzufinden, da diese gewöhn¬ 
lich ebenfalls gerade unterwegs waren. Das änderte 


sich erst gegen Ausgang des 18.Jahrhunderts, wo 
der schon längst angestrebte korporative Zusammen¬ 
schluß des Buchhandels endlich verwirklicht wurde. 

Die erste Spur des geschlossenen Auftretens der 
Berufsgenossen finden wir in einer Eingabe der Leip¬ 
ziger und der die Leipziger Messe besuchenden 
fremden Buchhändler an die sächsische Regierung, 
worin zu einer von dieser im Sommer 1666 ange¬ 
regten neuen Taxordnung für den Buchdruck und den 


Buchhandel Stellung genommen und über die Ver¬ 
schleuderung der in den Messen nicht abgesetzten 
Bücher sowie über die Überschreitung der Meßfrei¬ 
heit Klage geführt wird. Ein Jahrhundert später, zur 
Ostermesse 1765, konstituierte sich auf Philipp Eras¬ 
mus Reichs Betreiben unter der Bezeichnung „Buch¬ 
handlungs-Gesellschaft in Deutschland“ der erste 
Buchhändlerverein, der feste Regeln in den geschäft¬ 
lichen Verkehr bringen, vor allem den Nachdruck 
bekämpfen und jährlich zwei Generalversammlungen 
in Quandts Hof abhalten wollte. Mit Reichs Tode, 
1787, schlief der Verein für einige Jahre wieder ein, 
wurde jedoch von Paul Gotthelf Kummer, der 1792 
im Richterschen Kaffeehause (Romanussches Haus, 
Ecke Brühl und Katharinenstraße) mehrere Zimmer zu 
Abrechnungszwecken mietete, aufs neue zum Leben ge¬ 
weckt. Aber auch jetzt war die Sache nicht von Bestand. 



Oer Besuch des Kursächsischen Hofes in Peter Schencks Laden (Bräunigkes, später Homanns Hof, im Hintergründe Petschens 
Ballspielhaus). Nach einem zeitgenössischen Stich 


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Erst als der Potsdamer Horvath 1797 das große theo¬ 
logische Auditorium im Paulinum mietete, erhielt der 
Buchhandel seine erste wirkliche „Börse“, die 1825 zur 
Gründung des „Börsenvereins der Deutschen Buch¬ 
händler“ führte und 1836 mit der „neuen“ Buch¬ 
händlerbörse in der Ritterstraße vertauscht wurde. 

Wie gemütlich es bei den Versammlungen der 
„Buchhandlungs-Gesellschaft“ zuging, und wie wenig 
allgemein das Verständnis für die Notwendigkeit, 
gegen den Nachdruck einzuschreiten, noch war, er- 


und Herr Carl Felßecker starb kurz darauf. — Georg 
Gottlieb Horn, von Breßlau, olim, jetzt aber hat ihn 
sein Falliment genöthiget, sich daselbst unsichtbar 
zu machen, und nach Petersburg zu gehen. 

David Iversen von Altona — war früh um halb eillf 
Uhr noch nicht aufgestanden, und hielte des Nach- 
Mittags um 4. Uhr noch seine gewöhnliche Mittags- 
Ruhe — deßwegen konnte der von der vereinigten 
Buchhändler-Societät angenommene, salarirte und 
in graues Tuch gekleidete Büttel, Herrn Koppens von 



Meßabrechnung im großen Saale der Buchhändlerbörse in der Ritterstraße (1836 bis 1888). Nach einer Zeichnung von G. Liebner 
und Fr.Krätzschmer, lithographiert bei Krätzschmer & Böhme 


sehen wir aus dem Zusatz zum Protokoll der Sitzung 
vom 23. April 1766, der darüber Auskunft gibt, warum 
mehrere Mitglieder nicht unterschrieben haben. Es 
heißt da z. B.: „Albrecht Friedrich Bartholomäi von 
Ulm, kam nicht selbst zur Meße, und sein zur Meße 
hieher geschickter Diener, war ein Schwabe, der 
von einer Buchhändler-Gesellschafft und deren Grund- 
Gesezen keinen Begriff hatte. 

Christian Heinrich Cuno von Jena, verlangte eine 
Berechnung für seine zur Buchhändler-Societäts-Cassa 
baar erlegten 16ggr. und erhielte seine Dimission. 

Carl Felßecker von Nürnberg, hatte sich zwar mit 
Gellerts und andern Nachdrücken besudelt, er war 
aber kranck und schickte seinen frommen Diener 
Mr. Christoph zur Meße, der sich auf keine Weise 
mit der Buchhandlungs-Gesellschafft abgeben wolte; 


Rostock Marckthelffer, nicht vor ihn kommen, noch 
ihm das Buch zur Unterschrift zustellen ...“ 

Unter dem Mißgeschick Leipzigs, von allen Kriegen 
schwer betroffen zu werden, hatten auch die fremden 
Buchhändler zu leiden. So mußten 1642, als die Stadt 
nach der zweiten Einnahme durch die Schweden nur 
durch hohe Kontributionszahlungen der Plünderung 
entgehen konnte, die zur Messe anwesendenGeschäfts- 
leute ihre Warenlager mit 10 Prozent des Wertes 
auslösen, und unterm 22. April 1808 machte der Rat 
bekannt, daß „allen auswärtigen Fieranten, welche 
in pünktlicher Abentrichtung ihrer, längstens Mitt¬ 
woch in der Böttcherwoche (der 1. Meßwoche) Fälligen 
Beiträge zu derTilgung der Leipziger (Kriegsschulden- 
Tilgungs-) Stadt-Anleihe zu entrichtenden Miethzins- 
abgabe sich säumig bewiesen, die Eröffnung ihrer 

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Gewölben, Buden und Niederlagen, sowie das öffent- 
liehe Aushängen ihrer Firmen und Schilder allda und 
an ihren Wohnungen bis zur Abentrichtung ihrer Ab¬ 
gabe nicht gestattet werden sollte.“ 

Ein nicht minder trübes Kapitel in der Geschichte 
der LeipzigerBuchhändlermesse behandelt die Zensur. 
In ihren Anfängen zu Ausgang des 15. Jahrhunderts 
diente diese weniger politischen Zwecken als der 
Kontrolle der kirchlichen Lehrmeinungen. Im Re¬ 
formationszeitalter richtete sich die Zensur gegen 
sektiererische, aufrührerische, Famos- und Läster¬ 
schriften, gegen anonyme Schriften und Bücher ohne 


schlachten und zu tendenziösen Zwecken zu benutzen 
pflegte. Nach dem am 5. September 1727 erfolgten 
Tode der Kurfürstin-Königin Eberhardine, die beim 
Übertritt ihres Gemahls, August des Starken, pro¬ 
testantisch geblieben war und sich bei Lebzeiten 
allen Bekehrungsversuchen widersetzt hatte, ver¬ 
breitete sich das Gerücht, sie sei auf dem Totenbette 
zur Konversion gedrängt worden. Peter Schenck jun., 
der Sohn und Geschäftsnachfolger des schon er¬ 
wähnten Amsterdamer Kunsthändlers, ließ zum Ver¬ 
kauf auf der nächsten Ostermesse schleunigst eine 
Darstellung der Sterbeszene stechen, die ein paar 



Die Deutsche Buchhändlerbörse in der Ritterstraße (1836 bis 1888), in der auöh der Deutsche Buchgewerbeverein (1885 bis 1888) 
sein Heim hatte. Nach einer Zeichnung von C. L. Hof mann, gestochen von J.M.Koll 


Angabe des Verlagsortes und des Druckers und wurde 
bald milder, bald strenger gehandhabt. Man begnügte 
sich anfangs gewöhnlich damit, die beanstandeten 
Bücher einfach anzukaufen und zu vernichten, bis das 
Umsichgreifen der in den Zeiten der Bauernkriege 
und der Wiedertäufer entstandenen sozialistisch¬ 
kommunistischen Bewegung der Obrigkeit geraten 
erscheinen ließ, gegen die Verbreiter bedenklicher 
Literatur mit drakonischer Strenge vorzugehen. Die 
Hinrichtung des Nürnberger Buchhändlers Hans 
Herrgott am Kantatemontag 1527 erfolgte sogar auf 
persönliches Eingreifen Herzog Georgs. Unter den 
vielen Zensurvorkommnissen, über die das „Archiv 
fürGeschichte des deutschen Buchhandels“ berichtet, 
ist eines deshalb besonders interessant, weil daraus 
hervorgeht, in welchem Maße auch der Kunst¬ 
handel der Vergangenheit die Tagesereignisse auszu- 


Jesuiten am Bette der Fürstin zeigte. Er hatte schon 
400 Abzüge des Blattes verkauft, als ihn Moritz 
Georg Weidmann, der alte Widersacher derHolländer, 
der sich durch diese Verunglimpfung der Landes¬ 
mutter verletzt fühlte, beim Rate denunzierte und 
ihn überdies noch in seinem Gewölbe „auf eine sehr 
injurieuse Art Vorhaltung that“. Der Rat begnügte 
sich damit, Schenck aufzugeben: „erstens, sich mög¬ 
lichst zu bemühen, alle Exemplare wieder herbei¬ 
zuschaffen (!), zweitens, noch heute nach Holland zu 
schreiben, daß kein Exemplar weiter verkauft, auch 
die Platte hereingeschickt werde“. 

Das wären so einige bunte Steinchen aus dem 
großen Mosaikbilde der Geschichte der Leipziger 
Buchhändlermesse, die eine ausführlichere Dar¬ 
stellung auf Grund des überreichen Quellenmaterials 
gewiß verdiente. 


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Bekanntmachung 

In den Deutschen Buchgewerbeverein wurden im Monat Mai 1919 als Mitglieder aufgenommen: 


a) als Einzelmitglieder 

1. Jens Aanesen, Christiania. 

2. Ad.Allmers, Buch- und Kunstdruckerei, Varel i.O. 

3. Svend Andersen, Gehilfe i.H. Engelsen & Schröder, 
Kopenhagen. 

4. Joseph Barta, Luxuspapierfabrik, Berlin. 

5. Hermann Bauermeister, i.Fa. Allgemeine Verlags¬ 
und Druckerei-G.m.b.H., Berlin. 

6 . Julius Beltz , Verlagsbuchhandlung und Buch¬ 
druckerei, Langensalza. 

7. Bodo Bergk , i.Fa. Bodo Bergk, G.m.b.H., Buch¬ 
druckerei und Verlag, Weißenfels a.S. 

8 . Kuno Bergmann, Buchdruckerei, Berlin. 

9. Geh. Kommerzienrat Otto Bestehorn, i. Fa. H. C. 
Bestehorn, Aschersleben. 

10 . Oscar Böhm, i. Fa. Hans Dohrn, Berlin. 

11. Otto Börner, Verlagsbuchhandlung, Leipzig. 

12 . Superintendent a. D. Brandin, i. Fa. Christi. Zeit¬ 
schriftenverein, Berlin. 

13. W. Breuninger ,Faktor i.H. A.G.Neuenschwander- 
sche Buchhandlung, Weinfelden. 

14. Ernst Brune, Buchdruckerei, Wilhelmshaven. 

15. JohannBuer, i.H. A.Theben,VerlagderGladbecker 
Zeitung, Gladbeck. 

16. Hugo Biirkner, Direktor und Chefredakteur der 
Neustädter Zeitung, Neustadt (O.-Schl.). 

17. Otto Butsch, i. Fa. Hermann F. Lehmann, Berlin. 

18. Hermann Butter, i. Fa. Brüder Butter, Schrift¬ 
gießerei, Dresden. 

19. Hermann Büttner, Buchdruckerei, Berlin. 

20. Charles Coleman, Buchdruckerei und Zeitungs¬ 
verlag, Lübeck. 

21. F.W. Döbereiner, i. Fa. H.W. Köbner & Co., G. m. 
b. H., Altona (Elbe). 

22 . Hanns Doenges, Verlag der BPG-Buntpapiere, 
Mainz. 

23. Erich Ebel, Geschäftsführer der Fa. J.G.Cramers 
Buchdruckerei, Erfurt. 

24. Leo Englick, i. Fa. P. Englick, Königsberg i. Pr. 

25. Otto Estner, Verleger der Dt. Eylauer Zeitung, 
Dt. Eylau. 

26. D. Feilchenfeld, Buchdruckerei, Berlin. 

27. Hermann Freytag, i. Fa. Freytag & Bielefeldt, 
Hamburg. 

28. Bruno Gantz, i.Fa. Gantz & Fuß, Buchdruckerei 
und Verlag, Halle a. S. 

29. Edwin George, Schriftsetzer, b. Preuß. Ingenieur- 
Komitee, Berlin-Neukölln. 

SO. Herrn. Griesche-Sorau, Maler und Graphiker, 
Leipzig. 

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31. Leopold Grünn, i. H. SandbÖksche Buchhandlung, 
Steyr. 

32. Friedrich Haber, Schriftsetzer, Naundorf i. Sa. 

33. Dr. Hahn, i. Fa. Th. Hahn Wwe., Verlag der Ost- 
friesischen Zeitung G.m.b.H., Emden. 

34. L. Handorff, Graphische Kunstanstalt, Kiel. 

35. Otto Härtel, Direktor der Verlags- und Druckerei- 
G.m.b.H., Schwab.Gmünd. 

36. Dr. Hermann Hartmeyer, i. Fa. Hermanns Erben, 
Verlag, Hamburg. 

37. Wilhelm Hartung, Leipzig. 

38. Hans Heenemann, Buch- und Verlagsdruckerei, 
Berlin- Wilmersdorf. 

39. Bruno Heinemann, i. Fa. Gebr. Heinemann, Mech. 
Papierwarenfabrik, Meiningen. 

40. Walter Hopf er, i.Fa. August Hopfer, Buchdruckerei 
und Verlag, Burg bei Magdeburg. 

41. Franz Jäckle, Kunstgewerbler, Stuttgart. 

42. Walter Jaensch, i. Fa. H. Haessel, Verlag, Leipzig. 

43. Georg Jenke, i.Fa. Paul Jenke, Buchdruckerei, 
Niesky (O.-L.). 

44. Friedrichjohnsen, i. Fa. HeiderAnzeiger, G.m.b.H., 
Heide. 

45. Fritz Junck, Leipzig. 

46. Friedrich Victor Isaac, i. Fa. „Neue Zeit“, Char¬ 
lottenburger Zeitung, Charlottenburg. 

47. Paul Kahle, i. Fa. Hofbuchdruckerei Eisenach, 
Eisenach. 

48. P.Kaltenbach, Hofbuchdruckerei,£ise/iherg(S.-A.). 

49. Robert Kämmerer, i. Fa. Meyner & Sohn Nachf., 
Buchdruckerei, Delitzsch. 

50. Rudolf Klopfer, i. Fa. Klopfer & Jungmann, Wer¬ 
dau i. Sa. 

51. Anton Kroth, Chefredakteur und Direktor der 
Altonaer Nachrichten, Altona (Elbe). 

52. Ernst Lefson, i. Fa. Imberg & Lefson, G.m.b.H., 
Berlin. 

53. MaxLiehr, i. Fa. J. Bärs Buchdruckerei,G.m.b.H., 
Neiße. 

54. Paul Lehsten, i. Fa. Buchdruckerei Gutenberg, 
Charlottenburg. 

55. G. Lorsch, i. Fa. Lorsch & Nachbar, Rudolstadt. 

56. Ernst Lück, Buchdruckerei, Altenburg (S.-A.). 

57. Walter Mayer, i. Fa. Ernst Mayer, Briefhüllen¬ 
fabrik, Dresden-A. 

58. Franz CarlMathis, Geschäftsführer der Fa.W.Levy- 
sohn, Buchdruckerei, Grünberg i. Schl. 

59. Wilhelm Michaal, i. Fa. Carl Michaalsche Hof- 
und Ratsbuchdruckerei, Güstrow. 

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60. Alexander Müller, i. Fa. Hermann F. Lehmann, 
Berlin . 

61 . H. H. Notholt, i. Fa. F. Büttner, Buchdruckerei, 
Oldenburg . 

62. Fred. Ohlwein, Leipzig. 

63. österberg, i. Fa. Gust. Österbergs Tryckerie 
A.B., Nyköping. 

64. Friedrich Rath, Buchdruckerei, Weferlingen. 

65. Hans Reichel, i. Fa. C. G. Röder, G. m. b. H., Leipzig . 

66 . Max Reinus , i. Fa. Märk. Buch- und Kunstdruckerei, 
G. m. b. H., Berlin-Schöneberg. 

67. FrifzRic/iter,i.Fa.Richter&Goebel,Buchdruckerei, 
Landshut i.Schl. 

68 . Oskar Richter, Geschäftsführer der Buchdruckerei 
der Thomer Ostdeutschen Zeitung, G. m.b.H., 
Thorn. 

69. J. Schlesinger, Berlin. 

70. Heinrich Schneemann, i. Fa. Salzwedeler Wochen¬ 
blatt, Salzrvedel. 

71. C. Schröder , i. Fa. Hamburger Buchdruckerei und 
Verlagsanstalt Auer & Co., Hamburg. 

72. Wilhelm Siebenmark, i.Fa. Buchdruckerei Wilhelm 
Siebenmark, Berlin. 

73. Paul Stamp, Betriebsleiter der Buchdruckerei 
Leopold Keil, Weißenfels a. S. 

74. Franz Starck, Hamburg. 


75. HermannOskarSteinmann/i.Fa.Fr.Zeugner&Co., 
Buchdruckerei, Liebertwolkwitz . 

76. W. Steiger , i. Fa. Aug. Steiger, Hofbuchhandlung, 
Moers a. Rh. 

77. //ans Stiefelhagen, Ingenieur, i. Fa. R. Wolf A.-G., 
Magdeburg. 

78. Hermannr/iem/iardf,i.Fa.BuchdruckereiH.Thein- 
hardt, Berlin. 

79. Carl Thiele , i. Fa. L. A. Thiele, Buchdruckerei und 
Verlag, Greiffenberg i. Schl. 

80. Johann Trautmann, i. Fa. Gustav Petermann, 
Druckerei-Ges. m. b. H., Hamburg. 

81. Johannes Tzschichhold , Akademiker, Leipzig. 

82. Hugo Uttenweiler, i. Fa. A. Uttenweiler, Buch¬ 
druckerei, Furtwangen. 

83. Fritz Wagner, i. Fa. J. K. G. Wagnersche Buch¬ 
druckerei, Neustadt (Orla). 

84. Georg Walter, i. Fa. Emil Jagert, Berlin. 

85 . Karl Wucherpfennig , i. Fa. W. Wucherpfennig, 
Berlin. 

86 . Hermann Wulle, Verlagsbuchhändler, Münster i. W. 

b) als korporative Mitglieder 

1 . Maschinenmeisterverein Halle a. S. 

2. Typographische Vereinigung Heidelberg. 

3. Deutscher Werkbund, Berlin. 


Leipzig, im Juli 1919 

Die Geschäftsstelle des Deutschen Buchgewerbevereins 

Karl Weisser, Verwaltungsdirektor 


Stiftungen 

V erschiedene Inhaber von Anteilscheinen haben wieder in hochherziger Weise ganz oder teilweise auf 
ihre Anteilscheine zugunsten des Deutschen Buchgewerbevereins verzichtet, um uns durch eine tat¬ 
kräftige Förderung die Durchführung unsrer idealen Aufgaben in dieser schweren Zeit zu erleichtern. Die 
Namen der Stifter, die im Anschluß an die Namen der früheren Stifter in ehernen Lettern zum bleibenden 
Gedenken in der Gutenberghalle angeschlagen werden sollen, sind folgende: 

Dr. Fritz Baedeker, i. Fa. Karl Baedeker, Leipzig. Maschinenfabrik Johannisberg , Geisenheim a. Rh. 

Joseph Baer & Co., Frankfurt a. M. C. G. Röder, G. m. b. H., Leipzig. 

Berger & Wirth, Leipzig . H. Sperling, Leipzig. 

Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart. Vereinigte Bautzener Papierfabriken, Bautzen. 

B. Dondorf, G. m. b. H., Frankfurt a.M. F. Volckmar und L. Staackmann , Leipzig. 

Gustav Fischer, Jena. - 

Ferd. Flinsch, G. m. b. H., Leipzig. Die Peniger Patentpapierfabrik, Penig und die Firma 

Hübel & Denck, Leipzig. C. F. Leonhardt Söhne, Crossen, stellten außerdem 

Käst & Ehinger, G. m. b. H., Stuttgart. einen größeren Betrag zur Verfügung. 

Wir bringen diese Stifter hiermit zur Kenntnis und sprechen allen Beteiligten auch an dieser Stelle 
unsern aufrichtigsten und herzlichsten Dank aus. 

Leipzig, im Juli 1919 

Deutscher Buchgewerbeverein 

Dr. L. Volkmann, I. Vorsteher 


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Archiv für Buchgewerbe 


31. Hauptversammlung des Deutschen Buchgewerbevereins 


D er Deutsche Buchgewerbeverein hielt am Freitag, den 
16.Mai 1919 im Sachsenzimmer des Deutschen Buch¬ 
gewerbehauses zu Leipzig unter dem Vorsitz des Herrn 
Geheimen Hofrats Dt. Ludwig Volkmann seine 31. Haupt¬ 
versammlung ab. Nach den üblichen Eröffnungsformali¬ 
täten, zu denen in diesem Jahre auch die Feststellung kam, 
daß das Kommando des Landes-Jäger-Korps Maercker, 
unter dessen Schutze zurzeit Leipzig steht, seine Ein¬ 
willigung zur Abhaltung der Versammlung gegeben hatte, 
wurde zunächst der Jahresbericht durchgesprochen, aus 
dem hervorgeht, daß der Verein auch im Jahre 1918 trotz 
der schwierigenVerhältnisse eine rege Tätigkeit entwickelt 
hat. Darauf folgte eine Bericht des Schatzmeisters über 
die finanzielle Lage des Vereins, an der Hand des gedruckt 
vorliegenden Kassenberichtes. Dieser wurde einstimmig 
genehmigt und dem Vorstand Entlastung erteilt. Ebenso 
wurde der Haushaltplan für 1919 genehmigt, nachdem der 
Schatzmeister dessen einzelne Punkte besprochen hatte. 
Bei den nun folgenden Wahlen für den Vorstand und den 
Vereinsausschuß wurde auf Antrag die vorliegende Wahl¬ 
liste en bloc angenommen. Wieder gewählt wurden in den 
Vorstand die ausscheidenden Mitglieder Kommerzienrat 
Georg Giesecke, i. Fa. J. G. Scheiter & Giesecke, Leipzig; 
Geheimer Hofrat Max Seliger , Direktor der Akademie für 
graphische Künste und Buchgewerbe, Leipzig; neugewählt 
die Herren Martin Oldenbourg, i. Fa. Martin Oldenburg, 
Berlin; Karl Wagner , i. Fa.Wagner & E.Debes, Leipzig und 
Oscar de Liagre, i.Fa. W.Vobach & Co., Leipzig. In den Ver¬ 
einsausschuß wurden wieder gewählt die Herren Herrmann 
Degener, i. Fa. H. A. Ludwig Degener, Leipzig; Th.Weicher, 
i.Fa.TheodorWeicher, Leipzig; neugewählt die Herren Hans 
E/ni7f?ecJa/n,i.Fa.PhilippReclam jun., Leipzig; HansReichel, 
i.Fa. C.G.Röder, G. m. b. H., Leipzig; Willi Brandstetter , i.Fa. 
Oscar Brandstetter, Leipzig; Wilhelm Meißner, i.Fa. Meißner 
& Buch, Leipzig und Wilhelm v. Crayen, i. Fa. G. J. Göschen- 
scheVerlagshandlung, Berlin. Als Rechnungsprüfer wurden 
gewählt die Herren Georg Merseburger, i. Fa. Carl Merse¬ 
burger, Leipzig und Wilhelm Diebener, i.Fa.W. Diebener, 
Leipzig; als stellvertretender Rechnungsprüfer die Herren 
Dr. Friedr. Brandstetter, i. Fa. Friedrich Brandstetter, Leipzig 
und Theodor Plenge, i. Fa. Theodor Plenge, Leipzig. Der 
Vorsitzende dankte den aus dem Vorstand ausscheidenden 
Herren, besonders Herrn Heinrich Wagner herzlichst für 
seine lange, aufopfernde Mitarbeit im Interesse des Buch¬ 
gewerbevereins. Das Amt des ersten Schatzmeisters, das 
vertretungsweise Herr Kommerzienrat Giesecke verwaltet 
hatte, übernimmt nun Herr Gustav Flinsch. 

Als weiterer Punkt stand die Festsetzung des Mitglieder¬ 
beitrages für 1920 auf der Tagesordnung. Die vom Vor¬ 
sitzenden unter Hinweis auf die wirtschaftliche Lage vor¬ 
geschlagene und eingehend begründete Erhöhung von 20 
auf 30 Mark wurde einstimmig beschlossen. Zum letzten 
Punkt der Tagesordnung „Aussprache über die Lage und 
die Zukunftsaufgaben des Deutschen Buchgewerbevereins“ 
ergriff der Vorsitzende das Wort und betonte in längerer 
Rede, daß der Verein nun trotz aller schweren Verhältnisse 
voll Zuversicht wieder an größere Pläne herantreten müsse. 
Neben Vorträgen und Ausstellungen, auch im neutralen 
Ausland, deren Abhaltung in Aussicht stehe, seien Ver¬ 


handlungen eingeleitet, unter dem Namen „Bugra-Messe“ 
eine Zusammenfassung des gesamten Buchgewerbes auf der 
Leipziger Messe zu ermöglichen, unter starker Betonung 
des Qualitätsgedankens. Ein Bedürfnis nach einer solchen 
Verkaufsgelegenheit bestehe um so mehr, als der Reise¬ 
vertrieb noch auf längere Zeiten ungemein erschwert sei. 
DerBuchgewerbeverein werde sich zur Durchführung dieses 
Planes des Einverständnisses der einschlägigen buchhänd¬ 
lerischen und buchgewerblichen Vereinigungen versichern. 

Vor allem aber sei es nun wichtig, das Verhältnis des 
Buchgewerbevereins zu dem neugegründeten „Deutschen 
Verein für Buchwesen und Schrifttum“ ganz klar zu stellen 
und für die Zukunft für beide Teile ersprießlich zu regeln. 
An eine Trennung in zwei gesonderte Organisationen sei 
ursprünglich nicht gedacht gewesen, sondern die erste An¬ 
regung habe eine Erweiterung des Buchgewerbevereins auf 
der Grundlage der Bugra vorgesehen, in der Weise, daß 
sich eine wissenschaftliche, eine literarisch-bibliogra¬ 
phische, eine künstlerische und eine gewerbliche Gruppe 
unter gemeinsamerSpitze,aber mit besonderenVorsitzenden 
bilde. Unter dem Einfluß des Krieges hätten sich die Dinge 
dann etwas anders entwickelt und zu einer räumlichen 
Trennung der triebkräftigen wissenschaftlichen Gruppe im 
Deutschen Kulturmuseum geführt, wobei aber doch durch 
den gemeinsamen Vorsitzenden die enge Verbindung ge¬ 
wahrt geblieben sei. Auch in Zukunft gelte es, diese Ver¬ 
bindung aufrecht zu erhalten, denn gerade in dem Zu¬ 
sammenwirken der verschiedenen Gruppen Wissenschaft 
und Kunst, Handel und Gewerbe liege die grundlegende 
Kraft des Gedankens, der in dieser Weise nur in Leipzig 
zu verwirklichen sei. Deshalb müsse auch der Buch¬ 
gewerbeverein künftig dasGebiet derKunstimBuchgewerbe 
wieder stärker pflegen, was vielleicht in letzter Zeit etwas 
zurückgetreten sei. Es haben Beratungen darüber statt¬ 
gefunden, ob hiefür vielleicht die in Gründung begriffene 
„Gesellschaft zur Förderung von Buchgewerbe und Gra¬ 
phik“ unter der Führung des Herrn Professor Steiner-Prag 
gewissermaßen als eine Art Organ des Buchgewerbevereins 
mit eintreten könne, doch ließe sich eine organisatorische 
Verbindung aus verschiedenen Gründen nicht durchführen, 
während ein Zusammengehen im Ziel beiden Teilen durch¬ 
aus erwünscht sei. Der Buchgewerbeverein werde der 
neuen Gesellschaft jedenfalls gern alle mögliche Förderung 
erweisen. Unbedingt aber müsse daran festgehalten werden, 
daß die zeitweilige Trennung der Aufgaben keine dauernde 
sein solle, und daß mindestens bei einem Neubau auch die 
räumliche Wiedervereinigung mit dem Kulturmuseum er¬ 
folgen müsse, denn die technischen Sammlungen bilden 
eine notwendige Ergänzung der historischen und der künst¬ 
lerischen, und umgekehrt könne man den Mitgliedern des 
Buchgewerbevereins nicht jedesmal einen weiten Weg zu¬ 
muten, wenn sie die Bibliothek oder die Sammlungen des 
verwandten Vereins brauchen. An die Anwesenden wie an 
alle Mitglieder richte er daher die Bitte, diesen Gedanken 
einer großen, einheitlichen Organisation im Sinne der 
Bugra sich als Zukunftsbild stets vor Augen zu halten und 
für seine Verwirklichung mit einzutreten. 

Zu diesem Punkt der Tagesordnung nahm Herr Professor 
Steiner-Prag noch das Wort. Die Künstlerschaft stehe 


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dem Gedanken eines engen Zusammenarbeiten mit dem 
Buchgewerbeverein durchaus sympathisch gegenüber, 
dies lasse sich aber im Zusammenhang mit der in 
Gründung begriffenen neuen Gesellschaft nicht wohl 
machen. Er regte dann noch an, doch zu versuchen, das 
„Archiv für Buchgewerbe* in neuzeitlichere Bahnen zu 
lenken. Die Zeitschrift solle doch für alle Angehörigen 
des Buchgewerbes, besonders für die in der Provinz, die 
wichtigste Quelle der Anregung sein, besonders auf 


künstlerischem Gebiet. Auch was den Anzeigenteil an¬ 
lange, stehe das „Archiv“ nicht immer auf der Höhe. 
Für neuzeitliche Ausführung seien dafür die Zeitschriften 
„Das Plakat“ und „Die Dame“ glänzende, nachahmenswerte 
Beispiele. 

Der Vorsitzende dankte Herrn Professor Steiner-Prag 
für seine freundlichen Anregungen, die der Vorstand tun¬ 
lichst berücksichtigen wolle. — Da niemand weiter das 
Wort wünschte, schloß er die Versammlung. 


Über gezackten und glatten Schnitt an Rotationsmaschinen 

Von Oberingenieur Dr. AUGUST KCENIG, Boston-Ellingen 
III. 


B. Scherenschnitt 

chneidvorrichtungen für glatten Schnitt setzen immer 
die Verwendung von zwei Messern mit glatten Schneid¬ 
kanten voraus. Die Bezeichnung Scherenschnitt, im Gegen¬ 
satz zu Zackenschnitt, rührt von dem scherenartigen 
Zusammenarbeiten der Schneidmesser her. Ist von diesen 
nur ein Messer rotierend, so spricht man, wie wir bereits 
wissen, von einem Einzylinder-Scherenschnitt, sind beide 
Messer rotierend, von einem Zweizylinder-Scherenschnitt. 

Beide Schneidvorrichtungen werden schon seit vielen 
Jahren mit großem Erfolg an amerikanischen Rotations- 
maschinen verwendet; um so mehr muß es auffallen, daß 
dem Scherenschnitt bisher in Deutschland nur geringe Be¬ 
achtung geschenkt wurde. Gewiß bedingen diese Schneid¬ 
vorrichtungen keine Vereinfachung und Verbilligung gegen¬ 
über Schneidvorrichtungen für Zackenschnitt, doch dürfen 
derartige Gründe nicht ins Feld geführt werden, wenn da¬ 
durch das Interesse der Drucker in Mitleidenschaft gezogen 
wird. Ob eine Maschine für glatten oder gezackten Schnitt 
zu bauen ist, hängt in erster Linie von der Herstellung der 
betreffenden Druckarbeiten ab. Erscheint unter Berück¬ 
sichtigung aller Für und Wider der Scherenschnitt vorteil¬ 
hafter, so soll diese Schneidvorrichtung auch zur Anwen¬ 
dung kommen. Jedenfalls darf von seiten der Maschinen¬ 
fabriken, weil noch wenig praktische Erfahrungen auf diesem 
Spezialgebiet vorliegen, mit der allgemeinen Einführung 
des glatten Schnitts nicht länger zurückgehalten werden 1 . 

Wenn sich nun Verfasser der Aufgabe unterzieht, im 
folgenden über Scherenschnitt zu berichten, so ist damit 
natürlich nicht beabsichtigt, auf konstruktive Einzelheiten 
einzugehen. Diese herauszufinden muß jenen Maschinen¬ 
fabriken überlassen bleiben, die sich mit dem Problem des 
Scherenschnitts beschäftigen werden. Wie bei allen tech¬ 
nischen Neueinführungen, so wird es auch hier nicht ohne 
unliebsame, mehr oder wenigerkostspieligeüberraschungen 
abgehen. Etwas Vollkommenes auf Anhieb schaffen zu 
wollen, ist noch niemals gelungen. Daß dies auch auf 

1 Verfasser benützt gerne die Gelegenheit, die Im ersten Teil dieses Auf¬ 
satzes (vergleiche Aprilheft 1914) gemachten Angaben über die Anwendung 
des glatten Schnitts ln Deutschland dahin zu erweitern, daß auch die Vogt¬ 
ländische Maschinenfabrik die Bedeutung des Scherenschnitts frühzeitig er¬ 
kannt und seit der im Jahre 1906 erfolgten erstmaligen Ausführung bereits 
mehrere Rotationsmaschinen mit dieser Schneidvorrichtung gebaut hat. Wie 
sich Verfasser ferner auf der Buchgcwcrbeausstellung in Leipzig selbst über¬ 
zeugen konnte, haben sich auch noch einige andre Firmen mit dem Problem 
des Scherenschnitts erfolgreich beschäftigt. Trotz dieser erfreulichen Tatsache 
muß die bisherige Anwendung des glatten Schnitts ln Deutschland im Vergleich 
zu Amerika noch als eine sehr bescheidene bezeichnet werden. 


Schneidvorrichtungen zutrifft, mögen die Leser wohl am 
besten daraus erkennen, daß der Scherenschnitt, obgleich 
schon seit Jahren in Amerika eingeführt, erst in jüngster 
Zeit wieder wesentlich verbessert werden konnte. 

1. Elnzyllnder-Scherenschnltt 

Dieser entsteht durch scherenartiges Vorbeistreichen 
eines rotierenden Messers an einem feststehenden Messer. 
Schneidvorrichtungen dieser Art haben in Amerika eine 
besondere Bedeutung erlangt. Es gibt heute noch Firmen, 
die den Einzylinder-Scherenschnitt an ihren sämtlichen 
Spezialmaschinen für feste und veränderliche Formate, 
außerdem mit und ohne Falzapparat, zur Anwendung 
bringen und auf Grund ihrer Erfolge der Einführung des 
in Deutschland so beliebten Zackenschnitts ziemlich skep¬ 
tisch gegenüber stehen. 

Zur Erläuterung des Einzylinder-Scherenschnitts sei auf 
die beiden Abbildungen 8 und 9 verwiesen. Bei der ge¬ 
wählten Schneidvorrichtung ist das feststehende Messer 
(auch Gestellmesser genannt) in wagrechter Lage ange¬ 
nommen, könnte aber, falls dies die Papierzuführung 
erfordern sollte, ebenso unter irgend einem Winkel nach 
abwärts geneigt sein 1 . Der Scherenschnitt wird durch 
Schrägstellung des rotierenden Messers erreicht. Um die 
Schräglage dieses Messers bei der starken Verkleinerung 
der Abbildungen noch deutlich hervortreten zu lassen, 
mußte von den wirklichen Verhältnissen wesentlich abge¬ 
wichen werden. Ferner wurde in der Längsansicht des 
Zylinders (vergleiche Abbildung 8) das schräge Messer so 
angeortinet, daß dessen Schneidkante LMR symmetrisch 
zur Zylindermittellinie AB zu liegen kommt. In diesem Fall 
eilt die Schneidkante auf der linken Seite des Zylinders um 
ebensoviel voraus, wie sie auf der rechten Seite zurück¬ 
bleibt, wobei sich der Zylinder im Sinn der angegebenen 
Pfeilrichtung dreht und der in Bogen zu schneidende 
Papierstrang unterhalb des Zylinders senkrecht durch die 
Zeichenebene läuft, entsprechend einem horizontalen 
Papiereinlauf in Abbildung 9. Die Schräglage des rotieren¬ 
den Messers muß natürlich auch bei irgendeinem Zylinder¬ 
querschnitt in Erscheinung treten, und zwar sollen des 

1 Bei Maschinen mit Trichterfalz läuft das Papier in senkrechter Richtung 
in den Schneidapparat ein. Die durch Abbildung 9 veranschaulichte Schneid¬ 
vorrichtung gilt ohne weiteres auch für diesen Fall. Man braucht nur den 
ganzen Schneidapparat um 90Grad zu verdrehen, um den senkrechten Papier¬ 
einlauf zu erhalten. Die Anwendung des Einzylinder-Scherenschnitts in dieser 
Kombination mit einer Rotationsmaschine spielt bei den binderlosen Billett- 
und Kassenblockmaschinen der Meisei Preß Co., Boston, eine wichtige Rolle. 



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besseren Vergleichs halber die in Abbildung 9 zur Darstel¬ 
lung gebrachten Querschnitte A-A, B-B und C-C heraus¬ 
gegriffen werden, durch die sich die drei charakteristischen 
Messerstellungen besonders deutlich veranschaulichen 
lassen. Während das Gestellmesser der Voraussetzung 
entsprechend seine Lage unverändert beibehält, zeigt da¬ 
gegen das Zylindermesser infolge seiner Schräglage drei 
verschiedene Stellungen. Gegenüber der Mittellage (Ab¬ 
bildung 9b) eilt in Übereinstimmung mit Abbildung 8 das 
linke Ende der Schneidkante (vergleiche Abbildung 9a) um 
den gleichen Winkel w voraus, wie das rechte Ende der 
Schneidkante (vergleiche Abbildung 9c) nacheilt. In der 
Längsansicht des Zylinders ist diese Verschiebung des 
Messers aus der Mittellage durch die Entfernung s der 
beiden Schneidkantenenden L und R von der Zylinder¬ 
mittellinie AB ausgedrückt. Es bilden daher sowohl die 
Winkel w, als auch die Strecken s ein Maß für die Schräglage 
des rotierenden Messers. Die Summe der beiden Winkel 
entspricht sonach dem Gesamtverdrehungswinkel, der für 
die Zeitdauer des Schnitts bestimmend ist. Um diesen 
Winkel 2u> muß das Zylindermesser und damit auch der 
Zylinderselbst gedreht werden, bis der Schnitt ganz vollendet 
ist. Für die Praxis wichtiger und verständlicher ist jedoch 
der Winkel a, den das rotierende Messer in seiner Längs¬ 
ansicht mit der Zylinderachse AB bildet (vergleiche Ab¬ 
bildung 8). Dieser Winkel wird daher auch als der eigent¬ 
liche Scherenwinkel bezeichnet, während unter Schere im 
allgemeinen die durch den Scherenwinkel bedingte Ver¬ 
schiebung s der beiden Messerenden verstanden wird. 

Wie die doppelte Größe des Verdrehungswinkels w den 
Gesamtverdrehungswinkel des Zylinders vorstellt, so läßt 
sich in analoger Weise die Gesamtverschiebung des Messers 
durch die doppelte Größe der seitlichen Verschiebung s 
zum Ausdruck bringen. Da diese in Abbildung 8 als Pro¬ 
jektion auftretende Verschiebung s infolge ihrer in Wirk¬ 
lichkeit geringen Größe von der am Umfang des Zylinders 
gemessenenVerdrehungwkaumabweicht,sokannmitgroßer 
Genauigkeit die Gesamtverdrehung 2w des Zylinders (in 
Bogenmaß) durch die Gesamtverschiebung 2 s des Messers 
(in Längenmaß) ersetzt gedacht werden. Unter dieser durch¬ 
aus zulässigen Voraussetzung läßt sich nun der Vorgang des 
Schneidprozesses selbst für den Nichttheoretiker in leicht 
verständlicher Weise verfolgen. 

Das rotierende Messer streicht infolge seiner Schräglage 
scherenartig am feststehenden Messer vorbei, auf diese 
Weise den Scherenschnitt erzeugend. Die Messer berühren 
sich immer nur in einem Punkt, und dieser Berührungspunkt 
bewegt sich während der Schneidperiode vom einen zum 


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Abbildung 8. Längsansicht einer Schneidvorrichtung Tür glatten Schnitt 
(Einzylinder-Scherenschnitt). Das rotierende Messer LMR bildet mit der 
Zylindermittellinie A B den Scherenwinkel a 


a b c 



Abbildung 9a,b,c. Querschnitte einer Schneidvorrichtung für glatten 
Schnitt (Einzylinder-Scherinschnitt). Der Anfang und das Ende des 
Zylindermessers sind gegenüber der Mitte des Messers um den Winkel tu 
versetzt (vergleiche Abbildung a und c gegen Abbildung b), ent¬ 
sprechend der seitlichen Verschiebung s in Abbildung 8 


andern Ende der beiden Messer. Nach Abbildung 8 und 9 
kommt zuerst das linke Ende des rotierenden Messers 
(Punkt L) mit dem linken Ende des feststehenden Messers 
in Berührung; nach einer Verdrehung des Zylinders um den 
Winkel o» berühren sich die beiden Messer genau in der 
Mitte, während nach einer weiteren Verdrehung des Zylin¬ 
ders um den gleichen Winkel w das rechte Ende des rotieren¬ 
den Messers (Punkt/?) mit dem rechten Ende des fest¬ 
stehenden Messers in Berührung steht. Beim Zackenschnitt 
erfolgt dagegen der Schnitt auf einmal, das heißt das Messer 
tritt seiner ganzen Länge nach gleichzeitig in Wirksamkeit, 
ein Schneidvorgang, der sich daher von dem beim Scheren¬ 
schnitt ganz wesentlich unterscheiden muß. 

Bei den bisherigen Betrachtungen über den Einzylinder- 
Scherenschnitt wurde das Verhalten des Papiers während 
des Schneidvorganges ganz außer acht gelassen. Es fragt 
sich nun, welchen Einfluß der Scherenwinkel bzw. die 
Schräglage des Zylindermessers auf das vom endlosen 
Strang abzuschneidende Papier hat. Würde das Papier 
periodisch vorgeschoben werden, wie dies z. B. bei den von 
der Rolle druckenden Tiegeldruckpressen der Fall ist, so 
bestünde, was den Schnitt am Papier selbst betrifft, kein 
Unterschied gegenüber dem Hauer-Scherenschnitt 1 . Das 
Papier würde, da es während des Schneidvorganges still 
steht, auch hier rechtwinkelig zum Papierlauf abgeschnitten 
werden,gleichgültig,wie groß derScherenwinkel ist. Anders 
dagegen liegen die Verhältnisse bei kontinuierlich durch 
den Schneidapparat laufendem Papier. Infolge des Scheren¬ 
schnitts muß jetzt, da das Papier auch während der Schneid¬ 
periode mit gleicher Geschwindigkeit weiterläuft, ein 
schräger Schnitt entstehen. An Hand einer schematischen 
Zeichnung soll nun das Auftreten des Schrägschnitts noch 
weiter untersucht und zugleich gezeigt werden, unter 

1 Die vom Verfasser gewählte Bezeichnung Haaer-Scherenschnitt ist auf 
die hauerartige Bewegung des Messers zurückzuführen. In seiner einfachsten 
Form kommt der Hauer-Scherenschnitt bei den von Hand zu betätigenden 
kleinen Papierschneidmaschinen zur Anwendung. Während bei diesen Schneid- 
Vorrichtungen das den Schnitt erzeugende Messer an seinem hintern Ende um 
einen Zapfen drehbar angeordnet ist, wird dagegen bei den von der Rolle 
druckenden Tiegeldruckpressen das in seiner Bewegungsebene schräg gestellte 
Messer schwingend aufgehängt. In beiden Fällen erfolgt die Bewegung des am 
feststehenden Messer vorbeistreichenden Schneidmessers in senkrechter Ebene 
zum Papier, im Gegensatz zur rotierenden Bewegung des Zylindermessers 
beim Einzylinder-Scherenschnitt. Tiegeldruckpressen für Rollenpapier (für 
ein- oder mehrfarbigen Schön- und Widerdruck) mit Perforier-, Numerier-, 
Stanz- und Wiederaufwickelvorrichtungen, außerdem mit Bogenauslage für 
gefalzte und ungefalzte Produkte, werden ln Amerika schon seit Jahren gebaut. 
Auch bei der Meise! Preß Co., Boston, haben sich diese Spezialdruckmascbinen 
zu einem wichtigen Fabrikationszweig entwickelt. 


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welchen Umständen sich der schräge Papierschnitt ver¬ 
meiden läßt. 

Um möglichst einfache Grundlagen für die Entwicklung 
des Diagramms zu schaffen, sei zunächst vorausgesetzt, 
daß die Schneidkante des feststehenden Messers in ihrer 
Projektion auf die Papierebene mit der Zylindermittellinie 
zusammenfallen soll, eine Annahme, die jedoch nur bei 
Parallellage von Messer und Zylinder zutrifft. Ferner sei 
jene Stellung des rotierenden Messers herausgegriffen, die 
sich auf den Beginn des Schneidprozesses bezieht, wenn 
also die erste Berührung der beiden Messer erfolgt. Unter 
diesen beiden Voraussetzungen gilt dann das in Abbildung 10 
wiedergegebene Messer - oder Schneiddiagramm. Überein¬ 
stimmend mit Abbildung8 
und 9 ist mit AB die Zy¬ 
linderachse, mit L M R das 
rotierende Messer, mit 
LOR x das feststehende 
Messer und mit « der 
Scherenwinkel bezeich¬ 
net, während der ge¬ 
fiederte Pfeil wieder die 
Richtung des Papierlaufs 
angibt. 

Die beiden Messer bzw. 
deren Schneidkanten sind 
in diesem Diagramm